Lavendel (Lavandula): Arten, Sorten und Vermehren durch Stecklinge
Aromatische Halbsträucher für den sonnigen Garten – wie Sie sie erkennen und selbst vermehren
Aromatisch duftende Halbsträucher und Zwergsträucher mit grauen Blättern
- Standort: sonniger, warmer und geschützter Platz mit trockenerem, kalkhaltigem Boden
- Höhe: bis 60 cm
- Blütezeit: Juli–September
- Vermehrung: durch Stecklinge und Aussaat
Etwa 25 Lavendelarten, die zweijährige Kräuter, Halbsträucher oder kleine Sträucher sind und zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)gehören, besiedeln den Mittelmeerraum und die Atlantikinseln.
Lavendel hat einfache oder fein eingeschnittene Blätter, die gegenständig und kreuzweise angeordnet sind; sie enthalten viele ätherische Öle. Die fünfzähligen Blüten sind meist deutlich symmetrisch, Kelch und Krone oft zweilippig. Zwei Kronblätter bilden die Oberlippe, drei die Unterlippe. Die Blüten in den Achseln der Hochblätter bilden Scheinquirle, die zu ährigen oder rispigen Blütenständen zusammentreten.
Der ausgeprägte Duft und die Fülle blauer Blüten sind Grund genug, Lavendel in jedem Garten zu pflanzen.
Er eignet sich zur flächigen Pflanzung zum Beispiel zwischen Rosen, zur Einzel- oder Gruppenpflanzung im Steingarten und in Beeten mit Steinen oder zur Bepflanzung von Trockenmauern und Böschungen.
Oft wird er für niedrige Einfassungen und Beetkanten in Gärten mit Kräutern und Gemüse verwendet.
Lavendel braucht einen vollsonnigen Standort und eher trockene, lehmig-humose Böden mit ausreichend Kalk. Die Pflanze kann jedes Frühjahr kräftig zurückgeschnitten werden.
Sie möchten eine ausführliche Pflegeanleitung? Standort, Pflanzung, Gießen, Düngen und den Frühjahrsschnitt behandeln wir im eigenen Artikel Lavendel anbauen. Hier geht es vor allem darum, wie Sie Lavendel erkennen und wie Sie ihn selbst vermehren.
Arten: Echter Lavendel, Speiklavendel und Schopflavendel
In unseren Gärten treffen Sie praktisch immer auf den Echten Lavendel — als einzige Art überwintert er bei uns zuverlässig. Die übrigen Arten unten kultiviert man eher im Kübel oder in wintermilden Lagen.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Er ist ein kleiner immergrüner Strauch mit aromatischem Duft, dicht mit sternförmigen Haaren besetzt. Die Blätter sind 2–4 cm lang, linealisch-lanzettlich und am Rand stark umgerollt; die unteren Blätter sind weiß filzig, die oberen graugrün. Von Juli bis August erscheinen die Blüten in unterbrochenen Ähren aus Scheinquirlen. Die Kronblätter sind blau bis violett und etwa 1 cm lang.
Speiklavendel (Lavandula latifolia)

Es ist eine sehr aromatische Art, die in Südfrankreich vor allem zur Ölgewinnung angebaut wird. Der 30–40 cm hohe Halbstrauch blüht im Juni und Juli blauviolett, seine filzig behaarten Blüten stehen in Scheinähren auf einem langen Stiel. Die Blätter sind breit linealisch, bis 5 cm lang, beidseitig grau filzig und am Rand mehr oder weniger stark umgerollt.
Lavandula angustifolia in unseren Gärten

Sie ist die einzige ausreichend frostharte Art in Mitteleuropa. In Gärten wird sie seit jeher kultiviert und wurde auch in Bauerngärten gepflanzt; die geschnittenen, angenehm duftenden Blüten legte man häufig zwischen die Wäsche. Im Mittelmeerraum, etwa in Südfrankreich, wird Lavendel auf Feldern zur Ölgewinnung angebaut.
