Wildverbiss-Schutz für junge Bäume: Zaun, Stammschutz und Anstriche
Woran Sie erkennen, ob Hase, Kaninchen oder Reh am Bäumchen war, wie hoch Zaun und Stammschutz sein müssen und was Sie mit einem Baum tun, dessen Rinde benagt wurde.
Ein Hase kann die Rinde eines jungen Obstbaums in einer einzigen Winternacht ringsum abnagen, und der Baum stirbt oberhalb dieser Stelle ab. Ein Reh verbeißt dagegen den Leittrieb, aus dem die Krone entstehen sollte. Gärten am Ortsrand, an Feldern und am Wald sind jeden Winter gefährdet. Der Schutz ist nicht kompliziert, er muss nur angebracht werden, bevor Schnee fällt.
Wann und welchen Bäumen Verbiss droht

- Zeitraum: vor allem im Winter und Vorfrühling, besonders wenn Schnee liegt und das Wild kein anderes Futter findet. Rehe verbeißen auch im Frühjahr die austreibenden Knospen.
- Bäume: am meisten gefährdet sind frisch gepflanzte und wenige Jahre alte Bäume mit glatter Rinde. Hasen und Kaninchen nagen am liebsten an Apfelbäumen, verschmähen aber auch Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Ziergehölze nicht.
- Höhe: Mit dem Schnee wächst auch die Höhe, die das Wild erreicht. Ein Hase auf gefrorenem Schnee benagt die Rinde auch dort, wo er im Sommer nicht hinkommt.
Bringen Sie den Schutz gleich beim Pflanzen des Baums an, spätestens im Herbst vor dem ersten Schnee.
Hase, Kaninchen oder Reh: Verbiss erkennen

| Verursacher | Wie der Schaden aussieht | Wo am Baum |
|---|---|---|
| Feldhase | glatter, schräger Schnitt wie mit dem Messer (der Hase hat scharfe obere und untere Schneidezähne), abgenagte Rinde mit Zahnspuren | Stamm und untere Äste, mit der Schneehöhe auch weiter oben |
| Wildkaninchen | ähnlich wie beim Hasen, nagt die Rinde in Bodennähe ab, oft rund um den Stamm | unterer Stammbereich, Wurzelhals |
| Reh (Verbiss) | ausgefranstes, abgerissenes Triebende (Rehe haben keine oberen Schneidezähne und reißen den Trieb ab) | Leittrieb und Seitentriebe, Knospen, so weit das Reh reicht |
| Rehbock (Fegeschaden) | Rinde an einer Seite des Stämmchens in Streifen abgeschabt, abgebrochene Zweige | Stämmchen im unteren Bereich, vor allem im Frühjahr |
| Wühlmäuse | feine Zahnrillen, Rinde am Boden oder darunter abgenagt, benagte Wurzeln | Wurzelhals unter dem Schnee, Wurzeln |
Auch die Losung verrät den Verursacher. Hasenkot ist rund, größer und einzeln verstreut, Kaninchenkot kleiner und in Häufchen, Rehlosung besteht aus länglichen, glänzenden Kügelchen in Haufen. Schäden durch Wühlmäuse unter dem Schnee zeigen sich erst im Frühjahr, wenn sich das Bäumchen manchmal mit der Hand aus der Erde ziehen lässt. Was man dagegen tun kann, beschreibt der Artikel Feldmaus.
Zaun: der zuverlässigste Schutz
- Mindestens 150 cm hoch. Wo im Winter viel Schnee fällt, noch höher, denn das Wild läuft über den Schnee einfach über den Zaun. Gegen Rehe, die über Zäune springen können, braucht man einen höheren Zaun.
- In den Boden eingelassen. Wildkaninchen graben sich unter dem Zaun durch. Verzinkten Maschendraht mindestens 30 cm tief eingraben oder unten L-förmig nach außen umbiegen. Statt Draht tut es auch eine Reihe eingelassener Platten entlang des Zauns.
