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Schlossgärten in Südmähren: Milotice, Buchlovice, Lysice, Slavkov und Bučovice

Ein barockes Parterre mit Laubengängen aus Hainbuche, Terrassen am Hang, Renaissance-Broderien aus Buchsbaum und ein Park mit Fuchsiensammlung. Fünf Schlossgärten, die auch abseits von Lednice einen Ausflug wert sind.

Südmähren verbindet man meist mit Lednice (Eisgrub) und Valtice (Feldsberg). Rundherum liegen aber mehrere kleinere Schlossgärten, die in mancher Hinsicht seltener sind: Bučovice (Butschowitz) zeigt einen Renaissancegarten mit Broderien, Milotice (Milotitz) eines der einheitlichsten Barockensembles Tschechiens, Buchlovice (Buchlowitz) einen italienischen Terrassengarten, den die Mode der englischen Parks nicht zerstörte. Lysice überrascht mit einer erhöhten Kolonnade über den Terrassen und Slavkov u Brna (Austerlitz) mit einem wiederhergestellten barocken Parterre.

Die meisten Gärten liegen in der Südmährischen Region, Buchlovice bereits knapp jenseits der Grenze in der Region Zlín. Die Schlösser in Milotice, Buchlovice, Lysice und Bučovice verwaltet das tschechische Nationale Denkmalinstitut (Národní památkový ústav), das Schloss in Slavkov gehört der Stadt.

Die Gärten im Überblick

GartenStilDas Besondere
MiloticeBarockstilistisch einheitliches Ensemble aus Schloss und Garten, Laubengänge aus Hainbuche, zwei Orangerien
Buchloviceitalienischer Terrassengarten, französische Gestaltung, LandschaftsparkSchichtung der Stile, ohne den älteren Garten zu zerstören, exotische Gehölze, Fuchsiensammlung
LysiceRenaissance, Barock, KlassizismusTerrassen am Hang, erhöhte Kolonnade, intime Kapucínka
Slavkov u BrnaBarock, Landschaftsparkoberes Parterre nach einem Plan von 1774 wiederhergestellt, vierreihige Alleen
BučoviceRenaissanceseltene Vorstellung eines Renaissancegartens: Broderien aus Buchsbaum und Obstgarten
LedniceBarock, romantischer LandschaftsparkPark im Maßstab einer ganzen Landschaft, Minarett, UNESCO

Schlossgarten Milotice

Wie er entstand. 1722 begann der Umbau des Renaissanceschlosses für Karl Anton Serényi, die Urheberschaft wird Domenico Martinelli zugeschrieben. Der Architekt nutzte geschickt die Krone der alten Renaissancebefestigung als Terrasse für einen halbrunden Ehrenhof, den das Schloss und die symmetrischen eingeschossigen Flügel mit Pferdestall und Reitschule umschließen. In die Fasanerie kam 1766 ein Schießpavillon. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Umwandlung in einen Landschaftspark geplant, zu der es zum Glück nicht kam. Der Garten wurde um 1970 rekonstruiert.

Was Sie hier sehen:

  • einen Wassergraben und eine Eingangsbrücke mit Sphingen und Tor, der Skulpturenschmuck stammt von Christoph Schletterer,
  • eine Balustrade mit Vasen an der Grabenseite,
  • eine Sala terrena im Erdgeschoss und eine zweiarmige Treppe aus dem Obergeschoss über eine Aussichtsterrasse,
  • zwei Orangerien an den Seiten des Gartens,
  • ein Eingangsparterre mit Brunnen und das Hauptparterre mit Mittelachse und einem weiteren Brunnen,
  • zwei rechteckige Blöcke geschnittener Laubengänge aus Hainbuche, Baumrondelle an den Wegkreuzungen und eine Allee am Rand,
  • die Fasanerie mit sternförmigen Schneisen, einem Teich und dem Schießpavillon.

Pflanzen. Anstelle der früheren Broderien liegen im Parterre Rasenflächen. Das Bild des Gartens prägen geschnittene Laubengänge aus Hainbuche, Alleen und blühende Bäume vor der Südfassade, die an einen Obstgarten erinnern.

Tipp für Gärtner: Eine Reihe gleicher Blütenbäumchen in regelmäßigem Raster ist ein einfacher moderner Obstgarten. Im Frühling blüht er, im Sommer spendet er Schatten und im Herbst trägt er Früchte.

