Bauernhortensie, Topfhortensie (Hydrangea macrophylla)
Kultur im Topf, Substrat und pH-Wert, Blütenfarbe und Sortenübersicht
Kleiner Strauch, der im Topf als blühende Zimmerpflanze kultiviert wird
- Standort: in der Wohnung hell, ohne direkte Sonne; kühler steht die Pflanze länger in Blüte
- Wuchshöhe: bis 2 m, im Topf deutlich niedriger
- Blütezeit: März bis Anfang Juni, je nach Treibtemperatur
- Vermehrung: Stecklinge von Mutterpflanzen

Hydrangea macrophylla ist eine Zimmerpflanze. Nach Europa kamen bereits die Kulturformen dieser Art aus Japan; dort gehören Hortensien als Pflanzen mit hohem Wasserbedarf zur Küstenvegetation. Topfhortensien zählen zu den beliebten Zimmerpflanzen, früher war ihre Bedeutung sogar noch größer. Im Frühjahr fallen sie mit großen halbkugeligen Blütenständen in Rot, Rosa, Blau oder Weiß auf.
Eine ausführliche Übersicht der Sorten und Eigenschaften der Hortensie finden Sie in einem eigenen Artikel.
Die erst in jüngerer Zeit gezüchteten Formen mit flachem Blütenstand haben das Interesse der Kundschaft im Blumenhandel neu belebt. Bei den Ballhortensien bestehen die Blütenstände aus unfruchtbaren Blüten mit auffallend großen, farbigen Kelchblättern; darunter sitzen die unscheinbaren fruchtbaren Blüten. Bei den Formen mit flachem Blütenstand, den sogenannten Tellerhortensien, stehen die großen farbigen unfruchtbaren Blüten am Rand des Blütenstandes und die fruchtbaren Blüten sind in der Mitte des „Tellers“ gut sichtbar.
Bauernhortensie kultivieren: Substrat, pH-Wert und Blütenfarbe

Bei der Hortensienkultur sind einige Besonderheiten zu beachten. Das gilt vor allem für die Wahl des Substrats: Es muss sauer reagieren, mit einem pH-Wert von höchstens 6. Der optimale Bereich ist bei Hortensien eng gefasst; wird er nicht eingehalten, leiden das vegetative Wachstum und die Reinheit der Blütenfarben, und eine blaue Färbung ist gar nicht möglich. Für rote und rosa Sorten eignet sich pH 5,5–6, für blaue Hortensien 3,5–4,5. Weiße Sorten besitzen keinen Farbstoff und sind deshalb gegenüber beiden Stufen tolerant. Rote und rosa Sorten haben bei pH 5,5–6 rein und kräftig gefärbte Blüten. Bei höherem pH-Wert wird Eisen durch Kalzium gebunden und die Blätter vergilben. Sinkt der pH-Wert unter 5,5, verursachen freie Aluminiumionen eine unreine rotviolette Blütenfärbung.
Den Anspruch auf saures Substrat teilt die Hortensie mit anderen säureliebenden Pflanzen.
Hortensien blau färben mit Aluminiumsulfat
Blaue Hortensien zeigen reine Farben bei pH 3,5–4,5, denn bei diesem Säuregrad geht Aluminium in Lösung und färbt den Farbstoff der roten und rosa Sorten kräftig und dauerhaft blau. Um die Wirkung des im Substrat enthaltenen Aluminiums zu verstärken, gibt man je 1 m³ Substrat für blaue Hortensien 6–8 kg Aluminiumsulfat zu. Ist der pH-Wert im Substrat zu hoch, gelangt zu wenig Aluminium in Lösung und die Blüten bekommen eine unreine blauviolette Färbung.
Hortensien düngen: welcher Hortensiendünger
Da Hortensien zu den Topfpflanzen mit höherem Nährstoffbedarf gehören, gibt man je 1 m³ Substrat 3 kg Mehrnährstoffdünger als Grunddüngung sowie ein eisenhaltiges Präparat (Fetrilon, 50 g). Die Grunddüngung wird während Kultur und Treiberei durch Flüssigdüngung ergänzt. Bei blauen Hortensien kommen zusätzlich Gaben von Aluminiumsulfat hinzu.
Was sich für die Kultur im Topf zu Hause eignet, behandelt der Artikel Hortensiendünger. Das allgemeine Vorgehen bei Topfpflanzen fasst Zimmerpflanzen düngen zusammen, die Nährstoffverhältnisse erklärt NPK-Dünger und die konkreten Mengen stehen in der Dosierung.
