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Schlossgärten in Mittel- und Nordmähren: Hradec nad Moravicí, Čechy pod Kosířem und Holešov

Ein Park mit Ausblicken über dem Tal der Mohra, die romantische Landschaft der Familie Silva-Tarouca und ein Barockgarten mit Wasserkanälen in Form von Neptuns Dreizack. Drei Gärten, die in Tschechien ihresgleichen suchen.

In Mittel- und Nordmähren finden Sie Gärten dreier sehr unterschiedlicher Typen. Hradec nad Moravicí (Grätz) lebt von den Ausblicken vom Bergkamm über dem Tal. Čechy pod Kosířem ist ein Beispiel für einen romantischen Landschaftspark mit exotischen Gehölzen, der weniger bekannt ist, als er es verdient. Holešov (Holleschau) hat einen Barockgarten mit einem Netz von Wasserkanälen nach französischem Vorbild, der in Tschechien einzigartig ist.

Zur Region gehört auch Kroměříž (Kremsier) mit zwei Gärten auf der UNESCO-Welterbeliste. Ihr widmen wir einen eigenen Beitrag, hier finden Sie nur eine kurze Zusammenfassung.

Die Gärten im Überblick

GartenRegionStilDas Besondere
Hradec nad MoravicíMährisch-Schlesische RegionLandschaftsparkPark auf dem Kamm eines Felssporns mit Ausblicken ins Tal, Weißes und Rotes Schloss
Čechy pod KosířemRegion Olmützromantischer Landschaftsparkzwei Teiche, künstliche Hügel, alte Solitärbäume, Atelier von Josef Mánes
HolešovRegion Zlínfranzösischer BarockgartenWasserkanäle in Form von Neptuns Dreizack, Sichtachse zum Hostýn
KroměřížRegion ZlínManierismus, LandschaftsparkBlumengarten mit Kolonnade und Rotunde, Schlossgarten, UNESCO

Schlosspark Hradec nad Moravicí

Schloss Hradec nad Moravicí

Wie er entstand. Hradec nad Moravicí liegt unweit von Opava (Troppau) auf einem Felssporn über dem Fluss Moravice (Mohra). Der Park wurde zur selben Zeit angelegt, als Fürst Karl Lichnowsky die alte Burg zu einem Empireschloss umbaute, das heute als Weißes Schloss bekannt ist. In den 1880er-Jahren wurde die Fläche des Vorschlosses umgestaltet, und das neugotische Rote Schloss aus unverputztem Backstein kam hinzu. Die Lichnowskys gehörten zu den großen Mäzenen der Musik, und auch Ludwig van Beethoven war hier ihr Gast.

Was Sie hier sehen:

  • eine ruhige, zurückhaltende Gestaltung der Schlossumgebung: Rasenflächen und alte Solitärbäume,
  • einen Aussichtsweg, der über den ehemaligen Burggraben in den landschaftlichen Teil auf dem Kamm des Felssporns führt,
  • den Kamm zwischen den Flüssen Moravice und Hradečná mit Blicken ins Tal auf Wiesen und bewaldete Hügel,
  • einen Waldpark am Hang des benachbarten Hügels, der an den Park anschließt.

Hradec hat weder Parterre noch Brunnen oder Skulpturenschmuck. Seine Stärke liegt darin, wie er das Gelände nutzt: Vom Kamm öffnet sich ein Ausblick, den kein ebener Garten bieten könnte. Er zeigt gut, dass ein Landschaftspark die Landschaft nicht umformen muss – es genügt, sie richtig „in Szene zu setzen“.

Tipp für Gärtner: Wenn Ihr Garten eine schöne Aussicht hat, verdecken Sie sie nicht. Lassen Sie statt einer dichten Hecke in dieser Richtung einen offenen Rasenstreifen und stellen Sie an seinen Rand eine Bank.

Schlosspark Čechy pod Kosířem

Park in Čechy pod Kosířem
Empire-Pavillon im Schlosspark Čechy pod Kosířem

Wie er entstand. Die Gemeinde Čechy pod Kosířem liegt im Gebiet von Prostějov (Proßnitz) unterhalb des Berges Velký Kosíř. Der Park ist das Werk mehrerer Generationen der Familie Silva-Tarouca.

  • 1770er-Jahre: Graf Franz Stephan Silva-Tarouca legte einen Barockgarten an, der an ältere liechtensteinische Gestaltungen anknüpfte. Er hatte ein Parterre vor der Eingangsfassade des Schlosses und Wasserkanäle. Auf der Fläche des heutigen Parks ist davon fast nichts übrig. Nur die Allee in Richtung Velký Kosíř erinnert an ihn – ein Beleg dafür, dass schon der Barockgarten seine Achsen weit in die Landschaft hinauszog.
  • Umwandlung in einen Landschaftspark: Begonnen hat sie Graf Franz Joseph I. Silva-Tarouca, vollendet sein Sohn Erwin. Damals entstand die Gestalt des Parks, die wir bis heute sehen.
  • Weitere Generationen: Die Brüder Franz Joseph II. und Ernst Emanuel Silva-Tarouca, beide Dendrologen, bereicherten den Park um wertvolle exotische Gehölze. Ernst Emanuel ist der Gründer des Parks von Průhonice.

