Baumschnitt: ein vollständiger Leitfaden zu Technik und Technologie
Der Baumschnitt ist ein wesentlicher Bestandteil der Gehölzpflege. Erfahren Sie, wie Sie den Schnitt korrekt ausführen, wann Sie eingreifen sollten, wie Sie Wunden behandeln und welche Schnittart für junge und ausgewachsene Bäume geeignet ist.
Warum Bäume überhaupt einen Schnitt benötigen — und was wir damit bezwecken

Baumschnitt
Bäume in ihrer natürlichen Umgebung (in unseren Verhältnissen meist im Wald) sind nicht auf den Schnitt angewiesen. Aus entwicklungsgeschichtlicher Sicht kennen sie ihn nicht und benötigen ihn auch nicht. Nicht mehr funktionstüchtige Äste werden von ihnen nach und nach selbst abgebaut, unterstützt durch die Beschattung der unteren Kronenbereiche durch benachbarte Bäume sowie durch die Aktivität verschiedener Mikroorganismen (vor allem Pilze). In der Krone verbleiben daher nur jene Äste, die einen effektiven Blattapparat tragen.
Kommt es zu ausgedehnteren Verletzungen (z. B. Astbrüchen durch Wind- oder Schneelast), kann es zu einer Infektion der Wunde durch holzzerstörende Pilze kommen. Je nach Vitalität des Baumes und Aggressivität des Erregers kann es entweder zur Bildung einer Höhlung oder sogar zum Absterben (statischen Versagen) des gesamten Wirtsbaumes kommen. Dies stellt jedoch im natürlichen Nährstoffkreislauf der Natur lediglich ein weiteres Glied in der Nahrungskette dar. Durch das Absterben schwächerer Bäume wird die Gemeinschaft des gesamten Bestandes gestärkt.
Eine etwas andere Situation ergibt sich bei Bäumen im anthropogenen Umfeld. Bäume wachsen hier nicht deshalb, weil sie geeignete Wachstumsbedingungen vorgefunden haben, sondern weil sie vom Menschen bewusst gepflanzt wurden. Die Entwicklung dieser Bäume und ihrer Bestände (Parks, Gärten, Alleen, stadtnahe Wälder usw.) kann daher nicht allein der natürlichen Sukzession überlassen werden. Wenn wir wirklich daran interessiert sind, bestimmte Bäume in gutem Zustand zu erhalten und dabei sicherzustellen, dass sie ihre Umgebung nicht gefährden, ist eine angemessene Pflege erforderlich. Dazu gehört auch ein fachgerechter Schnitt, der – insbesondere bei solitär wachsenden Exemplaren – auch das Fehlen des Einflusses des umgebenden Bestandes ausgleicht.
Der Baumschnitt ist eine der wichtigen Pflegemaßnahmen für Bäume in unserer Kulturlandschaft. Die Bedeutung des Schnitts lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
– Aufbau und Erziehung der Kronen junger Bäume zum Habitus des jeweiligen Taxons, – Pflege der Kronen ausgewachsener Bäume (Erhaltungsschnitte), – Formschnitt von Bäumen, – Gewährleistung der Betriebssicherheit in allen Altersstadien der Bäume, – Förderung der Blüten- und Fruchtbildung bei ausgewählten Baumtaxa, – Verbesserung der Holzqualität des Baumstammes, – Anpassung des Wurzelsystems der Bäume, ggf. Minderung der negativen Auswirkungen ihrer Einwirkung.
Was ein Arborist vor jedem Baumschnitt abwägen muss

Ein Schnitt wird von Bäumen stets als Verletzung wahrgenommen. Die Arbeit mit Bäumen, einschließlich ihres Schnitts, ist eine Arbeit mit lebenden Organismen. Auf der Grundlage von Kenntnissen aus der Baumbiologie muss jeder, der sich mit der Pflege von Gehölzen befasst, eigenverantwortlich entscheiden können, ob ein Baumschnitt im konkreten Fall notwendig ist oder nicht und in welchem Umfang er durchzuführen ist. Anschließend wählt er unter Berücksichtigung des verfolgten Ziels die optimale Schnittmethode. Dieser Entscheidungsprozess wird vor allem beeinflusst durch:
– die geforderte Funktion des Baumes am dauerhaften Standort (siehe Schnitttechnologie), – die biologischen Bedürfnisse des Baumes, – den aktuellen Gesundheitszustand, die Vitalität und die Betriebssicherheit des Baumes, – mögliche negative Folgen, die sich aus einem etwaigen Schnitt ergeben, z. B. ein erhebliches Ausmaß der Baumverletzung, eine dauerhafte oder vorübergehende Verringerung der Funktionsfähigkeit und Vitalität des behandelten Exemplars, eine Erhöhung der Kosten für seine weitere Pflege usw., – persönliche Kenntnisse und Erfahrungen mit der vorgeschlagenen Schnittmethode, – die technische und technologische Ausrüstung, die zur Verfügung steht, – konkrete organisatorische Aspekte, die mit dem Schnitt zusammenhängen, – Anforderungen anderer Fachbereiche und Meinungen der Öffentlichkeit, – die geltende Gesetzgebung.
Grundbegriffe: Astkragen, Schnitttrichter, Kallus und Wundholz

Astkegelstumpf (Keil des Astansatzes) ist eine visuell erkennbare Zone, die das Gewebe des Astes höherer Ordnung innerhalb des Gewebes des Mutterastes (bzw. des Stammes) begrenzt. Da das Gefäßsystem beider Teile an dieser Stelle nur durch Verdünnungen der Zellwände verbunden ist (es gibt keine Gefäße, die direkt vom Ast höherer Ordnung in den Ast niedrigerer Ordnung verlaufen), stellt die Grenze des Astkegelstumpfs einen der Schutzmechanismen dar. Im Falle der Trennung eines Astes bildet sich am Rand des Astansatzes eine Zone, die das Eindringen von Pathogenen durch den Astansatz in die verbleibenden Teile des Baumes erschwert.
Als Astring (Astkragen) wird die Verdickung des Astes an der Stelle seines Ansatzes am Mutterstamm bezeichnet. Es handelt sich um einen visuell erkennbaren Prozess der gegenseitigen Überlappung von Jahrringen, die durch die Tätigkeit des Kambiums im Gewebe des Astes höherer Ordnung und des Mutterastes an der Stelle des Astansatzes entstehen. Dank dieses sich jährlich wiederholenden Mechanismus „halten“ die Stämme fest aneinander. Jeder Ast wird während seines Wachstums in der Krone durch ein System aufeinanderfolgender Ast- (und Stamm-)kragen fixiert.
In der Astachsel, d. h. an der Kontaktstelle der Oberseite des Tochtertriebs mit dem Muttertrieb, wird durch das sekundäre Dickenwachstum beider Triebe deren Rinde nach oben gedrückt, und es entsteht der sogenannte Rindenrücken (Astkragenrücken). Die Bildung dieses Rückens weist auf eine statisch stabile Verzweigung hin, die wir als Zugverzweigung bezeichnen. Beim Schnitt darf dieser Rindenrücken des Astes weder entfernt noch verletzt werden.
Der Begriff Selbstreinigung des Stammes ist ein forstlicher Fachbegriff, der das Phänomen bezeichnet, bei dem durch die Beschattung der unteren Kronenpartien Äste absterben und abbrechen, die für den Baum nicht mehr effizient waren. An diesem Prozess sind verschiedene Mikroorganismen in erheblichem Maße beteiligt – vor allem saprophytische Pilze, die die Basen solcher geschwächter Äste infizieren und deren leichteres Abbrechen vom Stamm ermöglichen.