- Maschenweite. Gegen Kaninchen braucht es in Bodennähe engere Maschen, durch größere zwängen sie sich hindurch.
- Kontrolle im Winter. Gehen Sie den Zaun nach jedem stärkeren Schneefall ab. Schneewehen am Zaun wirken wie eine Stufe.
Stammschutz

Im nicht eingezäunten Garten oder auf der Streuobstwiese schützen Sie jeden Baum einzeln. Der Stammschutz sollte mindestens bis 130 cm reichen, bei viel Schnee höher, und unten am Boden anliegen oder leicht eingegraben sein, damit weder Kaninchen noch Wühlmaus darunter gelangen.
- Drahthose aus Maschendraht rund um den Stamm, am Pfahl befestigt. Am langlebigsten, an die Rinde kommt Luft, und mit Abstand zum Stamm behindert sie das Wachstum nicht. Sie kann auch über den Sommer bleiben.
- Kunststoff-Spirale lässt sich leicht anbringen und wächst mit dem Stamm. Die Rinde darunter wird aber feucht und Schädlinge setzen sich fest, deshalb im Frühjahr abnehmen und den Stamm kontrollieren.
- Netz- oder gelochte Kunststoffmanschette. Ähnlich wie die Spirale, mit Löchern für die Luftzirkulation.
- Latten, Schilf oder Fichtenrinde um den Stamm gebunden. Günstig und wirksam.
Hüllen aus Stroh, Reisig oder Papier sind schlechter. Sie halten Feuchtigkeit und Schädlinge überwintern darin. Wenn Sie sie verwenden, im Frühjahr abnehmen und entsorgen. Undurchsichtige Folie ohne Löcher gehört gar nicht an den Stamm, die Rinde darunter verschwitzt.
Der Schutz darf nicht einschnüren. Sobald der Stamm dicker wird, die Bindung lockern oder den Schutz durch einen größeren ersetzen (mehr zu Schäden durch Anbindungen im Artikel mechanische Rindenschäden an Bäumen).
Triebe und Knospen vor Rehen schützen
Gegen Rehe reicht ein Stammschutz nicht, denn das Reh verbeißt Triebe und Knospen in der Krone. Junge Bäume, deren Krone sich gerade erst bildet, schützen Sie:
- mit einer Einzäunung aus Maschendraht um den ganzen Baum (Drahtzylinder oder drei Pfähle mit Draht), ausreichend hoch und mit Abstand, damit das Reh nicht über den Rand reicht;
- mit Einzelschutz für den Leittrieb (Manschetten, Klammern, Umwicklung);
- mit einem Anstrich oder einer Spritzung der Knospen mit einem Verbissschutzmittel (siehe unten).
Gegen Fegeschäden, wenn Rehböcke im Frühjahr ihr Gehörn an Stämmchen fegen, hilft ein stabiler Pfahl oder mehrere Pflöcke dicht am Stämmchen, eventuell eine Drahthose.
Verbissschutz-Anstriche
Wo sich Bäume nicht einzäunen oder umhüllen lassen, helfen Anstriche und Spritzungen von Stamm und Knospen, die das Wild durch Geruch oder Geschmack abhalten. Verwenden Sie nur Mittel, die in Deutschland zugelassen sind (Datenbank des BVL), und halten Sie sich genau an die Gebrauchsanweisung.
- Im Herbst bei trockenem Wetter und Temperaturen über null auftragen, damit das Mittel antrocknet.
- Den Stamm bestreichen, bei niedrigen Baumformen auch die unteren Äste und bei gefährdeten Bäumen auch den Leittrieb.
- Die Wirkung lässt mit der Zeit nach, Regen und Schnee waschen das Mittel ab. Erneuern Sie den Anstrich in dem Abstand, den der Hersteller angibt.
