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Mammillaria (Warzenkaktus)

Die verbreitetsten Kakteen für Einsteiger. Wie Sie sie gießen, wann Sie sie trocken halten und was zu tun ist, damit sie im Frühjahr wirklich blühen.

Gruppe kugeliger, dicht bedornter Mammillarien in einem Tontopf

Mammillarien gehören zu den beliebtesten Kakteengattungen – vor allem deshalb, weil sie Fehler verzeihen. Sie überstehen eine vergessene Wassergabe, einen kleinen Topf und auch, dass sich einen Monat lang niemand um sie kümmert. Genau deshalb werden sie Einsteigern empfohlen.

Sie brauchen viel Licht, idealerweise mehrere Stunden direkte Sonne täglich; in einer zu dunklen Ecke vergeilen sie und blühen nicht. Die einzige Ausnahme ist eine Pflanze, die gerade von einem schattigen Platz kommt – sie muss schrittweise an die Sonne gewöhnt werden, sonst entstehen auf der Haut braune Verbrennungen, die nicht mehr verschwinden.

Gegossen wird sparsam und immer erst, wenn das Substrat vollständig abgetrocknet ist. Damit werden die Bedingungen der mexikanischen Halbwüsten nachgeahmt, aus denen die Mammillarien stammen. Vermehren lassen sie sich leicht – über Kindel oder Aussaat, weshalb sie unter Liebhabern so weit verbreitet sind.

  • Standort: viel Licht, mehrere Stunden direkte Sonne; schrittweise an die Sonne gewöhnen
  • Gießen: sparsam, immer erst nach vollständigem Abtrocknen des Substrats
  • Winter: 8–12 °C und praktisch ohne Wassergaben – ohne das blüht eine Mammillaria nicht
  • Vermehrung: über Kindel oder Aussaat, beides einfach

Mammillaria – Herkunft und Einordnung

Zwei kugelige Mammillarien in einem Kunststofftopf auf einem Untersetzer

Mammillarien gehören zu den artenreichsten Kakteengattungen – anerkannt sind mehr als 300 Arten, die vor allem aus Mexiko und den südlichen Bundesstaaten der USA stammen.

Die Mammillaria (Mammillaria) gehört zur Familie der Kakteengewächse (Cactaceae) aus der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales), innerhalb dieser zur Unterfamilie Cactoideae und zum Tribus Cacteae. Erstbeschrieben wurde die Gattung vom britischen Botaniker Adrian Hardy Haworth im Jahr 1812; der Name geht auf das lateinische mammillazurück, also Warze – Mammillarien haben einen Körper voller Warzen, aus denen sowohl Dornen als auch Blüten wachsen. Daran sind sie von den meisten anderen Kakteen zu unterscheiden, die Rippen besitzen.

Das Zentrum der Artenvielfalt ist Mexiko, wo mit Abstand die meisten Arten wachsen; in die südlichen US-Bundesstaaten reicht nur ein kleiner Teil hinein. Eine grundlegende Revision der Gattung nahm der britische Botaniker David Hunt vor – und genau deshalb finden Sie in Katalogen und älteren Büchern für denselben Kaktus mehrere verschiedene lateinische Namen.

Mammillaria – Arten

Mammillarien sind eine reiche und vielgestaltige Kakteengattung mit zahlreichen Besonderheiten. Die Arten unterscheiden sich in Anzahl und Form der Dornen, in der Körperform und auch in der Art des Blühens. Nachfolgend die Merkmale ausgewählter Arten:

Mammillarien sind die verbreitetste und artenreichste Kakteengattung. Kennzeichnend sind ihr kugeliger oder walzenförmiger Körper und die Dornen, die aus den Warzen auf ihrer Oberfläche wachsen. Zu finden sind sie vor allem in Mexiko und im Süden der USA.

