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Habichtskraut – Hieracium​: Arten für den Steingarten und Kleines Habichtskraut im Rasen

Niedrige winterharte Stauden mit behaarten Blättern und gelben oder orangefarbenen Blüten — Orangerotes Habichtskraut, Kleines Habichtskraut, Wald-, Zottiges und Traubiges Habichtskraut, ihre Pflege im Steingarten und was zu tun ist, wenn sich das Kleine Habichtskraut im Rasen ausbreitet

Was ist Habichtskraut: die Gattung Hieracium und ihre Gartenarten

Robuste Pflanze zur Bodendeckung im Steingarten und an sonnigen Hängen

  • Standort: vollsonniger Platz mit trockenerem und magererem Boden
  • Höhe: 10-40 cm
  • Blütezeit: Mai-September
  • Vermehrung: durch Aussaat oder Teilung

Die Gattung Hieracium aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) ist sehr umfangreich. Von mehr als tausend Arten einjähriger oder ausdauernder Kräuter sind für den Garten allerdings nur wenige von Bedeutung. Die im Folgenden genannten Arten sind niedrige winterharte Stauden, die sich durch die Bildung von Ausläufern, behaarte Blätter und kleine gelbe oder rötliche Blüten auszeichnen (sie erinnern an Löwenzahn).

Hieracium aurantiacum, das Orangerote Habichtskraut, ist in den Gebirgen Mitteleuropas, Russlands und Westasiens zu Hause. Von Juni bis August erscheinen an 20-40 cm hohen Stängeln Büschel orangefarbener Blütenkörbchen. Wenn sich die Pflanze ungestört ausbreitet, bildet sie einen großen dichten Teppich aus dunkel behaarten Blattrosetten. Da sie sich auch über Samen leicht ausbreitet, kann sie vor allem im kleineren Garten zu einem lästigen Unkraut werden.

Hieracium pilosella, das Kleine Habichtskraut, breitet sich nicht weniger stark aus, bildet aber bei einer Wuchshöhe von 10 bis 20 cm einen deutlich niedrigeren Bestand. Die hellgelben Blüten sitzen einzeln auf den Stielen und öffnen sich ab Mai und den ganzen Sommer über. Zierwert haben die Blätter, die besonders bei der Sorte ‚Niveum‘ auffallend silbrigweiß behaart sind.

Rotes Habichtskraut (Hieracium x rubrum), Standort im Steingarten und Vermehrung

Hohes beblättertes Habichtskraut mit einem einzelnen gelben Blütenkörbchen am Rand eines Gebüschs

Hieracium x rubrum unterscheidet sich im Aussehen kaum von H. aurantiacum, doch diese Kreuzung ist niedriger und weniger wüchsig. Die Blüten haben eine kräftigere dunkelorange bis purpurrote Färbung. Da die Blüten größtenteils steril sind, muss man keine so starke Ausbreitung befürchten wie beim Orangeroten Habichtskraut.

Alle genannten Habichtskräuter eignen sich hervorragend zur Bodendeckung an sonnigen und trockenen Stellen. Ideale Standorte sind Steingärten, Heideflächen, sonnige Hänge und Böschungen. Die besten Partner für Habichtskräuter sind robuste trockenheitsverträgliche Kleinsträucher – Lavendel, Ginster, Besenginster, dazu mittelhohe und hohe Gräser, denen die wuchsfreudige Staude nicht gefährlich wird.

Habichtskräuter lassen sich leicht durch Teilung vermehren. Hieracium rubrum muss durch Teilung vermehrt werden, wenn die Eigenschaften der Kreuzung erhalten bleiben sollen.

Die beste Zeit für die Teilung der Horste ist das zeitige Frühjahr oder gleich nach der Blüte. Eine Rosette mit einem Stück Ausläufer und Wurzeln wird von der Mutterpflanze abgelöst und direkt an den neuen Platz gesetzt; bis zum Anwachsen genügt Gießen, danach kommt sie allein zurecht. Weitere Tipps zur Gestaltung eines Trockenbeets finden Sie im Artikel über Steingartenpflanzen und über Stauden.

