Schnitt von Sträuchern und Kletterpflanzen: vollständiger Leitfaden
Wann und wie schneidet man Sträucher, damit sie reich blühen und jahrzehntelang vital bleiben? Ein ausführlicher Leitfaden zu allen Schnittarten — vom Erziehungsschnitt über den Erhaltungsschnitt bis hin zum Verjüngungsschnitt.
Was ist ein Strauch und warum ist sein Typ beim Schnitt wichtig

Schnitt von Sträuchern und Kletterpflanzen
Definition und Typen von Sträuchern
Im Bewusstsein insbesondere des Laienpublikums unterscheiden sich Sträucher von Bäumen vor allem durch ihren deutlich geringeren Wuchs. Der niedrige Wuchs ist zwar ein wichtiges Merkmal des Strauches, jedoch kein wesentliches. Nach Prof. Karel Domin ist ein Strauch eine Gehölzpflanze ohne direkten Stamm, die sich bereits von Grund auf verzweigt (K. Domin, Rostlinopis, Bd. VII Rostlinné tvarosloví, Aventinum 1932). Moderner, wenn auch ähnlich, wird der Strauch anhand seiner Architektur definiert (z. B. Pejchal), für die folgende charakteristische Merkmale typisch sind:
– der primäre Trieb bleibt schwach und stellt häufig bereits Ende des 2. Jahres das Längenwachstum ein oder beginnt vom Ende her abzusterben, – in der Regel bilden sich bereits im 2. Jahr aus den Knospen in den Achseln der Keimblätter und der unteren normalen Blätter kräftige Achsen, sogenannte Erneuerungstriebe, die den primären Trieb schnell überwachsen, – Basitonie des Triebes und des Strauches als Ganzes (bei der Verzweigung zeigen die Triebe aus basalen Knospen das stärkste Wachstum und übertreffen die Muttertriebe in Länge und Stärke), – relativ geringe Höhe, die sich aus der rasch abnehmenden Länge der Jahreszuwächse und/oder dem bogenförmigen Wuchs der Triebe der meisten Sträucher ergibt.
Die Vielfalt der Natur ist jedoch nahezu grenzenlos und lässt sich nicht so einfach in „Schubladen“ einteilen. Neben typischen Sträuchern mit allen oben genannten Merkmalen gibt es eine ganze Reihe von Arten, bei denen eines oder mehrere Merkmale in unterschiedlichem Maße zurücktreten. Im Grunde lässt sich sagen, dass es eigentlich keine scharfe Grenze zwischen Strauch und Baum gibt (vgl. zahlreiche dendrologische Handbücher, die bestimmte Arten mit den Worten „großer Strauch bis kleiner Baum“ beschreiben). Im Průhonický-Park wächst ein malerischer, über 10 m hoher Feldahorn (Acer campestre), der bei näherer Betrachtung mehr Merkmale eines Strauches als eines Baumes aufweist. Umgekehrt haben viele alte Rhododendren (Rhododendron sp.), die kaum 4 m hoch sind, einen deutlich erkennbaren kahlen Stamm und sind weit eher Bäume als Sträucher.
Die große Vielfalt verschiedener Strauchtypen spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Ansprüchen an den Schnitt und in der verschiedenen Schnittverträglichkeit wider. Die größte Schnittverträglichkeit zeigen typische Sträucher mit einer ausgeprägten lebenslangen Aktivität der basalen Erneuerungszone. Diese Sträucher vertragen den Schnitt nicht nur sehr gut, sondern ein regelmäßiger Schnitt ist für ihr langfristiges und voll funktionsfähiges Gedeihen im Grunde unerlässlich. Am anderen Ende der kontinuierlichen Reihe stehen untypische Sträucher mit minimaler Aktivität der basalen Erneuerungszone, die im Erwachsenenalter oft eher wie Miniaturbäume als wie typische Sträucher aussehen. Diese Sträucher vertragen den Schnitt sehr schlecht und benötigen ihn im Grunde genommen, ähnlich wie Bäume, nicht. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine ganze Reihe fließender Übergänge. Im Hinblick auf den Schnitt können wir Sträucher grob in sieben Gruppen einteilen – typische Sträucher, – frostempfindliche „rutenartige“ empfindliche Sträucher und Halbsträucher, – immergrüne Sträucher, – „baumartige“ Sträucher, – Kletterpflanzen, – Nadelgehölze, – Kulturen mit spezifischen Anforderungen (Beet-rosen, Formgehölze).
Sieben Gruppen von Sträuchern und ihre Schnittverträglichkeit

Typische Sträucher weisen eine hohe Aktivität der basalen Erneuerungszone auf und bilden ihr ganzes Leben lang eine große Anzahl von Erneuerungstrieben. Daher vertragen sie auch einen Rückschnitt sehr gut. Andererseits verdicken alte Triebe den Strauch nach und nach stark und sterben infolge des zunehmenden Konkurrenzkampfes häufig ab – der Strauch altert sichtbar. Ein regelmäßiger Rückschnitt, der einen Teil der ältesten Äste entfernt, ist daher für die langfristige Erhaltung eines vitalen, voll funktionsfähigen Strauches unerlässlich.
Frostempfindliche Sträucher und Halbsträucher weisen ebenfalls eine sehr hohe Aktivität der basalen Erneuerungszone auf, die in unseren Breitengraden eine unabdingbare Voraussetzung für ihren Anbau ist. Diese Sträucher frieren bei uns meist stark ein, und ihre Existenz wird durch die alljährliche Bildung einer großen Anzahl von Erneuerungstrieben aus dem basalen Bereich gesichert. Ähnlich erneuern sich auch Halbsträucher, deren nicht verholzte Teile im Winter absterben. Die Folge ist eine große Anzahl abgestorbener Triebe und ein „besenartiger“ Wuchs. Die logische Konsequenz ist dann ein alljährlicher tiefer Rückschnitt bis ins gesunde Holz.
Immergrüne Sträucher weisen meist eine geringere Aktivität der basalen Erneuerungszone auf und benötigen keinen tieferen regelmäßigen Rückschnitt. Sie unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Regenerationsfähigkeit: Während Rhododendren (Rhododendron sp.), immergrüne Schneebälle (Viburnum sp.) oder Kalmia nicht in der Lage sind, kräftig nachzutreiben, und den Schnitt daher schlecht vertragen, regenerieren auf der anderen Seite Buchsbaum (Buxus sp.), Kirschlorbeer (Prunus laurocerassus) oder Feuerdorn (Pyracantha coccinea) gut und können auch für Formgehölze verwendet werden. Abgesehen von Formhecken oder anderen Formelementen historischer Gärten schneiden wir auch diese Arten nicht unnötig zurück!