Schopflavendel (Lavandula stoechas)

Es ist ein 30–80 cm hoher, grau filziger Halbstrauch, der in den Macchien des Mittelmeerraums häufig vorkommt. Die sitzenden, linealischen Blätter sind bis 1,2 cm lang und am Rand etwas umgerollt. Die nur 3 mm langen, dunkelpurpurnen Blüten öffnen sich vom Sommer bis zum Winteranfang in dichten, kurz gestielten Scheinähren, die oben einen Schopf steriler violetter Hochblätter tragen.
Lavendel-Sorten: Munstead, Dwarf Blue und Hidcote
Die Sorten unterscheiden sich vor allem in Blütenfarbe und Höhe. Am häufigsten werden bei uns die niedrigen Sorten ‚Munstead‘ und ‚Hidcote‘ angeboten (in Katalogen auch als Hidecote geschrieben), die ihre kompakte Form gut halten. Alle Sorten in der Tabelle werden ausschließlich über Stecklinge vermehrt — aus Samen behalten die Nachkommen die Eigenschaften der Mutterpflanze nicht.
| Sorte | Blütenfarbe | Wuchs |
|---|---|---|
| Dwarf Blue | dunkelblau | niedriger Wuchs |
| Grappenhall | lavendelblau | kräftig, Pflanze 60–90 cm hoch, Blütenähren sehr lang |
| Hidecote Blue | dunkel violettblau | Pflanze 30 cm hoch |
| Hidecote Giant | violett | kräftig, Pflanze 50–80 cm hoch |
| Munstead | lavendelblau | breit, Pflanze 40–50 cm hoch |
| Rosea | rosa | Pflanze 40 cm hoch |
Lavendel vermehren: Stecklinge Schritt für Schritt
Am zuverlässigsten vermehrt man Lavendel durch Stecklinge. Das ist der einzige Weg, von einer Lieblingssorte völlig gleiche Pflanzen zu bekommen — und aus einem einzigen Busch werden ohne Weiteres zwanzig. Eine Aussaat ist möglich, aber langsam und bei Sorten unzuverlässig.
Wann Lavendel-Stecklinge schneiden
Es gibt zwei geeignete Termine:
- Mai bis Juni — weiche, noch nicht ausgereifte Stecklinge aus diesjährigen Trieben. Sie bewurzeln am schnellsten, welken aber leichter.
- August bis September — halbreife Stecklinge nach der Blüte, an der Basis bereits verholzend. Sie bewurzeln langsamer, dafür zuverlässiger.
Nehmen Sie immer nicht blühende Triebe. Ein Steckling von einem Trieb mit Blütenknospe steckt seine Kraft in die Blüte statt in die Wurzeln und vertrocknet meistens.
Lavendel durch Stecklinge vermehren
- Schneiden Sie einen gesunden, nicht blühenden Trieb von 8–10 cm Länge; führen Sie den Schnitt mit einem scharfen, sauberen Messer dicht unter einem Blattknoten.
- Entfernen Sie an den unteren zwei Dritteln die Blätter — im Substrat würden sie faulen.
- Die Basis können Sie in Bewurzelungspulver tauchen. Nötig ist das nicht, Lavendel bewurzelt auch ohne bereitwillig.
- Stecken Sie die Stecklinge in ein durchlässiges Substrat: Gartenerde halb und halb mit grobem Sand oder Perlit gemischt. Schwerer, staunasser Boden ist der häufigste Grund für einen Misserfolg.
- Gießen Sie an, decken Sie das Gefäß mit einer durchsichtigen Haube oder einer Tüte ab und lüften Sie täglich kurz, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
- Stellen Sie alles an einen hellen Platz ohne direkte Sonne, ideal bei 18–22 °C. Halten Sie das Substrat feucht, nicht nass.
Wie lange braucht Lavendel zum Bewurzeln
In vier bis sechs Wochen. Sie erkennen es an neuen Trieben an der Spitze und daran, dass der Steckling beim vorsichtigen Ziehen Widerstand leistet. Bewurzelte Pflänzchen setzen Sie einzeln in kleine Töpfe und lassen sie kräftiger werden.
