Kartoffel (Solanum tuberosum): Kartoffeln pflanzen, anbauen und ernten
Kartoffeln anbauen – vom Stecken bis zur Ernte

Krautige Staude mit weißen oder bläulichen Blüten und essbaren, verdickten Sprossknollen
- Standort: sonnig; nährstoffreicher, lockerer bis sandiger Boden
- Höhe: etwa 50 cm
- Blütezeit: Juni–August
- Vermehrung: durch Knollen oder Aussaat
Die Kartoffel, eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), gelangte zwischen 1555 und 1565 nach Europa. Damals waren es rotschalige Knollen, verwandt mit den Wildarten, die noch heute in den hohen Anden wachsen. Wissenschaftlich unter die Lupe genommen hat die Kartoffel als Erster der Botaniker Jacob Theodor Tabernaemontanus. In seinem Kräuterbuch (1585) findet sich die erste Beschreibung der Pflanze.
Zur selben Familie der Nachtschattengewächse gehören auch Tomaten, Paprika und die Gattung Nachtschatten. Rechnen Sie sie in der Fruchtfolge deshalb als eine Gruppe und bauen Sie sie nicht nacheinander im selben Beet an.

Die gelbschalige Kartoffel, Urahn unserer heutigen Sorten, kam zuerst nach England. In Deutschland wurde sie erstmals um 1620 angebaut. Wie die meisten Importe aus der Neuen Welt galt die Staude zunächst als Zierpflanze. Es dauerte fast 200 Jahre, bis die Kartoffel offiziell als Nahrungsmittel anerkannt wurde. König Friedrich der Große von Preußen zwang seine Bauern zum Kartoffelanbau. Seitdem ist sie ein Grundnahrungsmittel und hat Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt.
Denn inzwischen hatte sich herausgestellt, dass nicht die giftigen, kirschgroßen Früchte, sondern die unscheinbaren Sprossknollen der essbare Teil der Pflanze sind. Mit ihrem Reichtum an Mineralstoffen, Vitaminen (vor allem Vitamin C), Eiweiß und Kohlenhydraten ist die Kartoffel ein überaus wertvolles Nahrungsmittel.
Anleitung: Kartoffeln anbauen Schritt für Schritt
Die Pflanzen brauchen nicht mehr als einen sonnigen Platz, lockeren, nährstoffreichen Boden, pro Pflanze etwa 40 × 40 cm Platz und eine Pflanztiefe von 10–15 cm. Die Knollen werden ab Mitte April gesteckt, je nach Sorte. Wer die Saatkartoffeln in einer Kiste vorkeimen lässt (ab der letzten Märzdekade), kann nach etwa 5 Wochen stecken. Vorgekeimte Kartoffeln laufen rund 2 Wochen nach dem Stecken auf. Die Vorkeimkisten sollten möglichst hell stehen und bei etwa 15 °C gehalten werden. An einem dunklen Standort bilden sich lange, vergeilte Triebe, die beim Stecken abbrechen.
Kartoffeln sind sehr frostempfindlich. In ungeschützten Lagen empfiehlt es sich, das Beet mit Vlies abzudecken. Sobald die Pflanzen gut aufgelaufen sind, muss regelmäßig zwischen den Reihen gehackt werden, damit der Boden locker bleibt und Unkraut keine Chance hat. Bei trockenem Wetter wird gegossen. Ab Mitte Juni werden die Pflanzen angehäufelt. Die Knollen bilden sich noch im Boden an den Achseltrieben der bodennahen Blätter.
Kartoffeln brauchen vor allem Kalium und Phosphor, deshalb tut ihnen ab dem Stecken ein organischer Dünger gut. Die konkreten Mengen je nach Nährstoffbedarf finden Sie im Artikel Gemüse nach Nährstoffbedarf düngen.
Krankheiten und Schädlinge: Kartoffelkäfer, Älchen und Viruskrankheiten
Nicht nur der Kartoffelkäfer besucht die Pflanzen. Bekannt sind rund 50 Schädlinge und Krankheiten, die die Erträge erheblich mindern. Der beste Schutz vor Viruskrankheiten ist die Verwendung von virusfreiem Pflanzgut. Auch gegen Stängelälchen gibt es resistente Sorten. Diesen hartnäckigen Schädlingen verdirbt außerdem eine Fruchtfolge den Appetit. Vor allem sollten Kartoffeln jedes Jahr an einer anderen Stelle stehen. Auf keinen Fall dürfen sie mit frischem Stallmist gedüngt werden.
Kartoffeln werden über Knollen vermehrt. Auf den Knollen sitzen die sogenannten Augen, aus denen die Keime treiben. Die Vermehrung über Samen erfolgt nur in Zuchtbetrieben.
Die häufigsten Probleme im Kartoffelbeet haben wir in eigenen Artikeln beschrieben: Kartoffelkäfer, Kartoffelschorf, Phoma-Fäule der Kartoffel, Fusarium-Knollenfäule und Stängelälchen.
Kartoffelsorten: frühe, mittelfrühe und Lagersorten

Es gibt unzählige Kartoffelsorten. Am besten fragen Sie einen erfahrenen Landwirt in der Umgebung, mit welchen Sorten er die besten Ergebnisse erzielt hat.
- Frühe Sorten: ‚Sieglinde‘, ‚Saskia‘, ‚Hela‘, ‚Christa‘, ‚Ukama‘, ‚Atica‘, ‚Gloria‘, ‚Ostara‘, ‚Carola‘, ‚Berlina‘, ‚Erstling‘.
- Mittelfrühe Sorten: ‚Clivia‘, ‚Grata‘, ‚Climax‘, ‚Desirée‘, ‚Hilta‘, ‚Jetta‘, ‚Juliver‘, ‚Maja‘, ‚Ulla‘, ‚Irmgard‘, ‚Granola‘.
- Späte Sorten und Lagerkartoffeln: ‚Hansa‘, ‚Datura‘, ‚Maritta‘, ‚Aula‘, ‚Carmen‘, ‚Cosima‘, ‚Isola‘, ‚Saturna‘.
Kartoffeln heute: Kochtypen und Nährwert

