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Kratzdistel (Cirsium): von der Ackerdistel bis zu den Zierarten

Stachelige Wiesenkräuter von der Ackerdistel bis zu den Zierarten fürs Beet — wie man Kratzdisteln erkennt, worin sie sich von den Ringdisteln unterscheiden und welche Arten im Garten Platz haben

Was ist eine Kratzdistel und wie unterscheidet sie sich von der Ringdistel

Stachelige Wiesenkräuter, Unkräuter und Zierpflanzen zugleich.

  • Standort: je nach Art trockene oder feuchte Böden.
  • Höhe: 0,2–1,5 m.
  • Blütezeit: Juni–September.
  • Vermehrung: durch Aussaat.

Die Kratzdistel, oft ungenau einfach Distel genannt, ist eine bekannte Pflanze mit stechenden Stacheln und wuchernden Wurzeln. Einige reizvoll blühende Arten werden als Zierpflanzen in Blumenbeeten und Steingärten verwendet. Alle Arten gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Der Unterschied zwischen beiden Gattungen ist dabei eindeutig und lässt sich an der abgeblühten Pflanze erkennen. Die Kratzdistel (Cirsium) hat einen Samenschopf aus gefiederten, verzweigten Haaren, die wie winzige Vogelfedern aussehen. Die Ringdistel (Carduus) hat einen Schopf aus einfachen, unverzweigten und rauen Haaren. Umgangssprachlich heißen außerdem auch die Mariendistel und die Silberdistel einfach Distel, sodass am Ende fünf verschiedene Gattungen denselben Namen tragen.

Ackerdistel oder Acker-Kratzdistel: welcher Name stimmt

Wer im Garten oder auf dem Feld nach der stacheligen Pflanze sucht, findet sie meist unter dem Namen Ackerdistel. Das ist der Alltagsname; botanisch heißt dieselbe Art Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense). Der Wortteil Kratz- weist auf die stechenden Blattränder hin, und die Gattung Cirsium umfasst daneben rund zwei Dutzend weitere Distelarten in Mitteleuropa.

Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), die häufigste Art

Die Acker-Kratzdistel ist eine ausdauernde Staude von 60 bis 150 cm Höhe, die man in Mitteleuropa auf Äckern, Brachen, Schuttplätzen und in vernachlässigten Beeten findet. Von den anderen Arten unterscheidet sie sich durch die kleinen hellvioletten Blütenköpfchen von nur 1,5 bis 2,5 cm Breite, die zu vielen in einem rispigen Blütenstand stehen und auffallend süß duften. Der Stängel ist nicht stachelig geflügelt, Stacheln trägt er nur an den Blatträndern. Sie blüht von Juni bis September.

Die Pflanze ist zweihäusig — männliche und weibliche Köpfchen wachsen auf getrennten Exemplaren, sodass nur ein Teil des Bestandes Samen bildet. Die eigentliche Stärke der Acker-Kratzdistel sind jedoch nicht die Samen, sondern waagerechte unterirdische Ausläufer: aus einem einzigen, wenige Zentimeter langen Wurzelstück wächst eine neue Pflanze, und die Wurzeln reichen über zwei Meter tief. Deshalb kehrt der Bestand nach einmaligem Ausreißen immer wieder zurück.

Im Garten kommt man ihr am besten mit Geduld bei: wiederholtes Abstechen oder Mähen kurz vor der Blüte zehrt die Reservestoffe in den Wurzeln nach und nach auf, während ein einmaliger Eingriff die Pflanze nur verjüngt. Die Samen mit ihrem Flugschopf trägt der Wind über Dutzende Meter, deshalb lohnt es sich, die Stängel vor der Reife abzuschneiden. Im Rasen ist eine dichte, geschlossene Grasnarbe die beste Antwort — wie ein solcher Rasen gelingt, beschreiben wir im Artikel Unkraut im Rasen.

Distelarten: Zierarten und Wildarten

Die Gattung Cirsium umfasst in Mitteleuropa rund zwanzig Arten, und sie unterscheiden sich stärker, als das stachelige Aussehen vermuten lässt: von der zwanzig Zentimeter kleinen, dem Boden aufsitzenden Rosette bis zu zwei Meter hohen Horsten auf der Feuchtwiese. Die folgende Übersicht beginnt mit den Arten, die sich in den Garten pflanzen lassen, und endet mit denen, die man vor allem in der Landschaft trifft.

Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare)

Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare) mit purpurroten Blütenköpfchen auf hohen Stielen

Eine heimische Art, die an Gewässern, auf Waldwiesen und in Niedermooren wächst. Für Gärten eignet sich die Sorte C. rivulare ‚Atropurpureum‘ (1,4 m hoch). An feuchten Standorten lässt sie sich gut mit anderen Wiesenstauden kombinieren und passt auch in blumenreiche Wiesen. Die purpurroten Blüten erscheinen im Juni und Juli, und wenn man die Pflanze nach der Blüte leicht zurückschneidet, kann sie im Herbst noch einmal blühen.

