🚚 Packeta kostenlos ab 70,00 €

Weinrebe: Wie Sie die Traubenqualität verbessern und besondere Anbautechniken anwenden

Vollständiger Leitfaden zum Weinrebenanbau — vom Ausdünnen der Blütenstände über Ringeln und Einbeuteln der Trauben und den Anbau im Gewächshaus bis zum Umveredeln am Standort.

Weinrebe: Wie Sie die Traubenqualität verbessern und besondere Anbautechniken anwenden

Möchten Sie perfekte Tafeltrauben ernten? Lernen Sie, Blütenstände auszudünnen, Bogreben zu ringeln, Beeren zu zisellieren, Reben im Gewächshaus zu ziehen und Rebstöcke am Standort umzuveredeln.

Besondere Arbeiten im Weinberg zur Verbesserung der Traubenqualität

Reihe von Rebstöcken mit dunkelblauen Traubenbüscheln am Drahtrahmen neben einem Betonpfahl, herbstlich gefärbtes Laub
Zusätzliche Arbeiten im Weinberg

Wer Weinreben aus Liebhaberei anbaut, interessiert sich auch für besondere Arbeiten, die sonst nicht üblich sind, aber zu einer besseren Traubenqualität führen, oder probiert besondere Anbaumaßnahmen, neue Sorten und Ähnliches aus.

Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität von Tafeltrauben

Besondere Eingriffe beim Anbau von Tafelsorten zur Verbesserung der Traubenqualität sind in Mitteleuropa kaum eingeführt und haben hier keine Tradition, weil Tafelsorten nur am Rande und auf dieselbe Weise wie Keltersorten angebaut werden. Wer besonders schöne Trauben ernten will, muss in die übliche Pflege auch einige besondere Eingriffe einbauen.

Blütenstände und Beeren bei Tafeltrauben ausdünnen

Dunkelblaue Traubenbüschel an einer Rebe mit grünem Laub, dahinter unscharf eine Weinbergsreihe

Das Ausdünnen der Blütenstände ist der grundlegende Eingriff, der in allen Gebieten angewandt wird, in denen Tafelsorten traditionell angebaut werden. Nötig ist er nicht bei allen Tafelsorten, sondern bei den sehr ertragreichen, bei denen ein ungünstiges Verhältnis zwischen Blattfläche und Ertrag entsteht. Man rechnet damit, dass auf 1 g Traubengewicht 10–12 cm² Blattfläche des Rebstocks entfallen sollten. Dieses Verhältnis muss für jede angebaute Sorte orientierend ermittelt werden, um zu prüfen, wie viele Trauben je nach Belaubungsdichte und Traubengewicht der Sorte am Trieb bleiben können. Je schwerer die Trauben, desto mehr Blattfläche brauchen sie. Es kommt vor, dass sich nach dieser Faustregel bei Sorten mit sehr schweren Trauben zwei Triebe je Traube ergeben, um das richtige Verhältnis zu erreichen. Dieses Verhältnis ist nicht nur für die Beerenentwicklung und das Gewicht der ganzen Traube wichtig, sondern auch für das frühe Ausreifen der Tafeltrauben, eine attraktive Beerenfärbung und angenehme Geschmackseigenschaften. Ausgedünnt wird, wenn die Triebe etwa 10–15 cm lang sind und die Blütenstände über dem Laub stehen, also gut zugänglich sind. Die Blütenstände werden mit Daumen und Zeigefinger ausgebrochen — bei Sorten mit leichteren Trauben so, dass auf jeden Trieb ein Blütenstand kommt, bei Sorten mit großen Trauben so, dass auf zwei Triebe ein Blütenstand kommt. Besonders geeignet ist der Eingriff bei Sorten mit lockeren Trauben, weil sich die Blüten danach besser befruchten und die Trauben dichter werden. Wegen der besseren Entwicklung der einzelnen Trauben bleibt der Gesamtertrag je Stock meist gleich wie ohne Ausdünnen, doch Entwicklung und Geschmack der einzelnen Trauben verbessern sich deutlich. Unbedingt nötig ist der Eingriff bei der Sorte Kossuth, empfehlenswert bei Wolschski, Krasa Powolschja, Pannónia Kincse, Cardinal sowie beim weißen und roten Gutedel (Chasselas).

Die Beeren lassen sich auf zwei Wegen ausdünnen: durch Abschneiden des Spitzenteils der mittleren Traubenspindel oder durch Zisellieren der Trauben.

Traubenspindel kürzen und Trauben zisellieren für größere Beeren

Zwei Büschel goldgelber weißer Trauben zwischen Rebblättern im Gegenlicht

Das Abschneiden des Spitzenteils der Spindel eignet sich für Tafelsorten mit langen Trauben. Schneidet man nach der Blüte, wenn die Beeren rasch größer werden, den Spitzenteil der Traubenspindel so ab, dass an der Traube nur 3–6 Seitenverzweigungen aus dem Basisteil der Spindel am Traubenstiel bleiben, erreicht man in der Traube mehrere Veränderungen. In dieser Phase können sich die Seitenverzweigungen durch den erhöhten Zustrom von Wachstumsstoffen (Gibberelline) in die Länge strecken. Dadurch wird die Traube breiter. Zugleich wachsen die verbliebenen Beeren an den Seitenverzweigungen durch die geringere Beerenzahl schneller und bleiben auch am Ende größer. Weil die Traube kurz, aber breit ist, werden die Beeren am Basisteil gleichmäßig weich und reifen gleichmäßig aus. So entstehen Trauben, deren Beeren alle gut ausgereift sind, und die Reife wird beschleunigt.

