Sommerwurz
Die Sommerwurz (Orobanche) hat kein Chlorophyll und ernährt sich ausschließlich von fremden Wurzeln. Wir stellen die häufigsten Arten vor, wie sie sich ausbreiten und warum sie Hobbygärtnern Ärger macht.

Die Sommerwurz ist ein Vollschmarotzer: Sie lebt ausschließlich auf den Wurzeln anderer Pflanzen und besitzt kein Chlorophyll.
- Standort: trockene wie feuchtere Wiesen, Äcker, Feldraine und Wegränder
- Höhe: 10–60 cm je nach Art
- Blütezeit: Mai–August
- Vermehrung: über Samen, die Wind und Wasser verbreiten
Die Gattung Sommerwurz (Orobanche) aus der Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae) umfasst Hunderte Arten in Europa, Asien und Nordafrika. Diese Pflanzen sind Vollschmarotzer, haben kein Blattgrün und ersetzen die Photosynthese durch das Absaugen von Nährstoffen aus den Wurzeln ihrer Wirte. Kennzeichnend sind die dichten Blütenstände mit röhrigen Blüten in Gelb, Weiß, Rosa oder Violett.
Ökologie und Wirtspflanzen
Jede Sommerwurz-Art ist auf bestimmte Wirte spezialisiert. Manche schmarotzen auf Stauden, andere auf einjährigen Kräutern oder auf Kulturpflanzen.
Die Ästige Sommerwurz (Orobanche ramosa) befällt Tomaten und Tabak, während die Gelbe Sommerwurz (Orobanche lutea) vor allem auf Klee und Esparsette auftritt.
In der Landwirtschaft kann die Sommerwurz die Erträge deutlich drücken und gilt deshalb als gefährliches Unkraut. In der freien Natur hat sie dagegen ökologischen Wert – sie trägt zur Artenvielfalt bei und zeigt einen intakten Lebensraum an.
Arten der Sommerwurz
In Mitteleuropa fallen vor allem vier Arten auf. Sie unterscheiden sich in Wuchshöhe, Blütenfarbe und Blütezeit – am schnellsten kommen Sie der Bestimmung aber über die Wirtspflanze näher, denn jede Art hält sich an ihren eigenen Kreis von Wirten. Die folgenden vier Arten begegnen Ihnen auf Wiesen, an Feldrainen und gelegentlich auch im Garten.
Gelbe Sommerwurz (Orobanche lutea)

Sie wird bis zu 40 cm hoch. Ihre gelblichen Blüten stehen in dichten Trauben, und sie schmarotzt vor allem auf Klee und anderen Schmetterlingsblütlern. Sie blüht von Mai bis Juli.
Ästige Sommerwurz (Orobanche ramosa)

Kleine Art von 10–30 cm Höhe, oft verzweigt, mit violetten Blüten. Häufiges Ackerunkraut, das dort Tomaten und Tabak befällt. Sie blüht von Juni bis August.
Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea)

Sie wird 20–50 cm hoch, hat weißrosa Blüten und schmarotzt am häufigsten auf Labkräutern. Sie zeigt sich an Waldrändern und in Hainen von Mai bis Juli.
Blauviolette Sommerwurz (Orobanche purpurea)

Seltenere Art mit auffällig blauvioletten Blüten. Sie wird 20–40 cm hoch und schmarotzt auf Steppenkräutern. Sie blüht von Juni bis August.
Vermehrung und Ausbreitung
Die Samen der Sommerwurz sind winzig und halten sich viele Jahre im Boden. Sie keimen erst, wenn sie auf chemische Signale einer Wirtswurzel treffen. Sobald der Keimling ausgetrieben ist, heftet er sich sofort an den Wirt und beginnt, Nährstoffe zu entziehen.
Verwendung und Bedeutung
Die Sommerwurz wird nicht kultiviert, weil sie Kulturpflanzen schadet. In einigen Regionen wurde sie früher in der Volksmedizin verwendet; in der Botanik gilt sie als Musterbeispiel für eine extreme Anpassung an das Schmarotzerleben. Ihr Vorkommen zeigt ein ökologisches Gleichgewicht und einen gesunden Lebensraum an.
Eine weitere Schmarotzerpflanze, der Sie in der Natur begegnen können, ist der Wachtelweizen. Mehr dazu im Artikel über den Wachtelweizen.