Sie ist die einzige Kratzdistel, die im Handel regelmäßig als Zierstaude angeboten wird. Anders als die meisten Verwandten sticht sie kaum — die Stacheln sind nur angedeutet — und sie breitet sich in der Pflanzung nicht durch Ausläufer aus, bleibt also dort, wohin sie gesetzt wird.

Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule)

Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule) mit grundständiger Rosette stacheliger Blätter und sitzendem Blütenköpfchen

Sie wächst an trockeneren Standorten und wird nur 20 cm hoch. Ihre Blätter sind fiederschnittig und stachelig gezähnt. Sie blüht von Juli bis September. Die Unterart C. acaule ssp. gregarium eignet sich für Steingärten.

Das Blütenköpfchen sitzt ohne Stiel direkt in der Blattrosette, daher der Name stängellos. In der freien Natur gehört sie zu den Kalkmagerrasen, und ihr Vorkommen gilt als Zeichen für ungedüngten, seit Jahren nicht umgebrochenen Boden. In den Steingarten passt sie an die volle Sonne und in ein durchlässiges, eher mageres Substrat.

Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare): Aussehen, Standort und Nutzen

Sie wächst auf steinigen und mäßig feuchten Böden und wird 60–120 cm hoch. Sie blüht von Juni bis September, ihre Blütenköpfchen (etwa 4 cm breit) sitzen zu ein bis drei an den Triebenden. Die Blätter sind unterseits grau filzig und laufen in einen langen Dorn aus. Die Blattoberseite ist von feinen Stacheln rau.

Es ist eine zweijährige Art: im ersten Jahr bildet sie nur eine grundständige Rosette, im zweiten Jahr treibt sie den Stängel, blüht und stirbt ab. Unterirdische Ausläufer hat sie nicht, sie breitet sich also nur über Samen aus und lässt sich im Garten einfach durch Ausstechen der Rosette entfernen.

Gerade bei der Gewöhnlichen Kratzdistel lohnt sich ein Wort zum Nutzen. Die großen Blütenköpfchen gehören zu den ergiebigsten Nektarquellen des Spätsommers und werden ausdauernd von Hummeln, Bienen und Schmetterlingen besucht; an den reifen Samen halten sich später die Distelfinken. Am Grundstücksrand oder in einer feuchteren, wilderen Gartenecke können ein paar Pflanzen deshalb durchaus ihren Platz haben.

Elfenbeindistel (Ptilostemon diacanthus, Cirsium diacanthum)

Elfenbeindistel (Ptilostemon diacanthus, Cirsium diacanthum) — niedrige Rosette stacheliger Blätter mit weißer Aderzeichnung

Sie wächst an trockenen Stellen und wird 5–20 cm hoch. Die rötlichen Blüten erscheinen im August. Die dekorative Rosette der stacheligen Blätter ist eindrucksvoll, nach der Blüte verliert die Pflanze allerdings ihr ansehnliches Aussehen.

Im Gartenhandel läuft sie auch unter dem älteren Namen Cirsium diacanthum; der deutsche Name Elfenbeindistel spielt auf die weiße Zeichnung der Blattadern an. Gepflanzt wird sie vor allem wegen dieser Rosette, in trockenen Boden und in die volle Sonne.

Wollkopf-Kratzdistel (Cirsium eriophorum)

Wollkopf-Kratzdistel (Cirsium eriophorum) — großes kugeliges Blütenköpfchen mit weiß-wolligen Hüllblättern

Eine zweijährige Art, 1 m hoch, blüht von Juli bis August. Sie wirkt auch während des Aussamens noch ordentlich. Sie hat purpurviolette Blüten und weiß-wollige Hüllblätter.

Die Blütenköpfchen sind die größten aller heimischen Kratzdisteln, kugelig und bis 7 cm breit. Die weiße Wolle, die sie umhüllt, gab der Art ihren Namen und bleibt auch nach der Blüte an der Pflanze — die trockenen Stängel werden deshalb für Wintersträuße verwendet. Sie wächst an sonnigen Rainen, auf Weiden und an steinigen Hängen.

Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum)

Die häufigste Kratzdistel feuchter Wiesen, Erlenbrüche und Quellfluren. Ausdauernd, 50 bis 150 cm hoch, mit weichen, nur schwach stacheligen Blättern — daher der Name Kohl-Kratzdistel; junge Blätter und Stängel wurden früher wie Gemüse gekocht. Sie blüht von Juni bis September mit gelblich weißen Köpfchen, die von auffälligen hellgelben Hüllblättern umgeben sind. Auf der Feuchtwiese bildet sie ausgedehnte Bestände und verträgt sich in der Blumenwiese gut mit Margeriten und Flockenblumen.

