Obst vor Vögeln schützen: Netz, Beutel und Vogelscheuchen
So schützen Sie Kirschen vor Staren, Erdbeeren vor Amseln und Trauben vor Vogelfraß. Welches Netz Sie wählen, wie Sie es spannen, damit sich keine Vögel verfangen, und warum Vogelscheuchen nach ein paar Tagen nicht mehr wirken.
Stare können einen Kirschbaum an einem Vormittag leer fressen, und Amseln finden jede rote Erdbeere früher als Sie. Dabei sind Vögel im Garten überwiegend nützlich, sie fressen Insekten und Unkrautsamen, und alle wild lebenden Vogelarten stehen unter Schutz. Obst muss man deshalb so schützen, dass die Vögel nicht herankommen oder sich vertreiben lassen, ohne sie je zu verletzen.
Welche Vögel Schaden anrichten und wann

| Zeitraum | Was die Vögel beschädigen | Häufigste Arten |
|---|---|---|
| Vorfrühling und Frühling | picken Knospen von Obstbäumen und Sträuchern ab (vor allem Blütenknospen), ziehen junge Gemüsesetzlinge heraus und fressen sie an | Gimpel, Haussperling, Amsel |
| Juni, Juli | picken Kirschen, Sauerkirschen, Erdbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren an | Star, Amsel, Drosseln |
| August bis Oktober | fressen Trauben, späte Sauerkirschen, Zwetschgen und Beeren | Star, Amsel, Drosseln, Dohlen, in Waldnähe Eichelhäher |
Am meisten Obst fressen Starenschwärme, die nach der Brutzeit in großen Gruppen durch die Landschaft ziehen. Die Amsel richtet weniger, aber beständig Schaden an, weil sie das ganze Jahr im Garten lebt. Angepickte Früchte locken außerdem Wespen an und faulen schnell.
Was erlaubt ist und was nicht
Alle wild lebenden europäischen Vogelarten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Im Garten dürfen Sie sie nur vergrämen oder vom Obst fernhalten. Verboten ist es, Vögel zu fangen, zu verletzen oder zu töten, Leim, Fallen oder Gift einzusetzen und sie am Nest zu stören. Das gilt für Stare, Amseln und Spatzen genauso wie für Meisen.
Vögel sterben aber auch in schlecht gespannten Netzen, in denen sie sich verfangen. Achten Sie deshalb darauf, wie Sie das Netz auswählen und spannen.
Vogelschutznetz: der zuverlässigste Schutz

Das Netz ist der einzige Schutz, an den sich Vögel nicht gewöhnen. Es eignet sich für Erdbeeren, Johannisbeer-, Stachelbeer- und Heidelbeersträucher, für Weinreben und für niedrige Kirsch- und Sauerkirschbäume. Hohe Bäume lassen sich praktisch nicht abdecken. Für kleinere Gärten lohnen sich deshalb Kirschen und Sauerkirschen auf schwach wachsenden Unterlagen, oder man hält sie durch Schnitt niedrig.
Welches Netz Sie wählen sollten:
- Maschenweite höchstens etwa 2 cm. In größere Maschen steckt ein Vogel den Kopf und bleibt hängen. Für Erdbeeren und Beerenobst sind noch kleinere Maschen besser.
- Festes, steifes Material. Dünne, feine Netze wickeln sich Vögeln und Igeln um Beine und Hals.
- Gut sichtbare Farbe. Grüne oder weiße Netze sehen Vögel besser als durchsichtige und fliegen seltener hinein.
So spannen Sie es:
- Straff gespannt, nicht lose übergeworfen. Ideal ist ein einfaches Gestell aus Stäben oder Bögen, über das Sie das Netz wie ein Zelt spannen. Durch ein lose übergeworfenes Netz picken Vögel die Früchte durch die Maschen und verheddern sich in den Falten.
- Abstand zu den Früchten. Das Netz sollte die Früchte nicht berühren, sonst picken die Vögel hindurch.
- Geschlossene Ränder. Den unteren Rand mit Heringen am Boden befestigen oder mit einem Brett beschweren, damit keine Vögel darunter schlüpfen. Ein Vogel, der hineingelangt, findet nicht mehr heraus und verfängt sich. Am Boden verfangen sich in lose liegenden Netzen auch Igel und Ringelnattern.
- Nur während der Reife. Spannen Sie das Netz, wenn sich die Früchte zu färben beginnen, und nehmen Sie es nach der Ernte sofort ab.
- Täglich kontrollieren. Einen verfangenen Vogel vorsichtig mit einer Schere herausschneiden. Ist er verletzt, wenden Sie sich an eine Wildvogelhilfe oder Wildtierauffangstation.
Beutel für Trauben und einzelne Früchte
Bei Weinreben, Pfirsichen oder selteneren Sorten, bei denen Sie nicht den ganzen Strauch abdecken wollen, genügt es, einzelne Trauben oder Früchte in Beutel zu stecken. Verwendet werden Papierbeutel oder luftdurchlässige Netzbeutel aus Organza. Ziehen Sie den Beutel über, sobald die Beeren weich werden und sich färben, und binden Sie ihn unten zu. Neben Vögeln schützt er die Trauben auch vor Wespen (mehr dazu im Artikel Wespenfalle).
Die Beutel müssen luftdurchlässig sein. In einer Plastiktüte schwitzt die Traube und fault. Mehr zum Anbau im Artikel Weinrebe.