Mammillaria elongata (Goldschnurkaktus)

Mammillaria elongata ist für ihre walzenförmige Gestalt und ihren ährenartigen Wuchs bekannt. Die Art ist bedornt und bei Liebhabern wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit beliebt.

Mammillaria prolifera

Mammillaria prolifera bildet kompakte Polster und ist für ihre reiche Blüte bekannt. Die Blüten dieser Art sind klein, bilden aber einen deutlichen Kontrast zum grünen Körper.

Mammillaria bocasana

Mammillaria bocasana bildet dichte weiße Dornen, die ein charakteristisches, watteartiges Muster rund um den Kakteenkörper ergeben. Ihre Blüten sind oft zartrosa und machen sie noch zierender.

Mammillaria dimorpha

Mammillaria dimorpha bietet eine interessante Variabilität in Form und Größe der Dornen. Manche Dornen sind lang und biegsam, andere kurz und gerade, was der Art ein vielgestaltiges Aussehen gibt.

Mammillaria bombycina

Mammillaria bombycina hat einen großen, kugeligen Körper mit auffällig gewellten Dornen. Die Blüten sind meist purpurn oder rot und bilden einen starken Kontrast zu den weißen Dornen.

Mammillaria geminispina

Mammillaria geminispina ist an den Dornenpaaren zu erkennen, die aus jeder Warze wachsen. Diese paarigen Dornen geben der Pflanze ein dichtes, unverwechselbares Aussehen.

Mammillaria düngen

Kaktus mit großer gelber Blüte in einer Kakteensammlung

Mammillarien wachsen in der Natur an sehr nährstoffarmen Standorten, häufiges Düngen brauchen sie also nicht – und eine überdüngte Mammillaria ist schlechter dran als eine ungedüngte. Als Faustregel gilt einmal im Monat von April bis August, danach wird aufgehört.

Entscheidend ist die Zusammensetzung: Ein Kaktus braucht wenig Stickstoff und ausreichend Phosphor und Kalium. Stickstoff macht den Körper weich und länglich, er reißt auf und fault leicht – auf die Blüte hat er dagegen keinen Einfluss. Phosphor und Kalium sind es, die die Knospen tatsächlich fördern.

  • Düngen Sie niemals in trockenes Substrat. Gießen Sie zuerst und düngen Sie danach, oder geben Sie den Dünger direkt ins Gießwasser.
  • Bei Kakteen ist die halbe Dosis die volle Dosis. Die Angaben auf den Verpackungen sind meist für Zimmerpflanzen gedacht; einer Mammillaria genügt die Hälfte.
  • Ab September hören Sie ganz auf. Späte Düngergaben lösen Wachstum aus, das bis zum Winter nicht ausreift und in der Kälte fault.
  • Frisch umgetopfte Pflanzen einen Monat lang nicht düngen – im neuen Substrat sind noch Nährstoffe vorhanden, und die verletzten Wurzeln würde eine Gabe verbrennen.

Besondere Merkmale und Probleme

Mammillarien haben einige Merkmale, die sie von anderen Kakteen unterscheiden, und zugleich ein paar typische Probleme, auf die Sie beim Kultivieren stoßen.

Dornen, Blüten und Früchte

Die Dornen haben bei Mammillarien nicht nur eine Schutzfunktion, sie machen auch den größten Teil ihres Aussehens aus. Sie wachsen aus den Areolen an den Spitzen der Warzen, oft zusammen mit dichtem weißem Flaum, den man als Wolle bezeichnet – am auffälligsten bei Mammillaria bocasana und bei Mammillaria bombycina.

Die Dornen können gerade sein oder hakenförmig gekrümmt wie ein Angelhaken. Gerade diese Hakendornen sind für Mammillarien typisch und zugleich ein praktisches Erkennungsmerkmal – angenehm sind sie allerdings nicht, denn sie bleiben in der Haut stecken und lassen sich nicht in einem Zug herausziehen. Verwenden Sie beim Umtopfen deshalb gefaltetes Zeitungspapier oder ein Stück Styropor, nicht die bloßen Finger.

