Sauerkirschen (Prunus cerasus): Sorten, Anbau und Rezepte
Sauerkirsche (Prunus cerasus) – Sorten, Anbau und Verarbeitung
Sauerkirschen im Überblick: Amarellen, Glaskirschen und Morellen
(Prunus cerasus)
Die Sauerkirsche ist ein Obstbaum aus der Familie der Rosengewächse, ähnlich wie die Süßkirsche bzw. Vogel-Kirsche.
Sauerkirschen haben dunkelrote Früchte, die im Laufe des Sommers reifen. Die häufigsten Gruppen der Sauerkirschen sind Amarellen, Glaskirschen und Morellen, die sich weiter in Sorten gliedern.
Amarellen sind hell gefärbt und den Süßkirschen am ähnlichsten, sie haben auch hellen Saft.
Glaskirschen sind hell gefärbt und säuerlich.
Morellen (Weichseln) sind dunkel gefärbt, haben meist eine herzförmige Gestalt und dunklen, färbenden Saft.
Sauerkirschen enthalten allgemein viele Vitamine – C und B, außerdem enthalten sie Jod, Kalzium und Kalium.
Wissenswertes
Von der Sauerkirsche werden längst nicht nur die Früchte verwertet. Geschätzt ist das Holz der Sauerkirsche, vor allem in der Möbelindustrie.
Unterschied zwischen Süßkirsche und Sauerkirsche
Die Sauerkirsche (Prunus cerasus) und die Süßkirsche (Prunus avium) sind zwei verschiedene Arten, auch wenn sie nahe verwandt sind. Die Sauerkirsche wächst niedriger und oft strauchförmig, während die Süßkirsche zu einem hohen Baum heranwächst. Die Früchte der Sauerkirsche sind kleiner, dunkler und deutlich saurer, deshalb entstehen aus ihnen häufiger Kompott, Konfitüre oder Obstbrand als ein Dessert auf dem Teller.
Ein praktischer Unterschied liegt auch in Befruchtung und Ernte: Sauerkirschen sind selbstfruchtbar und kommen allein zurecht, während die meisten Süßkirschen einen Befruchter in der Nähe brauchen. Sauerkirschen reifen außerdem später, etwa von Ende Juni bis Juli, und werden ohne Stiel gepflückt.
Geschichte des Sauerkirschenanbaus: woher die Sauerkirsche stammt

Die Sauerkirsche stammt aus der gemäßigten bis subtropischen Zone Europas und Asiens. Die ersten Sauerkirschen wuchsen vermutlich rund um das Kaspische Meer.
Genau dort begannen die Menschen, sie anzubauen und zu züchten.
Später verbreiteten sich die Sauerkirschen über ganz Europa und einen großen Teil Asiens. Züchter haben eine große Bandbreite an Sorten hervorgebracht, sodass sich heute auch für einen kleineren Garten etwas findet.
Sauerkirschen-Sorten: die besten Sorten für den Garten

