Cotyledon: Arten, Pflege und Vermehrung der Sukkulente
Südafrikanische Sukkulenten mit fleischigen, oft weiß bereiften Blättern und hängenden glockenförmigen Blüten. Welche Arten bei uns kultiviert werden, wie Sie sie gießen, in welchem Substrat Sie sie halten, womit Sie sie düngen und wie Sie sie über Stecklinge vermehren.
Cotyledon: Sukkulenten-Gattung aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae)
Die Gattung Cotyledon aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) umfasst Blatt- und Stammsukkulenten. Die folgenden Arten gehören zu den beliebten Blattsukkulenten.
In derselben Familie finden Sie weitere bekannte Zimmerpflanzen — Dickblatt, Echeverie, Fetthenne oder Aeonium. Cotyledon-Arten erkennen Sie unter ihnen an den stark fleischigen Blättern mit wachsiger oder filziger Oberfläche und an den hohen Blütenschäften, an denen glockenförmige Blüten nach unten hängen.
Cotyledon orbiculata (Schweinsohr): silbrige Blätter und rote Glocken

Einer der beliebtesten Blattsukkulenten.
- Standort: vollsonnig, warm, im Winter nicht unter 10 °C
- Höhe: in der Heimat bis 1,5 m, in Kultur 15–50 cm
- Blütezeit: Sommer
- Vermehrung: durch Stamm- und Blattstecklinge
Im südlichen Afrika kommt sie sehr häufig vor. Sie bildet dicke, fleischige Blätter an einem wenig verzweigten Stamm. Die ovalen bis breit spatelförmigen Blätter sind von einer silbrig weißen Wachsschicht überzogen, ihr Rand ist meist glatt und rötlich. Der bis zu 70 cm hohe Blütenstand besteht aus großen, hängenden Blüten in Form roter bis rötlich gelber Glocken.
Cotyledon orbiculata ist eine wertvolle Zimmerpflanze. Sie braucht einen vollsonnigen Platz am Fenster und im Winter eine Temperatur von mindestens 10 °C. Mäßig gegossen wird das ganze Jahr über regelmäßig, immer aber mit Rücksicht auf die Temperatur. Bei zu reichlich gegossenen Pflanzen verschwindet die schützende Wachsschicht auf den Blättern.
Die Vermehrung ist einfach, selbst einzelne Blätter bewurzeln.
Der Wachsbelag auf den Blättern ist das Erkennungszeichen dieser Art und zugleich ihre empfindlichste Stelle. Er verträgt weder Abwischen noch Gießen von oben — ist er einmal weg, bildet er sich auf dem alten Blatt nicht mehr nach.
Cotyledon undulata: gewellter Blattrand und weißer Reif

Ein Blattsukkulent für jede Sukkulentensammlung.
- Standort: heller Platz am Fenster
- Höhe: bis 50 cm
- Blütezeit: Ende Frühling und Anfang Sommer
- Vermehrung: durch Stamm- und Blattstecklinge
Dieser attraktive Sukkulent stammt aus der Kapregion. Die Pflanze wird bis zu 50 cm hoch und hat einen wenig verzweigten Stamm. Die weiß bereiften, rundlichen Blätter mit gewelltem Rand stehen vierzeilig. Im rispig verzweigten, rund 40 cm langen Blütenstand hängen orangegelbe Blüten mit zurückgerollten Kronblättern.
Cotyledon undulata braucht nährstoffreiche, durchlässige, sandige Erde und außer im Winter reichlich Wasser. Im Sommer tut ihr ein Schutz vor der prallen Mittagssonne gut. Im Winter soll die Temperatur nicht unter 10 °C fallen, der Platz zum Überwintern aber kühl sein. Vermehren lässt sich die Pflanze durch Stecklinge und Samen.
Cotyledon tomentosa (Cotyledon ladysmithensis): die Bärentatze mit behaarten Blättern
Cotyledon ladysmithensis wird nicht höher als 20 cm und hat dünne, leicht verholzte Stämmchen, an deren Enden 4 Paar fleischige Blätter mit sehr kurzem Blattstiel wachsen. Die Blätter sind behaart und an der Spitze gezähnt. Die hängenden Blüten haben rotbraune Kronblätter mit zurückgerollten Zipfeln.
