Johanniskraut
Hypericum perforatum: Arten, Wirkung, Nebenwirkungen, Anbau und Johanniskrautöl
Johanniskraut – das Kraut für die Nerven (Hypericum perforatum)

(Hypericum)
Johanniskraut ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae), die rund 400 Arten umfasst. Die bekannteste Art ist das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), das in der traditionellen Heilkunde und in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird.
Das Echte Johanniskraut ist ein Kraut mit kleinen gelben Blüten und winzigen schwarzen Punkten auf den Blättern. Es enthält zahlreiche biologisch aktive Stoffe, darunter Hypericin, Hyperforin und Flavonoide. Diesen Inhaltsstoffen werden stimmungsaufhellende, entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften zugeschrieben.
Traditionell wird Johanniskraut als pflanzliches Mittel angewendet bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen und innerer Unruhe. Studien deuten darauf hin, dass Johanniskraut die Stimmung aufhellen und depressive Symptome lindern kann. Bevor Sie Johanniskraut oder Präparate daraus anwenden, sprechen Sie aber immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – es kann mit anderen Medikamenten wechselwirken und Nebenwirkungen haben.
Im Kräuterbeet gedeiht es neben weiteren Kräutern, zum Beispiel neben Ringelblume, Salbei oder Zitronenmelisse.
Johanniskraut-Arten: Echtes, Kelch- und Geflecktes Johanniskraut
Die Gattung Johanniskraut umfasst rund 400 Arten. Am bekanntesten ist das Echte Johanniskraut, ihm ähnlich sieht das Gefleckte Johanniskraut, dazu kommen das Kelch-Johanniskraut, das Berg-Johanniskraut, das Ausgebreitete Johanniskraut, das Behaarte Johanniskraut, das Nadelblättrige Johanniskraut und viele weitere. Vielen Johanniskraut-Arten werden Heilwirkungen zugeschrieben, andere pflanzt man im Garten als Zierpflanzen – ihre gelben Blüten sind attraktiv für Bienen und Schmetterlinge.
Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), im Volksmund auch Tüpfel-Johanniskraut, Hartheu oder Herrgottsblut genannt, ist eine ausdauernde Staude mit gegenständigen, einfachen Blättern und Blütenständen aus goldgelben Blüten. Es ist in ganz Europa, in Asien und in Nordafrika weit verbreitet.
Auch bei uns wächst es häufig; am besten gedeiht es an sonnigen Standorten (Böschungen, Weg- und Waldränder) in tieferen und mittleren Lagen.
Das Echte Johanniskraut ist eine bedeutende Heilpflanze. In der heutigen Medizin wird es vor allem angewendet bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen und innerer Unruhe; daneben werden ihm antivirale Eigenschaften zugeschrieben. Die wichtigsten Wirkstoffe des Johanniskrauts sind Hypericin und Hyperforin.
Kelch-Johanniskraut (Teppich-Johanniskraut)

Das Kelch-Johanniskraut (Hypericum calycinum) ist ein niedriger, ausgebreiteter Halbstrauch aus der Familie der Hartheugewächse. Es ist ein laubabwerfendes Gehölz und stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum.
Auch es hat auffällige gelbe Blüten, die von Juli bis September erscheinen.
Seine Besonderheit: Es sollte nicht vollsonnig stehen, weil Blüten und Blätter sonst verbrennen und braune Flecken bekommen. Pflanzen Sie es deshalb lieber in den Halbschatten auf feuchte, nährstoffreiche Böden.
Im Frühjahr schneidet man es kräftig auf eine niedrigere Höhe zurück; häufig wird es als Bodendecker und Rasenersatz gepflanzt – daher der Handelsname Teppich-Johanniskraut -, und das Schnittgut ist ein guter Mulch für andere Pflanzen.
Geflecktes Johanniskraut

Das Gefleckte Johanniskraut (Hypericum maculatum) ist ein weiterer Vertreter der Gattung: eine ausdauernde, gelb blühende Staude, die wild auf höher gelegenen Wiesen wächst. Ihm werden ähnliche Heilwirkungen zugeschrieben wie dem Echten Johanniskraut.
Verbreitet ist es in fast ganz Europa, außer im Mittelmeerraum und im Gebiet um das Schwarze Meer. Dafür findet man es in Nordeuropa und in Russland bis zum Ural.
In tieferen Lagen ist es selten.
