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Warum der Baum ohne Schädlinge leidet: Trockenheit, Frost, Streusalz, Nährstoffmangel und Pflanzfehler

Braune Blätter, aufreißende Rinde oder Gummifluss müssen nicht von einem Schädling stammen. So erkennen Sie Schäden durch die Umwelt und so beugen Sie ihnen vor.

Wenn ein Baum leidet, fällt der erste Verdacht auf Schädlinge oder Pilze. Sehr oft ist die Ursache jedoch die Umwelt: Trockenheit, Frost, Salz, Nährstoffmangel, verdichteter Boden oder ein Pflanzfehler. Solche Schäden schwächen den Baum, und erst danach haben Schädlinge und Krankheiten leichtes Spiel.

Trockenschaden am Baum

Trockenschaden am Baum

Wirtsgehölze: alle Arten, besonders Birken, Ahorne, Hainbuchen, Erlen, Fichten und Lärchen.

Symptome: Randnekrosen der Blätter, Einrollen der Blätter von den Rändern her, vorzeitiger Blatt- oder Nadelfall, der von den Zweigenden nach innen in die Krone fortschreitet. Auslichtung der Krone, oft erst im Jahr nach der Trockenheit deutlich erkennbar. Zweigsterben bei Pappeln und Eichen, Ablösen der Rinde (z. B. bei Platanen).

Schadursachen: akuter Stress infolge von Trockenheit. Trockenheit wirkt sich je nach Jahreszeit unterschiedlich aus: Frühjahrstrockenheit zeigt sich bereits in derselben Vegetationsperiode, die Folgen von Sommertrockenheit werden erst im Folgejahr sichtbar.

Verwechslungsmöglichkeiten: Blattbräunepilze, Immissionsschäden, Streusalzschäden, Nährstoffmangel.

Schadwirkung: es kommt zu einer allgemeinen physiologischen Schwächung und zur Reduktion der Assimilationsfläche. Bei starkem Stress können vor allem junge Bäume absterben. Die Attraktivität für sekundäre Insektenschädlinge steigt.

Schutz: keiner. Bei Einzelbäumen Bewässerung. Rückschnitt der Krone.

Nährstoffmangel an Blättern und Nadeln

Gelbe Blätter bei Nährstoffmangel
Chlorose der Baumkrone bei Nährstoffmangel

Wirtsgehölze: alle Arten.

Symptome: Farbveränderungen, Deformationen und Nekrosen an Blättern und Nadeln.

Stickstoffmangel: hellgrüne und kleine Blätter bzw. Nadeln.

Magnesiummangel: gelbgrüne, später bräunende Blätter, gelbe Nekrosen zwischen den Blattadern.

Kaliummangel: Chlorosen, Vergilben der Blätter und Nekrosen, die von den Blatträndern ausgehen.

Phosphormangel: violettrote bis blaugraue Verfärbung der Blätter.

Eisenmangel: zitronengelbe Blätter, gegebenenfalls gelbweiße Nekrosen der Blattspreite zwischen den Adern mit scharfer Begrenzung, die Adern bleiben grün (Chlorose infolge eines Kalküberschusses).

Schadursachen: Mangel an einem oder mehreren Nährstoffen. Auch ein Überschuss einzelner Elemente kann die Aufnahme anderer blockieren.

Verwechslungsmöglichkeiten: Schäden durch Pestizide, Herbizide oder Salz, Befall der Wurzeln durch Krankheitserreger.

Schadwirkung: die Anfälligkeit für Krankheiten steigt, der Zuwachs bleibt zurück.

Schutz: gezielte Nachdüngung auf Grundlage einer Blatt- oder Bodenanalyse.

Pflanzfehler

Pflanzfehler beim Baum

Wirtsgehölze: alle Arten.

Symptome: Vergilben der Blätter bzw. Nadeln, oft bei mehreren gleichzeitig gepflanzten Bäumen, Wülste und Risse am Stamm in Bodennähe, Kronenverlichtung, plötzliches Absterben ganzer Pflanzen ohne erkennbare Ursache im oberirdischen Teil des Baumes.

Schadursachen: zu kleine Pflanzgruben, Pflanzung in Furchen statt in geräumige Gruben, zu flache oder umgekehrt zu tiefe Pflanzung. Das zum Verfüllen der Grube verwendete Substrat ist schlecht durchwurzelbar und führt zur Bildung eines sekundären Wurzelsystems.

Verwechslungsmöglichkeiten: andere Probleme im Wurzelbereich.

Schadwirkung: häufig kommen sekundäre Krankheitserreger hinzu, deren Befall letztlich zum Absterben des Baumes führt.

