Wolfsmilch (Euphorbia)
Die Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) mit 300 Gattungen und fast 2000 Arten ist die viertgrößte Pflanzenfamilie. Die Angehörigen dieser Familie sind vor allem im tropischen Amerika und im südlichen Afrika verbreitet; viele von ihnen kommen auch in den tropischen und subtropischen Gebieten anderer Teile der Welt vor. In den gemäßigten Zonen der nördlichen und südlichen Hemisphäre sind nur wenige Gattungen heimisch. Allen Wolfsmilchgewächsen ist gemeinsam, dass sie einen Milchsaft enthalten.
Nach den Ansprüchen an die Umgebung und nach der Kulturweise werden die Wolfsmilchgewächse in vier Gruppen eingeteilt:
- einjährige Arten
- winterharte mehrjährige Arten
- sukkulente Arten, die nicht winterhart sind
- wärmeliebende Arten von Bedeutung für den Erwerbsgartenbau
Köpfchen-Wolfsmilch (Euphorbia capitulata)
ist eine nur 3–5 cm hohe Art aus Griechenland. Diese kriechend wachsende Staude bildet breite Polster. Aus dem Rhizom wachsen zahlreiche wurzelnde Triebe. Die Stängel sind niederliegend bis aufsteigend und dicht beblättert. Die Blätter sind verkehrt-eiförmig, ganzrandig, blaugrün und schuppenartig angeordnet. An den Stängelenden sitzt ein dichtes Köpfchen mit kleinen Blüten und gelben Hochblättern. Die Blütezeit dauert von Mai bis Juli. Die Köpfchen-Wolfsmilch benötigt sonnige, aber nicht zu trockene Standorte und kalkhaltige, kiesige Böden. Sie eignet sich für die Bepflanzung von Steingärten und Felsspalten. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat, Teilung und Ausläufer.
Wolfsmilch (Euphorbia characias ssp. wulfenii)
ist eine bis zu 120 cm hohe Pflanze mit aufrechtem Wuchs und zweijährigen Stängeln. Die Pflanze wird das ganze Jahr über von graugrünen Blättern geziert, und im frühen Frühjahr erscheinen an den Triebenden große Dolden mit hellgelben Hochblättern. Die Blütezeit dauert von Mai bis Juni. Die Pflanze benötigt einen warmen und sonnigen, windgeschützten Standort. Der Boden sollte sehr locker, gut durchlässig und nicht zu nährstoffreich sein. Für den Winter wird empfohlen, die Pflanze abzudecken. Unter günstigen Bedingungen und an windgeschützten Standorten wirkt die Pflanze sehr attraktiv, ist jedoch leider recht empfindlich. Im Handel ist sie nicht gewöhnlich erhältlich.
Wolfsmilch (Euphorbia corallioides)
stammt aus Italien und Sizilien. Die schlanken, aufrecht wachsenden Stängel tragen graugrüne, rötlich getönte, weiche Blätter in lanzettlicher Form. An den Triebenden bilden sich Dolden mit vielen kleinen Blüten. Da die Pflanze auch im Sommer noch blüht, ist die Blütezeit von Mai bis August lang. Sie hat einen ähnlichen Wuchs wie Euphorbia polychroma, jedoch etwas lockerer. Die Pflanzenhöhe bewegt sich je nach Standortbedingungen zwischen 0,5 und 1 m. Vor allem im Herbst sind die korallrot gefärbten Stängel auffällig, die von weitem leuchten. Die Pflanze eignet sich für die gemeinsame Bepflanzung mit anderen Stauden an einem sonnigen oder halbschattigen Standort. Am Standort breitet sie sich durch Selbstaussaat aus. Die Vermehrung ist durch Aussaat, Stecklinge und Teilung möglich.
Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias)
Diese europäische Art gehört bei uns zu den häufigen Unkräutern. Sie wächst hauptsächlich auf leichten, lockeren und gut durchlässigen Böden. Sie breitet sich stark durch Wurzelausläufer aus, füllt größere Flächen und kann zu einer lästigen Pflanze werden. Die Blätter sind länglich schmal, nadelförmig und blaugrün. Von Mai bis Juni erscheinen gelbgrüne, oft rötlich gefärbte Dolden mit kleinen Blüten. Die Zypressen-Wolfsmilch ist 20–40 cm hoch und eignet sich gut zur Bepflanzung größerer Flächen und naturnaher Bereiche mit leichten und nährstoffarmen Böden. Die Vermehrung ist durch Teilung, Stecklinge und Ausläufer möglich. Größere Bedeutung haben Kreuzungen der genannten Art, z. B. Euphorbia cyparissias × Euphorbia waldsteinii ‚Betteni‘. Dieser Hybrid wird bis zu 60 cm hoch und hat gelbe Blüten.
