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Humus im Boden: was er ist, warum er zählt und wie Sie ihn aufbauen

Dunkle, krümelige Erde, die Wasser und Nährstoffe hält, entsteht nicht von selbst. Wie Humus entsteht, was ihn abbaut und womit Sie ihn in den Gartenboden zurückbringen.

Wenn Gärtner von „guter Erde“ sprechen, meinen sie meist humusreichen Boden: dunkel, locker, nach Wald duftend, gut zu graben und so beschaffen, dass Pflanzen auch bei Trockenheit nicht leiden. Humus macht nur einen kleinen Teil des Bodens aus, entscheidet aber stärker über seine Fruchtbarkeit als jede einmalige Düngung. Und weil er im Boden ständig verbraucht wird, muss er regelmäßig zurückgeführt werden.

Was ist Humus

Dunkle Humusschicht im Boden

Humus ist der dunkle organische Bestandteil des Bodens. Er entsteht aus abgestorbenen Pflanzen, Wurzeln, Laub, Mist und den Körpern kleiner Bodentiere, die von Bodenorganismen zersetzt und umgebaut werden. Ein Teil der Substanz wird dabei vollständig zu Wasser, Kohlendioxid und mineralischen Nährstoffen abgebaut. Der Rest wird in widerstandsfähigere Stoffe umgewandelt, die jahrelang im Boden bleiben und sich mit Tonteilchen zu Krümeln verbinden.

In der Praxis unterscheidet man zwei Anteile:

  • Nährhumus ist frische, leicht zersetzbare organische Substanz (eingearbeitete Pflanzenreste, Mist, Kompost). Er wird schnell abgebaut und setzt Nährstoffe für die Pflanzen frei.
  • Dauerhumus ist der stabile Anteil, der sich nur langsam zersetzt. Er hält die Bodenstruktur und wirkt wie ein Schwamm für Wasser und Nährstoffe.

Beide Anteile werden gebraucht. Ohne Nährhumus hat das Bodenleben nichts zu fressen, und der Dauerhumus wird nach und nach aufgezehrt.

Warum Humus für den Garten wichtig ist

Fruchtbarer, humusreicher Gartenboden
  • Krümelstruktur. Humus verklebt mineralische Teilchen zu Krümeln, zwischen denen Poren für Luft und Wasser bleiben. Der Boden verschlämmt weniger und bildet keine Kruste.
  • Er hält Wasser. Humoser Boden nimmt mehr Wasser auf und hält es länger, die Pflanzen leiden dann weniger unter Trockenheit.
  • Er hält Nährstoffe. Humus bindet Nährstoffe und verhindert, dass sie in den Unterboden ausgewaschen werden. Er fängt auch überschüssigen Stickstoff ab und gibt ihn nach und nach frei.
  • Er ist eine Nährstoffquelle. Mikroorganismen setzen aus der organischen Substanz laufend Stickstoff, Phosphor, Schwefel und weitere Elemente frei, in Mengen, die die Pflanzen aufnehmen können.
  • Er puffert pH-Schwankungen. Humusreicher Boden verzeiht Fehler beim Kalken und Düngen besser. Auch organische Dünger selbst mildern die Versauerung.
  • Er erwärmt sich. Dunkler, humoser Boden nimmt mehr Sonnenwärme auf, erwärmt sich im Frühjahr schneller, und Gemüse wächst darauf früher.
  • Er verbessert die Düngerwirkung. Auf Böden, die lange nicht organisch gedüngt wurden, wirken auch Mineraldünger schlechter. Kulturen auf humosen Böden kommen außerdem besser mit ungünstigem Wetter zurecht.
  • Er bindet Schadstoffe. Humus verringert die Verfügbarkeit mancher Schwermetalle, zum Beispiel Blei, für die Pflanzen.

Die Fruchtbarkeit eines Bodens, der lange nicht organisch gedüngt wird, nimmt allmählich ab, auch wenn Sie ihm mineralische Nährstoffe zuführen. Wie Pflanzen Nährstoffe aufnehmen, beschreiben wir ausführlicher im Artikel Pflanzenernährung.

