Hellerkraut
Kreuzblütler mit flachen, münzförmigen Schötchen. Für den Steingarten und als Wildpflanze an Weg- und Ackerrändern.
Was ist Hellerkraut (Thlaspi)
(Thlaspi)
Das Hellerkraut (Thlaspi) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Die Gattung umfasst rund 50 krautige Arten, die in weiten Teilen Europas und Asiens vorkommen. Nicht zu verwechseln mit dem Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), einem kriechenden Bodendecker aus der Familie der Primelgewächse – die beiden Namen werden im Handel oft vertauscht.
Wie Hellerkraut allgemein aussieht
- Die Blätter des Hellerkrauts stehen meist wechselständig und sind oval bis herzförmig. Sie sind grün und je nach Art behaart oder kahl.
- Die Blüten des Hellerkrauts sind klein, weiß und vierzählig. Sie stehen in dichten Trauben, die aus der Ferne wie weiße Polster wirken.
Verbreitung und Standort:
Hellerkraut wächst in verschiedenen Teilen Europas und Asiens. Die Arten dieser Gattung findet man vor allem auf Wiesen und Weiden, in lichten Wäldern und an Wegrändern.
Einige Hellerkraut-Arten kommen mit nährstoffarmen Böden zurecht und sind an sehr unterschiedliche Standorte angepasst.
Bedeutung:
- Einigen Arten wurden früher Heilwirkungen zugeschrieben; sie wurden in der Volksmedizin verwendet. Belastbare Belege für eine Wirksamkeit gibt es nicht.
- Hellerkraut gilt außerdem vielerorts als Ackerwildkraut, vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen, wo es mit den Kulturpflanzen um Licht und Nährstoffe konkurriert.
- Als Steingartenpflanze wird am häufigsten das zierliche Rundblättrige Hellerkraut (Noccaea rotundifolia) kultiviert.
Acker-Hellerkraut

Das Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) ist eine Art aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und fällt durch kleine weiße Blüten und auffällig große, flache Schötchen auf.
Aussehen des Acker-Hellerkrauts:
- Blätter: Die Blätter sind wechselständig, gezähnt bis grob gekerbt; die Stängelblätter umfassen den Stängel mit pfeilförmigem Grund, die Rosettenblätter sind länglich und gestielt.
- Blüten: Die Blüten sind klein, weiß und vierzählig. Sie stehen in dichten Trauben an den Triebspitzen; daraus entwickeln sich die breit geflügelten, münzförmigen Schötchen.
Traditionelle Verwendung:
- Die Samen des Acker-Hellerkrauts wurden früher in der Volksmedizin für verschiedene Zwecke genutzt.
- Überliefert ist unter anderem der Einsatz als harntreibendes Mittel sowie zur Anregung der Verdauung. Eine Wirksamkeit ist nicht belegt, und als Heilmittel wird die Pflanze heute nicht mehr verwendet.
- Die Pflanze enthält Senfölglykoside; von einer Anwendung in Eigenregie ist abzuraten. In der Küche werden allenfalls junge Blätter als würzende Beigabe verwendet.
Die übrigen Arten wurden in der Vergangenheit anderen Gattungen zugeordnet, deshalb nennen wir im weiteren Text sowohl den alten als auch den neuen wissenschaftlichen Namen. Das betrifft vor allem das Gebirgs-Hellerkraut und das Durchwachsene Hellerkraut.
Gebirgs-Hellerkraut (Noccaea caerulescens)
Das Gebirgs-Hellerkraut (Noccaea caerulescens, früher Thlaspi caerulescens) ist eine Art aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und bekannt für seine Fähigkeit, Schwermetalle aus dem Boden im eigenen Gewebe anzureichern. Die Art wird deshalb häufig im Zusammenhang mit der Phytosanierung untersucht – dem Verfahren, bei dem Pflanzen den Schwermetallgehalt belasteter Böden senken. In Deutschland ist die Sippe der Galmeiböden als Galmei-Hellerkraut bekannt und gehört wie das Galmeiveilchen zur typischen Galmeiflora um Aachen und Stolberg.
Aussehen des Gebirgs-Hellerkrauts
- Blätter: Die Blätter sind wechselständig, elliptisch und grün. Sie haben einen bläulich bereiften Schimmer – daher der frühere Artname „caerulescens“ (bläulich werdend).
- Blüten: Die Blüten sind klein, weiß bis blassviolett und stehen in endständigen Trauben an den Triebspitzen.
