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Himbeere (Rubus idaeus): Sorten, Erziehung und Krankheiten

Unter allen Beerensträuchern stellt sie die höchsten Ansprüche an den Boden — und ab Ende Juni darf sie keinen Stickstoff mehr bekommen.

Die Himbeere — was wir über sie wissen

Aromatische und vielseitig verwendbare Beerenobstart

  • Standort: humusreiche, tiefgründige, windgeschützte Böden
  • Höhe: bis 1,80 m, je nach Entwicklung
  • Reihenabstand: 2–2,5 m bei Erziehung in Wänden
  • Blütezeit: Mai–Juni
  • Erntezeit: Juni–Juli und Herbst
  • Vermehrung: durch Wurzelausläufer oder Gewebekultur

Unsere heutigen Kulturformen stammen von der Wildart Rubus idaeus ab. Europäische Sorten gehen auf die Unterart vulgatus zurück, amerikanische auf die Unterart strigosus. Zur Verbesserung der Eigenschaften wurden viele weitere Wildarten eingekreuzt.

Die Himbeere ist ein Halbstrauch; das ausdauernde Organ ist der unterirdische Wurzelstock (Rhizom). Im 1. Entwicklungsjahr bilden sich belaubte Jungruten, an denen im 2. Jahr aus Seitenknospen Seitentriebe entstehen, an denen sich Blüten und Früchte bilden. Danach stirbt die Rute ab.

Die Früchte sind synkarp und bilden eine Sammelsteinfrucht aus einzelnen Steinfrüchtchen — botanisch gesehen handelt es sich also um keine Beere. Typisch für die Himbeere ist, dass sie sich vom Fruchtboden löst. Die Ruten sind mehr oder weniger bestachelt, viele Sorten haben jedoch glatte Ruten.

Eine Besonderheit sind die herbsttragenden Sorten, bei denen die Ruten bereits im ersten Entwicklungsjahr von der Spitze her tragen. Wegen der verhältnismäßig späten Blütezeit im Mai ist die Himbeere nicht durch Spätfröste gefährdet; häufig frieren jedoch junge Seitentriebe zurück, aus denen dann Ersatzknospen austreiben. Die Fruchtreife tritt etwa 4 Wochen nach Blühbeginn ein.

Die Ernte zieht sich über etwa 4 Wochen hin. Himbeeren sind ausgesprochen vielseitig verwendbare Früchte. Fast alle Sorten lassen sich gut einfrieren oder zu Marmelade, Gelee und Saft verarbeiten. Himbeeren enthalten weniger Zucker als die übrigen Beerenobstarten, haben aber einen hohen Gehalt an Mineralstoffen (Calcium, Kalium, Phosphor), Fruchtsäuren und Vitaminen.

Als typische Waldpflanze liebt die Himbeere durchlässige, humusreiche Böden, in denen sie nur flach wurzelt. Deshalb stellt sie unter allen Beerensträuchern die höchsten Ansprüche. Sie bevorzugt durchlässigen, lehmigen Boden. Extrem schwere oder dauernd staunasse Böden scheiden aus. Im Sommer ist auf eine gute Wasserversorgung zu achten. Wichtig ist der Windschutz, damit die Fruchtruten nicht abbrechen. Ein vollsonniger Standort fördert Ertrag und Fruchtqualität.

Die Ruten der Himbeere erfrieren nur in extrem kalten Wintern. Probleme bereiten eher späte Frühjahrsfröste, die die Seitentriebe schädigen.

Kultur und Pflege

Die Bodenbearbeitung sollte wie bei allen Beerensträuchern durch flächiges Lockern erfolgen. Schon beim Pflanzen muss man sich für ein bestimmtes Erziehungssystem entscheiden. Möglich sind senkrechte Wände oder das V-System.

Bei senkrechten Wänden wählt man einen Reihenabstand von 2–2,5 m. Zum Anbinden der Ruten werden an starken Pfählen Drähte in 0,7 und 1,5 m Höhe gespannt. In der Reihe setzt man die Jungruten dann im Abstand von 60 cm.

Nachteilig sind beim senkrechten System die Jungtriebe, die seitlich der Fruchtruten entstehen und die Ernte erschweren.