Wer Humus herstellt: Mikroorganismen und Regenwürmer

In einem Gramm Gartenboden leben mehrere hundert Millionen Mikroorganismen, überwiegend Bakterien. Ohne sie würden Mist, Pflanzenreste oder Kompost im Boden nur herumliegen und den Pflanzen nichts nützen.

Die meisten nützlichen Bakterien brauchen Luft. Der Abbau findet deshalb vor allem in der oberen, gut durchlüfteten Schicht des Oberbodens statt. Daraus folgt eine praktische Regel: Arbeiten Sie organische Substanz flach ein. Auf mittleren und schweren Böden bis 10–15 cm, nur auf leichten, luftigen Böden tiefer. In verdichtetem, staunassem Boden überwiegen Bakterien, die ohne Luft arbeiten und aus stickstoffhaltigen Stoffen Stickstoff in die Luft freisetzen. Durch Lockern unterdrücken Sie ihre Tätigkeit.

Der zweite große Helfer sind Regenwürmer. In einem Quadratmeter guten Gartenbodens leben etwa 300 davon, und ihre Gänge reichen 2–3 m tief. Regenwürmer fressen Erde mit sich zersetzender organischer Substanz und scheiden sie als nährstoffreichen Wurmhumus wieder aus. So bilden sie pro Jahr eine etwa 2,5 mm starke Schicht fruchtbarer Erde, in dreißig Jahren wandert die gesamte Bodenschicht bis 30 cm Tiefe durch ihren Darm. Ihre Gänge durchlüften zugleich den Boden und leiten Wasser zu den Wurzeln. Wie Sie Regenwürmer im Kompost nutzen, beschreibt der Artikel Wurmkomposter und Wurmzucht.

Woran Sie humusreichen Boden erkennen

Krümeliger Boden mit Regenwürmern
  • Farbe: dunkelbrauner bis schwarzbrauner Oberboden. Helle, gräuliche oder gelbliche Erde ist meist humusarm.
  • Struktur: In der Hand zerfällt er in kleine, runde Krümel, klebt nicht und staubt nicht.
  • Geruch: Er riecht nach Wald und Pilzen. Ein saurer oder fauliger Geruch deutet auf Luftmangel hin.
  • Regenwürmer: Beim Umgraben sehen Sie mehrere auf dem Spaten.
  • Verhalten nach Regen: Das Wasser versickert schnell, es bilden sich weder Pfützen noch Kruste.

Ackerböden enthalten meist nur wenige Prozent Humus. Den genauen Wert erfahren Sie durch eine Bodenanalyse in einem akkreditierten Bodenlabor, die gleichzeitig den pH-Wert und den Nährstoffvorrat zeigt.

Was Humus abbaut

  • Offener Boden. Ein brachliegendes Beet trocknet aus, Wind und Regen tragen feine Teilchen ab, und Humus wird abgebaut, ohne dass neuer entsteht.
  • Häufiges und tiefes Wenden. Jede Bearbeitung bringt Luft in den Boden und beschleunigt den Humusabbau. Umgraben lohnt sich vor allem auf schweren Böden, anderswo genügt Lockern.
  • Alles abfahren, was auf dem Beet wächst. Wer jedes Blatt erntet, zusammenrecht und abtransportiert, gibt dem Boden nichts zurück.
  • Kalken allein. Kalk beschleunigt den Humusabbau. Eine alte Bauernregel sagt: „Kalk macht reiche Väter und arme Söhne.“ Kalken ohne Zufuhr organischer Substanz senkt mit der Zeit die Fruchtbarkeit.
  • Nur Mineraldüngung. Sie ernährt die Pflanzen, füllt aber weder Bodenleben noch Humus auf.
  • Erosion am Hang. Starkregen trägt gerade die fruchtbarste oberste Schicht ab.

Wie Sie den Humusgehalt erhöhen

Kompost und Mulch für mehr Humus

Humus lässt sich nicht einfach in den Boden schütten. Er entsteht aus organischer Substanz, die Sie dem Boden regelmäßig zuführen und die das Bodenleben verarbeitet.

