Sträucher und Kletterpflanzen schneiden: der vollständige Leitfaden
Lernen Sie den richtigen Strauchschnitt von der Pflanzung bis zur Verjüngung. Der Leitfaden behandelt Erhaltungsschnitt, Heckenschnitt, Blauregen, Clematis und Kletterrosen.
Sträucher und Kletterpflanzen schneiden: der vollständige Leitfaden
Wann und wie schneidet man Sträucher, damit sie reich blühen und jahrzehntelang vital bleiben? Ein ausführlicher Leitfaden zu allen Schnittarten — vom Erziehungsschnitt über den Erhaltungsschnitt bis zum Verjüngungsschnitt.
Was ist ein Strauch und warum sein Typ über den Schnitt entscheidet

Abgrenzung und Typen von Sträuchern
Vor allem im Bewusstsein der Laien unterscheiden sich Sträucher von Bäumen vor allem durch den deutlich niedrigeren Wuchs. Der niedrigere Wuchs ist sicher ein wichtiges, aber kein wesentliches Merkmal. Nach der klassischen dendrologischen Definition ist ein Strauch ein Gehölz ohne durchgehenden Stamm, das sich bereits von der Basis an verzweigt (vgl. Krüssmann, Handbuch der Laubgehölze). Moderner, wenn auch ähnlich, wird der Strauch über seine Architektur definiert (z. B. bei Roloff), für die folgende Merkmale charakteristisch sind:
– der Primärtrieb bleibt schwach, stellt oft schon am Ende des 2. Jahres das Längenwachstum ein oder beginnt von der Spitze her abzusterben, – meist bildet er bereits im 2. Jahr aus Knospen in den Achseln der Keimblätter und der unteren Laubblätter kräftige Achsen, sogenannte Erneuerungstriebe, die den Primärtrieb rasch überwachsen, – Basitonie des Triebes wie auch des ganzen Strauches (bei der Verzweigung wachsen Triebe aus basalen Knospen am stärksten und übertreffen die Muttertriebe in Länge und Stärke), – vergleichsweise geringe Höhe, die sich aus den rasch kürzer werdenden Jahreszuwächsen und/oder dem bogigen Wuchs der meisten Sträucher ergibt.
Die Vielfalt der Natur ist allerdings nahezu unerschöpflich und lässt sich nicht so einfach in „Schubladen“ einordnen. Neben den typischen Sträuchern mit allen oben genannten Merkmalen gibt es zahlreiche Arten, bei denen eines oder mehrere Merkmale unterschiedlich stark zurücktreten. Im Grunde lässt sich sagen, dass es eigentlich gar keine scharfe Grenze zwischen Strauch und Baum gibt (siehe die vielen dendrologischen Handbücher, die manche Arten mit den Worten „großer Strauch bis kleiner Baum“ beschreiben). In alten Parkanlagen findet man malerische, über 10 m hohe Exemplare des Feld-Ahorns (Acer campestre), die bei näherem Hinsehen mehr Merkmale eines Strauches als eines Baumes zeigen. Umgekehrt haben viele alte Rhododendren (Rhododendron sp.) von kaum 4 m Höhe einen deutlich freigestellten Stamm und sind weit eher Baum als Strauch.
Die große Zahl unterschiedlicher Strauchtypen spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Schnittansprüchen und in der unterschiedlichen Schnittverträglichkeit wider. Am schnittverträglichsten sind typische Sträucher mit lebenslang ausgeprägter Aktivität der basalen Erneuerungszone. Diese Sträucher vertragen den Schnitt nicht nur sehr gut, ein regelmäßiger Schnitt ist für ihre dauerhaft voll funktionsfähige Existenz sogar unverzichtbar. Am anderen Ende der Reihe stehen untypische Sträucher mit minimaler Aktivität der basalen Erneuerungszone, die im Alter oft eher wie Miniaturbäume als wie typische Sträucher aussehen. Diese Sträucher vertragen den Schnitt sehr schlecht und benötigen ihn – ähnlich wie Bäume – im Grunde nicht. Zwischen diesen beiden Extremen liegt eine ganze Reihe fließender Übergänge. Im Hinblick auf den Schnitt lassen sich Sträucher grob in sieben Arbeitsgruppen einteilen – typische Sträucher, – zurückfrierende „besenartige“ empfindliche Sträucher und Halbsträucher, – immergrüne Sträucher, – „baumartige“ Sträucher, – Kletterpflanzen, – Nadelgehölz-Sträucher, – Kulturen mit besonderen Ansprüchen (Formgehölze und Beetrosen).
Sieben Strauchgruppen und ihre Schnittverträglichkeit

Typische Sträucher zeigen eine hohe Aktivität der basalen Erneuerungszone und bilden ihr ganzes Leben lang zahlreiche Erneuerungstriebe. Deshalb vertragen sie auch den Schnitt sehr gut. Andererseits verdichten alte Triebe den Strauch allmählich stark und sterben durch die zunehmende Konkurrenz häufig ab – der Strauch altert sichtbar. Ein regelmäßiger Schnitt, der einen Teil der ältesten Äste entfernt, ist deshalb für den langfristigen Erhalt eines vitalen, voll funktionsfähigen Strauches unerlässlich.
Zurückfrierende empfindliche Sträucher und Halbsträucher haben ebenfalls eine sehr hohe Aktivität der basalen Erneuerungszone, die in unseren Breiten die Voraussetzung für ihre Kultur ist. Diese Sträucher frieren bei uns meist stark zurück, und ihr Fortbestand wird durch die jährliche Bildung zahlreicher Erneuerungstriebe aus dem basalen Bereich gesichert. Ähnlich erneuern sich Halbsträucher, deren nicht verholzte Teile über den Winter absterben. Die Folge sind viele abgestorbene Triebe und ein „besenartiger“ Wuchs. Die logische Konsequenz ist ein jährlicher tiefer Rückschnitt bis ins gesunde Holz.
Immergrüne Sträucher zeigen meist eine geringere Aktivität der basalen Erneuerungszone und brauchen keinen tieferen Regelschnitt. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich in der Regenerationsfähigkeit: Während Rhododendren (Rhododendron sp.), immergrüne Schneeball-Arten (Viburnum sp.) oder Kalmia nicht stärker regenerieren können und den Schnitt deshalb schlecht vertragen, regenerieren auf der anderen Seite Buchsbaum (Buxus sp.), Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) oder Feuerdorn (Pyracantha coccinea) gut und lassen sich sogar für Formgehölze verwenden. Außerhalb von Formhecken oder anderen Formelementen historischer Gärten schneiden wir aber auch diese Arten nicht unnötig!
