Pflaumenbaum schneiden: wann und wie Sie Zwetschgen, Pflaumen und Renekloden schneiden
Der Zwetschgenbaum wird nicht im Winter geschnitten, sondern am Ende des Sommers nach der Ernte, junge Bäume im Frühjahr beim Austrieb. So bauen Sie eine stabile Krone auf, halten sie licht und verjüngen einen alten Baum, damit er nicht auseinanderbricht oder vertrocknet.
Schneiden Sie den Zwetschgenbaum während der Vegetationszeit, nicht im Winter. Ein junges Bäumchen nach der Pflanzung und in den ersten Erziehungsjahren kürzen Sie im Frühjahr zu Beginn des Austriebs. Einen tragenden Baum lichten Sie am Ende des Sommers aus, direkt nach der Ernte (August bis September), frühe Sorten schon im Juli. Die Wunden schließen sich bei Wärme schnell, und der Baum leidet weniger unter Gummifluss und Pilzkrankheiten.
So wird geschnitten: Die Krone soll 3 bis 4 Leitäste mit weitem Abgangswinkel haben, die nicht von einer Stelle ausgehen. Nach drei bis vier Erziehungsjahren braucht die Zwetschge vor allem einen Auslichtungsschnitt: nach innen wachsende, sich kreuzende und trockene Äste sowie Wasserschosse entfernen und alterndes Fruchtholz nach und nach verjüngen.
Wann den Zwetschgenbaum schneiden
Steinobst wurde früher im Vorfrühling zusammen mit den Apfelbäumen geschnitten. Heute empfiehlt man, es während der Vegetationszeit zu schneiden, denn große Wunden aus der Ruhezeit heilen langsam, und Bakterien und Pilze dringen in sie ein. Bei Zwetschgen gilt das weniger streng als bei Aprikosen und Pfirsichen, ein Winterschnitt bei Frost ist aber immer ein Fehler.
| Maßnahme | Wann | Hinweis |
|---|---|---|
| Pflanzschnitt | Frühjahr, vor dem Austrieb | auch bei im Herbst gepflanzten Bäumchen wird die Krone erst im Frühjahr eingekürzt |
| Erziehungsschnitt (2.–4. Jahr) | Frühjahr zu Beginn des Austriebs | Konkurrenztriebe lassen sich im Juni entspitzen |
| Auslichten des tragenden Baums | Ende des Sommers nach der Ernte | frühe Sorten direkt nach der Ernte im Juli |
| Entfernen von Wasserschossen | Juni bis August | junge Wasserschosse am besten ausreißen |
| Verjüngung eines alten Baums | nach der Ernte oder im Frühjahr beim Austrieb | starke Verjüngung auf zwei Jahre verteilen |
Die Termine gelten für mittlere Lagen. In warmen Gegenden treiben Zwetschgen früher aus, im Gebirge später. Schneiden Sie nicht bei Regen und Nebel, die Wunden sollen schnell abtrocknen.
Wie die Zwetschge trägt und warum das wichtig ist
Zwetschgen, Pflaumen, Renekloden und Mirabellen blühen am stärksten an kurzem Fruchtholz, an Fruchtspießen und Bukettzweigen. Diese entstehen am zweijährigen Holz, tragen etwa drei Jahre am meisten und sterben dann allmählich ab. An einjährigen Trieben blühen nur Sorten, die früh und reich zu tragen beginnen.
Daraus ergeben sich zwei Schnittregeln:
- Die Krone muss licht sein. Im Schatten stirbt das Fruchtholz früher ab, und der Ertrag wandert an den Kronenrand.
- Fruchtäste müssen laufend verjüngt werden. Durch leichtes Einkürzen ins ältere Holz wachsen neue Triebe, an denen sich nach zwei Jahren neues Fruchtholz bildet. Schwach wachsende Sorten brauchen das mehr als starkwüchsige.
Das Holz von Pflaumen ist brüchiger als das von Apfelbäumen. Äste mit spitzem Abgangswinkel oder solche, die von einer Stelle ausgehen, reißen unter der Last der Ernte ab. Deshalb legt man von Anfang an großen Wert auf den Kronenaufbau.
