Fingerwurz (Knabenkraut)
Unsere heimischen Wildorchideen. Schön, aber streng geschützt – und im Garten anspruchsvoll: Sie brauchen Nässe und magere Böden.
Europäische Orchideen für erfahrene Gärtner
Standort: Wechselfeuchte bis nasse Torfböden an vollsonnigem Standort oder im leichten Schatten von Gehölzen.
Wuchshöhe: Je nach Art 10 bis 125 cm.
Blütezeit: Je nach Art von März bis August.
Vermehrung: Durch Teilung oder Aussaat.
Die Gattung Dactylorhiza aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae) wurde von der Gattung Orchisabgetrennt, obwohl die Arten beider Gattungen ähnliche Merkmale haben. Der deutsche Gattungsname Fingerwurz leitet sich von den fingerförmig geteilten Knollen ab; im Alltag heißen die einzelnen Arten fast immer Knabenkraut – nicht zu verwechseln mit den echten Knabenkräutern der Gattung Orchis. Die Blätter sind lanzettlich, hell- oder dunkelgrün, gefleckt oder ungefleckt; die blattähnlichen Tragblätter überragen die Blüten meist. Die kegelförmigen Blütenähren lockern sich zum Ende der Blüte auf.
Alle Arten sind ausdauernd. Ihre natürlichen Standorte sind vielfältig – Bergwiesen (einige Arten wachsen noch auf 2 400 m Höhe), lichte Stellen in Laub- und Nadelwäldern, überschwemmte Wiesen und Bachufer. Früher waren Fingerwurzen auch in Mitteleuropa häufig, vor allem auf humosen Feucht- und Streuwiesen (Niedermoore und Anmoorwiesen), daneben aber auch anderswo, auf sauren Böden ebenso wie auf Böden über Kalk- und basischem Gestein. Wildvorkommen sind nach § 44 BNatSchG und Anlage 1 der BArtSchV besonders geschützt.
Ausgewählte Fingerwurz-Arten
Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)

Es ist in ganz Europa verbreitet, auch in Deutschland. Es wächst auf sauren Böden von Waldlichtungen, auf Wiesen und in Mooren. Die Pflanze wird etwa 80 cm hoch und hat 6–12 lanzettliche Blätter (etwa 2 cm breit, 15 cm lang), meist fein gefleckt (manchmal ungefleckt). Die hellvioletten bis weißen Blüten erscheinen von Mai bis August. Die schwach dreilappige, dunklere Lippe ist gepunktet oder gestrichelt. Der Sporn ist schmal, kürzer als der Fruchtknoten und schräg abwärts gerichtet.
Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)

Die häufigste heimische Wildorchidee. Sie wächst vor allem auf nassen Wiesen. Die Pflanze wird etwa 50 cm hoch und trägt 4–6, manchmal auch 8 lanzettliche Blätter (5 cm breit, 15 cm lang, stark gefleckt). Die Tragblätter überragen meist die dunkelpurpurnen, etwa 2 cm großen Blüten. Die dicht stehenden Blüten erscheinen von Mai bis August, je nach Meereshöhe des Standorts zu unterschiedlicher Zeit. Die dreilappige, dunkelviolette Lippe ist breiter als lang, die Seitenlappen sind oft nach unten geschlagen. Der Sporn weist nach unten.
Traunsteiners Knabenkraut (Dactylorhiza traunsteineri)

Es wächst in Nord- und Mitteleuropa auf sauren Moorwiesen. Es hat 2–5 linealisch-lanzettliche, aufrechte Blätter(meist 2 cm breit, 20 cm lang, im Sommer grün und ungefleckt). Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der etwa 20 cm lange Blütenstand besteht aus 10–15 purpurvioletten Blüten in eher lockerer Anordnung. Die Lippe mit dunklerer Zeichnung ist schwach bis deutlich dreilappig, die Seitenlappen sind nach unten geschlagen. Der Sporn ist halb so lang wie der Fruchtknoten.
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)