Die heutige Botanik führt sie als Unterart Cotyledon tomentosa subsp. ladismithiensis, und im Handel stehen beide Namen nebeneinander. Hinter dem Namen Bärentatze (englisch bear’s paw) steckt genau diese Art: Die grünen, filzigen Blätter mit einigen rotbraunen Zähnchen an der Spitze erinnern tatsächlich an eine Tatze. Die Zähnchen färben sich nur in voller Sonne rot — im Schatten bleiben sie grün und die Pflanze vergeilt.
Sukkulenten-Pflege am Beispiel Cotyledon: Licht, Gießen, Substrat und Überwintern
Cotyledon-Arten gehören zu den anspruchslosen Sukkulenten. Der Fehler liegt bei ihnen meist nicht in zu wenig Pflege, sondern in zu viel Wasser und zu wenig Licht.
- Licht: so viel, wie das Haus hergibt — Süd- oder Westfenster. Cotyledon undulata ist die einzige der beschriebenen Arten, der an den heißesten Sommertagen leichter Schatten guttut.
- Substrat: durchlässig und eher mager. Bewährt hat sich Kakteenerde, aufgelockert mit grobem Sand oder Perlit, dazu im Topf immer eine Drainageschicht und ein Abzugsloch.
- Gießen: erst dann, wenn das Substrat im ganzen Topf durchgetrocknet ist. Gegossen wird an die Wurzeln, nicht auf die Blätter — Wasser auf den Blättern wäscht den Wachsbelag ab und bei behaarten Arten bleiben Flecken zurück.
- Überwintern: heller Raum mit 10–15 °C und nur gelegentliches Gießen. Im warmen Zimmer treibt die Pflanze über den Winter lange, dünne Triebe.
- Umtopfen: alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr, in einen nur eine Nummer größeren Topf.
Cotyledon und andere Sukkulenten düngen
Sukkulenten legen sich in den Blättern einen Nährstoffvorrat an, große Düngergaben schaden ihnen eher — die Pflanze wird mastig, die Blätter werden wässrig und der kompakte Wuchs geht verloren. Gedüngt wird deshalb nur in der Wachstumszeit, etwa von April bis September, und in halber Dosis gegenüber üblichen Zimmerpflanzen. Über den Winter wird gar nicht gedüngt.
Gute Dienste leistet organischer Dünger, der die Nährstoffe langsam freisetzt und das kleine Substratvolumen nicht versalzt. Der universelle organische Dünger DÜNGEE lässt sich auch für Sukkulenten verwenden, nur in geringerer Dosis; die genauen Mengen für Zimmerpflanzen finden Sie in der Dosierungstabelle.
Sukkulenten vermehren: Cotyledon durch Stecklinge und Samen
Cotyledon zu vermehren ist einer der einfachsten Wege, die eigene Sukkulentensammlung zu erweitern:
- Blattsteckling: Ein gesundes Blatt wird vorsichtig samt Basis abgelöst, zwei bis drei Tage an der Luft angetrocknet und dann auf feuchteres, sandiges Substrat gelegt. Gegossen wird erst, wenn sich Wurzeln zeigen.
- Kopfsteckling: Ein 5–10 cm langer Kopfsteckling wird von den unteren Blättern befreit, zwei Tage getrocknet und danach in durchlässiges Substrat gesteckt. Er bewurzelt innerhalb weniger Wochen.
- Aus Samen: der langsamere Weg, über den sich bei Cotyledon undulata mehrere Pflanzen auf einmal gewinnen lassen. Die Samen werden auf die Substratoberfläche gesät, nicht bedeckt und bei rund 20 °C warm gehalten.
Der häufigste Fehler ist das Gießen direkt nach dem Stecken — die nicht abgetrocknete Schnittstelle fault leicht. Wie beim Dickblatt oder beim Greiskraut gilt auch hier, dass ein sukkulenter Steckling sein Wasser eine Weile in den Blättern mitbringt.
Cotyledon oder Keimblatt? Zwei Bedeutungen eines Wortes
Das Wort Kotyledone hat zwei verschiedene Bedeutungen, die sich bei der Suche leicht vermischen. In der Botanik ist die Kotyledone (das Keimblatt) das erste Blatt, das sich beim Keimen unmittelbar aus dem Samen entfaltet und für den Keimling einen Nährstoffvorrat trägt. Nach ihrer Zahl werden die Blütenpflanzen in Einkeimblättrige mit einem einzigen Keimblatt (Gräser, Zwiebelblumen) und Zweikeimblättrige mit zwei Keimblättern (die meisten Gemüsearten, Sträucher und Bäume) unterteilt.
