Pfirsichbaum schneiden: wann schneiden und wie die Kesselkrone aufbauen
Der Pfirsich trägt an den Trieben des Vorjahres, deshalb wird er jedes Jahr und kräftiger geschnitten als andere Obstbäume. Wann Sie anfangen, wie Sie Fruchttriebe erkennen, wie Sie eine Kesselkrone aufbauen und warum Sie Früchte ausdünnen sollten.
Schneiden Sie den Pfirsichbaum im Frühjahr, frühestens zu Beginn des Austriebs. Tragende Bäume erst im Stadium der rosa Knospe oder zur Blüte, wenn klar ist, welche Knospen Blütenknospen sind und wie viele die Spätfröste überstanden haben. Im Sommer wird der Schnitt ergänzt: bei jungen Bäumen im Juni, bei tragenden nach dem 20. August. Im Winter schneiden Sie den Pfirsich nicht, die Wunden heilen nicht und der Baum reagiert mit Gummifluss.
So wird geschnitten: Der Pfirsich trägt vor allem an einjährigen Trieben, älteres Fruchtholz stirbt ab. Lichten Sie deshalb jedes Jahr die Seitentriebe an den Leitästen auf einen Abstand von 10 bis 15 cm aus, kürzen Sie einen Teil auf fruchtende Zapfen mit Blütenknospen und einen Teil auf kurze Zapfen mit zwei Augen, aus denen die Triebe für das nächste Jahr wachsen. Abgetragene Triebe schneiden Sie heraus.
Wann den Pfirsichbaum schneiden
| Maßnahme | Wann |
|---|---|
| Pflanzung und Pflanzschnitt | Frühjahr, zu Beginn des Austriebs |
| Sommerschnitt der jungen Krone (1. und 2. Jahr) | Juni, ungünstig stehende Jungtriebe in der 2. Augusthälfte |
| Frühjahrsschnitt am jungen Baum | zum Austrieb |
| Frühjahrsschnitt am tragenden Baum | Stadium der roten bis rosa Knospe, spätestens zur Blüte |
| Einkürzen nicht abgeschlossener Jungtriebe | nach dem 20. August |
| Entfernen abgetragener Triebe | nach der Ernte, spätestens im Frühjahr |
| Verjüngung | Frühjahr nach dem Austrieb oder gleich nach der Ernte |
Der späte Frühjahrsschnitt hat auch einen praktischen Vorteil: In der Blüte sieht man gut, wo Fruchtansatz zu erwarten ist, und Triebe ohne Blüten oder mit erfrorenen Blüten können Sie stärker einkürzen.
Warum der Pfirsich anders geschnitten wird
Apfel oder Kirsche tragen jahrelang am selben Fruchtholz. Der Pfirsich nicht: Er blüht vor allem an den Trieben des Vorjahres, älteres Fruchtholz stirbt nach und nach ab. Ohne Schnitt wandern die Fruchttriebe Jahr für Jahr an den Kronenrand, die Krone verkahlt von unten, und die Ernte ist klein und hängt nur an den Astenden.
Der Pfirsich braucht außerdem sehr viel Licht. Deshalb wird er als Buschbaum mit Kesselkrone gezogen: Stamm 60 bis 80 cm, weit geöffnete Leitäste und kein Mitteltrieb. Eine Krone mit Mitteltrieb würde schnell eine zweite Etage bilden, die unteren Äste beschatten, und das Fruchtholz daran würde absterben. In sehr günstigen Lagen lässt sich der Pfirsich auch als Hohlkrone (siehe unten) oder als Palmette an der Wand ziehen. Die Formen vergleicht der Artikel Obstbaumformen.
So erkennen Sie die Knospen: Blatt- bzw. Holzknospen sind schlank und spitz, Blütenknospen rund und dick. An Pfirsichtrieben sitzen sie oft zu zweit oder zu dritt nebeneinander, die mittlere ist meist eine Blattknospe. An der Spitze jedes eingekürzten Triebs muss eine Blattknospe bleiben. Aus ihr wächst ein Jungtrieb, der die Früchte versorgt.
Pflanzschnitt
Am besten wachsen einjährige Okulanten mit eher dünnem Stämmchen und vielen Feinwurzeln an. Sie werden im Frühjahr gepflanzt und sofort kräftig eingekürzt, denn der Pfirsich hat wenig Reservestoffe und würde ohne Schnitt schlecht austreiben. Je nachdem, was das Bäumchen mitbringt:
- Stämmchen mit vorzeitigen Seitentrieben: Wählen Sie dort, wo die Krone entstehen soll, 3 bis 4 gut verteilte Triebe. Sind sie bleistiftstark, kürzen Sie den obersten auf 1 bis 2 Knospen und den untersten auf höchstens 4 Knospen, immer auf eine gut entwickelte, nach außen zeigende Knospe. Den Mitteltrieb schneiden Sie über dem obersten davon ab. Die übrigen Triebe entfernen Sie auf Astring.