Kurz gefasst: Das Kürzen der Spindelspitze führt zu kürzeren, breiteren Trauben, deren Beeren gleichmäßiger ausreifen.

Durch das Zisellieren der Trauben erhält man sehr große Beeren. Diese Maßnahme wird meist beim Anbau der Weinrebe im Gewächshaus eingesetzt. Sie besteht darin, einzelne Beeren oder mehrere Beeren an einer kleinen Verzweigung der Spindel gleich nach dem Beerenansatz zu entfernen. Das Zisellieren wird in Abständen von 14 Tagen bis zum Weichwerden der Beeren wiederholt. Jedes Mal wird nur ein Teil der Beeren dort entfernt, wo die Traube zu dicht wird und die Beeren beginnen, sich zu berühren. Manchmal wird das Zisellieren mit dem Abschneiden des Spindelspitzenteils verbunden und dabei mehrfach wiederholt. Durch das schrittweise Entfernen der Beeren gehen die Nährstoffe langsam in die an der Traube verbliebenen Beeren über. Würde man das Zisellieren gleich nach dem Beerenansatz auf einmal durchführen, richtete sich die Nährstoffzufuhr nur auf die verbliebenen Beeren und diese würden nur unwesentlich größer. Zisellieren war einst beim Anbau von Tafeltrauben im Umland von Paris üblich, und Trauben mit ungewöhnlich entwickelten Beeren nannte man „Pariser Trauben“.

Weinreben ringeln: mehr Fruchtansatz, größere Beeren und frühere Reife

Nahaufnahme einer dunkelblauen Traube neben einer noch unreifen grün-rosa Traube an derselben Rebe

Beim Ringeln wird ein etwa 3–5 mm breiter Streifen Rinde und Bast von einem oberirdischen Teil des Rebstocks entfernt — vom Stamm, von den Armen oder von den Bogreben. Das Ringeln des Stammes lässt sich zwar am leichtesten ausführen, beeinflusst aber die ganze Pflanze negativ. Die Arme lassen sich nur schwer ringeln, weil ihre Oberfläche sehr uneben ist. Am häufigsten wird die Bogrebe geringelt, was nur einen kleineren Teil der Pflanze betrifft. Der Abtransport der Assimilate aus dem Teil oberhalb des Ringes muss vollständig unterbrochen werden, wobei der Holzteil unverletzt bleiben muss. Wird nur ein unvollständiger Rindenring herausgeschnitten und bleibt auch nur ein schmaler Rindenstreifen erhalten, hat das Ringeln keine Wirkung. Durch das Ringeln sinkt die Assimilatzufuhr zum Wurzelsystem, die Stöcke werden also geschwächt. Deshalb muss immer ein bestimmter Teil des Stockes ungeringelt bleiben. Mit dem Ringeln lassen sich einige physiologische Vorgänge beeinflussen, was sich in einem besseren Beerenansatz, einem höheren Beerengewicht oder einer früheren Traubenreife zeigt.

Die Pflanze versucht, die durch das Ringeln entstandenen Wunden zu schließen. Ein schnelles Verheilen der Wunde hebt die beabsichtigte Wirkung auf. Deshalb muss so geringelt werden, dass die Wunden offen sind, wenn die Entwicklungsphase eintritt, die man beeinflussen will. Beim Ringeln ist die Entwicklungsphase der Pflanze der wichtigste und einzige Faktor, der Qualität und Ausmaß der Wirkung bestimmt. Mit dem Ringeln lassen sich sowohl die Beerenzahl in der Traube als auch die Beerengröße und der Reifezeitpunkt beeinflussen.

Zur Verbesserung des Beerenansatzes muss zu Beginn der Blüte oder spätestens während der Blüte geringelt werden. Dieser Eingriff verbessert den Beerenansatz vor allem bei kernlosen Sorten (Korinthe, Sultanine, Perlette, Delight u. a.). Bei kernhaltigen Sorten kann er nur die Entwicklung kleiner, parthenokarper Beeren beeinflussen, die sonst abfallen würden.

Das Ringeln zur Vergrößerung der Beeren ist bei kernlosen Sorten erprobt. Es muss im Moment des natürlichen Beerenfalls nach der Blüte erfolgen, wenn gleichzeitig die Beeren durch Abschneiden der Spindelspitze ausgedünnt und die Bogreben geringelt werden.