Was Sie hier sehen:

  • zwei künstlich aufgeschüttete Hügel, die die Schlossumgebung mit dem kleineren Teich vom zweiten Parkteil mit dem großen Teich trennen,
  • das klassizistisch umgebaute Schloss mit breiter Treppe in den Garten,
  • romantische Bauten: einen Aussichtsturm, einen Gartenpavillon und eine neugotische Orangerie,
  • Szenerien aus Baumgruppen und alten Solitären mit kontrastierenden Blattfarben, die sich im Wasser spiegeln.

Den Gartenpavillon nutzte in den 1850er- und 1860er-Jahren der Maler Josef Mánes als Atelier, der als Gast der Besitzer auf dem Schloss weilte. Der Park gehört zu den schönsten in Mähren, und zu seinem Zauber trägt auch die Ruhe bei, die bekanntere Parks nicht mehr bieten können.

Tipp für Gärtner: Pflanzen Sie am Wasser einen Baum oder Strauch mit auffälliger Blattfarbe so, dass er sich auf der Wasserfläche spiegelt. Dann wirkt selbst ein kleiner Teich doppelt.

Schlossgarten Holešov

Schloss Holešov vom Garten aus gesehen

Wie er entstand. Das frühbarocke Schloss und den Garten in Holešov entwarf für Graf Johann von Rottal der kaiserliche Architekt Filiberto Lucchese, Urheber der ursprünglichen Pläne für den Lustgarten in Kroměříž. Der Garten folgt den Grundsätzen des französischen Barockgartens, wie sie André Le Nôtre, der Schöpfer der Gärten von Versailles, formulierte. In Mitteleuropa ist eine solche Umsetzung mit einem Netz von Wasserkanälen selten, in Tschechien ist sie ohne Vergleich.

Die Wasserkomposition. Die Achse des in ein regelmäßiges Raster gegliederten Gartens bildet ein langer Wasserkanal, gespeist von einer Kaskade aus dem anschließenden Wildgehege. Zwei Seitenarme begrenzen das rechteckige Parterre vor der Gartenfassade des Schlosses, und der mittlere Kanal mündet in ein Becken in der Mitte des Parterres. Der Grundriss des gesamten Wassersystems erinnert so an Neptuns Dreizack. Um das Schloss lag einst auch ein Wassergraben, heute ist er trocken.

Wie der Garten aussah. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts schmückten Broderien das Parterre, und am Schloss stand eine Skulpturengalerie. Am Rand verliefen geschnittene Laubengänge und Wände, hinter denen ein Obstgarten und ein Rosengarten anschlossen. Diese Details sind nicht erhalten.

Was Sie hier sehen. Das Wesentliche der Komposition rettete eine Rekonstruktion. Die erste Etappe fand Ende der 1950er-Jahre statt, die zweite in den Jahren 1964–1974. Heute geht es in diesem Garten vor allem um Perspektive: Lange Wasserkanäle, Laubengänge und Alleen lenken den Blick zu einem fernen Blickpunkt, dem Wallfahrtsberg Hostýn. Die ursprünglichen Statuen und die Broderien im Parterre fehlen.

Wie Wasser die Gärten von der Antike bis zum Barock prägte, beschreibt der Beitrag Wasser im Garten: Geschichte. Mehr über Barockgärten und Parterres im Beitrag Barockgarten.

Tipp für Gärtner: Eine lange Achse mit einem Ziel in der Ferne funktioniert auch in einem schmalen Garten. Ein Weg oder Rasenstreifen, gesäumt von einer geschnittenen Hecke, und am Ende ein markantes Element (Baum, Statue, Becken) verlängern den Garten optisch.

Kroměříž: Blumengarten und Schlossgarten

Park des Blumengartens in Kroměříž
Kolonnade des Blumengartens in Kroměříž

Das Schloss Kroměříž mit dem Blumengarten (Lustgarten) und dem Schlossgarten (Podzámecká zahrada) steht auf der UNESCO-Welterbeliste. Der Blumengarten ist eines der reinsten Beispiele manieristischer Gartenkunst in Europa: eine 244 Meter lange Kolonnade, eine achteckige Rotunde, geschnittene Wände, ein Irrgarten und zwei Erdbeerhügel. Der Schlossgarten ist ein weitläufiger Landschaftspark mit Seen, dem Langen Teich und klassizistischen Bauten. Beide beschreiben wir ausführlich im Beitrag Gärten von Kroměříž.

Lucchese und Silva-Tarouca: Namen, die mährische Gärten verbinden

Auf einer Reise durch mährische Gärten begegnen Ihnen immer wieder zwei Namen.