Schloss Buchlovice: Garten und Park

Schloss und Garten Buchlovice
Schlosspark Buchlovice

Wie er entstand. Schloss Buchlovice ist als italienische Villa gebaut. Entworfen hat es Domenico Martinelli für Johann Gerhard von Peterswald (Jan Gerhard Petřvaldský), nach einem überarbeiteten Projekt erbaute es Moritz Grimm, vollendet wurde es 1738. Das abschüssige Gelände erlaubte es, den Zugang zum Garten über Terrassen zu lösen, wie es in italienischen Gärten üblich war. Noch vor 1850 erhielt der Garten eine französische Gestaltung, doch der intime Maßstab und die Terrassen bewahrten ihm die Atmosphäre eines kleinen italienischen Gartens.

Buchlovice entging der Mode der englischen Parks, die in den böhmischen Ländern Hunderte formaler Gärten zerstörte. Der Landschaftspark entstand hier erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Drang, alles zu ersetzen, bereits abgeklungen war. Josef Lacowský entwarf seine Erweiterung nach Süden, freie Wege schließen an mehreren Stellen an das Parterre am Schloss an.

Was Sie hier sehen:

  • einen Terrassenzugang zum Garten, der einen Höhenunterschied von mehreren Metern nutzt,
  • ein formales Parterre mit kleinem Becken und Obelisk in der Mitte und Statuen auf Sockeln,
  • geschnittene Wände und Hecken,
  • einen Landschaftspark am sanften Hang ohne ausgeprägte Geländemodellierung.

Pflanzen. Der Park diente als Ort für die dendrologischen Funde der Besitzer, der Reisenden und Gelehrten Leopold und Friedrich Berchtold. Aus älteren Verzeichnissen gehen 57 Nadelgehölzarten hervor, unter denen eine mächtige Sumpfzypresse heraussticht, sowie 127 Laubgehölzarten. Bekannt ist Buchlovice auch für seine Sammlung von Fuchsien, die 650 Arten und Sorten umfasste.

Tipp für Gärtner: Einen Hanggarten kann man wie in Buchlovice in Terrassen gliedern. Der formale Teil am Haus kann fließend in eine lockerere Bepflanzung weiter entfernt übergehen.

Schlossgarten Lysice und die Kapucínka

Kolonnade im Schlossgarten Lysice
Kolonnade und überdachte Pergola im Schlossgarten Lysice

Wie er entstand. Der Garten von Lysice zeigt, wie sich Renaissance, Barock und Klassizismus zu einem Ganzen verbinden lassen.

  • Renaissance (vor 1634): Unter Georg Březnický von Náchod wurde der Hang über dem Gemüsegarten in drei Terrassen geteilt. Auf der untersten lag ein offenes Ballhaus mit Umgang, auf der zweiten ein Tiergehege und auf der obersten ein Blumenparterre mit Zwiebelblumen. Über dem Obstgarten im hinteren Teil des Nutzgartens entstanden zwei weitere, kleinere Terrassen mit Treppen, später Kapucínka (Kapuzinergarten) genannt.
  • Barock (1. Hälfte des 18. Jahrhunderts): Unter den Serényi wurden die einzelnen Teile verbunden. Der vordere Teil des Nutzgartens wurde zum Ziergarten, hinzu kamen Balustraden und 22 Statuen, darunter die zwölf Monate mit Zwergen. Eine frei stehende Sala terrena verband das Schloss mit dem Parterre der obersten Terrasse, und eine barocke Treppe schloss die Kapucínka an.
  • Klassizismus und Spätempire (1840–1860): Die Dubský von Třebomyslice verwandelten den Gemüsegarten in einen kleinen Landschaftspark. Anstelle der Ballhausmauern errichteten sie eine dorische Säulenreihe, die einen hölzernen, überdachten Umgang trägt. Die Sala terrena erweiterten sie um einen Pavillon mit ovalem Saal, und die Balustraden ersetzte ein Ziegelgeländer mit Terrakottavasen.

