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Schöllkraut (Chelidonium majus): Wirkung, Giftigkeit und Anwendung bei Warzen

Wildkraut aus der Familie der Mohngewächse mit goldgelben Blüten und orangegelbem Milchsaft. Wie es aussieht, wo es wächst, warum es giftig ist und wie sein Saft seit jeher gegen Warzen und Hühneraugen verwendet wird.

Wie Schöllkraut aussieht und wo es wächst

Botanische Zeichnung des Schöllkrauts (Chelidonium majus) mit goldgelben vierzähligen Blüten, gefiederten Blättern und schmalen Kapseln

Ausdauerndes, wild wachsendes Giftkraut und altes Heilkraut

  • Standort: keine besonderen Bodenansprüche, meist im Halbschatten
  • Höhe: 30-100 cm
  • Blütezeit: Mai-September
  • Vermehrung: durch Aussaat

Schöllkraut ist in ganz Europa verbreitet, außerdem in Teilen Asiens und Nordamerikas. Es gehört zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) und wächst vor allem in der Nähe menschlicher Siedlungen: an Mauern und Wegrändern, auf Brachen, an Böschungen und auf Schuttplätzen.

Genau das ist typisch für Schöllkraut: Es ist ein Begleiter menschlicher Siedlungen. Sie finden es am Mauerfuß, in Pflasterfugen, unter dem Zaun, am Kompost und in der verwilderten Ecke des Gartens — überall dort, wo der Boden stickstoffreich ist und niemand regelmäßig gräbt.

Gelber Milchsaft und giftige Alkaloide

Die ganze Pflanze führt einen gelben Milchsaft, der scharf schmeckt und ätzend wirkt. Der Saft enthält schwach giftige Alkaloide. Beim Sammeln der frischen Pflanze ist Vorsicht geboten: Der gelbe Saft reizt die Haut und kann über offene Wunden auch zu einer Vergiftung führen.

Die 30-100 cm hohe Pflanze mit verzweigtem Stängel sitzt mit einer kräftigen Pfahlwurzel im Boden. Stängel und Blätter sind leicht behaart, die blaugrünen Blätter gefiedert und am Rand gekerbt. Die goldgelben Blüten mit vier Kronblättern stehen in doldigen Blütenständen.

Dem Schöllkraut werden beruhigende und krampflösende Wirkungen auf Magen, Darm und Galle zugeschrieben. Wegen der ätzenden Wirkung seines Safts wird es vor allem zum Entfernen von Warzen verwendet.

Die wichtigsten Alkaloide des Schöllkrauts sind Chelidonin und Sanguinarin, dazu kommen Coptisin, Berberin und Chelerythrin. Am höchsten ist ihr Gehalt in der Wurzel und im frischen Saft, beim Trocknen und Lagern nimmt er ab. Die Farbe des Milchsafts ist ein unverwechselbares Merkmal: Bricht man den Stängel an, tritt ein Tropfen kräftig orangegelber Flüssigkeit aus, wie ihn kein anderes heimisches Wildkraut hat.

Schöllkraut: Wirkung und Anwendung in der Volksheilkunde

Schöllkraut gehört zu den ältesten europäischen Heilpflanzen — schon Dioskurides beschreibt es, und in den mittelalterlichen Kräuterbüchern hat es ein eigenes Kapitel. Die Volksheilkunde kennt traditionell zwei Anwendungsbereiche:

  • Äußerlich — frischer Saft auf Warzen, Hühneraugen und verhornte Haut. Das ist mit Abstand die verbreitetste und am besten belegte volkstümliche Anwendung.
  • Innerlich — krampflösend auf Gallenblase, Gallenwege und Verdauungstrakt. Die innerliche Anwendung gilt heute wegen des Risikos von Leberschäden als problematisch und wird ohne ärztliche Aufsicht nicht empfohlen.

