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Gärtnern im Kleingarten: Schrebergarten, Nutzgarten und Ziergarten

Warum das Gärtnern Millionen begeistert, wie sich der Kleingarten vom Nutzgarten zum Ziergarten entwickelt hat, welche Gartentypen es gibt und wie ein Kleingärtnerverein funktioniert.

Gärtnern im Kleingarten: mit Liebe zur Natur anbauen

Das Gärtnern hat in Deutschland eine lange Tradition. Vom Anbau von Obst und Gemüse über den Ziergarten bis zum Naturschutz — ein Wegweiser durch die Welt der Kleingärtner, von der Geschichte bis zur Gegenwart.

Was Gärtnern bedeutet und warum es Millionen begeistert

Gärtnern heißt, mit eigener Arbeit Obst, Gemüse, Wein, Blumen und Ziergehölze zu ziehen — in erster Linie aus Freude an der Sache. In Deutschland gibt es rund 900.000 Kleingärten, dazu kommen unzählige Haus- und Vorgärten; zusammen sind es Millionen Menschen, die regelmäßig an der frischen Luft im Garten arbeiten. Nicht mitgezählt sind dabei alle, deren „Garten“ auf dem Balkon oder auf der Fensterbank steht.

Ein Mann und eine Frau begutachten Gehölze in Töpfen unter einem Schattiernetz in einer Gärtnerei

Millionen Menschen — das ist eine enorme Kraft, wenn sie ähnliche Wünsche, dieselben Gedanken und gemeinsame Ziele haben. Niemand zählt, wie viele Tonnen Obst und Gemüse in den Gärten jedes Jahr wachsen, wie viele Blumen Gärten, Wohnungen und Arbeitsplätze schmücken, wie viele Ziergehölze in Gärten und im öffentlichen Raum das Ortsbild verbessern und zur Luftreinhaltung beitragen. Die Kleingartenbewegung hat großes Gewicht; ohne sie wären unsere Städte deutlich ärmer und deutlich grauer.

Gärtnern ist zunächst ein persönliches Hobby, man kann sagen: ein privates Vergnügen des Einzelnen. Weil dieses Hobby aber vor allem aus eigener Arbeit besteht und Werte schafft, die der ganzen Nachbarschaft zugutekommen — Grün, Kühlung, Lebensraum, Nahrung —, ist es zugleich ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens.

Geschichte des Kleingartens: von den Armengärten zum Schrebergarten

Ein Stück Geschichte

Das Kleingartenwesen war immer von den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen geprägt und hat trotzdem in jeder Epoche seinen Teil zum Fortschritt beigetragen.

Die ersten organisierten Kleingärten in Deutschland entstanden als Armengärten: 1806 ließ die Stadt Kiel Flächen an bedürftige Familien vergeben, damit diese sich selbst mit Kartoffeln und Gemüse versorgen konnten. Landesherren, Kommunen und später Fabrikbesitzer legten ähnliche Anlagen an. Den Namen, der bis heute hängen geblieben ist, bekam die Bewegung 1864 in Leipzig: Der Schulleiter Ernst Innozenz Hauschild gründete einen Spiel- und Bewegungsplatz für Kinder und benannte ihn nach dem kurz zuvor verstorbenen Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber. Erst der Lehrer Heinrich Karl Gesell legte dort die ersten Beete an — aus dem „Schreberplatz“ wurde der Schrebergarten. Anfangs ging es also um Obst und Gemüse, und gerade auf dem Land gab es in der Parzelle immer reichlich Gemüse und Küchenkräuter. Daneben ist bekannt, dass auf dem Land seit jeher auch Zierpflanzen gezogen wurden, vor allem Rosen und Stockrosen; selbst am ärmsten Häuschen blieb Platz für einen Rosenstrauch oder ein schmales Blumenbeet.

Nach dem Ersten Weltkrieg änderten sich Bedeutung und Ausrichtung des Gärtnerns unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse grundlegend. Arme Familien mussten auf ihren Parzellen überwiegend Obst und Gemüse für den eigenen Tisch und für den Verkauf anbauen — mit einem Hobby hatte das wenig zu tun, es war Überlebenswirtschaft. Wer Geld hatte, ließ sich dagegen repräsentative Gärten an Villa und Haus anlegen und von bezahlten Gärtnern pflegen; auch dort ging der eigentliche Sinn verloren, weil die eigene Arbeit fehlte. Gärtnern als Freizeitbeschäftigung war in der Weimarer Republik vor allem eine Sache der Mittelschicht, auch wenn sich keine scharfe Grenze ziehen lässt.