Die Blüten sind meist trichterförmig, klein und bilden rund um den Scheitel der Pflanze einen auffälligen Kranz – weiß, rosa, gelb oder kräftig rot, je nach Art. Nach dem Verblühen entwickeln sich daraus schmale, längliche Früchte, oft rot oder rosa, mit fleischigem Inneren und kleinen Samen. Bei Mammillarien sind die Früchte essbar, schmecken leicht säuerlich, und die Samen daraus lassen sich sofort aussäen.

Schädlinge und Krankheiten

Kakteensammlung in einer Schale mit mehreren Mammillarien und Blütenkränzen

Der häufigste Schädling an Mammillarien sind Wollläuse (auch Schmierläuse genannt). Sie erkennen sie an den weißen Wachsflöckchen in den Areolen und zwischen den Warzen, die wie kleine Wattestückchen aussehen. Tückisch ist ihre Wurzelform – die entdeckt man nur, wenn man die Pflanze aus dem Topf stürzt und einen weißen Belag an den Wurzeln findet. Die Pflanze hört dabei einfach ohne erkennbaren Grund auf zu wachsen.

Außerdem treten Spinnmilbenauf, vor allem in trockener und warmer Luft, und bei frisch gekauften Pflanzen auch Schildläuse.

Bei den Krankheiten stehen Pilz- und Bakterieninfektionenim Vordergrund, die sich durch runde Flecken auf dem Körper oder durch Fäulnis von der Basis her zeigen. Fast immer haben sie eine einzige Ursache: zu nasses Substrat bei Kälte. Behandeln lässt sich das nicht – die einzige Vorbeugung sind richtiges Gießen, durchlässiges Substrat und gute Durchlüftung rund um die Pflanzen.

Praktischer Tipp: Halten Sie jede neue Pflanze einen Monat lang von der Sammlung fern. Wollläuse und Schildläuse gelangen fast ausschließlich mit einem Neuzugang in die Sammlung und breiten sich in einer dicht gestellten Sammlung dann sehr schnell aus.

Verbreitung und Schutz

Der Verbreitungsschwerpunkt der Mammillarien ist Mexiko, von wo die meisten Arten stammen; randlich reichen sie in die südlichen US-Bundesstaaten, in die Karibik und nach Mittelamerika. Die meisten Arten wachsen an kalkhaltigen und steinigen Stellen, häufig in Felsspalten und im Halbschatten niedriger Sträucher.

Die Blütezeit ist bei jeder Art anders, fällt bei den meisten Mammillarien aber ins Frühjahr und in den Frühsommer. Auslöser ist eine kühle und trockene Überwinterung – darin liegt das ganze Geheimnis, warum die eine Mammillaria jedes Jahr blüht und die andere nie.

Schutz: Die gesamte Familie der Kakteengewächse ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES)gelistet, dem internationalen Abkommen über den Handel mit gefährdeten Arten; in der EU gilt zusätzlich die EU-Artenschutzverordnung. Viele mexikanische Mammillarien sind durch Entnahme aus der Natur sowie durch die Ausdehnung von Bebauung und Landwirtschaft gefährdet. Für Liebhaber folgt daraus eine praktische Regel: Kaufen Sie nur Pflanzen aus Aussaat oder aus Kindeln, niemals Wildentnahmen. Mammillarien lassen sich in Kultur so leicht vermehren, dass eine Entnahme aus der Natur zu nichts nötig ist.

Häufige Fragen

Wie viel Licht braucht eine Mammillaria?

Viel – idealerweise mehrere Stunden direkte Sonne täglich. Bei Lichtmangel vergeilt der Körper in die Höhe, verliert an Farbe und die Pflanze blüht nicht. Nur eines ist zu beachten: Eine Pflanze, die im Schatten stand oder aus dem Handel kommt, gewöhnen Sie über mehrere Wochen schrittweise an die Sonne, sonst verbrennt sie und die braunen Flecken verschwinden nicht mehr.