Pflanzschnitt
Das gepflanzte Bäumchen hat in der Baumschule einen Teil seiner Wurzeln verloren und könnte die Krone nicht ernähren. Ohne Rückschnitt wächst es schlecht, setzt vorzeitig Früchte an und erschöpft sich. Vorgehen im Frühjahr vor dem Austrieb:
- Wählen Sie 3, höchstens 4 Seitentriebe, die etwa gleich stark und nach allen Seiten verteilt sind. Sie sollen im Winkel von 40 bis 60° vom Stamm abgehen und in der Höhe mindestens 10 bis 15 cm voneinander entfernt sein. Zwetschgen müssen nicht in Etagen aufgebaut werden, Kronen mit einzeln am Stamm verteilten Leitästen werden älter.
- Schneiden Sie die übrigen Triebe auf Astring, also dicht am Stamm ohne Stummel. Einen steil nach oben wachsenden Trieb direkt unter dem Mitteltrieb (Konkurrenztrieb) entfernen Sie immer.
- Kürzen Sie die Leitäste um etwa die Hälfte, schwächere stärker, stärkere weniger. Schneiden Sie über einer nach außen zeigenden Knospe und bringen Sie die Spitzen der Leitäste auf eine Ebene (Saftwaage).
- Kürzen Sie den Mitteltrieb so, dass er die Spitzen der Leitäste um 10 bis 20 cm überragt.
Hat das Bäumchen schwache Wurzeln oder haben Sie im Frühjahr bei Trockenheit gepflanzt, schneiden Sie stärker: Seitentriebe auf 2 bis 3 Knospen und den Mitteltrieb auf 3 bis 4 Knospen. Der starke Schnitt hilft beim Anwachsen, und aus den Knospen wachsen kräftige Triebe für die Krone. Das Pflanzen beschreibt der Artikel Bäume pflanzen, die Formen vom Buschbaum bis zum Hochstamm vergleicht der Artikel Obstbaumformen.
Erziehungsschnitt in den ersten Jahren
Der Erziehungsschnitt endet bei Zwetschgen in der Regel im 3. bis 4. Jahr nach der Pflanzung. Bis dahin jedes Frühjahr zu Beginn des Austriebs:
- Die Verlängerungstriebe der Leitäste ein Jahr nach der Pflanzung um etwa die Hälfte kürzen, in den folgenden Jahren um ein Drittel bis ein Viertel. Auf eine Außenknospe schneiden und die Spitzen der Leitäste auf einer Ebene halten.
- Den Mitteltrieb etwa 20 cm über den Spitzen der Leitäste lassen. Je stärker Sie ihn kürzen, desto mehr stärken Sie die Leitäste.
- Konkurrenztriebe, die nach dem Schnitt unter den Spitzen der Leitäste und unter dem Mitteltrieb wachsen, ganz entfernen. Sie beugen ihnen vor, wenn Sie sie im Juni nach dem 5. Blatt entspitzen.
- Seitliches Fruchtholz an den Leitästen stehen lassen, schräge und waagrechte Triebe nicht kürzen. Gerade an ihnen bilden sich die ersten Fruchtspieße.
Einen zu steil wachsenden Leitast können Sie in eine flachere Lage binden oder beim Schnitt auf einen tiefer stehenden, flacher abgehenden Trieb ableiten. Waagrecht geneigte Triebe nicht kürzen, sie setzen von selbst Blütenknospen an.
Erhaltungsschnitt beim tragenden Baum
Ein tragender Zwetschgenbaum braucht vor allem Auslichtung, also das Entfernen ganzer Äste. Das Einkürzen einzelner Triebe beschränkt sich auf das Verjüngen des Fruchtholzes. Die beste Zeit ist das Ende des Sommers nach der Ernte.
- Trockene, angebrochene und kranke Äste bis ins gesunde Holz zurückschneiden.
- Nach innen wachsende Äste, sich kreuzende Äste und Äste, die dicht nebeneinander wachsen, auf Astring entfernen.
- Wasserschosse, also kräftige senkrechte Triebe, ganz entfernen. Lassen Sie keine Zapfen stehen, aus jedem würden mehrere neue Wasserschosse wachsen. Junge Wasserschosse im Juni einfach ausreißen.
- Alternde, überhängende Astenden, die nur noch kurze Zuwächse und kleine Früchte haben, auf einen jüngeren Seitenast näher am Stamm ableiten.
- Kurzes Fruchtholz im Inneren der Krone stehen lassen, es trägt die Ernte.