„Baumartige“ Sträucher zeigen eine minimale Aktivität der basalen Erneuerungszone und sehen im Alter oft eher wie Miniaturbäume aus als wie typische Sträucher. Zu dieser Gruppe gehören z. B. die Zaubernuss (Hamamelis sp.), strauchig wachsende Magnolien (Magnolia sp.) oder der Sanddorn (Hippophae rhamnoides). Diese Sträucher vertragen den Schnitt meist sehr schlecht und benötigen ihn – ähnlich wie Bäume – im Grunde nicht. Interessant ist, dass die Aktivität der basalen Erneuerungszone nicht unmittelbar mit der Fähigkeit zur Wurzelbrut zusammenhängt. Manche Arten dieser Gruppe reagieren auf einen unpassenden Schnitt oder die Zerstörung des oberirdischen Teils nicht mit neuen Trieben aus dem basalen Bereich, sondern mit zahlreichen Wurzelausläufern im weiten Umkreis (ein typisches Beispiel ist der Sanddorn).
Kletterpflanzen sind eine sehr vielfältige Gruppe, die im Grunde nur die besondere Strategie im Konkurrenzkampf ums Licht verbindet: ein außerordentlich schnelles Längenwachstum auf Kosten der Festigkeit der Pflanzenachse. Ansonsten unterscheiden sie sich sehr deutlich. Unterschiedlich sind auch ihre Schnittansprüche, die in den folgenden Kapiteln ausführlich beschrieben werden. Allgemein lässt sich wohl nur sagen, dass sie überwiegend gut regenerieren und auch einen recht radikalen Schnitt gut vertragen. Mit Ausnahme sehr wüchsiger Arten, die viel neue Masse bilden (z. B. der Schlingknöterich – Fallopia aubertii), brauchen sie jedoch keinen regelmäßigen Erhaltungsschnitt.
Nadelgehölz-Sträucher – auch wenn wir sie ihrer Größe wegen als Sträucher bezeichnen – besitzen in Wirklichkeit die meisten Straucheigenschaften nicht. Eine basale Erneuerungszone fehlt praktisch, und bis auf Ausnahmen (Eibe – Taxus baccata) ist auch ihre Regenerationsfähigkeit minimal und in der Regel auf die grünen Jahrestriebe beschränkt. Außer bei der Eibe (Taxus sp.) kommt ein üblicher Schnitt deshalb nicht in Frage, und in den notwendigen Fällen müssen spezielle Methoden zum Einsatz kommen (Auskneifen).
Kulturen mit besonderen Ansprüchen sind ein Sammelbecken für alles, was sich systematisch nicht in die vorherigen Absätze einordnen ließ. Die Ansprüche ergeben sich hier oft weniger aus den natürlichen Bedürfnissen der Pflanzen als vielmehr aus dem Zweck, zu dem wir sie kultivieren (Formhecken, Formelemente historischer Gärten).
Besonderheiten des Strauchschnitts: warum er sich vom Baumschnitt unterscheidet

Besonderheiten des Strauchschnitts
Die Besonderheiten des Strauchschnitts betreffen vor allem typische Sträucher mit aktiver basaler Erneuerungszone. Diese Sträucher treiben jedes Jahr neue Triebe aus dem basalen Bereich, während die ältesten Triebe im Inneren allmählich absterben. Anders als Bäume, die abgestorbenes Holz in ihren Körper integrieren (Stamm, Kronengerüst) oder sich davon trennen (die „Selbstreinigung“ des Stammes, häufig mit Hilfe saprophytischer Pilze), sammelt es sich bei typischen Sträuchern im Inneren in Form dürrer Äste an; mit der Zeit überwiegen dort alte Äste ohne Zuwachs und mit geschwächter Vitalität. Der Strauch altert dadurch sichtbar und verwandelt sich in ein undurchdringliches, wenig ansehnliches „Gestrüpp“. Die große Erneuerungsfähigkeit des basalen Bereichs lässt sich jedoch nutzen: Mit einem systematischen, regelmäßigen Erhaltungsschnitt hält man den Strauch wenn nicht dauerhaft, so doch langfristig voll funktionsfähig. Anders als bei Bäumen lässt sich die Alterung von Sträuchern durch einen fachgerechten Erhaltungsschnitt deutlich verlangsamen bis aufhalten, und gealterte Sträucher lassen sich in vielen Fällen sogar wirkungsvoll verjüngen.
Die hohe Regenerationsfähigkeit der meisten Sträucher und das Fehlen von Stamm und starken Gerüstästen erleichtern den Schnitt. Beim Strauchschnitt entstehen keine großen Wunden, die zur Eintrittspforte für Infektionen im Stamm würden. Auch die Schnittstelle ist nicht so kritisch wie beim Baum: Der Strauch verkraftet den einen oder anderen Stummel weit besser, und einen groben Schnittfehler an der Astkrause kann man hier gar nicht begehen. Paradoxerweise wenden sich diese Tatsachen gegen die Sträucher selbst. Es entsteht nämlich die weit verbreitete und gefährliche Vorstellung, Sträucher dürfe jeder, irgendwie und jederzeit schneiden. Wie verbreitet diese Vorstellung ist und welchen Schaden sie jedes Jahr anrichtet, zeigt schon ein Spaziergang durch die Wohnsiedlungen unserer Städte. Verstümmelte, nie blühende Forsythien und andere Sträucher findet man dort als beredte Mahnmale für die „Arbeit der Verwalter“ fast überall. Leider zeugt auch die Arbeit gelernter Gärtner in Parks nicht immer von ihrer Qualifikation.
Pflanzschnitt und Erziehungsschnitt: wie man richtig anfängt

System des Strauchschnitts
Zum Schneiden verwenden wir hochwertiges, scharfes Werkzeug; der Schnitt soll glatt, unverquetscht und nicht ausgefranst sein. Schwächere Äste bis etwa 1 cm Durchmesser können wir mit einem scharfen Gartenmesser schneiden, das eine glatte, unverquetschte Wunde ergibt. Bequemer und in der Praxis am häufigsten ist jedoch das Schneiden mit einer scharfen Bypass-Gartenschere. Stärkere Äste lassen sich mit einer scharfen Gartensäge herausnehmen; die Schnittstelle im Inneren des Strauches ist allerdings meist nicht besonders gut zugänglich, und so ist die Astschere mit langen Griffen oft das einzige Werkzeug, mit dem sich Äste aus der Strauchmitte herausschneiden lassen. Sträucher mit gegenständigen Blättern schneiden wir gerade über den Knospen, Äste von Arten mit wechselständigen Blättern kürzen wir mit leicht schrägem Schnitt über einer nach außen gerichteten Knospe.
