Standort für den Weinberg: Klima, Boden und Relief
Wie wählt man den richtigen Standort für einen Weinberg? Lesen Sie alles über Temperatur, Niederschlag, Bodentypen, Hangausrichtung und die Punktbewertung von Weinbergsgrundstücken.
Überblick: Was über den Standort eines Weinbergs entscheidet
Der Erfolg eines Weinbergs hängt von der richtigen Standortwahl ab. Erfahren Sie, wie man Temperatur, Niederschlag, Boden, Hänge und Höhenlage bewertet, wenn man die Pflanzung der Weinrebe plant.
Warum die Standortwahl für einen Weinberg so wichtig ist

Auf Wachstum und Lebensvorgänge der Weinrebe – und noch stärker auf ihren Ertrag und vor allem auf die Qualität der Früchte – wirken die mikroklimatischen und die Bodenverhältnisse des jeweiligen Standorts deutlich ein. Sie zeigen sich bei den einzelnen Rebsorten als Gesamtwirkung der gegebenen ökologischen Faktoren. Um die Wirkung des Standorts auf das Rebenwachstum besser zu verstehen und – wo die Möglichkeit besteht – den günstigsten Standort richtig zu wählen, müssen wir uns zunächst die Wirkung der einzelnen Standortfaktoren auf die Sträucher der Rebe im Verlauf der Vegetation klarmachen.
Temperatur und Vegetationsperiode: Grundanforderungen der Weinrebe

Die Temperatur ist im Weinbau der wichtigste Standortfaktor, denn die Weinrebe ist eine wärmeliebende Pflanze. Anhand der Tagesmitteltemperaturen über 10 °C bestimmen wir die Länge der Vegetationsperiode für die Rebe. Die Tagesmitteltemperatur von 10 °C ist die aktive Temperatur, bei der die Lebensvorgänge im oberirdischen Teil des Strauchs einsetzen. Die Vegetationsperiode der Rebe ermitteln wir, indem wir die Zahl der Tage zählen, die von dem Tag vergehen, an dem sich im Frühjahr eine Tagesmitteltemperatur über 10 °C einstellt, bis zu dem Tag, an dem die Tagesmitteltemperaturen im Herbst unter diesen Wert fallen. Die Länge der Vegetationsperiode einer Sorte rechnet man vom Austrieb bis zum Tag der Traubenlese; bei sehr frühen Sorten liegt sie zwischen 105 und 115 Tagen (Perle von Csaba, Irsai Olivér, Sieger). Das heißt: Solche Sorten dürfen wir auch an Standorten pflanzen, deren Vegetationsperiode länger ist als nötig, denn am Standort brauchen wir eine gewisse Reserve – über die Jahre schwankt die Länge erheblich. Frühe Sorten brauchen eine Vegetationsperiode von 115 bis 125 Tagen (Košutovo hrozno, Julski Biser, Königin der Weingärten). Für mittelfrühe sind 130 bis 145 Tage nötig (Müller-Thurgau, Frühroter Veltliner, Weißer und Roter Gutedel, Pannónia Kincse). Bei späten Sorten rechnet man mit 150 bis 165 Tagen (dazu zählen die meisten mitteleuropäischen Keltertraubensorten), bei sehr späten mit 165 bis 180 Tagen (Welschriesling, Riesling, André, Blaufränkisch).
Addiert man alle Tagesmitteltemperaturen über 10 °C, die vom Beginn der Vegetationsperiode der Weinrebe bis zu deren Ende aufgetreten sind, erhält man die Summe der aktiven Temperaturen des Standorts. Diese Summe muss je Vegetationsperiode mindestens 2200 °C erreichen, damit sich am Standort die frühesten Rebsorten pflanzen lassen. Bei 2500 °C lässt sich bereits auch Müller-Thurgau anbauen und bei einer durchschnittlichen Jahressumme von 2700 °C die Mehrzahl der mittelspäten Keltertraubensorten.
Addiert man über die gesamte Vegetationsperiode der Weinrebe nur den Überschuss der Tagesmitteltemperaturen über 10 °C – also jene Temperaturen, die den biologischen Effekt von Wachstum und Entwicklung der Rebe bewirken und die wir deshalb effektive Temperaturen nennen –, erhält man die Summe der effektiven Temperaturen. Sie darf an einem für die Anlage eines Weinbergs gewählten Standort 1000 °C je Vegetationsperiode nicht unterschreiten. Wir bestimmen sie im langjährigen Mittel, am besten über 10 Jahre, nach den Aufzeichnungen der nächstgelegenen Wetterstation.