Einige Arten von Laubbäumen können aktiv Trennzonen bilden und junge Zweige abwerfen. Dieses Phänomen wird manchmal als Kladoptose bezeichnet. So findet man im Spätsommer und Herbst, vor allem unter Pappeln und Eichen, überwiegend zwei- bis dreijährige Triebe, die im Laufe des Jahres noch grün und funktionsfähig waren. Diese Bäume bilden an der Basis von Trieben mit einer Stärke von bis zu 0,5 cm unter einem bestimmten Winkel eine korkige Trennzone, über der sich der Trieb durch den Einfluss des Windes ablöst. Der Winkel der Trennzone korrespondiert mit dem Winkel des Astkragens.
Kallus und Wundholz sind Heilgewebe, die durch die Tätigkeit des Kambiums an den Wundrändern entstehen. Die Aufgabe dieser Gewebe ist die schrittweise Überdeckung der Wundoberfläche (also der Wundverschluss) sowie die Verhinderung des Eindringens von Luft und Pathogenen (insbesondere holzzersetzender Pilze) in das verletzte Holz. Nicht zuletzt besteht die Aufgabe dieser Gewebe auch in der Bildung neuer Gewebe, die die Funktion der durch den Schnitt verlorenen Gewebe ersetzen. Kallus ist ein Gewebe, das aus höchstens schwach verholzten Zellen besteht, die zur Teilung fähig sind und aus denen Adventivtriebe oder Adventivwurzeln entstehen. Nach und nach differenzieren sich diese Zellen jedoch, verholzen deutlich (lignifizieren) und übernehmen eine leitende, mechanische oder speichernde Funktion. Es entsteht Wundholz, das die durch den Schnitt entstandene Verletzung überwächst. Dieses Holz ist visuell sehr gut erkennbar.
Defekte der Baumverzweigung: Druckverzweigung, kodominante Triebe und mechanische Verletzungen

Defekte Astgabelung des Baumes
Die Entwicklung von Trieben in der Natur verläuft nicht immer nach den oben beschriebenen Regeln. Relativ häufig entstehen fehlerhafte Astgabelungen, die im Laufe der Zeit erheblichen Einfluss vor allem auf die Stabilität der Krone haben können. Diese instabilen Astgabelungen, die die Betriebssicherheit gefährden, können wir (besonders bei jungen Exemplaren in den ersten Jahren nach der Pflanzung am dauerhaften Standort) durch Schnitt relativ leicht beseitigen.
Zu den Defekten der Astgabelung gehören insbesondere: – Eingeschlossene Rinde, – kodominante Triebe, – mechanisch beschädigte Astgabelungen.
Eingeschlossene Rinde
Es handelt sich um einen Fall, bei dem das Kambium an der Stelle des Astansatzes aufgrund von Platzmangel nicht in der Lage ist, die Rinde in den Rindengrat zu drängen. Diese Rinde und die darüber liegende Borke wachsen anschließend zwischen beide Holzschichten ein – Holz des Stammes und Holz des Astes. Die Folge ist, dass der Ast nicht zuverlässig mit dem Stamm verbunden ist. Der Baum versucht, diese Äste durch kompensatorisches Wachstum an den Seiten der Gabelung zu stabilisieren. Es entsteht dabei eine typische Wulst an den Seiten einer solchen Gabelung.
Die Gefahr dieses Defekts liegt darin, dass seine eigentliche Ausprägung – das Auseinanderbrechen der Gabelung – oft erst viele Jahre nach ihrer Entstehung eintritt. Wenn eine solch fehlerhaft gegabelte Äste nicht so bald wie möglich nach ihrer Entstehung entfernt wird, ist es anschließend nicht möglich, sie auf irgendeine Weise zu behandeln, ohne eine umfangreiche Verletzung zu verursachen. Die einzige Möglichkeit, ihrem Abbrechen im höheren Alter vorzubeugen, ist die Installation einer Sicherheitsverankerung. Damit werden jedoch nur die Folgen, nicht aber die Ursache behoben. Die einzige Möglichkeit, der Entstehung von eingeschlossener Rinde vorzubeugen, ist ein regelmäßig wiederkehrender Erziehungs- und Pflegeschnitt sowie eine regelmäßige Kontrolle der sich entwickelnden Kronen.
Eingeschlossene Rinde kann aus mehreren Gründen entstehen: 1. genetische Veranlagung – dies betrifft einige Taxa mit schmalem, säulenartigem Wuchs, aber sehr häufig bilden auch einige quirlartig verzweigte Linden (z. B. die Silberlinde) eingeschlossene Rinde mit einem überwiegenden Anteil dieser Verzweigungsart in der Krone. Die genetisch bedingte Bildung von eingeschlossener Rinde ist der Grund für nur einen geringen Prozentsatz der behandelten Fälle. 2. Platzmangel im Verzweigungsbereich – dieser Fall betrifft meistens solitär wachsende Bäume ohne angemessene Pflege. Ausreichend belichtete Äste entwickeln sich und verdicken sich in kleinen Abständen, wobei die Entstehung fehlerhafter Verzweigungen unter diesen Bedingungen ausschließlich durch den Mangel an Raum für das Dickenwachstum bedingt sein kann. 3. Unterdrückung der apikalen Kontrolle – die Kronenform vor allem junger Bäume wird maßgeblich durch die Existenz und das Wachstum des Gipfeltriebs (terminalen Triebs) geprägt. Wenn dieser beschädigt oder entfernt wird, gerät das Gleichgewicht der Phytohormone aus dem Gleichgewicht (Verringerung des Auxinanteils) und es können Wachstumsstörungen auftreten. Die häufigste Störung ist, dass Seitenäste ihren plagiotropen Wuchs verlieren und beginnen, sich in die Rolle des Gipfeltriebs aufzurichten. Infolge der Verringerung des Astansatzwinkels kann es dann leicht zur Entstehung von eingeschlossener Rinde kommen. Das Entfernen von Gipfeltrieben bei jungen Bäumen im Rahmen des Pflanzschnitt ist aus diesem Grund ein grober technologischer Fehler.
Kodominante Triebe
Es handelt sich um eine Verzweigung des Wachstumsscheitels in zwei Triebe mit gleicher Dominanz. Die endgültige Stellung der miteinander konkurrierenden Triebe erinnert an eine Gabel – daher sprechen wir oft von der sog. gabelförmigen Verzweigung. Im Grunde handelt es sich nicht um eine typische fehlerhafte Verzweigung, obwohl der Baum hier keinen Astring bildet, im Gegensatz zu anderen Verzweigungen mit unterschiedlicher Dominanz. Wichtig ist jedoch die Tatsache, dass infolge des geraden Aufwärtswachstums beider Teile der kodominanten Verzweigung zwischen ihnen sehr häufig die oben beschriebene eingeschlossene Rinde entsteht.
Die Tatsache, dass sich am Astansatz keine Schutzzone des Astes bildet, bedeutet, dass nach dem Entfernen eines der Triebe ein erhöhtes Risiko einer Wundinfektion besteht. Der einzige Abwehrmechanismus, den der Baum an dieser Stelle aktivieren kann, ist die Kompartimentierung (Prozess der Bildung von Schutzbarrieren im Holzteil des Stammes – siehe CODIT), bzw. im Fall einiger Nadelbäume das Harzfließen. Daher ist es unbedingt erforderlich, diese Verzweigungen im möglichst jungen Alter des Baumes zu korrigieren, wenn seine Vitalität am stärksten ist und er in der Lage ist, auf Verletzungen effektiv zu reagieren. In diesem Zeitraum ist die verursachte Wunde am kleinsten und ihr Verschluss durch Kallus (Wundholz) erfolgt ebenfalls relativ schnell. Die Entfernung starker kodominanter Äste ist immer sehr problematisch. Durch Schnitt kann man nicht vollständig einen der Triebe entfernen, da sonst an der Verletzungsstelle eine offene Höhlung entstehen würde. Die einzige Möglichkeit der Stabilisierung besteht (abgesehen von der Installation einer Sicherheitsverankerung) in einem über mehrere Jahre schrittweise durchgeführten Reduktionsschnitt des kodominanten Astes, der entfernt werden muss.
