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Gamander

Duftender Halbstrauch für Beeteinfassungen und Steingärten, der von Mai bis September blüht. Arten, Pflege und warum Gamander nicht innerlich angewendet wird.

Zur Gattung Gamander gehören mehr oder weniger stark verholzende Stauden, oft mit duftenden Blättern. Ihre Arten wachsen in den gemäßigten und warmen Zonen und umfassen ein- und zweijährige ebenso wie ausdauernde Pflanzen. Typisch sind der vierkantige Stängel, die kreuzgegenständigen kleinen Blätter und die meist schwache Behaarung. Die Blüten erscheinen in den Blattachseln, die Oberlippe fehlt entweder oder ist kaum erkennbar.

  • Standort: Sonnig bis halbschattig, guter normaler Gartenboden.
  • Höhe: 20–40 cm.
  • Blütezeit: Mai bis September (je nach Art).
  • Vermehrung: Stecklinge, Teilung oder Aussaat.

Die Gattung Gamander gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und umfasst rund 100 Arten. In Deutschland wachsen davon nur wenige wild, einige weitere werden im Garten kultiviert.

Gamander-Arten

Von den rund hundert Arten der Gattung Teucrium wachsen in Deutschland fünf wild – Edel-, Lauch-, Salbei-, Trauben- und Berg-Gamander. Im Garten trifft man vor allem drei davon, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wohin sie passen: der Edel-Gamander an die trockene Einfassung und in den Steingarten, der Salbei-Gamander in sauren Waldboden und der Lauch-Gamander ans Wasser.

Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys)

Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) mit rosapurpurnen Lippenblüten und glänzenden, gekerbten Blättern an einem Stein

Immergrüner Halbstrauch mit kriechendem Rhizom. Er wächst an sonnigen, trockenen Standorten wie Trockenrasen, Felsen oder Waldrändern in Süd- und Mitteleuropa.

  • Höhe: Bis 30 cm.
  • Blätter: Elliptisch, dunkelgrün, glänzend, grob gekerbt und aromatisch duftend.
  • Blüten: Rosapurpurne Blütchen in endständigen Scheintrauben (Mai bis September).
  • Verwendung: Zierpflanze für Einfassungen und Steingärten. Nicht zur innerlichen Anwendung – siehe Warnung weiter unten.
  • Verwendung im Garten: Passt an Einfassungen, in Steingärten und in naturnahe Pflanzungen. Lässt sich gut über Stecklinge vermehren. Empfehlenswert ist die Sorte ‚Rosenteppich‘, die breiter und flacher wächst.

Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia)

Vierkantiger, behaarter Stängel eines Gamanders mit rosafarbenen Lippenblüten in den Blattachseln

Staude auf trockenen, kalkarmen Böden in Heiden, Wäldern und an Felshängen.

  • Höhe: 30–60 cm.
  • Blätter: Ähnlich denen des Salbeis.
  • Blüten: Grünlich gelb, ab Juli.
  • Verwendung: Früher in der Volksheilkunde, heute nicht mehr innerlich angewendet.

Lauch-Gamander / Knoblauch-Gamander (Teucrium scordium)

Lauch-Gamander (Teucrium scordium) mit zwei violetten Lippenblüten und weich behaarten Blättern

Er liebt Feuchtigkeit und wächst in Gräben, an Seeufern und Bachläufen.

  • Wuchs: Das Rhizom bildet zahlreiche Ausläufer, die Stängel sind teils niederliegend und wurzelnd, die aufrechten Triebe reich verzweigt.
  • Merkmale: Zottig behaarte Stängel, Knoblauchgeruch.
  • Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle.

Gamander pflanzen und schneiden

Der Edel-Gamander, also die am häufigsten kultivierte Art, ist eine Pflanze für den trockenen, sonnigen Platz, an dem andere Stauden kümmern. Genau dort ist er am besten – auf der Trockenmauer, an der Beeteinfassung am Weg, im Steingarten oder an einer Böschung, an der das Wasser nicht steht.

  • Volle Sonne und durchlässiger, gern steiniger und kalkhaltiger Boden. Im Halbschatten fällt er auseinander und blüht schwach.
  • Nicht zu viel gießen. Trockenheit verträgt der Gamander hervorragend, aber in nassem, schwerem Boden faulen ihm die Wurzeln – vor allem im Winter.
  • Im Vorfrühling um die Hälfte zurückschneiden. Es ist ein Halbstrauch, ohne Schnitt verkahlt er von unten, wird licht und fällt auseinander. Ein Schnitt im zeitigen Frühjahr hält ihn dicht und kompakt.
  • Vermehrung über Stecklinge im Juni und Juli ist am einfachsten – halbreife Stecklinge wurzeln in wenigen Wochen. Teilen lässt sich der Horst auch, aber mit geringerem Erfolg.
  • Der Salbei-Gamander will dagegen sauren, mageren Boden und verträgt Halbschatten, gehört also in die Heide oder unter den lichten Schatten von Gehölzen, nicht in den Steingarten.
  • Der Lauch-Gamander braucht Feuchtigkeit – er ist eine Pflanze für den Teichrand und für feuchte Ecken, in denen die anderen Gamander nicht gedeihen.

Praktischer Hinweis: Der Edel-Gamander ist einer der besten Buchsbaum-Ersatze für eine niedrige, geschnittene Einfassung. Er verträgt den Schnitt, ist immergrün, duftet und hat – anders als der Buchsbaum – weder mit dem Buchsbaumzünsler noch mit dem Triebsterben durch Cylindrocladiumzu tun.