- Schwache Seitentriebe: Kürzen Sie sie auf die unterste Knospe direkt am Stämmchen. Aus ihr wächst ein kräftigerer Trieb.
- Stämmchen ohne Seitentriebe: Kürzen Sie es über der Stelle der künftigen Krone ein und ziehen Sie die Leitäste aus den Knospen, die daraus austreiben.
- Bäumchen mit fertiger Kesselkrone aus der Baumschule: Lassen Sie 3 bis 4 Triebe stehen und kürzen Sie sie stark, den obersten auf höchstens 3 Knospen, den untersten auf höchstens 5 Knospen.
Warum im Frühjahr gepflanzt wird und wie Sie den Standort wählen, erklärt der Artikel Pfirsichbaum und Pfirsiche.
Sommerschnitt im 1. Jahr und Schnitt im 2. Jahr
1. Jahr: Sommerschnitt
Bei stark wachsenden und unregelmäßigen jungen Kronen ist im ersten Jahr der Sommerschnitt wichtig. Er lenkt das Wachstum, und Fruchtholz bildet sich schon im unteren Teil der Krone.
- Im Juni kürzen Sie die Verlängerungstriebe der Leitäste auf 20 bis 30 cm ein, auf ein nach außen zeigendes Blatt. Bringen Sie die Spitzen auf eine Ebene. Steht ein Jungtrieb aus einer tieferen Knospe günstiger, nehmen Sie diesen und schneiden den oberen weg.
- Die übrigen Jungtriebe kürzen Sie stärker, hinter dem 5. bis 6. Blatt, damit sie den Verlängerungstrieben keine Konkurrenz machen.
- In der 2. Augusthälfte schneiden Sie ungünstig stehende Jungtriebe heraus, vor allem solche, die steil ins Kroneninnere wachsen.
2. Jahr
- Kronen mit kurzem Zuwachs kürzen Sie im Frühjahr zum Austrieb wieder kräftig ein. Ein starker Schnitt fördert die Bildung neuer Triebe.
- Gut entwickelte Kronen: Kürzen Sie die Verlängerungstriebe der Leitäste auf 30 bis 40 cm, bei üppigem Wuchs auf bis zu 50 cm. Bei reichlich Fruchtholz weniger, bei schwachem mehr.
- Seitliches Fruchtholz, das nach außen wächst, lichten Sie zuerst auf einen Abstand von 10 bis 15 cm aus und kürzen es dann auf Zapfen mit zwei Augen.
- Anfang Juni kürzen Sie die stärkeren Jungtriebe in Verlängerung der Leitäste auf 30 cm, schwächere lassen Sie stehen. Ziel ist, dass sich jeder der 3 bis 4 Leitäste etwa 50 bis 60 cm vom Stamm entfernt gabelt.
- Im August schneiden Sie Jungtriebe heraus, die senkrecht in die Krone wachsen.
Fruchtholzschnitt am tragenden Pfirsichbaum
Ab dem 3. Jahr soll die Krone 6 bis 8 weit nach außen ausgebreitete Leitäste haben. Bei Sorten mit überhängenden Ästen, zum Beispiel ‚Redhaven‘, halten Sie die Leitäste etwas steiler. Erste Früchte bringt der Pfirsich schon im 3. Jahr an einjährigen Trieben. Schnitt im Frühjahr im Stadium der roten Knospe, Schritt für Schritt:
- Verlängerungstriebe der Leitäste um ein Drittel bis die Hälfte einkürzen. Schwach wachsende Sorten und Leitäste mit wenig Fruchtholz stärker, wüchsige weniger.
- Einjährige Seitentriebe auslichten auf einen Abstand von 10 bis 15 cm. Zu dicke, lange und verzweigte Triebe sowie zu kurze und dünne schneiden Sie ab oder kürzen sie tief ein.
- Die übrigen Triebe in zwei Gruppen teilen. Einen Teil kürzen Sie um etwa ein Drittel auf längere Fruchtzapfen mit mehreren Blütenknospen. Den Rest kürzen Sie auf kurze Zapfen mit zwei bis drei Knospen. Diese tragen in diesem Jahr nicht, aber aus ihnen wachsen die Triebe für das nächste Jahr.