Orangerotes Habichtskraut (Pilosella aurantiaca) und seine Verwendung

Das Orangerote Habichtskraut wird in neueren botanischen Übersichten unter dem Namen Orangerotes Mausohrhabichtskraut (Pilosella aurantiaca) geführt, weil die Gruppe der Mausohrhabichtskräuter von den echten Habichtskräutern in eine eigene Gattung abgetrennt wird. Im Gartenhandel und in der Literatur hält sich aber weiterhin der eingeführte Name Hieracium aurantiacum, es handelt sich also um ein und dieselbe Pflanze.

Sie erkennen es untrüglich an der Farbe: Es ist die einzige verbreitete Staude mit ziegelorangen bis rostroten Blütenkörbchen, die zu fünft bis fünfzehnt in einem Büschel an der Spitze des behaarten Stängels stehen. Die Blätter bilden eine grundständige Rosette, sind ganzrandig, oberseits dunkelgrün und dicht mit langen dunklen Haaren besetzt. Es blüht von Juni bis August, an nährstoffreicheren Stellen auch ein zweites Mal im September.

Im Garten hat es einen zweifachen Nutzen. Im trockenen Kiesbeet, am Hang oder auf der Krone einer Trockenmauer wird daraus in zwei Saisons ein geschlossener Teppich, der den Boden hält und keine Bewässerung braucht. In ein gemischtes Staudenbeet passt es dagegen nicht — die Ausläufer wachsen zwischen die Nachbarn und ersticken schwächere Pflanzen. Wer es im Beet haben möchte, pflanzt es in einen eingegrabenen Eimer ohne Boden oder zwischen Rasenkanten, genau wie Minze.

In der Volksheilkunde wurde aus dem Kraut der Mausohrhabichtskräuter ein Tee zubereitet, dem eine harntreibende Wirkung zugeschrieben wurde. Heute ist das eher eine Randnotiz als eine Empfehlung — das Sammeln von Wildkräutern hat nur dort Sinn, wo man sich bei der Artbestimmung sicher ist.

Kleines Habichtskraut im Rasen und wie man es zurückdrängt

Das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella, heute auch Gewöhnliches Mausohrhabichtskraut, Pilosella officinarum) ist volkstümlich bekannt als Mausohr — nach den kleinen länglichen Blättern, die oberseits graugrün und unterseits weißfilzig sind. Im Rasen erkennt man es leicht: Es bildet flache grundständige Rosetten, aus denen über den Boden dünne oberirdische Ausläufer auslaufen, und darüber stehen einzelne hellgelbe Blütenkörbchen auf blattlosem Schaft.

In den Rasen gelangt es von selbst und immer an denselben Typ von Stelle: auf mageren, sauren, austrocknenden und lückigen Boden. Dort, wo die Grasnarbe dicht und gut versorgt ist, setzt sich das Kleine Habichtskraut nicht durch, weil es weder Konkurrenz noch Beschattung verträgt. Der Kampf gegen es besteht deshalb nicht darin, die Pflanze zu vernichten, sondern die Bedingungen zu ändern:

  • Rasenfilz ausharken und nachsäen. Das Vertikutieren im Frühjahr entfernt den Filz, in die ausgedünnten Stellen wird Rasensamen nachgesät, und das Kleine Habichtskraut verliert den offenen Boden, den es zum Anwachsen braucht.
  • Den pH-Wert anpassen. Das Kleine Habichtskraut ist ein typischer Zeiger für sauren Boden. Eine Bodenanalyse und gegebenenfalls eine Kalkung im Herbst verschieben den pH-Wert in den Bereich, der dem Gras zusagt und nicht ihm.
  • Regelmäßig düngen. Ein geschlossener und gut versorgter Rasen lässt ihm keinen Platz — es ist dasselbe Prinzip wie bei den übrigen Unkräutern im Rasen. Die Vorgehensweise finden Sie im Artikel über das Rasendüngen.
  • Mitsamt den Ausläufern ausreißen. In kleinem Umfang genügt das Ausstechen der Rosetten von Hand; es müssen aber auch die oberirdischen Ausläufer entfernt werden, weil aus jedem bewurzelten Ende eine neue Rosette wächst.
  • Nicht zu kurz mähen. Ein tiefer Schnitt schadet dem Gras und kommt dem Kleinen Habichtskraut entgegen, weil das Messer seine flachen Rosetten verfehlt. Eine Schnitthöhe von 4 bis 5 cm nimmt ihm das Licht.

