Mispel (Mespilus germanica) – die Echte Mispel
Vergessenes Kernobst: Mispel pflanzen, ernten und die Früchte verwenden
Eine extensive Kernobstart, die durch Wuchs, Blüte und Herbstfärbung einen bemerkenswerten Zierwert hat.
- Standort: sonnige bis halbschattige Lagen; warmer, auch kalkhaltiger Boden
- Höhe: 3 bis 5 m
- Standraum: 9–25 (36) m²
- Blütezeit: Ende Mai
- Vermehrung: durch Veredeln, Absenker oder Steckhölzer
Die Mispel aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) ist eine in Gärten nur selten angebaute Kernobstart. Früher wurde sie bei uns so häufig gepflanzt und verwilderte auch so oft, dass Carl von Linné sie für in Deutschland heimisch hielt und ihr den Artnamen germanica gab. Die Ausbreitung aus dem ursprünglichen Gebiet zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer verlief über Kleinasien und Griechenland nach West- und Mitteleuropa.

Die Mispel wächst langsam und sparrig und bildet eine malerische Krone. Junge Triebe von grauer bis schwarzer Farbe sind behaart, ältere Äste und Stämmchen oft verdreht. Die Rinde löst sich leicht ab.
Blüte und Blätter der Mispel
Ende Mai erscheinen einzeln stehende Blüten. Sie haben 3–5 cm lange, schmale Kelchblätter, sind weißlich, geruchlos und dekorativ. Die späte Blüte und die Selbstbefruchtung sind die Gewähr für regelmäßige Erträge, die bis zu 30 kg je Baum erreichen können.
Die länglichen Blätter mit eingesenkten Adern sind oberseits dunkelgrün, unterseits heller und färben sich vor dem Laubfall. Zusammen mit den reichlichen Früchten ergeben sie ein hübsch wirkendes Erscheinungsbild.
Mispel-Früchte: wann sind Mispeln essbar und was macht man daraus

Überwiegend kugelige Früchte mit leicht rauer Schale färben sich von Grün nach Braun. An den bis zu 7 cm großen Früchten fallen die Kelchblätter über dem vertieften Blütenboden auf.
Das anfangs hellgrüne, später nachdunkelnde Fruchtfleisch ist roh erst dann essbar, wenn es durch Frost oder eine mehrwöchige Lagerung nach der Ernte teigig weich geworden ist. Der herbe Geschmack verliert sich, und es entsteht ein adstringierendes, süßliches und leicht säuerliches Aroma. Mispeln dienen vor allem zur Herstellung von Gelee, Marmelade und Gebäck, oft zusammen mit anderen Früchten.
Mispel pflanzen, schneiden, ernten und vermehren
Die Bodenansprüche sind gering; wärmere Lagen sind besser, der Baum gedeiht aber auch im Halbschatten. Bei der Pflanzung ist mit einem Standraum von 9–25 m² zu rechnen.
Geschnitten wird anfangs so, wie es bei Kernobst üblich ist; später wird nur noch ausgelichtet, ohne dass eine regelmäßige Kronenform angestrebt wird. Die Bodenbearbeitung ist beliebig, und Düngen ist meist nicht nötig.
Die Ernte erfolgt Anfang November. Die Früchte werden einlagig mit dem Stiel nach oben gelagert. Krankheiten und Befall spielen praktisch keine Rolle. Vermehrt wird meist durch Okulation auf Unterlagen von Birne oder Weißdorn.
Mispel-Sorten: Holländische Großfrüchtige, Nottingham und Royal
Mispeln werden allgemein und ohne Sortenangabe als Echte Mispel (Mespilus germanica) bezeichnet, obwohl es durchaus Sorten gibt. Westeuropäische Sortimente führen die Sorten ‚Holländische Großfrüchtige‘, ‚Nottingham‘, ‚Royal‘ und ‚Kernlose‘.
Eine ausführlichere Beschreibung dieser Art finden Sie im eigenen Artikel Echte Mispel (Mespilus germanica).
Die Mispel gehört zu den weniger bekannten Obstarten und kommt selbst mit wenig aus. Bei den übrigen Obstpflanzen im Garten eignet sich Universaldünger.