- Triebe aus den kurzen Zapfen des Vorjahres: Den unteren Trieb kürzen Sie wieder auf einen kurzen Zapfen. Den oberen Trieb mit Blütenknospen kürzen Sie über den 3 bis 4 untersten Blütenknospen ein, einen oberen Trieb ohne Blüten schneiden Sie bis zum unteren Zapfen zurück.
- Immer die Spitze prüfen. Über der letzten Blütenknospe muss eine Blattknospe stehen bleiben.
- Abgetragene Triebe schneiden Sie nach der Ernte, spätestens im Frühjahr, bis zu einem jungen Trieb oder Zapfen an ihrer Basis zurück.
Weil am kurzen Zapfen gelegentlich eine Knospe nicht austreibt, ist es sicherer, Zapfen mit drei Knospen stehen zu lassen. Treiben alle aus, schneiden Sie den obersten Jungtrieb im August weg.
Um das 5. Jahr erreichen die Leitäste eine Länge von 120 bis 150 cm. Danach verlängern Sie sie nicht mehr, die Triebe an ihren Enden kürzen Sie wie das übrige Fruchtholz, ruhig mit 4 bis 6 Blütenknospen. Den Junischnitt macht man ab dem 3. Jahr in der Regel nicht mehr. Wichtig ist aber der Schnitt nach dem 20. August: Längere Jungtriebe, die ihr Wachstum noch nicht abgeschlossen haben, kürzen Sie auf 40 cm. Kürzere, bereits abgeschlossene Jungtriebe kürzen Sie nicht. Der Baum stellt so das Wachstum ein und legt mehr Blütenknospen an.
Wenn das Fruchtholz im unteren Kronenteil zu vertrocknen und nachzulassen beginnt, ist es Zeit für eine Verjüngung.
Hohlkrone und Langschnitt
Um die Lebensdauer von Pfirsichbäumen zu verlängern, empfiehlt sich eine Hohlkrone mit 3 bis 4 Leitästen und ein zurückhaltender Schnitt, der sogenannte Langschnitt (amerikanischer Schnitt). Er eignet sich dort, wo Pfirsiche gut gedeihen.
- 1. Jahr: kräftiger Pflanzschnitt im Frühjahr wie bei der Kesselkrone. Während der Vegetation entfernen Sie nur Jungtriebe, die senkrecht in die Krone wachsen.
- 2. Jahr: Im Frühjahr lichten Sie das Fruchtholz auf 15 cm aus. Die Leitäste kürzen Sie nicht, auch wenn sie unterschiedlich hoch sind. Ungünstige Jungtriebe schneiden Sie im August heraus.
- 3. Jahr: Leitäste weiterhin nicht kürzen, Fruchtholz auf 15 bis 20 cm auslichten. Einjährige Triebe werden überhaupt nicht eingekürzt. Unter dem Gewicht der Früchte neigen sie sich, und an der höchsten Stelle des Bogens oder an der Basis wächst ein neuer Jungtrieb, der im nächsten Jahr trägt. Den abgetragenen Trieb schneiden Sie nach der Ernte oder im Frühjahr bis zu diesem zurück.
- 4. bis 5. Jahr: Ist die Krone groß genug, leiten Sie die Leitäste im Juni auf einen nach außen wachsenden Trieb ab. So fördern Sie das Wachstum von Jungtrieben in den unteren Partien.
Beim Langschnitt ist rechtzeitiges Ausdünnen der Früchte noch wichtiger, sonst brechen die Triebe unter der Last.
Früchte ausdünnen
Selbst nach richtigem Schnitt setzt der Pfirsich in einem guten Jahr mehr Früchte an, als er versorgen kann. Bleiben alle hängen, werden sie klein und weniger aromatisch, und der Baum erschöpft sich.
- Wann: bald nach der Blüte, wenn die jungen Früchte etwa haselnussgroß sind.
- Wie viele stehen lassen: 2 bis 4 Früchte pro Trieb, 10 bis 15 cm voneinander entfernt. Entfernen Sie zuerst dicht gedrängte und beschädigte Früchte.
- Obergrenze: Auch ein gut gewachsener Pfirsichbaum im ertragreichsten Alter sollte nicht mehr als etwa 500 Früchte tragen.
Pfirsichbaum verjüngen
Der Pfirsich regeneriert sich gut und verträgt eine Verjüngung problemlos. Verjüngen Sie Bäume mit vernachlässigter oder erfrorener Krone und Bäume, bei denen im unteren Teil der Leitäste das Fruchtholz abgestorben ist. Die beste Zeit ist das Frühjahr nach dem Austrieb oder direkt nach der Ernte.
- In einer zu dichten Krone lassen Sie nur 4 bis 5 gut verteilte Leitäste stehen.