Schutz: Pflanzfehler vermeiden, rechtzeitige Korrektur (Angleichen der Kronengröße an das Wurzelsystem durch Kronenschnitt), Austausch des Bodens gegen hochwertiges Substrat oder dessen Verbesserung.

Bodenverdichtung und Versiegelung

Baum in verdichteter und versiegelter Fläche
Baubetrieb und Materiallager im Wurzelbereich

Wirtsgehölze: alle Arten.

Symptome: Auslichtung der Kronen, Randnekrosen der Blätter, physiologisches Nadelsiechtum, partielles Absterben der Kronen, Kleinblättrigkeit, Vergilben von Blättern und Nadeln.

Schadursachen: unsachgemäße Planung und Ausführung von Bauvorhaben (vor allem von Verkehrswegen), fehlender oder mangelhafter Baumschutz, Verdichtung des Bodens durch Baumaschinen oder durch Bodenauftrag, Versiegelung der Bodenoberfläche mit Asphalt oder Beton. Unzureichender Gas- und Stoffaustausch im abgeschlossenen Boden.

Verwechslungsmöglichkeiten: Wurzelschäden durch Bodenpilze, weitere biotische und abiotische Ursachen.

Schadwirkung: Schäden dieser Art zeigen sich oft erst nach mehreren Jahren, wenn der Boden verarmt und durch den minimalen Gasaustausch geschädigt ist, die Bodenmikroorganismen absterben, die Nährstoffe erschöpft sind und Wasser fehlt. In der Folge sterben Wurzeln, Kronenteile und später ganze Bäume ab.

Schutz: vorbeugend: richtige Planung und Ausführung von Bauvorhaben. Kurativ: Entfernen der versiegelnden Schicht (Asphalt, Beton), vorsichtiges Abtragen der oberen Bodenschicht, deren Belüftung und der Einbau perforierter Drainagen.

Bodenauftrag und Stammfußverschüttung

Verschütteter Stammfuß eines Baumes
Holzfäule nach Verschüttung des Stammfußes

Wirtsgehölze: alle Arten.

Symptome: die Wurzelanläufe sind durch die Bodenüberdeckung nicht mehr sichtbar. Je nach Empfindlichkeit der Art, Höhe der Überdeckung des Stammfußes und Körnung des Bodens kommt es zur Auslichtung der Krone, zu Rissen in der Rinde des Stammfußes, zum Austritt von Exsudat und zum Austrieb kleiner Blätter.

Schadursachen: Luftmangel im Bereich des Stammfußes.

Verwechslungsmöglichkeiten: Pilzkrankheiten der Wurzeln, vor allem der Hallimasch, der infolge dieses Problems die Bäume häufig sekundär befällt.

Schadwirkung: je nach Baumart unterschiedlich. Pappeln, Weiden und Eschen vertragen eine höhere Überdeckung, Buchen sterben bereits bei einer Überdeckung von 2 cm ab (dünne Rinde!). Das Absterben der Bäume erfolgt infolge der Schwächung durch Schwächeparasiten und Schädlinge, vor allem durch Pilzkrankheiten der Wurzeln, und kann erst nach vielen Jahren nach der schädlichen Überdeckung der Wurzeln eintreten.

Schutz: wenn die Überdeckung noch nicht zu lange besteht, hilft das Abtragen des aufgeschütteten Bodens. Einbau von Belüftungsrohren.

Streusalzschäden

Streusalzschäden an Nadelbäumen an der Straße
Nekrosen an den Blatträndern durch Streusalz

Wirtsgehölze: alle Arten.

Symptome: Laubbäume: ähnlich wie beim Trockenschaden, Nekrosen an den Blatträndern, Einrollen der Blätter von den Rändern her, Rotfärbung der Blätter, vorzeitiger Blattfall.

Nadelbäume: Vergilben bis Rostbraunwerden der Nadeln und deren vorzeitiger Fall. Trifft Aerosol aus Salzmatsch auf die Nadeln, wird auch deren Oberfläche verätzt. Da Streusalz nur langsam in tiefere Bodenschichten vordringt, kann der Schaden noch Jahre nach dem Ende seiner Anwendung auftreten.

Schadursachen: Chloridsalze, schneelösende Streumittel.

Verwechslungsmöglichkeiten: Trockenschaden (mehr), Frostschäden, Herbizidschäden, Pilze, die Blätter bzw. Nadeln befallen.

Schadwirkung: allgemeine physiologische Schwächung, verstärkt die Wirkung von Trockenheit und macht die Bäume anfällig für den Befall durch Sekundärschädlinge.

