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Wasser im Garten: Geschichte von Ägypten bis zur Gegenwart

Wasser im Garten fasziniert die Menschheit seit jeher. Lesen Sie, wie es von antiken Zivilisationen, islamischen Architekten, italienischen Renaissance-Meistern und den Schöpfern von Versailles genutzt wurde — bis hin zu den heutigen Gartenteichen.

Wie Wasser die ersten Gärten des antiken Ägyptens und Mesopotamiens formte

Geschichte der Verwendung von Wasser im Garten

Ägypten und Mesopotamien Wasser spielt im Garten seit jeher eine unverzichtbare Rolle. Belege für seine Nutzung — sei es praktischer, symbolischer oder ästhetischer Natur — finden sich bereits bei frühen Zivilisationen, die sich vor allem im Gebiet Ägyptens und Mesopotamiens entwickelten. In diesen Wüstenregionen lagen menschliche Siedlungen in der Nähe mächtiger Flüsse: im Niltal in Ägypten und zwischen Euphrat und Tigris in Mesopotamien. Das Wasser dieser Flüsse musste beherrscht, gespeichert und verteilt werden, weshalb hier ausgeklügelte Systeme von Wasserbauwerken entstanden.

Die ersten ägyptischen Gärten sollten vor allem Nahrung liefern und mussten daher zwingend bewässert werden. Im Laufe der Zeit wandelten sich Bewässerungskanäle und Vorratsbecken in anmutige Bächlein und Zierbecken, in denen Fische schwammen und Lotusblumen sowie Papyrus wuchsen. Das Wasser, das zunächst eine praktische Notwendigkeit war, gewann allmählich die Funktion eines verschönernden Elements, und so dienten Gärten nicht mehr nur als Nahrungsquelle, sondern entstanden auch zur Freude des Geistes. Die Gärten, die Könige anlegen ließen, sowie Tempelgärten waren vergleichsweise gut durchdacht und ausgearbeitet. Zu ihnen gehörten häufig große Teiche und mitunter auch Seen. Gärten begannen als irdische Manifestation des Paradieses zu gelten, als Oase, wo frei fließendes Wasser Bäume, Sträucher, Blumen und den menschlichen Geist nährt.

In Mesopotamien wurden Seen, Wasserbecken und Kanäle angelegt. Die legendären hängenden Gärten von Babylon, die offenbar von Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) erbaut wurden, sollen mithilfe einer ausgeklügelten Kombination aus Maschinen und Rohrleitungen mit Wasser aus dem Euphrat versorgt worden sein.

Der islamische Garten als Paradies auf Erden: von Persien über Spanien bis nach Indien

Islam Im antiken Persien (Iran), einem Land mit ähnlichen geografischen Bedingungen wie Ägypten, findet sich ebenfalls das Konzept des Gartens als Oase. Der traditionelle persische Garten Chahar Bagh, also der „vierfache“ Garten, der die menschliche Sehnsucht nach Zuflucht vor den unwirtlichen Wüstenbedingungen widerspiegelt, hatte die Form eines geschlossenen Quadrats, das durch zwei sich in der Mitte kreuzende Kanäle in vier weitere Teilquadrate unterteilt war. Im Zentrum des Gartens befand sich ein Brunnen oder ein Teich, oder es stand dort ein Pavillon. Die vom Schnittpunkt ausgehenden Kanäle stellten die vier Paradiesflüsse dar. In den einzelnen Quadranten, die von Netzen aus Bewässerungs- und Zierkanälen durchzogen waren, wuchsen zahlreiche Blumen und Obstbäume, die angenehmen Schatten spendeten.

Die genauen Ursprünge dieser Paradisgärten sind uns nicht bekannt, sie sind unwiederbringlich im Strom der Geschichte verschwunden. Alte Teppiche und Gemälde überliefern ihr Aussehen. Das grundlegende Konzept greift offenbar Elemente aus königlichen Jagdparks, den sogenannten Pairidaeza, sowie aus schützenden Oasen auf.

Die historische Bedeutung des persischen Gartens liegt darin, dass sein Grundriss als Prototyp des islamischen Gartens diente. Als im siebten Jahrhundert muslimische Araber Persien eroberten, übernahmen sie einige Elemente seiner Kultur. Das Konzept des persischen Gartens wurde begierig aufgenommen, da es dem im Koran beschriebenen Paradiesgarten entsprach. Dieses Konzept des Paradiesgartens verbreitete sich zusammen mit dem Islam nach Syrien, Ägypten, Nordafrika, Spanien, in die Türkei und nach Indien.

Der Umgang mit Wasser In allen islamischen Gärten spielte Wasser eine grundlegende Rolle, und Bewässerungskanäle bildeten den wesentlichen Rahmen ihres charakteristischen Stils.

An den meisten Orten herrschte Wassermangel, sodass damit gespart werden musste. Islamische Architekten verstanden es jedoch, aus der Not eine Tugend zu machen. Ihre künstlerische Gestaltung eines im Wesentlichen rein praktischen Systems zur Wasserspeicherung und -bewässerung verwandelte Teiche und Kanäle in architektonische Strukturen, die alle verborgenen Qualitäten des Wassers vollständig zum Ausdruck bringen konnten. Die Kanäle waren nicht verborgen oder verdeckt, sondern offen angelegt, sodass der Wasserfluss sichtbar war. Brunnen hatten häufig die Form einer einzigen zarten Wassersäule, die einen melodischen Klang erzeugte und einen erfrischenden, feinen Wassersprühnebel spendete.

Große Teiche spiegelten die schöne Umgebung wider und erweckten den Eindruck tiefer Becken, obwohl sie in der Regel sehr flach waren.

Spanien Wenn die klimatischen und sonstigen Bedingungen es erlaubten, konnte der Stil islamischer Gärten weitaus großzügiger sein und Wasser eine weitaus wirkungsvollere Rolle spielen. Die Paläste Alhambra und Generalife im südlichen Spanien stellen den Höhepunkt maurischer Kunst dar. Im dreizehnten Jahrhundert wurden sie von Königen der Nasriden-Dynastie erbaut, und sie beherbergen die schönsten Paradiesgärten, die bis heute erhalten geblieben sind. Diese Paläste, die majestätisch am Fuße des Gebirges Sierra Nevada thronen und auf Granada, die letzte Bastion der Mauren in Spanien, hinabblicken, wurden kontinuierlich durch ein Aquäduktsystem mit Wasser aus den Bergen versorgt. In der Alhambra, dem Winterpalast, veranschaulicht jeder Patio und jeder Innenhof Wasser auf eine Weise, die für dieses Motiv in der islamischen Philosophie charakteristisch ist. In den Gärten des nahe gelegenen Generalife, des Sommerpalastes, gibt es zahlreiche Teiche und Brunnen sowie sogar eine Wassertreppe. Das erfrischende Element des Wassers wird hier auf großzügige und spielerische Weise eingesetzt.

