Apfelblütenstecher
Der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum) ist ein Rüsselkäfer, dessen Larven die Blütenknospen von Apfel, Birne und anderen Obstbäumen zerstören. Woran Sie ihn erkennen und wann ein Eingriff sinnvoll ist.
Inhalt
Apfelblütenstecher – Schädling an Apfel, Birne und Quitte
(Anthonomus pomorum)
Der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum) ist ein Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer, dessen Larven sich in den Knospen von Obstbäumen entwickeln, vor allem am Apfelbaum, aber auch an Birnbäumen, Quitten oder Mispeln. Er ist ein bedeutender Schädling, Schaden richten vor allem seine Larven an.
Die ausgewachsenen Käfer sind etwa 3,5–4,5 mm lang, haben dunkle, braunrote Flügeldecken und ein Halsschild mit helleren Flecken. Wie alle Rüsselkäfer trägt der Apfelblütenstecher einen zu einem Rüssel verlängerten Kopf. Die Larven sind nur wenige Millimeter lang, weißlich gelb und beinlos.
Larve des Apfelblütenstechers in der Knospe

Die Larve des Apfelblütenstechers lebt in den Knospen und frisst sie aus. Die wichtigste Wirtspflanze ist der Apfelbaum, befallen werden aber auch Birnbäume, Quitten und Mispeln. Die überwinternden Käfer kommen im Frühjahr hervor, sobald es sich auf mindestens 10 °C erwärmt, und fliegen die Apfelbäume an. Zu dieser Zeit sind bereits Knospen vorhanden, von denen sich die Käfer ernähren. Die begatteten Weibchen legen 30 bis 80 Eier in noch geschlossene Knospen ab.
Die Larven schlüpfen schon nach einer Woche, entwickeln sich im Inneren der Knospe und fressen alles, was darin ist: Fruchtknoten, Staubblätter, Blütenblätter. Die befallenen Blüten öffnen sich deshalb nicht und sterben ab. Die Larven verpuppen sich in den vertrockneten Knospen, ab Mitte Mai schlüpfen die neuen Käfer. Der Apfelblütenstecher bildet nur eine Generation im Jahr, die aber erheblichen Schaden anrichten kann. Die Käfer fressen danach weiter, im Herbst verkriechen sie sich in den Boden oder unter die Rinde und überwintern dort.
Wissenswertes: wann der Apfelblütenstecher nützt

Interessant ist, dass der Apfelblütenstecher bei geringem Befall und reichem Blütenansatz im Garten sogar nützlich sein kann, weil er den Blüten- und damit den Fruchtansatz auf natürliche Weise ausdünnt. Sie müssen dann nicht selbst ausdünnen, damit der Apfelbaum alle Früchte tragen und versorgen kann.
Eine Behandlung lohnt sich daher vor allem in dem Jahr, das auf eine große Ernte folgt, oder wenn der Käfer im Vorjahr sehr zahlreich war.
Schäden an Knospen und Blüten des Apfelbaums