Der Schnitt ist ein unumkehrbarer Eingriff, deshalb führen wir ihn nie unüberlegt aus – auch ein gut regenerierender Strauch lässt sich verstümmeln, zumindest für die laufende Saison. Man muss das Vorgehen also stets gut abwägen, die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Art und das Ziel des Schnitts berücksichtigen und lieber mit Pausen arbeiten, um das Ergebnis zu prüfen – dem Ziel Schritt für Schritt näherkommen.
Ein fachgerechter Schnitt muss die Pflege des Strauches während seines gesamten Lebens begleiten, also von der Anzucht in der Baumschule bis zur eventuellen Rodung. Dabei verlangt jede Etappe (Entwicklungsphase) einen anderen, spezifischen Schnitttyp. Nach den Entwicklungsphasen des Strauches lassen sich die Schnittarten in sechs Gruppen einteilen: – Schnitt in der Baumschule (Setzlinge und Jungpflanzen), – Pflanzschnitt, – Erziehungsschnitt, – Erhaltungsschnitt, – Verjüngungsschnitt, – Rodung.
Schnitt in der Baumschule
Der Schnitt in der Baumschule soll vor allem das Verhältnis zwischen Edelteil und Unterlage bei der vegetativen Vermehrung regeln und die Entwicklung der Jungpflanzen lenken. Er ist eine spezielle baumschulische Angelegenheit, eng mit den Vermehrungsmethoden verknüpft, und wird hier nicht weiter behandelt.
Pflanzschnitt
Bei der Pflanzung führen wir – ähnlich wie beim Pflanzen von Bäumen – einen komparativen (vergleichenden) Schnitt aus, der das Verhältnis zwischen oberirdischem Teil und Wurzelsystem angleichen soll. Durch die verkleinerte Verdunstungsfläche wächst die Pflanze leichter an, außerdem wird die Form korrigiert und die Bildung neuer starker Triebe gefördert. Tiefer zurückschneiden müssen wir vor allem wurzelnackte Pflanzen mit deutlich reduziertem Wurzelsystem. Containerware wird weniger eingekürzt; „baumartige“ Sträucher, die schlecht aus der basalen Erneuerungszone austreiben (Hamamelis, Magnolia), kürzen wir gar nicht ein.
Lange, unverzweigte Triebe wüchsiger Laubsträucher werden dagegen nach der Pflanzung auf 1/2 bis 1/3 eingekürzt, schwache Triebe ganz entfernt. Der zurückgeschnittene Strauch treibt kräftig aus und bildet eine größere Zahl neuer starker Triebe.
Noch stärker kürzen wir Pflanzungen für Formhecken ein. Ziel ist ein von unten her kompakter Aufbau der künftigen Form. Damit sich Laubsträucher schon dicht über dem Boden reich verzweigen, kürzen wir die Pflanzen unmittelbar nach dem Pflanzen mit einem starken Rückschnitt auf 10–15 cm über dem Boden ein.
Nadelgehölz-Sträucher und immergrüne Sträucher, die ausschließlich im Container oder mit Ballen geliefert werden, schneiden wir nach der Pflanzung nur ganz ausnahmsweise und beschränken uns auf das Entfernen gebrochener, kranker oder anderweitig beschädigter Äste; ausnahmsweise können wir Triebe korrigieren, die die Symmetrie des Strauches deutlich stören.
Erziehungsschnitt
Ziel des Erziehungsschnitts ist ein Strauch mit starken, gleichmäßig verteilten Ästen und charakteristischem Habitus. Die Ansprüche an den Erziehungsschnitt hängen von der Strauchart ab, aber auch vom Zweck der Pflanzung – Solitärsträucher verlangen andere Ansprüche und ein anderes Vorgehen als Sträucher in Gruppen, und ganz andere Ansprüche haben Sträucher in Formhecken. Den geringsten Erziehungsschnitt brauchen in der Regel immergrüne Sträucher und Nadelgehölze. Bei den meisten Sträuchern beschränkt sich der Erziehungsschnitt auf das erste, bei wüchsigen Laubsträuchern gegebenenfalls auch auf das zweite Jahr nach der Pflanzung, in dem kleine Entwicklungsmängel korrigiert werden; oft fällt er dadurch mit dem Pflanzschnitt zusammen. Länger dauert nur der Aufbau von Formhecken.
Wüchsige Laubsträucher, die wir nach der Pflanzung radikal zurückgeschnitten haben, treiben kräftig aus und bilden zahlreiche neue starke Triebe; davon sollten im Folgejahr nur 4–5 der stärksten, gleichmäßig verteilten Triebe stehen bleiben, die das Grundgerüst des Strauches bilden – alle übrigen Triebe werden ganz entfernt. Die verbleibenden Triebe werden erneut um etwa 1/3 eingekürzt. Der Erziehungsschnitt ist im zweiten Jahr bei Solitärpflanzungen unerlässlich; bei Gruppenpflanzungen fehlen dafür meist die Mittel und er unterbleibt.
Einen besonderen Erziehungsschnitt verlangen der Aufbau von Formhecken und der Aufbau des Blauregens (Wisteria).
Formhecken
Der Aufbau von Formhecken und -wänden ist am anspruchsvollsten und dauert am längsten. Ziel ist ein von unten her kompakter Aufbau der künftigen Form. Damit sich Laubsträucher schon dicht über dem Boden reich verzweigen, schneiden wir die Triebe, die nach dem starken Rückschnitt bei der Pflanzung ausgetrieben sind, im folgenden Jahr wieder sehr tief zurück, nur wenige Zentimeter höher. Die gewünschte Höhe und Breite der künftigen Hecke oder Wand erreichen wir langsam, indem wir die Schnitthöhe allmählich anheben; wir überstürzen nichts, Ungeduld zahlt sich nicht aus. Hecken, die zu früh in die Höhe gelassen werden, bleiben unten licht – im Gärtnerjargon heißt es treffend, sie seien „beinig“. Nadelgehölze regenerieren mit Ausnahme der Eiben weit schlechter und ein radikaler Rückschnitt lässt sich zum Erreichen einer ausreichend dichten, kompakten Form nicht einsetzen. Umso mehr kommt es auf die Pflanzung von hochwertiger, von unten gut verzweigter Baumschulware an. Pflanzen aus verunkrauteten Quartieren, die unten kahl sind, regenerieren nachträglich nicht mehr, und die daraus gepflanzte Hecke behält für immer Lücken am Boden. Die unteren Äste können auch bei vernachlässigter Pflege der gepflanzten Hecke durch starke Verunkrautung absterben.