Die meisten Menschen aus der Mittelschicht hatten kein eigenes Haus mit Garten. Deshalb wollten sie ein Stück Land anderswo, um dort Gartenpflanzen zu ziehen und ihre Sonntage zu verbringen. So entstanden die Kleingartenanlagen: Interessenten schlossen sich in einem Verein zusammen, der Verein pachtete Flächen, und brachliegendes Land in den Städten wurde kultiviert und begrünt. Diese Bündelung vieler Parzellen prägte das gesellschaftliche und fachliche Leben der Kleingärtner; es entstanden erste Gemeinschaftseinrichtungen, und das gärtnerische Niveau stieg rasch. Rechtlich abgesichert wurde das Ganze 1919 durch die Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung, die Pachtpreise deckelte und Kündigungsschutz brachte — die organisatorische Einheit der Kleingärtner war damit gefestigt.

Im Zweiten Weltkrieg wuchs die Bewegung erneut, weil eigenes Obst und Gemüse zur Notwendigkeit wurde; im Handel war beides kaum zu bekommen. Auch nach 1945 blieb der Markt lange knapp, und Trümmer- und Brachflächen in den Städten wurden zu Nutzgärten. Mit dem wachsenden Angebot im Handel ging der Versorgungsanteil der Kleingärten dann Jahr für Jahr zurück und geht bis heute weiter zurück. Geblieben ist die Selbstversorgung im kleinen Maßstab — und ein Detail, das bis heute im Gesetz steht: Mindestens ein Drittel der Parzelle muss der kleingärtnerischen Nutzung dienen, also dem Anbau von Obst und Gemüse. 1983 löste das Bundeskleingartengesetz die alten Regelungen ab und gilt seither bundesweit.

Gärtnern heute: vom Nutzgarten zum Naturgarten und Umweltschutz

Wir kommen in der Gegenwart an

Frau pflanzt Salatjungpflanzen in ein frisch vorbereitetes Gemüsebeet

Seit den 1970er-Jahren ist den Kleingärtnern klar geworden, dass sich ihre Rolle verändert. Der Handel nimmt nur noch makellose Ware, sortiert nach Sorte und Größe, und für Selbstvermarkter lohnt sich der Aufwand kaum. Geblieben ist das, was der Handel schlecht kann: empfindliches Weichobst, das den Transport nicht verträgt — Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Sauerkirschen. Genau diese Arten sind heute das stärkste Argument für den eigenen Garten: Frisch gepflückt schmecken sie anders, und im Laden gibt es sie kaum in guter Qualität.

Wer das Gärtnern ernst nimmt, sieht seit Jahren, wo der größte Hebel liegt: beim Naturschutz, konkret beim Verbessern des Lebensumfelds. Früher gab es dafür die Verschönerungsvereine; sie sorgten dafür, dass Dorfplätze gepflegt waren, Gräben freigeschnitten und das Wasser abfließen konnte, dass Alleebäume versorgt wurden, dass das Wasser im Teich sauber blieb, dass in den Fenstern Blumen standen und dass Zierbäume und Sträucher gepflanzt wurden. Heute fehlt in diesem Bereich spürbar jemand, der das übernimmt.

Naturschutz im Siedlungsraum ist vor allem eine Sache für Gärtner; sie sind der Natur am nächsten und beherrschen die nötigen Handgriffe. Kleingärtner sollten mit gepflegten Parzellen, ansehnlichen Zäunen, Blüten von März bis November und viel Grün vorangehen. Sie können nicht nur mit Bäumen, Hecken und Rasenflächen die Umgebung verschönern, in der wir leben, sondern mit genügend Grün auch das Kleinklima verbessern, Staub binden und Wasser in der Fläche halten.

Sehen wir uns um, wie schnell Flächenversiegelung und Verdichtung voranschreiten. Neue Wohn- und Gewerbegebiete sind notwendig, wenn wir gut wohnen und arbeiten wollen — aber sie gehen fast immer zulasten des Bodens. Städte heizen sich auf, Starkregen läuft über Asphalt ab, die Artenvielfalt geht zurück. Dagegen wird vieles unternommen, unter anderem werden Grünzüge geplant und gepflanzt. Genau hier können Kleingärtner mehr tun, indem sie zusammenhängende Grüngürtel um Städte und Ortschaften mittragen. Rund 900.000 Parzellen auf etwa 40.000 Hektar sind eine Größenordnung, die zählt: Wenn jede einzelne naturnah bewirtschaftet wird und jeder nur ein paar Steine in diesen grünen Damm legt, Jahr für Jahr, dann hat die Kleingartenbewegung der Gegenwart ein enormes Gewicht.