Pflanzsystem und Erziehung

Feld mit jungen Himbeerpflanzen in mehreren Reihen, mit Tropfschläuchen und Holzpfählen

Vorteilhaft ist die V-Erziehung. Dabei werden zwei Pfahlreihen schräg gegeneinander gestellt und in 1,6 m Höhe ein Spanndraht gezogen. Beide Seiten des V sollten in dieser Höhe etwa 1,1 m Abstand haben. Da die Fruchtruten schräg nach außen stehen, bleibt in der Mitte des V genügend Platz für die Jungruten. Die Früchte lassen sich leicht ernten, die Jungtriebe sind geschützt. Der Pflanzabstand sollte im V-System 40 cm betragen.

Vor Mitte November stehen noch keine ausgereiften Jungpflanzen zur Verfügung. Deshalb ist meist die Frühjahrspflanzung günstiger — natürlich erst, wenn der Boden abgetrocknet ist. Dabei sollten nur starke, gut bewurzelte Jungpflanzen verwendet und nicht zu tief gesetzt werden. Eine Bodenabdeckung von 5 cm über den Wurzeln genügt.

Sind die Bodenverhältnisse nicht optimal, hat sich eine 10 cm starke Mulchschicht bewährt. Sie fördert die Bodengare und verringert Verdunstung und Unkrautwuchs. Allerdings begünstigt pflanzlicher Mulch auch Frostschäden, weil die Triebe ihr Wachstum später abschließen.

Düngung und Rutenpflege

Die jährliche Bildung neuer Jungtriebe muss durch Düngung unterstützt werden. Als Richtwert gelten 50–60 g/m² z. B. Nitrophoska o. Ä. Bei einem Angebot von mehr als 8 g/m² Stickstoff werden die Ruten zu stark, sodass Ertragseinbußen zu erwarten sind. Ab Ende Juni darf überhaupt kein Stickstoff mehr gegeben werden, denn dann reifen die Triebe nicht ausreichend aus und die Ruten können zurückfrieren. Eine Düngung mit organischen Materialien wie Stallmist oder Hornspänen ist ebenfalls möglich und empfehlenswert.

Gerade deshalb lohnt sich bei der Himbeere ein organischer Dünger, der die Nährstoffe nach und nach freisetzt — der Stickstoff erreicht die Pflanze nicht auf einmal, und es besteht nicht die Gefahr, dass die Ruten auf Kosten des Ertrags in die Stärke gehen. Die Gabe gehört ins Frühjahr zum Austrieb, in ein Band entlang der Reihe, nicht direkt an die Wurzelhälse. Einen Überblick über die Möglichkeiten geben wir im Artikel Universaldünger, die Mischungsverhältnisse für die Gießlösung finden Sie unter Dosierung.

Nach der Ernte können die abgetragenen Ruten entfernt werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass die Jungtriebe zwischen zwei gespannten Drähten geschützt sind oder innerhalb der V-Konstruktion stehen. Bindet man sie zu früh an, brechen viele noch nicht verholzte Triebe ab. Das Einkürzen der Ruten auf etwa 1,6–1,7 m Höhe erfolgt grundsätzlich im Frühjahr, weil sonst eine größere Gefahr von Frostschäden besteht.

Je laufendem Meter Himbeerwand braucht man bei senkrechter Erziehung 5–8 Ruten, beim V-System das Doppelte, also 10–16 Stück für beide Seiten. Überzählige Jungtriebe schneidet man am besten im Mai bis Juni heraus, damit der Bestand nicht zu dicht wird. Die verbleibenden Ruten werden dadurch kräftiger und treiben besser aus. So werden auch Probleme mit Rutenkrankheiten eingeschränkt.

Eine Besonderheit sind die herbsttragenden Himbeersorten. Nach dem Rückschnitt aller vorhandenen Ruten bis zum Boden lässt man etwa 10 Jungruten je laufendem Meter stehen. Ab Anfang Juli wachsen diese Ruten nicht mehr weiter, sondern beginnen von der Spitze her zu blühen und später zu tragen. Von Mitte August bis zum Einsetzen der ersten Fröste lassen sich noch schöne Früchte ernten. Von Vorteil ist, dass diese Früchte auch ohne Behandlung nicht von den Larven des Himbeerkäfers befallen werden.