Wolfsmilch (Euphorbia griffithii)
stammt aus dem Himalaya, aus der Region Bhutan und Südtibet. Die ausdauernde Pflanze bildet Ausläufer, 50–80 cm hohe aufrechte Triebe und sitzende lanzettliche Blätter mit einer roten Mittelrippe. Im Herbst sind die Blätter über einen langen Zeitraum gelb und rot gefärbt. Die Pflanze blüht von Mai bis Juni und trägt dabei in endständigen Trugdolden Blüten mit orangefarbenen Hochblättern. Sie ist eine wertvolle Staude für die Pflanzung im leichten Schatten von Gehölzen oder an sonnigem Standort. Sie benötigt eine warme und geschützte Lage sowie nährstoffreichen und ausreichend feuchten Boden. Junge Pflanzen kommen während eines strengen Winters und an ungeschützten Standorten nicht ohne eine Winterabdeckung aus Laub aus. Die Vermehrung ist durch Ausläufer oder Aussaat möglich. Unter günstigen Bedingungen vermehrt sich die Pflanze selbst durch Selbstaussaat.
Im Vergleich zur Art sind die gezüchteten Sorten für den Garten wertvoller:
- ‚Dixter‘ hat Stängel mit leuchtend orangeroter Farbe,
- ‚Fireglow‘ hat auffällige orangerote Hochblätter und eine schöne Herbstfärbung,
- ‚Fireglow Dark Form‘ unterscheidet sich von der Sorte ‚Fireglow‘ durch dunklere Blätter und Hochblätter.
Kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris)
(auch Springkraut-Wolfsmilch genannt)
stammt angeblich aus dem Mittelmeerraum und aus den warmen Regionen Asiens, gelangte jedoch über Mitteleuropa nach Nord- und Südamerika, wo sie verwilderte. Die einjährige überwinternde Pflanze bildet aufrecht wachsende Stängel mit einem bläulichen Reif. Junge Triebe sind dicht belaubt, ältere Stängel sind häufig von unten kahl. Die Wuchshöhe der Pflanze zwischen 40 und 100 cm hängt vom Standort und von der Bodenqualität ab. Auffällig sind die gegenständigen Blätter in kreuzweise angeordneten Paaren, die den Eindruck einer vierzeiligen Anordnung erwecken. Die Blätter haben eine lanzettliche Form und sind blaugrün gefärbt. Im mehrfach verzweigten Blütenstand befinden sich Blüten mit breit lanzettlichen grünen Hochblättern. Die Kreuzblättrige Wolfsmilch wird seit der Antike als Heilpflanze verwendet und ist in Hausgärten recht häufig zu sehen, weil sie Maulwürfe und Wühlmäuse „vertreiben“ soll. Die Pflanze kommt mit jedem Gartenboden zurecht. Sie kann durch Aussaat im Juni bis Juli vermehrt werden (Auspflanzung Anfang Herbst), doch verwildert die Pflanze meist nach der Selbstaussaat.
Wolfsmilch (Euphorbia × martinii)
ist eine natürliche Hybride, die durch Kreuzung der Arten Euphorbia amygdaloides und Euphorbia characias entstanden ist. Die Pflanze ist stattlich, verzweigt sich stark und wächst horstig bis zu einer Höhe von 40–50 cm. Die immergrünen Blätter sind rötlich gefärbt. Die aufrechten Blütenstände sind verlängert, locker und die Hochblätter der Blüten sind hellgrün. Die Pflanze blüht von April bis Juni. Die Standortansprüche und Verwendungsmöglichkeiten stimmen mit denen der Art Euphorbia amygdaloides überein.
Myrtenblättrige Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites)
ist im Mittelmeerraum beheimatet. Die 20–25 cm hohe Pflanze hat liegende Stängel, die ringsum dicht mit immergrünen Blättern besetzt sind; diese sind fleischig und blaugrün. Von Mai bis Juli erscheinen an den Enden der vorjährigen Triebe Blütenstände mit grünen bis leuchtend gelben Hochblättern. Die Myrtenblättrige Wolfsmilch benötigt einen sonnigen Standort mit lockerem, durchlässigem und kalkhaltigem Boden. Diese attraktive Art eignet sich gut für Trockenmauern und Steingärten. In schneelosen Wintern ist eine Abdeckung empfehlenswert, da sich aus den alten Trieben im folgenden Jahr die Blütenstände entwickeln. Die Pflanze wird durch Samen vermehrt.
