Eichenprozessionsspinner und andere Spinner: Raupennester an Bäumen
Gespinstnester an den Zweigen, Eiringe um die Triebe und Raupen in Prozessionen. So erkennen Sie Eichenprozessionsspinner, Ringelspinner, Kiefernspinner und Wollafter.
Spinner und Prozessionsspinner sind Nachtfalter, deren Raupen an Bäumen häufig gesellig in Gespinstnestern leben. Die Raupen der Prozessionsspinner tragen Brennhaare, die beim Menschen Hautreizungen auslösen können.
Wollafter an Birken


Eriogaster lanestris
Wirtsgehölze: Birken, Linden, Weiden, Rosengewächse.
Symptome: die Raupen fressen die Blätter zunächst nur vom Rand her, später fressen sie sie vollständig. Schließlich verursachen sie Kahlfraß an Teilen der Krone und legen dabei unterschiedlich große, sackartige Gespinste an.
Schädling: die Falter erreichen eine Flügelspannweite von bis zu 42 mm, die Grundfärbung der Flügel ist rostbraun bis graubraun, mit einer auffälligen hellen Binde auf den Flügeln und zwei weißen Flecken auf den Vorderflügeln. Bei den Weibchen ist das Hinterleibsende mit dichten, hellgrauen Haaren bedeckt. Die Raupen werden bis zu 50 mm lang, sind schwarz- bis graubraun, weißlich, gelblich oder rötlich behaart, mit zwei Reihen gelbrot behaarter, meist weiß umrandeter Flecken auf dem Rücken. Der Kopf ist schwarz, die Bauchfüße sind rotbraun. Das Puppenstadium dauert häufig bis zu 7 Jahre.
Verwechslungsmöglichkeiten: ähnliche Gespinste spinnen auch die Raupen der Gespinstmotten (mehr) und des Goldafters (mehr), die Färbung der Raupen ist jedoch unverwechselbar.
Schadwirkung: Aufhellung der Krone bis hin zu teilweisem Kahlfraß. Auffällig ist das große Gespinstnest, zu einer wirklichen Schädigung der Bäume kommt es jedoch nur ganz ausnahmsweise.
Schutz: meist nicht nötig, bei Befall junger Bäume lassen sich Präparate auf Basis von B. thuringiensis oder Chitinsynthesehemmer einsetzen.
Ringelspinner


Malacosoma neustria
Wirtsgehölze: Birken, Eichen, Pappeln, Weiden, Weißdorne, Haseln, Schlehen, die meisten Obstgehölze.
Symptome: von Juni bis Juli legen die Weibchen spiralige Eiringe rund um die Zweige. Die Raupen leben zunächst in Gespinsten, später verteilen sie sich und leben einzeln. Typisch ist außerdem die Färbung der Raupen.
Schädling: die Raupen werden bis zu 5 cm lang. Anfangs sind sie dunkel, später bekommen sie ihre unverwechselbare Streifenzeichnung. An den Körperseiten tragen sie je einen breiten, leuchtend blauen Streifen. Die Rückenseite der Raupen ist auffällig fein schwarz-weiß-gelb gestreift. Bei Störung schlagen die Raupen mit dem Vorderkörper. Die Falter sind rostbraun mit zwei Querbinden. Die Flügelspannweite beträgt etwa 25–35 mm.
Verwechslungsmöglichkeiten: die Art der Eiablage und die Färbung der Raupen sind unverwechselbar.
Schadwirkung: früher eine sehr häufige und schädliche Art. Heute tritt sie nur noch selten schädigend auf. Bei starkem Auftreten verursacht sie bis zu Kahlfraß, jedoch nur an einzelnen Ästen.
Schutz: Abschneiden und Vernichten der Eiringe oder der Gespinste der Raupen in den ersten Larvenstadien. Ein Eingriff ist jedoch meist nicht nötig. Im Bedarfsfall ließen sich Biopräparate auf Basis von B. thuringiensis einsetzen.
Eichenspinner


