Ohrwurm: Schädling oder Helfer im Garten?
Ohrwürmer fressen nachts Blattläuse und sind im Obstgarten willkommen. An Dahlien, Erdbeeren oder aufgeplatzten Pfirsichen können sie aber Schaden anrichten. So siedeln Sie sie dorthin um, wo sie helfen.
Der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) hat im Garten einen doppelten Ruf. Ältere Gartenratgeber zählten ihn zu den Schädlingen und rieten, ihn zu fangen und zu vernichten. Heute sieht man das anders: Er ist ein Allesfresser, der große Mengen Blattläuse und andere kleine Schädlinge vertilgt, und in Obstanlagen wird er gezielt gefördert. Schaden richtet er vor allem an, wenn er sich massenhaft vermehrt oder weiche Blüten und verletztes Obst findet. Die Lösung ist deshalb nicht, Ohrwürmer zu töten, sondern sie dorthin umzusiedeln, wo sie Ihnen helfen.
Wie der Ohrwurm aussieht und lebt

- Größe und Farbe: 1–1,5 cm, schlanker brauner Körper, hellere Beine.
- Zangen am Hinterleibsende: beim Männchen deutlich bogenförmig gekrümmt, beim Weibchen fast gerade. Sie dienen zur Verteidigung und zum Festhalten der Beute. Menschen können sie leicht zwicken, giftig sind sie aber nicht.
- Nachtaktiv: Tagsüber verstecken sich Ohrwürmer in engen, dunklen und feuchten Spalten: unter Rinde, in hohlen Stängeln, zwischen Blütenblättern, in Rissen von Früchten, unter Steinen und Brettern. Zur Jagd kommen sie nachts heraus.
- Brutpflege: Das Weibchen legt die Eier in eine Kammer im Boden, bewacht und putzt sie und kümmert sich um die jungen Larven. Für Insekten ist das ein ungewöhnliches Verhalten.
Ohrwürmer lieben Feuchtigkeit. In feuchten Jahren und in dicht bewachsenen, oft gegossenen Gärten gibt es mehr davon.
Der Aberglaube, dass Ohrwürmer Menschen in die Ohren kriechen, hat keine reale Grundlage. Dunkle Spalten sucht er zwar, aber er hat keinen Grund, sich Menschen zu nähern.
Warum der Ohrwurm nützlich ist
Der Ohrwurm ist ein Allesfresser, und wenn er die Wahl hat, bevorzugt er tierische Nahrung. In einer Nacht kann er große Mengen Blattläuse fressen. Er jagt auch:
- Blattläuse an Obstbäumen, einschließlich der Blutlaus an Apfelbäumen,
- Eier und junge Raupen von Wicklern und anderen Schmetterlingen,
- Blattflöhe, Thripse, Spinnmilben und andere kleine Insekten,
- Insekteneier und tote Kleintiere.
In Obstanlagen gehören Ohrwürmer deshalb zusammen mit Marienkäfern, Schwebfliegen und Florfliegen zu den wichtigsten natürlichen Feinden der Blattläuse. Insektizide töten auch sie, und nach einer Spritzung kehren die Blattläuse oft schneller zurück als ihre Räuber.
Wo der Ohrwurm Schaden anrichtet
Wenn es viele Ohrwürmer und wenig Blattläuse gibt, wechseln sie zu pflanzlicher Nahrung. Typische Schäden:
| Pflanze | Was der Ohrwurm tut |
|---|---|
| Dahlien, Chrysanthemen, Astern | frisst Blütenblätter und Knospen an, die Blüten sind zerfranst und löchrig |
| Erdbeeren | knabbert im Frühjahr die Herzblätter an, frisst im Sommer Löcher in reife Früchte |
| Pfirsiche, Aprikosen, Zwetschgen | kriecht in Risse am Stiel und in von Vögeln oder Hagel beschädigte Früchte und vergrößert das Loch |
| Weinreben | beschädigt reifende Beeren in dichten Trauben |
| Gemüse | frisst bei Massenvermehrung junge Blätter von Salat, Kohl, Gurken und Keimlingen an |
| Obstbäume im Frühjahr | benagt austreibende Knospen |
Beim Obst muss man unterscheiden, wer mit dem Schaden angefangen hat. Eine gesunde Schale beißt der Ohrwurm meist nicht durch, er nutzt aber Risse oder Wunden von Wespen und Vögeln. Dabei kann er Sporen der Monilia-Fruchtfäule von Frucht zu Frucht tragen.
Blumentopf mit Stroh: Falle und Unterschlupf

Ohrwürmer suchen tagsüber einen trockenen, dunklen Unterschlupf. Das lässt sich in beide Richtungen nutzen: Sie von den Dahlien weglocken und sie zugleich dort ansiedeln, wo sie Blattläuse jagen.