Johanniskraut anbauen, ernten und trocknen
Johanniskraut finden Sie zwar auf Schritt und Tritt, Sie können es aber auch im Garten, im Kräuterbeet oder in der Kräuterspirale anbauen – dann haben Sie die Gewissheit, dass es an einem sauberen Platz fern von Straßen, Autobahnen und Industriegeländen wächst.
Johanniskraut braucht einen sonnigen Standort (außer dem Kelch-Johanniskraut); es passt in den hinteren Teil des Kräuterbeets oder in die Mitte der Kräuterspirale, denn es wird mit rund 1 m recht hoch.
Den Boden braucht es durchlässig und gut nährstoffversorgt, gegossen wird vor allem in trockenen Perioden – kurze Trockenphasen verträgt es aber.
Wenn Sie Johanniskraut an einem offenen Platz kultivieren, wo der Wind es knicken könnte, geben Sie ihm eine Stütze – zum Beispiel einen Stab, an dem Sie es anbinden.
Johanniskraut können Sie ernten während der ganzen Vegetationszeit, sobald alle Blüten geöffnet sind. Achten Sie darauf, dass die Blüten nicht verblühen oder Früchte ansetzen – dann haben sie keine Heilkraft mehr.
Schneiden Sie die Blüten bei sonnigem Wetter mit der Schere, verarbeiten Sie sie sofort oder trocknen Sie sie an einem geschützten Ort in kopfüber aufgehängten Bündeln.
Die Blüten bewahren Sie in Gläsern, Dosen oder Leinenbeuteln auf, gut getrocknet halten sie den ganzen Winter, und Sie können daraus Tee zubereiten.
ACHTUNG: Wenn Sie Johanniskraut anwenden, meiden Sie starke Sonneneinstrahlung – die Haut reagiert dann empfindlicher.
Johanniskrauttee bereitet man aus dem getrockneten Kraut und den Blüten zu: Übergießen Sie einen Teelöffel mit einer Tasse kochendem Wasser und lassen Sie ihn rund zehn Minuten ziehen.
Johanniskraut düngen: womit Sie nachdüngen
Wenn Johanniskraut alle Nährstoffe aus dem Boden aufgebraucht hätte, würde es weniger blühen und schlechter wachsen. Geben Sie ihm im Garten deshalb Kompost oder Düngee, damit es genug Stickstoff, Kalium und Phosphor hat. Düngen Sie eher sporadisch und am besten als Streugabe, die Sie flach in den Boden einarbeiten.
Düngee ist ein organischer Dünger, der auch ins Kräuterbeet passt. Das Vorgehen für das ganze Beet beschreiben wir im Artikel Kräuter düngen, die größeren Zusammenhänge im Artikel Universaldünger. Eine Alternative ist eigener Kompost aus dem Komposter.
Johanniskraut Wirkung: was Echtes Johanniskraut kann
Johanniskraut (vor allem dem Echten Johanniskraut) werden mehrere Heilwirkungen und Eigenschaften zugeschrieben. Hier ein Überblick über einige davon:
Stimmungsaufhellende Wirkung: Johanniskraut ist für sein Potenzial als pflanzliches Antidepressivum bekannt. Es enthält Stoffe wie Hypericin und Hyperforin, die auf Botenstoffe im Gehirn wirken, darunter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Diese Stoffe können helfen, die Stimmung aufzuhellen und depressive Symptome zu lindern.
Wirkung bei innerer Unruhe: Johanniskraut wird auch bei leichter Unruhe und nervöser Anspannung angewendet. Es kann helfen, Anspannung zu lösen und die Entspannung zu fördern.
Entzündungshemmende Wirkung: Einigen Inhaltsstoffen des Johanniskrauts werden entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Traditionell wird es deshalb auch bei entzündlichen Beschwerden und bei Verdauungsproblemen eingesetzt.
Antimikrobielle Wirkung: Johanniskraut kann sich auch gegen manche Mikroorganismen richten, darunter Bakterien und Viren. Wissenschaftlich abschließend belegt ist das nicht.
Unterstützung der Wundheilung: Traditionell wird Johanniskraut – vor allem als Öl – zur Pflege kleiner Wunden und Verbrennungen verwendet. Ihm wird nachgesagt, Entzündungen zu mildern und die Regeneration des Gewebes zu unterstützen.
