Scheinzypresse (Chamaecyparis)
Winterharte Nadelgehölze vom zwanzig Meter hohen Solitär bis zur Zwergkonifere für den Steingarten — Arten und Sorten im Überblick, Pflege, Schnitt und Düngung
Wie die Scheinzypresse aussieht und wofür sie im Garten taugt
Immergrüne, winterharte Nadelgehölze in verschiedenen Farben und Formen, im Garten vielseitig einsetzbar.
Standort: sonnig bis leicht schattig; normale bis kalkreichere Böden.
Höhe: je nach Art und Wuchsform 2-25 m.
Blütezeit: März-Mai.
Vermehrung: durch Samen und Stecklinge.
Die hohen immergrünen Bäume aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) haben flache, meist fächerförmig verzweigte Jungtriebe. Die Blätter stehen kreuzgegenständig und sind in der Regel schuppenförmig. Die sehr unscheinbaren männlichen und weiblichen Blüten sitzen an derselben Pflanze (eingeschlechtige Blüten). Die Zapfen sind klein und kugelig.
Fast alle Arten der Gattung sind sehr veränderlich, was die große Zahl vegetativ vermehrter Formen erklärt. Sie unterscheiden sich von der Grundart durch veränderten Habitus und abweichende Färbung der Benadelung. In Gärten werden den „reinen“ Arten in der Regel die Sorten vorgezogen.
Bei dieser Formenvielfalt lassen sich Scheinzypressen für viele verschiedene Zwecke einsetzen: hohe Formen als Solitärgehölze, aufrechte säulenförmige Formen für Hecken, niedrige Formen als Zwergkoniferen für Vorgärten, für schmale Beete, für den Steingarten und für Tröge.
Alle Arten und Formen sind ausreichend winterhart, stellen keine besonderen Ansprüche an den Boden und gedeihen gut an sonnigen bis leicht schattigen Standorten.
Im Gartenhandel werden fünf Arten und dazu Hunderte von Gartenformen angeboten. Die folgende Übersicht ordnet sie von der weit verbreiteten Lawsons Scheinzypresse bis zur selteneren Weißzeder-Scheinzypresse; bei dreien finden Sie außerdem eine Tabelle der am häufigsten kultivierten Sorten mit Wuchsform, Höhe und Nadelfarbe.
Scheinzypresse oder Zypresse? So unterscheiden Sie beide
Beide Namen klingen fast gleich, es handelt sich aber um zwei verschiedene Gattungen aus derselben Familie der Zypressengewächse. Die Scheinzypresse (Chamaecyparis) hat flache, fächerförmig angeordnete Zweige und kleine kugelige Zapfen von nur rund einem Zentimeter, die schon im ersten Jahr reifen. Die Zypresse (Cupressus) hat im Querschnitt eher vierkantige, allseitig abstehende Zweige, und ihre Zapfen sind deutlich größer und brauchen zwei Jahre bis zur Reife.
Für den Gärtner ist aber ein praktischer Unterschied wichtiger: Scheinzypressen stammen aus Nordamerika und Japan, und unsere Winter machen ihnen nichts aus, während die meisten Zypressen mediterran sind und bei uns im Freiland nicht überwintern. Wenn Sie also in der Gärtnerei einen Topf mit dem Etikett „Scheinzypresse“ in der Hand halten, haben Sie ein Gehölz vor sich, das sich dauerhaft nach draußen pflanzen lässt. Zur selben Verwandtschaftsgruppe gehören außerdem der Wacholder und der Lebensbaum (Thuja), mit denen die Scheinzypresse aus der Ferne leicht zu verwechseln ist.
Lawsons Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana)

Dieser hohe Baum ist in der pazifischen Region Nordamerikas beheimatet. Am besten gedeiht er an halbschattigen Plätzen und in frischem lehmigem Boden. Von insgesamt 150 Gartenformen sind die wichtigsten in der Tabelle aufgeführt.
Sie ist die am häufigsten gepflanzte Scheinzypresse. Von den übrigen Arten unterscheidet sie die weich überhängende Spitze des Gipfeltriebs und der feine Petersilienduft, den zerriebene Zweige abgeben. Frei gepflanzt wird sie 10 bis 15 Meter hoch, säulenförmige Sorten lassen sich aber viele Jahre lang durch Schnitt in einer Hecke halten.
