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Obstbäume spritzen: Pflanzenschutzkalender vom Winter bis zum Herbst

Wann Sie Apfelbäume, Zwetschgen und Kirschen spritzen, wann es besser ist, gar nicht zu spritzen, und woran Sie erkennen, dass ein Eingriff sinnvoll ist. Eine Übersicht nach Entwicklungsstadien des Baumes, nicht nach Kalenderdatum.

Der Schutz von Obstbäumen richtet sich nicht nach dem Kalenderdatum, sondern danach, in welchem Entwicklungsstadium der Baum gerade ist: ob er ruht, austreibt, blüht oder schon Früchte angesetzt hat. Jeder Schädling und jede Krankheit ist nur in einem kurzen Zeitraum verwundbar. Wer ihn trifft, kommt mit wenigen Eingriffen aus. Wer „sicherheitshalber“ spritzt, tötet vor allem Nützlinge und rettet die Ernte trotzdem nicht.

Hier finden Sie eine Übersicht, wann Sie auf welche Probleme achten sollten, was Sie ohne Chemie tun können und wann eine Spritzung wirklich sinnvoll ist. Konkrete Mittel und Dosierungen nennen wir nicht: Die Zulassungen ändern sich jedes Jahr, und die einzige verlässliche Quelle ist die aktuelle Datenbank der im Garten zugelassenen Pflanzenschutzmittel (BVL) und die Gebrauchsanweisung.

Fünf Grundsätze, bevor Sie zur Spritze greifen

  • Zuerst Hygiene und Beobachtung. Laub und Fruchtmumien entfernen, Schnitt, Fallen und Leimringe lösen im Garten einen großen Teil der Probleme ohne eine einzige Spritzung.
  • Nur oberhalb der Schadschwelle spritzen. Ein paar Blattläuse oder Raupen verträgt der Baum, und sie ernähren Nützlinge, die die Schädlinge im Gleichgewicht halten. Die Schwellen nennen wir weiter unten.
  • Nur zugelassene Mittel. Verwenden Sie ein im Garten zugelassenes Pflanzenschutzmittel (BVL) für die jeweilige Kultur und den jeweiligen Schaderreger, nach Gebrauchsanweisung. Dosierung, Anzahl der Behandlungen, Abstand und Wartezeit stehen auf dem Etikett.
  • Bienen schützen. Während der Blüte wird nicht gespritzt. Mähen Sie vor dem Spritzen den blühenden Unterwuchs unter den Bäumen.
  • Das richtige Wetter. Windstille, einige Stunden nach dem Spritzen kein Regen, am besten am frühen Abend. Technik, Verdünnung und Reinigung beschreibt ausführlich der Artikel Pflanzenschutz im Garten. Spritzmittelreste und leere Verpackungen gehören zur Schadstoffsammelstelle.

Vorrang haben mechanische und biologische Methoden: Pheromonfallen, weiße und gelbe Leimtafeln, Fanggürtel und Leimringe, Absammeln von Hand und die Förderung von Nützlingen. Eine Übersicht der Fallen mit Aufhängeterminen finden Sie im Artikel Pflanzenschutz im Garten.

Pflanzenschutzkalender nach Entwicklungsstadien

Die Monate in der Tabelle sind Richtwerte für mittlere Lagen. In warmen Regionen beginnt jedes Stadium 1–2 Wochen früher, im Bergland später.