Mechanisch beschädigte Astgabelungen
Riskant sind mechanische Verletzungen, die an Verzweigungsstellen entstehen, insbesondere bei Gerüstästen. Das Abreißen der Rinde und das Absterben von Geweben können eine Schwächung des Astes infolge gestörter Kommunikation mit den übrigen Teilen des Baumes verursachen. Bedeutsam ist auch das Absterben des Kambiums an der Verletzungsstelle und das daraus resultierende Defizit im Dickenwachstum. Einen wesentlichen Einfluss auf die Kronenstabilität hat der Verlauf der Infektion und die Entstehung von Hohlräumen an diesen Stellen als Folge früherer Verletzungen. Die Folge sind wiederum statische Versagen von Ästen und Kronenteilen.
Wie man den Schnitt richtig führt: lebende Äste, tote Äste und drei Arten der Schnittführung

Schnitttechnik
Das Ziel der Schnitttechnik ist die Wahl der Art der Schnittführung zum richtigen Zeitpunkt und an der richtigen Stelle (nicht zuletzt auch die geeignete Behandlung der Schnittwunden). Die Schnitttechnik stützt sich auf Erkenntnisse aus dem Studium der Biologie von Gehölzen. Beim Schnitt müssen folgende Punkte beachtet werden: – Schnittführung, – maximale Größe der entstehenden Wunden, – Schnittzeitpunkt, – Behandlung der Schnittwunde.
Schnittführung
Der Schnitt oberirdischer Teile erfolgt in der Baumkrone, wo zwei unterschiedliche Typen von Ästen entfernt werden: – lebende Äste, – tote (dürre) Äste.
Schnitt lebender Äste
Werden beim Schnitt lebende Äste entfernt, muss der Schnitt mit Blick auf die Unterstützung des natürlichen Abwehrsystems und der Schutzzone des Astansatzes des Baumes durchgeführt werden. Wenn wir den Tochterast so entfernen, dass der Astring des Mutterasts nicht verletzt wird, verhindern diese beiden Mechanismen relativ zuverlässig (selbstverständlich zuverlässig aus der Sicht natürlicher Systeme) das Eindringen von Pathogenen (insbesondere holzzerstörenden Pilzen), die frische Wunden besiedeln. Wird jedoch der Mutterast verletzt (was beim Schnitt hinter den Astring eintritt), reicht die Schutzzone seines Astansatzes für eine aktive Abwehr nicht mehr aus, und der Baum muss weitere Abwehrmechanismen aktivieren – die allerdings nicht immer gleich effektiv sind. Aus diesem Grund kommt es im Laufe der Zeit zur Ausbreitung von Pathogenen in das Holz des Mutterasts und nach einigen Jahren auch zur Entstehung von Hohlräumen.
Das Entfernen lebender Äste stellt stets eine Belastung des Energiesystems des Baumes dar, da es nicht nur zu einer Reduzierung der Energie produzierenden Assimilationsfläche (der Blätter am entfernten Ast) kommt, sondern auch zu einer Verletzung, die energieintensive Abwehrreaktionen auslöst. Es ist daher notwendig, möglichst wenig Astvolumen zu entfernen, das für die Erreichung des gewünschten Schnittzwecks erforderlich ist.
Ein ähnliches Infektionsrisiko der Schnittwunde wie beim Schnitt kodominanter Triebe tritt auch beim Schnitt des Terminaltriebsauf. Auch hier gilt, dass dieser Schnitt nur bei jungen Bäumen durchgeführt werden sollte; das grundlose Entfernen des Terminaltriebsbei ausgewachsenen Exemplaren ist ein grober technologischer Fehler. Dennoch befinden wir uns in manchen Fällen in einer Situation, in der wir auch einen relativ starken Gipfeltrieb entfernen müssen. Dies betrifft Reduktionsschnitte an Kronen ausgewachsener Bäume, deren Äste in Gebäude, Leitungen, elektrische Freileitungen, Verkehrszeichen, öffentliche Beleuchtung usw. hineinragen. Beim Reduktionsschnitt des Gipfeltriebsgilt der Grundsatz, dass er auf einen Seitentrieb zurückgeschnitten wird, dessen Durchmesser mindestens ein Drittel (besser die Hälfte oder mehr) des Durchmessers des zu entfernenden Gipfels beträgt.
Sehr häufig kommt es vor, dass wir zwei dicht beieinander wachsende Äste entfernen müssen, die gegebenenfalls aus derselben Stelle herauswachsen. In einem solchen Fall entfernen wir jeden der Stämme am Astring, wodurch zwischen ihnen ein Teil des Mutterasts unversehrt bleibt. Wir schaffen damit zwischen diesen beiden Wunden eine sogenannte Rindenbrücke, die die Überwallung der verursachten Wunden beschleunigt.
Schnitt toter Äste
Eine andere Situation tritt beim Schnitt toter (dürrer) Äste auf. Nach dem Absterben eines Astes wird die Schutzzone des Astansatzes am Mutterast aktiviert. Gleichzeitig – da der tote Ast nicht mehr sekundär verdickt – beginnt seine Basis durch das jährliche Dickenwachstum des Mutterasts zu überwallen. In dieser Phase ist es notwendig, den toten Ast zu entfernen, damit die entstandene Wunde schnell durch Wundholz verschlossen werden kann. Tote und absterbende Äste müssen daher so nah wie möglich am Rand des lebenden Gewebes an der Basis des Astansatzes des Mutterasts geschnitten werden. Das lebende Gewebe des Mutterasts darf dabei keinesfalls beschädigt werden! Die Überwallung im Bereich des Astansatzes wird in keiner Weise geformt oder angepasst.
Das Entfernen toter (dürrer) Äste aus der Baumkrone ist sehr wichtig, vor allem aus Gründen der Betriebssicherheit. Andererseits kann das Entfernen dürrer Äste in manchen Fällen kontraproduktiv sein. Dies betrifft vor allem Fälle, in denen wir alte Bäume in der Landschaft behandeln, die aufgrund ihres Alters und der großen Menge an totem Holzmaterial (das oft bereits zerfallen oder im Zerfall begriffen ist) einen einzigartigen Lebensraum für viele weitere Organismen darstellen, die auf das Leben in dieser Umgebung angewiesen sind.
Typen der Schnittführung
In der Praxis können wir bei lebenden und toten Ästen auf drei Typen der Schnittführung treffen: – Parallelschnitt (sog. „Lecker“), – „Kleiderhaken“, – Schnitt am Astring.
Der „Lecker“ ist ein schlecht ausgeführter Schnitt, der bis hinter den Astring und sehr häufig auch in den Astkamm (den er zerstört) eindringt und das Holz des Astes, den wir erhalten möchten, gewaltsam verletzt. Dieser ist dann dem negativen Einfluss der äußeren Umgebung und dem Infektionsdruck von Pathogenen ausgesetzt. Nadelbäume bilden keinen Astring aus; hier muss der Schnitt daher tatsächlich parallel zum Stamm oder zum Mutterast geführt werden (in diesem Fall sprechen wir jedoch nicht im eigentlichen Sinne von einem „Lecker“).
Schnittführung parallel zum Stamm („Lecker“)
Der „Kleiderhaken“ entsteht bei einem Schnitt, bei dem der Tochterast nicht vollständig entfernt wurde und sein größerer oder kleinerer Teil verbleibt und damit die Überwallung der Wunde durch Wundholz bremst. Darüber hinaus ist der verbleibende abgestorbene Astteil ein Einfallstor für Pathogene in den Bereich des Astansatzes.