Hortensie vermehren durch Stecklinge: drei Kulturabschnitte
Vom Steckling bis zur blühenden Pflanze dauert es länger als ein Jahr. In dieser Zeit folgen drei unterschiedliche Kulturabschnitte aufeinander:
- Heranziehen von Pflanzen mit ausgereiften (grünen) Blütenknospen.
Geschnittene Kopfstecklinge von Mutterpflanzen werden unter Glas bewurzelt und nach der Bewurzelung in Töpfe mit dem passenden Substrat für rote oder rosa Sorten beziehungsweise für blaue Hortensien gepflanzt. Die Topfpflanzen stehen bis Ende Mai unter Glas und ab Anfang Juni im Freien. Im Sommer sind regelmäßiges Gießen und eine ein- bis zweimal wöchentliche Flüssigdüngung mit Mehrnährstoffdünger (0,2–0,3 %) wichtig. Pflanzen, die mehr Triebe bilden sollen, müssen zum richtigen Zeitpunkt pinziert werden: früh vermehrte Pflanzen zweimal (sie bilden 4–6 Triebe), später vermehrte nur einmal (2–3 Triebe). Anfang Juni vermehrte Pflanzen werden gar nicht pinziert und bilden einen einzigen Trieb. Der letzte Termin zum Pinzieren ist der 20. Juni; später pinzierte Pflanzen haben im Herbst keine mit ausgereiften Blütenknospen abgeschlossenen Triebe mehr. Zu frühes Pinzieren führt zu vorzeitigem Aufblühen, zu spätes erhöht die Zahl der Blindtriebe (Triebe ohne Blüten). Ende August bis Anfang September stellt man die Düngung ein und schränkt das Gießen ein, damit die Triebe richtig ausreifen. Die Pflanzen verlieren dann im Herbst ihr Laub. Runde Knospen an den Triebenden zeigen an, dass darin bereits Blütenstände angelegt sind. - Wachstumsruhe der Pflanzen.
In der ersten Septemberhälfte gehen die Pflanzen in die Ruhephase über, danach befinden sie sich in völliger Wachstumsruhe und ihre Triebe verholzen. Von Anfang bis Mitte November werden die Hortensien bei 1–5 °C in Folienhäusern oder im Keller eingelagert. Die völlige Wachstumsruhe dauert 6–8 Wochen, danach klingt sie ab. - Treiberei.
Das früheste Treiben beginnt zwischen dem 5. und 10. Dezember; danach folgen nach und nach weitere Partien, damit die Gewächshausfläche sinnvoll genutzt und das Angebot blühender Pflanzen im Handel verlängert wird. Ein Treiben bei 18–22 °C sorgt für die rasche Entwicklung von Trieben, Blättern und Blütenständen. Vom Beginn bis zur Blüte dauert das Treiben 8–14 Wochen; die Dauer hängt von der Treibtemperatur, den Sorteneigenschaften und vom Termin des Treibbeginns ab. Während des Treibens steigt der Platzbedarf rasch. Die heranwachsenden Pflanzen brauchen mehr Wasser und müssen ähnlich wie in der Vorkultur flüssig gedüngt werden. Aufblühenden Pflanzen und besonders blauen Hortensien tut bei stärkerer Sonneneinstrahlung leichte Schattierung gut.
Krankheiten und Schädlinge: Mehltau, Grauschimmel und Spinnmilben
Auch Hortensien bleiben von Krankheiten und Schädlingen nicht verschont. Ein Vorgehen dagegen ist nur mit zugelassenen Mitteln möglich. Echter Mehltau (Oidium hortensiae) überzieht die Blattunterseite mit einem weißgrauen Pilzbelag und verursacht auf der Oberseite gelbgrüne Flecken. Zum Schutz lassen sich Basforin 0,1 % oder Bayleton Special 0,1 % einsetzen. Die Blattfleckenkrankheit zeigt sich in bläulich roten bis braunen Flecken; verursacht wird sie von den Pilzen Phyllosticta hydrangeae und Septoria hydrangeae. Geeignete Mittel sind Dithane Ultra 0,2 % oder Bayfidan 0,3–0,5 %. Sehr gefährlich ist der Grauschimmel (Botrytis cinerea). Er führt zu Fäule an Blättern, Trieben und Knospen und breitet sich bei warmem, feuchtem Wetter stärker aus.