Die Durchschnittstemperatur des wärmsten Monats – meist der Juli – sollte dort, wo Wein angebaut werden soll, nicht unter 17 °C liegen. Bei 19 °C erreichen einige mittelreife Sorten bereits eine gute Weinqualität und bei Temperaturen über 19 °C lässt sich mit den bei uns angebauten Sorten eine ausgezeichnete Weinqualität erzielen.
Die Durchschnittstemperatur der gesamten Vegetationsperiode ist eine grobe Orientierungsgröße und sollte in Weinbaugebieten nicht unter 14 °C sinken.
Das Auftreten von Spätfrösten in der Vegetationszeit ist für den Weinbau ein sehr wichtiges Merkmal des Standorts. Wo Reben stehen sollen, dürfen in höchstens 3 von 10 Jahren so starke Spätfröste auftreten, dass sie die Triebe zerstören. Sind es mehr, lohnt sich der Weinbau dort nicht.
Kritische Temperaturen in den Entwicklungsphasen der Weinrebe

Neben der langfristigen Wirkung der Temperatur auf die Weinrebe unterscheiden wir noch ihre Wirkung in bestimmten Entwicklungsphasen des Vegetationszyklus als kritische Wirkung. Das bedeutet: Damit Wachstum und Entwicklung der Organe am Rebstock gelingen, braucht der Strauch eine bestimmte Temperaturhöhe, sonst würde die Entwicklung stehenbleiben oder die Organe würden gar nicht angelegt. Kritisch wirkt die Temperatur vor allem:
– In der Phase des Blutens, wenn Zeitpunkt und Intensität des Blutens sowie die Zusammensetzung des aus den Schnittwunden austretenden Exsudats von der Bodenerwärmung gesteuert werden. Die kritische Bodentemperatur liegt bei 5 bis 6 °C.
– In der Phase des Austriebs, wenn Termin, Intensität und Ort des Austriebs am Stock von der Lufterwärmung gesteuert werden. Die kritische Lufttemperatur liegt je nach genetischen Eigenschaften der Sorte bei 8 bis 12 °C.
– In der Blütezeit, wenn die Temperaturen einige Tage vor und während der Blüte im Tagesmittel nicht unter 15 °C fallen dürfen. Bei 10 bis 13 °C wird der Pollen keimunfähig und kann nicht mehr bestäuben – die Blüten verrieseln. Der Blühtermin richtet sich ab dem Austrieb nach der Summe der Tagesmitteltemperaturen über 15 °C und tritt ein, wenn diese Summe 180 °C erreicht.
– In der Phase der Blütenstandsanlage, in der die Temperatur die Initiation der Blütenanlagen auslöst und deren Vergrößerung fördert. Die kritische Temperatur für die Anlage der Blütenstände liegt bei 20 °C über mindestens 4 Stunden täglich. Eine Temperaturerhöhung wirkt bis 30 °C positiv.
– In der Phase des Triebwachstums, in der die Wachstumsgeschwindigkeit des Triebs am Folgetag von der Temperatur des Vortags gesteuert wird.
– In der Phase des Beerenwachstums, in der die Temperatur zusammen mit weiteren Faktoren auf die Beerengröße wirkt, und zwar sowohl in der I. als auch in der III. Wachstumsphase der Beere.
– In der Phase der Beeren- und Holzreife, in der die Temperatur die Verlagerung der Assimilate in die Beeren sowie die Bildung von Farbstoffen, Tannin und Aminosäuren beschleunigt und die Bildung von Aromastoffen negativ beeinflusst. Sie bestimmt die Differenzierung der inneren Gewebe des Bastteils und entscheidet damit zusammen mit weiteren Faktoren über die Ausreife des Holzes.
– In der Dormanz, in der sie die Tiefe der Winterknospenruhe beeinflusst und im geeigneten Temperaturbereich die Abhärtung des Rebholzes bewirkt.
Zwischen der Temperatur und dem Verlauf des Vegetationszyklus der Weinrebe lassen sich Korrelationen aufstellen, die den örtlichen Standortbedingungen entsprechen. Es zeigte sich, dass zwischen der Summe der aktiven Temperaturen im Zeitraum vom Ende der Blüte bis zur Traubenlese und dem Zuckergehalt des Mostes, den die beobachtete Sorte erreicht, ein allgemein gültiger Zusammenhang besteht. Teilt man die Summe der aktiven Temperaturen dieses Zeitraums (die sogenannte Reifesumme), ausgedrückt in Grad Celsius, durch 100, so entspricht der ermittelte Quotient ungefähr dem Mostgewicht in Grad Klosterneuburger Mostwaage (°KMW; in Deutschland wird üblicherweise in °Oechsle gemessen). So lässt sich berechnen, welches Mostgewicht eine Keltertraubensorte am gegebenen Standort in einem bestimmten Jahr erreichen müsste, wenn sie die verfügbaren Temperaturen voll nutzen konnte. Wurde das erwartete Mostgewicht nicht erreicht, ist die Sorte entweder wenig leistungsfähig und sollte an diesem Standort nicht angebaut werden, oder es ist bei der Pflege ein anbautechnischer Fehler unterlaufen: zu hohe Behangdichte, ungeeignete Erziehungsform, vernachlässigter Pflanzenschutz, falsche Düngung oder ein Wasserangebot am unteren Limit.