Es ist in weiten Teilen Europas und in der nördlichen Türkei verbreitet. Es kommt auf Sumpfwiesen, in Mooren und im Gebirge bis in Höhen von 2 100 mvor. Die Pflanze hat meist einen 40 cm (manchmal bis 70 cm) hohen hohlen Stängel, der 4–7 Blätterträgt. Die länglich-lanzettlichen Blätter stehen steil aufrecht, sind an der Spitze kapuzenförmig und ungefleckt. Von Mai bis Juli erscheinen im dichten Blütenstand 3 cm große Blüten in Rosa oder Fleischfarben. Die Tragblätter überragen meist die Blüten. Die kleine Lippe (7 mm breit) ist ungeteilt oder hat nur schwach angedeutete drei Lappen. Der Sporn ist etwa ein Drittel kürzer als der Fruchtknoten.
Anbau: Gartenorchideen im Moorbeet
Fingerwurzen gedeihen gut auf torfigen, zeitweise vernässten und feuchten Wiesen; einige bevorzugen Plätze am Waldrand. Empfindlich reagieren sie auf extreme Bedingungenwie Trockenheit, dauerhafte Nässe und zu hohe Temperaturen.
Unverzichtbare Voraussetzungen für einen erfolgreichen Anbau sind:
- eine gute Drainage,
- ein durchlässiges Substrat , das mineralische Nährstoffe hält,
- eine passende Begleitflora.
An einem geeigneten Platz, etwa an einem künstlich angelegten Sumpfbeet oder am Rand des Gartenteichs, empfiehlt es sich, flache Mulden anzulegen und sie mit sandig-lehmiger Erdezu füllen. Für kalkliebende Arten wird Kalkstein zugegeben. Damit das Substrat nicht austrocknet, deckt man es mit einer 3 cm dicken Schicht aus trockenem Buchenlaub oder Kiefernnadelnab. Sobald sich diese Schicht zu zersetzen beginnt, wird die Abdeckung erneuert.
Fingerwurzen lassen sich auch in Töpfen, Schalen oder größeren Gefäßenkultivieren, in denen sich ein verkleinertes Biotopanlegen lässt. Vermehren lassen sie sich durch Aussaat oder Teilung, aber das Stören des Wurzelballens bekommt der Pflanze nicht. In den Garten dürfen nur Pflanzen aus spezialisierten Gärtnereien gepflanzt werden. Das Ausgraben von Wildpflanzen ist nach § 44 BNatSchG verboten und strafbar.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich eine Fingerwurz von der Wiese in meinen Garten umsetzen?
Nein. Alle heimischen Fingerwurz-Arten sind nach § 44 BNatSchG und Anlage 1 der BArtSchV besonders geschützt; Ausgraben und Sammeln sind verboten und strafbar. In den Garten gehören nur Pflanzen aus spezialisierten Gärtnereien mit nachweislicher Herkunft aus Kultur.
Warum ist meine gekaufte Fingerwurz nach einem Jahr verschwunden?
Meist wegen falscher Feuchtigkeit. Die Fingerwurz braucht einen wechselfeuchten bis nassen Torfstandort und verträgt weder Trockenheit noch dauerhaft stehendes Wasser. Die zweite Ursache ist zu nährstoffreiche Erde – Orchideen brauchen ein mageres Substrat.
Wo im Garten pflanzt man die Fingerwurz?
An den Rand eines Teichs oder in ein künstliches Sumpfbeet, in eine flache Mulde mit sandig-lehmiger Erde. Decken Sie die Oberfläche mit etwa 3 cm trockenem Buchenlaub oder Kiefernnadeln ab, damit das Substrat nicht austrocknet, und erneuern Sie die Abdeckung.
Lässt sich die Fingerwurz im Gefäß kultivieren?
Ja, in einer größeren Schale oder einem Gefäß, in dem sich ein verkleinertes Biotop mit Drainage und Torfsubstrat anlegen lässt. Das ist anspruchsvoller, dafür lässt sich die Feuchtigkeit besser steuern.
Wie vermehrt man die Fingerwurz?
Durch Aussaat, die allerdings einen symbiotischen Pilz voraussetzt, oder durch Teilung des Horsts. Die Teilung ist nicht ideal – ein gestörter Wurzelballen schadet der Fingerwurz, und die Pflanze stagniert danach jahrelang.
Wird die Fingerwurz gedüngt?
Praktisch nicht. Orchideen der Feuchtwiesen sind an magere Standorte angepasst, und üblicher Dünger schadet ihnen – er begünstigt konkurrierende Gräser, die die Fingerwurz verdrängen. Ein magerer Boden ist hier ein Vorteil, kein Mangel.