Zur Beschleunigung der Reife wurde früher empfohlen, in der Phase des Weichwerdens der Beeren zu ringeln. Dieser Termin eignet sich jedoch nur bei sehr warmer Witterung in der Reifezeit, in der die Reife rasch fortschreitet. Nach bulgarischen Erfahrungen lässt sich die Beerenreife in Gebieten mit unbeständigen klimatischen Bedingungen nur durch Ringeln unmittelbar nach der Blüte beschleunigen. Der Eingriff in dieser Phase eignet sich also nicht nur für kernlose Sorten, sondern auch zahlreiche kernhaltige Tafelsorten sprechen darauf an. Am stärksten reagieren späte Sorten wie Bolgar (Afus Ali). Beim Bolgar wird durch das Ringeln nicht nur die Reife um 10–14 Tage vorverlegt, gleichzeitig steigt der Zuckergehalt, der Säuregehalt sinkt, Größe und Gewicht der Beeren sowie das Gewicht der ganzen Traube nehmen zu. Auch die Transportfähigkeit der Trauben verbessert sich. An Stöcken mit größeren Erziehungsformen kann jedes Jahr geringelt werden. Geringelt wird mit einer Ringelzange (Ringelschere): Zuerst wird durch leichtes Schließen und Öffnen rund um die Bogrebe die Stelle markiert, an der geringelt werden soll, dann wird durch Drehen der leicht geschlossenen Zange der Rindenstreifen abgezogen. An schwächeren Bogreben bleiben oberhalb des Ringes 5–6 Triebe, an denen sich die Wirkung zeigen soll, an stärkeren 7–8 Triebe. Stöcke, die durch eine zu hohe Zahl fruchtbarer Augen überlastet sind, reagieren nicht auf das Ringeln. Auch Trockenheit senkt die Reaktion stark. Am günstigsten ist es deshalb, nur gut versorgte, bewässerte und optimal belastete Stöcke zu ringeln.

Trauben einbeuteln: Schutz vor Vögeln, Wespen und Krankheiten

Mehrere rotviolette Traubenbüschel an einem Draht, im Hintergrund herbstlich gefärbtes Rebenlaub

Das Einbeuteln der Trauben dient einerseits dem Schutz vor Vögeln und Wespen, andererseits dem Schutz von Tafeltrauben vor Spritzmitteln sowie der Beschleunigung ihrer Reife.

Zum Schutz der Trauben vor Schäden durch Vögel und Wespen verwendet man entweder gewöhnliche Papiertüten oder genähte Beutel aus Organdy. Die Beutel werden nach dem Weichwerden über die Trauben gestreift. Papiertüten sind wenig luftdurchlässig, deshalb breitet sich in ihnen in manchen feuchten Jahren ziemlich stark der Grauschimmel. Organdybeutel sind luftdurchlässig, ihre Anfertigung ist jedoch aufwendig.

Den Schutz der Trauben vor Vögeln und Wespen übernehmen auch Zellophanbeutel, die zugleich die Traubenreife beschleunigen. Mit diesen Beuteln bewahren wir die Beeren vor Spritzmitteln, und die Beeren sind besonders schön gefärbt und bereift. Nach der Blüte der Tafelsorten führen wir die letzte Schutzbehandlung so aus, dass die Traubenspindel vor einem Befall durch Pilzkrankheiten geschützt ist. Danach setzen wir die Blütenstände in ausreichend große Zellophanbeutel, die man fertig kaufen kann. In Zellophanbeuteln entwickeln sich die Beeren etwas schneller, besonders wenn die Beutel der Sonne ausgesetzt sind. Die Trauben im Beutel sind vor einem Befall durch Pilzkrankheiten und ebenso vor Vögeln und Wespen geschützt. Sie sind auch nicht mit den Schutzmitteln benetzt, die im Sommer für Spritzungen an der Rebe verwendet werden. Zellophan ist für Gase und Wasserdampf durchlässig, deshalb faulen die Beeren darin nicht. Beutel aus Kunststoff dürfen nicht verwendet werden, weil sich darin Wasserdampf niederschlägt und die Beeren bald faulen. In Zellophanbeutel lassen sich die Blütenstände auch schon vor der Blüte setzen, selbst wenn sie nicht gegen Krankheiten und Schaderreger behandelt wurden. Die Zellophanhülle bewahrt sie meist vor jeglichem Befall. Das Risiko ist allerdings größer als beim Einbeuteln nach der Blüte.

Weintrauben an Südwänden vorziehen: frühe Trauben ohne Gewächshaus

Große hellgrüne Tafeltrauben unter einer Laube, die Triebe mit grünem Band angebunden

Das Vorziehen von Tafeltrauben an Südwänden ist ein gut bekannter, aber wenig genutzter Weg, ihre Qualität zu verbessern. Nach Süden gerichtete Flächen von Einfriedungsmauern oder Gebäudewänden eignen sich sehr gut als stabiler Schutz, der die Luftbewegung dämpft und die Umgebung unmittelbar an der Wand erwärmt — sowohl durch die Rückstrahlung der Sonnenstrahlen als auch durch Wärmespeicherung und deren Abgabe in der Nacht. Eine an der Wand gepflanzte und passend erzogene Rebe durchläuft die einzelnen Phänophasen schneller, und ihre Trauben reifen früher aus. Temperatur und Strahlungsintensität an der Südwand haben zugleich große Bedeutung für eine höhere Fruchtbarkeit. Deshalb lassen sich an Südwänden regelmäßige Erziehungsformen mit kurzem Fruchtholz verwenden, etwa waagerechte oder senkrechte Kordons, die die Fläche besser ausnutzen. Ihre richtige Pflege ist zwar aufwendiger, der Effekt aber meist größer als bei den freien Palmetten, die man an Wänden am häufigsten sieht.