Licht und Sonnenschein im Weinberg: Einfluss auf die Traubenqualität

Licht ist ein sehr wichtiger Standortfaktor – nicht nur wegen der Lichtmenge am Standort, sondern auch wegen ihrer Nutzung durch eine passende Erziehung der Stöcke und eine Verteilung der Blattfläche, bei der ein möglichst großer Teil von direkter Sonneneinstrahlung getroffen wird. Die Anlage der Blütenstände in den Augen der Rebe wird zwar hauptsächlich von der Temperatur gesteuert, doch auch die Lichtintensität hat darauf erheblichen Einfluss.
Es zeigte sich, dass die am Standort in Joule je 1 cm² gemessene Lichtintensität in den Monaten Mai, Juni und Juli in direktem Zusammenhang mit der Zahl der Blütenstände steht, die in den Augen für den Ertrag des Folgejahres angelegt werden.
Da sich die in Stunden gemessene Sonnenscheindauer zwischen den einzelnen Weinbaugebieten erheblich unterscheidet, wird dieser Wert zur Bewertung der Lichtverhältnisse herangezogen, die für einen Qualitätsertrag nötig sind. Die Bedingungen für die Traubenreife beschreibt die Zahl der Sonnenstunden in den letzten drei Monaten vor der Lese gut.
Niederschlag und Wasser: Wie der Wasserhaushalt die Weinrebe prägt

Niederschläge sind nicht nur in der Jahressumme wichtig, sondern auch in ihrer Verteilung über die Vegetation. 300 mm Niederschlag im Jahr gelten als Minimum, bei dem die Rebe spärlich wächst und wenig trägt. Als Optimum werden in den nördlichen Weinbaugebieten Jahressummen von 600 bis 800 mm angegeben. Zwischen den Weinbaugebieten Europas besteht ein grundlegender Unterschied in der Niederschlagsverteilung. Die nördlichen Weinbaugebiete Europas haben ihr Niederschlagsmaximum in den Sommermonaten (Juni, Juli), die südlichen dagegen in den Wintermonaten (Oktober bis März), und der Sommer ist dort trocken. Die geringere Wassermenge im Sommer bewirkt zusammen mit hoher Licht- und Wärmeintensität in den südlichen Weinbaugebieten eine geringere Wuchskraft der Triebe, eine beschleunigte Reife von Trauben und Holz, höhere Zuckerkonzentrationen in den Beeren und einen niedrigeren Säuregehalt, namentlich an Apfelsäure.
Die Weinrebe ist mit ihrem Wasserbedarf an drei Hauptphasen erhöhten Verbrauchs angepasst. Die erste liegt vor dem Austrieb der Augen, wenn Wasser der entscheidende Faktor für die Zahl der austreibenden Augen am Stock ist. Bei Wassermangel treiben nur wenige aus, mitunter reißen die Rebstämme auf; bei Überschuss treiben nicht nur die Augen am einjährigen Holz aus, sondern auch schlafende Augen am alten Holz. Die zweite Phase liegt nach der Blüte, zur Zeit des Beerenansatzes, wenn der Wassergehalt des Bodens die Zahl der angesetzten Beeren und damit die spätere Traubendichte beeinflusst. Zugleich ist Wasser in der ersten Entwicklungsphase der Beeren wichtig, weil es die Zellteilung in den Beeren fördert und so deren Volumenzunahme während der Reife ermöglicht. Die dritte Phase erhöhten Wasserbedarfs liegt kurz vor dem Weichwerden der Beeren, wenn es um eine gleichmäßige Wasseraufnahme aus dem Boden für das vollständige Ausreifen der Beeren geht.
Bei der Standortbewertung ist es wichtig, nicht nur auf die Niederschlagssumme und deren Verteilung zu achten, sondern auch auf die Form, in der die Niederschläge fallen. Starkregen ist in Hanglagen wegen der Bodenerosion gefährlich. Häufiger Tau im Sommer ist wegen des stärkeren Auftretens des Falschen Mehltaus (Peronospora) riskant. Regelmäßige Morgennebel im Herbst sind dagegen günstig für die Bildung von Aromastoffen in den reifenden Trauben und für den Säureabbau.