Auch Schädlinge können an Hortensien Schäden anrichten. Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci) befallen die Stängel, die klein bleiben und sich verformen. Während der Kultur lassen sich dagegen Nematizide einsetzen. Spinnmilben sind winzige Schädlinge, gegen die Kelthane MF 0,15 % oder Pentac 0,1 % wirken. Gegen Blattläuse hilft Shell-Phosdrin 0,15 %. Gegen Wanzen, die an Blättern und Triebspitzen schaden, ist Lanate 25 WP 0,1 % wirksam.
Pflege und Verwendung: Hortensie im Topf
Die Anzucht von Hortensien ist anspruchsvoll und bleibt besser Fachbetrieben überlassen. Im Frühjahr und vor allem zu den Frühjahrsfesten wie Ostern und Muttertag sind blühende Pflanzen im Handel erhältlich.
Ein vollsonniges Südfenster ist für die blühende Hortensie ungeeignet, besser ist ein heller oder halbschattiger Platz. Gegossen wird täglich. Wasser gibt man auch in den Untersetzer, überschüssiges Wasser muss dort aber nach 2 Stunden entfernt werden, damit die Wurzeln nicht faulen. Welken Blütenstände und Blätter stark, ist meist der Wurzelballen ausgetrocknet. Dann hilft es, den ganzen Topf in ein Gefäß mit Wasser zu tauchen. Ist das Substrat durchfeuchtet, werden Blätter und Blütenstände wieder frisch. Hortensien sind temperaturtolerant, das heißt, sie vertragen normale Zimmertemperatur; an einem kühleren Platz halten die Blüten jedoch länger.
Bei abgeblühten Pflanzen schneidet man die Blütenstände heraus. Die Pflanze kann aus dem Topf genommen und an einem halbschattigen Platz in den Garten gesetzt werden. Ist sie über den Winter gut abgedeckt und fallen die Fröste nicht zu streng aus, übersteht sie den Winter und blüht im Sommer.
Tellerhortensien: Sorten mit flachem Blütenstand

| Sorte | Farbe | Treibbeginn |
|---|---|---|
| ZEFA ‚Fasan‘ | Dunkelrot | PR |
| ZEFA ‚Möve‘ | Rot | PR |
| ZEFA ‚Mücke‘ | Hellrosa | PR |
| ZEFA ‚Bläuling‘ | Hellblau | PR |
| ZEFA ‚Blaumeise‘ | Blau | PR |
| LEFA ‚Nachtigall‘ | Violettblau | PR |
| ZEFA ‚Pfau‘ | Blau | PR |
| ZEFA ‚Elster‘ | Weiß | PR |
| ZEFA ‚Libelle‘ | Weiß | PR |
Ballhortensien: Sorten mit halbkugeligem Blütenstand
| Sorte | Farbe | Treibbeginn |
|---|---|---|
| enzett-‚Bautzen‘ | Rot | P |
| ‚Böttstein‘ | Rot | PR-P |
| ‚Brugg‘ | Rot | R |
| ‚Brunnegg‘ | Rot | PR |
| enzett-‚Hermann Dienemann‘ | Rot | R |
| ‚Merkur‘ | Rot | PR-P |
| Neu-Friesdorf | Rot | PR-P |
| enzett-‚Schöne Bautznerin‘ | Leuchtend rot | PR |
| ‚Ticino‘ | Leuchtend rot | R |
| ‚Biberstein‘ | Rosa | PR-P |
| ‚Freudenstein‘ | Rosa | R-PR |
| ‚Marmorprinzessin‘ | Lachsrosa | R-PR |
| enzett-‚Rosalia‘ | Rosa, weiße Adern | PR |
| ‚Blauer Zwerg‘ | Zartrosa | R-PR |
| ‚Bodensee‘ | Blau | R |
| enzett-‚Heinrichsburg‘ | Hellblau | PR |
| enzett-‚Nymphe‘ | Leuchtend blau | PR |
| enzett-‚Schneeball‘ | Weiß | PR |
| ‚Schwann‘ | Weiß | R-PR |
| ‚Soeur Thérèse‘ | Weiß | R-PR |
Erläuterungen zum Treibbeginn
| Kürzel | Treibtyp | Zeitraum |
|---|---|---|
| R | Früh | Mitte Dezember – Ende Dezember Mitte Januar |
| PR | Mittelfrüh | Ende Dezember – Anfang Februar |
| P | Spät | Mitte Januar |
Weitere Hortensienarten finden Sie in den Artikeln Hortensie und Rispenhortensie. Einen Überblick weiterer Zimmerpflanzen gibt Zimmerpflanzen.