Zeitraum (Stadium)GefahrWas tun
Vegetationsruhe
November bis Februar
überwinternde Quellen von Krankheiten und Schädlingen: Falllaub, Fruchtmumien, trockene Äste, RaupennesterLaub zusammenrechen und kompostieren, Mumien aufsammeln, trockene und kranke Äste herausschneiden, Raupennester abschneiden, Wunden versorgen, Stämme kalken; Leimringe gegen Frostspanner an den Stämmen lassen
Vorfrühling vor dem Austrieb
Februar bis März
Eier von Blattläusen, Spinnmilben und Blattsaugern, Schild- und Napfschildläuse; Kräuselkrankheit des PfirsichsÖlspritzung nur bei Überschreiten der Schwelle oder dauerhaftem Problem; Pfirsiche mit kupferhaltigem Mittel beim Knospenschwellen
Austrieb bis Mausohrstadium
Ende März bis April
Apfelblütenstecher, schlüpfende Blattläuse, erste Schorf-Infektionen, MehltauBlütenstecher abklopfen, 100 Knospen kontrollieren, Triebspitzen mit Mehltau herausschneiden, bei Regenwetter Schutz gegen Schorf (z. B. kupferhaltiges Mittel)
Grüne bis weiße Knospe
April
Schorf, Mehltau, Monilia-Spitzendürre an Aprikosen und Sauerkirschen, BirnengallmückeFungizid je nach Wetter, gegen Mehltau schwefelhaltiges Mittel, weiße Leimtafeln gegen Sägewespen
BlüteBienen und andere Bestäubernicht spritzen, blühenden Unterwuchs mähen, nur beobachten
Blütenblattfall
Mai
Sägewespen, Schorf, Mehltau, Blattfleckenkrankheit an Süß- und SauerkirschenEier der Sägewespen kontrollieren, ggf. Eingriff innerhalb einer Woche nach der Blüte; Pheromonfalle für den Apfelwickler aufhängen (1. und 2. Maidrittel) und Gelbtafeln gegen die Kirschfruchtfliege (2. und 3. Maidrittel)
Fruchtwachstum
Juni
Apfelwickler und Pflaumenwickler, Kirschfruchtfliege beim Umfärben der Kirschen, Blattläuse, Spinnmilben, GespinstmotteEingriff gegen Wickler 8–10 Tage nach dem Flughöhepunkt, Wellpappe-Fanggürtel an die Stämme, Blattläuse vor dem Einrollen der Blätter bekämpfen, Gespinste herausschneiden
Reife
Juli bis August
2. Wicklergeneration (bei Zwetschgen am wichtigsten Mitte August), Spinnmilben, Stippigkeit der ÄpfelFallen und Früchte kontrollieren, Fallobst zweimal pro Woche aufsammeln, bei späten Sorten auf die Wartezeit achten
Nach der Ernte
August bis September
Blattfleckenkrankheit der Kirsche, Blattfallkrankheit der Johannisbeere, Amerikanischer StachelbeermehltauBehandlung nach der Ernte nur dort, wo die Krankheit im Vorjahr stark geschadet hat; im September Leimringe gegen den Frostspanner
Laubfall
Oktober bis November
überwinternde Raupen in den Gürteln, Laub mit Schorf, MumienFanggürtel abnehmen und entsorgen, Laub zusammenrechen, Mumien aufsammeln; Pfirsiche nach dem Laubfall mit kupferhaltigem Mittel

Winter- und Austriebsspritzung bei Obstbäumen

Obstbaum im Vorfrühling vor dem Austrieb

Die Winterspritzung zielt auf Schädlinge, die als Eier oder junge Larven auf der Rinde überwintern: Blattläuse, Spinnmilben, Blattsauger, Schild- und Napfschildläuse und ein Teil der Raupen. Heute verwendet man dafür vor allem Ölpräparate (Paraffin- oder Rapsöl), die die überwinternden Stadien ersticken und Nützlinge mehr schonen als frühere Winterspritzmittel.

  • Wann: im Vorfrühling, vom Knospenschwellen bis die Spitzen der ersten Blättchen 2–3 mm herausschauen. Spätestens im Stadium der grünen Knospe. Früh austreibende Arten (Aprikosen, Pfirsiche, Johannisbeeren, Stachelbeeren) haben ein kürzeres und früheres Zeitfenster.
  • Wetter: Temperatur über 8 °C, windstill, einige Tage vorher und nachher keine Nachtfröste.
  • Wie: Stamm und alle Äste bis in die Spitzen von allen Seiten gründlich benetzen. Die überwinternden Eier sitzen in Astgabeln und rund um die Knospen.
  • Unterwuchs: Öle schädigen grüne Pflanzen. Decken Sie austreibende Zwiebelblumen, Erdbeeren und Steingartenpflanzen unter dem Baum ab.
  • Nützlinge: Nicht spritzen, wenn in der Krone überwinternde Marienkäfer zu sehen sind.

Flächig „jedes Jahr sicherheitshalber“ wird heute nicht mehr winterlich gespritzt. An tragenden Bäumen ist es bei starkem Befall durch Schildläuse oder Napfschildläuse gerechtfertigt (siehe San-José-Schildlaus und Napfschildläuse), bei jungen, noch nicht tragenden Bäumen und dort, wo die Winterkontrolle eine Überschreitung der Schwelle zeigt.