Darin unterscheidet sich Schöllkraut von den üblichen Gartenkräutern wie Kamille, Salbei oder Wegerich: Es ist kein Kraut für den täglichen Tee, sondern eine Pflanze mit hohem Wirkstoffgehalt, mit der man vorsichtig umgeht.

HinweisDieser Artikel beschreibt die Pflanze und die überlieferten Arten ihrer Verwendung. Er ersetzt weder den Rat eines Arztes noch den einer Apotheke und ist keine Behandlungsanleitung. Die innerliche Anwendung von Schöllkraut gehört ausschließlich in fachkundige Hände.

Schöllkraut gegen Warzen und Hühneraugen

Die bekannteste Anwendung von Schöllkraut ist die äußerliche Behandlung von Warzen. Das überlieferte Vorgehen ist seit Jahrhunderten gleich: Man bricht den Stängel oder den Blattstiel an, es tritt ein Tropfen orangegelber Saft aus, und mit diesem betupft man direkt die Warze. Wiederholt wird das ein- bis zweimal täglich während der ganzen Blütezeit, also etwa von Mai bis September, bis die Warze nach und nach eintrocknet und sich ablöst.

Worauf Sie dabei achten sollten:

  • Der Saft gehört nur auf die Warze, nicht auf die umgebende Haut. Er ist ätzend und kann auf gesunder Haut Rötungen oder Blasen verursachen. Die Umgebung schützt man am besten mit Vaseline.
  • Niemals ins Auge und auf Schleimhäute. Ein betroffenes Auge wird mit Wasser ausgespült und gehört zum Arzt.
  • Nicht auf offene Wunden, nicht auf blutende Stellen. Über verletzte Haut gelangen die Alkaloide in den Körper.
  • Waschen Sie sich danach die Hände. Der Saft färbt zudem Haut und Kleidung, und die Flecken gehen nur schwer heraus.
  • Unklare Hautveränderungen gehören zum Hautarzt. Nicht jede Erhebung auf der Haut ist eine Warze, und das Betupfen zu Hause ist dann das Letzte, was infrage kommt.

Auf die gleiche Weise wird der Saft überliefert auch bei Hühneraugen und verhornter Haut verwendet. Schöllkraut steht damit nicht allein — ätzenden oder reizenden Saft führen auch die Wolfsmilch und der Riesenbärenklau, bei dem der Hautkontakt allerdings gefährlich ist und der keine heilkundliche Verwendung hat.

Schöllkraut-Tinktur, Salbe und Tee

Frischer Saft steht nur während der Vegetationszeit zur Verfügung, deshalb werden aus Schöllkraut seit jeher haltbarere Zubereitungen hergestellt.

  • Tinktur — das Kraut in Alkohol angesetzt. In der Volksheilkunde wird sie äußerlich auf Warzen verwendet, wenn die Pflanze gerade nicht wächst. Innerlich birgt die Tinktur dieselben Risiken wie die frische Pflanze.
  • Salbe — das Kraut in Fett oder Öl ausgezogen. Sie wird auf verhornte Haut aufgetragen; die Wirkung ist milder als beim frischen Saft, weil sich die Alkaloide schlechter lösen.
  • Tee — ein Aufguss aus getrocknetem Kraut. Gerade hier ist die größte Vorsicht angebracht: Die Dosis lässt sich nicht abschätzen, und es handelt sich um die innerliche Anwendung einer Pflanze, bei der Fälle von Leberschäden beschrieben sind.

Getrocknetes Kraut und fertige Zubereitungen gibt es in Apotheken und Kräuterläden. Bei selbst angesetzter Tinktur oder selbst gebrühtem Tee wissen Sie nie, wie viel Alkaloide darin sind — der Gehalt schwankt je nach Standort, Jahreszeit und Pflanzenteil.

Ist Schöllkraut giftig? Worauf Sie achten sollten

Ja, Schöllkraut ist giftig. Giftig ist die ganze Pflanze, am stärksten die Wurzel und der frische Milchsaft. Eine Vergiftung durch bloßes Berühren droht nicht; das Risiko liegt im Verschlucken und im längeren Kontakt des Safts mit Haut oder Schleimhaut.