Johanniskraut Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Johanniskraut kann aber auch Nebenwirkungen haben, die Sie kennen sollten, bevor Sie mit der Anwendung beginnen. Hier eine Liste möglicher Nebenwirkungen:
Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht: Manche Menschen reagieren nach der Einnahme von Johanniskraut empfindlicher auf Sonnenlicht. Das kann das Risiko für Sonnenbrand oder Hautausschläge erhöhen. Wenn Sie Johanniskraut einnehmen, schützen Sie Ihre Haut vor starker Sonneneinstrahlung.
Wechselwirkungen mit Medikamenten: Johanniskraut kann den Abbau mancher Medikamente in der Leber beeinflussen und ihre Wirksamkeit herabsetzen. Betroffen sein können zum Beispiel die Antibabypille, Antidepressiva, Gerinnungshemmer und weitere Arzneimittel. Besprechen Sie die Einnahme von Johanniskraut unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, vor allem wenn Sie andere Medikamente einnehmen.
Verdauungsbeschwerden: Manche Menschen verspüren bei der Einnahme von Johanniskraut Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Magendrücken.
Allergische Reaktionen: Bei einzelnen Personen können allergische Reaktionen auf Johanniskraut auftreten. Dazu zählen Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen oder Atembeschwerden. Treten allergische Symptome auf, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.
Johanniskraut bei Depressionen: wann Johanniskraut nicht ausreicht
Bei der stimmungsaufhellenden Wirkung des Johanniskrauts lohnt sich noch ein genauerer Blick. Auch wenn Johanniskraut allgemein als pflanzliches Antidepressivum gilt, das bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilft, sollten Sie die Anwendung immer mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke besprechen. Sie selbst können kaum unterscheiden, ob eine Depression mittelschwer oder bereits schwer ist und eine Behandlung mit Antidepressiva erfordert. Achtung außerdem: Wenn Sie an einer bipolaren affektiven Störung (manisch-depressive Erkrankung) leiden, die sich durch den Wechsel manischer und depressiver Phasen auszeichnet, kann schon die Anwendung von Johanniskraut eine Manie auslösen, die in ihren Folgen genauso gefährlich ist wie eine Depression.
Johanniskrautöl Rezept: Johanniskrautöl selber machen

Hier eine einfache Anleitung, wie Sie Johanniskrautöl selber machen:
Hinweis: Beim Herstellen von Johanniskrautöl ist Hygiene wichtig – arbeiten Sie mit sauberem Zubehör, damit das Öl nicht durch Verunreinigungen trüb wird oder verdirbt.
Zutaten und Zubehör:
- getrocknete Johanniskrautblüten,
- Pflanzenöl (zum Beispiel Oliven-, Sonnenblumen- oder Avocadoöl) – verwenden Sie ein hochwertiges, reines Öl,
- ein Glasgefäß mit Deckel,
- ein Sieb oder ein Tuch zum Filtern.
Vorgehen:
Mahlen Sie das getrocknete Johanniskraut zu feinem Pulver. Dafür können Sie einen Mixer oder eine Kräutermühle verwenden. Füllen Sie das gemahlene Kraut in das Glasgefäß.
Übergießen Sie die Kräuter so mit Pflanzenöl, dass sie vollständig bedeckt sind. Verschließen Sie das Gefäß und stellen Sie es an einen sonnigen Platz, zum Beispiel auf die Fensterbank.
Lassen Sie die Mischung aus Johanniskraut und Öl 2 bis 4 Wochen mazerieren. Schütteln Sie das Gefäß regelmäßig, damit sich die Kräuter mit dem Öl vermischen und der Auszug wirksamer wird.
Nach der Mazeration nehmen Sie ein Sieb oder ein Tuch und gießen die Mischung aus Johanniskraut und Öl hindurch in ein sauberes Gefäß. So trennen sich die Pflanzenteile vom Öl.
Bewahren Sie das fertige Johanniskrautöl in einem sauberen, verschlossenen Gefäß an einem dunklen, kühlen Ort auf.
Düngung von Kräutern und Gewürzen
- Sie können in einer dünnen Schicht rund um die Pflanzen streuen.
- Setzen Sie Düngee als Auszug an und gießen Sie damit rund um die Pflanzen, oder besprühen Sie die Pflanzen mit dem Auszug.
Genauso düngen Sie auch Majoran, Salbei, Zitronenmelisse oder Ringelblume – Kräuter schätzen eher sporadische Gaben als eine einzige große Portion.
