Blattwespen an Linden, Fichten und Kiefern
Abgefressene Blätter an Linde und Eiche, kahle Triebe an Fichte und Kiefer. So erkennen Sie die Afterraupen von Blattwespen, Buschhornblattwespen und Gespinstblattwespen.
Blattwespen, Buschhornblattwespen und Gespinstblattwespen gehören zu den Hautflüglern. Ihre Larven, die Afterraupen, ähneln den Raupen von Schmetterlingen. Sie fressen an den Blättern von Linden und Eichen ebenso wie an den Nadeln von Fichten und Kiefern.
Kleine Fichtenblattwespe




Pristiphora abietina
Wirtsbäume: vor allem die Gemeine Fichte, gelegentlich auch die Stechfichte.
Symptome: die obersten Nadeln sind welk und vergilbt, bleiben aber hängen – häufig als einzige ohne Fraßspuren, was eine sichere Bestimmung des Schädlings erlaubt. Die übrigen Nadeln sind skelettiert, braun und verdreht, von oben bis zur Basis abgefressen, sodass von ihnen nur ein kurzer Stummel übrig bleibt.
Schädling: eine Pflanzenwespe. Die adulten Tiere treten von Ende April bis Mitte Mai auf. Die Weibchen legen ihre Eier an die Nadeln der gerade aufbrechenden Knospen. Der Fraß der Afterraupen dauert nur kurz, etwa vierzehn Tage.
Verwechslungsmöglichkeiten: Afterraupen anderer Blattwespen, Raupen der Bürstenspinner.
Schadwirkung: weil sich der Fraß der Afterraupen auf den oberen Kronenbereich beschränkt, verflachen und verdichten sich die Kronen.
Bekämpfung: Einsatz von Insektiziden auf Basis von Juvenoiden oder anderer selektiver Insektizide.
Lindenblattwespe

Caliroa annulipes
Wirtsbäume: Linden und andere Laubbäume, vor allem Eichen und Ahorne.
Symptome: typischer „schabender“ Fraß von einer Blattseite her, später Skelettierfraß auf der Blattober- oder -unterseite. Gegen das Licht gehalten wirken die geschädigten Blattstellen durchscheinend.
Schädling: eine Pflanzenwespe mit zwei Generationen im Jahr (Frühsommer und Sommer). Die Afterraupen fressen etwa 2–3 Wochen lang. In Mitteleuropa tritt die Art häufig an Linden auf, vor allem in Alleen in der offenen Landschaft.
Verwechslungsmöglichkeiten: Spinnmilben, Raupen von Kleinschmetterlingen und Blattkäfer (mehr).
Schadwirkung: die Art richtet keine ernsten Schäden an, der Fraß fällt lediglich auffällig aus.
Bekämpfung: in der Regel nicht nötig. Gegebenenfalls eine Insektizidbehandlung während des Flugs der adulten Tiere.
Blattwespen an Eiche, Pappel und Weide

Periclista lineolata und Pristiphora conjugata
Wirtsbäume: Eichen, Pappeln, Aspen und Weiden.
Symptome: ab Mai fressen die Afterraupen an der Blattunterseite, zu Kahlfraß kommt es nicht.
Periclista lineolata: Lochfraß meist an jungen Eichen.
Pristiphora conjugata: gesellig fressende Afterraupen, von den Blättern bleibt nur das Adernetz übrig.
Schädling: die adulten Tiere sind schwarze, etwa 5–7 mm große Pflanzenwespen, die von April bis Mitte Mai fliegen. Die Eier legen sie an der Blattunterseite entlang der Adern oder entlang der Blattränder ab.
Afterraupen (im Unterschied zu Schmetterlingsraupen trägt nur das erste Hinterleibssegment keine Bauchbeine) mit schwarzem Kopf.
Periclista lineolata: die Afterraupen sind grün mit schwarzen, verzweigten Dornen und bis zu 17 mm lang.
Pristiphora conjugata: gelbe oder grüne Afterraupen mit gelbem erstem und letztem Körpersegment und schwarzen Flecken. Die Art bildet im Lauf des Jahres mehrere Generationen aus. Sie überwintert in einem Gespinst im Boden.
Verwechslungsmöglichkeiten: Afterraupen weiterer Arten oder Schmetterlingsraupen.
Schadwirkung: nicht bedeutend, da es nicht zu Kahlfraß kommt.
Bekämpfung: meist nicht nötig. Gegebenenfalls ließen sich ökotoxikologisch schonendere Insektizide einsetzen.
Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe


Diprion pini
Wirtsbäume: vor allem die Waldkiefer, seltener auch Schwarzkiefer, Banks-Kiefer und Weymouthskiefer.
Symptome: die Nadeln sind bis auf den Mittelnerv abgefressen, der stehen bleibt. Zuerst werden die älteren Nadeln befallen. An den Nadeln sitzen gelbgrüne, frei lebende Afterraupen.
Schädling: die schwarzbraunen Männchen sind 7–10 mm groß und haben auffällig große, gekämmte Fühler. Die Weibchen sind etwas größer und gelbbraun. Die Afterraupen haben eine braune Kopfkapsel.
Verwechslungsmöglichkeiten: die Afterraupen der Roten Kiefernbuschhornblattwespe sowie einiger weiterer, für die Schadwirkung aber unbedeutender Arten. Die Rote Kiefernbuschhornblattwespe frisst die Nadeln jedoch ganz bis zu ihrer Basis ab und befällt die jüngsten diesjährigen Nadeln nicht. Die Kopfkapsel ihrer Afterraupen ist schwarz.
Schadwirkung: diese Art bildet mehrere Jahre andauernde Massenvermehrungen aus, bei denen die befallenen Bäume oft auf großen Flächen lichter werden, bis hin zu Kahlfraß. Bei wiederholtem Kahlfraß sterben die befallenen Bäume ab.
Bekämpfung: Spritzung der Afterraupen (Mai–Juni, August–September) mit Insektiziden auf Basis von Chitinsynthesehemmern.
Rote Kiefernbuschhornblattwespe

Neodiprion sertifer
Wirtsbäume: Kiefern.
Symptome: die Larven fressen gesellig an den vorjährigen Nadeln. Die jüngsten Nadeln bleiben unbefallen.
Schädling: Pflanzenwespen von etwa 8–10 mm Länge. Die adulten Tiere fliegen ab September. Die Weibchen legen die Eier in regelmäßigen Reihen an die diesjährigen Nadeln. Die Afterraupen sind graugrün mit hellen und dunklen Längsstreifen und dunklem Kopf. Die Verpuppung erfolgt im Boden. Zur Massenvermehrung kommt es an Kiefern bis zu einem Alter von 30 Jahren, wobei die Gradationen nach 3–4 Jahren meist durch eine Virusinfektion der Buschhornblattwespe zusammenbrechen.
Verwechslungsmöglichkeiten: keine.
Schadwirkung: Nadelverluste und ein erhöhtes Risiko des Befalls durch Sekundärschädlinge wie etwa Borkenkäfer.
Bekämpfung: Spritzung mit Insektiziden im Mai unmittelbar nach dem Auffinden der Afterraupen. Wirksam sind auch Viruspräparate. Die Männchen lassen sich mit Pheromonfallen überwachen.
Gespinstblattwespen

Acantholyda spp., Cephalcia spp.
Wirtsbäume: Schwarzkiefer, weitere Kiefernarten, Fichten.
Symptome: unterschiedlich große Gespinste mit reichlich Kot. An zweijährigen und älteren Nadeln (Cephalcia) oder ausschließlich an den diesjährigen Nadeln (Acantholyda). Bis Juli oder August hält sich in den versponnenen Säcken entweder eine einzelne oder mehrere Afterraupen auf.
Schädling: „Pflanzenwespen“; von Mai bis Juli oder August finden sich in den Säcken olivgrüne Afterraupen mit dunklen Streifen. Danach ziehen sie sich in die Bodenstreu zurück, wo sie zunächst als Vorpuppen ruhen.
Verwechslungsmöglichkeiten: an Kiefern keine, an Fichten allenfalls der Fichtennadelwickler.
Schadwirkung: je nach Art der Gespinstblattwespe fällt der Befall unterschiedlich stark aus. In jedem Fall wird der befallene Baum geschwächt und anfälliger für Sekundärschädlinge.
Bekämpfung: an kleinen Pflanzen und bei schwachem Befall lassen sich die Gespinste absammeln. Werden Insektizide eingesetzt, müssen sie rechtzeitig ausgebracht werden, denn später sind die Afterraupen durch das dichte Gespinst relativ gut geschützt.
Bildnachweise
- Blattwespen, Buschhornblattwespen und Gespinstblattwespen an Bäumen: linsepatron, CC BY 2.0, Quelle
- Kleine Fichtenblattwespe: Ralf Huber, CC BY 4.0, Quelle
- Kleine Fichtenblattwespe: Slimguy, CC BY 4.0, Quelle
- Lindenblattwespe: janetgraham84new, CC BY 2.0, Quelle
- Blattwespen: No machine-readable author provided. Svdmolen assumed (based on copyright claims)., CC BY 2.5, Quelle
- Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe: Sorneguer, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe: Susanne Primdahl, CC BY 4.0, Quelle
- Rote Kiefernbuschhornblattwespe: Père Igor, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Gespinstblattwespen: Beentree, CC BY-SA 3.0, Quelle
