Fingerwurz (Dactylorhiza)
Europäische Orchideen für erfahrene Züchter
Standort: Wechselfeuchte bis nasse Torfböden an vollsonnigem Standort oder im leichten Schatten von Gehölzen.
Höhe: Je nach Art 10 bis 125 cm.
Blütezeit: Je nach Art von März bis August.
Vermehrung: Durch Teilung oder aus Samen.
Die Gattung Dactylorhiza aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae) wurde aus der Gattung Orchis ausgegliedert, obwohl die betreffenden Arten beider Gattungen ähnliche Merkmale aufweisen. Der Name Fingerwurz leitet sich von der fingerförmig geteilten Form der Knollen ab. Die Blätter der Pflanze sind lanzettlich, hell- oder dunkelgrün, gefleckt oder ungefleckt, die blattähnlichen Tragblätter überragen die Blüten meist. Die kegelförmigen Blütenähren lockern sich beim Verblühen auf.
Alle Arten sind ausdauernd. Ihre ursprünglichen Standorte in der Natur sind vielfältig – Gebirgswiesen (einige Arten wachsen auch in Höhen von 2400 m ü. NN), lichte Plätze in Laub- und Nadelwäldern, überschwemmte Wiesen und Bachränder. Früher wuchsen Fingerwurzen auch häufig in unserer heimischen Natur, vor allem auf humosen Wiesen in der Elberegion (Elbe-Schwarzerdewiesen), aber auch anderswo, auf sauren Böden oder auf Böden, die aus Kalk- und Basisgesteinen entstanden sind. Pflanzen in der Natur stehen unter strengem Schutz.
Ausgewählte Fingerwurz-Arten
Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)
Es ist in ganz Europa verbreitet, einschließlich Tschechiens. Es wächst auf sauren Böden von Waldlichtungen, auf Wiesen und Moorgebieten. Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 80 cm und hat 6–12 lanzettliche Blätter (etwa 2 cm breit, 15 cm lang), meist fein gefleckt (manchmal ungefleckt). Hellviolette (weiße) Blüten erscheinen von Mai bis August. Die leicht dreilappige, dunklere Lippe ist gepunktet oder gestrichelt. Der Sporn ist schmal, kürzer als der Fruchtknoten, und zeigt schräg nach unten.
Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Unsere am weitesten verbreitete Orchidee. Sie wächst hauptsächlich auf feuchten Wiesen. Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 50 cm und trägt 4–6, manchmal sogar 8 lanzettliche Blätter (5 cm breit, 15 cm lang, stark gefleckt). Die Tragblätter überragen meist die dunkel purpurroten, etwa 2 cm großen Blüten. Die dicht angeordneten Blüten erscheinen von Mai bis August, zu unterschiedlichen Zeiten je nach Meereshöhe des Standorts. Die dreilappige dunkelviolette Lippe ist breiter als lang, die Seitenlappen sind häufig nach unten geneigt. Der Sporn zeigt nach unten.
Traunsteiners Knabenkraut
(Dactylorhiza traunsteineri)
Es wächst in Nord- und Mitteleuropa auf sauren Torfwiesen. Es hat 2–5 linealisch-lanzettliche und aufrechte Blätter (meist 2 cm breit, 20 cm lang, im Sommer grün und ungefleckt). Die Blütezeit dauert von Juni bis August. Der etwa 20 cm lange Blütenstand besteht aus 10–15 purpurvioletten Blüten in einer relativ lockeren Anordnung. Die Lippe mit dunklerer Zeichnung ist schwach bis deutlich dreilappig, die Seitenlappen sind nach unten geneigt. Der Sporn ist halb so lang wie der Fruchtknoten.
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Es ist in vielen Teilen Europas und in der nördlichen Türkei verbreitet. Es kommt auf sumpfigen Wiesen, Moorgebieten und in den Bergen bis zu einer Meereshöhe von 2100 m vor. Die Pflanze hat meist einen 40 cm (manchmal bis zu 70 cm) hohen hohlen Stängel, der 4–7 Blätter trägt. Die länglich-lanzettlichen Blätter sind direkt aufwärts gerichtet, an der Spitze kapuzenförmig und ohne Flecken. Von Mai bis Juli erscheinen im dichten Blütenstand 3 cm große Blüten in rosa oder fleischfarbener Farbe. Die Tragblätter überragen meist die Blüten. Die kleine Lippe (7 mm breit) ist ungeteilt oder zeigt nur schwach angedeutete drei Lappen. Der Sporn ist etwa um ein Drittel kürzer als der Fruchtknoten.
Anbau
Fingerwurzen gedeihen gut auf torfigen, gelegentlich vernässten und feuchten Wiesen; einige von ihnen bevorzugen Standorte am Waldrand. Sie sind empfindlich gegenüber extremen Bedingungen wie Trockenheit, dauerhafter Nässe und zu hohen Temperaturen.
Unabdingbare Voraussetzungen für einen erfolgreichen Anbau sind:
- gute Drainage,
- durchlässiges Substrat, das mineralische Nährstoffe speichert,
- geeignete Begleitflora.
An einem geeigneten Standort, z. B. an einem künstlich angelegten Sumpf oder am Rand eines Gartenteichs, empfiehlt es sich, flache Vertiefungen anzulegen und diese mit sandig-lehmiger Erde zu füllen. Für kalkliebende Arten wird Kalkstein hinzugegeben. Damit das Substrat nicht austrocknet, wird es mit einer 3 cm dicken Schicht aus trockenem Buchenlaub oder Kiefernnadeln abgedeckt. Bei ersten Anzeichen des Zerfalls dieser Schicht sollte die Abdeckung erneuert werden.
Fingerwurzen können auch in Töpfen, Schalen oder größeren Behältern kultiviert werden, in denen sich ein miniaturisiertes Biotop anlegen lässt. Vermehrt werden sie durch Aussaat oder Teilung, jedoch schadet das Stören des Wurzelballens der Pflanze. In den Garten dürfen nur Pflanzen eingepflanzt werden, die in einer Spezialgärtnerei gekauft wurden. Das Ausgraben von Pflanzen aus der Natur ist strafbar.