Die wichtigsten Gartenformen der Lawsons Scheinzypresse
| Sorte | Wuchsform | Höhe (m) | Nadelfarbe |
|---|---|---|---|
| ‚Alumii‘ | schmal kegelförmig | 10-12 | bereift blau |
| ‚Blue Surprise‘ | dicht kegelförmig, kompakt | 3-5 | auffällig blaugrün |
| ‚Columnaris‘ | schmal säulenförmig | 5-10 | unterseits blaugrün |
| ‚Elwoodii‘ | kegelförmig, kompakt | 2-3 | blaugrün |
| ‚Erecta aurea‘ | kegelförmig, kompakt | 2-3 | goldgelb |
| ‚Golden Wonder‘ | schlank kegelförmig | 5-6 | dunkel goldgelb |
| ‚Green Hedger‘ | dicht kegelförmig | 5-6 | frischgrün |
| ‚Green Pillar‘ | schmal säulenförmig | 4-8 | hellgrün |
| ‚Howarths Gold‘ | gedrungen kegelförmig | 2-3 | hellgelb |
| ‚Intertexta‘ | locker aufrecht, Zweigspitzen überhängend | 8-10 | blaugrün |
| ‚Kelleris Gold‘ | schlank säulenförmig | 5-6 | goldgelb |
| ‚Lanei‘ | ziemlich säulenförmig | 5-10 | goldgelb |
| ‚Minima Glauca‘ | zwergig, flach kugelig | 1.5 | blaugrün |
| ‚Rijnhof‘ | zwergig, flach und überhängend | 1 | grau- bis blaugrün |
| ‚Spek‘ | kegelförmig | 10-12 | graublau |
| ‚Stardust‘ | breit kegelförmig | 5-10 | schwefelgelb |
| ‚Stewartii‘ | kegelförmig | 8-10 | gelbgrün |
| ‚Tharandtensis Caesia‘ | zwergig, breit kegelförmig | 1.5 | matt blaugrün |
| ‚Tilgate‘ | flach kugelig | 1 | frischgrün |
| ‚White Spot‘ | säulenförmig, locker verzweigt | 4-5 | teilweise weiß oder weiß marmoriert |
| ‚Wisselii‘ | schmal kegelförmig | 8-10 | blaugrün |
Nootka-Scheinzypresse (Chamaecyparis nootkatensis)

Der stattliche hohe Baum wächst im Küstengebiet im Westen Nordamerikas, von Oregon bis nach Alaska. Er bildet kleine kugelige Zapfen mit charakteristischen Höckern. Der Baum sieht nicht nur interessant aus, er verträgt auch Luftverschmutzung durch Immissionen, sommerliche Trockenheit und starke Winterfröste recht gut. Eine bedeutende Gartenform ist Ch. nootkatensis ‚Pendula‘, ein schöner, 15 m hoher Baum mit ausgeprägtem Gerüst überhängender Äste. Zu den farbigen Formen gehören ‚Aurea‘ (hellgelbe Nadeln) und ‚Glauca‘ (blaugrüne Nadeln).
Von allen Scheinzypressen ist sie die widerstandsfähigste gegen Frost und gegen Stadtluft, sie eignet sich also auch dort, wo andere Arten nur kümmern. Überhängende Formen brauchen viel Platz in die Breite — rechnen Sie mit einer Krone von drei bis vier Metern.
Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa)

In ihrer Heimat Japan ist dieser bis zu 30 m hohe Baum für die Forstwirtschaft wichtig und hat außerdem religiöse Bedeutung. Der Kaiserpalast in Kyoto und die Shinto-Schreine bestehen größtenteils aus dem Holz der Hinoki-Scheinzypresse. In Gärten sind die Zwergformen dieser Art sehr beliebt. Die Sorte ‚Crippsii‘ hat einen breit kegelförmigen Wuchs und abstehende Äste mit überhängenden Spitzen. Sie wird 3-5 m hoch. Die Nadeln sind meist goldgelb, nur im Inneren der Pflanze gelbgrün.
Gerade aus dieser Art stammen die schönsten Zwergkoniferen für Steingärten, Tröge und japanische Gärten. Sie wachsen langsam — oft nur zwei bis fünf Zentimeter im Jahr — und passen deshalb jahrzehntelang in einen kleinen Steingarten und überwachsen die benachbarten Steingartenpflanzen nicht.