Indien Eine weitere Form islamischer Gartenarchitektur finden wir in Indien. Etwa zur selben Zeit, als die Paläste Alhambra und Generalife in Granada errichtet wurden, begannen die Mongolen, Gebiete zu erobern, die Persien gehörten. Ihre Nachkommen, die Moguln, drangen nach Indien vor und brachten ihre Liebe zu persischen Gärten mit sich. Diese Mogulkaiser waren leidenschaftliche Gärtner und errichteten im Laufe des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts prachtvolle Wassergärten, wie etwa Shalamar und Achabel im Kaschmir-Tal sowie später das prunkvolle Taj Mahal in Agra. Mit Wasser wird hier ebenfalls großzügiger und einfallsreicher umgegangen, und der ursprüngliche Oasenstil wird angepasst und erweitert, sodass die Umgebung insgesamt einen freundlicheren und angenehmeren Eindruck hinterlässt.

Dank ausreichender Wasservorräte konnten sie es sich leisten, Wasserrinnen anzulegen, bekannt als Chadars, was „Schleier“ bedeutet, deren gemeißelte, unebene Oberfläche die Textur des fließenden Wassers hervorhob und damit seine visuelle Wirkung verstärkte. Chadars tauchten später erneut in den Gärten der italienischen Renaissance auf und werden auch in der zeitgenössischen Gartenarchitektur verwendet.

Chinesische und japanische Gärten: Wasser als Symbol der Natur und Harmonie

China Das alte China, tief von der taoistischen Philosophie geprägt, hegte eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur. Chinesische Gärten, die häufig von Landschaftsmalereien und Gedichten inspiriert und in der Regel von Künstlern, Dichtern oder Mönchen entworfen wurden, waren eine künstlerische Darstellung der natürlichen Umgebung, in der Wasser und Berge die Hauptrolle spielten.

In den prächtigen kaiserlichen Gärten ebenso wie in den kleineren privaten Gärten der Gelehrten und Maler trat Wasser in allen erdenklichen Formen auf: als Rinnsal, Fluss, Wasserfall, Teich oder See. Doch sowohl die Gärten als auch die Rollbilder der Landschaftsmaler erschufen die Welt der Natur eher, als dass sie diese genau kopierten; einige im Teich platzierte Steine konnten Inseln in einem See oder im Ozean darstellen.

Die Gärten wurden als schöne und beruhigende Orte angelegt, an denen man in Ruhe nachsinnen und die Natur beobachten, ihre Harmonie und den eigenen Platz in ihrer Ordnung entdecken konnte. Der stille Spiegel der Wasseroberfläche vertiefte das Gefühl der Ruhe und ermöglichte so ein vollständiges Versinken in die Betrachtung.

Wasser diente nicht nur als stimmungsbildendes Element, sondern auch als Führung, die den Besucher nach und nach durch den gesamten Garten geleitete. Denn das Wasser verband dessen verschiedene Teile miteinander. Die geheimnisvollen Winkel des Gartens enthüllten sich auf dem Weg entlang eines sich schlängelnden Bächleins oder eines unregelmäßigen Ufers allmählich und ganz ebenso wie die Geheimnisse der echten natürlichen Welt. Flussbiegungen oder Steinhügel versperrten den Blick nach vorn.

Wasser, Steine, Erde und Pflanzen wurden sorgfältig zu einem wunderschönen lebendigen Bild komponiert, das das Wesen der Natur veranschaulicht. Im achtzehnten Jahrhundert ließen sich auch die Gartenarchitekten in England von der Landschaftsmalerei inspirieren. In dieser Zeit begannen schriftliche Beschreibungen der Gestalt chinesischer Gärten zu erscheinen. Obwohl das fließende und natürliche Konzept des chinesischen Gartens in scharfem Kontrast zur starren Symmetrie des islamischen Gartens steht, ist das gemeinsame Merkmal beider Stile das Wasser, was zeigt, wie spielerisch sich dieses Element den unterschiedlichsten architektonischen Anforderungen anpassen kann.

Japan Im Laufe des sechsten und siebten Jahrhunderts gelangte der Buddhismus nach Japan und mit ihm die chinesische Kunst. Der chinesische Einfluss auf die Gartengestaltung nahm allmählich ab, und zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts setzte sich ein klarer definierter japanischer Stil durch. Dieser Stil, obwohl er das ursprüngliche Thema der Beziehung zwischen Mensch und Natur nicht aufgibt, ist präziser, formaler und symbolischer als der chinesische Stil. Er entstand auf der Grundlage der Zen-Philosophie buddhistischer Mönche, die eine ganze Reihe von Gärten selbst entwarfen. Die Symbolik kommt deutlich in den 'trockenen' Gärten zur Geltung, in denen kein Wasser vorhanden ist; ein Teich wird durch eine Fläche aus geharкtem Sand angedeutet, ein Bachbett durch Steine und Holzstücke.

Die Idee des Gartens als symbolische Darstellung der Natur besteht in der japanischen Gartenarchitektur bis heute fort, und Wasser – ob real oder angedeutet – ist für dieses Thema von zentraler Bedeutung.

Wasser in den Gärten des antiken Griechenlands, Roms und des mittelalterlichen Europas

Griechenland und Italien Wasser war ein wesentlicher Bestandteil der Gärten der Griechen und Römer – was niemanden überraschen dürfte, der je einen heißen mediterranen Sommer erlebt hat.