Wolfsmilch (Euphorbia nicaeensis)
ist eine langlebige, wertvolle Art, die jedoch in Gärten nur selten gepflanzt wird. Sie stammt aus Südeuropa. Die bis zu 50 cm hohe Pflanze wächst kompakt und in runder Form. Die immergrünen Blätter ähneln denen der Myrtenblättrigen Wolfsmilch, sind jedoch nicht so fleischig. Die gelblich-grünen Hochblätter bleiben sehr lange erhalten.
Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris)
wächst in Europa und Sibirien. Sie kommt an feuchten Standorten und in flachen Gewässern vor. Die Pflanze wächst aufrecht und kräftig aus einem kriechenden Rhizom. Die Stängel sind 1–1,5 m hoch, blau bereift, oft an der Basis rot und verfärben sich im Herbst purpurrot. Die Blätter sind wechselständig, schmal lanzettlich und lebhaft grün. Im Blütenstand mit bis zu 12 Strahlen stechen gelbgrüne Hochblätter und wachsgelbe Nektardrüsen (später bräunlich) hervor. Die Pflanze blüht von Mai bis Juni. Die Sumpf-Wolfsmilch gedeiht am besten an feuchten bis nassen Standorten, kommt aber auch mit einem trockenen Standort zurecht. Sie wird zur Bepflanzung von Ufern und flachen Gewässern empfohlen. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat und Teilung.
Vielfarbige Wolfsmilch (Euphorbia polychroma)
wächst häufig im südlichen Deutschland, in Italien und in Osteuropa. Diese ausdauernde Pflanze mit mehrköpfigem Rhizom und aufrechten, weich behaarten Stängeln bildet einen 30–50 cm hohen und dichten Horst in halbkugeliger Form. Die behaarten Blätter sind sitzend, eiförmig-länglich und an der Spitze abgerundet. Von April bis Mai entfalten sich Blütenstände mit 5–6 Strahlen. Die späte Verzweigung ist blütenlos. Die leuchtend goldgelben Hochblätter sitzen dicht gedrängt auf aufrechten Stielen und halten lange an. Die Vielfarbige Wolfsmilch ist eine strahlende Frühjahrsblume, die in Beeten in Gesellschaft anderer Frühlingsblumen gut zur Geltung kommt. An sonnigen Standorten kann sie jedoch auch als Naturstaude am offenen Gehölzrand verwendet werden. Obwohl sie mit jedem Gartenboden zufrieden ist, wächst sie am besten in kalkhaltigem, nährstoffarmem und nicht zu feuchtem Boden. Gezüchtete Typen werden durch Teilung und Stecklinge vermehrt, die ursprüngliche Art durch Aussaat von Dezember bis Mai. Zur Keimung ist eine niedrige Temperatur (0–5 °C) erforderlich.
Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana)
Diese in Europa verbreitete Staude wächst horstig bis zu einer Höhe von 60 cm. Die linealischen bis eiförmigen, blaugrünen Blätter sind 35 mm lang und 2–8 mm breit. Der Blütenstand ist zwei- bis vierfach geteilt und hat bis zu 30 Strahlen.
Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. niciciana)
Die horstige Staude mit vielen Trieben wird bis zu 40 cm hoch. Sie hat schmale, lanzettliche Blätter und einen vielstrahligen Blütenstand mit gelbgrünen Hochblättern.
Wolfsmilch (Euphorbia sikkimensis)
Ursprünglich aus dem Himalaya stammend, wächst sie aufrecht und kräftig bis zu einer Höhe von 60–80 cm. Die zahlreichen lanzettlichen Blätter sind beim Austrieb rubinrot, später rot. Die Dolden mit gelben Hochblättern erscheinen im Juli bis August. Die Pflanze, die nur begeisterte Staudenliebhaber zu schätzen wissen, benötigt einen nährstoffreichen und feuchten Boden.