Beliebte Zwergformen der Hinoki-Scheinzypresse
| Sorte | Wuchsform | Höhe (m) | Nadelfarbe |
|---|---|---|---|
| ‚Coralliformis‘ | locker, Triebe fadenförmig, Zweige verdickt | 0.5 | bläulich grün |
| ‚D. J. Draht‘ | streng säulenförmig | 2 | blaugrün |
| ‚Nana Gracilis‘ | unregelmäßig, Zweige muschelartig gedreht | 1 | dunkelgrün |
| ‚Nana Lutea‘ | breit kegelförmig, locker | 0.5 | gelb |
| ‚Rigid Dwarf‘ | anfangs säulenförmig, später breit kegelförmig | 1 | dunkelgrün |
| ‚Tetragona Aurea‘ | unregelmäßig strauchig, Triebe hahnenkammförmig | 1-2 | glänzend goldgelb |
Sawara-Scheinzypresse (Chamaecyparis pisifera)

Sie gehört zu der begrenzten Zahl von Nadelgehölzarten, die in japanischen Gärten sehr häufig vorkommen. Auch in europäischen Gärten werden einige der zahlreichen Formen kultiviert. Die wichtigsten Sorten der Sawara-Scheinzypresse sind in der Tabelle aufgeführt.
Ihren botanischen Namen verdankt sie den kleinen, erbsengroßen Zapfen. Gärtnerisch am interessantesten sind die Sortengruppe mit fadenförmigen, lang überhängenden Zweigen (Typ Filifera) und die silbrig blaue ‚Boulevard‘, die zu den meistverkauften Koniferen überhaupt gehört.
Häufig verwendete Gartenformen der Sawara-Scheinzypresse
| Sorte | Wuchsform | Höhe (m) | Nadelfarbe |
|---|---|---|---|
| ‚Boulevard‘ | schmal bis breit kegelförmig | 5 | auffällig silbrig blau |
| ‚Compressa‘ | zwergig, flach kugelig | 0.7 | zart grün |
| ‚Filifera Aurea Nana‘ | locker, Zweige fadenförmig | 1.5 | goldgelb |
| ‚Filifera Nana‘ | locker, Zweige fadenförmig | 1.5 | grün |
| ‚Filifera Sungold‘ | breit kegelförmig, Zweige überhängend | 5 | gelbgrün, sonnenbeständig |
| ‚Nana‘ | kegelförmig, sehr dicht | 0.6 | sattgrün |
| ‚Plumosa Nana Aurea‘ | flach kegelförmig | 1.2 | ganzjährig goldgelb |
| ‚Squarrosa‘ | aufrecht, locker | 15 | silbergrau |
Weißzeder-Scheinzypresse (Chamaecyparis thyoides)

Ein bis zu 25 m hoher, schlanker Baum aus den sumpfigen Gebieten im Osten Nordamerikas. In Kultur steht nur die Zwergform ‚Andelyensis‘. Sie wird 3 m hoch, hat kurze, aufrecht stehende Äste und blaugrüne Zweige.
Sie ist die einzige Scheinzypresse, der dauerhaft feuchter Boden nichts ausmacht — in ihrer Heimat wächst sie direkt im Moor. Sie eignet sich deshalb für den Gartenteich und für Stellen, an denen andere Arten leiden würden, und verträgt auch einen saureren Boden als der Rest der Gattung.
Scheinzypresse pflegen: Standort, Gießen, Schnitt und Düngung
Die Scheinzypresse gehört zu den anspruchslosen Gehölzen, wird aber oft an einen Platz gesetzt, der ihr nicht liegt — und das zeigt sich erst nach Jahren, wenn die Krone von innen her licht wird. Es lohnt sich deshalb, auf vier Dinge zu achten.
- Standort: sonnig bis leicht schattig. Gold- und Gelbsorten brauchen Sonne, sonst ergrünen sie; blaue und grüne vertragen auch Halbschatten. Trockenen Wind mag die Scheinzypresse nicht, an ungeschützter Wetterseite wird sie braun.
- Boden: durchlässig, eher frisch. Den meisten Arten sagen normale bis kalkreichere Böden zu, nur die Weißzeder-Scheinzypresse verträgt einen saureren und feuchteren Standort.
- Gießen: in den ersten zwei Jahren nach der Pflanzung regelmäßig, danach nur noch bei längerer Trockenheit. Die Wurzeln liegen flach, auf sandigem Boden trocknet die Pflanze deshalb aus, bevor man es den Nadeln ansieht — und ein einmal braun gewordener Zweig wird nie wieder grün.
- Schnitt: am besten Ende Mai und gegebenenfalls noch einmal im August. Geschnitten wird immer nur im diesjährigen grünen Zuwachs. In das alte, nadellose Holz darf nicht geschnitten werden — daraus treibt die Scheinzypresse nicht wieder aus, und in der Hecke bleibt das Loch für immer.