Die ersten griechischen und italienischen Gärten, die nicht landwirtschaftlichen Zwecken dienten, lagen in der Nähe natürlicher Quellen. Die Menschen glaubten nämlich, dass diese Quellen ein Geschenk der Götter und damit heilig seien. Tempel, die verschiedenen Göttinnen oder Göttern geweiht waren, wurden häufig in der Nähe einer Quelle errichtet. Den gesamten Ort umgaben dann Baumgruppen oder Gärten. Das Wasser wurde durch Leitungen in Zierbehälter geleitet. Diese Behälter wurden mit der Zeit durch Skulpturen geschmückt, durch die das Wasser manchmal floss und Wasserstrahlen oder Rinnsale erzeugte. Aus diesen ursprünglichen Anfängen entwickelten sich später ausgefeiltere Modelle, und Brunnen verbreiteten sich im gesamten Gebiet Griechenlands und Italiens. Ursprünglich erfüllten sie drei Funktionen: eine religiöse, eine nützliche und eine ästhetische.

Während der hellenistischen Periode, die in Griechenland mit der Herrschaft Alexanders des Großen begann, entstanden zahlreiche ausgeklügelte Aquädukte und Wassersysteme. Illustrierte Texte aus jener Zeit beschreiben Maschinerie, die einfache Unterhaltungsbrunnen, Wasserorgeln usw. betrieb – Elemente, die wir in den Gärten der italienischen Renaissance wiederfinden. Obwohl diese oft als Produkt der Architektur des sechzehnten Jahrhunderts angesehen werden, handelt es sich im Wesentlichen um Kopien ursprünglicher griechischer Erfindungen.

Es entstanden öffentliche und private Lustgärten, die das Wissen widerspiegelten, das Alexander der Große aus seinen siegreichen Feldzügen nach Persien und Indien mitgebracht hatte. Es waren Gärten, die den Menschen geistig bereichern sollten – sie wurden weder zur Freude der Götter noch zu landwirtschaftlichen Zwecken angelegt.

Die Römer übernahmen die besten Elemente der griechischen Lustgärten für ihre prächtigen Villagärten. Die Villen und die dazugehörigen Gärten waren ein sommerlicher Rückzugsort vor der Hitze und den überfüllten Straßen Roms. Teiche, Kanäle, Brunnen, Kaskaden und Bäder erfrischten die Luft und den Körper und erfreuten die Augen. Die Überreste der Villa des Kaisers Hadrian in Tivoli, die um das Jahr 136 v. Chr. fertiggestellt wurde, bezeugen sehr anschaulich, welchen Stellenwert Wasser in diesen klassischen Gärten hatte.

Ein hervorragendes Aquäduktsystem ermöglichte die unbegrenzte Nutzung von Wasser – nicht nur in den Gärten, sondern auch in den Brunnen und Bädern Roms selbst. Obwohl Rom auch heute noch eine Stadt der Brunnen ist, ist dies nur noch ein schwacher Abglanz des einstigen Ruhms. Zur Zeit des Römischen Reiches gab es in Rom mehr als tausend Brunnen und etwa ebenso viele Bäder. Die Brunnen waren prachtvolle Bauwerke, geschmückt mit Skulpturen von Göttern und Nymphen – ein Motiv, das als eines von vielen in der Renaissance wieder aufgegriffen wurde.

Die Römer waren sehr geschickte und produktive Baumeister, und die Konzepte, die sie von den Griechen und anderen Kulturen des weitreichenden Römischen Reiches übernommen hatten, blieben daher lange nach dem Fall Roms erhalten. Ihre Bauwerke überdauerten ganze Jahrhunderte und wurden so als Erbe der klassischen Baukunst überliefert, aus dem Künstler und Architekten der Renaissance schöpften.

Mittelalter Die meisten mittelalterlichen Gärten in Europa und England befanden sich hinter den Mauern von Klöstern und Burgen. Der Einsatz von Wasser war in dieser Epoche recht begrenzt. Es wurden Brunnen, Teiche, Becken und Wassergräben angelegt. Manchmal bildeten Zierbrunnen und -brunnen den Mittelpunkt sich kreuzender Wege – ein Konzept, das die Kreuzfahrer offenbar aus ihren Feldzügen in den Orient mitgebracht hatten.

Renaissance-Wassergärten in Italien: Villa d'Este, Villa Lante und der Triumph des menschlichen Erfindungsgeistes

Renaissance in Italien Das antike Griechenland und das antike Rom bildeten das Rückgrat des aufgeklärten Denkens der Renaissance. Der Humanismus wurde wiederentdeckt; ab dem frühen fünfzehnten Jahrhundert begannen Individualität und menschlicher Geist sich durch kreatives Genie auszudrücken. Künstler, die plötzlich aus dem finsteren Denken des Mittelalters in eine Ära der Freiheit und der Entdeckungen aufbrachen, präsentierten Ideen, die sie aus der klassischen Antike entlehnt hatten, in frischen, fantasievollen und harmonischen Konzeptionen, die Haus, Garten und die umliegende Landschaft zu einem einzigen Ganzen verbanden.

Die Gärten, die in dieser Epoche entstanden, wirken ausgesprochen extravagant. Ihr Herzstück und ihre Seele war häufig das Wasser, mit dem man keineswegs sparsam umging, und die Art seines Einsatzes war oft sehr spielerisch und witzig. Wasserdüsen waren verborgen und so konzipiert, dass sie den Besucher mit einem unerwarteten Wasserstrahl überraschten. Fast alle Elemente waren so gestaltet, dass aus ihnen Wasser spritzen konnte. Drachen, Schlangen, Delphine und andere Geschöpfe waren häufig anzutreffen, und oft tauchten auch menschliche Figuren auf, denen das Wasser häufig aus eher ungewöhnlichen Stellen spritzte. Mit Balustraden versehene Terrassen waren mit aufwendigen Fontänen geschmückt, die durch glitzernde Kaskaden miteinander verbunden waren.

Villa d'Este Einer der großartigsten Gärten, die in der Renaissance entstanden, und vielleicht der großartigste Garten überhaupt, ist die Villa d'Este in Tivoli, etwa 32 km von Rom entfernt. Diese fantastische Anlage, entworfen von Pirro Ligorio, begann um das Jahr 1550 zu entstehen, und ihre Realisierung dauerte ganze 30 Jahre. Ligorio ließ sich von den Ruinen der nahegelegenen Hadriansvilla inspirieren.

Italien ist überwiegend hügelig, und dieser Garten wurde, wie viele andere auch, an einem Hang angelegt, sodass zahlreiche Wasserfälle und Kaskaden geschaffen werden konnten. Das Wasser wird hier auf vielfältige Weise eingesetzt, um verschiedene Stimmungen zu erzeugen, und ist das Element, das die einzelnen Terrassen des Gartens miteinander verbindet. Die Villa d'Este strotzt nur so vor der Menge und Vielfalt der Wasserelemente, die ihre Besucher bis heute faszinieren.