Vogelscheuchen und wie man sie abwechselt
Vogelscheuchen sind günstig und erfordern kein Abdecken, haben aber eine Schwäche: Vögel gewöhnen sich schnell daran. Eine Scheuche, die den ganzen Sommer am selben Platz hängt, erschreckt nach wenigen Tagen niemanden mehr. Damit sie wirken, beachten Sie drei Regeln:
- Nur in der Hauptgefahrenzeit. Stellen Sie die Scheuchen erst auf, wenn das Obst zu reifen beginnt, nicht früher.
- Ort und Art oft wechseln. Alle paar Tage umhängen und verschiedene Typen abwechseln (glänzend, beweglich, akustisch).
- Nach der Ernte sofort entfernen, damit sich die Vögel nicht fürs nächste Jahr daran gewöhnen.
Was verwendet wird:
- Glänzende und bewegliche Gegenstände: alte CDs, Reflexbänder, Alufolien- oder Papierstreifen, so aufgehängt, dass sie sich im Wind drehen und blitzen.
- Greifvogel-Attrappen (Falke, Eule) und Ballons mit „Augen“. Sie wirken besser, wenn sie sich bewegen, zum Beispiel an einer Schnur aufgehängt. Eine starre Attrappe durchschauen Vögel schnell.
- Eine Vogelscheuche, der Sie alle paar Tage Kleidung und Standort wechseln.
- Akustische Vogelabwehr mit Greifvogelrufen oder Warnrufen von Vögeln, oder einfache klappernde Vorrichtungen. Der Lärm stört auch die Nachbarn, sagen Sie ihnen deshalb Bescheid und schalten Sie akustische Geräte nachts ab. Gasknallapparate, wie sie in Weinbergen eingesetzt werden, gehören nicht in den Garten.
Sehen Sie Vogelscheuchen als Ergänzung. Vollständigen Schutz der Ernte bieten nur Netz oder Beutel.
Beete und Knospen im Frühjahr schützen
- Aussaaten und junge Setzlinge: Spannen Sie ein engmaschiges Gitter oder Netz in 10–20 cm Höhe über das Beet oder decken Sie es mit Vlies ab. Auch dichtes Reisig auf dem Beet oder gespannte bunte Schnüre helfen.
- Knospen von Sträuchern und niedrigen Bäumen: Gimpel und Spatzen picken im Vorfrühling vor allem Blütenknospen ab. Johannisbeer- und Stachelbeersträucher und niedrige Bäume können Sie mit weißem Faden umspinnen oder mit einem Netz überziehen, bis die Knospen austreiben.
Weitere Wege, den Schaden zu verringern
- Laufend und rechtzeitig ernten. Überreifes Obst am Baum lockt Vögel am stärksten. Bei Kirschen und Erdbeeren lohnt sich tägliches Pflücken.
- Angepickte Früchte aufsammeln, sie locken Wespen an und verbreiten Fäulnis.
- Lassen Sie den Vögeln ihren Baum. Wo mehrere Bäume im Garten stehen, decken Sie den wertvollsten ab und überlassen einen älteren Baum oder Strauch den Vögeln.
- Bieten Sie eine Alternative. Die Früchte von Eberesche, Holunder, Felsenbirne oder Hagebutte reifen gleichzeitig mit dem Obst, und ein Teil der Vögel wechselt dorthin.
- Hängen Sie keinen Starenkasten in einen Garten mit Kirschen und Reben. Brütende Stare hätten die Ernte direkt unter dem Kasten. Meisenkästen können Sie ruhig aufhängen (siehe Nistkasten), Meisen picken kein Obst an und sammeln Raupen.
- Geben Sie den Vögeln Wasser. In trockenen Sommern picken sie saftige Früchte auch aus Durst an. Eine Tränke mit flachem Wasser etwas abseits vom Obst kann den Schaden mindern (wie man sie baut, beschreibt der Artikel Vogelfutterhaus und Vogeltränke).
Details zu den einzelnen Obstarten finden Sie in den Artikeln Kirschen, Sauerkirschen, Johannisbeere, Heidelbeere und Erdbeeren düngen.
Häufige Fragen
Wie schütze ich Kirschen vor Staren?
Zuverlässig nur mit einem Netz, das über ein Gestell oder über den ganzen niedrigen Baum gespannt wird, und zwar vom Beginn der Fruchtfärbung bis zur Ernte. Bei hohen Bäumen helfen Vogelscheuchen, die Sie oft wechseln und umsetzen, und laufendes Ernten.
Wie groß sollen die Maschen eines Vogelschutznetzes sein?
Höchstens etwa 2 cm, für Erdbeeren und Beerenobst auch kleiner. In größere Maschen stecken Vögel den Kopf und bleiben hängen. Das Netz muss straff gespannt und am Boden geschlossen sein.
Helfen CDs und Reflexbänder gegen Vögel?
Kurzzeitig. Vögel gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran. Die Wirkung hält länger, wenn Sie sie erst zur Reifezeit aufhängen und alle paar Tage umhängen oder mit einer anderen Scheuche abwechseln.
Darf ich Stare aus dem Garten vertreiben?
Vergrämen dürfen Sie sie, verletzen, fangen oder töten nicht. Der Star ist wie alle wild lebenden Vögel geschützt und darf auch beim Brüten nicht gestört werden.
