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Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus)

Ausdauernde wilde Heilpflanze, deren blaue Blütenkörbchen sich nur bei Sonne öffnen und aus deren Wurzel Zichorienkaffee geröstet wurde — im Bild die Blüte der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus).

Gemeine Wegwarte: Beschreibung, Standort und Blütezeit

Ausdauernde Wild- und Heilpflanze, die sich auch als Gemüse verwenden lässt

  • Standort: sonnig, trocken; tiefgründige lehmige Böden
  • Höhe: bis 1 m
  • Blütezeit: Juli–September
  • Vermehrung: durch Aussaat

Die Wegwarte aus der Familie der Zichoriengewächse (Cichoriaceae) ist in fast ganz Europa verbreitet. An den leuchtend blauen Blüten (selten sind sie rosa oder weiß) und den sparrig verzweigten Stängeln ist sie leicht zu erkennen.

Die Wegwarte wächst am häufigsten an lichten Weg- und Feldrändern, auf Böschungen und an anderen Stellen mit lehmigem Boden.

Die Blütenkörbchen sitzen in den Blattachseln und an den Spitzen der verzweigten Stängel.

Der kantige, rau behaarte Stängel trägt nur wenige Blätter und lässt sich nur schwer brechen. Die Wurzeln führen Milchsaft und dringen tief in den Boden ein. Gerade diese tiefe Pfahlwurzel macht die Wegwarte zu einer ausdauernden Staude, die auch einen trockenen Sommer am Feldrain oder auf der Böschung übersteht.

Ältere und volkstümliche deutsche Namen derselben Pflanze sind Wilde Zichorie oder Kaffeekraut; in der Fachliteratur werden unter dem Namen Cichorium intybus auch alle Kulturformen geführt, also der Chicorée und die Blattzichorien. Die nächste Verwandte der Gattung ist die Endivie (Cichorium endivia), die ebenfalls als Salat angebaut wird.

Blüte der Wegwarte: wann sie blüht und warum sie sich mittags schließt

Die Gemeine Wegwarte blüht von Juli bis September. Die Blütenkörbchen sind zwei bis vier Zentimeter breit und bestehen ausschließlich aus satt blauen Zungenblüten, deren Zunge am Ende fünf Zähnchen trägt. Sie öffnen sich nur bei sonnigem Wetter und verblühen etwa sechs Stunden nach dem Öffnen.

Der Bestand wirkt deshalb vormittags wie ein blaues Band entlang der Straße und nachmittags wie ein gewöhnliches trockenes Kraut — die Blüten sind dann geschlossen. Jedes Körbchen blüht zudem nur einen einzigen Tag; am Stängel öffnen sich aber nach und nach so viele, dass die Blüte des ganzen Bestandes zwei bis drei Monate dauert. Dieser Rhythmus war so verlässlich, dass Carl von Linné die Wegwarte in seine „Blumenuhr“ aufnahm — als Pflanze, die sich gegen fünf Uhr morgens öffnet.

Das Blau der Körbchen ist unter den Wiesenkräutern selten und macht die Wegwarte in der zweiten Sommerhälfte, wenn die meisten Wiesen abgeblüht sind, zu einer ergiebigen Bienenweide für Bienen und Hummeln.

Heilwirkung der Wegwarte: Bitterstoffe und Inulin

Wurzel und Kraut enthalten heilsame Bitterstoffe und Gerbstoffe, die den gesamten Stoffwechsel des Menschen günstig beeinflussen und stärken.

Die Wurzeln enthalten außerdem viel Inulin, weshalb die Wegwarte ein wichtiges Gemüse für Diabetiker ist.

Die Wegwarte ist eine alte Nutz- und Heilpflanze, der im Lauf der Jahrhunderte auch eine Zauberwirkung zugeschrieben wurde.

Inulin ist ein Speicherpolysaccharid, das im menschlichen Körper nicht zu Glucose abgebaut wird — deshalb wird die Zichorienwurzel zu Sirup und Süßungsmittel für die Diabetikerkost verarbeitet und dient in der Lebensmittelindustrie als löslicher Ballaststoff. In der Wurzel stecken je nach Jahreszeit 15 bis 20 %; am meisten im Herbst, wenn die Pflanze einzieht.

Die Bitterstoffe (vor allem Lactucin und Lactucopikrin) geben der Wegwarte ihre charakteristische Bitterkeit. In der Volksheilkunde wurden Kraut und Wurzel seit jeher als bitteres Geschmacksmittel für Appetit und Verdauung genutzt; die Bitterkeit ist auch der Grund, warum die Blätter der Salatzichorien vor der Küchenverwendung im Dunkeln gebleicht werden.

Wurzelzichorie (Cichorium intybus var. sativum): die Wegwarte für Zichorienkaffee

Zichorienkaffee — das Getränk aus gerösteter Wegwartenwurzel in einer weißen Tasse und blaue Blüten der Gemeinen Wegwarte

Es ist eine Varietät mit rübenartiger Wurzel, die als Feldfrucht angebaut wird. Aus getrockneten und gerösteten Wurzeln wurde ein Kaffeeersatz hergestellt – der Zichorienkaffee.