Was Sie hier sehen: Terrassen am Hang, ein Blumenparterre mit zwei Rondellen und einem Brunnen in der Mitte, eine Grotte mit einer Metallstatue der Flora, eingebaut in die Stützmauer der obersten Terrasse, die Sala terrena mit Pavillon, Statuen und die Kapucínka. Blickfang ist die Kolonnade. Für den intimen Raum ist sie etwas überdimensioniert, doch gerade sie verleiht dem Garten seinen einzigartigen Charakter: Vom Umgang aus blickt man von oben auf die Terrassen.

Tipp für Gärtner: Die Kapucínka ist eine Form des Renaissance-Giardino segreto, also einer kleinen, abgeschlossenen Ecke abseits des Hauptgartens. So etwas lässt sich auch auf kleiner Fläche hinter einer Hecke oder einer niedrigen Mauer anlegen.

Schlossgarten Slavkov u Brna

Wie er entstand. An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert begann Graf Dominik Andreas von Kaunitz einen barocken Sitz nach Plänen von Domenico Martinelli zu bauen. Vollendet hat ihn erst fünfzig Jahre später Maximilian Ulrich von Kaunitz. An der Stelle eines älteren Renaissancegartens entstand das obere Parterre, vom Schloss über eine Brücke über den Graben zugänglich, zuerst mit zwei, später mit drei Becken und einem Brunnen.

Unterhalb der Terrasse mit dem Brunnen erstreckte sich ein weitläufiges unteres Parterre. In der Mitte verlief ein langer Wasserkanal, später in mehrere Becken geteilt, ringsum rechteckige Felder mit Brunnen, Bosquets und Irrgärten. Den Skulpturenschmuck schuf Giovanni Giuliani. Vierreihige Alleen verlängerten die Hauptachsen in die Landschaft.

In den 1820er-Jahren ereilte den Garten das Schicksal Hunderter barocker Parterres. Die regelmäßige Gliederung und die Wasserbecken verschwanden, die Statuen wurden in den Hof versetzt, und anstelle der Bosquets entstanden kulissenartige Baumpflanzungen mit einer langen Sichtachse.

Was Sie hier sehen. In den 1970er-Jahren wurde nach archäologischen Funden und einem Plan von 1774 das obere Parterre mit Wasserbecken und Statuen wiederhergestellt. Es ist kaum ein Viertel des einstigen Gartens. Der untere Teil ist landschaftlich gestaltet, mit einem wiederhergestellten Becken in der Querachse. Beide Parterres verbindet ein Hang mit Rampen, der die verschwundene Terrasse ersetzt hat. Erhalten ist ein hölzerner chinesischer Pavillon.

Slavkov u Brna kennt man vor allem durch die Dreikaiserschlacht von Austerlitz 1805, der Garten lohnt aber auch ohne historisches Programm einen Besuch. Wie barocke Parterres in voller Pracht aussahen, beschreibt der Beitrag Barockgarten.

Renaissancegarten Bučovice

Schloss Bučovice

Wie er entstand. Das Schloss in Bučovice ließ in den Jahren 1567–1585 Johann Schembera Černohorský von Boskowitz errichten. Der Entwurf wird entweder Pietro Ferrabosco di Lagno oder Jacopo Strada zugeschrieben. Im Hof steht ein manieristischer Brunnen, den 1635 Pietro Materna schuf. Der heutige Garten ist eine freie Rekonstruktion auf der erhaltenen Grundstruktur, kein authentischer Zustand.

Was Sie hier sehen:

  • einen rechteckigen Garten hinter einer Mauer mit Eckbasteien, den einst ein Wassergraben umgab,
  • ein streng symmetrisches Wegenetz mit vier kleineren Brunnen und einem größeren in der Mitte,
  • rechteckige Felder, eingefasst von geschnittenem Buchsbaum, aus dem auch die Broderie-Ornamente gestaltet sind,
  • kegelförmig geschnittene Hainbuchen in den Ecken der Felder und in Spalieren am Schloss,
  • Obstbäume entlang der Mauer zu beiden Seiten des Parterres als Erinnerung an den Obstgarten,
  • einen dreigeschossigen Arkadenhof mit schlanken toskanischen Säulen.

Der Frühlingsblick vom blühenden Obstgarten über das Parterre zum Schloss vermittelt eine seltene Vorstellung davon, wie ein Renaissancegarten wirkte. In Tschechien sind nur wenige in ursprünglicher Form erhalten. Mehr im Beitrag Renaissancegarten.