Schnittführung mit Belassung des „Kleiderhakens“
Der Schnitt am Astring, bei dem der Schnitt genau an der Ansatzstelle des Tochterasts am Mutterast (bzw. am Stamm) geführt wird und vor dem Astkamm endet, sodass dieser zusammen mit dem Astring beim Schnitt nicht beschädigt wird, ist der derzeit empfohlene Schnitttyp, da er den natürlichen Aufbau des Baumes und die Biologie seines Wachstums und seiner Entwicklung respektiert.
Das Entfernen eines stärkeren Astes mit größerem Durchmesser, den wir beim Schnitt nicht bequem in unserer freien Hand halten können, kann nicht auf einmal, direkt am Astring, vorgenommen werden. Beim Schnitt könnte es zum Abreißen der Rinde oder sogar des Holzes des Mutterasts kommen, wodurch die Stelle, an der die Schutzzone des Astes gebildet wird, beschädigt oder sogar zerstört würde – ganz abgesehen von der mechanischen Beschädigung des Astholzes, das einem hohen Infektionsdruck durch Pathogene ausgesetzt ist. In einem solchen Fall wenden wir die „Drei-Schnitt-Methode“ an.
Größe der Schnittwunde und die Fähigkeit des Baumes zur Kompartmentalisierung

Größe der Wunde
Jeder Baum reagiert auf einen Schnitt (bzw. auf eine Verletzung) anders. Eine unterschiedliche Dynamik der Abwehrreaktion ist nicht nur zwischen Arten, sondern auch zwischen einzelnen Bäumen derselben Art zu beobachten. Die Dynamik der Reaktion wird von vielen Faktoren beeinflusst, insbesondere vom Alter, der aktuellen Vitalität des Individuums, dem Schnittzeitpunkt usw.
Einen wesentlichen Einfluss auf die Effizienz der Abwehrreaktion hat die Größe der beim Schnitt entstehenden Wunde. Besonders beim Entfernen starker Äste werden alte Jahresringe freigelegt, die physiologisch nicht mehr aktiv sind. Das Eindringen holzzerstörender Pilze durch diese Jahresringe ist dann deutlich einfacher.
Nach der sogenannten Hamburger Schnittmethode (Dujesiefken, 1991) können bei Bäumen mit guter Dynamik der Abwehrreaktion (Kompartmentalisierung) ohne erhöhtes Risiko Äste bis zu einer Schnittwundengröße von 10 cm entfernt werden, bei Bäumen mit schlechter Kompartmentalisierung hingegen nur bis zu 5 cm. Es handelt sich selbstverständlich um Richtwerte, die keinesfalls als stets gültige Regel verstanden werden dürfen.
Dujesiefken nennt folgende Beispiele von Gehölzen nach dem Typ der Abwehrreaktion:
gut kompartmentalisierende Gehölze – Ahorn, Buche, Eiche, Hainbuche, Linde
schlecht kompartmentalisierende Gehölze – Apfelbaum, Birke, Eberesche, Pappel, Rosskastanie, Kirsche (Gattung Prunus allgemein),
Ein weiterer Aspekt, den wir bei der Entscheidung über die Schnittgröße nicht unterschätzen dürfen, ist die Bildung von Kallus und Wundholz. Der Erfolg des Wundverschlusses nimmt mit zunehmender Wundgröße ab, bei großen Wunden kann es häufig nicht zu einer vollständigen Überdeckung der Oberfläche durch Kallus kommen. Es entstehen so offene Hohlräume.
Wann Bäume schneiden: Schnittzeitpunkt, Vegetationsruhe und blutende Bäume

Schnittzeitpunkt
Der optimale Zeitpunkt für den häufigsten Pflegeschnitt bei Bäumen ist die erste Hälfte der Vegetationsperiode – also der Zeitraum von etwa März bis Juni. Zahlreiche Autoren (Dujesiefken & Liese, 1989; Dujesiefken, 1991) geben an, dass der Baum in dieser Zeit die höchste Aktivität aufweist und daher am besten auf entstandene Wunden reagieren kann. In diesem Zeitraum ist sowohl die Kompartmentierungsfähigkeit als auch die Kallus- und Wundholzbildung am effektivsten.
Die Durchführung von Schnittmaßnahmen während der Wintermonate (Vegetationsruhephase) ist nicht ideal, weil: – bis zum Erwachen des Kambiums im späten Frühjahr die Wunden austrocknen und parenchymatische Zellen sowie das Kambium absterben und es zu einer sekundären Wundvergrößerung kommt, – während Sporen holzzersetzender Pilze bereits bei minimalen Temperaturanstiegen einfliegen und keimen, der Baum zum Erwachen der meristematischen Gewebe und zur vollen Aktivierung des Abwehrmechanismus eine unverhältnismäßig längere Periode warmer Tage benötigt, – aus rein betrieblicher Sicht es in der Winterperiode praktisch unmöglich ist, z. B. beim Pflegeschnitt, Äste mit verminderter Vitalität vom restlichen Kronenbereich zu unterscheiden.
Dennoch können Bäume in der Vegetationsruhephase durch Schnittmaßnahmen behandelt werden. Es handelt sich dabei insbesondere um Sicherheitsschnitte und einige Spezialschnitte, die in regelmäßigen Abständen die künstlich gebildete Sekundärkrone radikal reduzieren (z. B. Kopfschnitt, Zapfenschnitt oder Verjüngungsschnitt). In diesen Fällen überwiegt die Tatsache, dass ein erheblicher Teil der physiologisch aktiven Äste entfernt wird, welche im Falle eines ausgebildeten Assimilationsapparats einen spürbaren Energieverlust für den Baum darstellen würden. Um den Zeitraum der sekundären Wundvergrößerung zu minimieren, ist es empfehlenswert, diese Eingriffe in der zweiten Hälfte der Vegetationsruhephase durchzuführen.
Der am wenigsten geeignete Zeitpunkt für den Baumschnitt ist die Prädormanzphase und der Beginn der Vegetationsruhephase.
Ein viel diskutiertes Thema bleibt der Schnitt sogenannter „blutender“ Bäume, also Bäume mit starkem Frühjahrsfluss, zu denen z. B. Birken, Hainbuchen, Ahorne, Walnüsse u. ä. gehören. Die Meinungen über den geeigneten Jahreszeitpunkt für ihren Schnitt gehen auseinander, wobei in diesem Zusammenhang von zwei Theorien gesprochen werden kann.
Die erste und ältere Theorie geht davon aus, dass ein Schnitt zur Zeit des Frühjahrsblutens den Bäumen hohe Verluste an Reservestoffen verursacht, die in dieser Zeit von den Wurzeln, Stämmen und Skelettästen in den Kronenbereich transportiert werden, wo sie zur Bildung neuer Assimilationsorgane (Blätter) bestimmt sind. Aufgrund des Überdrucks in der Pflanze fließen diese Stoffe aus den Schnittwunden aus. Laut dieser Theorie verlieren die Bäume wichtige, energiereiche Stoffe für ihr Wachstum und ihre Entwicklung, und zudem heilen die entstandenen Wunden schlechter und langsamer. Die Vitalität der Bäume wird verringert und die Bäume werden deutlich geschwächt. Daher sollte der Schnitt nach dieser Theorie während der Vegetationsperiode durchgeführt werden, frühestens nach vollständiger Ausbildung des Blattapparats.