Der Orgel-, Eulen- und Drachenbrunnen sind kunstvoll konstruierte Bauwerke, in denen das Wasser verschiedene Geräusche erzeugt, die Musik, Vogelgesang und Kanonenfeuer imitieren. Auf einer der Terrassen liegt der Weg der hundert Fontänen, wo Wasser aus einer Vielzahl von Düsen und Sprühdüsen strömt und die heiße Sommerluft kühlt. Teiche sind von Fontänen umgeben, die den Effekt ewigen Regens erzeugen und an sonnigen Tagen den Garten mit Regenbögen schmücken. Wasser spritzt aus allen Brustwarzen der zahlreichen Brüste der Statue der Göttin Diana und symbolisiert damit Fruchtbarkeit. Bächlein und Kaskaden bereichern die freudige und dynamische Stimmung des Gartens. In einigen Bereichen des Gartens steht das Wasser in Becken und Teichen ruhig und bildet so eine glänzende, beruhigende Fläche.

Der fantasievolle, vielfältige und komplexe Einsatz des Wassers in diesem Garten veranschaulicht deutlich die Ansicht der Renaissance, dass dem menschlichen Erfindungsgeist keine Grenzen gesetzt sind.

Villa Lante Die Villa Lante, gelegen in der Nähe der Stadt Viterbo, repräsentiert ein weiteres Renaissance-Thema: den Triumph des Menschen über die Natur. Das charakteristische Merkmal dieses Gartens, der von Vignola geschaffen wurde, ist nicht Komplexität, sondern Einfachheit. Der Garten entstand in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts. Das Wasser fließt aus einer Grotte im Hang wie eine natürliche Quelle und bildet einen Teich. Vom Teich fließt das Wasser auf eine untere Terrasse, wo es aus einer eleganten Fontäne sprudelt. Dann fließt es über geformte Kaskaden auf eine weitere Terrasse. Hier fließt es durch einen steinernen Esstisch, der zwischen zwei Fontänen steht und in dem Wein gekühlt wird, und gelangt schließlich zum tiefsten Punkt des Gartens, zum Wasserparterre mit einer Fontäne in der Mitte. Mit jeder weiteren Stufe nimmt das Wasser an Volumen zu, und auch seine Bedeutung verändert sich und wächst; das Wasser in Form einer Quelle, die aus wildem Bewuchs hervorströmt, ist zunächst nur eine schlichte Gabe der Natur, am Ende seiner Reise dann ein Element eines kunstvoll durchdachten architektonischen Werks.

Die kürzlich restaurierte Villa Lante ist das anschaulichste erhaltene Beispiel für Gärten dieser Epoche.

Französische Gartentradition und das großartige Wasserwerk von Versailles

Französische Tradition Obwohl der französische Stil seinen Höhepunkt erst im siebzehnten Jahrhundert erreichte, reichen seine Wurzeln bis zu den Wassergräben und Teichen des Mittelalters zurück. Im Laufe des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts verwandelten sich die funktionalen mittelalterlichen Gärten in Orte, die dem Vergnügen und der künstlerischen Präsentation dienten. Die einstigen Teiche und Gräben wurden erweitert und zu Wasser-Allées umgestaltet. Frankreich wurde von einer mächtigen Welle italienischer Inspiration erfasst, und an der Gestaltung der Gärten waren häufig italienische Architekten beteiligt. Die Gärten wurden mit klassischen Skulpturen, Brunnen, Grotten und Parterres geschmückt. Eines der bedeutendsten Merkmale des italienischen Stils, der sich in Frankreich vollständig durchsetzte, war die komplementäre Beziehung zwischen Haus und Garten. Der Garten hörte auf, als eigenständige Einheit betrachtet zu werden. Die Architektur begann, die Gartenkunst als raison d'etre des Gartens in den Schatten zu stellen.

Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts entstand schließlich ein nahezu reiner französischer Stil. Die Gärten wurden für die Aristokratie angelegt, die durch sie Macht und Reichtum zur Schau stellte – in einer Zeit, die beide Güter glorifizierte.

André Le Nôtre Der bedeutende Architekt André Le Nôtre schuf ein Konzept des klassischen französischen Gartens, das so überzeugend und klar war, dass es zum grundlegenden Ausgangspunkt der Gartengestaltung schlechthin wurde. Der grandiose, formale und verfeinerte Stil Le Nôtres repräsentierte in Frankreich die intellektuelle Freiheit des Menschen und seinen Triumph über die Natur, ebenso wie die Macht der Krone und der Aristokratie. Obwohl die Gärten absichtlich sehr prunkvoll waren und ihre Anlage politisch motiviert war, bezeugten sie dennoch die unbestreitbare Kraft der Persönlichkeit, gegründet auf vollendeten Geschmack und Liebe zur Kunst.

Le Nôtre nutzte die weite und flache Landschaft des Landes, die sich so sehr von der italienischen Landschaft unterschied. Er verwandelte von Wassergräben umgebene Schlösser, wie etwa das Château de Chantilly in der Nähe von Paris, in riesige Wasserlandschaften, durchzogen von regelmäßigen Kanälen, Teichen und Brunnen. Der großzügige Einsatz von Wasser war geradezu das Markenzeichen der französischen Tradition. Seine ehrgeizigen Pläne konnte er zweifellos leichter verwirklichen dank der reichlichen Grundwasservorräte und vor allem dank der unbestreitbar grundlegenden Voraussetzung jedes großartigen Bauwerks – nämlich dank wohlhabender Auftraggeber.

Versailles Der Palast von Versailles, der König Ludwig XIV. gehörte, belegt wohl am deutlichsten, welche Rolle der Wohlstand des Auftraggebers spielt. Le Nôtre begann hier im Jahr 1666 mit der Planung eines grandiosen Schauspiels, das viele für den prächtigsten Wassergarten halten, der je geschaffen wurde. Der wohl wichtigste Grund, der Ludwig XIV. dazu bewog, diesen außergewöhnlichen Garten anlegen zu lassen, war eine frühere Realisierung Le Nôtres – der Garten von Vaux le Vicomte, den einer der königlichen Minister, Nicolas Fouquet, hatte anlegen lassen. Der Garten von Vaux, dessen Planung und Verwirklichung etwa fünf Jahre dauerte, ist das reinste Beispiel für Le Nôtres Genie. König Ludwig betrachtete Fouquets prachtvollen Garten als Bedrohung für seine königliche Stellung, und sein eigenes Versailles musste ein Bauwerk sein, das größer und besser war als alles bisher Gebaute – und sogar besser als alles, was in absehbarer Zukunft gebaut werden könnte. Die Höhe der Kosten spielte dabei keine Rolle.