Sehen Sie Anstriche als Ergänzung. Zuverlässigen Schutz bieten nur Zaun oder fester Stammschutz. Ein Weißanstrich des Stamms mit Kalkfarbe schützt die Rinde vor Frostrissen (siehe Baumschäden ohne Schädlinge), gegen Verbiss hilft er aber nicht.
So versorgen Sie einen verbissenen Baum
- Rinde nur an einem Teil des Umfangs abgenagt: Die ausgefransten Wundränder mit einem scharfen Messer bis auf die gesunde Rinde glatt schneiden und die Wunde überwallen lassen. Sie heilt von den Rändern her. Große Wunden können Sie an den Rändern mit einem Wundverschlussmittel für Bäume behandeln. Wie Stammwunden heilen, beschreibt der Artikel mechanische Rindenschäden an Bäumen.
- Rinde ringsum abgenagt: Oberhalb dieser Stelle kann der Baum keine Nährstoffe mehr von den Blättern zu den Wurzeln leiten und stirbt meist ab. Einen wertvollen Baum kann man mit einer Brückenpfropfung retten, bei der mehrere Edelreiser über die Wunde gesetzt werden, die die gesunde Rinde ober- und unterhalb verbinden (das Verfahren hängt mit dem Artikel Veredelung von Obstbäumen zusammen). Bei einem jungen Bäumchen ist es einfacher, es unterhalb der Schadstelle, aber über der Veredelungsstelle abzuschneiden und aus einem Austrieb ein neues Stämmchen zu ziehen, oder den Baum zu ersetzen.
- Verbissener Leittrieb: Über einer gesunden, nach außen zeigenden Knospe zurückschneiden. Den kräftigsten der neuen Triebe als neue Spitze erziehen, die anderen einkürzen.
- Künftiger Schutz: Einen Baum, der einmal verbissen wurde, kennt das Wild. Rechnen Sie damit, dass es wiederkommt, bevor Sie den Schutz ergänzt haben.
Häufige Fehler
- Zu niedriger Stammschutz, über den der Hase vom Schnee aus hinwegreicht.
- Lücke zwischen Stammschutz und Boden, durch die Kaninchen oder Wühlmaus gelangen.
- Spirale oder Hülle den ganzen Sommer am Stamm gelassen.
- Draht oder Schnur, die in die Rinde einwächst.
- Schutz erst nach dem ersten Verbiss angebracht.
- Allein auf Duftmittel verlassen an Orten mit hohem Wilddruck.
Wildverbiss ist nicht der einzige Winterschaden. Weitere Ursachen für Schäden an Rinde und Stamm finden Sie in den Artikeln Baumschäden ohne Schädlinge und tierische Schädlinge im Rasen.
Häufige Fragen
Wie hoch muss ein Stammschutz gegen Hasen sein?
Mindestens 130 cm, wo viel Schnee fällt, auch mehr. Unten muss er am Boden anliegen oder leicht eingegraben sein.
Wie erkenne ich, ob Hase oder Reh am Baum war?
Der Hase beißt den Trieb glatt und schräg ab, als wäre er mit dem Messer geschnitten. Das Reh hat keine oberen Schneidezähne, reißt den Trieb ab und das Ende bleibt ausgefranst. Rehverbiss sitzt höher, an Trieben und Knospen, der Hase nagt die Rinde am Stamm ab.
Überlebt ein Baum, dessen Rinde ringsum abgenagt wurde?
Meist nicht, der Teil oberhalb der Wunde stirbt ab. Einen wertvollen Baum kann eine Brückenpfropfung retten, ein junges Bäumchen ein Rückschnitt unterhalb der Wunde, sofern der Schaden über der Veredelungsstelle liegt.
Wann bringt man den Stammschutz an?
Beim Pflanzen, spätestens im Herbst vor dem ersten Schnee. Kunststoffspiralen und Hüllen im Frühjahr abnehmen, Drahthosen können das ganze Jahr bleiben.