Wir können also eine deutliche Verschiebung im Sinn des Gärtnerns von gestern zu heute beobachten — nicht nur bei uns, sondern in der ganzen westlichen Welt. Früher lag der Sinn in der Erzeugung von Obst und Gemüse zur Versorgung der Bevölkerung; heute liegt er vor allem im Grün selbst, das Lebensqualität, Kühlung und Lebensraum schafft. Das bedeutet einen allmählichen, nicht aufzuhaltenden Übergang vom reinen Nutzgarten zum Zier- und Naturgarten. Dieser Übergang wird immer deutlicher.

Ziele des modernen Gärtnerns und die Rolle des Kleingärtnervereins

Das Gärtnern von heute

Auch das Gärtnern braucht insgesamt ein Ziel, das ihm seinen Platz in der heutigen Gesellschaft gibt. Wie kommt man dorthin? Die eigene Familie ausreichend mit Obst und Gemüse versorgen, vor allem mit Arten, die den Transport schlecht vertragen und im Handel selten in guter Qualität zu haben sind, und mit reichlichem Verzehr den Durchschnittsverbrauch dieser wertvollen Lebensmittel erhöhen. Für den Verkauf am Gartentor jene Arten anbauen, deren Erzeugung viel Handarbeit verlangt, also vor allem Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Sauerkirschen und Süßkirschen. Diese Arten im großen Maßstab oder über Importe bereitzustellen, ist immer schwieriger als bei Kernobst und großfrüchtigem Steinobst. Die eigenen Gärten vorbildlich gestalten — in der Stadt, auf dem Land, in der Kleingartenanlage —, damit sie vor Grün und bunten Blüten überquellen, mit geschmackvollem Zubehör, damit sie dem Auge guttun und ein Umfeld schaffen, in dem man zufrieden und gern lebt. In der Vereinsarbeit beim Pflanzen und Pflegen von Grün helfen, bei Park- und Grünanlagen mitwirken, Schönheit und Gesundheit aller Naturwerte schützen. Und die Liebe zur Natur, zu Blumen und Bäumen bewahren, vertiefen und mit dem eigenen Beispiel besonders an Kinder und Jugendliche weitergeben.

Kleingärtnerverein und Bundesverband Deutscher Gartenfreunde

Kleingärtner haben ihre eigene Organisation: den Kleingärtnerverein vor Ort, der die Anlage verwaltet und die Parzellen verpachtet. Die Vereine sind in Landesverbänden zusammengeschlossen, deren Dachorganisation der 1921 gegründete Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. (BDG) ist. Der Verband hat erheblichen Einfluss auf seine Mitglieder: Er hat eine gewachsene Struktur und ein gut ausgebautes Bildungsangebot — Fachberaterinnen und Fachberater, Schulungen, Merkblätter und Fachzeitschriften. Die Zahl der organisierten Kleingärtner ist über Jahrzehnte stabil geblieben, und die Wartelisten in den Ballungsräumen sind lang. Auch die fachliche Beratung hat Tradition: Unter den Fachberatern finden sich ausgebildete Gartenbauwissenschaftler, erfahrene Berufsgärtner und langjährige Laien, die ihr Wissen weitergeben. Neben der Bildungsarbeit steht die gemeinnützige Arbeit der Vereine, die ihnen ihren rechtlichen Sonderstatus überhaupt erst sichert.

Die Größenordnung: In Deutschland gibt es rund 900.000 Kleingärten, organisiert in etwa 14.000 Vereinen. Zusammen bewirtschaften ihre Mitglieder ungefähr 40.000 Hektar Land, das für den Erwerbsgartenbau meist ungeeignet ist. Auf dieser Fläche wachsen erhebliche Mengen Obst und Gemüse — Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen, Nüsse und vor allem Beerenobst. Was nicht frisch gegessen wird, verarbeiten die Gärtner selbst: Saft, Trockenobst, Marmelade und Brand aus Fallobst, das sonst verdorben wäre. Viele Vereine betreiben dafür gemeinsame Mostereien und Dörrgeräte oder verleihen sie an ihre Mitglieder.