Wie oft muss eine Mammillaria gegossen werden?

Entscheidend ist, das Substrat zwischen den Wassergaben vollständig abtrocknen zu lassen. Im Sommer ist das meist einmal pro Woche bis alle zehn Tage, an einem sonnigen Fenster auch häufiger. Im Winter wird praktisch nicht gegossen – bei 8–12 °C genügt einmal im Monat eine kleine Gabe, sonst faulen die Wurzeln. Wenn Sie unsicher sind, gießen Sie lieber nicht: Eine Mammillaria übersteht Wochen in Trockenheit, zu viel Wasser dagegen nicht.

Warum blüht meine Mammillaria nicht?

Fast immer deshalb, weil sie keine kühle und trockene Überwinterung hat. Damit eine Mammillaria Knospen ansetzt, muss sie von November bis Februar bei 8–12 °C ohne Wassergabenstehen. Im warmen Zimmer über der Heizung wächst sie zwar weiter, blüht aber nicht. Die zweite mögliche Ursache ist zu wenig Licht, die dritte ein Überschuss an Stickstoff.

Welches Substrat ist für Mammillarien am besten?

Ein durchlässiges, mineralisches – am besten eine fertige Kakteenerde, der Sie eine Handvoll groben Sand, gebrochenen Perlit oder feinen Kiesbeimischen. Wichtig ist die Durchlässigkeit, nicht der Nährstoffgehalt. In gewöhnlicher Blumenerde, die Wasser hält, fault eine Mammillaria. Viele Arten sind zudem kalkliebend, ihnen bekommt ein Zusatz von gebrochenem Kalkgestein.

Woran erkenne ich eine gesunde Mammillaria?

Eine gesunde Pflanze hat einen festen Körper, der auf Druck nicht nachgibt, eine satte Farbe und gleichmäßige Bedornung. Warnzeichen: ein weicher oder geschrumpfter Körper, eine vergilbte oder glasige Basis, ein vergeilter heller Scheitel (Lichtmangel) und weiße, wattige Flöckchen zwischen den Warzen (Wollläuse). Eine schrumpelige Pflanze während der Wachstumszeit bedeutet dagegen Durst.

Welche Schädlinge befallen Mammillarien?

Vor allem Wollläuse, und zwar sowohl am Körper als auch an den Wurzeln – die Wurzelform erkennt man erst, wenn man die Pflanze aus dem Topf stürzt. Dazu kommen Spinnmilben in trockener, warmer Luft und Schildläuse bei neu gekauften Pflanzen. Bei den Krankheiten sind Pilz- und Bakterienfäulen am häufigsten, die durch zu viel Wasser entstehen, vor allem in der Kälte. Eine neue Pflanze sollte den ersten Monat abseits der Sammlung stehen.

Wie vermehre ich eine Mammillaria?

Auf zwei Wegen, beide einfach. Über Kindel: Bei polsterbildenden Arten wie Mammillaria elongata oder Mammillaria prolifera lösen Sie einfach ein Kindel ab, lassen es zwei bis drei Tage antrocknen und stellen es auf trockenes Substrat – es wurzelt von selbst. Über Aussaat: Samen aus eigenen Früchten werden auf die Oberfläche eines durchlässigen Substrats gesät, mit Glas abgedeckt und bei rund 22 °C warm gehalten. Sie keimen in zwei bis drei Wochen.

Sind die Früchte der Mammillaria essbar?

Ja. Die kleinen länglichen Früchte, die nach dem Verblühen wachsen, sind essbar und schmecken leicht säuerlich – bei einigen mexikanischen Arten werden sie örtlich sogar gesammelt. Die Menge ist allerdings verschwindend gering, ein Grund zur Kultur ist das also nicht. Die Samen aus der Frucht lassen sich sofort aussäen.