Den ersten Winter überwintern Sie sie besser in einem kühlen, hellen Raum oder im unbeheizten Gewächshaus und pflanzen sie erst im Frühjahr nach den letzten Frösten ins Freie. Ein schwacher Wurzelballen würde den Winter draußen womöglich nicht überstehen.
Düngen Sie sparsam. Lavendel ist an magere, kalkhaltige Böden gewöhnt und treibt in überdüngter Erde ins Laub statt in die Blüten. Jungen Pflanzen genügt verdünnter natürlicher organischer Dünger DÜNGEE etwa alle drei Wochen während der Vegetationszeit; im Herbst stellen Sie das Düngen ein.
Lavendel im Wasserglas vermehren
Im Wasserglas kann Lavendel bewurzeln, das ist aber der unsicherste Weg. Die verholzende Basis fault im Wasser leicht, und die im Wasser gebildeten Wurzeln sind brüchig — nach dem Umpflanzen ins Substrat vertrocknet ein großer Teil der Pflänzchen. Für ein sicheres Ergebnis empfehlen wir deshalb gleich das Substrat.
Wenn Sie es trotzdem versuchen möchten: Nehmen Sie einen weichen Steckling aus dem Frühjahr, lassen Sie mindestens zwei bis drei Blätter über dem Wasserspiegel, wechseln Sie das Wasser alle zwei bis drei Tage und stellen Sie das Glas hell, aber nicht in die pralle Sonne. Sobald die Wurzeln 2–3 cm erreichen, sofort umpflanzen.
Lavendel durch Absenker und Aussaat vermehren
Absenker sind der bequemste Weg, ohne Aufwand ein paar neue Pflanzen zu bekommen. Biegen Sie im Frühjahr einen unteren, biegsamen Trieb zum Boden, befestigen Sie ihn an der Auflagestelle mit einem Draht und häufeln Sie Erde an; das Triebende lassen Sie über der Oberfläche herausragen. Bis zum Herbst bilden sich an der angehäufelten Stelle Wurzeln, abtrennen und umpflanzen sollte man aber erst im folgenden Frühjahr.
Die Aussaat eignet sich bei botanischen Arten. Die Samen brauchen eine Kältestratifikation — vier bis sechs Wochen in feuchtem Substrat im Kühlschrank — und keimen auch dann über mehrere Wochen unregelmäßig. Bei Sorten wie ‚Munstead‘ oder ‚Hidcote‘ ergibt eine Aussaat keinen Sinn: Die Nachkommen unterscheiden sich von der Mutterpflanze in Farbe und Wuchs.
Häufige Fragen: Lavendel vermehren
Wann ist die beste Zeit für Lavendel-Stecklinge?
Zweimal im Jahr: von Mai bis Juni aus weichen, diesjährigen Trieben und von August bis September aus halbreifen Trieben nach der Blüte. Der Sommertermin dauert länger, ist aber zuverlässiger. Nehmen Sie den Steckling immer von einem nicht blühenden Trieb.
Lässt sich Lavendel im Wasser vermehren?
Es geht, ist aber der unsicherste Weg — die verholzende Basis fault im Wasser und die Wurzeln aus dem Wasser sind brüchig, sodass nach dem Umpflanzen viele Pflänzchen vertrocknen. Zuverlässiger ist es, die Stecklinge gleich in ein durchlässiges Substrat aus Erde und grobem Sand zu stecken.
Wie lange braucht ein Lavendel-Steckling zum Bewurzeln?
Etwa vier bis sechs Wochen. Sie erkennen es an neuen Trieben an der Spitze des Stecklings und an einem leichten Widerstand beim vorsichtigen Ziehen. Danach pflanzen Sie die Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe.
Wird aus Samen derselbe Lavendel wie die Mutterpflanze?
Bei Sorten nicht. Sorten wie ‚Munstead‘, ‚Hidcote‘ oder ‚Dwarf Blue‘ werden ausschließlich über Stecklinge vermehrt — Sämlinge unterscheiden sich in Blütenfarbe und Wuchs. Eine Aussaat lohnt sich nur bei botanischen Arten.