Blauregen
Bei der Erziehung beginnen wir im ersten Jahr mit dem Einkürzen des Haupttriebs der Jungpflanze auf 50–70 cm, die übrigen Triebe schneiden wir auf 2 bis 3 Augen zurück. Während der Vegetation treiben die oberen Knospen des eingekürzten Triebes kräftig aus, und sobald die jungen Triebe 20–25 cm lang sind, kürzen wir die starken hinter dem 6. Blatt, die schwächeren hinter dem 4. Blatt ein; die schwächsten kürzen wir gar nicht. Bei den neuen Trieben, die danach austreiben, wiederholen wir das Vorgehen. Den Terminaltrieb lassen wir jedoch frei wachsen. Der Sommerschnitt erfolgt erstmals bereits im Mai und wird dann bis Ende August noch zweimal wiederholt.
Im folgenden Winter schneiden wir den Terminaltrieb auf 80 cm zurück, schwächere auf 60 cm. Die seitlichen Blütentriebe schneiden wir hinter der 5.–7. gut entwickelten Knospe zurück, kurze Triebe schneiden wir nicht. Auch schwächere Triebe im unteren Bereich der Äste oder des Stammes, die von selbst Blütenknospen gebildet haben, bleiben ungeschnitten.
Im dritten Jahr nach der Pflanzung trägt ein sachgerecht erzogener Blauregen an den Seitentrieben des Vorjahres bereits die ersten Blüten. Hat der Terminaltrieb – der Verlängerungstrieb – die Höhe überschritten, in der wir den ersten waagerechten Arm anlegen wollen, können wir ihn nach dem Winterschnitt umbiegen und anbinden. Für eine beidseitige Palmette schneiden wir den Verlängerungstrieb auf Höhe der künftigen Arme zurück und binden zwei Triebe aus den obersten drei Knospen erst im nächsten Jahr waagerecht an. Die im Vorjahr eingekürzten Seitentriebe kürzen wir hinter der 5.–7. Knospe, Triebe an zweijährigen Seitenästen hinter der 4.–5. Knospe; schwache und kurze Zweige schneiden wir nicht. Den Sommerschnitt führen wir wie in den Vorjahren aus.
Erhaltungsschnitt bei Sträuchern: wann, wie und wie tief schneiden

Erhaltungsschnitt
Aufgabe des Erhaltungsschnitts ist es, den Strauch langfristig voll funktionsfähig zu halten und die Alterung zu verlangsamen oder aufzuhalten. Je nach Art des Strauches und seiner Funktion in der Pflanzung soll der Erhaltungsschnitt außerdem eine regelmäßige reiche Blüte, gegebenenfalls auch Fruchtbildung oder dichtes Laub sichern oder bei Formgehölzen die richtige Form bewahren.
Der Erhaltungsschnitt kann viele Formen annehmen – vom bloßen Entfernen beschädigter oder absterbender Äste bis zum radikalen Schnitt auf den Stock. Auch Zeitpunkt und Häufigkeit der Eingriffe können sehr unterschiedlich sein. Kein Gehölz darf unüberlegt geschnitten werden. Schnittart und Zeitpunkt müssen stets vor dem Schnitt festgelegt werden, abhängig von den Eigenschaften der jeweiligen Art; dabei geht man aus: – von der Architektur des Strauches („baumartige“ Sträucher, typische Sträucher, Halbsträucher…) und seiner Regenerationsfähigkeit, – von der Funktion (Blüten, Früchte, farbiges Laub oder farbiges Holz, Formgehölze), – von der Blütezeit (im Frühjahr am vorjährigen Holz, später an den diesjährigen Trieben)
Zuerst wird immer totes, krankes oder beschädigtes Holz entfernt. Zeitpunkt und Art des Schnitts hängen vom Alter des Gehölzes und von der Blütenbildung ab, aber auch davon, wie das Gehölz mit Austrieb auf den Schnitt reagiert. Werden gesunde, gut mit Nährstoffen versorgte und rückschnittverträgliche Pflanzen geschnitten, wachsen sie umso kräftiger, je stärker der Rückschnitt ausfällt. Sträucher, die vor dem Frühsommer blühen, blühen meist am vorjährigen Holz. Der beste Zeitpunkt für ihren Schnitt ist deshalb meist der Sommer nach der Blüte, damit sich bis zum Herbst starke, ausgereifte Triebe entwickeln, die im Frühjahr wieder Blüten tragen. Später blühende Sträucher tragen ihre Blüten meist an den diesjährigen Trieben; für sie eignet sich der Winter oder das zeitige Frühjahr. Die neuen Triebe, die als Reaktion auf den Schnitt entstehen, blühen dann reich.
Derzeit wird über den zeitigen Frühjahrsschnitt bei Gehölzen diskutiert, die stark „bluten“ (Saftfluss). Die traditionelle Auffassung, der Saftfluss schwäche das Gehölz übermäßig und blutende Gehölze dürften im Frühjahr nicht geschnitten werden, wird inzwischen von manchen Fachleuten bestritten.
Die Fachliteratur beschreibt zahlreiche Typen des Erhaltungsschnitts. Ein allgemein anerkanntes System oder eine einheitliche Terminologie gibt es jedoch nicht. So teilt etwa die große britische Enzyklopädie „The Royal Horticultural Society A–Z Encyclopedia of Garden Plants“ die Sträucher nach ihren Ansprüchen an den Erhaltungsschnitt in dreizehn Gruppen ein, andere Handbücher beschränken sich auf nur vier breiter gefasste Typen. Sinnvoll erscheint die Einteilung in die folgenden acht Typen: – Grundschnitt (Gesundheitsschnitt), – Ausbrechen der Blütenstände, – Schnitt verblühter Triebe, – leichter Rückschnitt (Einkürzen unreifer Triebe), – starker Rückschnitt, – Schnitt auf den Stock, – Auskneifen von Koniferen, – Spezialschnitt (Formschnitt, Schnitt der Beetrosen, Schnitt der Kletterpflanzen).
Grundschnitt (Gesundheitsschnitt)
Diesen Schnitttyp verwenden wir bei immergrünen und laubabwerfenden Sträuchern mit minimaler Aktivität der basalen Erneuerungszone, die nur sehr schwach regenerieren und den Schnitt sehr schlecht vertragen. Es sind Sträucher, die im Alter oft eher wie Miniaturbäume aussehen. Typische Vertreter sind z. B. die Zaubernuss (Hamamelis sp.), strauchig wachsende Magnolien (Magnolia sp.) oder der Sanddorn (Hippophae rhamnoides).