„Baumartige“ Sträucher weisen eine minimale Aktivität der basalen Erneuerungszone auf und sehen im Erwachsenenalter oft eher wie Miniaturbäume als wie typische Sträucher aus. Zu dieser Gruppe gehören z. B. Zaubernuss (Hamamelis sp.), strauchförmig wachsende Magnolien (Magnolia sp.) oder Sanddorn (Hippophae rhamnoides). Diese Sträucher vertragen den Rückschnitt meist sehr schlecht und benötigen ihn grundsätzlich – ähnlich wie Bäume – nicht. Interessant ist, dass die Aktivität der basalen Erneuerungszone nicht direkt mit der Fähigkeit zur Wurzelausläuferbildung zusammenhängt. Einige Arten aus dieser Gruppe reagieren auf einen ungeeigneten Rückschnitt oder die Zerstörung des oberirdischen Teils daher nicht mit neuen Trieben aus dem basalen Bereich, sondern mit einer Vielzahl von Wurzelausläufern in einem weiten Umkreis (ein typisches Beispiel ist etwa der Sanddorn).
Kletterpflanzen sind eine sehr vielfältige Gruppe, die im Grunde nur durch eine spezifische Strategie im Konkurrenzkampf um Licht verbunden wird, die in einem außerordentlich schnellen Längenwachstum auf Kosten der Festigkeit der Pflanzenachse besteht. Ansonsten unterscheiden sie sich erheblich voneinander. Auch ihre Ansprüche an den Rückschnitt sind unterschiedlich und werden in den folgenden Kapiteln ausführlich beschrieben. Im Allgemeinen lässt sich vielleicht nur sagen, dass die große Mehrheit über gute Regenerationsfähigkeiten verfügt und auch einen recht radikalen Rückschnitt gut verträgt. Mit Ausnahme sehr üppig wachsender Arten, die viel neue Masse bilden (z. B. Knöterich – Fallopia auberti), benötigen sie jedoch keinen regelmäßigen Erhaltungsschnitt.
Nadelgehölzsträucher – auch wenn wir sie aufgrund ihrer Größe als Sträucher bezeichnen – entbehren in Wirklichkeit die meisten Attribute eines Strauches. Die basale Erneuerungszone fehlt praktisch, und bis auf wenige Ausnahmen (Eibe – Taxus baccata) ist auch die Regenerationsfähigkeit minimal und in der Regel auf grüne Jungtriebe beschränkt. Mit Ausnahme der Eibe (Taxus sp.) kommt daher ein gewöhnlicher Rückschnitt nicht in Frage, und in unbedingt notwendigen Fällen müssen spezifische Methoden (Auskneifen) zum Einsatz kommen.
Kulturen mit spezifischen Anforderungen stellen ein buntes Sammelsurium all dessen dar, was sich nicht systematisch in die vorangegangenen Abschnitte einordnen ließ. Die Anforderungen werden in diesem Fall oft nicht so sehr durch die natürlichen Bedürfnisse der Pflanzen bestimmt, sondern vielmehr durch den Zweck, für den wir die Pflanzen anbauen (Formhecken, Formelemente historischer Gärten).
Besonderheiten des Strauchschnitts: Warum er sich vom Baumschnitt unterscheidet

Besonderheiten des Strauchschnitts
Die Besonderheiten des Strauchschnitts betreffen vor allem typische Sträucher mit einer aktiven basalen Erneuerungszone. Diese Sträucher treiben alljährlich aus dem basalen Bereich neue Triebe aus, während die ältesten Triebe im Inneren des Strauches nach und nach absterben. Im Gegensatz zu Bäumen, die abgestorbenes Holz in ihr Gerüst integrieren (Stamm, Skelettäste) oder es abstoßen (sogenannte „Selbstreinigung“ des Stammes, oft mithilfe saprophytischer Pilze), sammelt sich bei typischen Sträuchern im Inneren des Strauches totes Holz in Form von dürren Ästen an, oder es überwiegen mit der Zeit alte Äste ohne Zuwachs und mit geschwächter Vitalität. Der Strauch als Ganzes altert dadurch sichtbar und verwandelt sich in ein undurchdringliches, wenig ansehnliches „Gestrüpp“. Die großen Erneuerungsfähigkeiten des basalen Bereichs lassen sich jedoch nutzen, und durch einen systematischen, regelmäßigen Pflegeschnitt kann der Strauch – wenn nicht dauerhaft, so zumindest langfristig – in einem voll funktionsfähigen Zustand erhalten werden. Im Gegensatz zu Bäumen lässt sich der Alterungsprozess von Sträuchern durch einen fachgerecht durchgeführten Pflegeschnitt deutlich verlangsamen oder sogar aufhalten, und veraltete Sträucher können in vielen Fällen auch effektiv verjüngt werden.
Die hohe Regenerationsfähigkeit der meisten Sträucher sowie das Fehlen eines Stammes und starker Skelettäste erleichtern den Strauchschnitt. Beim Schneiden von Sträuchern entstehen keine großen, ausgedehnten Wunden, die als Eintrittspforte für Infektionen in den Stamm dienen könnten. Auch ist die Schnittstelle nicht so kritisch wie bei Bäumen – ein Strauch kommt mit einem kleinen Stummel viel leichter zurecht, und einen „Einschnitt am falschen Ort“ zu erzeugen ist schlicht unmöglich. Diese Tatsachen kehren sich jedoch paradoxerweise gegen die Sträucher selbst. Es entsteht nämlich die weit verbreitete und gefährliche Vorstellung, dass Sträucher von jedermann, auf beliebige Weise und zu jeder Zeit geschnitten werden können. Wie verbreitet diese Vorstellung ist und welchen Schaden sie Jahr für Jahr anrichtet, lässt sich bei einem Spaziergang durch die Plattenbausiedlungen unserer Städte eindrucksvoll beobachten. Verstümmelte Sträucher von niemals blühenden Goldruten und anderen Straucharten findet man als beredtes Mahnmal gegen die „Arbeit der Verwalter“ wohl in jeder Prager Plattenbausiedlung. Leider zeugt auch die Arbeit ausgebildeter Gärtner in Parks nicht immer von ihrer Qualifikation.
Schnitt beim Pflanzen von Sträuchern und Erziehungsschnitt: Wie Sie richtig beginnen

System des Strauchschnitts
Zum Schneiden verwenden wir qualitativ hochwertiges, scharfes Werkzeug – der Schnitt soll glatt, nicht verformt und nicht ausgefranst sein. Schwächere Äste mit einem Durchmesser von etwa bis zu 1 cm können Sie mit einem scharfen Gartenmesser schneiden, mit dem Sie eine glatte, nicht verformte Wunde erzielen. Bequemer und in der Praxis am häufigsten verwendet sind jedoch scharfe zweischneidige Gartenscheren. Stärkere Äste können Sie mit einer scharfen Gartensäge herausschneiden – die Schnittstelle in der Mitte des Strauchs ist jedoch in der Regel nicht gut zugänglich, und so ist die Astschere das einzige Werkzeug, mit dem Sie Äste aus der Mitte des Strauchs herausschneiden können. Sträucher mit gegenständigen Blättern schneiden (oder sägen) wir mit einem geraden Schnitt über den Knospen; Äste von Arten mit wechselständigen Blättern kürzen wir mit einem leicht schrägen Schnitt über einer nach außen weisenden Knospe.