Freie Palmetten sind meist mit Trieben überfüllt, die von der Wand in den freien Raum wachsen, sich überlagern und gegenseitig beschatten. Damit werden die Vorteile nicht genutzt, die die Wand bieten kann, wenn die Triebe regelmäßig in die Fläche geleitet, vor der Blüte gegipfelt und ihre Geiztriebe ausgebrochen werden. Die Wirkung der Wand lässt sich weiter verstärken, indem man an der Oberkante ein schräges Glasdach befestigt, das die flächig an der Wand gezogenen Reben vor dem Benetzen ihrer Blattfläche durch Regen schützt und zugleich den raschen Aufstieg der warmen Luft entlang der Südwand bremst. Ihre Ansammlung unter dem Dach erhöht die Temperatur. Sollen besonders frühe Trauben erzielt werden, kann man vor die Südwand mit Folie bespannte Rahmen stellen, die bis unter das obere Glasdach reichen. So entsteht ein zeitweilig geschlossener Raum, in dem sich die Erwärmung besonders stark auswirkt; deshalb muss für eine geeignete Lüftung gesorgt werden. Die Temperatur sollte 35 °C nicht überschreiten.

Für die Pflanzung an Südwänden verwenden wir vor allem Sorten, deren Trauben durch bessere Wärmebedingungen am meisten an Qualität gewinnen, etwa Pannónia Kincse. Gepflanzt werden hier auch Sorten, die an Wänden fruchtbarer werden, wie weißer und roter Gutedel (Chasselas). Die Wärme lässt sich auch nutzen, um sehr frühe Trauben der Sorte Perle von Csaba zu erhalten oder sehr späte Sorten zur Reife zu bringen, die im jeweiligen Gebiet sonst gar nicht ausreifen würden, etwa Guzal kara, deren Trauben attraktiv sind und sich auch zur Lagerung für den späteren Verzehr eignen.

Eine an der Wand gepflanzte Rebe braucht für hohe Fruchtbarkeit und Traubenqualität noch weitere Bedingungen: eine gründliche und tiefe Bodenbearbeitung mit Vorratsdüngung vor der Pflanzung, eine laufende Düngung mit mineralischen und organischen Düngern in den Ertragsjahren und vor allem Bewässerung, denn der Bodenstreifen entlang der Wand ist meist trockener als der freie Gartenboden.

Weinreben im Gewächshaus anbauen: Typen, Erntezeiten und geeignete Sorten

Rötlich-braune Traubenbüschel an einem verzinkten Pfahl mit Drahtrahmen, gelb gefärbtes Herbstlaub
Weinrebenanbau im Gewächshaus

Er zielt darauf ab, hochwertige Trauben besonderer Sorten zu erhalten, die sich in Gebieten mit weniger günstigen klimatischen Bedingungen im Freien nicht anbauen ließen. Weinreben lassen sich in beheizten Gewächshäusern kultivieren, was vor allem in Ländern mit niedrigen Sommertemperaturen (Belgien, Niederlande, England) oder in Gebieten mit kurzer Vegetationszeit (Sankt Petersburg u. a.) genutzt wird. Überall dort, wo die Summe der aktiven Temperaturen 2400 °C erreicht, lassen sich Weinreben in unbeheizten Gewächshäusern anbauen. Das Beheizen von Gewächshäusern ist teuer, deshalb lohnt sich der Rebenanbau im beheizten Gewächshaus in Gebieten mit kurzer Vegetationszeit nur in Kombination mit dem Anbau von Gemüse oder Blumen. In Gebieten mit ausreichend langer Vegetationszeit lässt sich die Weinrebe auch kurzzeitig vortreiben (1–2 Monate). Vorgetrieben wird im Frühjahr oder es wird im Herbst zugeheizt, was von den angebauten Sorten abhängt. Die Anbauverfahren unter Glas lassen sich nach der Steuerung der Vegetationszeit und nach dem Erntetermin so einteilen:

1. Sehr frühe Traubenernte (April–Mai): Heizbeginn im November bis Dezember. Geeignete Sorten: Frankenthaler (Blauer Trollinger), Foster’s Seedling.

2. Frühe Traubenernte (Juni–Juli): Heizbeginn im Februar bis März. Geeignete Sorten: Frankenthaler, Foster’s Seedling, Royal blau und Royal weiß, Black Alicante und Cardinal.

3. Normale Traubenernte (September–Oktober): ohne Heizung. Alle genannten Sorten.

4. Späte Traubenernte (November–Dezember): Zuheizen im Herbst, damit die Trauben ausreifen. Sie bleiben dann bis zur späten Lese an den Stöcken hängen. Geeignete Sorten: Dodrelabi (Gros Colman) und Muskateller von Alexandrien.