Dieselben Bedingungen, die im Rasen dem Kleinen Habichtskraut zusagen, begünstigen meist auch Moos — wo beide auftreten, ist die Ursache praktisch sicher.

Weitere Habichtskraut-Arten: Wald-, Zottiges, Traubiges und Alpen-Habichtskraut

Neben den beiden Gartenarten wächst bei uns eine ganze Reihe wilder Habichtskräuter. Botanisch ist das eine sehr komplizierte Gruppe — Habichtskräuter vermehren sich auch ohne Bestäubung und bilden Hunderte geringfügig abweichender Formen, sodass die genaue Bestimmung selbst für Kenner eine harte Nuss ist. Vier davon begegnen Ihnen am häufigsten.

Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum)

Das häufigste Habichtskraut unserer Wälder, das in lichten Laubwäldern, an steinigen Hängen, auf Mauern und an Felsvorsprüngen wächst. Es hat eine auffällige grundständige Rosette aus herzförmig-eiförmigen Blättern, oft mit dunkelvioletten Flecken, und daraus wächst ein 20 bis 60 cm hoher Stängel mit mehreren kleinen hellgelben Blütenkörbchen. Der Stängel ist meist blattlos oder trägt ein einziges Blatt. Es blüht von Mai bis Juli.

Zottiges Habichtskraut (Hieracium villosum)

Zottiges Habichtskraut (Hieracium villosum) mit dicht weiß behaarten Blättern und gelben Blütenkörbchen zwischen Steinen

Eine Gebirgsart der Kalkrasen der Alpen, die von allen unseren Habichtskräutern die zierendste ist. Die ganze Pflanze ist dicht mit langen weichen weißen Haaren besetzt, wirkt dadurch silbrig, und die Blütenkörbchen sind für ein Habichtskraut ungewöhnlich groß — bis zu 4 cm breit. Sie wird 15 bis 40 cm hoch. Im Steingarten ist sie eine dankbare Art: Sie will volle Sonne, durchlässigen kalkhaltigen Boden und verträgt keine Winternässe am Wurzelhals, der man mit einer Schicht aus Splitt vorbeugt.

Traubiges Habichtskraut (Hieracium racemosum)

Traubiges Habichtskraut (Hieracium racemosum) mit beblättertem Stängel und gelbem Blütenkörbchen am Fuß eines Baumes

Eine Art trockener Eichenwälder, Waldsäume und Raine. Im Unterschied zum Wald-Habichtskraut hat es keine grundständige Rosette, sondern einen beblätterten Stängel — auf ganzer Länge trägt er längliche Blätter und verzweigt sich im oberen Teil zu einem lockeren traubigen Blütenstand mit mehreren gelben Blütenkörbchen. Es wird 40 bis 100 cm hoch und blüht spät, von Juli bis September.

Alpen-Habichtskraut (Hieracium alpinum)

Eine Pflanze der höchsten Lagen der Alpen, der Sudeten und der Karpaten. Sie ist niedrig, meist nur 5 bis 25 cm, ganz dicht behaart und trägt am Stängel ein einziges großes gelbes Blütenkörbchen mit dunklem behaartem Hüllkelch. Es wächst auf sauren Bergmatten und wird in hiesigen Gärten nur ausnahmsweise kultiviert — im Flachland fehlen ihm die Kühle und die lange Schneedecke.

Habichtskraut oder Löwenzahn? So unterscheidet man sie

Gelbes Blütenkörbchen, Milchsaft im Stängel und Samen mit Flugschirmchen haben beide, die Verwechslung ist also verständlich. Drei Merkmale unterscheiden sie:

  • Behaarung. Das Habichtskraut ist behaart — an den Blättern, am Schaft und am Hüllkelch. Der Löwenzahn ist kahl.
  • Blätter. Der Löwenzahn hat tief gezähnte bis fiederteilige Blätter, das Habichtskraut ganzrandige oder nur flach gezähnte.
  • Zahl der Blüten. Der Löwenzahn trägt auf einem hohlen blattlosen Stängel immer nur ein einziges Blütenkörbchen. Die meisten Habichtskräuter haben mehrere Körbchen am Schaft, beim Orangeroten Habichtskraut sind es im Büschel bis zu fünfzehn.