Lasiocampa quercus
Wirtsgehölze: Eichen, viele Nadel- und Laubgehölze, zahlreiche Straucharten.
Symptome: Fraß der Raupen an Blättern und Nadeln verschiedener junger Baumarten (etwa bis 2 m Höhe) und an Sträuchern. Der Fraß beginnt ab September und setzt sich nach der Überwinterung ab März bis April fort.
Schädling: die Falter sind ockergelb (Weibchen) oder braun (Männchen), mit einem hellen Fleck auf den Vorderflügeln und unterschiedlich getönten Binden über Vorder- und Hinterflügel. Die Weibchen sind größer und heller.
Die Raupen werden bis zu 70 mm lang und sind samtig braun behaart, mit einer Zeichnung aus weißen Haaren und einer weißen Seitenbinde. Im Mai spinnen sich die Raupen einen seidigen, braunen Kokon, der entweder auf der Bodenoberfläche oder an der Pflanze liegt.
Verwechslungsmöglichkeiten: Fraß durch andere Insekten.
Schadwirkung: bei starkem Raupenfraß bis hin zum Kahlfraß (in Mitteleuropa äußerst seltene Fälle – Anm. d. Red.) können Nadelgehölze absterben. Laubsträucher und Laubbäume sind bei einer einmaligen Schädigung nicht gefährdet.
Schutz: Spritzung der ersten Larvenstadien im Herbst mit biologischen Insektiziden auf Basis von B. thuringiensis, gegen die die Raupen sehr empfindlich sind. Die Behandlung lässt sich auch im Frühjahr so früh wie möglich nach dem Entdecken des Fraßes durchführen.
Kiefernspinner


Dendrolimus pini
Wirtsgehölze: Kiefern (einschließlich Berg- und Moorkiefer), Douglasie, Weymouth-Kiefer, Lärchen.
Symptome: die großen, kurz und dicht behaarten Raupen fressen die Nadeln so weit ab, dass nur ganz kurze Nadelscheiden zurückbleiben. Zuerst fressen sie die älteren Nadeln, später auch die jüngeren.
Schädling: die Raupen haben eine braune Grundfärbung mit schwarzen, U-förmigen Zeichnungen auf dem Rücken. Sie kommen von August bis Oktober an den Bäumen vor und nach der Überwinterung in der Streuschicht am Stammfuß von März bis Mitte Juni. Die Falter haben eine Flügelspannweite von 50 mm (Männchen) bis 80 mm (Weibchen). Die Grundfärbung der Falter reicht von Grauschwarz über Graubraun bis zu allen Brauntönen. Typisch ist der weiße Punkt auf den Vorderflügeln.
Verwechslungsmöglichkeiten: weitere Raupenarten, die Kiefernnadeln fressen. Raupen und Falter sind jedoch sehr charakteristisch.
Schadwirkung: diese Art befällt vor allem ältere Bestände. Normalerweise ist die Schadwirkung unbedeutend, Massenvermehrungen sind sehr selten, stärker tritt sie im Norden Europas in Erscheinung.
Schutz: ist meist nicht nötig. Im Bedarfsfall ließen sich im Herbst gegen jüngere Raupen Präparate auf Basis von B. thuringiensis einsetzen, im Frühjahr dann Chitinsynthesehemmer.
Eichenprozessionsspinner an Eichen


Thaumetopoea processionea
Wirtsgehölze: Eichen, vor allem die Zerreiche.
Symptome: Fraß an den Blättern. An jungen Blättern verlaufen die von Gespinst überzogenen „Straßen“ der Raupen, beim Fraß an älteren Blättern werden diese skelettiert, sodass nur die Blattadern übrig bleiben. Die Nester der Raupen sitzen meist an den Stämmen und in den Gabelungen der Kronengerüstäste. Typisch sind die „Prozessionen“ der behaarten, graugelben Raupen an den Stämmen.
Schädling: der Eichenprozessionsspinner hat eine Flügelspannweite von 25–30 mm. Die Raupen tragen rotbraune „Spiegel“ aus Haaren. Die Gelege aus 100–200 Eiern in Form glatter, mit Haaren bedeckter Platten finden sich am häufigsten an der Rinde älterer, freistehender Eichen.
Verwechslungsmöglichkeiten: andere Raupenarten.
Schadwirkung: Aufhellung der Kronen oder vereinzelter Kahlfraß sind meist ohne größere Bedeutung. Wiederholter Kahlfraß kann zum Absterben der Bäume oder zu Folgeschäden führen. Achtung, die leicht brechenden Brennhaare der Raupen lösen schmerzhafte Entzündungen von Haut und Augen aus. Beim Menschen können die Brennhaare Hautausschlag und Reizungen der Atemwege hervorrufen – die Nester sollten deshalb niemals von Laien entfernt werden, sondern nur von Fachleuten mit Schutzausrüstung.
Schutz: wegen der durch die Raupenhaare ausgelösten Entzündungen ist er im Siedlungsbereich unerlässlich. Wirksam sind sowohl Biopräparate auf Basis von Bacillus thuringiensis kurstaki als auch weitere Insektizide.
Pinienprozessionsspinner an Kiefern