Entfernen Sie auf einmal nicht mehr als etwa ein Fünftel der Äste. Ein stärkerer Eingriff regt den Baum zur Bildung von Wasserschossen an. Eine vernachlässigte Krone lichten Sie nach und nach über zwei bis drei Jahre aus.
Eine zu hohe Krone senken Sie ab, indem Sie den Mittelast über einem schwächeren, schräg abgehenden Ast abschneiden. Dieser übernimmt die Führung, und der Baum wächst dann mehr in die Breite.
Einen alten Zwetschgenbaum verjüngen
Ein Zwetschgenbaum braucht eine Verjüngung, wenn die einjährigen Zuwächse unter 15 bis 20 cm sinken, die Früchte klein sind, gute und schlechte Ernten sich abwechseln und im Inneren der Krone Wasserschosse wachsen. Pflaumen vertragen einen stärkeren Verjüngungsschnitt etwa bis zu einem Alter von 15 bis 20 Jahren. Bei älteren Bäumen wachsen große Wunden schlecht zu, und eine starke Verjüngung gelingt oft nicht.
Bei Pflaumen hat sich bewährt, in zwei Schritten zu verjüngen, besonders wenn die Äste im unteren Teil kahl und ohne seitliches Fruchtholz sind:
- 1. Jahr: kräftiges Auslichten und nur leichtes Einkürzen der Äste. Der Baum weckt damit schlafende Knospen und bildet neue Triebe.
- 2. Jahr: der notwendige stärkere Rückschnitt. Günstig wachsende Wasserschosse aus dem Vorjahr nutzen Sie als neue Astenden und als Fruchtholz, die übrigen entfernen Sie.
Kürzen Sie die oberen Äste stärker als die unteren, damit die Krone eine breitere Basis hat. Am Ende jedes gekürzten Astes lassen Sie einen schwächeren abgehenden Zweig als Zugast stehen, der den Saft zieht und das Überwallen der Wunde unterstützt. Verjüngen Sie am besten in einem Jahr, in dem der Baum reich blüht. In einem Jahr ohne Blüten wachsen nach der Verjüngung viele Wasserschosse.
Ein verjüngter Baum braucht einige Jahre gute Pflege: Gießen bei Trockenheit und eine ausgewogene Nährstoffversorgung, mit Stickstoff vorsichtig, weil er Wasserschosse fördert. Am besten versorgen Sie den Baum schon ein Jahr vor der Verjüngung mit Nährstoffen, siehe Obstbäume düngen. Bäume mit Scharka-Befall oder anderen Krankheiten nicht verjüngen, die neuen Triebe übernehmen die Infektion nur (Scharka).
Pflaumen, Renekloden, Mirabellen und Kirschpflaumen
Alle Pflaumenarten werden nach denselben Regeln geschnitten wie die Zwetschge. Die Unterschiede liegen vor allem in der Wuchsstärke:
- Pflaumen und Renekloden bilden ihre Früchte am gleichen Fruchtholz wie Zwetschgen. Kronenerziehung und Auslichten am Ende des Sommers sind gleich.
- Mirabellen und Spillinge haben meist kleinere und dichtere Kronen mit dünneren Ästen. Mehr auslichten, weniger einkürzen.
- Die Kirschpflaume (Myrobalane) wächst stark, oft strauchartig, und die Krone verdichtet sich schnell. Es genügt, jedes Jahr verdichtende und sich kreuzende Äste zu entfernen. Die Triebe nicht kürzen, sonst wachsen weitere kräftige Triebe nach.
- Sorten auf Zwergunterlage lassen sich als Spindel oder niedriges Spalier ziehen. In eine schräge Lage gebundene Triebe setzen früher Blütenknospen an. Geeignete Unterlagen beschreibt der Artikel Obstbaum-Unterlagen.
Zwetschgen auf Myrobalane bilden größere Kronen und beginnen später zu tragen, ältere Bäume sind aber meist ertragreich. Die Kronenerziehung ist bei ihnen gleich, kürzen Sie nur weniger, damit der Baum nicht zu stark treibt.
Schnittwunden und Werkzeug
- Auf Astring schneiden. Den Ast dicht am Stamm oder Tragast abschneiden, wo eine Verdickung der Rinde sichtbar ist (der Astring). Nicht in den Stamm und nicht auf Stummel. Ein Stummel vertrocknet und fault, eine Wunde im Stamm überwallt langsam.