Ein praktischer Unterschied liegt auch im Verhalten: Der Löwenzahn hat eine kräftige Pfahlwurzel und treibt aus deren Rest wieder aus, das Habichtskraut breitet sich über den Boden durch Ausläufer und Samen aus.

Habichtskraut pflegen und düngen

Habichtskräuter gehören zu den anspruchslosesten Stauden überhaupt. Sie wollen volle Sonne, durchlässigen und eher mageren Boden und vertragen keine Staunässe; bei reichlicher Bewässerung und Düngung verlieren sie die kompakte Rosette, vergeilen und blühen schlechter. Für den Winter werden sie nicht abgedeckt, und Frost macht ihnen nichts aus.

Das Düngen darf deshalb sehr sparsam ausfallen — eine Gabe im Frühjahr, wenn die Pflanze austreibt. Ein langsam wirkender universeller organischer Dünger ist für sie besser geeignet als schnelle Stickstoffgaben: Er gibt die Nährstoffe nach und nach ab und belebt zugleich das Bodenleben im mageren Kiesbeet, wo davon sonst nicht viel vorhanden ist. Die Dosierung nach Flächengröße finden Sie in der Dosierungstabelle, das Prinzip der allmählichen Nährstofffreisetzung beschreibt die Seite über organischen Dünger.

Pflanzen im Topf und im erhöhten Steingarten melden sich früher zum Nachdüngen als die im Beet, weil sich die Nährstoffe im kleinen Substratvolumen schneller auswaschen. Aber auch dort gibt es keinen Grund, die Gabe zu erhöhen — dem Habichtskraut steht Hunger gut.

Häufige Fragen zum Habichtskraut

Ist Habichtskraut Unkraut oder eine Zierstaude?

Beides, je nachdem, wo es wächst. Im Steingarten, am trockenen Hang und im Kiesbeet ist es eine dankbare bodendeckende Staude. Im Rasen und im gemischten Beet verhält es sich wie Unkraut, weil es sich über oberirdische Ausläufer und Samen ausbreitet und schwächere Nachbarn erstickt.

Wie wird man das Kleine Habichtskraut im Rasen los?

Durch Änderung der Bedingungen, nicht nur durch Ausreißen. Das Kleine Habichtskraut wächst auf magerem, saurem und lückigem Boden, deshalb helfen Vertikutieren und Nachsaat, die Anpassung des pH-Werts nach Bodenanalyse, regelmäßiges Düngen und Mähen auf 4 bis 5 cm. Einzelne Pflanzen werden mitsamt den oberirdischen Ausläufern ausgestochen — aus jedem bewurzelten Ende treibt eine neue Rosette aus.

Ist Habichtskraut giftig?

Nein. Die Pflanze enthält einen Milchsaft mit Bitterstoffen, der bei empfindlicher Haut eine Reizung auslösen kann, zu den Giftpflanzen zählen die Habichtskräuter aber nicht. Das Kleine Habichtskraut wurde in der Volksheilkunde sogar zur Teezubereitung verwendet.

Wann blüht Habichtskraut?

Je nach Art von Mai bis September. Das Kleine Habichtskraut beginnt am frühesten, schon im Mai, und blüht durchgehend den ganzen Sommer. Das Orangerote Habichtskraut blüht von Juni bis August, das Traubige Habichtskraut erst von Juli bis September.

Wie vermehrt man Habichtskraut?

Am einfachsten durch Teilung der Horste im Frühjahr oder nach der Blüte — eine Rosette mit einem Stück Ausläufer und Wurzeln wird abgelöst und direkt gepflanzt. Arten mit Samen lassen sich auch aussäen, bei der Kreuzung Hieracium x rubrum hat das aber keinen Sinn: Ihre Eigenschaften werden nur durch Teilung weitergegeben.

Womit düngt man Habichtskraut?

Sparsam und am besten mit einem langsam wirkenden organischen Dünger, einmal im Frühjahr. Hohe Stickstoffgaben bekommen ihm nicht — die Pflanze vergeilt, verliert die kompakte Rosette und blüht schlechter. Im mageren Kiesbeet geht es eher um die Belebung des Bodens als um Ernährung im eigentlichen Sinn.