Die Wurzel der Wurzelzichorie wird 20 bis 30 cm lang, wiegt rund 300 g und wird im Herbst des ersten Jahres geerntet, solange die Pflanze noch nicht blüht. Nach dem Waschen wird sie in Scheiben geschnitten, getrocknet und geröstet — beim Rösten karamellisiert das Inulin, und es entstehen der typische herb-bittere Geschmack und die dunkle Farbe des Getränks.

Zichorienkaffee wurde vor allem in Zeiten getrunken, in denen echter Kaffee nicht zu bekommen oder zu teuer war — im Volksmund heißt er bis heute Muckefuck —, und er wird bis heute als Getreidekaffee oder als dessen Bestandteil verkauft. Koffein enthält er nicht. Die genaue Zubereitung und weitere Verwendungen der Wurzel beschreibt der Artikel Chicorée.

Aus derselben Art wurden auch Blatt- und Kopfsorten gezüchtet — der Chicorée (Witloof), Radicchio oder Zuckerhut. Botanisch ist das nach wie vor Cichorium intybus, es unterscheiden sich nur Varietät und Anbauweise.

Sammeln, Trocknen und die Wegwarte im Garten

Das Kraut wird zu Blühbeginn, also im Juli und August, an einem trockenen Tag gesammelt. Getrocknet wird es ausgebreitet im Schatten und im Luftzug bei höchstens 40 °C; die fertige Droge soll ihre grüne Farbe behalten, Braunwerden bedeutet, dass zu warm oder zu feucht getrocknet wurde. Die Wurzel wird im Herbst ausgegraben, wenn am meisten Inulin in ihr steckt, gewaschen und in Scheiben geschnitten getrocknet.

Im Garten kommt die Gemeine Wegwarte in der Blumenwiese, an einem trockenen Hang oder im Kräuterbeet zur Geltung. Sie wird im Frühjahr direkt an Ort und Stelle in tiefgründigen, durchlässigen und eher kalkhaltigen Boden in die volle Sonne gesät — Umpflanzen hat keinen Sinn, die Pfahlwurzel wird dabei leicht beschädigt. Die Pflanze hält am Standort viele Jahre aus und sät sich ab dem zweiten Jahr selbst aus.

Düngen muss man nur maßvoll. Die Wegwarte wächst von Natur aus auf mageren Rainen und treibt in zu üppig genährtem Boden weiches Kraut auf Kosten der Wurzel. Eine Frühjahrsgabe eines langsam wirkenden universellen organischen Düngers reicht ihr für die ganze Saison; er belebt das Bodenleben rund um die Wurzel und gibt die Nährstoffe nur allmählich ab, sodass die Pflanze nicht ins Kraut schießt. Bei Wurzelsorten für Zichorienkaffee wird frischer Stallmist gar nicht verwendet — danach verzweigen sich die Wurzeln und lassen sich schlechter verarbeiten.

Häufige Fragen zur Gemeinen Wegwarte

Wann blüht die Gemeine Wegwarte?

Von Juli bis September. Die einzelnen Blütenkörbchen öffnen sich nur bei sonnigem Wetter, halten rund sechs Stunden und verblühen dann — deshalb ist der Bestand vormittags blau und nachmittags unscheinbar.

Woran erkenne ich die Gemeine Wegwarte?

An den leuchtend blauen Blütenkörbchen aus lauter Zungenblüten, an den sparrig verzweigten steifen Trieben und am kantigen, rau behaarten Stängel, der sich nur schwer brechen lässt. Sie wächst an Weg- und Feldrändern, auf Böschungen und Rainen. Selten sind die Blüten rosa oder weiß.

Ist die Gemeine Wegwarte dasselbe wie Chicorée?

Es ist dieselbe botanische Art, Cichorium intybus, aber eine andere Varietät. Die Gemeine Wegwarte ist die wild wachsende Form, Chicorée, Radicchio und die übrigen Salatzichorien sind daraus gezüchtete Kultursorten. Anbau, Sorten und Rezepte beschreibt der Artikel Chicorée.

Wofür wird die Gemeine Wegwarte verwendet?

Die Wurzel für Kaffeeersatz (Zichorienkaffee), für Inulinsirup und Süßungsmittel für Diabetiker, Kraut und Wurzel als bittere Kräuterdroge für Appetit und Verdauung. Junge Blätter lassen sich roh essen, sie schmecken allerdings deutlich bitter.

Ist die Gemeine Wegwarte eine Staude?

Ja, sie ist eine ausdauernde Pflanze. Der oberirdische Teil zieht zum Winter ein, und aus der tiefen Pfahlwurzel treibt sie wieder aus. Am Standort hält sie viele Jahre und sät sich leicht selbst aus.

Womit düngt man die Gemeine Wegwarte?

Maßvoll und am besten mit einer einzigen Gabe im Frühjahr. Ihr bekommt ein langsam wirkender organischer Dünger; eine überdüngte Pflanze bildet weiches Kraut auf Kosten der Wurzel. Frischer Stallmist wird bei Wurzelsorten nicht verwendet.