Ähnlich nützlich ist die Arbeit der Vereine bei allem, was das Wohnumfeld verbessert und der Natur nützt. Kleingärtner leisten jedes Jahr eine große Zahl an Gemeinschaftsstunden für Wege, Hecken, Streuobstwiesen und Gemeinschaftsflächen. Auch die Bildungsarbeit ist beträchtlich: Vorträge, Gartenbegehungen und Schulungen, dazu Ausstellungen, Tage der offenen Anlage und die Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen, für die viele Anlagen eigene Lehrgärten unterhalten.

Die Kleingartenbewegung wächst und wird stärker. Das Interesse an einer Parzelle steigt seit Jahren, gerade in den Städten. Die Gründe liegen auf der Hand: Digitalisierung und Verdichtung entfernen den Menschen von der Natur, und damit wächst das Bedürfnis nach unmittelbarem Kontakt mit ihr — und sei es auf 300 Quadratmetern. Gartenarbeit ist zugleich die ideale Form aktiver Erholung: Sie gleicht die Überlastung durch Kopfarbeit aus, löst Anspannung und beseitigt die Müdigkeit, die einseitige Tätigkeiten hinterlassen. Sie fördert außerdem die Persönlichkeit, weil in ihr viele ästhetische Erlebnisse stecken. Und sie hat ihren Platz im modernen Familienleben, weil sie ein passender und wirtschaftlich tragbarer Weg ist, das Zusammenleben zu festigen und Kinder einzubeziehen. Gärtnern trennt die Familie nicht, wie es manche Hobbys tun, sondern schafft möglichst viele gemeinsame Erlebnisse.

Gesellschaftlich gesehen ist das Kleingartenwesen eine moderne, eindeutig nützliche und weiterhin zukunftsfähige Form, Freizeit zu verbringen.

Bauerngarten, Hausgarten und Vorgarten: wie Sie sie am besten nutzen

Welche Möglichkeiten gibt es?

Person mäht mit einem Aufsitzmäher den Rasen in einem Hausgarten

Der älteste Gartentyp ist bei uns der Bauerngarten. Vielerorts kann man ihn kaum noch Gärtchen nennen, weil er einen halben oder einen ganzen Hektar misst und andernorts den Hofacker ersetzt. Aus solchen Gärten kam einst der größte Teil des Obstes für den Handel. Vieles hat sich verändert, doch überwiegend stehen dort weiterhin hohe Obstbäume, unter denen Gras oder anderes Grünfutter wächst, mancherorts Kartoffeln, sogar Getreide. Meist sind es reine Nutzgärten ohne größeren gestalterischen Anspruch. Am häufigsten stehen dort Apfelbäume, Birnbäume, Pflaumen, Kirschen, in wärmeren Lagen Aprikosen und Pfirsiche, Weinreben, in Gemüsebaugebieten viel Gemüse. Mancherorts sind die Bäume seit Jahren sich selbst überlassen und werden nur noch abgeerntet — sofern sich überhaupt etwas Gesundes und Ansehnliches ernten lässt. Anderswo sind die Gärten in ausgezeichnetem Zustand und der Stolz des Dorfes. Dort erkennt man das Bemühen um eine intensive Nutzung.

Viele Bauerngärten entstehen auf ehemaligen Hofflächen, die mit dem Strukturwandel ihre landwirtschaftliche Funktion verloren haben. Die Erzeugung trennt sich vom Wohnen, am Haus entstehen sauberere Verhältnisse, und so grenzen viele dieser Gärten direkt an das Wohnhaus und übernehmen zugleich eine Wohn- und Erholungsfunktion. Bei gutem Wetter, vor allem im Sommer, wird der Garten Teil des Wohnraums, und dann kommen zwangsläufig Blumen, Zierbäume und Sträucher dazu. Je mehr die Menschen auf dem Land die Selbstversorgung zurückfahren und je mehr Freizeit sie für sich haben wollen, desto größer wird die ästhetische und kulturelle Bedeutung des Gartens. Auch im Bauerngarten setzt sich das Ziergärtnern langsam, aber sicher durch, während der Nutzteil flächenmäßig kleiner, dafür intensiver bewirtschaftet wird.