Herzstück und Mittelpunkt des Gartens war ein eine Meile langer Kanal, der von einem zweiten, fast ebenso langen Kanal gekreuzt wurde. Überall standen Brunnen verschiedenster Formen und Größen. Der größte Brunnen, bekannt als der Kronenbrunnen, hatte 140 Düsen. Die Gesamtzahl der Düsen erreichte den unglaublichen Wert von 14.000. Das Wasser wurde über ein Aquädukt aus der Seine in den Garten geleitet, doch selbst 14 Wasserturbinen erzeugten nicht genug Druck, um alle Elemente gleichzeitig betreiben zu können. Es funktionierten jeweils nur bestimmte aufeinanderfolgende Brunnengruppen; es spritzten stets nur jene Brunnen, an denen König Ludwig mit seinem Gefolge beim Spaziergang durch den Park gerade vorbeikam.

Der Einfluss von Versailles zeigte sich in den meisten zivilisierten Ländern, und Kopien dieses Gartens finden sich beinahe überall – von Russland bis zu den Vereinigten Staaten.

Englische Gärten von der Renaissance zum formalen Park: Hampton Court und Chatsworth

Englische Renaissancegärten Als mit dem Ende der Rosenkriege im Jahr 1485 der Frieden in das tudorzeitliche England einkehrte, begannen die geschlossenen mittelalterlichen Gärten durch Renaissancegärten der Freude ersetzt zu werden. Die Inspiration kam aus Frankreich. Einen der ersten königlichen Gärten im Renaissancestil ließ Heinrich VIII. in Hampton Court anlegen.

Das einzige bedeutende Wasserelement war ein Springbrunnen, der in der Mitte eines quadratischen Grundrisses aufgestellt war.

Der französische Einfluss dominierte auch während der elisabethanischen Epoche. Das Konzept des Gartens als Quelle des Vergnügens erfasste alle Adelssitze im Land.

Wasser als Gartenelement gewann unter der Herrschaft von König Jakob I. an größerer Bedeutung. Die Menschen konnten freier reisen, und so gelangten mehr Informationen vom Kontinent nach England. Beliebt waren italienische Stile. Der Franzose Salomon de Caus kam nach England, nachdem er die Gartenarchitektur in Italien studiert hatte. Er war ein geschickter Ingenieur mit tiefgreifenden Kenntnissen der Hydraulik, der das italienische Konzept der Integration von Haus und Garten vorantrieb. Es wurden neue Gärten angelegt oder bestehende Gärten umgestaltet. Es sollte Grotten, Springbrunnen und verschiedenste selbstbewegende Maschinen geben. Man kann nur die unendliche Vielfalt an innovativen Möglichkeiten des Einsatzes des Wasserelements bewundern.

Der Formalgarten in England Nach England, ebenso wie in den Rest Europas, verbreitete sich das Modell des Formalgartens aus Frankreich. Als Karl II. im Jahr 1660 wieder auf den Thron gesetzt wurde, kehrte er aus Frankreich zurück, erfüllt von Erinnerungen an die wunderbaren Gärten, die Le Nôtre dort geschaffen hatte. Französische Gärtner begannen nach England zu kommen, und die englischen Gärtner begannen, in Frankreich zu lernen.

Schloss Chatsworth in Derbyshire Der französische Stil war sehr beliebt, sodass der erste Herzog der Grafschaft Devon beschloss, Grillet, einen Schüler Le Nôtres, zu beschäftigen. Obwohl das gebräuchlichste Wasserelement jener Zeit lange Kanäle waren, schuf Grillet im Jahr 1694 in Chatsworth die berühmte Wasserkaskade bzw. Wassertreppe, die einige Jahre später erweitert wurde. Während dieser Periode entstand der Springbrunnen „Weidenbrunnen“; er wurde aus hohlen Kupferrohren gefertigt, und beim Betätigen eines Schalters spritzte aus jedem seiner Äste ein dünnes Wasserstrählchen. Ähnlich wie die italienischen Scherzfontänen sollte dieser Springbrunnen die Besucher des Gartens überraschen. Der Springbrunnen, der heute dort steht, ist eine Kopie des Originals. Die nachfolgenden Herzöge fügten Grotten, Teiche, Springbrunnen und Kaskaden hinzu und schufen damit aus Chatsworth einen der bemerkenswertesten Wassergärten der Welt.

Die königlichen Parks Den ersten Entwurf des St. James Park schuf für König Karl II. der französische Gärtner André Mollet. Er schuf ein Patte d’oie, also einen Gänsefuß, dessen mittlerer Finger ein großer Kanal von 852 Metern Länge und 30 Metern Breite bildete, der unter der Herrschaft von König Georg IV. in einen See umgewandelt wurde und diese Form bis heute hat.

In Hampton Court verwendete Karl Mollets Gänsefuß ebenfalls, und der mittlere Finger bildet auch hier wieder einen langen Kanal. Die Gärten von Hampton Court erlebten ihre größte Blütezeit unter der Herrschaft von Wilhelm und Maria in den Jahren 1698–1702, als ein weiterer Franzose, diesmal Daniel Marot, den Großen Fontänengarten schuf. Er kombinierte das Konzept des holländischen Gartens voller Kanäle mit der Gartengestaltung im Stil Ludwigs XIV., wodurch ein französisch-holländischer Hybrid entstand. Im Fontänengarten, der zwischen dem Palast und dem halbkreisförmigen Kanal liegt, stehen dreizehn Springbrunnen. Der holländische Einfluss mit seiner Betonung längerer und schmalerer Kanäle war im Wesentlichen ein Echo des französischen Stils, also jenes Stils, der in England aufgehört hatte, beliebt zu sein.

Englischer Landschaftsgarten: natürliche Seen, Brown, Kent und Repton

Englische Parkgärten Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts begann die Beliebtheit des französischen Stils nachzulassen. Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts entstand ein neuer Stil. Obwohl der „Parkgarten“ in England ursprünglich heimisch war, überlebte er die Einflüsse anderer Kulturen und Epochen nicht. Die führende Strömung war der Naturalismus, der die Unterstützung verschiedenster gesellschaftlicher Kreise gewann.