Der Schnitt ist ein unumkehrbarer Eingriff und sollte daher niemals unüberlegt durchgeführt werden – selbst ein gut regenerierender Strauch kann verstümmelt werden, zumindest für die laufende Saison. Daher ist es stets notwendig, die Vorgehensweise beim Schnitt sorgfältig abzuwägen, die spezifischen Eigenschaften der jeweiligen Art und den Zweck des Schnitts zu berücksichtigen und lieber mit Pausen zur Überprüfung des eigenen Vorgehens zu schneiden – das Ziel schrittweise zu erreichen.
Ein korrekt durchgeführter Schnitt muss während der gesamten Lebensdauer des Strauchs Teil der Pflege sein, also von seiner Anzucht in der Baumschule bis zu einer etwaigen Entfernung. Dabei erfordert jede Etappe (Entwicklungsphase) einen anderen, spezifischen Schnitttyp. Hinsichtlich der Etappen (Entwicklungsphasen) des Strauchs lassen sich die Schnitte in sechs Gruppen einteilen: – Schnitt in der Baumschule (Produktion von Setzlingen), – Schnitt beim Pflanzen, – Erziehungsschnitt, – Erhaltungsschnitt, – Verjüngungsschnitt, – Beseitigung (Rodung).
Schnitt in der Baumschule
Der Schnitt in der Baumschule hat vor allem die Aufgabe, das Verhältnis zwischen dem Edelreiser und der Unterlage bei der vegetativen Vermehrung anzupassen und die Entwicklung junger Pflanzen zu lenken. Es handelt sich um eine spezifische Baumschulangelegenheit, die eng mit den Vermehrungsmethoden verbunden ist, und wir werden uns damit nicht weiter befassen.
Schnitt beim Pflanzen
Beim Pflanzen führen wir ähnlich wie beim Pflanzen von Bäumen einen komparativen (ausgleichenden) Schnitt durch, der das Verhältnis zwischen dem oberirdischen Teil und dem Wurzelsystem anpassen soll. Durch die Verringerung der Verdunstungsfläche wird das Anwachsen erleichtert; darüber hinaus wird die Form korrigiert und die Bildung neuer kräftiger Triebe gefördert. Stärker zurückschneiden müssen wir vor allem wurzelnackte Setzlinge, die ein deutlich reduziertes Wurzelsystem haben. Containerpflanzen werden weniger gekürzt; „baumartige“ Sträucher, die schlecht aus der basalen Erneuerungszone austreiben (Hamamelis, Magnolia), werden überhaupt nicht gekürzt.
Umgekehrt werden lange unverzweigte Triebe üppig wachsender Laubsträucher nach dem Pflanzen auf 1/2 bis 1/3 gekürzt, schwache Triebe werden vollständig entfernt. Der zurückgeschnittene Strauch treibt kräftig aus und bildet eine größere Anzahl neuer starker Triebe.
Noch stärker kürzen wir Pflanzungen von Formhecken zurück. Ziel ist es, von unten eine kompakte Grundlage für die zukünftige Form anzuzüchten. Um eine reiche Verzweigung der Laubsträucher bereits direkt über dem Boden zu erreichen, kürzen wir die Setzlinge unmittelbar nach dem Pflanzen durch einen starken Rückschnitt auf 10–15 cm über dem Boden.
Nadelgehölze und immergrüne Sträucher, die ausschließlich in Containern oder mit Ballen geliefert werden, werden nach dem Pflanzen nur in absoluten Ausnahmefällen bearbeitet; wir beschränken uns auf das Entfernen gebrochener, kranker oder anderweitig beschädigter Äste und können ausnahmsweise Triebe korrigieren, die die Symmetrie des Strauchs deutlich stören.
Erziehungsschnitt
Ziel des Erziehungsschnitts ist es, einen Strauch mit kräftigen und gleichmäßig verteilten Ästen und einem charakteristischen Habitus heranzuziehen. Die Anforderungen an den Erziehungsschnitt unterscheiden sich je nach Strauchart, aber auch je nach Verwendungszweck der Pflanzung – Solitärsträucher erfordern andere Anforderungen und eine andere Art des Erziehungsschnitts, Sträucher in Gruppen eine andere, und Sträucher in Formhecken stellen wiederum ganz andere Anforderungen. Einen minimalen Erziehungsschnitt erfordern in der Regel immergrüne und Nadelsträucher. Der Erziehungsschnitt beschränkt sich bei den meisten Sträuchern nur auf das erste, bei üppig wachsenden Laubsträuchern gegebenenfalls auch auf das zweite Jahr nach dem Pflanzen, in dem wir kleinere Entwicklungsmängel korrigieren, und fließt dabei oft mit dem komparativen Schnitt zusammen. Nur die Anzucht von Formhecken dauert länger.
Üppig wachsende Laubsträucher, die wir nach dem Pflanzen radikal zurückgeschnitten haben, treiben kräftig aus und bilden eine größere Anzahl neuer starker Triebe, von denen im folgenden Jahr nur 4–5 der kräftigsten, gleichmäßig verteilten Triebe belassen werden sollten, die das Grundgerüst des Strauchs bilden; alle anderen Triebe werden vollständig entfernt. Die verbleibenden Triebe werden erneut um etwa 1/3 gekürzt. Der Erziehungsschnitt ist im zweiten Jahr bei Solitärpflanzungen unerlässlich; bei Gruppenpflanzungen fehlen dafür in der Regel die Mittel und er wird nicht mehr durchgeführt.
Einen speziellen Erziehungsschnitt erfordert die Anzucht von Formhecken und die Anzucht von Glyzinien (Wisteria).
Formgeschnittene lebende Hecken
Die Anzucht von Formhecken und -wänden ist am anspruchsvollsten und dauert am längsten. Ziel ist es, von unten eine kompakte Grundlage für die zukünftige Form heranzuziehen. Um eine reiche Verzweigung der Laubsträucher bereits direkt über dem Boden zu erreichen, schneiden wir die Triebe, die nach dem starken Rückschnitt beim Pflanzen ausgetrieben haben, im nächsten Jahr erneut sehr niedrig zurück, nur wenige Zentimeter höher. Die gewünschte Höhe und Breite der zukünftigen Formhecke oder -wand erreichen wir allmählich durch schrittweise Erhöhung des Schnitts – wir haben keine Eile, Ungeduld zahlt sich nicht aus. Hecken, die zu früh in die Höhe getrieben werden, bleiben in den unteren Partien licht, und im Gartenbaubereich sagt man treffend, sie seien „beinig“. Nadelgehölze, mit Ausnahme der Eiben, regenerieren deutlich schlechter und um eine ausreichend dichte, kompakte Form zu erreichen, kann ein radikaler Rückschnitt nicht angewendet werden. Umso wichtiger ist es daher, auf die Verwendung von qualitativ hochwertigem Baumschulmaterial zu achten, das von unten gut verzweigt ist. Setzlinge aus verunkrauteten Beeten, die unten kahl sind, werden sich nachträglich nicht mehr erholen, und die Hecke, die aus ihnen gepflanzt wird, wird am Boden dauerhaft Lücken aufweisen. Untere Äste können auch bei vernachlässigter Pflege der gepflanzten Hecke durch starken Unkrautbewuchs leicht absterben.
