Kannenpflanze (Nepenthes)
Fleischfressende Kletterpflanze mit Kannen, in die Insekten hineinfallen. In der Wohnung braucht sie Luftfeuchtigkeit wie im Gewächshaus.

Standort: hell bis halbschattig; im Gewächshaus oder im klimatisierten Blumenfenster
Höhe: im Gewächshaus klettert sie 3–4 m hoch; die im Handel angebotenen Arten und Hybriden in Ampeln 60–80 cm
Blütezeit: unbedeutend, die Blüten sind unscheinbar
Vermehrung: Stecklinge oder Aussaat
Die Kannenpflanzen bilden eine eigene Familie, die Kannenpflanzengewächse (Nepenthaceae). Sie sind mit etwa 80 Arten von Madagaskar und den Seychellen, Indien und Sri Lanka ostwärts verbreitet, der Schwerpunkt liegt jedoch im tropischen Asien und außerdem in Nordaustralien. Einige Arten wachsen sogar im kühlen, feuchten Bergklima bis in 3000 m Höhe. Diese Arten lassen sich besonders schwer kultivieren, und selbst in Botanischen Gärten begegnet man ihnen nur selten. Wenige Arten wachsen ausgesprochen epiphytisch. Aber auch die üblichen Bodenarten sind nicht leicht zu kultivieren, denn sie stellen hohe Ansprüche an Luftfeuchtigkeit und Temperatur und brauchen als Kletterpflanzen viel Licht. Bei nachlassender Lichtstärke und kürzer werdenden Tagen im Herbst kümmern die Pflanzen rasch. Günstige Bedingungen herrschen in der Regel nur im Warmhaus oder in klimatisierten Blumenfenstern. Anspruchsvolle botanische Arten eignen sich nicht für die Zimmerkultur. Die in Gärtnereien verkauften Hybriden dagegen — am häufigsten Nepenthes × ventrata, eine Kreuzung aus N. alata und N. ventricosa — lassen sich in der Wohnung halten, wenn Sie für Feuchtigkeit und Licht sorgen.

Kannenpflanzen sind Spezialisten der Ernährung. Die Blattspreite ist bei ihnen zu einer Fangeinrichtung in Form einer kannenförmigen Falle umgebildet. Bei guter Nährstoffversorgung über die Wurzeln sind sie allerdings nicht auf den Beutefang angewiesen. Es gibt Arten mit riesigen Kannen, etwa die epiphytisch wachsende Nepenthes truncatamit bis zu 45 cm langen Kannen, in die neben Insekten auch etwas größere Tiere geraten können. Von den kleineren Arten sind besonders Nepenthes alata und Nepenthes ventricosa mit bauchig krugförmigen Kannen zu nennen, außerdem Nepenthes mirabilis und Nepenthes gracilis. Die im Handel angebotenen Pflanzen der Gattung Nepenthes sind meist Hybriden, von denen es eine beachtliche Zahl gibt. Vor allem kultiviert wird die sehr wüchsige Nepenthes ‚Mixta‘ und einige ihrer Varianten.
Kannenpflanzen brauchen ein durchlässiges, kalkfreies Substrat. Meist verwendet man eine Mischung aus 2 Teilen Torfmoos (Sphagnum) und 1 Teil grob faserigem Torf. Dazu kommen vermorschte Holzspäne oder Rindenstücke, etwas Holzkohle und getrockneter Rinderdung. Als Kulturgefäße eignen sich Ampeln, Körbe oder Plastiktöpfe. Bei der Topfkultur muss das Substrat besonders durchlässig sein. Umgetopft wird am besten im Februar, jedenfalls noch vor dem Neuaustrieb im Frühjahr, wobei gleichzeitig zurückgeschnitten wird. Zur Vermehrung durch Stecklinge nimmt man in der Regel die beim Rückschnitt anfallenden Triebe. Verwendet werden ausgereifte, 15–20 cm lange Triebspitzen, die in kleine Töpfe mit Torfmoos gesteckt werden. Das Vermehrungsbeet muss geschlossen sein, und es sind Temperaturen von mindestens 30 °C nötig. Ausgesät wird nur selten, denn es dauert 2–3 Jahre, bis man etwas kräftigere Pflänzchen erhält.
Kulturmaßnahmen und Pflege