Schutz: Bodenaustausch, maßvolle Düngung und Bewässerung.

Spätfröste

Durch Spätfrost geschädigte Fichtentriebe
Geschädigter Jungtrieb nach Spätfrost

Wirtsgehölze: viele Arten, vor allem Walnuss, Obstbäume, Robinie, Buche, Eichen, Erlen, Tannen, Fichten und Douglasie.

Symptome: Absterben der Knospen, Blattschäden, verzögerter Austrieb, Siechtum der jüngsten Triebe, Rotfärbung von Laub und Nadeln, später deren Rostbraunwerden, Absterben der Vegetationsspitzen und Verlichtung der Kronen. Bei Fichten treiben die Seitenäste aus. Bei Douglasien und Tannen sind die Endknospen am empfindlichsten. Der Zeitpunkt des Austriebs bestimmt die Frostempfindlichkeit.

Schadursachen: Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kurz nach dem Austrieb oder während des Austriebs.

Verwechslungsmöglichkeiten: Buchenspringrüssler (mehr), Grauschimmel (mehr), Borkenkäfer (mehr), Kleine Fichtenblattwespe (mehr), Rußige Douglasienschütte u. a.

Schadwirkung: der Ausfall von Terminalknospen oder Trieben führt zum Ersatz durch Seitentriebe und zu unregelmäßigem Wuchs. Die Folge können Besenwuchs, Auslichtung der Kronen, Kleinblättrigkeit oder der Verlust von Laub und Nadeln sein. Blütenschäden führen zu einem geringeren Fruchtansatz. Risse erhöhen das Risiko eines Befalls durch Sekundärschädlinge und Krankheiten.

Schutz: Pflanzung später austreibender bzw. frosthärterer Baumarten. Überdüngung mit Stickstoff vermeiden. Umwickeln mit Jutegewebe oder ein anderer Schutz junger Bäume mit dünner Rinde.

Frostrisse und Frostleisten am Baum

Frostriss am Baumstamm
Geöffneter Frostriss am Stamm

Wirtsgehölze: alle Arten.

Symptome: ein langer Riss am Stamm in Richtung der Leitbündel, meist auf der Südseite (Südost-, Südwestseite) des Stammes, teils gehen die Risse von den Astansätzen am Stamm aus. Die Symptome treten im Winter und im Frühjahr auf.

Schadursachen: Frost in Kombination mit intensiver Sonneneinstrahlung.

Verwechslungsmöglichkeiten: Wachstumsrisse, Risse infolge zu starker mechanischer Beanspruchung des Stammes durch Wind.

Schadwirkung: Frostrisse überwallen meist gut, es kann jedoch zu einer Infektion durch Pilze kommen, die Bäume über Wunden befallen.

Schutz: vorbeugender Anstrich mit pigmentierter Farbe.

Gummifluss

Gummifluss

Wirtsgehölze: verschiedene Laubgehölze, vor allem Steinobst der Gattung Prunus (Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche u. a.)

Symptome: aus Ästen oder aus dem Stamm tritt eine bernsteinfarbene, gummiartige Masse aus.

Schadursachen: Gummifluss ist eine unspezifische Reaktion auf biotische wie abiotische Faktoren. Dabei steigt die Durchlässigkeit verschiedener Gewebe, vor allem des jüngsten Holzes. Häufige Ursachen sind: Frost, Störungen des Wasserhaushalts, bakterielle Infektionen (Pseudomonas syringae und P. morsprunorum, besonders in trockenen Jahren), Pilzkrankheiten (z. B. Hallimasch) sowie Verletzungen aller Art.

Verwechslungsmöglichkeiten: unwahrscheinlich. Allenfalls verschiedene Formen von Saftfluss, dann hat der austretende Saft aber keine gummiartige Konsistenz.

Schadwirkung: starker Gummifluss kann zum Absterben von Ästen, Kronenteilen und ganzen jungen Bäumen führen.

Schutz: kurative Maßnahmen: Rückschnitt der vom Gummifluss befallenen Äste und Behandlung der Schnittwunden.

Vorbeugende Maßnahmen: anfällige Arten nicht an feuchten Standorten und in Frostmulden pflanzen, nicht mit Sprinklern bewässern und jede Verletzung der Bäume vermeiden.

Roter Schleimfluss

Roter Schleimfluss

Wirtsgehölze: verschiedene Laubbäume, am häufigsten Hainbuche, Birke und Buche.

Symptome: im Frühjahr tritt überwiegend aus Astungswunden oder aus dem Stammfuß ein milchig rosa bis orangerot gefärbter Schleim aus, der große Rindenflächen überzieht.