Tipp für Gärtner: Bučovice zeigt, dass Broderien nicht pflegeintensiv sein müssen. Die Felder sind von niedrigem, geschnittenem Buchs eingefasst und kommen ohne aufwendige Blumenpflanzungen aus.

Lednice und Valtice

Schloss Lednice

Die Kulturlandschaft Lednice-Valtice ist das größte Gartenkunstwerk Südmährens und UNESCO-Welterbe. Am Schloss Lednice liegt ein französisches Parterre, dahinter ein romantischer Landschaftspark mit Teichen, Inseln und Dämmen, ein Minarett, die Johannesburg (Janův hrad), ein Aquädukt und ein Gewächshaus aus Stahl und Gusseisen. Die Anlage setzt sich durch die Landschaft bis Valtice fort. Ausführlich beschreiben wir sie im eigenen Beitrag Lednice-Valtice: Schlosspark und Kulturlandschaft.

Domenico Martinelli: ein Architekt, vier Gärten

Auf einer Reise durch die südmährischen Schlösser begegnet man immer wieder einem Namen. Der italienische Architekt Domenico Martinelli, der vor allem in Wien wirkte, arbeitete um 1700 für die bedeutendsten Adelsgeschlechter Mährens:

  • Lednice – beteiligt am barocken Umbau des Liechtenstein-Schlosses Ende des 17. Jahrhunderts,
  • Slavkov – Entwurf des barocken Sitzes der Kaunitz,
  • Buchlovice – Entwurf der italienischen Villa für die Peterswald,
  • Milotice – der Umbau für die Serényi wird ihm zugeschrieben.

Jedem dieser Orte erging es jedoch anders. In Lednice und Slavkov zerstörte die Mode der Landschaftsparks das barocke Parterre, in Buchlovice und Milotice blieb der regelmäßige Garten erhalten. Der Vergleich zeigt, welch große Rolle Zufall und Geschmack späterer Besitzer bei der Rettung eines Gartens spielten.

Die Gärten anderer Regionen finden Sie im Wegweiser Schlossgärten und Parks in Tschechien. Nördlich schließt am nächsten Kroměříž (Kremsier) an (Gärten von Kroměříž) sowie Holešov mit Čechy pod Kosířem (Schlossgärten in Mittel- und Nordmähren). Was Sie aus historischen Gärten mit nach Hause nehmen können, fasst der Beitrag Inspiration aus historischen Gärten zusammen.

Häufige Fragen

Welcher Schlossgarten in Südmähren ist der am besten erhaltene Barockgarten?

Milotice. Schloss, Vorschloss und Garten bilden ein stilistisch einheitliches Barockensemble, und die geplante Umwandlung in einen Landschaftspark fand hier nie statt. Die ursprünglichen Broderien im Parterre wurden allerdings durch Rasenflächen ersetzt.

Wofür sind die Gärten in Buchlovice bekannt?

Für den italienischen Terrassengarten am Schloss, an den behutsam ein Landschaftspark mit den exotischen Gehölzen der Berchtolds anschließt, und für die Fuchsiensammlung mit Hunderten Arten und Sorten.

Was ist die Kapucínka in Lysice?

Zwei kleinere Terrassen mit Treppen über dem ehemaligen Obstgarten im hinteren Teil des Schlossgartens. Sie haben die Atmosphäre eines Renaissance-Giardino segreto, also eines kleinen, abgeschlossenen privaten Gartens. Mit den übrigen Teilen verband sie eine barocke Treppe.

Ist der Garten in Slavkov u Brna original?

Nur teilweise. Die barocken Parterres verschwanden in den 1820er-Jahren. Das obere Parterre mit Becken und Statuen wurde in den 1970er-Jahren nach archäologischen Funden und einem Plan von 1774 wiederhergestellt. Der untere Teil blieb landschaftlich.

Wo sehe ich in Mähren einen Renaissancegarten?

Die beste Vorstellung geben Bučovice mit Broderien aus Buchsbaum, Brunnen und Obstgarten entlang der Mauer sowie die Terrassen in Lysice. Den manieristischen Blumengarten, einen Übergang zwischen Renaissance und Barock, finden Sie in Kroměříž.

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