- Stärkere Äste in zwei Schritten. Zuerst von unten ansägen, dann von oben etwas weiter vom Stamm entfernt absägen und zuletzt den Reststummel am Astring. So reißt der Ast nicht mitsamt der Rinde ab.
- Scharfes Werkzeug. Für dünne Triebe eine Bypass-Schere, die wie eine Papierschere schneidet. Amboss-Scheren quetschen das Holz eher. Für starke Äste eine Gartensäge mit feinen Zähnen, den Wundrand mit einem Messer glätten. Eine Übersicht finden Sie im Artikel Gartengeräte und Zubehör.
- Wundbehandlung. Kleine Wunden werden heute nicht mehr verstrichen. Große Wunden können Sie nach dem Glätten mit einem scharfen Messer mit einem Wundverschlussmittel für Bäume behandeln. Holzfarben und Teeranstriche nicht verwenden.
- Hygiene. Bevor Sie zum nächsten Baum wechseln, das Werkzeug mit Alkohol abwischen, besonders nach dem Schnitt eines kranken Baums.
Häufige Fehler
- Schnitt im Winter bei Frost. Die Wunden heilen bis zum Frühjahr nicht, die Ränder erfrieren, und der Baum reagiert mit Gummifluss.
- Leitäste von einer Stelle. Drei Äste auf gleicher Höhe bilden eine schwache Verzweigung, die unter der Ernte auseinanderreißt.
- Zapfen von Wasserschossen. Aus einem kurzen Stummel wachsen mehrere neue Wasserschosse. Ganz abschneiden oder jung ausreißen.
- Einmalige starke Verjüngung eines alten Baums. Große Wunden überwallen nicht, und gekürzte Äste treiben schlecht aus. Schrittweise verjüngen.
- Gar kein Schnitt. Ein ungeschnittener Zwetschgenbaum verdichtet, das Fruchtholz im Inneren stirbt ab, und die Früchte sind klein und hängen nur am Kronenrand.
- Große Wunden mit Farbe gestrichen. Unter dem Anstrich hält sich Feuchtigkeit, und das Holz fault. Kleine Wunden ohne Anstrich lassen.
Häufige Fragen
Wann schneidet man einen Zwetschgenbaum?
Einen tragenden Zwetschgenbaum lichten Sie am Ende des Sommers nach der Ernte aus, frühe Sorten schon im Juli. Junge Bäumchen nach der Pflanzung und in den ersten Erziehungsjahren schneiden Sie im Frühjahr zu Beginn des Austriebs. Im Winter bei Frost nicht schneiden.
Darf ich den Pflaumenbaum im Frühjahr schneiden?
Ja, zu Beginn des Austriebs, wenn die Wunden schnell zu heilen beginnen. Im Frühjahr erfolgen vor allem der Pflanzschnitt und der Erziehungsschnitt junger Bäume. Das Auslichten eines tragenden Baums gelingt besser am Ende des Sommers, wenn die Dichte der Krone und trockene Äste gut zu sehen sind.
Wie verjüngt man einen alten Zwetschgenbaum?
In zwei Schritten. Im ersten Jahr kräftig auslichten und die Äste nur leicht kürzen, im zweiten Jahr stärker zurückschneiden und dabei die neuen Triebe als Astenden nutzen. Bäume, die älter als 15 bis 20 Jahre sind, vertragen eine starke Verjüngung schlecht, bei ihnen nur schrittweise kürzen.
Warum trägt der Zwetschgenbaum wenig?
Häufige Ursache ist eine zu dichte Krone, in der das Fruchtholz im Schatten abstirbt, oder ein starker Schnitt, nach dem der Baum vor allem Wasserschosse bildet. Weitere Gründe sind Spätfröste während der Blüte, ein fehlender Befruchter bei einer selbstunfruchtbaren Sorte oder ein junger Baum auf einer starkwüchsigen Unterlage.
Was tun mit Wasserschossen am Zwetschgenbaum?
Entfernen Sie sie ganz auf Astring, junge im Juni ausreißen. Keine Zapfen stehen lassen. Bei einem verjüngten Baum können Sie einige günstig wachsende Wasserschosse als neue Astenden stehen lassen.