Der Grundschnitt besteht nur im Entfernen kranker und beschädigter Äste sowie ungünstig wachsender Triebe, die sich kreuzen oder den Strauch unvorteilhaft verdichten. Ungünstig wachsende Triebe entfernen wir so früh wie möglich und vermeiden dabei den Schnitt älterer gesunder Äste. Diesen Schnitt führen wir nach Bedarf aus, bei älteren Sträuchern auch in mehrjährigen Abständen. Der beste Zeitpunkt ist das zeitige Frühjahr oder der Sommer.
Ausbrechen der Blütenstände
Es ergänzt den Grundschnitt bei den Straucharten, die wir wegen ihrer auffälligen Blütenstände kultivieren und bei denen die Fruchtbildung unnötig Kraft kosten würde. Das typischste Beispiel für das Ausbrechen verblühter Blütenstände sind Rhododendren (Rhododendron sp.). Die Blütenstände brechen wir jedes Jahr so früh wie möglich nach der Blüte aus und achten dabei darauf, die Knospen direkt darunter nicht zu beschädigen. Die Triebe, die an so behandelten Sträuchern austreiben, sind merklich kräftiger als an unbehandelten.
Schnitt verblühter Triebe
Er kommt bei einigen kleineren immergrünen Sträuchern in Frage, etwa bei Besenheide – Calluna, Glockenheide – Erica oder Lavendel – Lavandula. Diese Sträucher, die wir meist in Gruppen pflanzen, können wir mit einer elektrischen Heckenschere oder auch mit einer klassischen Handheckenschere schneiden. Beim Schnitt nehmen wir auch ein Stück des Triebes (1,5–2,5 cm) unterhalb des Blütenstandes mit, vermeiden aber einen zu tiefen Schnitt ins alte Holz, weil die Pflänzchen danach schlecht austreiben würden. Mit dem beschriebenen Schnitt ersetzen wir letztlich die Beweidung durch Schafe, wie sie in Heidelandschaften üblich war und an die die Besenheide „gewöhnt“ ist. Der Schnitt hat damit zwei Effekte – wir entfernen die unansehnlichen verblühten Blütenstände und halten den Bestand niedrig und kompakt. Ohne Schnitt gehen die genannten Arten rasch in die Höhe, fallen später auseinander und der Bestand wird unansehnlich. Schneiden wir in kleinen Portionen (mit der Elektroschere geht das gut), müssen wir das Schnittgut nicht einsammeln und können es zwischen den Pflanzen liegen lassen. Besonders der Besenheide und der Glockenheide tut das ausgesprochen gut (es sind Pflanzen roher, wenig entwickelter Böden). Das Zurückschneiden verblühter Triebe führt man am besten jedes Jahr nach der Blüte aus.
Leichter Rückschnitt (Einkürzen unreifer und verblühter Triebe)
Wir wenden ihn vor allem bei wärmeliebenden Sträuchern an, die am vorjährigen Holz blühen. Unter unseren Bedingungen eignet er sich besonders für den Ranunkelstrauch (Kerria) und den Besenginster (Cytisus). Ein leichtes Einkürzen des Triebes gefährdet den Blütenansatz nicht und stärkt den verbleibenden Teil der Pflanze. Den Schnitt führen wir jedes Jahr nach der Blüte aus und entfernen dabei zugleich die verblühten Blütenstände. Beim Ranunkelstrauch (Kerria) entfernen wir jedes Jahr auch alte Äste und lassen nur ein- und zweijährige stehen; ansonsten vermeiden wir einen tieferen Schnitt, um übermäßiges Ausläuferwachstum nicht zu fördern. Ähnlich gehen wir zum Beispiel auch beim Hortensien schneiden vor (Hydrangea macrophylla); diese blühen allerdings erst im Spätsommer, weshalb wir den Schnitt erst im Frühjahr des Folgejahres vornehmen.
Starker Rückschnitt
Er ist der am häufigsten angewendete Schnitt bei typischen, wüchsigen Sträuchern. Dabei schneiden wir jedes Jahr nach der Blüte alle Triebe auf starke, gut entwickelte Knospen zurück und entfernen zugleich dicht über dem Boden einen Teil (1/4–1/5) der ältesten Triebe. Wir versuchen immer, vor allem ältere Äste aus der Strauchmitte zu entfernen, auch wenn das mühsamer ist. Niemals sollte man sich die Arbeit erleichtern und die außen wachsenden Äste abschneiden! Das ist ein grober, wenn auch sehr häufiger technischer Fehler, mit dem wir den Habitus des Strauches beschädigen. Besonders sträflich ist ein solches Vorgehen bei ausladenden Sträuchern mit überhängenden Randästen, aus denen durch das Abschneiden der äußeren Äste ein unansehnlicher aufrechter „Besen“ entsteht.
Der starke Rückschnitt fördert die Bildung neuer kräftiger Jahrestriebe und sorgt zugleich für die regelmäßige Erneuerung der ältesten Äste. Damit verhindern wir die Alterung des Strauches.
Schnitt auf den Stock
Er ist der radikalste Erhaltungsschnitt: Alle Äste werden im zeitigen Frühjahr dicht über dem Boden auf nur zwei bis drei Augen abgeschnitten, schwache Triebe werden ganz entfernt. Diesen Schnitt setzen wir in zwei ganz verschiedenen Fällen ein.
Am häufigsten wird dieser Schnitt bei wärmeliebenden, eingeführten Gehölzen angewendet, die meist sehr tief zurückfrieren (oft bis zum Boden), sowie bei Halbsträuchern, deren verholzter Teil nur bodennah ausdauert. Diese Pflanzen haben eine sehr hohe Aktivität der basalen Erneuerungszone, die in unseren Breiten – wo sie meist stark zurückfrieren – die Voraussetzung für ihre Kultur ist; ihr Fortbestand wird durch die jährliche Bildung zahlreicher Erneuerungstriebe gesichert. Ähnlich erneuern sich Halbsträucher, deren nicht verholzte Teile über den Winter absterben. Die Folge sind viele abgestorbene Triebe und ein „besenartiger“ Wuchs. Die logische Konsequenz ist ein jährlicher tiefer Rückschnitt bis ins gesunde Holz. Typische Vertreter dieser beiden Gruppen sind der Sommerflieder (Buddleja davidii) und die Blauraute (Perovskia).
Der zweite, seltenere Fall sind einige wüchsige typische Sträucher, bei denen es uns besonders auf auffällig gefärbte Jahrestriebe oder große, auffällige Blätter ankommt. Als Beispiel dienen manche Weiden (Salix sp.), Hartriegel (Swida sp.) oder die Brombeere (Rubus cockburnianus) für Sträucher mit interessanten Jahrestrieben sowie der schlitzblättrige Holunder (Sambucus nigra ‚Laciniata‘).