Glyzinien
Bei der Erziehung beginnen wir im ersten Jahr mit dem Kürzen des Haupttriebs des Setzlings auf 50–70 cm; die übrigen Triebe schneiden wir auf 2 bis 3 Augen zurück. Während der Vegetationsperiode treiben die oberen Knospen des zurückgeschnittenen Triebs kräftig aus, und sobald die jungen Triebe eine Länge von 20–25 cm erreichen, kürzen wir die kräftigen von ihnen hinter dem 6. Blatt, die schwächeren hinter dem 4. Blatt; die schwächsten kürzen wir überhaupt nicht. Bei neuen Trieben, die dann austreiben, wiederholen wir den Vorgang. Den Terminaltrieb lassen wir jedoch frei wachsen. Der Sommerschnitt wird erstmals bereits im Mai durchgeführt und dann noch zweimal bis Ende August wiederholt.
Im folgenden Winter schneiden wir den Terminaltrieb auf 80 cm zurück, schwächere auf 60 cm. Die seitlichen blütentragenden Zweige schneiden wir hinter der 5.–7. gut entwickelten Knospe zurück; kurze Zweige schneiden wir nicht. Schwächere Triebe im unteren Bereich der Äste oder des Stammes, die von selbst Blütenknospen gebildet haben, schneiden wir ebenfalls nicht.
Im dritten Jahr nach dem Pflanzen hat eine ordentlich geführte Glyzinie an den Seitenästen des Vorjahres bereits die ersten Blüten. Hat der Terminal- – verlängernde – Trieb die Höhe überschritten, auf der wir den ersten waagerechten Arm anlegen möchten, können wir ihn nach dem Winterschnitt biegen und anbinden. Für eine beidseitige Palmette schneiden wir den verlängernden Trieb auf die Höhe der zukünftigen Arme zurück und binden zwei Triebe aus den obersten drei Knospen erst im nächsten Jahr waagerecht an. Die im Vorjahr eingepinzten Seitentriebe kürzen wir hinter der 5.–7. Knospe, die Triebe an zweijährigen Zweigen hinter der 4.–5. Knospe; schwache und kurze Zweige schneiden wir nicht. Den Sommerschnitt führen wir ebenso durch wie in den Vorjahren.
Erhaltungsschnitt von Sträuchern: wann, wie und wie tief schneiden

Erhaltungsschnitt
Die Aufgabe des Erhaltungsschnitts besteht darin, den Strauch langfristig in einem voll funktionsfähigen Zustand zu erhalten und den Alterungsprozess zu verlangsamen oder gegebenenfalls aufzuhalten. Je nach Art des Strauchs und seiner Funktion in der Bepflanzung soll der Erhaltungsschnitt auch eine regelmäßige reiche Blüte, gegebenenfalls auch Fruchtbarkeit, oder reichen Blattaustrieb sicherstellen, oder die richtige Form bei gestalteten Vegetationselementen erhalten.
Der Erhaltungsschnitt kann viele Formen annehmen – vom bloßen Entfernen beschädigter oder absterbender Äste bis hin zum radikalen Rückschnitt bis auf den Boden. Auch der Zeitpunkt und die Häufigkeit der Eingriffe können variieren. Kein Gehölz darf ohne Überlegung geschnitten werden. Die Schnittmethode sowie der Zeitpunkt, zu dem der Schnitt durchgeführt wird, müssen stets vor dem Schnitt in Abhängigkeit von den Eigenschaften der jeweiligen Art bestimmt werden, wobei folgende Faktoren berücksichtigt werden müssen: – die Architektur des Strauchs („baumartige“ Sträucher, typische Sträucher, Halbsträucher …) und seine Regenerationsfähigkeit, – die Funktion (Blüten, Früchte, farbige Blätter oder Holz, gestaltete Sträucher), – der Blütezeitpunkt (im Frühjahr am vorjährigen Holz, später an den Jahrestrieben)
Zunächst wird stets totes, krankes oder beschädigtes Holz entfernt. Zeitpunkt und Art des Schnitts hängen vom Alter des Gehölzes und dem Zeitpunkt der Blütenbildung ab, aber auch davon, wie das Gehölz mit seinem Austriebsvermögen auf den Schnitt reagiert. Wenn gesunde, gut mit Nährstoffen versorgte und den Rückschnitt gut vertragende Pflanzen zurückgeschnitten werden, wachsen sie umso kräftiger, je radikaler der Rückschnitt durchgeführt wird. Vor dem Frühsommer blühende Sträucher blühen meist am vorjährigen Holz. Der geeignetste Zeitpunkt für ihren Schnitt liegt daher meist im Sommer nach der Blüte, damit sich bis zum Herbst kräftige, ausgereifte Triebe entwickeln können, die im Frühjahr erneut neue Blüten tragen. Später blühende Sträucher tragen ihre Blüten meist an den Jahrestrieben, und der geeignete Schnittzeitpunkt ist daher der Winter oder das frühe Frühjahr. Die neuen Triebe, die als Reaktion auf den Schnitt entstehen, blühen dann reichlich.
Derzeit wird eine Diskussion über den frühen Frühjahrsschnitt bei Gehölzen geführt, die durch einen starken Saftfluss („Bluten“) gekennzeichnet sind. Die traditionelle Ansicht, dass der Saftfluss das Gehölz übermäßig schwächt und Gehölze, die unter Saftfluss leiden, im Frühjahr nicht geschnitten werden sollten, wird nun von einigen Fachleuten in Frage gestellt.
Die Fachliteratur beschreibt eine Vielzahl von Typen des Erhaltungsschnitts. Ein allgemein anerkanntes System oder eine einheitliche Terminologie existieren jedoch nicht. So unterteilt beispielsweise die große britische Enzyklopädie „The Royal Horticultural Society A–Z Encyclopedia of Garden Plants“ Sträucher nach ihren Anforderungen an den Erhaltungsschnitt in dreizehn Gruppen, während andere Handbücher sich auf vielleicht nur vier breiter gefasste Typen beschränken. Als sinnvoll erscheint eine Einteilung in die folgenden acht Typen: – Grundschnitt (Gesundheitsschnitt), – Ausbrechen der Blütenstände, – Schnitt der abgeblühten Triebe, – leichter Rückschnitt (Kürzen unreifer Triebe), – starker Rückschnitt, – Bodenschnitt, – Auskneifen von Koniferen, – Spezialschnitt (Formschnitt, Schnitt von Beetrosen, Schnitt von Kletterpflanzen).
Grundschnitt (Gesundheitsschnitt)
Diesen Schnitttyp verwenden wir zur Pflege von immergrünen Sträuchern und Laubsträuchern, die eine minimale Aktivität der basalen Erneuerungszone aufweisen, nur sehr geringe Regenerationsfähigkeit besitzen und den Schnitt sehr schlecht vertragen. Es sind Sträucher, die im Erwachsenenalter oft eher wie Miniaturbäume aussehen. Typische Vertreter sind z. B. Zaubernuss (Hamamelis sp.), strauchförmig wachsende Magnolien (Magnolia sp.) oder Sanddorn (Hippophae rhamnoides).