Gamander düngen

Der Gamander stammt aus trockenen, steinigen Rasen und von Felsen, also von Standorten, an denen es wenig Nährstoffe gibt. Düngen schadet ihm deshalb mehr, als es nützt: In fruchtbarem, gut gedüngtem Boden wächst er üppig, fällt auseinander, blüht weniger und überwintert vor allem schlecht, weil die weichen Triebe bis zum Winter nicht ausreifen.

  • Im Frühjahr nach dem Schnitt eine schwache Gabe organischer Dünger, und das nur, wenn der Boden wirklich ausgezehrt ist. Sonst gar nicht düngen.
  • Nie im Herbst düngen. Bei einem Halbstrauch ist das der zuverlässigste Weg zu Winterschäden.
  • Kalk ja – dem Edel-Gamander bekommt eine basische Bodenreaktion, gebrochener Kalkstein oder etwas Kalk nützen ihm also mehr als Dünger.
  • Mit Kies mulchen, nicht mit Kompost. Kies hält den Wurzelhals trocken, Kompost hält dagegen die Feuchtigkeit, die dem Gamander an der Basis nicht bekommt.

Warum Gamander nicht innerlich angewendet wird

Der Edel-Gamander hat eine lange Geschichte in der Volksheilkunde – er wurde bei Verdauungsbeschwerden, zur Appetitanregung und bei Fieber eingesetzt, und daher stammen auch die Empfehlungen, die in älteren Kräuterbüchern stehen. Heute wird er jedoch nicht mehr innerlich angewendet, und dafür gibt es einen sehr konkreten Grund.

Gamander enthält Neoclerodan-Diterpene, die das Lebergewebe schädigen. In Frankreich trat Anfang der 1990er-Jahre nach der Einnahme von Präparaten aus Edel-Gamander eine Welle akuter Hepatitis-Fälle auf – Dutzende Betroffene und ein Todesfall. Frankreich verbot die innerliche Anwendung deshalb 1992, und seither wird Teucrium nicht mehr als Zutat von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.

  • Bereiten Sie aus Gamander weder Tee noch Absud oder Tinktur zu – auch nicht „nur gelegentlich“, denn der Leberschaden entsteht durch wiederholte Aufnahme.
  • Kaufen Sie keine Nahrungsergänzungsmittel mit Teucrium; in der EU haben sie darin nichts zu suchen.
  • Verwechseln Sie Gamander nicht mit Salbei. Der Salbei-Gamander ähnelt dem Salbei im Blatt und im Namen, ist aber eine andere Pflanze aus einer anderen Gattung – und für Tee nicht geeignet.
  • Anfassen und im Garten kultivieren ist selbstverständlich unbedenklich. Das Risiko liegt ausschließlich in der innerlichen Anwendung.

Im Garten ist der Gamander in etwas anderem und Nützlicherem gut: Er blüht von Mai bis September, also zu einer Zeit, in der blühende Pflanzen an trockenen Standorten seltener werden, und ist eine ausgezeichnete Bienenweide für Hummeln und Wildbienen.

Häufige Fragen

Ist Gamander eine Heilpflanze?

In der Volksheilkunde wurde er verwendet, heute aber wird er nicht mehr innerlich angewendet. Der Edel-Gamander enthält Neoclerodan-Diterpene, die das Lebergewebe schädigen – nach einer Welle von Hepatitis-Fällen verbot Frankreich 1992 die innerliche Anwendung, und in der EU wird Teucrium seither nicht mehr in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet. Bereiten Sie daraus weder Tee noch Tinkturen zu.

Wann schneidet man Gamander?

Im Vorfrühling, um etwa die Hälfte zurück. Gamander ist ein Halbstrauch, ohne Schnitt verkahlt er von unten und fällt auseinander. Er verträgt auch den Formschnitt und lässt sich so als niedrige Einfassung ziehen.

Ist Gamander winterhart?

Ja, der Edel-Gamander überwintert in Mitteleuropa problemlos. Winterschäden verursacht bei ihm allerdings nicht der Frost selbst, sondern Nässe und Überdüngung – in nassem Boden und mit weichen, unausgereiften Trieben friert er auch in einem milden Winter zurück. Ein trockener Standort und kein Herbstdünger sind der beste Winterschutz.

Kann man Gamander statt Buchsbaum pflanzen?

Ja, und das ist eine seiner besten Verwendungen. Der Edel-Gamander ist immergrün, verträgt den Schnitt, hält eine niedrige Einfassung und duftet und blüht obendrein. Er wird weder vom Buchsbaumzünsler noch vom Triebsterben durch Cylindrocladiumbefallen – den beiden Problemen, wegen derer der Buchsbaum aus vielen Gärten verschwunden ist.

Wie vermehrt man Gamander?

Am besten über halbreife Stecklinge im Juni oder Juli – sie wurzeln in sandigem Substrat innerhalb weniger Wochen. Der Edel-Gamander breitet sich außerdem über sein kriechendes Rhizom selbst aus, sodass abgestochene Randpartien als Jungpflanzen dienen können. Das Teilen des Horstes funktioniert ebenfalls, aber mit geringerem Erfolg.

Welcher Gamander gehört in den Steingarten und welcher an den Teich?

In den Steingarten und an die trockene Einfassung gehört der Edel-Gamander – er will volle Sonne, durchlässigen und kalkhaltigen Boden. An den Teich und in feuchte Ecken passt der Lauch-Gamander, der Feuchtigkeit liebt. Der Salbei-Gamander ist ein Sonderfall: Er will sauren, mageren Boden und verträgt Halbschatten, gehört also in die Heide.