  • Hautkontakt: Rötung, Brennen, bei empfindlichen Menschen Blasen. Die betroffene Stelle mit Wasser und Seife abwaschen.
  • Augenkontakt: starkes Brennen und geschwollene Lider. Mit Wasser ausspülen und einen Arzt aufsuchen.
  • Verschlucken: Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe. Rufen Sie immer den Giftnotruf oder einen Arzt an.
  • Leber: Bei längerer innerlicher Anwendung sind Fälle von Leberschäden beschrieben, weshalb die europäischen Arzneimittelbehörden die innerliche Anwendung von Schöllkraut deutlich eingeschränkt haben. Nehmen Sie Schöllkraut nicht ohne ärztliche Aufsicht ein.

Für den Garten folgt daraus eine einfache Regel: Schöllkraut auf dem Grundstück muss nicht stören, aber tragen Sie beim Jäten Handschuhe und lassen Sie die Pflanze nicht in Reichweite kleiner Kinder oder dort stehen, wo Geflügel oder Kaninchen fressen.

Schöllkraut sammeln und trocknen

Gesammelt wird das blühende Kraut, also der obere Teil der Pflanze mit Blättern und Blüten, und zwar von Mai bis September. Die Wurzel gräbt man im Herbst; sie ist am stärksten, deshalb verwenden die überlieferten Rezepte sie am seltensten.

  1. Sammeln Sie bei trockenem Wetter, vormittags nach dem Abtrocknen des Taus, abseits von Straßenrändern und Hundewegen.
  2. Arbeiten Sie mit Handschuhen und schneiden Sie das Kraut, statt es zu rupfen — aus jeder Bruchstelle tritt Saft aus.
  3. Trocknen Sie es rasch im Schatten und im Luftzug, dünn ausgebreitet, bei höchstens 40 °C. Langsam trocknendes Kraut wird schwarz.
  4. Lagern Sie es dunkel in einem verschlossenen, mit dem Pflanzennamen beschrifteten Gefäß. Der Alkaloidgehalt sinkt beim Lagern, getrocknetes Kraut erneuert man deshalb nach einem Jahr.

Schöllkraut im Garten: es sät sich selbst aus, lässt sich aber bändigen

Schöllkraut pflanzt man nicht in den Garten, es findet Sie von selbst. Seine Samen tragen ein nahrhaftes Anhängsel (Elaiosom), das Ameisen einsammeln und über das ganze Grundstück verschleppen — deshalb taucht Schöllkraut in Pflasterfugen und in Balkonkästen auf, wo es niemand gesät hat. Zudem überdauert es mit einer kräftigen Pfahlwurzel und treibt nach dem Abreißen des oberirdischen Teils wieder aus.

Wenn Sie es eindämmen wollen, stechen Sie es samt Wurzel aus, solange die Pflanze jung und die Wurzel dünn ist, und entfernen Sie es vor allem vor dem Ausreifen der Kapseln — eine Pflanze bildet davon pro Saison Hunderte. Auf den Kompost darf es ohne Bedenken; die giftigen Alkaloide werden beim Verrotten abgebaut wie bei jedem anderen Kraut.

Manchmal lohnt es sich, es stehen zu lassen. Im Halbschatten an der Mauer, wo sonst nichts wächst, blüht es von Mai bis September, ist anspruchslos und seine Blüten liefern Pollen für Bestäuber. Wenn es Sie in der Gartenecke nicht stört, gibt es keinen Grund, es zu entfernen.

Schöllkraut selbst braucht keinen Dünger — im Gegenteil, es wuchert gerade dort, wo der Boden stickstoffreich ist, etwa am Kompost oder entlang gedüngter Beete. Sparen Sie die Nährstoffe für die Pflanzen auf, die sie wirklich brauchen: Dafür eignet sich ein organischer Universaldünger, der die Nährstoffe langsam abgibt und organische Substanz in den Boden zurückbringt. Die Mengen für Kräuter und für Freilandpflanzen stehen in der Dosierungstabelle.