Die zweite Theorie geht davon aus, dass ein Schnitt zur Zeit des Frühjahrsblutens die Bäume nicht schwächt, weil der Verlust energiereicher Stoffe durch den Ausfluss aus den Schnittwunden im Verhältnis zur Gesamtmenge dieser Stoffe im Organismus nahezu vernachlässigbar ist. Die Bäume kommen mit dem Schnitt sogar besser zurecht, weil es dank des Blutens nicht zu einer Embolisierung der Gefäße kommt, die Schnittwunden nicht austrocknen und eine Infektion der Wunden durch Pathogene (insbesondere holzzersetzende Pilze) zu dieser Zeit praktisch unmöglich ist. Diese Auffassung setzt sich zunehmend durch, da viele Fälle bekannt sind, in denen eine Pflanze zu dieser Zeit durch Schnitt behandelt wurde, ohne später irgendwelche Anzeichen von Schäden zu zeigen. Wir wissen beispielsweise, dass der Schnitt von Weinreben jedes Jahr genau im Vorfrühling (I.–III.), also zur Zeit des starken Frühjahrsblutens, durchgeführt wird, ohne dass die Sträucher nennenswert leiden. Erfahrungen kennen wir auch aus dem Schnitt von Zierbäumen. So wird z. B. der Kopfschnitt von Ahornen an vielen Orten üblicherweise im Vorfrühling durchgeführt, ohne dass die Bäume durch den Verlust organisch reicher Stoffe im Blutungsfluss merklich leiden.
Wenn wir darüber sprechen, wann Bäume durch Schnitt zu behandeln sind, sollten wir auch darüber sprechen, wie oft der Eingriff wiederholt werden soll (in welchem zeitlichen Rahmen). In diesem Zusammenhang können wir eine einfache und logische Regel anwenden, die lautet: „Lieber häufig und wenig, als einmal und viel.“
Ab der Anlage einer qualitativ hochwertigen, für die jeweilige Art typischen Krone in der Ziergehölzschule behandeln wir den Baum in regelmäßigen Zeitabständen durch Schnitt. Die Länge dieser Zeitabstände hängt ab von:
– der gewählten Schnitttechnologie, – der Baumart, ihrem Alter, ihrer Vitalität und Betriebssicherheit, – dem Standort, an dem sich der Baum befindet (bedingt insbesondere durch die Anforderungen an sein ästhetisches Erscheinungsbild und die Betriebssicherheit).
Es lässt sich daher nicht allgemein genau festlegen, wie oft der Schnitt bei Bäumen zu wiederholen ist. Dennoch lässt sich zumindest modellhaft ein gewisser zeitlicher Rahmen zwischen den einzelnen Baumbehandlungen für die nachfolgend definierten technologischen Schnittgruppen bestimmen.
Behandlung von Schnittwunden: Anstriche, Fungizide und was wirklich funktioniert

Behandlung von Schnittwunden
Die Behandlung der Oberfläche einer Schnittwunde umfasst im Wesentlichen: – die mechanische Bearbeitung der Wundoberfläche, – die chemische Behandlung der Wunde.
Die Wunde nach dem Schnitt muss stets glatt sein, ohne eingerissene Holz- und Rindenteile. Dies lässt sich durch den Einsatz hochwertiger Sägen mit gut geschärfter Klinge oder durch hochwertige zweischneidige Scheren erreichen. Es ist möglich, die Wundoberfläche nach dem Schnitt mit einem scharfen Gartenmesser (Klappmesser) zu glätten. Unter Praxisbedingungen ist dieses Vorgehen jedoch nur ausnahmsweise anwendbar. Andererseits kann es sehr erfolgreich beim Erziehungsschnitt junger Bäume eingesetzt werden, bei denen die Anzahl der Schnittwunden nicht besonders hoch ist und der Schnitt sicher vom Boden aus oder allenfalls von einer Leiter aus durchgeführt werden kann. Eine glatte Wundoberfläche senkt nämlich das Risiko des Absterbens des Kambiums nach dem Schnitt auf ein Minimum und beschleunigt die Überdeckung der Wundoberfläche durch Wundholz.
Was die chemische Wundbehandlung betrifft, herrscht unter Fachleuten keine einheitliche Meinung. Man kann sogar sagen, dass die gesamte Fachwelt bereits seit geraumer Zeit nach wie vor nach einer Antwort sucht, ob und gegebenenfalls auf welche Weise diese Behandlung durchgeführt werden soll.
Die Tatsache, dass durch den Schnitt eine Verletzung entsteht, lädt geradezu zur Verwendung von „heilenden“ chemischen Mitteln aller Art ein. Die chemische Behandlung zielt daher vor allem auf die Verhinderung (oder zumindest Verlangsamung) des Eindringens von Pathogenen in die Wunde sowie – die Förderung der Kallus- und Wundholzbildung.
Für die chemische Wundbehandlung werden derzeit folgende Gruppen von Beschichtungsmitteln verwendet:
Penetrierende Mittel – Es handelt sich vor allem um synthetische Lasurfarben für Holz und darunter das am häufigsten verwendete Präparat Luxol, heute am besten in den Serien B (S1023) und S (S1025), das auch fungizide Präparate enthält. Diese Anstriche dringen in das Holz ein. Sie bilden daher keine undurchlässige Abdeckung der Wunde, wobei ihr Zweck darin besteht, das Holz in der Tiefe vor Beeinträchtigungen durch Pathogene zu schützen. Diese Anstriche werden ausschließlich zum Schutz von totem Holz verwendet, nicht von lebendem Holz, bei dem sie in lebende Zellen eindringen und diese abtöten. Dieser Anstrichtyp eignet sich daher ausschließlich für die Behandlung von Wunden an totem Holz oder bei der Konservierung von Hohlräumen, sofern dieser Anstrich nur auf totes Holz aufgetragen wird.
Deckende Anstriche – Hierbei handelt es sich vor allem um Ölanstriche (natürliche Firnisse und Firnisfarben), Wasser- und Emulsionsanstriche (z. B. Balakryl, Latex), aus im Ausland verwendeten Mitteln (deren Verwendung bei uns derzeit nicht zugelassen ist) dann Lacbalsam oder Santar SM (mit Phytohormon-Zusatz, der die Kallus- und Wundholzbildung fördert) u. a. Von unseren Mitteln enthält den Zusatz synthetischer Auxine der sogenannte Baumbalsamm. Diese Anstriche schützen die Wunde unmittelbar nach der Anwendung recht gut vor dem Austrocknen, verlieren jedoch nach einer sehr kurzen Zeit von wenigen Tagen (höchstens Wochen) nach und nach ihre Wirksamkeit, da sie durch Austrocknen aufspringen.
Kunstharze – Werden derzeit nicht zum Verschließen von Schnittwunden verwendet. Es handelt sich meist um eine Reihe von Epoxidharzen (z. B. CHS-Epoxy 300 AC u. a.). Harze bilden auf der Wundoberfläche einen undurchlässigen Film, der weder Licht noch Luft durchlässt. Die Bedingungen unter diesem Film begünstigen daher Pathogene weitaus mehr als den Abwehrmechanismus des Baumes. Darüber hinaus ist das Auftragen auf die Wunde äußerst schwierig.
Die ersten beiden Typen der verwendeten Mittel werden in der Regel noch mit Fungiziden kombiniert, die den Anstrichen zugesetzt werden. Es handelt sich entweder um fungizide Präparate in Pulverform oder um flüssige Präparate. Bei der Arbeit mit diesen Stoffen ist es notwendig, deren Anleitung und Wirksamkeit sorgfältig zu studieren und die vorgeschriebenen Hygienevorschriften zu beachten. Die Wirkung der Fungizide ist jedoch nur kurzfristig und kann ihr keine bedeutendere Funktion zugeschrieben werden.
Bei der Beurteilung der Wirksamkeit der chemischen Wundbehandlung lässt sich feststellen, dass die positive Bedeutung jeder Art von Anstrich nicht überzeugend genug ist, um das Verschließen von Wunden als eindeutigen technologischen Grundsatz beim Baumschnitt bezeichnen zu können. Dem positiven Effekt (Verringerung des Wundaustrocknens, ästhetischer Effekt) stehen auch einige Nachteile gegenüber. Zu nennen sind vor allem die erhöhten Kosten des Schnitts (insbesondere bei der Notwendigkeit, Wunden in den Randpartien der Krone zu verschließen) sowie häufige Versuche, durch das Verschließen einen schlecht geführten Schnitt zu verbergen. Daher lassen sich beide Meinungslager professioneller Baumpfleger akzeptieren – sowohl jene, die im Rahmen ihrer Methoden das Verschließen von Wunden mit deckenden Anstrichen durchführen, als auch jene, die das Verschließen von Wunden als unnötig ablehnen.