Die Gattung Cotyledon aus diesem Artikel ist etwas anderes: eine Gruppe südafrikanischer Sukkulenten, deren Name sich vom griechischen kotyle ableitet, also Schale oder Vertiefung, nach den schalenförmig gewölbten Blättern. Mit dem Bau des Samens hat sie nichts zu tun.
Häufige Fragen zu Cotyledon
Wie oft gießt man Cotyledon?
Erst dann, wenn das Substrat im ganzen Topf durchgetrocknet ist — im Sommer ist das etwa alle sieben bis zehn Tage, im kühlen Winterraum alle drei bis vier Wochen. Das Wasser gehört an die Wurzeln, nicht auf die Blätter: Bei Cotyledon orbiculata wäscht es die schützende Wachsschicht ab, die sich auf dem alten Blatt nicht mehr nachbildet.
Verträgt Cotyledon direkte Sonne?
Ja, und ohne sie kommt sie nicht aus. Cotyledon orbiculata und die Bärentatze wollen das ganze Jahr über volle Sonne, sonst vergeilen sie und verlieren ihre Färbung. Die einzige Ausnahme ist Cotyledon undulata, dem an den heißesten Sommertagen leichter Schatten guttut, damit die Blätter keinen Sonnenbrand bekommen.
Wie vermehrt man Cotyledon?
Am einfachsten über Blatt- oder Kopfstecklinge. Das abgelöste Blatt oder der Kopfsteckling trocknet zwei bis drei Tage an der Luft an und wird erst dann auf sandiges Substrat gelegt; gegossen wird erst nach dem Erscheinen der Wurzeln. Cotyledon undulata lässt sich auch aus Samen vermehren.
Womit düngt man Cotyledon?
Sparsam und nur in der Wachstumszeit, also etwa von April bis September. Sukkulenten vertragen ungefähr die halbe Dosis gegenüber üblichen Zimmerpflanzen, über den Winter wird gar nicht gedüngt. Gute Dienste leistet organischer Dünger, der die Nährstoffe langsam freisetzt und das kleine Substratvolumen nicht versalzt; die Mengen für Zimmerpflanzen finden Sie in der Dosierungstabelle.
Welche Temperatur braucht Cotyledon im Winter?
Mindestens 10 °C, ideal sind 10–15 °C in einem hellen, kühlen Raum. In der Wärme des Wohnzimmers treibt die Pflanze über den Winter lange, dünne Triebe mit weit auseinanderstehenden Blättern und blüht im Frühjahr schwächer.
Ist Cotyledon ladysmithensis dasselbe wie Cotyledon tomentosa?
Praktisch ja. Die heutige Botanik führt die Pflanze als Unterart Cotyledon tomentosa subsp. ladismithiensis, und im Handel werden beide Namen nebeneinander verwendet. Genau diese Art wird unter dem volkstümlichen Namen Bärentatze verkauft.
Ist Cotyledon giftig für Kinder und Haustiere?
Pflanzen der Gattung Cotyledon enthalten herzwirksame Glykoside und gelten als giftig, ebenso wie eine Reihe weiterer Dickblattgewächse; das gilt auch für die Bärentatze. Sie gehören deshalb nicht in Reichweite kleiner Kinder und Haustiere, und nach dem Schneiden von Stecklingen ist Händewaschen sinnvoll. Eine Vergiftung durch bloße Berührung droht nicht, das Risiko liegt im Verschlucken.
Was ist eine Kotyledone in der Botanik?
Die Kotyledone, also das Keimblatt, ist das erste Blatt einer keimenden Pflanze, das unmittelbar aus dem Samen wächst und einen Nährstoffvorrat trägt. Einkeimblättrige Pflanzen haben eines, Zweikeimblättrige zwei. Mit dem südafrikanischen Sukkulenten der Gattung Cotyledon teilt es nur den Namen.
Eine andere Art, wie ein Sukkulent Wasser speichert, zeigen die Lebenden Steine (Lithops) — sie haben keinen Stamm und über dem Substrat ist nur der Scheitel eines Blattpaares zu sehen. Weitere Artikel über Sukkulenten und Zimmerpflanzen finden Sie direkt unter diesem Text.