Schriftsteller wie Pope, Addison und Steele priesen die Natur und die natürliche Landschaft und kritisierten die starre Förmlichkeit der französischen Architekten. Es begann die Rede von der traditionellen chinesischen natürlichen Gartengestaltung aufzukommen.

Landschaftsgemälde von Künstlern des siebzehnten Jahrhunderts waren sehr beliebt, insbesondere die Gemälde von Claude Lorrain, der die Landschaft Roms mit klassischen Bauwerken geschmückt darstellte. Die Leinwände inspirierten die Entstehung vieler neuer Gärten, ähnlich wie viele Jahrhunderte zuvor in China.

Riesige Landgebiete wurden durch Parlamentsbeschlüsse definiert, was dem Adel ermöglichte, große Flächen gemeinsamen Landes einzuschließen. Wohlhabende Grundbesitzer reisten ins Ausland, vor allem nach Italien, und kehrten nach England begeistert von der palladianischen Architektur zurück. Sie waren entschlossen, neue Häuser zu bauen oder alte Häuser im neuen Stil Palladios in einem claudischen Rahmen umzugestalten.

Wasser – das zentrale Thema In jedem Landschaftsgarten war Wasser reichlich vorhanden und bildete ebenso wie in Versailles die Grundlage einer erfolgreichen Gestaltung, trat hier jedoch auf andere Weise in Erscheinung.

Ein charakteristisches Merkmal der neuen Gartenentwürfe waren riesige Flächen stillen, stehenden Wassers. Fontänen verschwanden, und Wasser wurde nicht mehr durch Kanäle oder formale Teiche gebunden. Wasserläufe wurden aufgestaut, sodass sie Seen mit natürlichen Konturen oder langsam fließende Bächlein bildeten. Bäche und Wasserfälle wurden von Puristen gemieden. Kaskaden, im Wassersystem unerlässlich, wurden versteckt. Das Wasser verband die einzelnen Teile des Gartens miteinander. Stille Seen trugen zur Schaffung einer friedvollen Stimmung und eines Raumgefühls bei, vor allem weil sie in einem Wäldchen oder in den geschwungenen Linien des Ufers verschwanden und den Blick der Besucher erweiterten. Die Spiegelung auf der stillen Wasseroberfläche erfasste den Rhythmus der Natur: fliegende Vögel, ziehende Wolken, das Spiel von Licht und Farbe der einzelnen Jahreszeiten. Das Wasser spiegelte auch die vollkommenen Proportionen klassischer Bauwerke wider.

Die wichtigsten Vertreter Der Wandel vom formalen zum natürlichen Gartenkonzept vollzog sich schrittweise und wurde von einer Vielzahl von Menschen mitgestaltet: Architekten, Gärtnern, Designern und Grundbesitzern. Obwohl die meisten Pläne von professionellen Fachleuten entworfen und umgesetzt wurden, wurden viele wunderschöne Gärten auch von Amateuren angelegt oder zumindest teilweise mitgestaltet.

John Aislabie Ein schönes Beispiel der Gartenarchitektur des frühen achtzehnten Jahrhunderts ist Studley Royal in der Nähe von Ripon in der Grafschaft North Yorkshire. John Aislabie, ehemaliger Schatzkanzler, begann im Jahr 1722 mit der Anlage seines eigenen Wassergartens in einem Stil, der den Übergang von der Epoche der formalen Gärten zur natürlichen Landschaft veranschaulicht. Die Wasserelemente haben in der Regel eine formale Form, sind jedoch in natürlichen bewaldeten Tälern angeordnet, wobei Gras das Flussbett frei überwuchert.

William Kent William Kent (1685–1748), ein Architekt mit malerischer Sichtweise, war ein Pionier unter den Fachleuten. Er war der Erste, der wirklich in die Landschaft eingriff. Als Künstler bereiste er Italien, wo er studierte und maßgeblich von Gemälden der italienischen Landschaft beeinflusst wurde. Er konzipierte seine Gärten als dreidimensionale Darstellungen der Bilder, die er bewunderte. Er entwarf Tempel und Brücken, die als Blickpunkte für seine Wasserelemente dienten. Der wunderschöne Garten Stowe in der Grafschaft Buckinghamshire ist das Aushängeschild seines Werkes. Kent beeinflusste mit seinen Ideen zahlreiche Fachleute und Amateure, die sie in ihre eigenen Projekte einbezogen. Dazu gehörte auch Hoare, der Stourhead schuf.

Henry Hoare II Obwohl viele Nachfolger von Henry Hoare am Bau von Stourhead in der Grafschaft Wiltshire beteiligt waren, war es er selbst, der den größten Beitrag zur Entstehung dieser Gärten leistete, mit deren Anlage er in den vierziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts begann. Stourhead gilt oft als eine vollkommen komponierte Landschaft. Das Herzstück des Gartens ist ein großer unregelmäßiger See, in dem sich gepflanzte Bäume, Rhododendren sowie eine Reihe klassischer Gebäude spiegeln, die entlang des Ufers verteilt sind. Dieser künstliche See ist einer von vielen Seen, die in diesem Jahrhundert angelegt wurden. Zu den weiteren Wasserelementen gehört eine Grotte, in der schlafende Nymphen über Kaskaden liegen, die von natürlichen Quellen gebildet werden, sowie eine Höhle des Flussgottes, aus der Wasser aus einer Urne fließt.

Grotten und Höhlen waren im achtzehnten Jahrhundert sehr modische Elemente, durch die häufig Wasser floss. Ihre Beliebtheit in England ließ zweifellos aus klimatischen Gründen nach.

„Capability“ Brown Lancelot „Capability“ Brown (1716–1783) war die einflussreichste und bekannteste Persönlichkeit der naturalistischen Schule. Die Landschaftsbewegung erreichte während seiner Karriere ihren Höhepunkt. Die Verwendung natürlicher Strukturen war für ihn absolut verbindlich, und er entfernte alle Elemente des formalen Stils vollständig. Brown verstand es, das volle Potenzial eines jeden Standorts zu entfalten, und genau darin übertraf er alle anderen. Dank seines enormen Talents und nicht zuletzt dank der unermesslichen Mühen vieler Arbeiter – Bulldozer gab es damals noch nicht – schuf er zahlreiche Gärten oder trug zu deren Entstehung bei, die bis heute bekannt und bewundert werden. Wasser spielte in seinen Entwürfen eine dominante Rolle. Brown verstand es, auf meisterhafte Weise riesige Seen durch die Aufstauung von Bächen und Flüssen anzulegen.