Für die Hecke eignen sich die säulenförmigen und dicht kegelförmigen Sorten der Lawsons Scheinzypresse, vor allem ‚Columnaris‘, ‚Green Hedger‘ und ‚Green Pillar‘. Gepflanzt wird im Abstand von 60 bis 80 cm, und von Anfang an wird eingekürzt, damit die Pflanzen von unten her dicht werden. Im Kübel auf der Terrasse zieht man die Zwergformen der Hinoki- und der Sawara-Scheinzypresse — im Topf steht ihnen aber nur begrenzt Erde zur Verfügung, sie brauchen deshalb häufiger Wasser und regelmäßiger Nährstoffe als Pflanzen im Boden.
Womit die Scheinzypresse düngen
Nadelgehölze wachsen langsam und legen ihren Nährstoffvorrat langfristig an, deshalb bekommt ihnen eine gleichmäßige Versorgung besser als eine einzige starke Gabe. Ein schnell wirkender Stickstoffdünger treibt weiche Triebe, die über den Winter zurückfrieren und braun werden. Besser geeignet ist für Scheinzypressen ein langsam freisetzender universeller organischer Dünger: Er gibt die Nährstoffe nach und nach ab, so wie das Gehölz sie aufnimmt, und belebt zugleich das Bodenleben rund um die flachen Wurzeln.
Gedüngt wird im Frühjahr, von April bis Juni, in einen Ring um den Kronenrand — dorthin, wo die saugenden Feinwurzeln reichen, nicht an den Stamm. Nach Mitte August wird nicht mehr gedüngt, damit die Jahrestriebe vor dem Frost ausreifen. Bei Pflanzen im Kübel eignet sich eine kleinere Gabe zweimal in der Saison, im Frühjahr und zu Sommerbeginn. Die genauen Mengen finden Sie in der Dosierungstabelle.
Im Frühjahr ist auch der richtige Zeitpunkt, die trockenen Nadeln aus dem Inneren der Krone herauszukämmen und das Zusammengerechte auf den Kompost zu geben — die Scheinzypresse wird dadurch lichter, und Sie sehen besser, wie sie dasteht. Wie die übrigen Nadelgehölze nimmt auch die Scheinzypresse Rindenmulch oder Holzhäcksel gern an, der den flachen Wurzeln die Feuchtigkeit hält.
Tipp: Wie Sie Koniferen und Thuja per Spritzung und an den Wurzeln düngen, lesen Sie im Artikel Koniferen-Dünger und Thuja-Dünger.
Häufige Fragen zur Scheinzypresse
Was ist der Unterschied zwischen Scheinzypresse und Zypresse?
Die Scheinzypresse (Chamaecyparis) hat flache fächerförmige Zweige und kleine erbsengroße Zapfen, die im ersten Jahr reifen; sie ist winterhart und stammt aus Nordamerika und Japan. Die Zypresse (Cupressus) hat vierkantige Zweige, größere zweijährige Zapfen und ist meist ein mediterranes Gehölz, das bei uns im Freiland nicht überwintert.
Welche Scheinzypresse eignet sich am besten für die Hecke?
Die säulenförmigen und dicht kegelförmigen Sorten der Lawsons Scheinzypresse — ‚Columnaris‘, ‚Green Hedger‘ oder ‚Green Pillar‘. Gepflanzt wird im Abstand von 60 bis 80 cm, geschnitten Ende Mai und immer nur im grünen Zuwachs.
Warum wird die Scheinzypresse braun?
Meist wegen Trockenheit an den flachen Wurzeln, wegen frostigem austrocknendem Wind an ungeschütztem Standort oder wegen staunassem Boden, in dem die Wurzeln ersticken. Braune Zweige werden nicht wieder grün, sie werden herausgeschnitten. Eine Rolle spielt auch der Schnitt ins alte Holz — dort legt die Pflanze keine neuen Knospen mehr an.
Wann schneidet man die Scheinzypresse?
Der Hauptschnitt Ende Mai, wenn die diesjährigen Triebe ausgewachsen sind, und gegebenenfalls ein zweiter Rückschnitt im August. Geschnitten wird nur im diesjährigen grünen Zuwachs, nie ins nadellose alte Holz.
Wie hoch wird eine Scheinzypresse?
Je nach Art und Sorte 2 bis 25 Meter. Die Arten selbst werden 15 bis 30 m hoch, gängige Gartenformen 5 bis 10 m, und Zwergsorten für den Steingarten bleiben unter einem Meter — schauen Sie beim Kauf deshalb immer auf den Sortennamen, nicht nur auf die Art.
Verträgt die Scheinzypresse Schatten?
Leichten Schatten ja, tiefen nicht. Im Schatten verlichtet die Krone, und gold- wie blaufarbene Sorten verlieren ihre Farbe und ergrünen. Der Lawsons Scheinzypresse tut Halbschatten dagegen ausgesprochen gut.