Verbreitung und Standort:
Das Gebirgs-Hellerkraut ist in Teilen Europas und Asiens verbreitet. Es wächst typischerweise dort, wo der Boden viel Zink, Blei oder Cadmium enthält – auf Halden, an alten Bergbaustandorten und in der Umgebung von Industrieanlagen.
Phytosanierung:
- Das Gebirgs-Hellerkraut gehört zu den Pflanzen, die Schwermetalle wie Zink und Cadmium im Gewebe anreichern können. Das macht es zu einem Kandidaten für die Phytosanierung: Die Pflanzen werden auf belasteten Böden angebaut und anschließend samt der aufgenommenen Metalle abgeräumt.
- Zahlreiche Studien befassen sich mit der Nutzung des Gebirgs-Hellerkrauts und anderer hyperakkumulierender Arten zur Reinigung belasteter Böden und mit der Frage, wie sich die Belastung der Umwelt dadurch senken lässt.
Das Gebirgs-Hellerkraut ist damit eine bemerkenswerte Art, die in der Phytosanierung eine Schlüsselrolle spielt. Im Garten ist sein Anbau eher die Ausnahme; taucht es von allein im Beet auf, spricht das eher für einen belasteten Boden als für einen Zierwert. Für den Steingarten greift man stattdessen zum Rundblättrigen Hellerkraut (Noccaea rotundifolia).
Durchwachsenes Hellerkraut (Microthlaspi perfoliatum)

Das Durchwachsene Hellerkraut (Microthlaspi perfoliatum, früher Thlaspi perfoliatum) ist eine Art aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), auch Stängelumfassendes Hellerkraut genannt. Auffällig sind die kleinen weißen Blüten und die ungewöhnlich geformten Stängelblätter.
Aussehen des Durchwachsenen Hellerkrauts
- Blätter: Die Stängelblätter umfassen den Stängel vollständig – er wirkt, als wäre er durch das Blatt hindurchgewachsen. Genau das ist das Erkennungsmerkmal der Art. Die Blätter stehen wechselständig, sind herz- bis eiförmig und graugrün.
- Blüten: Die Blüten sind klein, weiß und vierzählig. Sie stehen in Trauben an den Triebspitzen.
Verbreitung und Standort: Das Durchwachsene Hellerkraut kommt in verschiedenen Teilen Europas und Asiens vor. Es wächst an sehr unterschiedlichen Standorten – auf Äckern, Magerwiesen, an Wegen und an Waldrändern.
In manchen Ackerbaugebieten gilt es als Ackerwildkraut, weil es mit den Kulturpflanzen konkurriert. Die charakteristischen stängelumfassenden Blätter machen es dennoch zu einer der am leichtesten erkennbaren Arten der Gattung. Diese Art hat keine nennenswerte Verwendung in Küche oder Volksmedizin, anders als manche andere Kreuzblütler.
Häufig gestellte Fragen
Warum heißt die Pflanze Hellerkraut?
Wegen der Früchte. Die Schötchen sind flach, breit geflügelt und rund – sie sehen am Stiel aus wie kleine Münzen, wie der historische Heller. Beim Acker-Hellerkraut sind sie besonders groß und bleiben an den trockenen Stängeln über den Winter stehen.
Ist das Acker-Hellerkraut ein Unkraut?
Auf dem Acker und im Gemüsebeet ja. Eine einzige Pflanze bildet Tausende Samen, die im Boden jahrzehntelang keimfähig bleiben, und schafft zwei Generationen pro Jahr. Im Beet jäten Sie es deshalb am besten, solange es noch nicht blüht.
Kann man Hellerkraut essen?
Die jungen Blätter des Acker-Hellerkrauts sind essbar und schmecken scharf wie Meerrettich oder Radieschen – es gehört zur selben Familie der Kreuzblütler. Der Geschmack ist allerdings kräftig, deshalb nimmt man sie nur als Würzbeigabe, nicht als Salat. Sammeln Sie nicht an Ackerrändern, auf denen gespritzt wird.
Welches Hellerkraut passt in den Steingarten?
Das Rundblättrige Hellerkraut (Noccaea rotundifolia subsp. cepaeifolia) – eine niedrige Gebirgsstaude mit rosa bis lila Blüten, die durchlässiges, steiniges Substrat und volle Sonne braucht. In normaler Gartenerde hält sie nicht durch.
Womit düngt man Hellerkraut?
Die Steingartenarten praktisch gar nicht – im mageren, steinigen Substrat bleiben sie kompakt, in nährstoffreicher Erde vergeilen sie und gehen ein. Eine schwache Gabe nach dem Pflanzen genügt.