Wolfsmilch (Euphorbia spinosa)
ist von Frankreich bis nach Jugoslawien und Albanien verbreitet. Die nur 20 cm hohe Pflanze wächst kompakt, verzweigt sich dicht und bildet Polster. Auffällig sind die unregelmäßig wachsenden Triebe mit Dornen an den Spitzen. Die immergrünen Blätter sind sehr klein und haben rote Blattstiele. Die Blüten auf kurzen Stielen und mit gelben Hochblättern sind klein und nicht sehr zahlreich.
Einjährige Arten
Standort: überwiegend sonnig; Boden locker, durchlässig und kalkhaltig
Höhe: 50–60 cm
Blütezeit: Juli–Oktober
Vermehrung: Aussaat unter Glas (Februar–März) und Aussaat im Freien (April–Mai)
Bunte Wolfsmilch (Euphorbia marginata)
Diese einjährige Sommerblume aus Nordamerika wächst in Prärien und Steppen zwischen Minnesota und Missouri, westlich und südlich bis nach Montana, Texas und New Mexico. Die Pflanze wächst aufrecht und bildet weißliche Stängel, die dicht belaubt und oben gabelig verzweigt sind. Die Blätter sind eiförmig-rundlich oder länglich, im unteren Teil der Pflanze grün und nach oben hin zunehmend weiß gerandet und geädert. Die Hochblätter sind vollständig weiß. Diese interessante und anspruchslose Sommerblume ist bisher wenig bekannt. Sie eignet sich auch als Schnittblume und als dekoratives Grün.
Sorten von Euphorbia marginata
| Sorte | Höhe (cm) | Blüten / Hochblätter |
|---|---|---|
| Eiszapfen | 60 | große, gut ausgefärbte Hochblätter |
| Bergkristall | 50 | grün-weiße Hochblätter |
| Schnee am Berg | 60 | grün-weiße Hochblätter |
| White Top | 60 | intensive Zeichnung |
Wolfsmilch (Euphorbia heterophylla)
stammt aus den Steppengebieten des tropischen und subtropischen Amerikas. Diese einjährige Pflanze wird bis zu 90 cm hoch und blüht von Juli bis September. Die gestielten Blätter sind wechselständig angeordnet und nur im oberen Teil der Stängel gegenständig. Die oberen Blätter und Hochblätter sind an der Basis lachsfarben bis purpurrot gefärbt. In Amerika, wo auch weiße und gelbe Formen entstanden sind, ist die Pflanze als „Annual Poinsettia“ (einjähriger Weihnachtsstern) bekannt. Sie wird auf dieselbe Weise kultiviert wie Euphorbia marginata. Auch Direktaussaaten im Freien von April bis Mai sind möglich.
Winterharte Stauden-Arten
- Standort: sonnig bis halbschattig; arme, kalkhaltige, gut durchlässige Böden
- Höhe: je nach Art 20–120 cm
- Blütezeit: je nach Art Mai–August
- Vermehrung: durch Aussaat, Stecklinge und Teilung
Die Vermehrungsweise variiert je nach Art; möglich ist die Vermehrung durch Samen, Stecklinge, Teilung und Ausläufer. Frisch geschnittene Stecklinge werden 10–15 Minuten in lauwarmes Wasser gestellt (bis der Milchsaftfluss aufhört). Dadurch wird ein Verstopfen der Schnittwunde verhindert und bei den gesteckten Stecklingen kann die Wasseraufnahme und Bewurzelung fortgesetzt werden.
Mandelwolfsmilch (Euphorbia amygdaloides)
ist in Europa (auch bei uns) bis zum südlichen Russland und im Kaukasus verbreitet. Die immergrüne halbstrauchige Pflanze ist 30–50 cm hoch. Die Blätter sind länglich-verkehrteiförmig, stumpf, dunkel olivgrün, auf der Unterseite rostrot und im Winter rötlich-purpurn. Die endständigen Blütenstände entfalten sich von April bis Juni an den Trieben des Vorjahres. Es sind zylindrische, gelblich-grüne Trugdolden mit verwachsenen, rundlichen Hochblättern. Diese Art gedeiht bei uns gut an halbschattigen bis schattigen Standorten mit kalkhaltigem Boden und eignet sich zur Bepflanzung an Gehölzrändern. Sie wird durch Stecklinge, Wurzelausläufer oder Aussaat vermehrt. Eine sehr interessante Sorte ist ‚Purpurea‘ mit gelblich-purpurnen Blüten.
Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides var. robbiae)
ist eine botanische Varietät aus dem Nordwesten Kleinasiens. Im Unterschied zur Ausgangsart Euphorbia amygdaloides breitet sie sich durch Wurzelausläufer aus und hat an den Stengelenden gehäufte, breitere, glänzend dunkelgrüne Blätter. Die immergrünen Blätter an 30–50 cm hohen Stengeln sind im Winter sehr auffällig. Die locker gebauten Blütenstände können bis zu 60 cm hoch werden. Sie erscheinen von April bis Juni an den Trieben des Vorjahres und haben hellgrüne Hochblätter. Diese wüchsige Staude eignet sich hauptsächlich zur Unterpflanzung von Gehölzen in geschützten Lagen und an Standorten mit kalkhaltigem und trockenem Boden. In ungeschützten Lagen werden die überwinternden Blätter durch starken Frost beschädigt. Am Standort breitet sich die Pflanze durch Selbstaussaat und Wurzelausläufer aus. Am besten wird sie durch Stecklinge vermehrt.
Sukkulente Arten, die nicht winterhart sind
Alle Wolfsmilchgewächse enthalten einen weißen Latex-Saft, der in den meisten Fällen giftig ist. Das zweite gemeinsame Merkmal der Wolfsmilchgewächse ist der sehr komplizierte Aufbau der Blüten. Die scheinbar große Blüte ist in Wirklichkeit keine einzelne Blüte, sondern ist, ähnlich wie bei den Korbblütlern, aus vielen einzelnen Blüten zusammengesetzt (männliche Blüten, die nur aus einem Staubblatt bestehen, umgeben die weiblichen Blüten, die ebenfalls keine Hüllblätter haben). Was bei einigen Arten (Gruppe Euphorbia milii) wie bunte Blütenblätter aussieht, sind Hochblätter, die geeignete Bestäuber anlocken sollen.
Wolfsmilchgewächse sind nicht krankheitsanfällig und werden nicht häufig von Schädlingen befallen. Eine Ausnahme bilden Nematoden; wird deren Anwesenheit festgestellt, müssen alle befallenen Wurzeln abgeschnitten werden und die Pflanze muss in unbelastetem Substrat neu einwurzeln. Bei hoher Luftfeuchtigkeit tritt an blattlosen Arten Mehltau auf; an belaubten Arten schaden häufiger Spinnmilben.
Wolfsmilchgewächse werden durch Stecklinge oder Samen vermehrt. Beim Schneiden von Stecklingen ist ein Schutz vor dem giftigen Milchsaft erforderlich. Um eine Verstopfung der Schnittwunde durch eingetrockneten Milchsaft zu verhindern, wird der Steckling zunächst in Wasser und anschließend in pulverisierte Holzkohle getaucht. Nach einigen Tagen werden die Stecklinge in ein Gemisch aus Torf und Sand gesteckt. Leider wachsen Stecklingspflanzen nach dem Einwurzeln nicht immer auf die gleiche Weise wie die Mutterpflanze. Arten, die sich nicht verzweigen, können nur durch Samen vermehrt werden.
Aus der großen Anzahl sukkulenter Wolfsmilchgewächse führen wir Arten auf, die für die Zimmerkultur geeignet sind:
Wolfsmilch (Euphorbia grandicornis)
gehört zu den sogenannten zweidornigen Wolfsmilchgewächsen, die am Blattstiel ein Paar Nebenblätter haben, die nach dem Abfallen der Blattspreite als Dornen erhalten bleiben. Die Dornen sind sehr hart, 7–10 cm lang, an der Spitze hellbraun und im Alter grau. Die kleinen Blätter fallen früh ab. Die Heimat dieser Art sind Küstenwälder von Kenia bis nach Zululand und dem portugiesischen Ostafrika. Der unregelmäßig verzweigte Strauch wächst dort bis zu einer Höhe von 1–2 m. In der Kultur sind vor allem Sämlinge interessant, und zwar nicht nur wegen der bizarr kräftigen Dornen, sondern auch wegen der graugrünen Streifung der Stängel. Die Kultivierung ist dieselbe wie bei Euphorbia milii.