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Himbeersorten

Sorte Wuchs Pflück- und Genussreife / Ertrag Fruchtfarbe, Fruchtgröße Geschmack Anmerkungen
Malling Promise mittelstark E. Juni / A. Juli; mittel mittelrot; klein aromatisch, mild frühe, robuste Sorte
Glen Clova sehr stark E. Juni / A. Juli; sehr hoch hellrot; groß säuerlich früh, sehr reich tragend
Meeker stark A. Juli / E. Juli; hoch dunkelrot; mittel süßsäuerlich zuverlässig tragende, robuste Sorte
ZEFA 2 stark A. Juli / E. Juli; hoch dunkelrot; mittel aromatisch, süß reift in kurzer Zeit, hat eine gute Farbe
Rutrago sehr stark A. Juli / E. Juli; hoch mittelrot; groß mild gesunde Pflanze, Früchte anfällig für Grauschimmel
Schönemann stark A. Juli / A. August; sehr hoch dunkelrot säuerlich, aromatisch ertragreichste, robuste Sorte
ZEFA Herbsternte mäßig A. September / E. Oktober; mäßig groß säuerlich früh reifende Herbstsorte, hoher Ertrag
Autumn Bliss stark M. August / A. Oktober; hoch mittelrot; sehr groß säuerlich, aromatisch hochwertige, wertvolle Herbstsorte

Krankheiten und Schädlinge: Grauschimmel, Rutenkrankheiten und Himbeerkäfer

Grauschimmel (Botrytis) mit grauem, pelzigem Belag an reifenden Himbeeren
Grauschimmel (Botrytis)

Der Grauschimmel (Botrytis) befällt reife Früchte — Himbeeren — und junge Triebe, deren Knospen dann nicht austreiben. Es gibt weniger anfällige Sorten, deren Früchte an der Pflanze nicht faulen.

Rutenkrankheiten befallen die Jungtriebe und können sogar zu deren Absterben führen. Wichtig ist das rechtzeitige Auslichten von Jungtrieben und abgetragenen Ruten. Die Wurzelfäule verbreitet sich mit dem Pflanzmaterial. Jungpflanzen sollte man nur in anerkannten Baumschulen oder aus Gewebekulturen kaufen. Himbeerkäfer legen ihre Eier in die Blüten der Himbeere. Die Larve entwickelt sich dann im Fruchtboden und an Fruchtteilen.

Wirksam eingreifen lässt sich nur chemisch — oder man weicht auf herbsttragende Sorten aus.

Häufige Fragen: Himbeere

Welche Krankheiten befallen die Himbeere?

Am häufigsten der Grauschimmel (Botrytis), der reife Himbeeren ebenso befällt wie junge Triebe, ferner Rutenkrankheiten, die bis zum Absterben der Triebe führen, und die Wurzelfäule, die sich mit dem Pflanzmaterial ausbreitet. Unter den Schädlingen ist der Himbeerkäfer typisch, dessen Larve sich im Fruchtboden entwickelt.

Wann wird die Himbeere gedüngt?

Im Frühjahr zum Austrieb. Ab Ende Juni darf kein Stickstoff mehr gegeben werden — die Ruten würden nicht ausreifen und über den Winter zurückfrieren. Auch auf die Menge kommt es an: über 8 g Stickstoff je m² werden die Ruten auf Kosten des Ertrags zu stark.

Was ist der Unterschied zwischen Sommer- und Herbstsorten?

Sommersorten tragen an zweijährigen Ruten, deshalb werden die abgetragenen Ruten nach der Ernte herausgeschnitten. Herbstsorten tragen schon im ersten Jahr von der Rutenspitze her und werden im Frühjahr komplett bodennah zurückgeschnitten. Die Herbstfrüchte werden zudem meist nicht von den Larven des Himbeerkäfers befallen.

Wie setzt man Himbeeren richtig?

Am besten im Frühjahr in abgetrockneten Boden, mit einer Abdeckung von etwa 5 cm über den Wurzeln. In der senkrechten Wand 60 cm voneinander bei 2–2,5 m Reihenabstand, im V-System alle 40 cm. Immer nur starke, gut bewurzelte Pflanzen.

Ist die Himbeere eine Beere?

Botanisch nicht. Die Himbeere ist eine Sammelsteinfrucht aus einzelnen Steinfrüchtchen, die sich vom Fruchtboden löst — deshalb bleibt sie hohl.