Vielleicht das eindrucksvollste Zeugnis seines Genies ist der See, den er für Blenheim Palace in der Grafschaft Oxfordshire anlegen ließ. Dieser See harmonierte nämlich perfekt mit der Brücke, die der renommierte Architekt Van Brugh zuvor geschaffen hatte, und verschaffte ihr endlich einen angemessenen Rahmen.

Humphry Repton Humphry Repton (1752–1818) war der letzte der großen Landschaftsgarten-Architekten. Er hielt sich in der Regel an Browns architektonische Prinzipien. Im Vergleich zu seinem Vorgänger war er jedoch weitaus flexibler und gestattete in der Nähe des Hauptgebäudes die Anlage von Terrassen, Balustraden und Beeten, während er den Brownschen Ansatz erst in den entfernteren Bereichen des Gartens vollständig anwandte. Auch mit Wasser ging er etwas anders um und brachte beispielsweise die Fontäne wieder auf die Bühne – ein Symbol der Künstlichkeit, das Brown und andere Architekten vollständig abgelehnt hatten.

Das neunzehnte Jahrhundert Um die Jahrhundertwende verlor das ursprüngliche Konzept des Landschaftsparks an Stärke. Es beeinflusste jedoch die Gestalt der Gärten in ganz Europa. Das Konzept der englischen Landschaftsgärten lebt bis heute in den Gärten und Parks Europas und Nordamerikas fort.

Mit dem Rückgang der Landschaftsbewegung kehrt ein förmlicherer Stil zurück. Klassische Konzepte kehren wieder, entbehren jedoch der Innovationen, die ihnen neues Leben eingehaucht hätten. Versuche, Elemente verschiedener Traditionen durch die Anlage eklektischer Gärten zu harmonisieren, scheiterten in der Regel. Aufgrund der Rückkehr alter Schemata und Ideen unterschied sich die Verwendung von Wasser in den Gärten des neunzehnten Jahrhunderts kaum von derjenigen in den Gärten des vorangegangenen Jahrhunderts.

Seerosen, Gewächshäuser und orientalische Gärten im 19. Jahrhundert

Exotische Pflanzen Der vielleicht auffälligste Wandel im Gartenkonzept, der die Verwendung von Wasser maßgeblich beeinflusste, wurde durch den enormen Zustrom neuer Pflanzen aus der Neuen Welt und dem Orient nach England und Westeuropa ausgelöst. Unter diesen Pflanzen befanden sich auch Arten, die direkt im Wasser oder an den Ufern von Wasserläufen und Wasserflächen kultiviert werden konnten.

Gartenarchitekten bemühten sich, für diese Pflanzen eine Umgebung zu schaffen, die ihren ursprünglichen natürlichen Bedingungen entsprach. Wasserfälle wurden zu einem beliebten Element der Steingärten. Es wurden auch alpine Landschaften angelegt, die bisweilen reale Berge imitierten, beispielsweise das Matterhorn. Kaskaden flossen in Teiche oder erschienen vor dem Hintergrund von Grottenbauten.

Seerosen Die einzige robuste Seerosenart, die zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts kultiviert wurde, war die weiße Art Nymphaea alba, die zum Beispiel am Fluss Cherwell in Oxford wächst. Etwa in der Mitte des Jahrhunderts begann der Franzose Joseph Borg Latour-Marliac, N. alba mit farbigen Arten zu kreuzen. Der erste Erfolg stellte sich im Jahr 1879 ein. Bis zu seinem Tod im Jahr 1911 gelang es ihm, 70 neue robuste Kultivare zu züchten. Die Nachkommen seiner Kultivare verschönern Wassergärten bis heute, doch das Geheimnis seiner Züchtungserfolge starb mit ihm und wartet noch immer darauf, enthüllt zu werden.

Gewächshaus Eine Vielzahl dieser neuen Pflanzen stammte aus wärmeren Regionen und konnte daher die raueren europäischen Bedingungen nicht überleben. Es wurden riesige Glasgebäude errichtet, die in ihrer Konstruktion einem Tempel ähnelten und den Pflanzen die notwendigen Bedingungen boten. Zu diesen Gewächshäusern gehörten häufig auch Teiche. Sir Joseph Paxton war der erste Mensch in England, dem in einem solchen Teich im Jahr 1849 die riesige Seerosenart Victoria amazonica erblühte.

Orientalische Gärten Das Erscheinungsbild der neuen Pflanzen aus dem Orient weckte das Interesse am Anlegen von Gärten im orientalischen Stil, vor allem japanischer Gärten. Diese Imitationen waren im Wesentlichen oberflächlich und kamen in der Regel nicht ohne eine Steinlaterne oder ein anderes charakteristisches dekoratives Element aus, das direkt auf den japanischen Stil verwies – andernfalls wäre dieser Bezug überhaupt nicht erkennbar gewesen. Wasser war jedoch ein fester Bestandteil dieser Gärten und bildete einen geeigneten Rahmen für japanische Primeln und verschiedenste Irisarten.

William Robinson und Gertrude Jekyll: der naturnahe Wassergarten lebt bis heute

William Robinson und Gertrude Jekyll Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts traten zwei Persönlichkeiten in Erscheinung, deren Ideen und Herangehensweise an den Einsatz von Pflanzenmaterial bis heute nichts von ihrem ursprünglichen Wert verloren haben. William Robinson (1838–1935) und Gertrude Jekyll (1843–1932) verstanden es meisterhaft, mit Farbe, Blattqualität und Pflanzenform zu arbeiten. Sie waren überzeugt, dass diese Eigenschaften am besten zur Geltung kommen, wenn man die Pflanzen natürlich in einem geeignet gestalteten Umfeld wachsen lässt. Diese Grundsätze führten zur Anlage wilder und naturnaher Gärten. Die gelungensten Gärten dieses Stils nutzten vorhandene natürliche Elemente – sei es Teiche, Bäche oder Wäldchen. Miss Jekyll widmet sich in ihrem Buch „Wall and Water Gardens“ den Fragen der Gestaltung natürlicher Wasserelemente und schildert die Freuden und begeisternden Erlebnisse, die die Anlage von Wassergärten mit sich bringt. Mit dem Werk von Robinson und Jekyll hält ein Stil der Wassergärten Einzug, der bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Wassergärten in den USA: von den ersten Siedlern bis zu prächtigen Landsitzen