Kartoffeln sind heute ein selbstverständlicher Teil unseres Speiseplans. Wir bereiten sie auf viele Arten zu, und es gibt sogar verschiedene Kochtypen – festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend – je nachdem, ob wir sie geschnitten oder als Pellkartoffeln kochen, Kartoffelsalat, Püree oder Klöße daraus machen wollen. Kartoffeln haben für uns auch einen wichtigen Nährwert – sie enthalten vor allem Stärke, die Vitamine A und C sowie Vitamine der B-Gruppe, an Spurenelementen Kalium, Magnesium, Zink, Calcium und Eisen. Kartoffeln bestehen außerdem zu bis zu 80 % aus Wasser, was zum Beispiel bei Diäten sehr wichtig ist.
Kartoffeln pflanzen: wann und in welchem Abstand
Kartoffeln werden je nach Typ zu unterschiedlichen Zeiten gesteckt:
Frühkartoffeln („first earlies“): Sie werden gesteckt, sobald der Boden abgetrocknet ist, meist Ende März oder im April. Der Boden sollte bearbeitbar und nicht kalt sein. Geerntet wird bereits im Juni und Juli.
Mittelfrühe Kartoffeln („second earlies“): Sie reifen in 80 bis 100 Tagen, werden ab der zweiten Sommerhälfte geerntet und halten sich nur kurz, etwa einen Monat.
Späte Lagerkartoffeln („maincrop“): Sie stehen am längsten, werden erst im Herbst geerntet, wenn das Kraut abgestorben ist, und eignen sich als Einzige für die Winterlagerung.
Kartoffeln wachsen am besten bei kühlerer Witterung, gesteckt werden sollten sie aber erst, wenn sich der Boden in Stecktiefe dauerhaft auf mindestens 7 bis 8 °C erwärmt hat. In zu kaltem Boden laufen die Knollen nur schleppend auf und faulen leichter. Zum Abstand: Rechnen Sie im Beet mit rund 40 × 40 cm je Pflanze.
Kartoffeln ernten: wann ernten und reife Knollen erkennen
Wenn alles gut läuft, können Sie im Herbst mit der Ernte beginnen. Für den Eigenbedarf lassen sich Kartoffeln schon im Sommer nach und nach herausnehmen, für die Lagerung lässt man sie besser ausreifen. Woran erkennen Sie, dass die Kartoffeln reif sind? Ganz einfach: Ihr Kraut ist völlig abgetrocknet und löst sich gut von den Knollen. Dann reißen Sie das Kraut ab und graben die Kartoffeln nach und nach aus. Lassen Sie sie immer etwas abtrocknen, reinigen Sie sie grob und lagern Sie sie in luftdurchlässigen Kisten, am besten im Keller.
TIPP: Wenn Sie die Kartoffeln nach Größe sortieren, haben Sie die zum Schälen und die für Pellkartoffeln gleich getrennt.
ACHTUNG: Eingelagerte Kartoffeln sollten Sie über den Winter gelegentlich durchsehen, damit sich von einer faulen Knolle nicht weitere anstecken.
Häufige Fragen: Kartoffeln anbauen
Wann werden Kartoffeln gesteckt?
Die Knollen werden ab Mitte April gesteckt, je nach Sorte. Frühkartoffeln lassen sich unter Vlies auch früher stecken, sobald der Boden nicht mehr kalt ist.
Wann werden Kartoffeln geerntet?
Spätere Sorten werden meist ab der zweiten Sommerhälfte geerntet. Frühkartoffeln können Sie schon im Sommer herausnehmen, sie halten sich aber nur kurz.
Womit düngt man Kartoffeln?
Kartoffeln profitieren von organischer Düngung — die genaue Vorgehensweise und Dosierung finden Sie auf der Seite Gemüse nach Nährstoffbedarf düngen.
Wie lange wachsen Kartoffeln?
Je nach Sorte etwa 70 bis 140 Tage nach dem Stecken. Frühkartoffeln werden Ende März gesteckt und schon im Juni und Juli geerntet, mittelfrühe Sorten reifen in 80 bis 100 Tagen, und späte Lagersorten brauchen am längsten — sie werden erst im Herbst geerntet, wenn das Kraut abgestorben ist.
Wann blühen Kartoffeln?
Von Juni bis August, meist fünf bis sieben Wochen nach dem Auflaufen. Die Blüte ist ein Zeichen dafür, dass sich unter der Erde Knollen bilden — die ersten Frühkartoffeln lassen sich kurz nach der Blüte vorsichtig herausnehmen.
Wie baut man Kartoffeln im Sack an?
Geben Sie in einen Pflanzsack von mindestens 40 Litern mit Abzugslöchern 15 cm lockere, nährstoffreiche Erde, legen Sie zwei bis drei vorgekeimte Knollen hinein und decken Sie sie mit etwa 10 cm Substrat ab. Während das Kraut wächst, füllen Sie nach und nach weitere Erde auf, bis der Sack voll ist — die Knollen bilden sich an den Achseltrieben der bodennahen Blätter, deshalb erhöht das Anhäufeln den Ertrag. Stellen Sie den Sack in die Sonne und gießen Sie häufiger als im Beet, weil das begrenzte Volumen schneller austrocknet.