Einfluss von Wind und Luftzusammensetzung auf den Weinbau

Luftströmungen und die Zusammensetzung der Luft schlagen sich deutlich in den Lebensvorgängen der Weinrebe nieder. Winde können die Temperaturverhältnisse von Weinbergslagen erheblich verändern. Luftströmungen teilt man meist danach ein, ob sie die Umgebung abkühlen oder erwärmen. Bei uns überwiegt die kühlende Wirkung, und deshalb verzögern stark windexponierte Weinbergslagen die Entwicklung der Rebe; die Ergebnisse fallen dort schlechter aus als in geschützten Lagen. Für solche Flächen wählt man frühere Sorten. Daneben wirkt sich bei einigen Sorten auch die mechanische Windbelastung ungünstig aus, vor allem zur Blütezeit (Neuburger, Muskat Ottonel, Weißer und Roter Gutedel): Der Wind mindert den Beerenansatz, und bei Sorten mit dünner Blattspreite werden die Blätter beschädigt (Blauer Portugieser, Müller-Thurgau).
In der Luftzusammensetzung spielt der Kohlendioxidgehalt eine wichtige Rolle, der sich im Weinberg allerdings nicht verändern lässt. Ein Hektar Weinberg verbraucht jährlich etwa 10 bis 14 t Kohlendioxid. Ungünstig auf das Rebenwachstum wirken bestimmte Emissionen aus Industriebetrieben. Dazu zählt vor allem Schwefeldioxid, dessen dauerhafte Anwesenheit in höherer Konzentration Blattdeformationen verursacht. Auf höhere Konzentrationen von Abgasen reagiert die Weinrebe mit vermindertem Wachstum und geringerem Ertrag. Sehr gefährlich für Wachstum und Ertrag der Weinrebe sind Dämpfe von Herbiziden, die zur Unkrautbekämpfung vor allem in Getreide eingesetzt werden (auf Basis von 2,4-D). Empfindlich sind alle Sorten, besonders aber Grüner Veltliner, Neuburger, Traminer und Blauer Portugieser. Ihre Blätter deformieren sich und erinnern an Anzeichen der Reisigkrankheit (einer Virose), die Blütenstände verrieseln, das Holz reift nicht aus und für den Ertrag des Folgejahres werden keine Blütenstände angelegt. Der Schaden wirkt sich also über zwei Jahre negativ aus. In der Nähe von Weinbergen sollte eine Behandlung mit solchen Herbiziden unterbleiben; kleine Weinberge legt man besser nicht in unmittelbarer Nachbarschaft von Getreideschlägen an.
Höhenlage und Relief: Hangausrichtung für den Weinberg

Die Höhenlage begrenzt den Weinbau in Abhängigkeit von der geografischen Breite des Ortes. Allgemein gilt: Steigt die Höhenlage um 100 m, sinkt das durchschnittliche Mostgewicht der Trauben um etwa 1 bis 1,5 °KMW, während der Säuregehalt um 0,9 Promille steigt. Mit zunehmender Höhe verschieben sich die einzelnen Phasen des Vegetationszyklus nach hinten, der Zyklus wird also länger. Das wirkt sich nicht nur auf das Mostgewicht aus, sondern auch auf den Ertrag der Weinrebe, der bei einigen wärmebedürftigen Sorten stark zurückgehen kann. In den mitteleuropäischen Weinbaugebieten pflanzt man Reben deshalb am besten in möglichst niedriger Höhenlage – nur dürfen es keine Frostmulden sein. Je nach Relief lassen sich hierzulande günstig gelegene Grundstücke bis in Höhen von 250 bis 300 m gut nutzen; in wärmeren Regionen wie Baden oder Württemberg liegen Rebflächen auch deutlich höher. In den höchsten Lagen geht es dann nur noch um einzelne Stöcke an Hauswänden oder an anderweitig geschützten Plätzen.
Das Relief wirkt auf die Standortverhältnisse einerseits über die Hangneigung, andererseits über die Ausrichtung der Hänge zu den Himmelsrichtungen. Nach diesen beiden Größen ändert sich die Besonnung der Flächen und damit auch ihr Mikroklima. Südhänge haben die wärmsten Bedingungen, danach folgen Südwest-, Südost-, West- und Osthänge. Gleich kühl sind Nordwest- und Nordosthänge, am kühlsten sind Nordhänge. Die Böden von Nordhängen haben eine um 4,4 °C niedrigere mittlere Sommertemperatur als Südhänge und eine um 2,4 °C niedrigere mittlere Wintertemperatur.