Für den Rebenanbau unter Glas sind bestimmte Gewächshaustypen nötig. Am besten bewährt sich der belgische Typ, ein Satteldachgewächshaus mit 7–10 m Breite, 20 m Länge, 1 m Seitenwandhöhe und 3–3,5 m Firsthöhe. Die Breite der schrägen Glasfläche muss mindestens 3,5 m betragen, mehr ist günstiger. Unter den Längswänden des Gewächshauses wird ein Betonfundament so gebaut, dass Betonpfähle in Abständen von 200 cm 80 cm tief in den Boden gesetzt werden und darüber ein armierter Sturz betoniert wird, der nur 20 cm in den Boden reicht und etwa 20 cm herausragt. Der Sturz darf nicht tief in den Boden reichen, damit die Wurzeln der Stöcke auch außerhalb des Gewächshauses durchwachsen können. Satteldachgewächshäuser werden mit der Längsachse in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Verwendbar sind auch Pultgewächshäuser, deren senkrechte Wand gemauert oder an die Südwand eines Gebäudes bzw. an eine Einfriedungsmauer angebaut ist. Diese Gewächshäuser empfehlen sich vor allem für Gebiete mit weniger günstigen klimatischen Bedingungen, weil der Wärmeverlust geringer ist. Sie werden in Ost-West-Richtung ausgerichtet. Die südliche schräge Glasfläche muss wieder mindestens 3,5 m breit sein. Die Neigung der schrägen Glasflächen ist für die Weinrebe unter einem Winkel von 30–35°, gemessen von der Horizontalen, am günstigsten.

Bodenvorbereitung, Pflanzung und Erziehung der Reben im Gewächshaus

Viele leuchtend grüne Traubenbüschel, die unter einer dicht belaubten Pergola hängen

Der Boden im Gewächshaus wird durch Rigolen 80 bis 100 cm tief vorbereitet. Schwerer Boden muss aufgelockert oder besser ausgetauscht werden. Der Boden muss warm und locker sein, einen hohen Humusgehalt (3–5 %) haben und guten Gasaustausch sowie raschen Abfluss von überschüssigem Wasser gewährleisten. Damit der Boden beim Bewässern nicht vernässt, ist es günstig, in etwa 80 cm Tiefe eine Dränschicht aus Kies oder eine Rohrdränage mit Gefälle zu einem Sammelschacht zu verlegen. Beim Rigolen ergänzen wir den Boden mit Phosphor- und Kaliumdüngern, wie es schon im Abschnitt über die Anlage von Weinbergen angedeutet wurde, und geben zugleich abgelagerten Kompost dazu. Der Boden sollte mindestens 1 m über den Umriss des Gewächshauses hinaus vorbereitet werden.

Setzlinge werden in 100 cm Abstand voneinander entlang der Längswände in 50–70 cm Entfernung von der niedrigen Gewächshauswand gepflanzt. Verwendet werden auf Unterlagen veredelte Setzlinge, die eine höhere Bodenversalzung durch Dünger vertragen, weil der Boden im Gewächshaus reichlich gedüngt wird. Am häufigsten sind die Unterlagen V. solonis × V. riparia 1616 C, V. riparia × V. rupestris 101-14 und V. berlandieri × V. riparia Kober 5 BB. Nach neuen Unterlagen wird gesucht. Meist wird nur auf kurze, zweiäugige Unterlagsstecklinge veredelt, und die Setzlinge werden in Kartons oder Töpfen herangezogen. Für unbeheizte Gewächshäuser werden Setzlinge mit langem Wurzelstamm verwendet.

Die Stöcke werden als senkrechter Kordon mit 50–60 cm hohem Stamm erzogen, der dann in einen schrägen Kordonarm 30–40 cm unter dem Gewächshausdach übergeht. Der Arm ist meist 300 bis 400 cm lang und trägt kurzes Fruchtholz in Form zweiäugiger Zapfen bei Sorten, die aus den untersten Augen fruchten, gegebenenfalls längeres Fruchtholz in Form fünfäugiger Zapfen bei Sorten, die aus höher stehenden Augen fruchten. Die Dichte des Fruchtholzes richten wir nach Fruchtbarkeit und Wuchsstärke der Sorte. An älteren Kordons gibt es oft Probleme, an den unteren Zapfen genug Wuchskraft zu erhalten. Einem gleichmäßigen Wuchs hilft man nach, indem man den Endteil des schrägen Kordons losbindet und ihn zur Zeit des Augenaustriebs und des beginnenden Triebwachstums zum Boden neigt.

Die sommerliche Behandlung der grünen Triebe ist sehr arbeitsaufwendig. Jeder Trieb wird auf eine Länge von 5 Blättern gegipfelt und seine Geiztriebe werden ausgebrochen. Auch die Ranken werden entfernt. Die Blütenstände werden auf eine Traube je Trieb ausgedünnt. Die Triebe werden an Drähten verteilt, die 30–40 cm unter der Dachfläche des Gewächshauses gespannt sind; dabei achtet man darauf, dass in unmittelbarer Glasnähe eine möglichst große Blattfläche der Sonne ausgesetzt ist. Die optimale Belastung der Stöcke mit fruchtbaren Augen ist sehr wichtig. Eine zu hohe Belastung verzögert die Reife, senkt die Traubenqualität und fördert das Aufplatzen der Beerenhaut, die sehr dünn ist.