Filiberto Lucchese, kaiserlicher Architekt italienischer Herkunft, arbeitete im 17. Jahrhundert für den mährischen Adel und die Kirche. In Kroměříž entwarf er den Lustgarten und das Kanalsystem im Schlossgarten, in Holešov Schloss und Garten. Beide Orte trennen nur wenige Kilometer, und es lohnt sich, sie zu einem Ausflug zu verbinden: In Kroměříž sehen Sie einen manieristischen Garten hinter Mauern, in Holešov bereits eine großzügige, zur Landschaft geöffnete Barockkomposition.

Die Familie Silva-Tarouca hat sich wie kaum eine andere in die Geschichte der Gartenkunst der böhmischen Länder eingeschrieben. Čechy pod Kosířem war der Familienpark, an dem mehrere Generationen arbeiteten. Ernst Emanuel Silva-Tarouca gründete später den Park von Průhonice bei Prag, heute UNESCO-Welterbe. Wer Průhonice kennt, erkennt in Čechy pod Kosířem denselben Ansatz: landschaftliche Szenen aus Baumgruppen, Wasser und eine Sammlung exotischer Gehölze.

Was Sie in den eigenen Garten mitnehmen

  • Nutzen Sie Gelände und Aussicht wie in Hradec nad Moravicí. Der beste Sitzplatz ist dort, wo sich der Blick in die Landschaft öffnet.
  • Ein aufgeschütteter Hügel statt eines Zauns. In Čechy pod Kosířem trennen zwei künstliche Hügel die beiden Parkteile. Im Garten erfüllt ein mit Sträuchern bepflanzter Erdwall denselben Zweck.
  • Ein Solitärbaum. Ein einzelner großer Baum auf freiem Rasen gibt dem Garten eine Mitte und spiegelt sich im Teich.
  • Eine Achse mit Wasser. Der Kanal von Holešov ist ein extremes Beispiel, das Prinzip funktioniert aber auch mit einer schmalen Rinne oder einem länglichen Becken.
  • Obstgarten und Rosengarten hinter einer grünen Wand – die Holešover Verbindung von Nutzen und Schönheit, getrennt durch eine geschnittene Hecke.

Weitere praktische Ideen fasst der Beitrag Inspiration aus historischen Gärten zusammen. Die Gärten Südmährens, von Milotice bis Buchlovice, finden Sie im Beitrag Schlossgärten in Südmähren und eine Übersicht aller Regionen im Wegweiser Schlossgärten und Parks in Tschechien. Die Prinzipien romantischer Parks erklärt der Beitrag Englischer Landschaftsgarten.

Häufige Fragen

Was gibt es im Schlosspark Hradec nad Moravicí zu sehen?

Das Weiße Schloss im Empirestil und das neugotische Rote Schloss, Rasenflächen mit alten Solitärbäumen und vor allem einen Aussichtsweg über den ehemaligen Burggraben auf den Kamm des Felssporns zwischen Moravice und Hradečná. Von dort öffnen sich Ausblicke ins Tal. An den Park schließt ein Waldpark an.

Warum ist der Schlosspark in Čechy pod Kosířem interessant?

Es ist ein gut erhaltener romantischer Landschaftspark der Familie Silva-Tarouca mit Teichen, künstlichen Hügeln, exotischen Gehölzen und erhaltenen Bauten: Aussichtsturm, Pavillon und neugotische Orangerie. Im Pavillon hatte der Maler Josef Mánes sein Atelier.

Wie ist der Schlossgarten in Holešov gestaltet?

Als Barockgarten französischen Typs mit drei Wasserkanälen, deren Grundriss an Neptuns Dreizack erinnert. Die Hauptachse lenkt den Blick zum fernen Hostýn. Entworfen hat ihn Filiberto Lucchese, rekonstruiert wurde er in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Was verbindet Čechy pod Kosířem mit dem Park von Průhonice?

Beide Parks sind mit der Familie Silva-Tarouca verbunden. Ernst Emanuel Silva-Tarouca, der Gründer des Parks von Průhonice, bereicherte zusammen mit seinem Bruder den Park in Čechy pod Kosířem um exotische Gehölze.

Welche Schlossgärten in Mähren stehen auf der UNESCO-Liste?

In Mähren sind es zwei Orte: die Kulturlandschaft Lednice-Valtice (eingetragen 1996) und das Schloss mit Blumengarten und Schlossgarten in Kroměříž (1998). Ausführlich beschreiben wir sie in den Beiträgen Lednice-Valtice und Gärten von Kroměříž.

Wie verbinde ich Kroměříž und Holešov zu einem Ausflug?

Beide Städte liegen in der Region Zlín nicht weit voneinander, und beide Gärten entwarf derselbe Architekt, Filiberto Lucchese. Am Vormittag lohnt sich der Blumengarten in Kroměříž mit seinem manieristischen Garten hinter Mauern, am Nachmittag Holešov mit seinen barocken, zur Landschaft geöffneten Wasserkanälen. Der Unterschied zwischen beiden Gärten zeigt, wie sich die Gartenkunst innerhalb weniger Jahrzehnte vom geschlossenen Raum zu langen Achsen und Ausblicken entwickelte.

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