An Südhängen sind die Böden eher skelettreich, enthalten weniger Humus, werden stärker von Wassererosion beansprucht und verdunsten mehr Bodenwasser. Deshalb sind Südhänge am trockensten, die Rebe wächst dort schwächer, und wenn es in der Vegetation Phasen mit Wassermangel gibt, fallen die Erträge an Südhängen niedriger aus. Die Traubenreife beginnt hier früher und es lässt sich auch eine höhere Qualität erreichen – sofern die Zuckerbildung nicht durch Wassermangel gebremst wird.
Westhänge haben mächtigere und feuchtere Bodenschichten als Süd- oder Osthänge. Die Erträge fallen dort im Vergleich zu Süd- oder Osthängen höher aus. Der Befall der Rebe mit Pilzkrankheiten nimmt zu, weil die Blätter nach dem nächtlichen Tau nur langsam abtrocknen.
Osthänge nehmen bei Wachstum und Ertrag der Rebe etwa eine Mittelstellung zwischen Süd- und Westhängen ein. Weil die Blätter dort schon am frühen Morgen besonnt werden, ist der Wechsel zwischen niedrigen Nacht- und hohen Tagestemperaturen schroffer. In der Zeit der Spätfröste kann das zu stärkeren Blattschäden führen. Unter der Morgensonne verdunstet das Wasser rasch, das in den Interzellularen Eiskristalle gebildet hat, und das Blatt trocknet aus. Bei stärkerem Wasserverlust können die Blattgewebe absterben.
An langen Hanglagen ändern sich Bodenverhältnisse und Bodenfeuchte. Die unteren Hangbereiche haben feuchtere, tiefgründigere und fruchtbarere Böden; dorthin gehören ertragreichere, wasserbedürftigere, später austreibende und frostfestere Sorten. Die mittleren Hangbereiche sind warm und eignen sich für spätreifende Sorten. Die oberen Hangbereiche sind trocken und mitunter windig; dorthin gehören Sorten mit geringerem Wasserbedarf und gegebenenfalls frühere Sorten.
Bodentypen für den Weinberg: steinige, kiesige und sandige Böden

Weinbergsböden und das Wurzelsystem der Rebe. In den Weinbaugebieten trifft man auf die unterschiedlichsten Bodentypen – nicht nur auf Kulturböden, sondern auch auf primäre Böden, die für andere landwirtschaftliche Kulturen ungeeignet sind. Die Weinrebe stellt an die Bodenart nur geringe Ansprüche und lässt sich fast überall anbauen, wo eine ausreichende Bodendurchlüftung, eine angemessene Feuchte und ein passender Vorrat an Mineralstoffen zu erwarten sind. Sehr deutlich reagiert die Weinrebe dagegen auf Bodentyp, mechanische Zusammensetzung des Bodens, Wasser- und Wärmehaushalt, Mineralstoffgehalt und Gründigkeit – und zwar nicht nur mit Wachstum und Ertrag, sondern auch mit der Traubenqualität und der Wandelbarkeit des Geschmackseindrucks im Wein. Häufig lässt sich beobachten, dass dieselbe Rebsorte in den Geschmacksnuancen des Weins stärker nach Bodenart variiert als nach klimatischen Bedingungen.
Mächtigkeit und Lockerheit der Bodenschicht sind die Grundvoraussetzung für die Wurzelentwicklung der Rebe. An Standorten mit mächtiger Bodenschicht genügt vor der Anlage des Weinbergs eine flachere Bodenlockerung (50 bis 60 cm). Wo die Böden flachgründig und vor allem trocken sind, muss vor der Pflanzung tiefer gelockert werden (70 bis 100 cm).
Steinige Böden bieten dem Rebenwachstum einen günstigen Luft- und Wärmehaushalt. Der Wasserhaushalt ist auf ihnen sehr wechselhaft, denn das Niederschlagswasser versickert rasch; Wassererosion droht dort nicht. Liegt unter der oberen Steinschicht ein von Tonteilchen durchzogener Horizont, sodass die Wasserkapazität der Unterschicht steigt, wächst die Rebe üppig und trägt reich. Steine, die die Bodenoberfläche bedecken, bremsen die Verdunstung; ist ihre Schicht mächtiger, kondensiert zwischen ihnen Wasserdampf. Über steinigem Untergrund erwärmt sich die Luft rasch, wodurch sich das bodennahe Klima des Weinbergs erwärmt. Die höhere Temperatur hält auch nachts an, weil die tagsüber stark erwärmten Steine ihre Wärme nach und nach an die Luft abgeben. Unkraut wächst langsam und tritt wenig auf. Die Bearbeitung solcher Böden ist allerdings mühsam. Der Vorbereitung steiniger Böden für Weinberge muss man gebührende Aufmerksamkeit widmen, vor allem dann, wenn das Muttergestein dicht unter der Oberfläche ansteht. Wir achten darauf, dass es bis in 60 bis 80 cm Tiefe aufgebrochen wird und dass die obere verwitterte Schicht in den Unterboden gelangt und der steinige Unterboden an die Oberfläche. Auf steinigen Böden ist die Nährstoffaufnahme sehr gut und hängt vor allem vom Wasserhaushalt ab. Steinige Böden sind typische Bewässerungsböden, auf denen die Bewässerung sehr wirksam ist. Wir zählen sie zu den Qualitätsböden für die Anlage von Weinbergen, besonders wenn durch die Verwitterung des Muttergesteins günstige Nährstoffe frei werden. Ohne Bewässerung leiden dort mitunter Wachstum und Ertrag der Rebe, mit Bewässerung sind guter Ertrag und hohe Qualität möglich.