Düngen, Bewässern und Pflanzenschutz der Weinrebe im Gewächshaus

Dunkelblaue Traubenbüschel in einer sonnigen Weinbergsreihe mit begrüntem Fahrgassenstreifen

Düngung und Bewässerung sind beim Anbau im Gewächshaus sehr wichtig. Organische und mineralische Dünger werden im Herbst nach dem Laubfall eingearbeitet, danach wird gewässert. Am günstigsten sind gut lösliche Dünger mit wenig Ballast, damit die Bodenversalzung nicht steigt. Dem entsprechen am besten gut lösliche Volldünger mit Mikronährstoffen oder Flüssigdünger. Die empfohlenen Düngermengen unterscheiden sich erheblich. Sie sind allerdings verhältnismäßig hoch, deshalb muss laufend organische Substanz ergänzt werden, die jedes Jahr in Form von Torf, Kompost oder Stallmist zugeführt wird. Für die Bewässerung empfiehlt sich entweder eine Überkopfberegnung oder besser eine Rohrdränage in 30 cm Tiefe, damit der Lufthaushalt des Bodens nicht gestört wird. Im Herbst werden 50 l Wasser je 1 m² gegeben. Danach folgen im Frühjahr zwei Wassergaben in halber Menge, eine vor dem Austrieb und die zweite etwa zwanzig Tage später. Unmittelbar vor der Blüte wird dieselbe Menge wie vor dem Austrieb wiederholt. In der Zeit vor dem Weichwerden der Beeren werden mehrere kleinere Gaben in Abständen von zehn Tagen verabreicht. In älteren Kulturen, in denen der Salzgehalt im Boden gestiegen ist, wird die Versalzung in den Wintermonaten gelegentlich mit Wasser ausgewaschen. Verwendet wird eine Gabe von mindestens 100 l Wasser je 1 m².

Das Zisellieren der Trauben ist bei einigen Sorten mit dichteren Trauben nötig. So erreicht man größere Beeren und weniger Befall durch Grauschimmel. Für besonders große Beeren lässt sich auch das schrittweise Zisellieren nutzen.

Die Steuerung des Temperaturregimes ist besonders wichtig und besteht aus Lüften, Schattieren und gegebenenfalls Heizen des Gewächshauses. In der Vegetationszeit der Rebe sollte die Temperatur zwischen 18 und 25 °C liegen. Steigt die Außentemperatur auf 25 °C, muss das Gewächshaus schattiert werden. Die Lüftung muss wirksam sein und dauerhaft genutzt werden. Die Luftfeuchtigkeit soll bei 60–70 % relativer Luftfeuchte liegen und wird durch Versprühen von lauwarmem Wasser gehalten.

Der Pflanzenschutz besteht vor allem aus Behandlungen gegen die Kräuselmilbe (Raubmilben als Nützlinge), gegen den Echten Mehltau (Netzschwefel an 10 cm langen Trieben vor der Blüte, nach der Blüte und im Sommer nach Bedarf), gegen die Schwarzfleckenkrankheit (Phomopsis) nach dem Austrieb, gegen Spinnmilben nach Bedarf während der Vegetation und gegen Botrytis cinerea vor der Blüte, nach der Blüte und vor dem Weichwerden der Beeren. Welche Präparate dafür zugelassen sind, steht im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL; beraten wird man beim Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes. Zu den Spritzbrühen kommt stets ein komplexer Blattdünger.

Die Sorten für Gewächshäuser sind genau abgegrenzt und es sind nur sehr wenige: Royal mit seinen Mutationen, Foster’s Seedling und Frankenthaler. Für späte Ernten lässt sich Gros Colman einreihen. In geringerem Umfang werden Muskateller von Alexandrien und Black Alicante angebaut; erprobt werden verschiedene orientalische Sorten und Neuzüchtungen (Vitra). Die üblichen Tafelsorten liefern bei Weitem nicht so gute Ergebnisse wie die für die Gewächshauskultur erprobten Sorten, bei denen man mit einer Ernte von etwa 3 kg Trauben je 1 m² Gewächshaus rechnet.

Der Weinrebenanbau im Gewächshaus ist arbeitsaufwendig und anspruchsvoll. Er braucht ein gutes Maß an Fachwissen und Begeisterung.

Weinreben am Standort umveredeln: wann und wie man vorgeht

Unreife grüne Traube von unten gegen blauen Himmel, dazu verholzte Kordonarme und Spanndrähte
Umveredeln der Weinrebe am Standort

Sehr oft stehen im Weinberg Rebstöcke, die den Ansprüchen des Winzers nicht voll entsprechen. Entweder sind es Stöcke einer ungeeigneten Sorte, die als Beimischung in die Pflanzung geraten sind, oder Stöcke mit geringem Zuchtstand, die unregelmäßig tragen oder verrieseln. Ungeeignete Stöcke können wir an Ort und Stelle umveredeln und die Pflanzung vervollständigen. Das Umveredeln lässt sich auch nutzen, um eine Sorte zu wechseln, die am gegebenen Standort nicht befriedigt, und eine größere Zahl von Stöcken umzuveredeln. Häufig wird das beim Prüfen neuer Sorten genutzt: Die neue Sorte wird auf ältere Stöcke veredelt, damit sie rasch in Ertrag kommt und sich schnell orientierend beurteilen lässt, ob sie für die gegebenen Bedingungen taugt.

Früher wurde mit Holzreisern in den Spalt auf den Wurzelstamm umveredelt. Bei dieser Methode ist der Anwuchsprozentsatz nur in manchen Jahren höher, und ein weiterer Nachteil ist, dass angewachsene Reiser nach einigen Jahren ausbrechen können. Wird diese Methode noch verwendet, ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu wählen. Am günstigsten ist die Zeit, in der sich am umzuveredelnden Stock bereits grüne Triebe von 5–7 cm Länge gebildet haben. Dann ist auch die Teilungstätigkeit des Kambiums wieder aufgenommen und die Reiser verwachsen bald mit der Unterlage. Zu dieser Zeit wird der Stock unterhalb der Veredelungsstelle abgeschnitten und auf den Wurzelstamm werden zwei Reiser einander gegenüber in den Spalt gesetzt.

