Kräuselmilbe an der Weinrebe (oft Rebenpockenmilbe genannt)
Die Kräuselmilbe (Calepitrimerus vitis) ist eine mikroskopisch kleine Gallmilbe, die an Weinreben die Kräuselkrankheit auslöst. Sie erkennen den Befall an gekräuselten Blättern, gestauchten Trieben und deformierten Blattadern – so beugen Sie vor und behandeln richtig.
Inhalt
Kräuselmilbe und Pockenmilbe – zwei Gallmilben an der Weinrebe
(Calepitrimerus vitis)
Die Kräuselmilbe ist eine mikroskopisch kleine Gallmilbe, die höchstens 0,15 mm groß wird, trotz ihrer geringen Größe aber erhebliche Schäden im Weinberg anrichten kann. Sie verursacht die sogenannte Kräuselkrankheit der Rebe, auch Akarinose genannt. Umgangssprachlich wird sie häufig als Rebenpockenmilbe bezeichnet – botanisch trägt diesen Namen allerdings die verwandte Pockenmilbe (Colomerus vitis), die statt der Kräuselung die typischen Blattpocken hervorruft. Befallene Reben wachsen verlangsamt und tragen gekräuselte Blätter; hält man sie gegen das Licht, sind Einstiche mit deformierten Blattadern zu erkennen. Die Blütenstände bilden sich an stark befallenen Rebstöcken gar nicht oder bleiben verkümmert, bei sehr starkem Befall können ganze Pflanzen absterben.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Milben mehrere Generationen pro Jahr bilden und als erwachsene Weibchen unter den Knospenschuppen und in der Rinde überwintern.
Kräuselmilbe – Verursacher der Akarinose und weitere Weinrebenkrankheiten

An der Weinrebe ist die Kräuselmilbe einer der Verursacher der Kräuselkrankheit, die auch Akarinose genannt wird. Sie verursacht verlangsamtes Wachstum, gekräuselte Blätter und deformierte Blüten, sodass es kaum zur Fruchtbildung kommt. Gekräuselte und verformte Blätter an der Weinrebe können jedoch auch andere Ursachen haben:
Ähnliche Verformungen verursacht der Echte Mehltau (Erysiphe necator, früher Uncinula necator). Der Pilz befällt Blätter, Triebe und Trauben der Weinrebe, hemmt das Wachstum und lässt junge Blätter kraus und verkrüppelt bleiben.
Typisch sind eingerollte, verdrehte und brüchige Blätter. Beim Echten Mehltau kommt ein mehlig-weißer Belag auf Blattober- und -unterseite dazu, beim Falschen Mehltau (Plasmopara viticola) dagegen ölige Flecken oben und ein weißer Pilzrasen unten. Beides kann zu einer Einschränkung der Photosynthese und zum Ernteverlust führen. Auch die Trauben werden befallen, verrieseln oder trocknen ein, was Menge und Qualität des Leseguts mindert.
Neben ungünstigen Witterungsbedingungen (hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen) können auch ungeeignete Anbaubedingungen wie unzureichende Bewässerung, zu hohe Pflanzendichte oder mangelnde Belüftung und Belichtung Ursachen für das Auftreten der Kräuselkrankheit der Weinrebe sein.
Vorbeugung und Behandlung setzen bei den Standortbedingungen an: befallene Pflanzenteile regelmäßig entfernen, Falllaub aufsammeln, mit dem Rebschnitt für eine luftige und gut belichtete Laubwand sorgen und Düngung wie Bewässerung dem tatsächlichen Bedarf anpassen. Treten Pilzkrankheiten trotz Vorbeugung auf, kommen Fungizide infrage, die für Weinreben im Haus- und Kleingarten zugelassen sind.
Kräuselmilbe bekämpfen: Netzschwefel, Raubmilben und Vorbeugung
Eine Behandlung gegen die Kräuselmilbe wirkt am besten früh im Frühjahr – zum Austrieb, wenn die Knospen schwellen und die ersten Blätter erscheinen.
Eingesetzt werden dürfen nur zugelassene Mittel – achten Sie dabei auf den Wirkstoff, nicht auf den Handelsnamen:
- Netzschwefel (Wirkstoff Schwefel) – die klassische Austriebsspritzung gegen Gallmilben,
- Rapsöl-Präparate – erfassen überwinternde Milbenstadien an Rinde und Knospen,
- weitere Akarizide nur dann, wenn sie im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL für Weinreben im Haus- und Kleingarten zugelassen sind.
Verwenden Sie bei der Behandlung der Rebe mit Spritzmitteln stets Schutzausrüstung, Schutzbrille und Handschuhe. Waschen Sie sich nach der Anwendung der Mittel gründlich die Hände und essen oder trinken Sie während des Spritzens nicht.
Denken Sie daran: Pflanzenschutzmittel können Mensch, Tier und Umwelt schaden – halten Sie Aufwandmenge, Wartezeit und Gebrauchsanleitung genau ein.
Neben chemischen Mitteln bewährt sich der biologische Weg: die Raubmilbe Typhlodromus pyri und weitere Raubmilben halten Gallmilben im Weinberg dauerhaft in Schach.
Am wichtigsten ist jedoch auch in diesem Fall die Vorbeugung, d.h.:
- gesundes Pflanzgut kaufen,
- einzelne Rebstöcke ausreichend weit voneinander pflanzen,
- den Rebschnitt so führen, dass die Laubwand licht und luftig bleibt,
- alle befallenen Blätter entfernen,
- die Reben ausgewogen mit Nährstoffen versorgen und Stickstoffgaben nicht übertreiben, damit die Triebe gut ausreifen.