Kiesige Böden haben ähnliche Eigenschaften wie steinige Böden und unterscheiden sich von ihnen durch die Größe der Skelettteilchen. Sie enthalten bis zu 50 % Skelettteilchen der Größe 3 bis 5 mm. Sie können durch Verwitterung des Muttergesteins an Ort und Stelle entstehen oder uns als Flussablagerungen begegnen. Solche Ablagerungen sind unterschiedlich beschaffen. Liegen zwischen den Geröllen mehr Tonteilchen, sind auch die Feuchteverhältnisse günstiger. Ist die Kiesschicht mächtig, wird eine Bewässerung nötig. Auf kiesigen Böden bewähren sich rote Sorten für die Rotweinbereitung sehr gut, gegebenenfalls auch Welschriesling dort, wo genügend Tonanteil vorhanden ist. Kiese sind gute Unterlagen für Weinberge; fehlt jedoch der Tonanteil, fallen die Weißweine meist leicht aus.
Sandige Böden sind unter bestimmten Voraussetzungen ein geeigneter Standort für die Weinrebe. Die Sorten müssen sorgfältig ausgewählt werden. Bessere Weinqualität erreichen auf sandigen Böden rote Sorten für die Rotweinbereitung (Blaufränkisch, Sankt Laurent, Zweigelt, gegebenenfalls auch Blauburgunder und Blauer Portugieser). Möchte man weiße Sorten anbauen, wählt man solche mit ausreichend extraktreichen Weinen (Sauvignon Blanc, Frühroter Veltliner, Grauburgunder). Als Unterlage eignen sich K 1, Craciunel 2, 5C, gegebenenfalls 5 BB. Ertragsbetonte Sorten liefern auf sandigen Böden dünne, wenig ausgeprägte Weine. Sandige Böden eignen sich auch für Tafeltrauben, denn die Trauben reifen dort früh, faulen wenig und färben gut aus. Auch hier sind allerdings wuchsstarke Sorten zu wählen. Auf sandigen Böden ist eine besondere Düngungsweise wichtig – kleinere Gaben, dafür häufiger. Vor allem gilt es, das richtige Verhältnis zwischen den antagonistischen Elementen Kalium, Magnesium und Calcium einzuhalten. Kalium wird auf sandigen Böden rasch aufgenommen, Magnesium und Calcium dagegen nur schwer. Die Bewässerung ist hier sehr wirksam.
Das Wurzelsystem der Weinrebe und sein Wachstum im Boden

Die Entwicklung des Wurzelsystems wird im Boden vom Bodenmikroklima bestimmt. Die optimale Temperatur für das Wurzelwachstum liegt bei 25 °C. Unter 10 °C und über 30 °C stellen die Wurzeln das Wachstum ein. Ebenso wichtig ist die Feuchte der Umgebung. Rebwurzeln wachsen sowohl in fließendem Wasser als auch in wasserdampfgesättigter Luft. Sie sterben jedoch in stehendem, sauerstoffarmem Wasser ebenso ab wie in trockener Luft. Am empfindlichsten gegenüber der Luftfeuchte sind die Wurzelhaare, die schon absterben, wenn die relative Luftfeuchte der Bodenatmosphäre unter 97 % fällt. Am stärksten wachsen die Wurzeln in jener Bodenschicht, in der ihnen eine angemessene Feuchte die geringste Saugspannung erlaubt. Das sind meist die tieferen Bodenschichten, in denen der Boden feuchter ist. Zugleich entscheidet aber die Bodendurchlüftung darüber. Mit zunehmender Tiefe sinkt nämlich der Sauerstoffgehalt und steigt der Kohlendioxidgehalt, der in einer Schicht von 50 bis 60 cm Tiefe bereits bei etwa 4 bis 5 % liegen kann – für das Wurzelwachstum schädlich. Durch das Wurzelwachstum ändert sich die Zusammensetzung der Bodenatmosphäre. Sauerstoff wird verbraucht, und der Kohlendioxidgehalt steigt; das Gas sinkt in tiefere Bodenschichten ab. Deshalb breiten sich die Wurzeln nur in einer bestimmten Bodentiefe aus, die ihnen ideale Bedingungen bietet – abhängig von der mechanischen Zusammensetzung des Bodens (in schweren Böden näher an der Oberfläche, in steinigen tiefer), von der Wärmeleitfähigkeit des Bodens, seiner Feuchte und der Art der Lockerung. Bei flacher Lockerung liegen die Wurzeln oberflächennäher; bei tiefer Lockerung wird der Boden bis in größere Tiefe durchlüftet, und die Wurzeln finden deshalb auch tiefer ausreichend günstige Wachstumsbedingungen.