Erreger: im Grunde handelt es sich um keinen Krankheitserreger. Bei verletzten Bäumen kann der hohe Saftdruck in den Leitbündeln im Frühjahr zu einem starken Saftaustritt führen. Die charakteristische Färbung verursacht eine Gemeinschaft aus bestimmten Bakterien- und Hefearten, die den Saft besiedeln.

Verwechslungsmöglichkeiten: aufgrund der charakteristischen Färbung kaum zu verwechseln.

Schadwirkung: keine.

Schutz: nicht erforderlich.

Ozonschäden

Ozonschäden am Blatt

Wirtsgehölze: Nadel- und Laubgehölze, außerordentlich bedeutsam bei Eschen, Buche, Götterbaum (Ailanthus) und Tulpenbaum (Liriodendron).

Symptome: gelbe, chlorotische oder rötliche feine Sprenkel, eine sogenannte bronzefarbene Verfärbung der Blattoberseite, wobei die Adern grün bleiben. Die Blattunterseite bleibt längere Zeit ohne deutliche Farbveränderung. Später verfärbt sich auch die Unterseite in dunkle Töne. Blätter, die von höher stehenden Blättern direkt beschattet wurden, zeigen keine Farbveränderung (Schatteneffekt). Ältere Blätter zeigen intensivere Schadsymptome – mit zunehmender Expositionsdauer nimmt die Intensität der Symptome zu.

Schadursachen: bodennahes Ozon, vor allem bei längerem sonnigem Wetter im Frühjahr. In Europa tritt es vor allem im mediterranen Klimaraum und in Regionen mit intensiver Industrie auf.

Verwechslungsmöglichkeiten: Flecken durch Mikromyzeten (vor allem in frühen Phasen der Erkrankung), Schäden durch saugende Insekten – siehe Zikaden (mehr), Flecken und Sprenkelung durch andere Faktoren – z. B. Phytotoxizität von Pestiziden, Mangel an bestimmten Nährstoffen.

Schadwirkung: in Europa kommt es bislang zu keiner massenhaften Wirkung dieses Faktors. Bisher reagieren nur empfindliche Baumarten, bei denen bereits niedrige Ozonkonzentrationen Blattschäden verursachen. Unbekannt sind die langfristigen Folgen dieser Schäden sowie die Kombination mit anderen Schadfaktoren.

Schutz: nicht möglich.

Herbizidschäden und andere Pestizidschäden

Herbizidschäden oder andere Pestizidschäden

Wirtsgehölze: alle.

Symptome: die Oberfläche der Nadeln oder Blätter ist verätzt. Die Blattfärbung geht von Gelb über Rot zu Braun, auch die Knospen werden geschädigt. Bei Schäden durch Wuchsstoffherbizide kommt es zu Deformationen der Triebe.

Schadursachen: zu hohe Konzentrationen von Pestiziden, Abdrift oder eine andere unsachgemäße Anwendung von Herbiziden.

Verwechslungsmöglichkeiten: Frost, Befall durch Pilzkrankheiten, Immissions- oder Salzschäden.

Schadwirkung: Bäume wachsen diesem Schaden meist wieder heraus, nach einem Einsatz von Totalherbiziden können die geschädigten Bäume absterben.

Schutz: eine optimale Wasserversorgung sicherstellen.

Hundeurin

Hundeurin am Baumstamm

Wirtsgehölze: alle Arten, vor allem Laubgehölze mit dünner Rinde und Sträucher.

Symptome: graubraune Verfärbung des unteren Stammteils, Risse in der Rinde, hellbraune, unregelmäßige Nekrosen an den Blatträndern, vor allem bei bodennahen Blättern.

Schadursachen: Hunde (vor allem Rüden).

Verwechslungsmöglichkeiten: andere Ätzschäden (mehr), Frost (mehr), Verschüttung des Stammfußes (mehr)

Schadwirkung: Überdüngung bzw. Stickstoffvergiftung. Zusammenbruch des Nährstoffgleichgewichts, Verätzung von Blättern und Rinde, Schädigung der Mykorrhizapilze und der feinen Haarwurzeln.

Schutz: Einsatz einer Schutzfolie oder eines Anstrichs am unteren Stammteil, vor allem bei jungen Bäumen. Aufbringen von Rindenmulch, der die Wirkung des Urins am Stammfuß abpuffert. Der Mulch muss regelmäßig ausgetauscht werden. Bodenaustausch.

Mechanische Schäden und Blitzschlag

Gesondert beschreiben wir mechanische Rindenschäden (Rasenmäher, Freischneider, Autos, Anbindungen) und Blitzschäden.

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