Vereinigte Staaten Die ersten amerikanischen Siedler waren Holländer und Engländer. In ihren Gärten war der Stil erkennbar, den sie aus ihrer Heimat mitgebracht hatten, der jedoch an die Bedingungen der neuen Umgebung angepasst worden war. Nach und nach kamen Einwanderer aus allen Teilen der Welt nach Amerika und brachten die Einflüsse unterschiedlichster Kulturen mit sich. Heute begegnet man in den Vereinigten Staaten Gärten, in denen sich nahezu alle Traditionen widerspiegeln: die maurische, chinesische, japanische, italienische, französische und englische. Allgemein lässt sich sagen, dass sich Wasserelemente in amerikanischen Gärten dem Diktat dieser importierten Traditionen unterwarfen.

Gärten der Siedler Die ersten großen amerikanischen Gärten wurden von Siedlern entlang der Ostküste angelegt. Die Siedlungen lagen auf erhöhten Stellen an Flussmündungen und waren mit dem Wasser durch eine Reihe absteigender Terrassen verbunden, die als „Wasserfälle“ bezeichnet wurden. Es handelte sich um einfache architektonische Elemente, die vom Fluss aus betrachtet einen Rahmen für schöne Häuser bildeten und umgekehrt den Blick des Betrachters vom Haus aus zum Fluss lenkten. Obwohl das Wasser also kein unmittelbarer integraler Bestandteil des Gartens war, bildete es den Mittelpunkt der Aussicht.

Die Epoche der Landsitze Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts begann das englische Konzept der naturnahen Gartenarchitektur in die Vereinigten Staaten einzudringen. Doch erst in der Zeit zwischen 1880 und 1920, als viele amerikanische Finanziers beträchtliche Reichtümer angehäuft hatten, begann man wirklich schöne Landschaftsgärten mit einem stark europäischen Akzent anzulegen. Diese Epoche ist bekannt als die „Epoche der Landsitze“. Das beliebteste Vorbild für amerikanische Gärten jener Zeit waren die italienischen Villengärten. Der Garten Vizcaya in der Nähe von Miami in Florida ist ein hervorragendes Beispiel eines italienischen Gartens aus dem sechzehnten Jahrhundert. Vizcaya wurde zwischen 1912 und 1916 erbaut. Das Wasser spielt hier eine ebenso wichtige Rolle wie im Fall der Villa Lante. Das wohl berühmteste italienische Gartenprojekt in Amerika ist das Hearst Castle in San Simeon in Kalifornien. Der Stolz der Gärten, die William Randolph Hearst im Jahr 1922 anlegen ließ, ist ein hervorragendes Wasserelement in Form eines klassischen Neptunbeckens, das einen griechisch-römischen Tempel ergänzt.

Die in dieser Zeit angelegten Gärten weisen auch deutliche Merkmale des französischen Formalstils auf. Obwohl die Longwood Gardens in Pennsylvania Einflüsse mehrerer Traditionen widerspiegeln, befindet sich dort ein Fontänengarten, der durchaus mit Versailles verglichen werden kann. Die nahegelegene Nemours Foundation in Wilmington im Bundesstaat Delaware ist ein klassischer französischer Renaissancegarten mit phantastisch gestalteten Teichen und Fontänen. Beide Gärten gehören der Familie DuPont und erinnern an die Heimat ihrer Vorfahren.

Mit der Einführung der Einkommensteuer und dem Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 1929 endet die Epoche der „Landsitze“.

Zeitgemäße Wassernutzung im Garten: von Pools bis zu Dachteichen

Zeitgemäße Gärten Zeitgemäße Gärten in den Vereinigten Staaten sind viel amerikanischer als ihre großartigen amerikanischen Gärten vergangener Zeiten. Der heutige Garten ist eine funktionale Erweiterung des Hauses. Wenn er gut gestaltet ist, ist er auch ein Kunstwerk, das den Bedürfnissen des Menschen sowie den Anforderungen der Umgebung, in die er eingebettet ist, entgegenkommt. Wasser tritt hier in der Regel in Form eines Swimmingpools in Erscheinung, der den Mittelpunkt des Gartens bildet. Der Pool wird üblicherweise aus Beton gebaut, was dem Erbauer ermöglicht, eine unendliche Anzahl schöner und interessanter Formen zu schaffen. Die Bedeutung der Form eines Wasserbauwerks für das insgesamt gelungene Erscheinungsbild vieler zeitgenössischer Projekte veranschaulicht eindrucksvoll der Garten El Novillero, den Thomas Church (1902–1978) in Sonoma in Kalifornien geschaffen hat. Dieser Garten gilt als einer der erstaunlichsten Gärten des zwanzigsten Jahrhunderts.

Zeitgemäße Wassernutzung Angesichts des aktuellen Zustands der weltweiten Wasservorräte können sich nur wenige Gemeinschaften oder Einzelpersonen den Aufbau ähnlich bombastischer Wassergärten leisten, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, und müssen einfachere und wirtschaftlichere Wege der Wassernutzung suchen, ohne dabei jedoch die künstlerische Qualität des Werkes zu beeinträchtigen.

Die Entwicklung synthetischer wasserdichter Materialien hat die Möglichkeiten zur Anlage von Wasserelementen erheblich erweitert, sowohl in geografischer als auch in finanzieller Hinsicht; beispielsweise Dachgärten mit kleinen Becken und Springbrunnen, Wasserbecken, Ziergärten rund um Gebäude sowie Becken und Teiche in Wüstengebieten.

Wasser ist weltweit das wichtigste Element öffentlicher und privater Bauten. Es entstehen einfallsreiche Bauwerke und Objekte, die Wasser in seiner ganzen Schönheit präsentieren; oder sollten wir vielmehr sagen, dass die natürlichen Eigenschaften des Wassers eine neue kreative Ära anregen? Denn unabhängig davon, ob das Wasser in Bewegung oder in Ruhe ist, klingt oder still ist, inspiriert es die heutige Generation ebenso stark wie die vorangegangenen. In jedem Fall vermag es jeden Garten jeden Stils und an jedem Ort zu bereichern.

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