Die Reiser werden schon im Herbst geschnitten: Wir wählen mehrere Ruten gut ausgereiften Rebholzes von dem Stock, dessen Sorte veredelt werden soll, desinfizieren sie in einer für diesen Zweck zugelassenen Beizlösung, legen sie in einen Polyethylenbeutel und bewahren sie im kühlen Keller auf oder graben die verpackten Ruten an einer schattigen Stelle in den Boden ein. Vor dem Gebrauch weichen wir die Reiser 24 Stunden in Wasser ein und schneiden sie dann dicht unter einem Auge keilförmig an. Am Reis bleiben 2 Augen. Damit der Wurzelstamm nicht zu tief aufspaltet, ist es günstig, ihn etwa 5–7 cm unterhalb der Schnittstelle mit Draht zu umwickeln, den wir nach dem Verwachsen der Reiser lösen müssen. Nach dem Einsetzen der Reiser legen wir über die obere waagerechte Schnittwunde an der Unterlage einen Streifen PE-Folie und biegen ihn am Rand nach unten. Zum Schluss umwickeln wir das obere Ende des Wurzelstamms, beginnend am Drahtverband, spiralförmig nach oben mit PE-Veredelungsband, das wir gut anziehen. Es empfiehlt sich, auch beide Reiser zu umwickeln, damit aus ihnen kein Wasser verdunstet. Dabei müssen wir jedoch auf die Augen achten, die aus den Bandwindungen herausragen müssen. Danach häufeln wir Erde an den umveredelten Stock an und decken auch die Reiser leicht ab. Nach dem Austrieb der Augen legen wir die Spitzen der Reiser frei und erst im Sommer häufeln wir die ganzen Stöcke ab. Das Anwachsen der Reiser verbessern wir, wenn wir sie vorübergehend mit Wasser versorgen, damit ihr Gewebe nicht austrocknet. Auf die Spitzen der Reiser wird ein etwa 15 cm langer Gummischlauch gesetzt, der an einen in den Boden gesteckten Pflock gebunden wird, damit das Reis nicht ausbricht. In den Schlauch wird destilliertes Wasser gefüllt und der Schlauch oben mit einem Gummistopfen verschlossen. Das Nachfüllen des destillierten Wassers wird täglich etwa 14 Tage lang wiederholt. Danach sind die Reiser bereits so weit verwachsen, dass eine Wasserversorgung auf diese Weise nicht mehr nötig ist.

Umveredeln mit Holzreis auf grünen Trieb Schritt für Schritt

Große blauviolette Tafeltraube mit Wachsreif in Nahaufnahme, dahinter die Rebzeile

Von allen Verfahren des Umveredelns am Standort, die an der Gartenbaufakultät in Lednice (Tschechien) erprobt wurden, liefert das Umveredeln mit Holzreis auf einen grünen Trieb die sichersten Ergebnisse. Dieses Verfahren ist einfach und erlaubt es, die Reiser drinnen am Tisch vorzubereiten. Deshalb würde es sich auch für den Großanbau eignen, um Wurzelreben von Unterlagssorten umzuveredeln, die als Nachpflanzung in ältere Weinberge gesetzt werden, wo veredelte Setzlinge schlecht anwachsen, weil ihnen nicht die nötige Pflege zuteilwerden kann.

Diese Methode erfordert wiederum das Schneiden der Reiser schon im Herbst, nach den ersten leichteren Frösten. Über den Winter in PE-Folie aufbewahrte Reiser leiden manchmal unter Grauschimmelbefall. Es ist deshalb sinnvoll, sie vor dem Einlagern 12 Stunden lang in einer Lösung von Chinosol (8-Hydroxychinolinsulfat) oder einem anderen dafür zugelassenen Mittel zu desinfizieren. Im Frühjahr schneiden wir die Rebstöcke, die umveredelt werden sollen, oberhalb der Veredelungsstelle zurück. Aus dem Stammfuß treiben aus schlafenden Augen Triebe aus. Sind sie etwa 15 cm lang, brechen wir alle ungünstig sitzenden aus und lassen 3 rund um den Stammfuß stehen. Einige Tage später veredeln wir alle drei Triebe mit Holzreisern um. Die Reiser weichen wir nach der Winterlagerung zuerst 24 Stunden in Wasser ein. Dann schneiden wir mit einem scharfen Messer Keile dicht unter einem Auge. Die Reiser bleiben einäugig. Die geschnittenen Reiser legen wir in sauberes, weiches oder destilliertes Wasser. Im Wassergefäß tragen wir sie dann an den Standort, an dem die Stöcke umveredelt werden.