Neben dem kalkfreien Substrat verlangt die Kultur auch sauberes, kalkfreies Gießwasser. Regenwasser aus Tonnen enthält meist einen hohen Anteil an Schwermetallen wie Zink, Cadmium und Blei und ist deshalb unbrauchbar.
Beim Düngen der Kannenpflanze ist Vorsicht geboten: Die Pflanze ist an ein nährstoffarmes Torfsubstrat angepasst, und eine übliche Düngergabe an die Wurzeln verbrennt ihr die Wurzelspitzen. In der älteren Literatur wird alle drei Wochen eine Guanodüngung empfohlen, heute bevorzugt man eine sehr schwache Blattdüngung oder legt ein paar tote Fliegen in die Kannen — die Pflanze besorgt sich die Nährstoffe selbst, so wie sie dafür gebaut ist. An sonnigen Tagen müssen die Pflanzen täglich mehrmals übersprüht werden. Trockene Luft und ein ausgetrockneter Wurzelballen schaden, denn sie führen zum Vertrocknen der Blätter. Leicht stellen sich auch Spinnmilben ein, die man dann nur schwer wieder loswird. An den Blattadern können Schildläuse sitzen.
Kannenpflanze düngen: weniger ist mehr
Bei fleischfressenden Pflanzen gilt eine Regel, die Sie sonst nirgends im Garten hören: übliche Dünger gehören nicht ins Substrat. Die Kannenpflanze und die übrigen fleischfressenden Pflanzen wachsen in der Natur in nährstoffarmem Torf und haben darauf eingerichtete Wurzeln — eine konzentrierte Nährlösung verbrennt sie. Das gilt auch für organische Dünger, also auch für DÜNGEE: für fleischfressende Pflanzen nicht verwenden.
Was stattdessen zu tun ist: ein kalkfreies Substrat und weiches Gießwasser halten und die Pflanze ihre Nährstoffe selbst aus der gefangenen Beute holen lassen. Fliegt in der Wohnung nichts herum, geben Sie hin und wieder ein paar tote Fliegen in eine Kanne oder verwenden Sie einen speziellen Dünger für fleischfressende Pflanzen in sehr schwacher Lösung als Blattdüngung.
Häufig gestellte Fragen
Warum bildet meine Kannenpflanze keine Kannen?
Meist wegen zu wenig Licht und zu geringer Luftfeuchtigkeit. Eine Kanne ist energetisch teuer, und die Pflanze bildet sie nicht, solange sie nicht genug Licht hat. Die zweite Ursache ist trockene Luft — unter 60 % Luftfeuchtigkeit vertrocknen die Kannen schon in der Anlage.
Mit welchem Wasser gieße ich die Kannenpflanze?
Weich und kalkfrei — destilliertes Wasser, Osmosewasser oder Regenwasser aus einem sauberen Gefäß. Leitungswasser enthält Kalk, der den Wurzeln nach einigen Monaten schadet. Vorsicht bei Regenwasser aus Tonnen unter Bedachungen, in denen sich Schwermetalle ansammeln.
Soll ich Wasser in die Kannen nachfüllen?
Nein. Die Pflanze bildet die Flüssigkeit in der Kanne selbst, und es ist eine enzymhaltige Lösung, kein gewöhnliches Wasser. Nachfüllen bringt nichts, mit klarem Wasser verdünnen Sie sie nur.
Muss ich die Kannenpflanze füttern?
Nein, wenn in der Wohnung ab und zu eine Fliege unterwegs ist. Wenn nicht, geben Sie alle zwei bis drei Wochen eine tote Fliege in eine Kanne. Fleischstücke und Dünger gehören nicht in die Kanne — sie faulen darin.
Kann man die Kannenpflanze mit normalem Dünger düngen?
Nein. Fleischfressende Pflanzen sind auf ein nährstoffarmes Substrat eingerichtet, und Nährstoffe in üblicher Konzentration verbrennen ihnen die Wurzeln. Das gilt auch für organische Dünger einschließlich DÜNGEE.
Wann schneide und topfe ich die Kannenpflanze um?
Im Februar, noch vor dem Austrieb. Umgetopft wird in eine Mischung aus Torfmoos und faserigem Torf in einen Korb oder Plastiktopf; die abgeschnittenen ausgereiften Triebspitzen von 15 bis 20 cm Länge lassen sich als Stecklinge verwenden.