Der Grundschnitt besteht ausschließlich im Entfernen kranker und beschädigter Äste sowie unerwünscht wachsender Triebe, die sich kreuzen oder den Strauch ungünstig verdichten. Ungünstig wachsende Triebe entfernen wir so früh wie möglich und versuchen, den Schnitt älterer gesunder Äste zu vermeiden. Diesen
Schnitt führen wir nach Bedarf durch, bei älteren Sträuchern auch in mehrjährigen Abständen. Der geeignetste Schnittzeitpunkt ist das frühe Frühjahr oder der Sommer.
Ausbrechen der Blütenstände
Es ergänzt den Grundschnitt bei jenen Straucharten, die wir wegen ihrer auffälligen Blütenstände kultivieren und bei denen die Fruchtbildung die Pflanze unnötig schwächen würde. Das typischste Beispiel, bei dem das Ausbrechen abgeblühter Blütenstände durchgeführt wird, sind Rhododendren (Rhododendron sp.). Die Blütenstände brechen wir jährlich so früh wie möglich nach der Blüte aus und achten dabei darauf, die Knospen, die sich direkt unter dem Blütenstand befinden, nicht zu beschädigen. Die Triebe, die an so behandelten Sträuchern austreiben, sind deutlich kräftiger als an unbehandelten Sträuchern.
Schnitt der abgeblühten Triebe
Dieser Schnitt kann bei einigen kleineren immergrünen Sträuchern angewendet werden, wie zum Beispiel Besenheide – Calluna, Heide – Erica oder Lavendel – Lavandula. Der Schnitt dieser Sträucher, die wir üblicherweise in Gruppen pflanzen, kann mit elektrischen Heckenscheren oder auch mit klassischen Handscheren durchgeführt werden. Beim Schnitt kürzen wir auch einen Teil des Triebs (1,5–2,5 cm) unterhalb des Blütenstands, vermeiden jedoch einen zu tiefen Schnitt, der in das alte Holz eindringen würde, da die Sträuchlein dann schlecht austreiben würden. Mit dem beschriebenen Schnitt ersetzen wir eigentlich das Abweiden durch Schafe, das auf Heideflächen stattfand und an das die Heide „gewöhnt“ ist. Durch den Schnitt erzielen wir so einen doppelten Effekt – wir entfernen die unansehnlichen abgeblühten Blütenstände und erhalten einen niedrigen und kompakten Bewuchs. Ohne Schnitt wachsen die genannten Arten schnell in die Höhe, brechen später auseinander und der Bewuchs wird unansehnlich. Wenn wir den Schnitt in kleinen Abschnitten durchführen (besonders mit elektrischen Scheren gelingt das gut), müssen wir die abgeschnittenen Teile nicht aufsammeln und können sie zwischen dem Bewuchs liegen lassen. Besonders der Besenheide und der Heide kommt das ausdrücklich zugute (es sind Pflanzen der rauen, unreifen Böden). Das Kürzen der abgeblühten Triebe empfiehlt sich jährlich nach der Blüte durchzuführen.
Leichter Rückschnitt (Kürzen unreifer und abgeblühter Triebe)
Wir wenden ihn hauptsächlich bei wärmeliebenden Sträuchern an, die am vorjährigen Holz blühen. Unter unseren Bedingungen ist dieser Schnitt vor allem für Ranunkelstrauch (Kerria) und Geißklee (Cytisus) geeignet. Ein leichtes Kürzen des Triebs gefährdet die Blütenknospenanlage nicht und stärkt den verbleibenden Teil der Pflanze. Den Schnitt führen wir jährlich nach der Blüte durch und entfernen dabei gleichzeitig auch die abgeblühten Blütenstände. Beim Ranunkelstrauch (Kerria) entfernen wir jährlich auch alte Äste und belassen nur ein- und zweijährige Äste; ansonsten versuchen wir, tiefere Schnitte zu vermeiden, um keine übermäßige Ausläuferbildung zu fördern. Einen ähnlichen Schnitt führen wir beispielsweise auch bei Hortensien (Hydrangea macrophylla) durch, die allerdings erst im Spätsommer blühen, weshalb wir diesen Schnitt bei ihnen erst im nächsten Frühjahr vornehmen.
Starker Rückschnitt
Er ist der am häufigsten angewendete Schnitt bei typischen üppigen Sträuchern. Bei diesem Schnitt kürzen wir jährlich nach der Blüte alle Triebe zurück bis auf kräftige, gut entwickelte Knospen und entfernen gleichzeitig dicht über dem Boden einen Teil (1/4–1/5) der ältesten Triebe. Wir versuchen stets, vor allem ältere Äste aus der Mitte des Strauches zu entfernen, auch wenn das schwieriger ist. Versuchen Sie niemals, sich die Arbeit zu erleichtern und Äste zu schneiden, die am Rand wachsen! Das ist ein grober, wenn auch sehr häufiger technologischer Fehler, bei dem wir den Habitus des Strauchs beschädigen. Besonders strafwürdig ist eine solche Vorgehensweise bei ausladenden Sträuchern mit überhängenden Randästen, aus denen durch das Abschneiden der äußeren Äste ein unansehnlicher aufrechter „Besen“ entsteht.
Der starke Rückschnitt fördert die Bildung neuer kräftiger Jahrestriebe und bewirkt gleichzeitig einen regelmäßigen Austausch der ältesten Äste. Dadurch verhindern wir das Altern des Strauchs.
Bodenschnitt
Er ist der radikalste Erhaltungsschnitt, bei dem wir alle Äste früh im Frühjahr dicht über dem Boden auf nur zwei bis drei Augen kürzen und schwache Triebe vollständig entfernen. Diesen Schnitt verwenden wir in zwei voneinander verschiedenen Fällen.
Am häufigsten wird dieser Schnitt bei wärmeliebenden eingeführten Gehölzen angewendet, die gewöhnlich sehr tief einfrieren (oft bis auf den Boden), sowie bei Halbsträuchern, die nur am Boden einen dauerhaften verholzten Teil besitzen. Diese Pflanzen weisen eine sehr hohe Aktivität der basalen Erneuerungszone auf, die in unseren geografischen Breiten, wo sie meist stark einfrieren, eine unabdingbare Voraussetzung für ihre Kultivierung ist, und ihre Existenz wird so durch die jährliche Bildung einer großen Menge von Erneuerungstrieben gesichert. In ähnlicher Weise erneuern sich auch Halbsträucher, deren nicht verholzte Teile im Winter absterben. Die Folge ist eine große Menge toter Triebe und „besenartiges“ Wachstum. Die logische Konsequenz ist dann ein jährlicher tiefer Schnitt bis ins gesunde Holz. Typische Vertreter dieser beiden Gruppen sind Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) und Blauraute (Perovskia).
Der zweite, außergewöhnliche Fall betrifft einige üppig wachsende typische Sträucher, bei denen uns auffällig gefärbte Jahrestriebe oder große, auffällige Blätter besonders wichtig sind. Als Beispiele können einige Weiden (Salix sp.), Hartriegel (Swida sp.) oder Brombeere (Rubus cockburnianus) für Sträucher mit interessanten Jahrestrieben dienen, oder der schlitzblättrige Holunder (Sambucus nigra ‚Laciniata‘).