Im ersten Fall handelt es sich um einen Schnitt, der auf das natürliche Absterben (Zurückfrieren) des oberirdischen Teils reagiert. Im zweiten Fall ist es ein recht gewaltsamer, drastischer Eingriff, und man muss sich (unter anderem) bewusst machen, dass so geschnittene Sträucher nie blühen werden! Die jährliche Erneuerung aller Äste ist außerdem sehr aufwendig und entzieht dem Boden viele Nährstoffe, die wir durch reichliche Düngung und Mulchen mit Kompost ersetzen müssen.
Kletterpflanzen schneiden: Blauregen, Clematis, Trompetenblume und mehr

Schnitt von Kletterpflanzen
Kletterpflanzen regenerieren überwiegend gut und vertragen auch einen recht radikalen Schnitt. Bis auf Ausnahmen ist ein Schnitt jedoch nicht nötig, und wegen der erheblichen Schwierigkeiten (Höhe oft über 10 m, ineinander verflochtene Triebe) wird er auch selten ausgeführt. Auf besondere Weise ändert sich die Schnittverträglichkeit beim Efeu (Hedera helix). Bekanntlich bildet Efeu zwei Wuchsformen aus – zunächst erschließt er den Raum mit sterilen Trieben, die kletternd wachsen, relativ rasch in die Länge gehen und sich mit Haftwurzeln am Untergrund festhalten. Diese Form des Efeus ist sehr anpassungsfähig, regeneriert hervorragend und verträgt selbst einen außerordentlich radikalen Schnitt. Unter bestimmten Bedingungen erscheinen am Efeu jedoch auch Äste der zweiten – fertilen – Wuchsform. Sie stehen senkrecht vom Untergrund ab, haben nur geringe Zuwächse und tragen Blüten und Früchte. Dieser fertilen Wuchsform fehlt die Regenerationsfähigkeit praktisch völlig. Alte Efeu-Exemplare können sich nach einem Schnitt (einer Reduktion) nur dann erholen, wenn an der Pflanze zumindest in geringem Umfang lebende sterile Triebe erhalten geblieben sind!
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es für den Erhaltungsschnitt von Kletterpflanzen drei Gründe geben kann, gegebenenfalls auch deren Kombination.
Der erste Grund ist die räumliche Begrenzung, bei der wir die Pflanze durch den Schnitt an den verfügbaren Platz anpassen. Praktisch alle Kletterpflanzen vertragen einen solchen Schnitt problemlos; die Notwendigkeit ergibt sich jedoch meist aus einer unpassend angelegten Pflanzung. Mit der richtigen Artenwahl (Wuchsstärke, Bedarf an Kletterhilfe) lässt sich der Bedarf an regelmäßiger räumlicher Begrenzung ausschließen.
Der zweite Grund für den Erhaltungsschnitt von Kletterpflanzen ist die Anhäufung von Altholz bei wüchsigen Arten. In außergewöhnlichem Maß sammelt sich altes Holz vor allem beim Schlingknöterich (Fallopia aubertii, F. baldschuanica) an. Altholz, das sich im Inneren eines vernachlässigten Bestandes ansammelt, stirbt zudem mit der Zeit ab. Bei wüchsigen Arten, die viel Altholz bilden (neben dem Schlingknöterich sind es zum Beispiel noch botanische Waldreben oder die Akebie), muss das angesammelte Holz deshalb gelegentlich durch einen radikalen Schnitt entfernt werden. Eine besondere Behandlung verlangen manche Brombeeren (Rubus fruticosus, R. candicans, R. laciniatus); auf die regelmäßige Erneuerung des Altholzes durch neue Triebe achten wir auch bei Kletterrosen.
Der dritte Grund ist die Förderung der Blüte einiger attraktiver Taxa, vor allem der Trompetenblumen (Campsis sp.), des Blauregens (Wisteria sp.) und der Waldreben (Clematis sp.).
Arten, die beim Erhaltungsschnitt eine besondere Behandlung verlangen:
Die Trompetenblume (Campsis radicans, C. × tagliabuana) blüht nur an starken Jahrestrieben, deshalb fördern wir die Blüte durch einen radikalen Rückschnitt. Am besten schneidet man die Trompetenblume spät im Frühjahr, wenn ausgereiftes Holz mit lebenden Knospen gut zu erkennen ist. Schwächere Triebe entfernen wir ganz, starke Äste kürzen wir bis auf kräftige lebende Knospen zurück, können sie aber bedenkenlos auch um die Hälfte und mehr einkürzen. Es ist sogar sehr gut möglich, ein stabiles Gerüst aus starken Ästen aufzubauen und den Neuaustrieb dann jedes Jahr wie beim Kopf- oder Zapfenschnitt der Bäume einzukürzen. Andererseits kann man eine erwachsene, gut aufgebaute kräftige Trompetenblume auch ungeschnitten lassen. Ein solches Exemplar hat dann kleinere Blütenstände an schwächeren Ästen und einen ganz anderen, „zerzausten“ Habitus mit vielen weit von der Wand abstehenden Ästen.
Der Blauregen (Wisteria floribunda, W. sinensis, W. × formosa) blüht bei freiem Wuchs erst nach vielen Jahren – erst wenn ein Teil der Äste in eine mehr oder weniger waagerechte Lage kommt und sich daran kurzer Blütenaustrieb bildet, an dem der Blauregen blüht. Der Aufbau (die Erziehung) eines Blauregens, der oft schon im dritten Jahr blüht, ist im Abschnitt über den Aufbau von Sträuchern nach der Pflanzung beschrieben. Damit der Blauregen die vorgesehene Fläche nicht überwächst und dabei reich blüht, muss auch der fertig aufgebaute Blauregen weiter durch einen Erhaltungsschnitt gepflegt werden. Einen Blauregen, der die gewünschte Größe erreicht hat, halten wir durch einen regelmäßigen Schnitt in Form: Die Verlängerungstriebe kürzen wir auf 4–5 Augen ein und gehen im nächsten Jahr auf den hintersten jungen Jahrestrieb zurück. Beim Schnitt ist auf wüchsige Triebe aus älterem Holz zu achten. Brauchen wir sie nicht, um eine Lücke zu füllen oder einen alten Ast zu ersetzen (zu verjüngen), schneiden wir sie glatt und vollständig ab. Vernachlässigte Sträucher können wir radikal verjüngen und die nachwachsenden Jahrestriebe wie bei einer Neupflanzung erneut aufbauen.