Beim Wurzelwachstum lassen sich im Lauf der Vegetation zwei Wachstumswellen beobachten. Die erste läuft vom Frühjahr bis Mitte Juli, die zweite tritt meist im September auf. Beide hängen von der Bodenfeuchte ab. Herrscht im Herbst anhaltend trockenes Wetter, bleibt die zweite Welle des Wurzelwachstums ganz aus. Ist der Boden im Weinberg dagegen dauerhaft gleichmäßig feucht, wächst die Wurzel während der gesamten Vegetation weiter. Darin liegt auch der Wert einer Bewässerung, die über die gesamte Vegetationsperiode eine gleichmäßige Feuchte des Bodenprofils sichert (Tropfbewässerung). In der ersten Wachstumswelle beobachtet man zunächst das Längenwachstum der Wurzeln; erst danach, wenn an den Trieben die Geiztriebe erscheinen, setzt auch die stärkere Verzweigung des Wurzelsystems ein.
Grob gesagt liegen bis in etwa 30 cm Tiefe 30 % der aktiven Rebwurzeln, in der Schicht von 30 bis 45 cm etwa 60 % und nur rund 10 % dringen in größere Tiefen vor. Auf die Entwicklung des Wurzelsystems wirken nicht nur die Bodenbedingungen. Sie hängt ebenso vom Pflanzabstand und von der Größe des oberirdischen Teils ab, denn zwischen beiden Teilen – dem oberirdischen und dem unterirdischen – besteht eine enge Korrelation. Mit zunehmender Größe der Erziehungsform des Strauchs wächst auch die Mächtigkeit des Wurzelwerks, und die Durchwurzelungstiefe nimmt zu. Je größer Erziehungsform und Pflanzabstand der Stöcke, desto größer ist das Wurzelsystem – zugleich verzweigen sich die Wurzeln aber extensiver, sodass der Boden weniger dicht durchwurzelt ist.
Lehmige und tonige Böden: Vorteile, Risiken und geeignete Rebsorten

Lehmige und tonige Böden werden gern als Ertragsböden bezeichnet. Sie haben ein großes Wasserhaltevermögen, eine geringe Durchlässigkeit, durchlüften schlecht, erwärmen sich langsamer und sind bindig. Damit ist der Großteil ihrer Eigenschaften für Wachstum und ungestörte Wurzelentwicklung sowie für einen Qualitätsertrag nicht gerade optimal. Das Hauptproblem lehmiger und erst recht toniger Böden ist es, entsprechende Mineralstoffmengen in die tieferen Horizonte einzubringen und eine günstige Struktur zu erhalten, damit keine verdichtete Pflugsohle entsteht – jene Schicht, die dort entsteht, wo beim Pflügen die Sohle des Pflugs läuft. Diese verfestigte Bodenschicht behindert das Eindringen der Nährstoffe in den Unterboden und erschwert die Bildung feiner Wurzelhaare im harten, unelastischen Unterboden. Auf lehmigen Böden bauen wir vor allem sehr ertragreiche Sorten an, deren guter Ertrag durch die gleichmäßige Wasseraufnahme auf dem gleichmäßig feuchten Lehmboden gefördert wird. Aromasorten entwickeln dort ein intensives Aroma. Eine Bewässerung ist auf ihnen problematisch.
Der Grundwasserspiegel kann bei der Anlage von Weinbergen entscheidend sein, wenn er zu hoch liegt. Die Weinrebe verträgt keine vernässten, luftarmen Böden. Auf ihnen lassen sich keine Weinberge anlegen. Handelt es sich um kleinere Stellen inmitten von Weinbergsflächen, müssen sie dräniert werden. Der höchstzulässige Grundwasserspiegel hängt vom Bodentyp ab. In sonst gut durchlüfteten Böden kann er bei etwa 2 m liegen, in lehmigen bei etwa 3 m. Auf erhöhten Dammschüttungen, die gut durchlüftet sind, lassen sich in Extremfällen auch inmitten von Flächen mit höherem Grundwasserstand Reben anbauen.