Im ersten Fall handelt es sich um einen Schnitt, der natürlich auf das Absterben (Einfrieren) des oberirdischen Teils des Strauchs reagiert. Im zweiten Fall handelt es sich um einen relativ gewaltsamen, drastischen Eingriff, und wir müssen uns bewusst sein (unter anderem), dass so zurückgeschnittene Sträucher niemals blühen werden! Die jährliche Erneuerung aller Äste ist zudem sehr aufwändig und entzieht dem Boden große Mengen an Nährstoffen, die wir durch reichliches Düngen und Mulchen mit Kompost zuführen müssen.
Schnitt von Kletterpflanzen: Glyzinie, Clematis, Trompetenblume und weitere

Schnitt von Kletterpflanzen
Kletterpflanzen verfügen in der überwiegenden Mehrheit über gute Regenerationsfähigkeiten und vertragen auch einen verhältnismäßig radikalen Schnitt gut. Mit wenigen Ausnahmen ist ein Schnitt jedoch nicht notwendig und wird aufgrund der erheblichen Schwierigkeit (Höhe oft über 10 m, verwachsene Äste) auch häufig nicht durchgeführt. Auf besondere Weise verändert sich die Schnittverträglichkeit beim Efeu (Hedera helix). Bekanntlich bildet Efeu zwei Wuchsformen aus – zunächst besiedelt er den Raum mit sterilen Trieben, die kletterende Eigenschaften haben, relativ schnell in die Länge wachsen und sich mithilfe von Haftwurzeln am Untergrund festhalten. Diese Form des Efeus ist sehr plastisch, kann ausgezeichnet regenerieren und verträgt auch einen außerordentlich radikalen Schnitt. Unter bestimmten Bedingungen beginnen am Efeu jedoch auch Äste der zweiten – fertilen – Wuchsform zu erscheinen. Diese stehen senkrecht vom Untergrund ab, haben geringe Zuwächse und tragen Blüten und Früchte. Diese fertile Wuchsform besitzt jedoch praktisch keine Regenerationsfähigkeit. Alte Exemplare des Efeus sind nach einem Schnitt (Rückschnitt) nur dann zur Regeneration fähig, wenn an der Pflanze zumindest in einem Mindestmaß lebende sterile Triebe verblieben sind!
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es für den Erhaltungsschnitt von Kletterpflanzen drei Gründe geben kann, gegebenenfalls auch deren Kombination.
Der erste Grund ist die räumliche Begrenzung, bei der wir die Pflanze durch den Schnitt an den verfügbaren Standort anpassen. Praktisch alle Arten von Kletterpflanzen vertragen einen solchen Schnitt problemlos, der Bedarf ergibt sich jedoch in der Regel aus einer ungeeigneten Pflanzung. Durch die richtige Wahl der Art (Wuchsstärke, Bedarf an einer Konstruktion) können wir die Notwendigkeit einer regelmäßigen räumlichen Begrenzung ausschließen.
Der zweite Grund für den Erhaltungsschnitt von Kletterpflanzen ist die Ansammlung von altem Holz bei stark wachsenden Arten. In außerordentlichen Mengen sammelt sich altes Holz insbesondere beim Schlingknöterich (Fallopia auberti, F. baldschuanica) an. Das im Inneren eines vernachlässigten Bestandes angesammelte alte Holz stirbt zudem mit der Zeit ab. Bei wüchsigen Arten, die eine große Masse an altem Holz bilden (neben dem Knöterich sind das zum Beispiel auch botanische Waldreben oder Akebie), ist es daher notwendig, das angesammelte Holz gelegentlich durch einen radikalen Schnitt zu entfernen. Einen speziellen Umgang erfordern einige Brombeeren (Rubus fruticosus, R. candicans, R. laciniatus), und auf einen regelmäßigen Ersatz alten Holzes durch neue Triebe achten wir auch bei Kletterrosen.
Der dritte Grund ist die Förderung der Blüte einiger attraktiver Arten, insbesondere der Trompetenblumen (Campsis sp.), der Wisterien (Wisteria sp.) und der Waldreben (Clematis sp.).
Arten, die einen spezialisierten Ansatz beim Erhaltungsschnitt erfordern:
Die Trompetenblume (Campsis radicans, C. × tagliabuana) blüht nur an kräftigen Jahrestrieben, daher fördern wir die Blüte durch einen radikalen Rückschnitt. Am besten schneidet man die Trompetenblume
spät im Frühjahr, wenn wir das ausgereifte Holz mit lebenden Knospen gut erkennen können. Schwächere Triebe entfernen wir vollständig, kräftige Äste kürzen wir bis zu den kräftigen lebenden Knospen zurück, können sie aber bei Bedarf bedenkenlos auch um die Hälfte und mehr kürzen. Es ist sogar sehr gut möglich, ein stabiles Gerüst aus kräftigen Ästen heranzuziehen und den Austrieb anschließend jährlich wie beim Kopfschnitt oder Zapfenschnitt von Bäumen zurückzuschneiden. Andererseits ist es möglich, eine ausgewachsene, gut angezogene kräftige Trompetenblume auch ohne Schnitt zu belassen. Ein solches Exemplar wird dann kleinere Blütenstände an schwächeren Ästen und einen völlig anderen „zerzausten“ Habitus mit vielen weit von der Wand abstehenden Ästen aufweisen.
Wisterien (Wisteria floribunda, W. sinensis, W. × formosa), die dem freien Wuchs überlassen werden, blühen erst nach einer Reihe von Jahren zum ersten Mal, wenn ein Teil der Äste in eine mehr oder weniger waagerechte Lage gelangt und sich an den Ästen kurze Triebe bilden, an denen die Wisterie blüht. Die Erziehung einer Wisterie, die häufig bereits im dritten Jahr blüht, ist im Abschnitt über die Erziehung von Sträuchern nach der Pflanzung beschrieben. Damit die Wisterie die vorgesehene Fläche nicht überwächst und dabei reichlich blüht, muss auch eine erzogene Wisterie weiterhin durch Erhaltungsschnitt gepflegt werden. Eine Wisterie, die die erforderliche Größe erreicht hat, halten wir durch regelmäßigen Schnitt in Form, bei dem wir die verlängernden Triebe auf 4–5 Augen kürzen und im nächsten Jahr zum hintersten jungen Jahrestrieb zurückkehren. Beim Schnitt muss man den üppigen Trieben Aufmerksamkeit schenken, die aus älterem Holz wachsen. Wenn wir sie nicht zur Füllung einer leeren Stelle oder zum Ersatz (zur Verjüngung) eines alten Astes benötigen, schneiden wir sie vollständig glatt ab. Vernachlässigte Sträucher können wir radikal verjüngen und die nachwachsenden Triebe erneut wie bei einer Neupflanzung erziehen.