Waldreben (Clematis sp.) lassen sich nach der Blütezeit in drei Gruppen einteilen, nach denen sich auch der Schnitt richtet: – Gruppe I (Clematis alpina, C. macropetala, C. montana und ihre Sorten) blüht im Mai und Juni und blüht bis September schwach nach, an kurzen Trieben aus vorjährigem Holz. Bei dieser Gruppe konzentrieren wir uns darauf, starkes, gleichmäßig über die Fläche verteiltes blühfähiges Holz aufzubauen. Wir schneiden im Sommer, wenn die Hauptblüte vorbei ist, und beschränken uns auf das Entfernen überzähliger schwacher und beschädigter Triebe. Muss der Bestand aus Platzgründen begrenzt werden, führen wir die Reduktion ebenfalls ausschließlich im Sommer direkt nach der Blüte aus, damit die neuen Triebe, die im nächsten Jahr die Blüten tragen, ausreichend erstarken und ausreifen. – Gruppe II (Clematis lanuginosa, C. patens und ihre Sorten) blüht Ende Juni und im Juli und blüht bis Oktober schwach nach. Auch bei dieser Gruppe öffnen sich die Blüten an kurzen Trieben am vorjährigen Holz. Anders als bei der ersten Gruppe wachsen zugleich neue Triebe heran, an denen bis in den Herbst allmählich eine kleinere Zahl Blüten erscheint. Diese Gruppe schneiden wir grundsätzlich wie die vorige, wir können aber im Frühjahr zusätzlich einen leichten, schonenden Schnitt ausführen und damit – zulasten der Hauptsaison im Sommer – die späte Nachblüte im Herbst stärken. – Gruppe III (Clematis viticella, C. vitalba, C. flammula, C. tangutica und ihre Sorten) blüht von Ende Juli bis September und Oktober. Die Blüten entwickeln sich an den neuen Jahrestrieben; ein radikaler Frühjahrsschnitt, der den Neuaustrieb fördert, fördert daher auch die Blüte. Deshalb schneiden wir Clematis dieser Gruppe jedes Jahr etwa 30 cm über dem Boden zurück und entfernen schwache Triebe ganz.
Brombeeren und Kletterrosen schneiden – Schritt für Schritt

Brombeeren (Rubus fruticosus, R. candicans, R. laciniatus) – aus dieser Gruppe werden am häufigsten die Sorten der sogenannten dornenlosen Brombeeren kultiviert. Alle Arten dieser Gruppe zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Ruten nur zwei Jahre ausdauern. Im zweiten Jahr, nach dem Fruchten, trocknen sie ein. Daran müssen wir auch den regelmäßigen Schnitt anpassen, den wir zweimal jährlich ausführen. Unmittelbar nach der Ernte entfernen wir dabei alle abgetragenen Ruten, die ohnehin bald vertrocknen und den Strauch unnötig verdichten. Im Frühjahr entfernen wir alle schwachen, zurückgefrorenen oder anderweitig beschädigten vorjährigen Ruten und lassen nur 3, höchstens 5 der stärksten stehen, die wir um 1/4–1/3 einkürzen.
Die Kletterrosen (Rosa sp.) brauchen jedes Jahr vor dem Austrieb einen regelmäßigen Schnitt, und auch ein regelmäßiger Sommerschnitt tut ihnen sehr gut. Der beste Zeitpunkt ist kurz vor dem Austrieb im April, wenn der Saft zu steigen beginnt. Beim Schnitt entfernen wir zuerst überalterte Äste und schwache Triebe. Aus den starken einjährigen Trieben, die von unten aus dem Strauch wachsen, wählen wir die stärksten, günstig sitzenden Triebe aus, die die entfernten alten Äste ersetzen; sie werden leicht eingekürzt, damit sie Seitentriebe bilden, alle übrigen werden ebenfalls entfernt. Bei den meisten Kletterrosen ist für die Blüte entscheidend, dass – ähnlich wie bei der Weinrebe – an den blütentragenden Trieben die Abfolge von drei Holzjahrgängen erhalten bleibt. Der Seitenaustrieb wird deshalb nur leicht eingekürzt.
Der Sommerschnitt konzentriert sich darauf, verblühte Blütenstände bis zum ersten normal entwickelten Blatt zu entfernen. Treibt die Unterlage durch, beseitigen wir die Wildtriebe sofort.
Spezialschnitte: Hecke schneiden, Beetrosen und Koniferen auskneifen

Spezialschnitte
Sie ergeben sich eher aus dem besonderen Zweck des Vegetationselements als aus den natürlichen Bedürfnissen der Pflanzen. Das gilt uneingeschränkt für Formgehölze (Formhecken, Formelemente historischer Gärten) und für die Verwendung gewöhnlicher Gehölze an Spalieren (z. B. grüne Wände aus Zwergmispel oder Feuerdorn) und in gewissem Maß auch für weitere Spezialschnitte: Beetrosen und das Auskneifen von Koniferen. – Der Formschnitt von Hecken und Formwänden ist zusammen mit dem Schnitt der Beetrosen der anspruchsvollste Schnitt und darf nicht ausgelassen werden. Besonders bei Gehölzen, die keinen Rückschnitt vertragen (die meisten Nadelgehölze außer der Eibe), kann ein ausgelassener Regelschnitt zu einem großen Problem werden. Den Formschnitt führen wir nie nach Augenmaß aus, sondern grundsätzlich nach gespannter Schnur oder Latte; bei komplizierteren Formen in historischen Gärten lohnt sich eine Schablone aus starkem Draht. Wir halten die richtige Form peinlich genau ein, die bereits beim Erziehungsschnitt des Formelements angelegt sein muss. Hecken und Wände müssen sich nach oben leicht verjüngen (etwa 5–10 cm je Meter Höhe). – Hecken aus Nadelgehölzen und immergrünen Gehölzen schneiden wir mindestens einmal jährlich im Herbst oder Winter; bei regelmäßigen Formen in historischen Gärten ist es meist nötig, den Sommerschnitt noch zweimal zu wiederholen. Laubabwerfende Gehölze schneiden wir mindestens zweimal, das erste Mal im Winter oder besser im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb, das zweite Mal im Sommer Ende Juni/Anfang Juli; ein häufigerer Sommerschnitt schadet keineswegs, die Formelemente werden dadurch dichter und kompakter.
– Den Schnitt der Beetrosen führen wir jedes Jahr im Frühjahr unmittelbar nach dem Abtragen der Anhäufelung aus. Beim Schnitt entfernen wir zuerst dürres und gebrochenes Holz, dürre Stummel und alle schwachen Triebe und prüfen, ob am Wurzelhals Wildtriebe der Unterlage austreiben, die wir sofort entfernen müssen.
Die Rose lichten wir aus, indem wir Äste entfernen, die sich kreuzen, ins Innere wachsen oder einander Konkurrenz machen. Damit der Strauch nicht zu sehr in die Höhe geht, setzen wir die ältesten Äste mit einem tiefen Rückschnitt bis auf den untersten einjährigen Trieb ab.