Erziehungsschnitte: Wie Sie die Krone eines jungen Baumes richtig formen

Schnitttechnologie
Die Schnitttechnologie entscheidet sowohl über die Durchführung des Schnitts im Hinblick auf Art, Altersstadium und Vitalität des Baumes als auch über die gewünschte Schnittfunktion in Bezug auf Standort und Zustand des Baumes. Man kann sagen, dass die Schnitttechnologie für jeden Baum völlig spezifisch ist. Für eine gewisse Vereinfachung und zur Beschreibung bestimmter allgemeiner Grundsätze ist es jedoch notwendig, in die verwendete Terminologie ein bestimmtes System einzuführen.
Daher unterteilen wir die einzelnen Schnittarten nach zeitlichen Gesichtspunkten und dem verfolgten Ziel in: – Aufbauschnitte, – Erhaltungsschnitte, – Sonderschnitte, – Fällung (Beseitigungsschnitt).
Als besonderen Bereich des Baumschnitts ist das sich derzeit entwickelnde Interesse an der Pflege seneszenter Bäume zu verstehen – die sogenannten „naturnahen“ Pflegearten von Bäumen.
Aufbauschnitte
Dabei handelt es sich um Schnitte, die bei jungen Bäumen in der Phase ihres intensiven Wachstums durchgeführt werden. Dazu gehören vor allem Schnitte, die bereits in der Baumschule bei der Kronenanlage vorgenommen werden. Darüber hinaus zählen dazu der Schnitt beim Pflanzen der Bäume am dauerhaften Standort sowie Schnitte, die die Krone des Baumes in die für das jeweilige Taxon oder den funktionalen Typ typische Wuchsform bringen. Aufbauschnitte werden am dauerhaften Standort bis etwa zum 15.–20. Lebensjahr des Baumes durchgeführt und gehen dann allmählich und fließend (je nach Taxon früher oder später) in Erhaltungsschnitte über. Zu den Aufbauschneiden gehören: – Kronenanlage des Baumes, – Ausgleichs- (komparativer) Schnitt, – Erziehungsschnitt.
Kronenanlage des Baumes
Eine qualitativ hochwertige Baumkrone wird am häufigsten in Baumschulen angelegt. Diesem Schnitt begegnet man in der Praxis nur selten. Wir wissen jedoch, dass beispielsweise bei der Pflanzung von Bäumen an Autobahnen, Wasserläufen, Teich- und Flussufern sowie bei der Bepflanzung von Biokorridoren usw. sehr häufig sogenannte Heister verwendet werden, also ein- bis zweijährige Bäume ohne Verzweigung und ohne angelegte oder herangezogene Krone. In einem solchen Fall muss die Krone des Baumes erst am dauerhaften Standort angelegt und in den folgenden Jahren durch intensiven Erziehungsschnitt gepflegt werden.
Ausgleichs- (komparativer) Schnitt
Ziel dieses Schnitts ist die Anpassung des Verhältnisses zwischen oberirdischem und unterirdischem Teil beim Pflanzen von Bäumen am dauerhaften Standort. Die Anpassung dieser beiden Teile des Baumes muss jedoch nicht nur bei der Pflanzung erfolgen. Dieser Schnitt wird auch dann angewendet, wenn beispielsweise durch Bauarbeiten ein Teil des Baumes (Wurzel- oder Kronenteil) erheblich beschädigt (oder sogar entfernt) wurde und die Gefahr besteht, dass auch der andere Teil infolge des oben genannten Stressereignisses geschädigt wird.
Wenn dieser Schnitt bei der Pflanzung durchgeführt wird, ist zu beachten, dass bei einer Herbstpflanzung mehr Äste in der Krone belassen werden können, während bei einer Frühjahrspflanzung der Kronenschnitt radikaler sein muss (es werden mehr Äste entfernt). Der Grund dafür ist die Notwendigkeit, die Entwicklung des Wurzelsystems gegenüber der Entwicklung des Assimilationsapparats sicherzustellen.
Erziehungsschnitt
Dieser Schnitt wird bei jungen Exemplaren in den ersten Jahren nach der Pflanzung am dauerhaften Standort durchgeführt, seltener nach einem Verjüngungsschnitt. Der Erziehungsschnitt wird in der Regel bis 10–15 (20) Jahre nach der Pflanzung vorgenommen, wobei er fließend in einen der technologischen Typen des Erhaltungsschnitts übergeht. Dieser Schnitt verfolgt folgende Ziele: – das für die Art charakteristische Kronenform des gepflegten Exemplars zu erreichen, die statisch stabil ist, und die Voraussetzungen für die Entwicklung der für das jeweilige Taxon typischen Krone zu schaffen, – Größe und Form der Krone an die funktionalen Anforderungen des Standorts anzupassen (z. B. durch Anpassung der Durchgangshöhe für Fußgänger bzw. Fahrzeuge).
Neben beschädigten und gegebenenfalls auch abgestorbenen Ästen müssen kodominante Verzweigungen, sich gegenseitig kreuzende Äste, Äste mit eingewachsener Rinde in der Achsel (Druckverzweigungen) usw. entfernt werden. Diese Schnittart ist von außerordentlicher Bedeutung, da wir hier die einzigartige Möglichkeit haben, ohne größere Verletzungen bis in die Skelettäste des Baumes einzugreifen. Es ist zu bedenken, dass die Form des Baumes und die Anordnung seiner Skelettäste nach dreißig und mehr Jahren in derselben Höhe und in einem ähnlichen Winkel verbleiben, wie wir sie heute sehen. Lediglich dort, wo wir heute einen kleinen Trieb (z. B. bis 2 cm) entfernen, der in der Lage ist, die entstandene Wunde erfolgreich zu verheilen, werden wir einen mächtigen Ast von 30 und mehr cm entfernen müssen. Lassen Sie uns einige wichtige Grundsätze dieses Schnitts aufführen: – die Kronengestaltung erfolgt durch Auslichten, d. h. durch Entfernen eines Astes bis zum Stamm, aber auch durch Kürzen von Trieben, – bis auf Ausnahmefälle bei der Erziehung von Bäumen zu bestimmten Formschnitten und bei einigen Kultivaren entfernen wir niemals den terminalen (Gipfel-)Trieb, – wir achten auf die Entfernung konkurrierender (kodominanter) Triebe und Druckverzweigungen mit eingewachsener Rinde in der Achsel oder von Trieben mit einem zu spitzen Verzweigungswinkel, – häufig ist es notwendig, eine größere Durchgangshöhe unter dem Kronenansatz zu erreichen – dieser Aspekt ist bereits in den ersten Jahren des Erziehungsschnitts zu berücksichtigen, wenn noch keine so umfangreichen Verletzungen entstehen, – der Schnitt wird entweder im Vorfrühling (bei sehr dichten Exemplaren, bei denen der Verzweigungstyp klar erkennbar sein muss, was die Blätter nicht ermöglichen) oder besser in der ersten Hälfte der Vegetationsperiode (!) durchgeführt, – wir dürfen niemals auf einmal mehr als 20 % der vorhandenen Blattfläche entfernen, da wir uns sonst der Gefahr aussetzen, den Hormon- und Energiehaushalt des Baumes zu stören, – wenn wir ganze Triebe am Stamm entfernen, müssen diese Triebe einen Durchmesser haben, der höchstens der Hälfte des Stammdurchmessers entspricht, nicht mehr (ideal ist es, einen Trieb zu entfernen, der ein Drittel oder weniger des Stammdurchmessers beträgt) – so gewährleisten wir eine bessere Unterstützung der Wundheilung, – wir entfernen niemals zwei dicht nebeneinander wachsende Triebe gleichzeitig; ideal ist es, zwischen den einzelnen Schnittwunden mindestens 20 cm ohne Verletzung zu belassen.
