Mykorrhiza: Pilze für eine bessere Nährstoffaufnahme
Mykorrhizapilze für Obstbäume und Gemüse — wie Sie sie richtig anwenden, wann sie ins Substrat gehören und warum erfahrene Gärtner nicht mehr auf sie verzichten wollen.
Inhalt
Mykorrhiza und natürliche Düngemittel
Synergie für Bodenleben und Pflanzenwachstum
In den letzten Jahren interessieren sich immer mehr Menschen für nachhaltigere Wege in Landwirtschaft und Garten. Natürliche Düngemittel und schonende Anbaumethoden gelten zunehmend als Alternative zu mineralischen Düngern und chemischen Mitteln – und das aus gutem Grund: Sie sind schonender für die Umwelt und für die Gesundheit.
Ein Schlüsselelement des ökologischen Landbaus ist der Einsatz von Mykorrhizapilzen. Diese mikroskopisch kleinen Symbiosepartner gehen eine Lebensgemeinschaft mit den Pflanzenwurzeln ein, wodurch die Pflanze Nährstoffe und Wasser aus dem Boden deutlich wirksamer aufnimmt.
Viele Studien zeigen, dass Mykorrhizapilze Wachstum und Erträge spürbar verbessern können. Sie erhöhen die Stresstoleranz, fördern gesunde Wurzeln und unterstützen den Aufbau des Bodenmikrobioms.
Natürliche Dünger wie Düngee sind der zweite Baustein des ökologischen Gartenbaus. Sie werden aus Reststoffen der Lebensmittelkette gewonnen und liefern den Pflanzen die Nährstoffe, die sie zum Wachsen brauchen. Richtig eingesetzt sind sie umweltschonend und eine gute Alternative zu synthetischen Düngern.
Der Mykorrhiza bekommt eine organische Düngung mit langsamer Nährstofffreisetzung in der Regel besser als hohe Gaben löslicher Mineraldünger (Einzelheiten weiter unten). Mykorrhizapilze helfen den Pflanzen, Nährstoffe aus dem Boden zu gewinnen, organische Dünger und Kompost liefern wiederum organische Substanz, die das Bodenleben fördert.
Düngee ist ein natürlicher Dünger aus natürlichen Rohstoffen. Er enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium in organischer Form (gemessen NPK 3,5-4,3-3,2), die nach und nach freigesetzt werden. Die Mengen für die einzelnen Kulturen finden Sie auf der Seite Dosierung.
Ein weiterer Vorteil daran, natürlichen Dünger und Mykorrhiza zu kombinieren, ist der geringere Bedarf an synthetischen Düngemitteln. Natürliche Dünger stammen aus nachwachsenden Quellen und belasten die Umwelt deutlich weniger, während für synthetische Alternativen viel fossile Energie aufgewendet wird und Boden und Gewässer dauerhaft Schaden nehmen können.


Mykorrhiza für Bäume
Beim Pflanzen von Bäumen ist Mykorrhiza besonders nützlich, denn die Pilze verbessern die Aufnahme von Nährstoffen, Wasser und Mineralien aus dem Boden und fördern so Wachstum und Entwicklung. Es gibt viele Mykorrhizaarten, die zu unterschiedlichen Baumarten und Standortbedingungen passen.
Zu den am häufigsten eingesetzten Mykorrhizapilzen für Bäume gehören Arten der Gattung Glomus, die zu sehr vielen Pflanzen passen. Für Nadelgehölze und einige Laubbäume (Eichen, Buchen, Birken, Haseln) eignen sich Ektomykorrhizapilze, zum Beispiel der Gattungen Rhizopogon, Tuber, Suillus oder Pisolithus.
Bei der Auswahl der passenden Mykorrhiza für Ihre Bäume kommt es auf die Baumart an, auf den Bodentyp und weitere Faktoren wie den pH-Wert des Bodens und das Klima. Wenn Sie unsicher sind, welche Art für Ihre Bäume die richtige ist, fragen Sie Fachleute aus dem Gartenbau oder aus dem ökologischen Landbau.
Mykorrhiza für Obstbäume
Mykorrhizapilze sind – wie erwähnt – Symbiosepartner, die im Wurzelsystem vieler Pflanzen leben, auch bei Obstbäumen. Sie bringen der Pflanze mehrere Vorteile: eine bessere Aufnahme von Nährstoffen und Wasser, mehr Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitze und ein dichteres, feiner verzweigtes Wurzelwerk.
Für die verschiedenen Obstbaumarten eignen sich unterschiedliche Mykorrhizapilze. Am häufigsten eingesetzt werden Pilze der Gattung Glomus, die zu vielen Pflanzen passen. Apfel, Birne, Steinobst und Walnussbäume bilden vor allem eine arbuskuläre Mykorrhiza mit Pilzen der Gattung Glomus und verwandter Gattungen. Ektomykorrhizapilze, etwa Trüffeln (Gattung Tuber), leben hauptsächlich mit Haseln und Eichen, die Gattung Rhizopogon mit Kiefern und anderen Nadelgehölzen.
Mykorrhiza für Fruchtgemüse

Auch für Fruchtgemüse sind Mykorrhizapilze sehr nützlich: Sie verbessern die Nährstoffversorgung, regen das Wurzelwachstum an und erhöhen die Toleranz der Pflanzen gegenüber Stress wie Trockenheit, Hitze und Kälte.
Für die verschiedenen Fruchtgemüsearten eignen sich unterschiedliche Mykorrhizapilze. Am häufigsten eingesetzt werden wieder Arten der Gattung Glomus. Geeignet sind aber auch andere arbuskuläre Gattungen, zum Beispiel Rhizophagus, Funneliformis oder Claroideoglomus. Pilze der Gattungen Rhizopogon, Suillus, Tuber oder Pisolithus bilden dagegen einen anderen Typ, die Ektomykorrhiza mit Bäumen, und helfen Gemüse nicht.
Bei der Auswahl kommt es auf die Pflanzenart an, auf den Bodentyp, den pH-Wert, das Klima und weitere Faktoren. Wenn Sie unsicher sind, welchen Pilz Sie wählen sollen, wenden Sie sich an Fachleute.
Substrat mit Mykorrhizapilzen