Christusdorn (Euphorbia milii)
eine anspruchslose, dornige Sukkulente aus Madagaskar. Sie gedeiht an einem hellen bis sonnigen Standort und kann im Sommer auch im Freien kultiviert werden. Sie erreicht eine Höhe von 30 bis 100 cm und blüht fast das ganze Jahr über, am meisten jedoch vom Frühjahr bis zum Sommer. Ihre kleinen Blüten sind von auffälligen farbigen Hochblättern umgeben – in Rot, Rosa oder Gelb. Sie lässt sich leicht durch Stecklinge vermehren. Sie verträgt gut Trockenheit sowie trockene Raumluft. Bei Verletzung sondert sie giftigen Milchsaft ab, daher sollten Sie vorsichtig mit ihr umgehen.
Weitere zweistachelige Wolfsmilcharten sind:
Wolfsmilch (Euphorbia pseudocactus)
hat leuchtend grüne und gelbgrün marmorierte Stängel mit 4–5 Rippen und Dornen bis zu 1,5 cm Länge. Die Pflanze wächst schnell und lässt sich leicht vermehren.
Wolfsmilch (Euphorbia candelabrum)
ist als junge Pflanze mit grün-weißlich gestreiften Stängeln sehr attraktiv.
Wolfsmilch (Euphorbia tortirama)
hat spiralförmig gedrehte dreieckige Seitenzweige. Zahlreiche Seitenzweige wachsen aus dem Kopf der rübenförmigen Wurzel und haben entlang der Kanten lange warzige Auswüchse. Die Dornen sind etwa 2 cm lang. Die Pflanze lässt sich leicht durch Stecklinge vermehren, wobei das spiralförmige Wachstum der Zweige erhalten bleibt.
Wolfsmilch (Euphorbia submammillaris)
gehört zu den zwergwüchsigen Wolfsmilchgewächsen mit stacheligem Blütenstand. Bei Sammlern ist sie sehr beliebt. Die dunkelgrünen Stängel mit 7–12 Rippen werden nach oben hin dicker. Im Blütenstand befinden sich zahlreiche Dornen von bis zu 2 cm Länge, schlank, rot und später braun.
Wolfsmilch (Euphorbia obesa)
zählt zu den „melonartigen“ Wolfsmilchgewächsen von völlig besonderem Aussehen und ist ein anschauliches Beispiel botanischer Konvergenz. Diese Wolfsmilch ähnelt dem Kaktus Astrophytum asterias. Die dunkel gestreiften Kugeln haben einen Durchmesser von etwa 10 cm und werden im Alter bis zu 20 cm hoch. Die Heimat dieser schönen Wolfsmilch ist die Kapregion. Der Import der Pflanzen nach Europa ist verboten, die Art muss bei uns aus Samen gezogen werden.
Glanzwolfsmilch (Euphorbia fulgens)
- Standort: sonnig, hell, warm
- Höhe: 30–120 cm
- Blütezeit: im Herbst und Winter oder das ganze Jahr über
- Vermehrung: durch Kopfstecklinge
Geschnittene Stiele mit Blüten halten lange in der Vase (3 Wochen) und sind besonders zu Weihnachten beliebt. Die Pflegeanforderungen sind identisch mit denen geschnittener Poinsettien in der Vase. Es wurden Sorten mit orangefarbenen, roten, rosa, lachsfarbenen, gelben und weißen Hochblättern gezüchtet. Die Hochblätter weißer Sorten lassen sich beliebig färben, indem die geschnittenen Stiele in Wasser mit einem geeigneten Farbstoff gestellt werden.
Für frühe Blüte muss bereits im Februar bis März unter Glas gesät werden. Die Samen keimen bei einer Temperatur von 18 °C innerhalb von 10 Tagen. Nach weiteren 3 Wochen werden die Sämlinge pikiert, und ab Mitte Mai werden die Jungpflanzen im Abstand von 25 cm ins Freie gepflanzt. Auch eine direkte Aussaat ins Freilandbeet ab Ende April ist möglich; die Sämlinge müssen vereinzelt werden. Der Boden muss locker, humusreich und gut durchlässig sein. In schweren, nassen und kalten Böden gedeihen die Pflanzen nicht. Eine stärkere Düngung ist nicht erforderlich.
Die Pflanzen blühen von Juli bis Oktober. Nach dem Schnitt sollten die Stielenden so lange in lauwarmem Wasser eingetaucht werden, bis kein Milchsaft mehr austritt. So behandelte Schnittblumenstiele behalten ihre Frische für längere Zeit. Der Milchsaft kann gelegentlich Allergien verursachen. Die Pflanze versamt sich am Standort häufig selbst. Die Samen behalten ihre Keimfähigkeit 3 Jahre lang.