Sumpf-Kratzdistel (Cirsium palustre)

Eine schlanke zweijährige Art, die in Mooren und auf Feuchtwiesen über zwei Meter hoch wird. Sie ist leicht zu erkennen: der Stängel ist auf ganzer Länge von einem stacheligen Flügel gesäumt, und die kleinen purpurnen Köpfchen stehen dicht gedrängt in einem Büschel an der Spitze. Sie blüht von Juli bis September und gehört zu den wichtigen Nektarpflanzen feuchter Standorte.

Verschiedenblättrige Kratzdistel (Cirsium heterophyllum)

Eine Gebirgsart der Alpen und der höheren Mittelgebirge, hierzulande die schönste der ganzen Gattung. Sie wird 60 bis 120 cm hoch, hat große einzeln stehende purpurne Köpfchen und Blätter, die oberseits dunkelgrün und unterseits weiß filzig sind — daher der Name verschiedenblättrig. Sie sticht kaum. Sie blüht von Juni bis August und lässt sich in kühleren Gärten als Staude für feuchtere Böden ziehen.

Kratzdisteln im Garten: wohin sie passen und womit man sie düngt

In den Garten kommen aus der ganzen Gattung vor allem drei Arten: die Bach-Kratzdistel ‚Atropurpureum‘ ins feuchtere Beet oder an den Teich, die Stängellose Kratzdistel in den Steingarten und die Elfenbeindistel ins trockene Kiesbeet. Alle vertragen volle Sonne, und keine von ihnen leidet, wenn man sie ein Jahr lang vergisst — Kratzdisteln gehören zu den anspruchslosen Stauden.

Das Düngen darf deshalb sparsam ausfallen. Bei den Zierarten lohnt sich eine Gabe im Frühjahr, wenn die Pflanze austreibt: sie liefert Nährstoffe für die Knospenbildung und hilft, das Bodenleben rund um die Wurzeln wieder in Gang zu bringen. Ein langsam wirkender organischer Universaldünger ist für sie besser geeignet als schnelle Stickstoffgaben, nach denen die Kratzdistel weiche Stängel treibt und umkippt. Die Arten für Steingarten und Kiesbeet werden fast gar nicht gedüngt — in nährstoffreichem Boden verlieren sie die kompakte Form der Rosette.

Umgekehrt liegt der Fall bei der Acker-Kratzdistel im Beet oder im Rasen. Dort geht es nicht um die Ernährung einer einzelnen Pflanze, sondern darum, dass der Bestand ringsum dicht genug ist und sich die Nährstoffe zuerst holt. Ein regelmäßig gedüngter, geschlossener Rasen oder ein dicht bepflanztes Beet lässt der Ackerdistel deutlich weniger Raum als offener Boden.

Häufige Fragen zu Kratzdisteln

Ackerdistel oder Acker-Kratzdistel — was ist der Unterschied?

Keiner, es ist dieselbe Pflanze. Ackerdistel ist der Alltagsname, Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) der botanische Name der häufigsten heimischen Art.

Ist die Kratzdistel dasselbe wie die Ringdistel?

Nein. Die Kratzdistel gehört zur Gattung Cirsium, die Ringdistel zu Carduus. Am sichersten unterscheidet sie der Samenschopf: bei der Kratzdistel besteht er aus gefiederten, verzweigten Haaren, bei der Ringdistel aus einfachen und rauen. Umgangssprachlich heißt fast jede stachelige Pflanze Distel, auch Mariendistel und Silberdistel.

Wie wird man die Ackerdistel wieder los?

Durch wiederholtes Abstechen oder Mähen kurz vor der Blüte, wenn die Pflanze am wenigsten Reserven in den Wurzeln hat. Einmaliges Ausreißen genügt nicht — aus jedem verbliebenen Wurzelstück wächst eine neue Pflanze. Es hilft außerdem, den Boden nicht offen liegen zu lassen und einen dichten Bestand zu halten.

Welche Kratzdistel lässt sich im Garten pflanzen?

Am häufigsten die Bach-Kratzdistel ‚Atropurpureum‘ — eine hohe Staude mit purpurnen Köpfchen für feuchtere Böden, die sich nicht durch Ausläufer ausbreitet. In den Steingarten passt die Stängellose Kratzdistel, ins trockene Kiesbeet die Elfenbeindistel.

Sind Kratzdisteln gut für Bienen?

Ja, die Köpfchen der Kratzdisteln gehören zu den ergiebigen Nektarquellen der zweiten Sommerhälfte und werden von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen aufgesucht. An den reifen Samen fressen später die Distelfinken.

Ist die Kratzdistel essbar?

Die Kohl-Kratzdistel wurde früher als Blattgemüse gesammelt, junge Stängel der Gewöhnlichen Kratzdistel wurden nach dem Schälen ebenfalls gegessen. Giftig ist keine der heimischen Arten, sie wehren sich rein mechanisch mit Stacheln.