Die folgenden Sorten gehören zu den bekanntesten und Sie können sich diejenige aussuchen, die am besten in Ihren Garten passt. Alle genannten Sorten sind selbstfruchtbar, d. h. sie brauchen keine zweite Sauerkirsche, damit ihre Blüten befruchtet werden.
Schattenmorelle – wohl die bekannteste Sorte überhaupt; es handelt sich um eine Morelle mit mittelgroßen, dunkel braunroten Früchten und saurem Saft, der stark färbt. Die Früchte eignen sich besser zur Verarbeitung als zum Frischverzehr. Sie bringt einen sehr hohen, gleichmäßigen und regelmäßigen Ertrag. Der Baum wächst mittelstark, später schwach, die Kronen sind klein, eher kugelig und überhängend (ähnlich wie eine Trauer- weide). Sie ist widerstandsfähig gegen Krankheiten und wächst auf allen Bodenarten.
Morava – ebenfalls eine Morelle, mittelgroß und rundlich, dunkelrot, geeignet zur Verarbeitung wie zum Frischverzehr. Sie trägt regelmäßig, die meisten Früchte hängen im unteren Kronenbereich, was die Ernte erleichtert. Der Baum wächst anfangs stärker, später schwächer. Sie ist sehr widerstandsfähig gegen Monilia und Frost. An Standort und Boden stellt sie keine besonderen Ansprüche.
Favorit – eine Amarelle mit großen, flachkugeligen, sehr saftigen Früchten, die sich gut für den Frischverzehr eignen. Sie wächst mittelstark, später schwächer. Nachteilig ist, dass sie bei lang anhaltendem Regen unter Monilia leidet.
Fanal – eine Morelle, mittelgroß, dunkel braunrot; das Fruchtfleisch ist sauer und für den Frischverzehr wenig geeignet. Anfangs wächst sie üppig, später weniger, in der Jugend verdichtet sie sich und braucht einen Schnitt. Die Sorte ist sehr widerstandsfähig gegen Frost und Monilia.
Sauerkirschen anbauen: Standort, Boden und Monilia-Spitzendürre
Sauerkirschen brauchen für ein gutes Gedeihen einen Standort, der vor Frost, Wind und kalten Regen geschützt ist. Am besten gedeihen sie in höheren Lagen und an Südhängen.
Was den Boden angeht, am besten geeignet ist ein durchlässiger sandiger oder lehmig-sandiger Boden.
Im Frühjahr sollten Sie prüfen, ob die Sauerkirsche nicht von der Monilia-Spitzendürre befallen ist. Sie erkennen das daran, dass die Triebspitzen vertrocknet sind. Die beste erste Hilfe ist, alle kranken Spitzen ohne Gnade herauszuschneiden, und zwar so, dass Sie bis ins gesunde Holz schneiden – damit kein Stück des befallenen Triebs zurückbleibt.
Ausführlicher beschreiben die Krankheit die eigenen Artikel über die Monilinia-Fruchtfäule und die Monilia-Fäule. Wenn auf den Blättern kleine Flecken erscheinen, die nach und nach vergilben, finden Sie die Antwort bei der Blattfleckenkrankheit der Süß- und Sauerkirsche.
Sauerkirschen düngen: womit die Sauerkirsche düngen und Dünger für Obstbäume
Sauerkirschen schätzen im Frühjahr eine Gründüngung, danach kann man sie mit einem Stickstoffdünger nachdüngen, im Sommer auch mit einem phosphorhaltigen Dünger. Wenn Sie zu DÜNGEE greifen, haben Sie alle wichtigen Bestandteile beisammen.
DÜNGEE ist der perfekte Naturdünger, der Stickstoff, Phosphor und Kalium zusammen liefert, sodass die Sauerkirsche nicht in Etappen nachgedüngt werden muss. An Obstbäumen wird er als Gießlösung entlang der Kronentraufe ausgebracht, also dort, wohin die Zweigenden reichen — genau dort sitzen die Saugwurzeln. Gedüngt wird vom Austrieb bis Ende Juli; späterer Stickstoff würde das Ausreifen des Holzes vor dem Winter behindern. Die Gebinde finden Sie im DÜNGEE-Katalog.
Ernte und Schnitt der Sauerkirschen: wann sie reif sind, wie man sie pflückt und schneidet
Ernte – während Süßkirschen mit Stiel gepflückt werden sollen, pflückt man Sauerkirschen grundsätzlich ohne Stiel, denn durch das (besonders unvorsichtige) Abreißen des Stiels würden Sie am Baum den Fruchttrieb beschädigen – die Knospe, die an der Basis des Stiels sitzt.
TIPP: Wenn Sie die Früchte länger lagern wollen und zumindest einen Teil des Stiels brauchen, bleibt nur, die Stiele auf halber Länge abzuschneiden.
Schnitt – einen Auslichtungsschnitt braucht vor allem die Schattenmorelle, die überhängend wächst. Sie muss im August geschnitten werden. Wir kürzen die Zweige ein, die überhängen. Wir entfernen alle Äste, die ins Innere des Baumes wachsen und ihn unnötig verdichten.
Schnitt an der Spindel – wenn Sie nur einen niedrigen Baum (Spindel) ziehen, lassen wir die Seitentriebe stehen und bringen sie in die Waagerechte (binden sie an). Jedes Jahr schneiden wir die abgetragenen Triebe heraus und ziehen neue Triebe als Fruchtholz heran. Sobald der Baum die gewünschte Höhe erreicht, schneiden wir den verlängerten Stamm auf die Höhe eines waagerechten Seitentriebs zurück.
Sauerkirschen-Rezepte: Einkochen, Rumtopf und getrocknete Sauerkirschen
Sauerkirschen in Zucker angesetzt
Sauerkirschen in Zucker – wir brauchen 1 kg entsteinte Sauerkirschen und 1 kg Zucker. Die Sauerkirschen samt Saft mit dem Zucker vermischen, in Gläser füllen, mit einem Tuch abdecken, zubinden und in die Sonne stellen. 14 Tage ziehen lassen – gelegentlich prüfen, ob die Sauerkirschen noch vom Zucker bedeckt sind. Danach kühl lagern; sie eignen sich zum Verzieren von Torten und Süßigkeiten, im Winter können wir sie in den Tee geben.
Sauerkirschen in Rum: Rezept für den Rumtopf
Sauerkirschen in Rum – Rezept: Hier brauchen wir 1 kg Sauerkirschen, 400 g Zucker und 500 ml Rum. Die Sauerkirschen (sie dürfen entsteint sein) mit dem Zucker vermischen und in Gläsern mit Rum übergießen. Sterilisieren müssen wir nicht, denn Alkohol und Zucker erledigen diese Arbeit für uns. Kühl gelagert halten sie sich mehrere Jahre.
Sauerkirschen einkochen: so gelingt es