Thaumetopoea pityocampa
Wirtsgehölze: verschiedene Kiefern- und Zedernarten, seltener auch Fichten, Lärchen und Tannen.
Symptome: zunächst Schabefraß, später Kahlfraß an den Nadeln. Vom Herbst über den Winter hängen in den Bäumen weiße, wattige, bis zu einen halben Meter große Nester, in denen Hunderte von Raupen sitzen.
Schädling: die dunklen Raupen sind dicht behaart, an den Seiten tragen sie helle Haare, auf dem Rücken ein Band aus rostfarbenen Haaren. Die Falter sind grauweiß und tragen am Kopf eine charakteristische vierzähnige Kammleiste. Die Männchen haben doppelt gekämmte Fühler. Achtung! Nach Berührung der Raupen kommt es zu starken allergischen Hautreaktionen. Es handelt sich um einen im Mittelmeerraum häufigen Schädling. In Mitteleuropa tritt er bisher nur selten auf, weil die niedrigeren Temperaturen meist keine vollständige Entwicklung zulassen.
Die Raupen überwintern in den Nestern, wo sie vor Kälte und Fressfeinden geschützt sind. Im Frühjahr wandern sie in „Prozessionen“ von den Bäumen herab, um sich im Boden zu verpuppen. Das Puppenstadium dauert von einigen Monaten bis zu vier Jahren. Die Falter fliegen im Sommer, die Weibchen legen nach der Paarung ihre Eier an der Basis der Nadeln der Wirtspflanzen ab. Nach etwa einem Monat schlüpfen die Raupen und beginnen nach zweimaliger Häutung mit dem Spinnen der Nester.
Verwechslungsmöglichkeiten: anhand der Winternester ist die Bestimmung unverwechselbar.
Schadwirkung: schwere Nadelverluste bis hin zu Kahlfraß. Einen vereinzelten Kahlfraß überleben die Bäume. Die Bruchstücke der Haare können bei Menschen, die sich in Befallsgebieten dieser Art aufhalten, schwere Allergien auslösen!
Schutz: bei massivem Befall Einsatz von Präparaten auf Basis von Bacillus thuringiensis, gegebenenfalls von Präparaten auf Basis von Insektenwachstumsregulatoren. Die Anwendung erfolgt im Sommer noch vor dem Spinnen der Nester. Eine weitere Möglichkeit ist das Abschneiden und Vernichten der Nester mit den Raupen – Achtung, bei der Arbeit ist Schutzkleidung erforderlich!
Bildnachweise
- Spinner und Prozessionsspinner: Hans Gasperl, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Spinner und Prozessionsspinner: Patrick Clement., CC BY 2.0, Quelle
- Wollafter: gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K, CC BY 2.0, Quelle
- Ringelspinner: Bennyboymothman, CC BY 2.0, Quelle
- Ringelspinner: gailhampshire, CC BY 2.0, Quelle
- Eichenspinner: pete. #hwcp, CC BY 2.0, Quelle
- Eichenspinner: soebe, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Kiefernspinner: Lsadonkey, CC BY-SA 4.0, Quelle
- Kiefernspinner: J.-H. Janßen, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Eichenprozessionsspinner: Kleuske, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Eichenprozessionsspinner: Bennyboymothman, CC BY 2.0, Quelle
- Pinienprozessionsspinner: unbekannter Autor, CC BY-SA 3.0, Quelle
- Pinienprozessionsspinner: Ben Sale from UK, CC BY 2.0, Quelle
