Maulwurfsgrille: erkennen und bekämpfen
Ein unauffälliges, nachtaktives Insekt, das im Beet die Wurzeln von Jungpflanzen durchbeißt. Wann Sie nach Nestern suchen, wie Sie Maulwurfsgrillen mit Gläsern und einem Mistgraben fangen und was biologischer Pflanzenschutz bietet.
Die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa), regional auch Werre genannt, ist ein mit den Grillen verwandtes Insekt, das den größten Teil seines Lebens unter der Erde verbringt. Im Garten bekommt man sie selten zu sehen, ihre Arbeit erkennt man aber: Jungpflanzen, die morgens welk mit durchgebissener Wurzel daliegen, und flache Gänge dicht unter der Beetoberfläche. Am besten bekämpfen Sie die Maulwurfsgrille im richtigen Moment, nämlich im Juni, wenn in den Nestern die Eier liegen.
Wie die Maulwurfsgrille aussieht und wo sie lebt

- Größe: Eine erwachsene Maulwurfsgrille misst etwa 4–5 cm und gehört zu den größten Insekten im Garten.
- Farbe: braun, samtig behaart, die Vorderbrust ist von einem harten Schild bedeckt.
- Vorderbeine: kräftig, schaufelförmig, mit Zähnen. Sie erinnern an Maulwurfspfoten, daher der Name.
- Flügel: kurze Deckflügel und darunter häutige Flügel. In warmen Nächten kann die Maulwurfsgrille auch fliegen.
- Geräusch: An warmen Abenden im späten Frühjahr ist aus dem Boden ein anhaltendes, leises Schnurren zu hören. So locken die Männchen die Weibchen.
Die Maulwurfsgrille lebt in humosen, lockeren und tiefgründigen Böden, die eher warm und feucht sind. Am häufigsten ist sie in wärmeren und feuchteren Lagen: in Gärten mit bewässertem Gemüse, auf gedüngten Beeten, in Frühbeeten, rund um den Kompost und in feuchten Rasenflächen.
Die Maulwurfsgrille ist kein reiner Pflanzenfresser. Sie ernährt sich auch von Insektenlarven, Regenwürmern und anderen Wirbellosen. Die Schäden an Pflanzen entstehen aber vor allem dadurch, dass sie beim Graben ihrer Gänge und beim Nestbau Wurzeln durchbeißt, die ihr im Weg sind.
Das Jahr der Maulwurfsgrille
| Zeitraum | Was die Maulwurfsgrille tut | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| April–Mai | die erwachsenen Tiere werden nach dem Winter aktiv, paaren sich, abends ist das Schnurren zu hören | Fanggläser in die Gänge eingraben |
| Mai–Juni | das Weibchen baut in 10–20 cm Tiefe ein Nest und legt bis zu 350 Eier hinein | Nester suchen und ausgraben |
| Sommer | die Larven schlüpfen, bleiben anfangs beisammen und verteilen sich dann | weiter fangen, biologische Bekämpfung |
| September–Oktober | Larven und erwachsene Tiere suchen einen warmen Platz zum Überwintern | einen Graben mit strohigem Mist anlegen |
| Winter | Larven und erwachsene Tiere überwintern tiefer im Boden und im Mist | früh im Frühjahr den Mist aus dem Graben holen |
Die Larve entwickelt sich schrittweise zum erwachsenen Tier, und die gesamte Entwicklung dauert in der Regel länger als ein Jahr. Deshalb finden Sie im Garten gleichzeitig Maulwurfsgrillen in unterschiedlicher Größe.
Schäden erkennen

- Welkende Jungpflanzen ohne erkennbaren Grund. Die Pflanze lässt sich leicht herausziehen, und die Wurzel oder der untere Stängel ist durchgebissen. Am stärksten leiden Gemüsejungpflanzen (Tomaten, Paprika, Kohl, Salat, Gurken) und Sommerblumen.
- Flache Gänge. Dicht unter der Oberfläche verlaufen gewundene, etwa fingerbreite Gänge. Die Erde darüber ist angehoben und sackt nach dem Gießen ein.
- Kahle Stelle im Beet. Über dem Nest findet sich oft eine kreisrunde Fläche, auf der die Pflanzen abgestorben sind, weil die Maulwurfsgrille rund um das Nest die Wurzeln durchgebissen hat. Der Boden dort ist kahl und gut von der Sonne erwärmt.
- Löcher in Gurken und Kartoffeln, die auf dem Boden oder flach in der Erde liegen.
Ähnliches Welken von Jungpflanzen verursachen auch Drahtwürmer und Engerlinge. Diese legen aber keine Gänge dicht unter der Oberfläche an. Wenn Sie sicher sein wollen, scharren Sie die Erde um die welke Pflanze vorsichtig auf.
Maulwurfsgrillen bekämpfen
Mit einer einzigen Maßnahme werden Sie die Maulwurfsgrille nicht los. Es hilft eine Kombination mehrerer Methoden, verteilt über das ganze Jahr.
1. Nester im Juni ausgraben
Die wirksamste Maßnahme, denn mit einem Nest beseitigen Sie Hunderte künftiger Maulwurfsgrillen. Die Nester liegen meist an einer sonnigen, pflanzenfreien Stelle in 10–20 cm Tiefe. Achten Sie auf Gänge, die an einem Punkt zusammenlaufen, und auf kahle, kreisrunde Stellen im Beet. Das Nest ist eine Höhle von der Größe eines Hühnereis mit festen Wänden. Heben Sie es vorsichtig samt Erde aus und vernichten Sie die Eier.