Der verbreitetste Gartentyp ist bei uns der Hausgarten — der Garten am Einfamilienhaus in der Stadt, im Vorort und auf dem Dorf. Groß sind sie selten. Gärtnerisch und gestalterisch lassen sie sich am besten ausnutzen, weil man täglich darin arbeiten kann und keine Zeit für die Anfahrt verliert. Gerade deshalb sollten diese Gärten schön geordnet und intensiv genutzt sein. Ist der Hausgarten von mehreren Seiten einsehbar, sollte er vor allem Ziergarten sein und gestalterisch etwas hergeben. Liegt er hinter dem Haus und ist von der Straße kaum zu sehen, darf der Nutzteil überwiegen. In Hausnähe sollte der Garten eher Wohncharakter haben, weiter weg darf der Nutzcharakter zunehmen. Dabei sollen sich beide Elemente — Zier und Nutzen — durchdringen und ein stimmiges Ganzes ergeben. Je kleiner der Garten, desto klarer muss dieser wichtige Grundsatz gelten. Hausgärten sollen außerdem zum Gebäude passen: Sie sollen die Architektur nicht stören, sondern ergänzen. Ihr unterzuordnen ist vor allem das technische Zubehör des Gartens, also Wegeführung, Sichtachsen, Sitzplätze und Ähnliches. Auch das Grün soll gestalterisch an das Gebäude anschließen. Es soll es durch seine Anordnung nicht nur ergänzen, sondern betonen. Grundsatz ist: Rund um das Gebäude eher locker pflanzen, nicht zu dicht und nicht zu hoch; höheres und dichteres Grün gehört auf Abstand. Das dient auch dazu, dass Licht und Luft an das Haus kommen.

Eine sehr wichtige Ergänzung von Bauern- und Hausgärten ist der Vorgarten. Das ist meist ein kleinerer Bereich zwischen Haus und Straße, häufig noch mit einem Zaun eingefasst. Wie der Vorgarten aussieht, ist die Visitenkarte der Bewohner. Vorgärten liegen offen vor den Augen aller Vorbeigehenden und Vorbeifahrenden, ihre Gestaltung ist also nicht ganz Privatsache. In vielen Orten prägen Vorgärten das Ortsbild; deshalb ist eine passende, untereinander harmonierende Bepflanzung fast Bürgerpflicht — am besten ganz ohne Zaun, und wo ein Zaun vorerst nötig ist, dann niedrig und für die ganze Straße einheitlich. Mancherorts schreiben Bebauungssatzungen für Vorgärten ausdrücklich eine Begrünung vor und verbieten Schotterflächen. Und vergessen wir nicht: Zur Gestaltung des Vorgartens gehört auch der Blumenschmuck am Fenster.

Kleingartenanlage: gemeinschaftliches Gärtnern in der Stadt

Der moderne Gartentyp ist die Parzelle in einer Kleingartenanlage, ob in der Groß- oder in der Kleinstadt. Das Interesse ist riesig; wer im Häusermeer wohnt, sehnt sich nach einem Stück Garten für die freien Stunden. Die meisten Vereine, die Anlagen verwalten, führen Wartelisten — Interessenten warten geduldig mehrere Jahre, bis eine Parzelle frei wird, um sie zu übernehmen und nach eigenen Vorstellungen umzugestalten. Dieses gemeinschaftliche Gärtnern bietet große Möglichkeiten für Schönheit und Ertrag. Fachlich hat dieser Typ die besten Aussichten, weil praktische Anleitung, Beratung direkt an der Parzelle und das Vorbild der Erfahrensten in der Anlage besonders leicht funktionieren.

Die Regeln des Zusammenlebens in der Anlage stehen in der Gartenordnung, dazu kommen der Pachtvertrag und das Bundeskleingartengesetz. Kleingartenanlagen haben aber auch ihre Probleme. Viele entstanden zu einer Zeit, als die Städte nicht so schnell wuchsen wie heute. So kommt es, dass Anlagen der Stadtentwicklung im Weg liegen und aufgegeben werden müssen, was für die Betroffenen sehr schmerzhaft ist, und dass sie einst als Provisorium angelegt wurden, ohne städtebauliches Konzept, und heutigen gestalterischen Ansprüchen nicht mehr genügen. Konkret heißt das: Kleingartenanlagen wurden vor Jahrzehnten als eingezäunte Ansammlung einzelner Gärten gebaut, ohne funktionalen oder gestalterischen Bezug zur Umgebung.