So machen Sie die Winterkontrolle: Schneiden Sie von fünf im Garten verteilten Bäumen aus verschiedenen Kronenteilen je einen 20 cm langen Zweig zwei- bis dreijährigen Holzes, zusammen also 1 m. Zählen Sie unter einer starken Lupe die überwinternden Eier. Eine Spritzung ist bei diesen Zahlen pro 1 m Zweige sinnvoll:

SchädlingSchwelle pro 1 m Zweige
Obstbaumspinnmilbe (rote Eier)1 000 Eier
Blattsauger (Apfel- und Birnenblattsauger)50 Eier
Blattläuse (glänzend schwarze Eier)25 Eier
Kleiner Frostspanner2 Eier
Kommaschildlausstarker Befall der Rinde

Die Schwellen wurden für Apfelbäume festgelegt. Bei anderen Arten wird gespritzt, wenn die Kontrolle eine größere Menge überwinternder Stadien eines Schädlings findet.

Kupfer bei Pfirsichen ist ein eigenes Kapitel: Gegen die Kräuselkrankheit werden Pfirsiche in der Ruhezeit mit einem kupferhaltigen Mittel behandelt, im Herbst nach dem Laubfall und im Vorfrühling beim Knospenschwellen. Sobald die Blättchen erscheinen, ist es dafür zu spät.

Wann spritzt man Apfelbäume

Der Apfelbaum hat von allen Obstbäumen die meisten Schädlinge und Krankheiten. Die wichtigsten Termine in der Reihenfolge, in der sie kommen:

  1. Vor dem Austrieb: Ölspritzung nur bei Überschreiten der Winterschwelle (Blattläuse, Spinnmilben, Blattsauger).
  2. Austrieb bis Mausohrstadium: Kontrolle auf Apfelblütenstecher (Schwelle 15 Einstiche pro 100 Knospen). Bei Regen beginnen die Schorfinfektionen.
  3. Grüne Knospe bis Rote Knospe: Schutz gegen Schorf je nach Wetter, gegen Mehltau Schwefel und Herausschneiden befallener Triebspitzen.
  4. Blüte: nicht spritzen.
  5. Direkt nach dem Blütenblattfall: Apfelsägewespe, spätestens innerhalb einer Woche. Schorf und Mehltau bei feuchtem Wetter weiter im Abstand laut Gebrauchsanweisung.
  6. 2–3 Wochen nach der Blüte bis Juni: Apfelwickler, Termin nach Pheromonfalle. Blattläuse und Spinnmilben nach Kontrolle.
  7. Ende Juli bis Mitte August: zweite Generation des Apfelwicklers in warmen Regionen.
  8. Nach dem Laubfall: Laub zusammenrechen, Fanggürtel abnehmen.

Schorfresistente Sorten wie ‚Topaz‘ oder ‚Rubinola‘ kommen mit deutlich weniger Fungizidbehandlungen durch die Saison. Anfällige Sorten wie ‚Golden Delicious‘ oder ‚Idared‘ brauchen in einem verregneten Frühjahr regelmäßig Schutz.

Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen und Pfirsiche

Blühender Apfelbaum
  • Zwetschgen und Pflaumen: Sägewespen direkt nach der Blüte, Pflaumenwickler im Juni (etwa eine Woche später als der Apfelwickler) und vor allem Mitte August. Eine ausführliche Übersicht finden Sie im Artikel Schädlinge an Pflaumen und Zwetschgen.
  • Süß- und Sauerkirschen: Monilia-Spitzendürre an Sauerkirschen bei Feuchtigkeit vor der Blüte, Kirschfruchtfliege mit Gelbtafeln ab Mai, Blattfleckenkrankheit nach der Blüte und nach der Ernte.
  • Aprikosen: Monilia-Spitzendürre bei Regenwetter vor der Blüte, Hygiene und Schnitt im Sommer nach der Ernte. Das Absterben ganzer Äste beschreibt der Artikel Aprikosensterben.
  • Pfirsiche: Kupfer gegen die Kräuselkrankheit in der Ruhezeit, nach dem Austrieb nur noch Hygiene (gekräuselte Blätter entfernen).

Bei Steinobst lohnt es sich, auch auf Gummifluss zu achten, der oft ein Signal für Verletzung, Frost oder einen ungeeigneten Standort ist. Mit Spritzen löst man ihn nicht.

Frühjahrskontrolle: Schadschwellen

Untersuchen Sie vom Austrieb bis zum Stadium der grünen Knospe an fünf Bäumen insgesamt 100 Blütenknospen (Rosetten) aus verschiedenen Kronenteilen. Ein Eingriff lohnt sich, wenn Sie mindestens Folgendes finden:

SchädlingSchwelle pro 100 Knospen
Apfelblütenstecher (Einstiche oder Eier)15
Blattläuse10
Larven von Blattsaugern oder Spinnmilben100
Raupen des Kleinen Frostspanners4

Später in der Saison gelten weitere Schwellen: bei Blattläusen mehr als 2 Kolonien an 25 Langtrieben, bei Spinnmilben 4–6 bewegliche Tiere pro Blatt, bei Sägewespen und Apfelwickler 2 Eier pro 100 Früchte. Einzelheiten finden Sie bei den jeweiligen Schädlingen.