Substrat mit Mykorrhizapilzen wird beim Pflanzen verwendet, um Nährstoffversorgung und Wachstum zu verbessern. Als Grundstoffe dienen zum Beispiel Torf, Perlit, Sphagnum-Fasern, Kokosfasern und anderes.
In das Substrat kommen die Pilze in Form von Mykorrhiza-Inokulaten, also Mischungen aus Pilzsporen und Trägermaterial. Diese Inokulate enthalten genau die Arten, die zu den jeweiligen Pflanzen und Standortbedingungen passen.
Ein Substrat mit Mykorrhizapilzen hat mehrere Vorteile: Pflanzen nehmen Nährstoffe und Wasser besser auf, vertragen Stressbedingungen besser, und der Bedarf an mineralischen Düngemitteln sinkt. Besonders sinnvoll ist es beim Pflanzen unter naturfernen Bedingungen wie auf dem Dach oder dem Balkon oder in gestörten Böden, etwa auf rekultivierten Flächen oder ehemaligen Abbaugebieten.
Beim Einsatz von Substrat mit Mykorrhizapilzen sollten Sie die Herstellerangaben beachten und die Ansprüche der Pflanzen und die Standortbedingungen berücksichtigen.
Holzkohle mit Mykorrhizapilzen aktivieren

Holzkohle mit Mykorrhizapilzen zu aktivieren, dient dazu, ein Substrat mit hoher Pilzdichte herzustellen. Holzkohle ist für Bodenmikroorganismen und Mykorrhizapilze ein hervorragender Lebensraum, weil sie ein stabiles, poröses Material mit hoher Aufnahmefähigkeit und sehr großer innerer Oberfläche ist.
Zum Aktivieren wird die Holzkohle zunächst gewässert und gereinigt und anschließend mit Mykorrhiza-Inokulum durchsetzt. Das Inokulum besteht aus Pilzsporen und Trägermaterial, das den Pilzen als Nährboden dient.
Die aktivierte Holzkohle wird danach als Bestandteil des Pflanzsubstrats verwendet. Die enthaltenen Mykorrhizapilze verbinden sich mit den Pflanzenwurzeln und verbessern die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser – die Pflanzen wachsen und entwickeln sich dadurch besser.
Aktivierte Holzkohle mit Mykorrhizapilzen bringt mehrere Vorteile:
1. bessere Bodenqualität und höhere Erträge,
2. geringerer Bedarf an mineralischen Düngemitteln und Bodenzusätzen,
3. mehr Toleranz der Pflanzen gegenüber Stressbedingungen wie Trockenheit, Hitze und Kälte.
Beim Einsatz dieses Substrats sollten Sie die richtige Vorgehensweise beim Aktivieren der Holzkohle einhalten und die Ansprüche der Pflanzen und die Standortbedingungen berücksichtigen.
Welche Pflanzen keine Mykorrhiza bilden und was ihr schadet
Mit Mykorrhizapilzen lebt die Mehrheit, etwa 80 %, der Landpflanzen, darunter die meisten Gemüsearten, Obstbäume und der Rasen. Die Pilzfäden reichen von der Wurzel in den umgebenden Boden, wohin die Wurzelhaare nicht gelangen. Sie bringen der Pflanze Wasser und Nährstoffe, vor allem den schwer beweglichen Phosphor, und erhalten dafür Zucker.
Pflanzen ohne Mykorrhiza
Einige Pflanzengruppen bilden keine oder nur ausnahmsweise eine Mykorrhiza. Ihnen ein Mykorrhizapräparat ins Pflanzloch zu geben, ist sinnlos:
- Kreuzblütler: Kohl, Grünkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Radieschen, Rettich, Senf, Kresse,
- Fuchsschwanzgewächse (früher Gänsefußgewächse): Rote Bete, Mangold, Spinat, Melde,
- Nelkengewächse: Nelken, Schleierkraut, Vogelmiere,
- unter den Hülsenfrüchtlern die Lupine, die sich Phosphor mit ihren eigenen Wurzeln erschließt.
Im Beet hat das eine praktische Folge. Nach Kreuzblütlern oder Spinat sind im Boden oft weniger Pilzfäden vorhanden, und die Folgekultur, die eine Mykorrhiza bildet (zum Beispiel Lauch, Zwiebel oder Mais), startet langsamer. Hilfreich sind eine abwechslungsreiche Fruchtfolge und Mischkulturbeete.
Was der Mykorrhiza schadet
- Hohe Gaben leicht löslicher Mineraldünger, vor allem Phosphor. Hat die Pflanze an der Wurzel Phosphor im Überfluss, versorgt sie den Pilz nicht mehr mit Zucker, und die Lebensgemeinschaft wird schwächer.
- Tiefes Umgraben und häufiges Fräsen, das die Pilzfäden zerreißt.
- Lange unbewachsener Boden ohne Pflanzen. Ohne Wirt überlebt der Pilz nur begrenzt.
- In den Boden ausgebrachte Fungizide und lang anhaltende Staunässe.
Was ihr guttut
- ständige Pflanzendecke, über den Winter Gründüngung,
- Mulch und reifer Kompost,
- flaches Lockern statt tiefem Umgraben,
- organische Düngung mit angemessenen Phosphorgaben.