Woher der Name Schöllkraut kommt

Der Gattungsname Chelidonium geht auf das griechische chelidón zurück, die Schwalbe. Antike Autoren beobachteten, dass die Pflanze etwa dann aufblüht, wenn die Schwalben zurückkehren, und vergeht, wenn sie fortziehen. Der deutsche Name Schöllkraut ist über das althochdeutsche scelliwurz aus demselben Wort hervorgegangen; der Beiname majus (größer) trennt die Pflanze vom nicht verwandten Scharbockskraut, das früher als kleines Schöllkraut geführt wurde. Wegen seiner bekanntesten Anwendung heißt es volkstümlich auch Warzenkraut, im Englischen greater celandine.

Häufige Fragen zum Schöllkraut

Ist Schöllkraut giftig?

Ja. Giftig ist die ganze Pflanze, am stärksten die Wurzel und der frische orangegelbe Milchsaft, der die Alkaloide Chelidonin und Sanguinarin enthält. Eine Vergiftung durch bloßes Berühren droht nicht; das Risiko liegt im Verschlucken und im längeren Kontakt des Safts mit Haut, Schleimhaut oder offener Wunde. Bei längerer innerlicher Anwendung sind Fälle von Leberschäden beschrieben.

Wie wird Schöllkraut gegen Warzen angewendet?

Man bricht den Stängel oder den Blattstiel an, es tritt ein Tropfen orangegelber Saft aus, und damit betupft man ein- bis zweimal täglich direkt die Warze, solange die Pflanze blüht. Der Saft ist ätzend und gehört deshalb nur auf die Warze und nicht auf die gesunde Haut ringsum, die man mit Vaseline schützt. Eine unklare Hautveränderung zeigen Sie aber zuerst dem Hautarzt.

Wann blüht Schöllkraut?

Von Mai bis September, also ungewöhnlich lange. Die goldgelben vierzähligen Blüten stehen in doldigen Blütenständen, und die Pflanze blüht und fruchtet gleichzeitig. Einer alten Vorstellung nach blüht sie auf, wenn die Schwalben zurückkehren — daher ihr Gattungsname.

Zu welcher Familie gehört Schöllkraut?

Zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae), wie der Mohn. Die Verwandtschaft zeigt sich am Milchsaft und an der vierzähligen Blüte mit zwei früh abfallenden Kelchblättern.

Wie sieht Schöllkraut aus?

Eine ausdauernde Pflanze von 30 bis 100 cm Höhe mit verzweigtem, leicht behaartem Stängel und kräftiger Pfahlwurzel. Die Blätter sind blaugrün, gefiedert und am Rand gekerbt. Die Blüten sind goldgelb, mit vier Kronblättern, in doldigen Blütenständen. Das sicherste Merkmal ist der orangegelbe Milchsaft, der an jeder angebrochenen Stelle der Pflanze austritt.

Wie wird man Schöllkraut im Garten los?

Samt Pfahlwurzel ausstechen, solange die Pflanze jung ist — nach dem bloßen Abreißen des oberirdischen Teils treibt sie wieder aus. Wichtig ist, es vor dem Ausreifen der Kapseln zu entfernen, denn die Samen verschleppen Ameisen über den ganzen Garten. Auf den Kompost darf es ohne Bedenken.

Darf ich Schöllkrauttee trinken?

Ohne ärztliche Aufsicht nicht. Die innerliche Anwendung von Schöllkraut ist in Europa wegen des Risikos von Leberschäden deutlich eingeschränkt, und bei einem selbst gebrühten Aufguss lässt sich nicht abschätzen, wie viel Alkaloide er enthält — die Menge schwankt je nach Standort, Jahreszeit und Pflanzenteil. Sicher und belegt ist die äußerliche Anwendung.

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