Ein besonderer Fall des Erziehungsschnitts ist die Anpassung der Durchgangshöhe (bzw. der Unterfahrtshöhe) des Baumes, d. h. der Höhe, in der sich der Stamm in die Krone verzweigt. Alleen bäume für die Pflanzung in Stadtcentren und Gemeinden werden mit einem Kronenansatz von ca. 2–2,5 m geliefert. Dies ist eine Höhe, die für Fußgängerzonen geeignet ist. Wenn die Bäume an Straßenrändern und an Orten gepflanzt werden, wo auch Lastkraftfahrzeuge unter der Krone hindurchfahren werden (z. B. auch Fußgängerzonen mit Geschäften – Versorgungsverkehr), ist ein freies Unterfahrtsprofil bis zu einer Höhe von mindestens 4,5 m einzuhalten. Wenn der Baum in der Baumschule nicht bereits auf diese Kronenansatzhöhe vorbereitet wurde, kann es vorkommen, dass der Kronenansatz nicht erhöht werden kann (z. B. bei kugelförmigen Formen – Acer platanoides ‚Globosum‘, Robinia pseudoacacia ‚Umbraculifera‘ usw.). Daher ist es wichtig, die Anforderungen an die Kronenansatzhöhe im Voraus im Bestellformular zu spezifizieren und gegebenenfalls die konkreten Bedingungen mit dem Lieferanten abzustimmen.
Umgekehrt versuchen wir bei Bäumen, die in der freien Landschaft, in Parks, Gärten und überall dort gepflanzt werden, wo es möglich ist, die bis zum Boden wachsenden unteren Äste durch den Erziehungsschnitt nicht zu entfernen.
Der Erziehungsschnitt bereitet den Baum auch auf eine spezielle Schnittart in der Zukunft vor. Ob es sich um den Kopfschnitt oder andere Arten des Sonderschnitts handelt – beim Erziehungsschnitt haben wir die erste, aber auch die letzte Möglichkeit, diese problemlos anzulegen.
Gesundheits- und Sicherheitsschnitt von ausgewachsenen Bäumen

Erhaltungsschnitte
Diese Schnitte werden bei ausgewachsenen (erwachsenen) Exemplaren durchgeführt, die die Phase des intensiven Wachstums überwunden haben. Unser Ziel ist es in erster Linie, ihre langfristige Funktionsfähigkeit zu sichern und ihre mögliche negative Auswirkung auf die Umgebung, in der sie sich befinden, auf ein Minimum zu reduzieren. Erhaltungsschnitte sind – Gesundheitsschnitt, – Sicherheitsschnitt, – Reduktionsschnitte.
Gesundheitsschnitt
Es handelt sich um den gebräuchlichsten und derzeit am häufigsten verwendeten Typ des Erhaltungsschnitts. Dieser Schnitt ist ein komplexer Schnitt (die übrigen Erhaltungsschnitte leiten sich von ihm ab). Ziel dieses Schnitts ist es vor allem, eine langfristig hohe Funktionsfähigkeit des Baumes zu gewährleisten, bei möglichst gutem Gesundheitszustand, Vitalität und Betriebssicherheit.
Er wird in mehrjährigen Abständen wiederholt, mindestens einmal alle 8–10 Jahre, selbstverständlich unter Berücksichtigung des aktuellen Zustands des Baumes. Bei diesem Schnitt werden Äste entfernt oder eingekürzt: – trockene, mechanisch beschädigte oder gebrochene oder anderweitig betriebsgefährliche, – absterbende, von Krankheiten und Schädlingen befallene, – sich gegenseitig kreuzende, die Krone verdichtende und ungünstig stehende (z. B. in die Kronenmitte weisende), – kodominante und Druckverzweigungen, – stark vitalitätsgeminderte, – Stümpfe, parallele Äste, Wurzelausläufer u. ä.
Wenn wir Äste einkürzen, sollten wir wissen, dass wir den Schnitt auf eine nach außen weisende Knospe führen müssen, mit Ausnahme von pyramidenförmigen Kultivaren, bei denen wir die Äste auf eine nach innen weisende Knospe (in die Krone hinein) einkürzen, um ein Auseinanderbrechen der Krone zu verhindern.
Bei Bäumen, die von bestimmten Quarantänekrankheiten befallen sind (Feuerbrand der Rosengewächse, Graphiose der Ulmen), wird ein ähnlicher Schnitttyp häufig als Sanitärschnitt bezeichnet. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dieser Schnitt nur unter Aufsicht der zuständigen Naturschutzbehörde oder der Staatlichen Pflanzenschutzbehörde durchgeführt werden darf. Ein Fund oder der Verdacht auf einen Fund einer Quarantänekrankheit muss zunächst unverzüglich gemeldet werden. Die Entscheidung über die Fällung oder Behandlung befallener Gehölze erteilt die Staatliche Pflanzenschutzbehörde, und auf deren Grundlage kann dann in Zusammenarbeit mit dieser Behörde eine eventuelle Behandlung eingeleitet werden.
Das Bakterium Erwinia amylovora, der Erreger des Feuerbrands der Rosengewächse, befällt insbesondere Gehölzarten aus der Familie der Rosengewächse – Rosaceae, und zwar konkret aus der Unterfamilie Pomoidae, zu der insbesondere folgende Obst- und Zierbäume gehören: Weißdorn, Birne, Apfel, Eberesche, Quitte und Mispel. Der Schnitt dieser Bäume kann die Infektionsquelle, die sich an den durch den Schnitt entfernten Ästen befindet, reduzieren, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit zur Ausbreitung der Infektion durch das verwendete Werkzeug und zum Eindringen der Bakterie durch offene Wunden in die Pflanze. Darüber hinaus stimuliert ein starker Schnitt die Bäume zur Bildung von Sekundärtrieben, die anfällig für Infektionen sind. Wenn diese Bäume daher stark infiziert sind, ist es besser, sie zu fällen, als einzelne befallene Teile zu entfernen. Zur Fällung wird in der Regel geschritten, wenn die Infektion in den Stamm oder in die Hälfte der Äste in der Krone mit einem Durchmesser von über 2,5 cm eingedrungen ist, und zwar an Stellen, die weniger als 0,5 m vom Stamm entfernt sind. Ist der Befall des Baumes geringer, fällen wir nicht, sondern entfernen die befallenen Äste bis ins gesunde Holz, und zwar in einem Abstand von nicht weniger als 30 cm (bei Ästen mit einem Durchmesser bis 2,5 cm) bzw. 60 cm (bei Ästen mit einem Durchmesser über 2,5 cm) vom infizierten Teil. Das eigentliche Behandlungsverfahren, bzw. die Entfernung von Bäumen, die von dieser Quarantänekrankheit befallen sind, wird jedoch von einem beauftragten Mitarbeiter der Staatlichen Pflanzenschutzbehörde festgelegt.
Es wird auch empfohlen, Ausläufer zu entfernen, insbesondere an der Stammbasis und an den Wurzeln, möglichst in einer frühen Phase ihrer Entwicklung. Befallene abgeschnittene Teile müssen sofort vor Ort verbrannt werden! Der Schnitt sollte besser während der Vegetationsperiode (Frühling – Sommer) durchgeführt werden, möglichst sofort nach Feststellung der Infektion. Droht jedoch eine starke Folgeinfektionen durch Feuerbrand (in Gebieten mit hohem Infektionsdruck der Bakteriose), ist es besser, ihn erst gegen Ende der Vegetation durchzuführen, da frische Wunden im Frühjahr und Sommer anfälliger für das Eindringen von Infektionen sind.