Sauerkirschen einkochen – Sauerkirschen lassen sich auch einkochen, ähnlich wie Süßkirschen. Wir brauchen 1 kg Sauerkirschen, 1 l Wasser und 500 g Zucker. Die Sauerkirschen in Gläser schichten, das Wasser zum Kochen bringen und den Zucker darin auflösen. Den noch warmen Aufguss über die Sauerkirschen gießen. 20 Minuten bei 85 °C sterilisieren.
Gebackener Tee aus Sauerkirschen

Gebackener Tee aus Sauerkirschen – diesen gebackenen Tee können Sie aus jedem Obst herstellen, aber der aus Sauerkirschen ist für lange Winterabende der beste. Sie brauchen: 1 kg Sauerkirschen, 500 g Zucker, Gewürznelken, Zimt, eventuell weitere Wintergewürze. Alle Zutaten auf ein Blech geben und mit etwas Wasser übergießen. Bei 150 °C etwa 20 Minuten im Ofen backen. Danach in saubere Gläser füllen und kühl aufbewahren. Zubereitung des Tees: 1 Teelöffel der Mischung in der Tasse mit kochendem Wasser übergießen, den Rest im Kühlschrank aufbewahren.
Getrocknete Sauerkirschen: Sauerkirschen dörren

Getrocknete Sauerkirschen – wer Sauerkirschen für den Winter aufbewahren möchte, kann sie auch trocknen. Sauerkirschen lassen sich im Dörrautomaten wie auch im Backofen trocknen. Man muss sie entsteinen, abspülen, abtropfen lassen und dann auf die Siebe des Dörrgeräts oder auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Im Dörrautomaten trocknen wir nach Anleitung, im Backofen bei 110 °C etwa 4 Stunden (auch länger, je nach Wassergehalt), wobei wir einen Kochlöffel in die Ofentür klemmen, damit der Dampf entweichen kann.