Waldreben (Clematis sp.) können wir je nach Blütezeit in drei Gruppen einteilen, nach denen sich auch die Schnittmethode richtet: – I. Gruppe (Clematis alpina, C. macropetala, C. montana und ihre Kultivare) blüht im Mai bis Juni, blüht schwach nach bis September an kurzen Trieben, die aus dem vorjährigen Holz wachsen. Bei dieser Gruppe konzentrieren wir uns auf die Entwicklung eines kräftigen, gleichmäßig über die Fläche verteilten blühfähigen Holzes. Wir schneiden im Sommer, wenn die Hauptblüte endet, und beschränken uns auf die Entfernung überschüssiger schwacher und beschädigter Triebe. Wenn der Bestand aus räumlichen Gründen begrenzt werden muss, führen wir den Rückschnitt wiederum ausschließlich im Sommer unmittelbar nach der Blüte durch, damit die neuen Triebe, die im nächsten Jahr Blüten tragen, ausreichend kräftigen und ausreifen. – II. Gruppe (Clematis lanuginosa, C. patens und ihre Kultivare) blüht Ende Juni und im Juli, blüht schwach nach bis Oktober. Auch bei dieser Gruppe erblühen die Blüten an kurzen Trieben am vorjährigen Holz. Im Unterschied zur ersten Gruppe wachsen jedoch gleichzeitig neue Triebe, an denen bis in den Herbst hinein nach und nach eine geringere Anzahl von Blüten aufgeht. Diese Gruppe schneiden wir grundsätzlich genauso wie die vorherige Gruppe, können aber auch noch einen milden, schonenden Schnitt im Frühjahr durchführen und damit auf Kosten der Hauptsaison im Sommer die Periode des späten Nachblühens im Herbst stärken. – III. Gruppe (Clematis viticella, C. vitalba, C. flammula, C. tangutica und ihre Kultivare) blüht von Ende Juli bis September und Oktober. Die Blüten entwickeln sich an neuen Jahrestrieben, und ein radikaler Frühjahrsschnitt, der ihr neues Wachstum fördert, unterstützt auch die Blüte. Daher schneiden wir Waldreben dieser Gruppe jährlich etwa 30 cm über dem Boden zurück, wobei wir schwache Triebe vollständig entfernen.
Schnitt von Brombeersträuchern und Kletterrosen Schritt für Schritt

Brombeersträucher (Rubus fruticosus, R. candicans, R. laciniatus) – aus dieser Gruppe der Brombeersträucher werden am häufigsten Kultivare der sogenannten stachellosen Brombeeren angebaut. Alle Arten dieser Gruppe zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Triebe nur zwei Jahre bestehen. Im zweiten Jahr, nach dem Fruchttragen, trocknen sie ein. Dem müssen wir auch den regelmäßigen Schnitt anpassen, den wir zweimal jährlich durchführen. Unmittelbar nach der Ernte entfernen wir dabei alle abgetragenen Äste, die ohnehin bald eintrocknen und den Strauch unnötig verdichten. Im Frühjahr entfernen wir alle schwachen, erfrorenen oder anderweitig beschädigten vorjährigen Triebe und belassen nur 3, höchstens 5 der kräftigsten Triebe, die wir um 1/4–1/3 kürzen.
Kletterrosen (Rosa sp.) erfordern einen regelmäßigen jährlichen Schnitt vor der Vegetationsperiode, und auch ein regelmäßiger Sommerschnitt ist sehr vorteilhaft für sie. Der geeignetste Zeitpunkt für den Schnitt ist kurz vor dem Austrieb im April, wenn der Saft bereits zu fließen beginnt. Beim Schnitt entfernen wir zunächst überalterte Äste und schwache Triebe. Aus den kräftigen einjährigen Trieben, die von der Basis des Strauchs aufwachsen, werden die kräftigsten, günstig platzierten Triebe ausgewählt, die die entfernten alten Äste ersetzen und leicht gekürzt werden, damit sie seitliches Wachstum ausbilden, während die übrigen ebenfalls entfernt werden. Bei den meisten Kletterrosen ist es für die Blüte unbedingt erforderlich, dass – ähnlich wie bei der Weinrebe – bei den blütentragenden Trieben die Abfolge von drei Jahrgängen Holz erhalten bleibt. Das seitliche Wachstum wird daher nur leicht zurückgeschnitten.
Der Sommerschnitt konzentriert sich auf das Entfernen der verblühten Blütenstände bis zum ersten normal entwickelten Blatt. Falls die Unterlage austreibt, beseitigen wir die ausgetriebenen Wildlinge sofort.
Spezialschnitte: Hecken, Beetrosen und das Ausgeizen von Koniferen

Spezialschnitte
Diese ergeben sich weniger aus den natürlichen Bedürfnissen der Pflanzen als vielmehr aus dem spezifischen Zweck des Vegetationselements. Das gilt uneingeschränkt für geformte Vegetationselemente (geformte lebende Hecken, geformte Elemente historischer Gärten) und für die Verwendung gewöhnlicher Gehölze an Spalieren (z. B. grüne Wände aus Zwergmispel oder Feuerdorn) sowie in gewissem Maße auch für weitere Spezialschnitte (Beetrosen, das Auskneipen von Koniferen). – Der Formschnitt von Hecken und geformten Wänden ist zusammen mit dem Schnitt von Beetrosen der anspruchsvollste Schnitt, der keinesfalls ausgelassen werden darf. Besonders bei Gehölzen, die keinen Rückschnitt ins alte Holz vertragen (die meisten Nadelgehölze außer der Eibe), kann das Auslassen des regelmäßigen Schnitts zu einem großen Problem werden. Den Formschnitt führen wir niemals nur nach Augenmaß durch, sondern grundsätzlich nach einer gespannten Schnur oder einer Latte; bei komplizierteren Formen in historischen Gärten lohnt es sich, eine Schablone aus starkem Draht herzustellen. Wir achten sorgfältig auf die korrekte Form, die bereits beim Erziehungsschnitt des geformten Elements angelegt sein muss. Hecken und Wände müssen sich nach oben hin leicht verjüngen (etwa 5–10 cm pro Meter Höhe). – Aus Nadel- und immergrünen Gehölzen gepflanzte Hecken schneiden wir mindestens einmal jährlich im Herbst oder Winter; bei regelmäßigen Formen in historischen Gärten ist es jedoch häufig notwendig, den Sommerschnitt noch zweimal zu wiederholen. Laubabwerfende Laubgehölze schneiden wir mindestens zweimal: das erste Mal im Winter oder besser frühzeitig im Frühjahr vor dem Austrieb und das zweite Mal im Sommer an der Wende von Juni zu Juli – ein häufigerer Sommerschnitt ist jedoch keinesfalls von Nachteil, die geformten Elemente werden dann dichter und kompakter.
– Den Schnitt der Beetrosen führen wir jährlich im Frühjahr unmittelbar nach dem Abdecken der angehäufelten Sträucher durch. Beim Schnitt entfernen wir zunächst trockenes und gebrochenes Holz, trockene Stummel, alle schwachen Triebe und prüfen, ob am Wurzelhals keine Wildtriebe der Unterlage ausschlagen, die wir sofort entfernen müssen.
Wir lichten die Rose aus, indem wir Äste entfernen, die sich kreuzen, in die Krone hineinwachsen oder sich gegenseitig konkurrieren. Damit sich der Strauch nicht zu sehr in die Höhe „streckt“, setzen wir die ältesten Äste mit einem tiefen Rückschnitt bis auf den untersten einjährigen Trieb zurück.