Die Vorstände der Vereine haben alle Hände voll zu tun: Sie müssen Ersatzflächen weiter außerhalb finden, wenn eine Anlage der Bebauung weichen muss, und ältere Anlagen Schritt für Schritt so umbauen, dass sie heutigen städtebaulichen Anforderungen entsprechen. Deshalb kann die Gestaltung und Nutzung einer Parzelle heute keine reine Privatsache mehr sein, sondern muss sich in das Gesamtkonzept und die Gliederung der Anlage einfügen. Jede Parzelle soll einen Bezug zur Anlage als Ganzem haben. Eine dauerhaft angelegte Kleingartenanlage von heute braucht eine Reihe moderner Gemeinschaftseinrichtungen. Das ist nicht mehr nur der Hauptweg und die Wasserleitung wie früher, sondern — je nach Größe der Anlage — ein Vereinsheim, ein Kiosk, sanitäre Anlagen, ein gemeinsamer Geräte- und Düngerschuppen, Einrichtungen zur Obstverwertung, ein Spielplatz und kleine Sportflächen. All das gehört in ein reich gegliedertes, gepflegtes Grün, das den Bezug der Anlage zur Umgebung herstellt und sie so zum Teil des städtischen Grüngürtels macht.

Wochenendgärten, Wohnanlagen und Themengärten: moderne Gartentypen

In den letzten Jahren entstehen viele Gärten an Ferien- und Wochenendhäusern. Diese Gärten sind meist Ziergärten, der Anbau von Obst und Gemüse ist Nebensache. Gärten am Ferienhaus sollten einfach gehalten sein, ohne streng geschnittene Beete und ohne Formgehölze, mit einer klugen Auswahl robuster Arten. Sie sollen dem Besitzer Erholung und aktive Freizeit in einem gepflegten, gut in die Landschaft eingefügten Umfeld ermöglichen. Das wichtigste Material sind Rasen, Ziergehölze und Stauden, deren Wildformen oder nahe Verwandte in den umliegenden Wäldern, Wiesen, Feldern oder an den Gewässern wachsen. Wenn für Gärtner allgemein gilt, dass sie sich bei jeder Gestaltung an der Natur orientieren sollen, weil diese die schönsten Bilder hervorbringt, dann gilt das für den Besitzer eines Ferienhauses erst recht. Jeder Garten ist Teil der Landschaft, deshalb sollte er sie nicht stören.

Frau pflanzt Kohlrabi-Jungpflanzen, daneben Paletten mit Salat- und Kräutersetzlingen

Ein neuerer Gartentyp sind die Freiflächen zwischen Mehrfamilienhäusern und Wohnblöcken, die den Mietern zur gemeinsamen Pflege überlassen werden. Diese moderne Form sollte sich ausbreiten, denn das Grau selbst der modernsten Häuser wird nicht durch bunte Balkonkästen aufgehellt, sondern am besten durch gepflegte Rasenflächen, Blumen und Ziergehölze. Solche Flächen sollten reine Ziergärten sein und, wo es möglich ist, durch kleine oder größere Wasserflächen ergänzt werden — für das Kleinklima und für die Wirkung von Wasser im Grün. Dazu gehören ruhige Ecken mit einer Bank und Blick auf eine schöne Partie der Anlage.

Mit der zunehmenden Spezialisierung mancher Gärtner entstehen immer häufiger Themengärten. Unter den Gärtnern gibt es Liebhaber, die ihren ganzen Garten mit Schwertlilien, Dahlien, Rosen oder anderen Zierpflanzen bepflanzen. Und wenn nicht den ganzen, dann den größeren Teil und die besten Plätze. Auch in diesen Gärten sollte man Anmut, Ordnung und passendes technisches und pflanzliches Zubehör und deren stimmige Kombination nicht vergessen.

In den letzten Jahren wird auch bei uns häufiger über sogenannte Atriumgärten gesprochen. Atrium ist das lateinische Wort für Innenhof; ein Atriumgarten ist also ein Garten im Haus, von mehreren Seiten umbaut und mit größtmöglicher Privatsphäre. Unter mitteleuropäischen Bedingungen spielen Atriumgärten kaum eine Rolle — sie sind typisch für Italien und den Mittelmeerraum, wo Hitze herrscht und wo Grün, Schatten und das unverzichtbare Wasser ein kühleres Umfeld schaffen. Es ist also eine Wohnform des Gartens: ein grünes Zimmer, das von den meisten Räumen des Hauses aus zugänglich ist. Deshalb ist dieser Garten selbstverständlich ein reiner Ziergarten. Sein Vorteil unter unseren Bedingungen läge vor allem darin, dass er bei guter architektonischer Planung mit sehr wenig Fläche auskommt — und Fläche ist in der Stadt genau das, was fehlt.

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