Der Schnitt sollte nicht bei feuchtem Wetter und wenn innerhalb von 24 Stunden Gewitter oder starker Regen erwartet werden, durchgeführt werden. Unter solchen Bedingungen besteht ein hohes Risiko der Ausbreitung des Feuerbrandbakteriums. In Gebieten, die stark durch Feuerbrand gefährdet sind, ist ein schwächerer jährlicher Schnitt besser als gelegentliche starke Auslichtungen. Einem starken Schnitt muss ausgewichen werden, da die Bäume mit stärkerem vegetativem Wachstum reagieren, womit auch eine höhere Anfälligkeit für Feuerbrand verbunden ist. Die Bäume sollten für mindestens einen Monat nach dem Schnitt intensiv beobachtet werden, und im Falle einer erneuten Infektion den Baum lieber fällen. Messer, Scheren und Sägen müssen vor und nach jedem Gebrauch ordnungsgemäß desinfiziert werden, und zwar am besten durch Eintauchen in eine 10%ige Natriumhypochloritlösung oder 70%igen Ethanol für 2–3 Sekunden. Bei der Arbeit in der Höhe genügt es, zum Abspülen der Klingen und Blätter von Sägen und Scheren eine Handsprühflasche zu verwenden.
Von Tracheomykosen ist derzeit eine ganze Reihe bedeutender Baumgattungen befallen: Birken, Eichen, Eschen, Ahorne, Ulmen, Platanen u. a. Die bekannteste Tracheomykose ist zweifellos die Graphiose der Ulmen, deren Erreger der Schlauchpilz Ophiostoma ulmi (Ophiostoma novo-ulmi) ist. Was den Schnitt abgestorbener oder befallener Baumteile betrifft, muss betont werden, dass er auf das tatsächlich notwendige Mindestmaß zu beschränken ist, da Schnittwunden ein leichtes Eingangstor für den Erreger darstellen. Aus den Baumkronen müssen regelmäßig trockene oder absterbende Äste entfernt werden, hoffnungslos befallene und absterbende Bäume sollten lieber gefällt werden.
Sicherheitsschnitt
Es handelt sich im Wesentlichen um eine minimale Variante des Gesundheitsschnitts, die zweckgerichtet auf die Erfüllung der Anforderungen der Betriebssicherheit des Baumes ausgerichtet ist. Es ist ein relativ kostengünstiger Schnitt und hat seinen Platz dort, wo es nicht effizient ist, in einen kostspieligen Gesundheitsschnitt zu investieren. Der Sicherheitsschnitt entfernt trockene, mechanisch beschädigte, angebrochene oder gebrochene Äste, frei in den Kronen hängende Äste, die unmittelbar vom Herabfallen auf den Boden bedroht sind, usw.
Reduktionsschnitte der Krone: Auslichtung, Symmetrisierung, Stabilisierung und Absenkung

Reduktionsschnitte
Die Gruppe der Reduktionsschnitte lässt sich je nach Art und Ausrichtung der Kronenreduktion weiter untergliedern in: – eigentlicher Reduktionsschnitt (Reduktion in Richtung eines Hindernisses – Gebäude, Stromleitungen), – Lichtungsschnitt (Aufhellung der Krone zur Revitalisierung des Baumes), – Symmetrierungsschnitt (Symmetrierung der Krone gegenüber Windlast), – Stabilisierungsschnitt (SIA) (Höhenreduktion der Krone zur Stabilisierung des Baumes, berechnet nach der Methode Static Integrated Assessment), – Absetzschnitt (radikale höhenmäßige Absetzung der Krone).
Auch wenn alle Arten von Reduktionsschnitten entweder auf die Verringerung der Kronendichte oder auf eine bestimmte Art der Umfangsreduktion ausgerichtet sind, werden im Rahmen dieser Schnitte auch problematische Verzweigungen behandelt, trockene und infizierte Äste entfernt usw. Der Reduktionsschnitt erfüllt daher zugleich auch den Zweck des Pflegeschnitts.
Eigentlicher Reduktionsschnitt
Ein Schnitt, der auf die gesamte oder einseitige Reduktion der Krone ausgerichtet ist. Dieser Fall betrifft meistens Bäume, die längere Zeit ohne jegliche Pflege belassen wurden, Bäume, die in der Nähe von Gebäuden oder anderen Hindernissen wachsen, oder Bäume unter elektrischen Leitungen. Es werden auch Äste entfernt, die den Baum aus seinem Schwerpunkt verlagern, d. h. asymmetrisch stehende Äste (z. B. bei Bäumen, die langfristig einseitig beschattet wurden, oder bei deutlich geneigten Bäumen mit Umsturzgefahr usw.).
Der Schnitt muss sehr behutsam durchgeführt werden, da es sonst zu unkontrolliertem Kronenaustrieb kommen kann. Sehr wichtig ist es in diesem Fall, dem Baum nach Möglichkeit seinen natürlichen Habitus ohne dauerhafte Deformation zu belassen (was mitunter sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist).
Umfangreichere Reduktionen müssen schrittweise – in mehreren Etappen – durchgeführt werden. Bäume, die durch Hindernisse in der Höhe eingeschränkt sind (z. B. unter Strom- oder Telefonleitungen), müssen in regelmäßigen Zeitabständen wiederholt zurückgeschnitten werden.
Man muss sich bewusst sein, dass der Bedarf an einem Reduktionsschnitt häufig verursacht wird durch: – die Wahl eines ungeeigneten Taxons für einen bestimmten Standort (z. B. mit einer zu hohen oder zu breiten Krone usw.), – eine ungeeignete Platzierung des Baumes am Standort (z. B. unnötig zu nah an einem Wohngebäude, ohne die biologischen Bedürfnisse des Baumes zu berücksichtigen).
Lichtungsschnitt
Ziel des Schnittes ist es, die Krone aufzuhellen, d. h. ein besseres Eindringen von Licht in die beschatteten Bereiche der Krone zu ermöglichen, damit diese Partien ihre Assimilationstätigkeit intensivieren oder sogar erneuern können. Darüber hinaus fördert er, wenn auch geringfügig, die bessere Luftdurchlässigkeit der Krone und verringert damit die auf sie einwirkende Windlast. Der Schnitt muss jedoch sehr behutsam durchgeführt werden, da es sonst zu unkontrolliertem Kronenaustrieb kommen kann, der die Situation im Gegenteil verschlechtert. Es werden vor allem Äste entfernt, die sich gegenseitig kreuzen und aneinander reiben, Äste, die in die Kronenmitte wachsen, und Äste, die die Krone verdichten.
Symmetrierungsschnitt
Holz als Werkstoff ist bei Biegebeanspruchung sehr widerstandsfähig. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Torsionsbelastung (Verdrehung) ist jedoch deutlich geringer. Aus diesem Grund kann durch die Umfangsreduktion asymmetrischer Kronen – ihre Symmetrierung in Richtung der Windlast – eine wesentliche Erhöhung der Standsicherheit des behandelten Baumes erreicht werden.
Dieser Typ des Reduktionsschnitts wird vor allem bei Bäumen empfohlen, die aus einer Gruppe freigestellt wurden, bzw. bei Einzelexemplaren, die in der Vergangenheit durch ungeeignete Kronenreduktionen beeinträchtigt wurden. Ein wichtiger Grundsatz ist, dass eine umfangreichere Symmetrierung der Krone schrittweise in aufeinanderfolgenden Schritten erfolgen muss.
Ein spezifischer Fall des Reduktionsschnitts ist auch der sogenannte Stabilisierungsschnitt der SIA-Methode (Static Integrated Assessment). Nach dieser Methode (Erb & Wessolly, 1998) lässt sich die Erhöhung der Betriebssicherheit eines bestimmten Baumes nach dem vorgeschlagenen Umfangsschnitt der Krone berechnen. Wessolly gibt an, dass der Lichtungsschnitt