Bei einer größeren Zahl umzuveredelnder Stöcke können wir die Reiser am Vortag vorbereiten. Am Standort, wo wir die Stöcke mit drei Trieben schon vorbereitet haben, setzen wir die Reiser in die in den Spalt geschnittenen Triebe. Wir gehen so vor, dass wir die Triebe möglichst tief über dem zweiten bis dritten Auge abschneiden. Dann schneiden wir mit einem scharfen Messer am grünen Trieb einen V-förmigen Ausschnitt heraus. In den ausgeschnittenen Trieb setzen wir das keilförmig geschnittene Holzreis und drücken seine Spitze bis in den Knoten des Triebes. Dabei achten wir darauf, dass die wechselständige Stellung der Augen zwischen Trieb und Reis erhalten bleibt. Dann nehmen wir PE-Veredelungsband und umwickeln die Veredelungsstelle spiralförmig, wobei wir unter dem Knoten beginnen, in den wir die Spitze des Reises gedrückt haben. Wir arbeiten nach oben und achten darauf, dass sich die Spiralwindungen überlappen und nirgends Gewebe des Triebes oder des Holzreises herausschaut. Mit dem Band umwickeln wir nur die Verbindungsstelle, gegebenenfalls das ganze Reis, an dem wir wieder das Auge aussparen, das aus dem Verband herausragen muss. Bei der letzten Windung ziehen wir das Band zweimal durch und ziehen sein Ende fest an. So behandelte Reiser wachsen sehr gut an, und von drei Reisern an einem Stock wachsen immer mindestens zwei. An schwächeren Stöcken genügen zwei Triebe zum Umveredeln. Bei umveredelten Stöcken brechen wir im Sommer laufend und regelmäßig alle Triebe aus, die aus dem alten Holz des ursprünglichen Stockes wachsen; die aus den Augen der Reiser wachsenden Triebe werden angebunden und ihre Geiztriebe ausgebrochen. Am günstigsten ist es, an jedem umveredelten Stock nur die zwei am besten wachsenden Reiser zu belassen und das schwächste Reis samt dem Trieb, auf dem es sitzt, zu entfernen. In trockenen Perioden des Jahres lohnt sich eine Bewässerung der umveredelten Stöcke, gegebenenfalls eine Zusatzdüngung mit einem Mehrnährstoffdünger. Die Triebe aus den Reisern können 100 bis 200 cm lang werden und mehr. Ende August gipfeln wir sie, um das Ausreifen des Holzes zu fördern. Im folgenden Jahr formen wir daraus gleich Stämme und Bogreben, an denen wir schon die erste Ernte der neu veredelten Sorte einbringen. Das Umveredeln mit Holzreis auf grünen Trieb lässt sich auch am Kopf der Stämme größerer Erziehungsformen ausführen, wenn wir ältere dicke Stämme nicht ganz entfernen wollen. Wir müssen vor allem darauf achten, an den umveredelten Stöcken entweder gar keine weiteren Triebe zu belassen, wenn es sich um kleine Formen einer einheitlichen Erziehung handelt, oder die Krone großer Formen stark zu reduzieren. Die Umwicklung der Reiser mit PE-Band lösen wir erst im folgenden Jahr während der Vegetation. Früh gelöste Reiser können ausbrechen.

Ausstellungstrauben: ein schönes Exponat aus dem eigenen Weinberg

Grüne, noch unreife Trauben an alten Rebstämmen mit türkisfarbenen Bindebändern
Ausstellungstrauben

Gartenbau- und Kleingartenvereine veranstalten jedes Jahr örtliche und regionale Obst- und Gemüseausstellungen. Dort werden auch Trauben gezeigt. Vom Stock abgetrennte Trauben, die auf Schalen liegen, verderben rasch. Schön machen sich auf einer Ausstellung Trauben an Trieben, die aus Blumentöpfen wachsen. Ein solches Ausstellungsexponat wird die ganze Vegetation hindurch vorbereitet. Im Frühjahr lässt man an den Stöcken, deren Trauben ausgestellt werden sollen, eine Halbbogrebe zusätzlich stehen. Die übrigen Bogreben schneiden wir nur kurz an, um den Ertrag an ihnen etwas zu reduzieren. Die ausgewählte Halbbogrebe ziehen wir durch den Boden eines größeren Blumentopfes, in dem wir das untere Loch etwas erweitert haben, um das Durchziehen zu ermöglichen. Die Augen unter dem Topfboden und die Augen im Topfinneren blenden wir aus. Die Halbbogrebe dichten wir im erweiterten Loch mit einem Stück Holzwolle ab, auf den Topfboden geben wir eine Dränschicht aus grobem Sand und füllen ihn dann mit leichter, strukturstabiler Gartenerde. Über die Erdoberfläche lassen wir 3–4 Augen herausragen. Den Topf befestigen wir auf einem geeigneten Untersatz, damit ihn der Wind nicht umwirft. Im Topf halten wir die Erde feucht, und damit sie nicht so schnell austrocknet, binden wir die obere Fläche mit PE-Folie ab. Wir lassen nur die Triebe über der Topfoberfläche wachsen, und wenn ihre Blütenstände verblühen, ringeln wir die Halbbogrebe unter dem Topfboden. Damit erreichen wir die Entwicklung schöner Trauben und fördern zugleich das Wurzelwachstum im Topf. Zur Zeit der Traubenreife schneiden wir die Halbbogrebe dicht unter dem Topfboden ab und können uns mit einem schönen Exponat an einer der Ausstellungen beteiligen. Trauben geeigneter Tafelsorten halten sich in gegossenen Töpfen lange bis in den Winter, sind frisch und schmackhaft. Sie müssen in einem kühlen, belüfteten Raum aufbewahrt werden.