Quelle organischer SubstanzMenge und ZeitpunktHinweis
reifer Kompost6–8 kg/m² im Frühjahr, flach einarbeitenauch während der Saison möglich; die am leichtesten verfügbare Quelle
Stallmist3–5 kg/m² im Herbst, einmal in 3 Jahren10–15 cm tief einarbeiten, siehe Artikel Mist als Dünger
GründüngungAussaat von Juli bis Augustgrün einarbeiten, in der Regel vor der Blüte; siehe Gründüngung
Mulch (Rasenschnitt, Laub, Stroh)Schicht von mindestens 3 cm während der Saisonschützt den Boden und füttert die Regenwürmer von oben; siehe Mulchen
Laub, Pflanzenresteim Herbst auf das Beet oder auf den Kompostgesundes Laub, nicht von Krankheiten befallen

Weitere Grundsätze, die den Humus erhalten:

  • Lassen Sie den Boden nicht offen liegen. Säen Sie nach der Ernte eine Gründüngung oder mulchen Sie das Beet.
  • Arbeiten Sie organische Substanz flach ein. Unten in einer tiefen Furche zersetzt sie sich ohne Luft nicht.
  • Verzichten Sie auf unnötiges Umgraben. Auf leichteren und mittleren Böden genügen Lockern und Mulch. Wer einen Garten ohne Umgraben ausprobieren möchte, findet Anregungen beim Hochbeet.
  • Kalken Sie maßvoll und immer zusammen mit der Zufuhr organischer Substanz. Wann Sie kalken sollten, beschreibt der Artikel pH-Wert des Bodens.
  • Setzen Sie laufend Kompost an. Wie das geht, lesen Sie im Artikel Komposter.

Torf war früher ein gängiger Bodenverbesserer. Sein Abbau zerstört aber Moore, deshalb ersetzen ihn heute Kompost, kompostierte Rinde oder Kokosfaser. Torf ist nur noch für Moorbeetpflanzen sinnvoll.

Organische Dünger tragen nur dann zum Humus bei, wenn sie genug organische Substanz enthalten. Ein abgepackter organischer Dünger, etwa unser organischer Dünger, liefert Nährstoffe langsam und fördert das Bodenleben, ersetzt aber keine voluminöse organische Substanz (Kompost, Mulch).

Humus aus dem Handel

In Gartencentern gibt es Säcke mit der Aufschrift „Humus“ oder „Humuserde“. Meist ist das Kompost, eine Mischung aus Kompost und Erde oder torfhaltiges Material, kein reiner Bodenhumus. Es eignet sich zum Verfüllen des Pflanzlochs, für Balkonkästen oder zum Auffüllen eines Hochbeets. Um den ganzen Garten zu verbessern, ist eigener Kompost oder Kompost aus dem Kompostwerk günstiger, den Sie lose kaufen können.

Wie sich Kompost, Wurmhumus und abgepackte organische Dünger in Nährstoffgehalt und Preis pro Quadratmeter unterscheiden, zeigt der Düngervergleich.

Häufige Fragen

Wie erhöht man schnell den Humusgehalt im Boden?

Am schnellsten mit reifem Kompost, 6–8 kg/m² im Frühjahr flach eingearbeitet. Das Ergebnis hält aber nur, wenn Sie jedes Jahr organische Substanz zuführen und den Boden nicht offen liegen lassen. Humus baut sich über Jahre auf.

Was ist der Unterschied zwischen Humus und Kompost?

Kompost ist organische Substanz, die in einem Haufen außerhalb des Beetes zersetzt wurde. Humus ist der organische Bestandteil des Bodens, der aus Kompost, Mist und Pflanzenresten durch die Tätigkeit des Bodenlebens entsteht. Kompost ist also der Rohstoff, aus dem Humus gebildet wird.

Baut Kalken Humus ab?

Ja, Kalk beschleunigt den Humusabbau. Deshalb sollten Sie nur nach Bedarf kalken und immer zusammen mit der Zufuhr von Kompost oder Mist.

Warum soll man organische Substanz nicht tief eingraben?

Die Bakterien, die sie zu Humus und Nährstoffen abbauen, brauchen Luft. Die gibt es vor allem in den oberen 10–15 cm des Bodens. Tief vergrabene Substanz zersetzt sich langsam, fault, und der Stickstoff entweicht.