Die verbleibenden einjährigen Triebe werden auf die entsprechende Zahl von Augen eingekürzt, möglichst so, dass die letzte Knospe nach außen zeigt. Wir schneiden etwa 1 cm über der Knospe. Die Zahl der verbleibenden Augen richtet sich nach Typ und Wuchsstärke der Sorte sowie nach der Stärke des Triebes. Üblich sind 3 Augen, schwächere Triebe kürzen wir nur auf 1–2 Augen ein, an sehr starken Trieben können wir dagegen auch 5 Augen belassen. Noch mehr Augen belassen wir bei wüchsigen Sorten (z. B. der Gruppe der Lambertiana-Rosen).
Sehr wichtig ist auch der Sommerschnitt, der im Einkürzen verblühter Triebe bis zum ersten normal entwickelten Blatt besteht. Im Sommer kontrollieren wir außerdem den Durchtrieb der Unterlagen, der zu dieser Zeit besser zu erkennen ist als im Winter.
– Das Auskneifen von Koniferen wenden wir bei Nadelgehölz-Sträuchern an, die nicht aus älterem Holz regenerieren können. Ein typisches Beispiel ist die Bergkiefer (Pinus mugo), die in tieferen Lagen dazu neigt, lange Zuwächse zu bilden, dadurch unerwünschte Ausmaße erreicht und licht wird. Mit dem Auskneifen lassen sich solche Pflanzen niedrig und sehr kompakt halten. Die Triebe kneifen wir kurz nach dem Austrieb aus, am besten Anfang Mai, solange sie noch weich sind und wir dafür kein Werkzeug brauchen – der Fingernagel genügt. Üblicherweise kürzen wir die austreibende Kerze um die Hälfte, ausnahmsweise bis zu 2/3. Nach dem Auskneifen bildet sich am verbliebenen Teil eine größere Zahl Ersatzknospen, und die Pflanze bleibt dicht und kompakt.
Wenn wir uns für das Auskneifen entscheiden, sollte es konsequent jedes Jahr erfolgen. Lassen wir es aus, hat das zwar keine katastrophalen Folgen, der zusätzliche Zuwachs lässt sich aber nicht mehr rückgängig machen. Das Auskneifen ist außerordentlich arbeitsintensiv und kommt nur in aufwendigen Gartenanlagen auf repräsentativen Flächen oder in Privatgärten in Frage.
Verjüngungsschnitt: alte und vernachlässigte Sträucher verjüngen

Verjüngungsschnitt
Ein regelmäßiger jährlicher Erhaltungsschnitt hat in der Praxis vor allem bei der Pflege von Solitärsträuchern oder kleineren Gruppen in repräsentativen Gartenanlagen und in Hausgärten Sinn. Bei flächigen Strauchpflanzungen oder in naturnahen Anlagen ist er unrealistisch. Nur ausnahmsweise wird ein Erhaltungsschnitt auch bei dornigen Sträuchern möglich sein. In vielen Fällen, in denen ein laufendes Auslichten und Verjüngen der Sträucher durch den Erhaltungsschnitt nicht möglich oder nicht wirtschaftlich ist, lässt sich die Regenerationsfähigkeit typischer Sträucher nutzen und von Zeit zu Zeit eine periodische radikale Verjüngung durchführen. Bei alten typischen Sträuchern mit aktiver basaler Erneuerungszone entstehen spontan neue Stockausschläge, deren Entwicklung jedoch die überalterte, vergreisende Krone der alten Äste behindert. Das radikale Entfernen der überalterten Krone des Strauches gibt dem natürlich angestoßenen Erneuerungsprozess Raum; das Verjüngen so reagierender Sträucher ist damit (anders als das „Verjüngen“ von Bäumen) ein sinnvoller, biologisch begründbarer Pflegeeingriff.
Die radikale (vollständige) Verjüngung erfolgt durch das vollständige Abschneiden aller Äste dicht über dem Boden (max. 5–10 cm lange Stummel dürfen bleiben) im Winter oder Vorfrühling. Stockausschläge auszuwählen und stehen zu lassen, die sich im Strauch bereits spontan gebildet haben, kompliziert die Arbeit unverhältnismäßig und bringt wenig. Den entstandenen „Kahlschlag“ nutzt man in der Regel auch für eine gründliche Reinigung der Fläche von Abfällen, die sich in undurchdringlichen Sträuchern gerne ansammeln. Wenn möglich, lockern wir den Boden zwischen den Sträuchern wenigstens etwas auf und düngen (mulchen) die Sträucher mit einer Schicht guten Komposts. Die verbliebenen Strauchbasen reagieren meist mit außerordentlich starken Stockausschlägen, die in den folgenden zwei bis drei Jahren erzogen werden müssen. Im ersten Jahr nach diesem radikalen Eingriff entfernen wir alle schwachen und überzähligen Äste, kürzen die verbleibenden Äste leicht ein und legen das Gerüst der neuen Krone an. Dabei achten wir auf die natürliche Kronenform. Die Reaktion des Strauches auf den Eingriff ist meist so stürmisch, dass man dem Aufbau der neuen Form auch im zweiten, gegebenenfalls dritten Jahr nach der Verjüngung Aufmerksamkeit widmen muss.
Nach Erfahrungen aus der Praxis und nach Versuchen, die 1984–1985 von Doz. Pir in Lednice (Tschechien) durchgeführt wurden, erreichen verjüngte Sträucher innerhalb von drei Jahren wieder ihre volle Funktionsfähigkeit. Bei der radikalen Verjüngung von Sträuchern berücksichtigen wir auch ihre Rolle im örtlichen Ökosystem – dichte Sträucher sind die Existenzgrundlage zahlreicher Vogelarten, die darin brüten. Deshalb versuchen wir den Eingriff stets über mehrere Jahre zu staffeln, sodass immer zumindest ein Teil der Brutmöglichkeiten erhalten bleibt. Bei geeigneter Staffelung muss auch die gestalterische Wirkung der verjüngten Gruppe nicht dramatisch abnehmen.
Die Länge der Periode bis zur nächsten radikalen Verjüngung hängt vor allem von der Strauchart ab. Bei großen Sträuchern, die keinen allzu dichten Bestand bilden (zum Beispiel Hartriegel, Forsythien und Ähnliche), kann es sich um eine Periode von 10, 15 und mehr Jahren handeln. Kleine dichte Sträucher (vor allem niedrige Spiersträucher) lassen sich dagegen in kurzen Abständen wiederholt verjüngen, etwa alle 5 Jahre.