2. Fanggläser
Graben Sie an Stellen, an denen sich Gänge kreuzen, Gläser mit glatten Wänden so ein, dass der Rand genau auf Höhe der Gangsohle liegt. Die Maulwurfsgrille fällt hinein und kommt nicht mehr heraus. Kontrollieren Sie die Gläser jeden Morgen. Das funktioniert vor allem im Frühjahr und Frühsommer, wenn die Maulwurfsgrillen am aktivsten sind.
3. Mistgraben im Herbst
Heben Sie im Herbst am Beetrand einen etwa spatentiefen und spatenbreiten Graben aus und füllen Sie ihn mit strohigem Mist. Der Mist zersetzt sich und erwärmt sich, und Maulwurfsgrillen samt Larven ziehen sich zum Überwintern hinein. Früh im Frühjahr, solange sie noch kältestarr sind, holen Sie den Mist heraus und sammeln die Maulwurfsgrillen ab. Den Mist können Sie danach auf den Kompost geben oder ins Beet einarbeiten.
4. Gang ausspülen
In die Öffnung eines Ganges kann man Wasser mit einigen Tropfen Spülmittel gießen. Die Maulwurfsgrille kommt meist an die Oberfläche, wo Sie sie absammeln. Das eignet sich für einzelne Stellen, nicht für das ganze Beet.
5. Jungpflanzen schützen
Wertvolle oder frisch gesetzte Jungpflanzen können Sie mit einem Schutz pflanzen, zum Beispiel im unteren Teil eines Plastikbechers ohne Boden oder in einem Rohrstück, das um den Wurzelballen gedrückt wird. So sind die Wurzeln in den ersten Wochen geschützt, bis sie kräftiger sind.
Biologische Bekämpfung und natürliche Feinde
Insektenpathogene Nematoden. Gegen die Maulwurfsgrille gibt es Präparate mit mikroskopisch kleinen Fadenwürmern der Gattung Steinernema. Die Nematoden spüren im Boden Larven und erwachsene Tiere auf, dringen in sie ein und töten sie. Menschen, Tieren, Regenwürmern und Pflanzen schaden sie nicht. Sie werden nach Anleitung mit dem Gießwasser ausgebracht, in feuchten und ausreichend erwärmten Boden, am besten abends oder bei bedecktem Himmel, weil Sonnenlicht und Trockenheit sie abtöten. Die besten Ergebnisse erzielen sie im Frühjahr und im Spätsommer, wenn junge Larven im Boden sind.
Natürliche Feinde. Maulwurfsgrillen werden von Maulwürfen, Eulen, Krähen, Saatkrähen und vor allem vom Wiedehopf gejagt. Der Maulwurf, den Sie wegen seiner Hügel nicht gern im Garten sehen, ist also einer der effektivsten Jäger der Maulwurfsgrille. Mehr darüber, wie Sie mit ihm auskommen, finden Sie im Artikel Maulwurf im Garten.
Zu chemischen Mitteln greifen Sie nur ausnahmsweise, mit einem vom BVL zugelassenen Mittel und genau nach Gebrauchsanleitung. Köder und Granulate gefährden auch Laufkäfer, Igel und andere Nützlinge. Eine Übersicht über schonende Methoden finden Sie im Artikel Pflanzenschutz im Garten.
Häufige Fehler
- Erst im Sommer anfangen. Im Juli sind die Larven über das ganze Beet verteilt. Der beste Zeitpunkt ist der Juni, wenn alle noch beisammen im Nest sind.
- Glas ragt über den Gang hinaus. Die Maulwurfsgrille geht darum herum. Der Rand muss bündig mit der Gangsohle abschließen.
- Mist bis zum Sommer im Graben lassen. Die Maulwurfsgrillen verteilen sich im Frühjahr wieder auf die Beete. Holen Sie den Mist früh heraus, solange es kalt ist.
- Frischer Mist direkt unter die Jungpflanzen. Warmer, feuchter Mist im Beet lockt Maulwurfsgrillen an. In einem Garten mit Maulwurfsgrillen verwenden Sie reifen Kompost.
- Nematoden auf trockenen Boden. Ohne Feuchtigkeit bewegen sie sich im Boden nicht und sterben schnell ab. Gießen Sie das Beet vor und nach der Ausbringung.
Häufige Fragen
Wie werde ich Maulwurfsgrillen los?
Graben Sie im Juni die Nester mit den Eiern aus (10–20 cm unter einer kahlen Stelle im Beet), fangen Sie im Frühjahr die erwachsenen Tiere mit Gläsern, die in die Gänge eingegraben sind, und legen Sie im Herbst einen Graben mit strohigem Mist an, aus dem Sie sie früh im Frühjahr absammeln. Ergänzend hilft die biologische Bekämpfung mit Nematoden.
Beißt die Maulwurfsgrille Menschen?
Wenn man sie unvorsichtig festhält, kann sie sich mit den Mundwerkzeugen wehren und zwicken, sie ist aber nicht giftig und für Menschen nicht gefährlich. Beim Absammeln genügen Handschuhe.
Wo kommt die Maulwurfsgrille vor?
Vor allem an warmen und feuchten Stellen mit lockerem, humosem Boden: auf bewässerten Gemüsebeeten, in Frühbeeten, am Kompost und in feuchten Rasenflächen.
Was schnurrt abends im Boden?
Das leise, anhaltende Schnurren aus dem Boden an warmen Abenden von April bis Juni stammt von den Männchen der Maulwurfsgrille. Es ist ein gutes Zeichen, dass sie im Garten vorkommen und dass es Zeit ist, Fanggläser vorzubereiten.