Bodenfarbe und Schneeschmelze als Hilfsindikatoren des Standorts

Die Bodenfarbe gilt mitunter ebenfalls als bedeutsamer Standortfaktor. Der Boden wirkt nicht nur auf die Wurzeln, sondern über die Ausbildung des bodennahen Klimas auch auf den oberirdischen Teil. In Gebieten mit reichem Sonnenschein empfiehlt es sich, auf helle Böden weiße Sorten und auf dunkle Böden rote Sorten zu pflanzen. Helle Böden reflektieren mehr Sonnenstrahlen. Trauben weißer Sorten erwärmen sich langsamer als die roter Sorten. Deshalb erwärmen sich die Trauben einer weißen Sorte über hellem Boden, der tagsüber die Sonnenstrahlen zurückwirft, stärker – und die Traubenqualität steigt. Rote Trauben sind wegen ihrer dunklen Farbe anfälliger für Sonnenbrand, der über hellen Böden häufiger auftritt. Weil sich rote Trauben tagsüber leichter erwärmen, brauchen sie keine so warme Luft und können auf dunklem Boden stehen, der mehr Sonnenstrahlen aufnimmt, sich dadurch erwärmt und nachts Wärme abstrahlt. Für rote Trauben ist das von Vorteil, denn sie brauchen insgesamt ein wärmeres Mikroklima, und über dunklen Böden ist die Nachtluft wärmer. In den nördlichen Weinbaugebieten, wo zur Zeit der Traubenreife oft schon kühles Wetter herrscht, sind die Unterschiede nicht so groß, weshalb diese Regel dort kaum noch befolgt wird.
Die Schneeschmelze im Frühjahr ist ein sehr gutes Hilfsmittel, um die Einstrahlungsverhältnisse unterschiedlich gelegener Flächen in einem bewegten Relief zu beurteilen. Man beobachtet, wie rasch der Schnee schmilzt, der im Vorfrühling in dünner Schicht fällt und unter der kräftiger werdenden Frühjahrssonne an den wärmsten Stellen sehr schnell abtaut, während er sich an kühleren Stellen mitunter sehr lange hält.
Punktesystem zur Bewertung von Weinbergsgrundstücken und Fazit

Weinbergsgrundstücke lassen sich mit einem Punktesystem umfassend bewerten. Für jede Eigenschaft des Grundstücks wird eine Skala von 0 bis 9 verwendet. Ungeeignete Eigenschaften erhalten 0 Punkte. Im Bereich 1 bis 3 sind die Eigenschaften ausreichend, im Bereich 4 bis 6 gut und im Bereich 7 bis 9 ausgezeichnet.
Das Grundstück, das wir nach den genannten Eigenschaften umfassend bewerten wollen, gehen wir vorab ab und beurteilen jede Eigenschaft zunächst einzeln – mit einer realen Zahl oder einem Messwert – und danach mit den entsprechenden Punkten. Die Punktwerte werden addiert und die Summe durch vier geteilt.
Beispiele: Grundstück in 125 m Höhe, ebene Ausrichtung, sandiger Boden ohne Hangneigung: 9+4+4+3 = 20:4 = 5 Punkte. Dasselbe Grundstück, aber mit lehmigem Boden: 9+4+8+3 = 24:4 = 6 Punkte. Grundstück in 150 m Höhe, SSW, sandig-lehmiger Boden, Hang mit 20° Neigung: 8+9+9+7 = 33:4 = 8,25 Punkte.
Ist das Grundstück durch Spätfröste gefährdet, zieht man je nach Gefährdungsgrad und Häufigkeit der Spätfröste 1 bis 2 Punkte ab; in stark windigen Lagen werden vom Ergebnis 0,5 Punkte abgezogen.
Die Anlage eines Weinbergs ist eine ausgesprochen langfristige Investition. Sie muss deshalb vorab gründlich durchdacht und die Wahl des Grundstücks gut abgewogen werden, damit die Fläche für den Weinbau wirklich geeignet ist und sich dort nicht nur gute, sondern auch qualitativ hochwertige Ernten erzielen lassen. Weil die Wärmeansprüche der Rebe verhältnismäßig hoch sind, müssen wir unter unseren weniger günstigen Standortbedingungen die Eignung der Grundstücke für einen Weinberg sehr sorgfältig abwägen und solche auswählen, deren Lage eine Verbesserung des Mikroklimas erwarten lässt – einerseits durch Schutz vor kühlendem Wind, andererseits durch die Ausrichtung des geneigten Grundstücks nach Süden. Auf Grundlage der Lage sowie der örtlichen Klima- und Bodenverhältnisse wählen wir dann die Rebsorten, die den natürlichen Bedingungen und zugleich dem Anbauziel entsprechen.