Die verbleibenden einjährigen Triebe werden auf die entsprechende Anzahl von Augen gekürzt, möglichst so, dass die letzte Knospe nach außen zeigt. Der Schnitt erfolgt etwa 1 cm über der Knospe. Die Anzahl der verbleibenden Augen richtet sich nach Typ und Wüchsigkeit der Sorte sowie nach der Stärke des Triebs. Üblicherweise schneiden wir auf 3 Augen; schwächere Triebe kürzen wir nur auf 1–2 Augen, bei sehr kräftigen Trieben können wir hingegen z. B. 5 Augen belassen. Eine noch größere Anzahl von Augen lassen wir bei üppigen Kultivaren (z. B. die Gruppe der Lambertiana-Rosen).
Sehr wichtig ist auch der Sommerschnitt, der darin besteht, die verblühten Triebe bis zum ersten normal entwickelten Blatt zu kürzen. Im Sommer kontrollieren wir ebenfalls den Austrieb der Unterlage, der zu dieser Zeit besser erkennbar ist als im Winter.
– Das Auskneipen von Koniferen wenden wir bei Nadelgehölzen an, die nicht die Fähigkeit besitzen, aus älterem Holz neu auszutreiben. Ein typisches Anwendungsbeispiel sind Latschenkiefern (Pinus mugo), die in tieferen Lagen dazu neigen, lange Zuwächse zu bilden, auf unerwünschte Größen heranzuwachsen und locker zu werden. Mithilfe des Auskneifens können wir solche Pflanzen niedrig und sehr kompakt halten. Wir kneipen die Triebe kurz nach dem Austrieb, am besten Anfang Mai, aus, solange sie noch weich sind und wir kein Werkzeug benötigen – ein Fingernagel genügt. Üblicherweise kürzen wir den austreibenden Trieb um die Hälfte, in Ausnahmefällen um bis zu 2/3. Nach dem Auskneipen bilden sich am verbleibenden Teil eine größere Anzahl von Ersatzknospen, und die Pflanze bleibt so dicht und kompakt.
Wenn wir uns für das Auskneipen entscheiden, ist es sinnvoll, es konsequent jedes Jahr durchzuführen. Wenn wir das Auskneipen auslassen, hat das zwar keine katastrophalen Folgen, aber der vergrößerte Zuwachs lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Das Auskneipen ist außerordentlich arbeitsaufwendig und kann nur bei anspruchsvollen Gartengestaltungen auf bedeutenden Repräsentationsflächen oder in Privatgärten durchgeführt werden.
Verjüngungsschnitt: Wie Sie alte und vernachlässigte Sträucher verjüngen

Verjüngungsschnitt
Der regelmäßige jährliche Pflegeschnitt hat in der Praxis vor allem bei der Pflege von Strauchsolitären sowie kleineren Gruppen in repräsentativen Gartenanlagen und in Hausgärten Bedeutung. Bei flächigen Strauchpflanzungen oder in naturnahen Landschaftsgestaltungen ist er nicht realisierbar. Nur in Ausnahmefällen wird es möglich sein, den Pflegeschnitt auch bei dornigen Sträuchern durchzuführen. In vielen Fällen, in denen es nicht möglich oder wirtschaftlich ist, eine laufende Auslichtung und Verjüngung der Sträucher durch Pflegeschnitt vorzunehmen, kann die Regenerationsfähigkeit typischer Sträucher genutzt und von Zeit zu Zeit eine periodische radikale Verjüngung durchgeführt werden. Bei alten typischen Sträuchern mit aktiver basaler Erneuerungszone kommt es spontan zur Bildung neuer Austriebe, deren Entwicklung jedoch durch die überalterte und absterbende Krone der alten Äste behindert wird. Die radikale Entfernung der überalterten Krone des Strauches schafft so Raum für den natürlich eingeleiteten Erneuerungs- und Verjüngungsprozess
solcher reagierender Sträucher ist daher (im Gegensatz zur „Verjüngung“ von Bäumen) ein sinnvoller, biologisch begründbarer gärtnerischer Eingriff.
Die radikale (vollständige) Verjüngung erfolgt durch vollständiges Abschneiden aller Äste knapp über dem Boden (es können maximal 5–10 cm lange Stummel belassen werden) im Winter oder im Vorfrühling. Das Auswählen und Belassen von Austrieben, die sich im Strauch bereits spontan zu bilden begonnen haben, verkompliziert die Arbeit unverhältnismäßig und ist wenig sinnvoll. Die entstandene „Kahlschlagfläche“ sollte üblicherweise auch genutzt werden, um den Bereich gründlich von Abfällen zu reinigen, die sich in undurchdringlichen Sträuchern gewöhnlich ansammeln. Wenn möglich, lockern Sie den Boden zwischen den Sträuchern wenigstens etwas auf und düngen Sie die Sträucher (mulchen Sie sie) mit einer Schicht guten Komposts. Die belassenen Struchbasen reagieren üblicherweise mit außerordentlich kräftigen Austrieben, die in den folgenden zwei bis drei Jahren aufzuziehen sind. Im ersten Jahr nach diesem radikalen Eingriff entfernen Sie alle schwachen und überzähligen Äste, kürzen die belassenen Äste leicht ein und schaffen die Grundlage einer neuen Krone. Achten Sie dabei auf die natürliche Kronenform. Die Reaktion des Strauches auf den Eingriff ist üblicherweise so stürmisch, dass dem Aufziehen einer neuen Form auch im zweiten, gegebenenfalls dritten Jahr nach der Verjüngung Aufmerksamkeit gewidmet werden muss.
Den Erfahrungen aus der Praxis sowie Versuchen, die in den Jahren 1984–1985 von Doz. Pir in Lednice na Moravě durchgeführt wurden, zufolge erreichen verjüngte Sträucher innerhalb von drei Jahren ihre volle Funktionsfähigkeit. Bei der radikalen Verjüngung von Sträuchern berücksichtigen wir auch deren Wirkung im lokalen Ökosystem – dichte Sträucher sind die Voraussetzung für das Vorkommen einer ganzen Reihe von Vögeln, die in ihnen nisten. Der Eingriff wird daher stets so über mehrere Jahre gestaffelt, dass zumindest ein Teil der Nistmöglichkeiten erhalten bleibt. Bei geeigneter Staffelung muss es auch nicht zu einer dramatischen Verringerung der kompositorischen Funktion der zu verjüngenden Gruppe kommen.
Die Länge der Periode der radikalen Verjüngung wird vor allem durch die Artzugehörigkeit der Sträucher beeinflusst. Bei großen Sträuchern, die keinen allzu dichten Bewuchs bilden (zum Beispiel Hartriegel, Forsythie und Ähnliches), kann es sich um eine Periode von 10, 15 oder mehr Jahren handeln. Umgekehrt können kleinwüchsige dichte Sträucher (vor allem niedrige Spieren) in kurzen Perioden von zum Beispiel nur 5 Jahren wiederholt verjüngt werden.