- Leitäste mit Fruchtholz kürzen Sie um ein Drittel bis die Hälfte, die Spitzen auf eine Ebene. Das Fruchtholz selbst möglichst nicht einkürzen, die Ernte bremst dann den starken Wuchs nach der Verjüngung.
- Im unteren Teil kahle Leitäste kürzen Sie tiefer, bis zu einer Verzweigung. Aus schlafenden Knospen wächst neues Fruchtholz.
- Im Juni korrigieren Sie den verjüngten Baum: Verlängerungen der Leitäste auf 40 cm kürzen, die übrigen Jungtriebe stärker, damit sie keine Konkurrenz machen.
Erfrorene Äste nach einem strengen Winter schneiden Sie erst im Frühjahr nach dem Austrieb, wenn sichtbar ist, wo gesundes Holz mit hellem, nicht gebräuntem Gewebe unter der Rinde beginnt.
Werkzeug und Schnittwunden
- Der Schnitt am Pfirsich muss immer glatt sein. Das Holz ist empfindlich gegen Quetschungen, schneiden Sie deshalb mit einer scharfen Bypass-Schere und glätten Sie Zapfen mit einem scharfen Gartenmesser (Hippe).
- Äste entfernen Sie auf Astring, ohne Stummel.
- Kleine Wunden werden nicht verstrichen, große glätten Sie und behandeln sie bei Bedarf mit einem Wundverschlussmittel.
- Befallene Triebe mit blasig aufgewölbten Blättern durch die Kräuselkrankheit oder vertrocknete Triebspitzen durch die Monilia-Spitzendürre entfernen Sie aus dem Garten, auf den Kompost gehören sie nicht.
Der Schnitt allein sorgt nicht für ein langes Pfirsichleben. Entscheidend sind auch Standort, Unterlage und Vorkultur, darüber schreiben wir im Artikel Pfirsiche.
Häufige Fehler
- Kein oder nur schwacher Schnitt. Die Fruchttriebe wandern an die Astenden, die Krone verkahlt von unten und die Früchte bleiben klein.
- Winterschnitt. Die Wunden heilen nicht, es entsteht Gummifluss und der Baum wird schwächer.
- Krone mit Mitteltrieb. Die obere Etage beschattet die untere, und das Fruchtholz unten stirbt ab.
- Trieb auf eine Blütenknospe gekürzt. Ohne Blattknospe an der Spitze wachsen die Früchte nicht aus und der Trieb vertrocknet.
- Alle Triebe tragen lassen. Ohne kurze Zapfen fehlen im nächsten Jahr neue Triebe.
- Kein Ausdünnen. Der Baum erschöpft sich an der Ernte, die Früchte sind klein und die Äste brechen.
Häufige Fragen
Wann schneidet man einen Pfirsichbaum?
Im Frühjahr, junge Bäume zu Beginn des Austriebs, tragende Bäume im Stadium der rosa Knospe bis zur Blüte. Im Sommer wird der Schnitt ergänzt, bei jungen Bäumen im Juni, bei tragenden nach dem 20. August. Im Winter schneiden Sie den Pfirsich nicht.
Kann ich den Pfirsichbaum im Herbst schneiden?
Gleich nach der Ernte können Sie abgetragene Triebe und Wasserschosse entfernen. Den eigentlichen Fruchtholzschnitt heben Sie sich aber für das Frühjahr bis zur Blüte auf. Wunden aus dem Spätherbst und Winter verheilen bis zum Frühjahr nicht.
Wie erkenne ich einen Fruchttrieb am Pfirsich?
Der Fruchttrieb stammt aus dem Vorjahr und hat runde, dicke Blütenknospen, oft zu zweit oder zu dritt neben einer Blattknospe. Triebe nur mit schlanken, spitzen Knospen sind Blatttriebe. Kürzen Sie den Fruchttrieb so, dass über der letzten Blütenknospe eine Blattknospe bleibt.
Wie viele Früchte sollte man am Pfirsichbaum lassen?
Nach der Blüte, wenn die jungen Früchte haselnussgroß sind, lassen Sie 2 bis 4 Früchte pro Trieb im Abstand von 10 bis 15 cm stehen. Ein ausgewachsener Baum sollte nicht mehr als etwa 500 Früchte tragen.
Warum trägt der Pfirsichbaum nur an den Astenden?
Weil er zu wenig geschnitten wurde. Der Pfirsich trägt an den Trieben des Vorjahres, und ohne jährliches Einkürzen auf Zapfen bilden sich neue Triebe nur an den Enden. Abhilfe schafft eine Verjüngung im Frühjahr nach dem Austrieb und danach ein regelmäßiger Fruchtholzschnitt.