- Nehmen Sie einen Tontopf mit 10–15 cm Durchmesser und stopfen Sie ihn mit Stroh, Heu oder Holzwolle aus.
- Die Füllung mit Draht oder Schnur sichern, damit sie nicht herausfällt.
- Den Topf mit der Öffnung nach unten so aufhängen, dass er einen Ast oder den Stamm berührt. Die Ohrwürmer müssen einen Weg hinein haben.
- In Dahlien und Erdbeeren setzen Sie die Töpfe als Falle ein: auf einen Stab zwischen die Pflanzen stecken.
- Morgens die Töpfe aus den Dahlien in einen Eimer ausschütteln und die Ohrwürmer in Obstbäume, an von Blattläusen befallene Sträucher oder in einen entfernten Teil des Gartens bringen. Oder gleich den ganzen Topf umhängen.
In den Obstbäumen lassen Sie die Töpfe den ganzen Sommer hängen. Die Ohrwürmer gewöhnen sich daran, darin zu wohnen, und gehen jede Nacht in der Krone auf Jagd. Im Winter abnehmen, die Füllung erneuern und im Frühjahr wieder aufhängen.
Weitere Unterschlüpfe für nützliche Tiere, wie Insektenhotels und Nistkästen, beschreiben die Artikel Nützlinge im Garten und Nistkasten.
Dahlien, Erdbeeren und Obst schützen
- Dahlien und Chrysanthemen: Töpfe mit Stroh zwischen den Pflanzen, tägliches Ausleeren. Um die Stäbe an den Dahlien können Sie einen Leimring oder einen Streifen Watte wickeln, über den die Ohrwürmer nicht zu den Knospen klettern.
- Erdbeeren: Früchte ernten, sobald sie reif sind. Bretter, Steine und Mulchreste aus dem Beet entfernen, unter denen sich die Ohrwürmer tagsüber verstecken. Stroh erst kurz vor der Reife unter die Früchte legen.
- Pfirsiche und Aprikosen: Das Aufplatzen der Früchte hängt mit unregelmäßigem Gießen und Trockenheit zusammen. Während des Fruchtwachstums regelmäßig gießen, aufgeplatzte und faulende Früchte sammeln und regelmäßig ernten.
- Obstbäume: Im Obstgarten lassen Sie die Ohrwürmer in Ruhe. Stören sie im Garten an einer bestimmten Pflanze, schneidet ein Leimring am Stamm sie ab, verhindert aber zugleich, dass sie zu den Blattläusen in die Krone gelangen.
- Gemüse: Beete nicht dauerhaft nass halten, morgens statt abends gießen. Dann finden Ohrwürmer tagsüber weniger feuchte Verstecke.
Häufige Fehler
- Gefangene Ohrwürmer ertränken. Damit verlieren Sie den günstigsten Helfer gegen Blattläuse. Bringen Sie sie in die Bäume.
- Insektizid wegen ein paar angefressener Blüten. Es trifft auch Marienkäfer, Schwebfliegen und andere Räuber, und die Blattläuse vermehren sich danach massenhaft.
- Dem Ohrwurm jedes Loch im Obst anlasten. Oft frisst er nur eine Frucht auf, die Vögel angepickt oder Wespen angefressen haben.
- Frei hängender Topf. Er muss einen Ast oder den Stamm berühren, sonst finden die Ohrwürmer nicht hinein.
Häufige Fragen
Ist der Ohrwurm ein Schädling?
Überwiegend nicht. Er ist ein Allesfresser und ein wichtiger Blattlausjäger, im Obstgarten ist er nützlich. Schaden kann er an Dahlien, Chrysanthemen, Erdbeeren und verletztem Obst anrichten, vor allem bei Massenvermehrung oder wenn ihm tierische Nahrung fehlt.
Wie werde ich Ohrwürmer in Dahlien los?
Stecken Sie zwischen die Pflanzen umgedrehte Töpfe mit Stroh oder Holzwolle auf Stäbe. Morgens ausschütteln und die Ohrwürmer in Obstbäume bringen. Um die Stäbe können Sie einen Leimring wickeln, damit die Ohrwürmer nicht zu den Knospen klettern.
Zwickt der Ohrwurm?
Wenn man ihn festhält, kann er mit den Zangen leicht zwicken. Das ist eher unangenehm als schmerzhaft, der Ohrwurm ist nicht giftig und überträgt keine Krankheiten.
Warum sind plötzlich viele Ohrwürmer im Haus?
Ohrwürmer suchen dunkle und feuchte Spalten, deshalb gelangen sie im trockenen Sommer oder im Herbst in den Keller, an Fenster oder in draußen getrocknete Wäsche. In der Wohnung vermehren sie sich nicht. Es genügt, sie nach draußen zu bringen und die Ritzen abzudichten, durch die sie hereinkommen.