Der Apfelblütenstecher schädigt vor allem Knospen und Blüten. Die Blütenknospen entfalten sich nicht mehr, werden braun und sterben ab, Früchte können daraus nicht entstehen. Im Inneren der Blüten sitzen gelblich weiße Larven mit braunem Kopf, die Griffel, Staubblätter und die inneren Blütenblätter fressen.
Sind die Knospen erst einmal befallen, ist ihnen nicht mehr zu helfen. Eine Behandlung muss bereits zu Beginn des Knospenaustriebs erfolgen, wenn diese im sogenannten Mausohrstadium stehen – wenn es tagsüber 17 °C warm ist, und sie sollte wiederholt werden.
Leimringe gegen den Apfelblütenstecher
Den Apfelblütenstecher können Sie mit Leimringen abfangen, so wie viele andere Schädlinge auch. Leimringe bringen Sie an den befallenen Bäumen an, Käfer und Larven bleiben daran haften.
Eine weitere Möglichkeit ist, die Käfer auf Planen oder Folien abzuschütteln; ebenso lassen sie sich von Hand absammeln und mechanisch vernichten. Es genügt jedoch nie, sie nur hinter den Zaun zu bringen, sie kehren rasch zurück. Natürliche Feinde der Larven sind Schlupfwespen und Brackwespen.
Apfelbaum spritzen: Zeitpunkt und Mittel
Den Apfelblütenstecher können Sie mit zugelassenen Insektiziden behandeln – welches Präparat aktuell zulässig ist, prüfen Sie im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL; im Haus- und Kleingarten sind nur entsprechend zugelassene Mittel erlaubt. Eingesetzt werden müssen sie gleich ab Beginn der Knospenbildung, also ab dem sogenannten Mausohrstadium. Am besten spritzen Sie, wenn die Außentemperatur um 14 Uhr über 17 °C liegt. Die Käfer kommen aber auch bei niedrigeren Temperaturen hervor, deshalb sollte die Behandlung mindestens einmal wiederholt werden.
Kontrolle und Schadschwelle: wann sich das Spritzen lohnt
Die Käfer des Apfelblütenstechers fliegen vor allem von Bäumen am Waldrand, aus Parks und alten Alleen zu. Gärten in deren Nähe sind meist stärker befallen. Bevor Sie sich fürs Spritzen entscheiden, machen Sie eine einfache Kontrolle:
- Wann: vom Knospenaufbruch bis zum Grünknospenstadium.
- Wie: An fünf Bäumen sehen Sie insgesamt 100 Blütenknospen (Büschel) aus verschiedenen Teilen der Krone durch. Suchen Sie winzige Einstiche von der Eiablage, oft mit einem Tröpfchen Saft.
- Schadschwelle: Eine Spritzung ist sinnvoll, wenn Sie 15 oder mehr Einstiche bzw. Eier auf 100 Knospen finden und der Baum zugleich keinen starken Blütenansatz hat.
Abklopfen der Käfer ersetzt bei kleineren Bäumen das Spritzen. Am besten frühmorgens bei kühlem Wetter (unter 10 °C), wenn die Käfer klamm sind: Klopfen Sie kräftig mit einem in Stoff gewickelten Holzhammer auf die Äste über einer Plane. Wiederholen Sie das mehrmals während des Austriebs.
Fanggürtel aus Wellpappe oder Sackleinen befestigen Sie ab Juli an den Stämmen. Die Jungkäfer verstecken sich darunter auf der Suche nach einem Überwinterungsplatz. Im Herbst nehmen Sie die Gürtel ab und vernichten sie samt Inhalt.
Der Birnenknospenstecher, eine verwandte Art an Birnen, legt seine Eier schon im Herbst, im September und Oktober. Er schadet weniger, eine Bekämpfung ist nur ausnahmsweise nötig.
Verklebte und „verbrannte“ Knospen: Apfelblütenstecher oder Wickler?
Im Frühjahr zeigen sich an Apfel- und Birnbäumen zwei Arten geschädigter Knospen, die leicht verwechselt werden:
| Symptom | Verursacher | Was tun |
|---|---|---|
| die Knospe öffnet sich nicht, die Blütenblätter werden braun und sehen wie verbrannt aus („Gewürznelke“), innen eine weißliche, beinlose Larve | Apfelblütenstecher | Käfer abklopfen, Fanggürtel an den Stämmen, ggf. Spritzung beim Austrieb |
| Blätter und Knospen mit Gespinstfäden verklebt, innen eine grünliche oder bräunliche Raupe mit Beinen | Knospenwickler und Apfelschalenwickler, Frostspanner | verklebte Teile herausschneiden, Austriebsspritzung mit Öl gegen die überwinternden Stadien |
Der Knospenwickler hat mit wurmigen Äpfeln nichts zu tun, diese verursacht der Apfelwickler. Raupen an austreibenden Blättern beschreibt auch der Artikel über den Kleinen Frostspanner.
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Bildquellen: Foto: Mark Gurney, CC BY-SA 2.0