Während der Blüte nicht spritzen

Vom Aufblühen bis zum Fall der meisten Blütenblätter werden Obstbäume nicht gespritzt. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Bienen und andere Bestäuber. Insektizide töten sie, aber auch andere Mittel halten sie von den Blüten fern und verschlechtern die Bestäubung. Ohne Bestäubung gibt es keine Ernte, so gut Sie den Baum auch behandeln.
  • Schäden an den Blüten. Manche Fungizide und Netzmittel schädigen die Blüten selbst: Sie verringern die Keimfähigkeit des Pollens und verschlechtern die Befruchtung.

Probleme, die während der Blüte drohen, werden davor und danach gelöst. Gegen Monilia-Spitzendürre hilft ein Schutz kurz vor dem Aufblühen und vor allem das Herausschneiden befallener Triebe direkt nach der Blüte bis ins gesunde Holz.

Häufige Fehler

  • Spritzen nach Datum. Die Entwicklungsstadien verschieben sich von Jahr zu Jahr um mehrere Wochen. Entscheidend sind der Zustand des Baumes und das Wetter, nicht der Kalender.
  • Spritzen ohne Kontrolle. Ohne Fallen und Knospenkontrolle wissen Sie nicht, ob der Schädling überhaupt über der Schwelle liegt.
  • Eine Universalspritzung. Sägewespe, Apfelwickler und Schorf haben jeweils einen anderen Termin. Ein Eingriff „gegen alles“ trifft meist nichts.
  • Immer dasselbe Mittel. Pilze und Spinnmilben entwickeln gegen immer denselben Wirkstoff Resistenzen. Wechseln Sie Mittel mit unterschiedlicher Wirkungsweise laut Gebrauchsanweisung.
  • Vergessener Unterwuchs. Blühender Löwenzahn unter dem Baum bedeutet Bienen in Reichweite der Spritzung, Ölspritzungen wiederum verbrennen austreibende Zwiebelblumen.
  • Ein geschwächter Baum. Keine Spritzung ersetzt einen guten Schnitt, Gießen bei Trockenheit und eine ausgewogene Ernährung. Wie Sie Obstbäume düngen, beschreibt der Artikel Obstbäume düngen.

Häufige Fragen

Wann macht man die Winterspritzung bei Obstbäumen?

Im Vorfrühling, wenn die Knospen zu schwellen beginnen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die ersten Blättchen herausschauen. Die Temperatur sollte über 8 °C liegen, ohne Nachtfröste. Verwendet werden vor allem Ölpräparate, die als Pflanzenschutzmittel im Garten zugelassen sind (BVL).

Wann spritzt man Apfelbäume gegen Madigkeit?

Gegen die Apfelsägewespe direkt nach dem Blütenblattfall, spätestens innerhalb einer Woche. Gegen den Apfelwickler 2–3 Wochen später, genau 8–10 Tage nach dem Flughöhepunkt laut Pheromonfalle. In warmen Regionen zusätzlich gegen die zweite Wicklergeneration von Ende Juli bis Mitte August.

Muss man Obstbäume jedes Jahr spritzen?

Nein. In einem Garten mit widerstandsfähigen Sorten, guter Hygiene und Fallen kommt man viele Jahre ohne Spritzung oder mit ein, zwei gezielten Eingriffen aus. Eine Spritzung ist sinnvoll, wenn die Kontrolle eine Überschreitung der Schadschwelle zeigt.

Darf ich Bäume während der Blüte spritzen?

Nein. Während der Blüte wird wegen der Bienen und anderer Bestäuber nicht gespritzt, und auch deshalb, weil manche Mittel die Blüten selbst schädigen und die Befruchtung verschlechtern. Der Schutz erfolgt vor dem Aufblühen und nach der Blüte.

Welches Spritzmittel für Obstbäume verwenden?

Immer ein im Garten zugelassenes Pflanzenschutzmittel (BVL) für die jeweilige Obstart und den jeweiligen Schädling oder die Krankheit, nach Gebrauchsanweisung. Gegen überwinternde Schädlinge Öle, gegen Schorf und Kräuselkrankheit kupferhaltige Mittel, gegen Mehltau Schwefel. Dosis, Abstand und Wartezeit stehen auf dem Etikett.