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Pflanzenschutz im Garten: Krankheiten, Schädlinge und die richtigen Mittel

Der komplette Leitfaden zum Pflanzenschutz im Garten — von physiologischen und Pilzkrankheiten über Schädlinge und Unkraut bis hin zu biologischem und chemischem Pflanzenschutz. Alles übersichtlich an einem Ort.

Pflanzenschutz im Garten: Krankheiten, Schädlinge und die richtigen Mittel

Pflanzenschutz im Garten umfasst weit mehr als nur das Spritzen. Erfahren Sie, wie Sie Krankheiten, Schädlinge und Unkraut erkennen und wie Sie ihnen biologisch wie chemisch wirksam begegnen.

Was echter Pflanzenschutz ist und warum Spritzen allein nicht ausreicht

Sagt man Pflanzenschutz, denken die meisten an den Schutz vor Krankheiten und Schädlingen mit chemischen Mitteln. Sagt man Schutz, denkt man ans Spritzen. Pflanzenschutz ist aber ein viel weiterer Begriff! Vor allem ist er Schutz vor allen ungünstigen Bedingungen — vor unpassendem Klima, schlechtem Boden, ungeeigneter Lage, vor Frost oder Trockenheit. 

Pflanzenschutz im Garten

Er ist auch Schutz vor Fehlern beim Anbau und in der Pflege. Und er ist Schutz vor Krankheiten, Schädlingen und Unkraut. Auch die Schutzmaßnahmen sind unterschiedlich: züchterische, gärtnerische, mechanische, biologische und erst zuletzt chemische. Damit die Pflanzen im Garten gesund, ertragreich und schön sind, müssen alle Maßnahmen zusammen genutzt werden; ungünstigen Erscheinungen sollte man möglichst vorbeugen und sie, wenn sie auftreten, rechtzeitig beseitigen oder behandeln. Dabei muss jeder Eingriff gezielt erfolgen — man muss wissen, was man verhindern, beseitigen oder behandeln will. Das setzt voraus, die Ursache zu kennen und zu erkennen, wodurch und wie der Schaden entstanden ist. Diese Vorgehensweise nennt man integrierten Pflanzenschutz. Gartenpflanzen leiden stark unter Krankheiten und Schädlingen, vor allem weil an einem Ort in verhältnismäßig dichten Beständen viele Pflanzen derselben Art wachsen und weil es sich um Pflanzen handelt, die auf hohen Ertrag oder schöne Blüten gezüchtet wurden, wodurch ihre natürliche Widerstandskraft meist geschwächt ist. In der freien, vom Menschen unbeeinflussten Natur kam es selten zur Massenvermehrung eines Schädlings oder zur gefährlichen Ausbreitung einer Krankheit. Nach dem natürlichen Regelkreis vermehrt sich mit einer Art meist zugleich eine andere, die ihr um Nahrung Konkurrenz macht oder ihr direkter Gegenspieler ist, und begrenzt die überhandnehmende Art. Auch die Ausbreitung von Krankheiten ist in der freien Natur erschwert, weil in den Lebensgemeinschaften vielfältige Pflanzenarten wachsen und auf bestimmte Pflanzen spezialisierte Krankheiten sich deshalb nicht weit ausbreiten können. Die Gefahr einer Massenvermehrung von Krankheiten oder Schädlingen entsteht beim Anbau nur einer einzigen Art auf einer Fläche, in sogenannten Monokulturen. Dadurch entstehen für die Pflanzen unnatürliche Bedingungen: Dem Boden werden Nährstoffe einseitig entzogen und Krankheiten und Schädlinge können sich leichter ausbreiten. Wer dieses unnatürliche Umfeld geschaffen hat, kann sich nicht darauf verlassen, dass „sich die Natur schon selbst hilft“, sondern muss den Pflanzen gegen ihre natürlichen Gegenspieler selbst helfen oder das Auftreten ungünstiger Faktoren wenigstens auf das kleinstmögliche Maß begrenzen.

Physiologische Krankheiten: wenn Klima, Boden oder Frost schaden

Pflanzenkrankheiten – nach ihrer Ursache unterteilt man Pflanzenkrankheiten in physiologische, virale, bakterielle und pilzliche.

STÖRUNGEN DURCH UNGÜNSTIGE EINFLÜSSE

Diese Störungen, die wir auch physiologische Krankheiten nennen, sind die Reaktion der Pflanze auf ungünstige Umweltbedingungen. Auslöser können klimatische Einflüsse sein, etwa zu hohe und vor allem zu niedrige Temperaturen, Überschuss oder umgekehrt Mangel an Wasser, eine ungeeignete Lichtintensität oder Beleuchtungsdauer, ebenso Bodeneinflüsse wie Überschuss oder Mangel eines Nährstoffs, eine ungeeignete Bodenreaktion oder eine Belastung des Bodens mit Chemikalien, und schließlich verschiedene mechanische Schäden. Lichtintensität und Sonnenscheindauer beeinflussen die Fotosynthese (Assimilation) und damit Wachstum und Entwicklung der Pflanze insgesamt; ihr Mangel (etwa in dichtem Bestand im Frühbeet oder im Unterwuchs dichter Bäume) führt zu vergeilten, schwachen Trieben, die leicht krank werden. Direkte, intensive Sonnenstrahlung kann dagegen Sonnenbrand (verbrannte Blätter) verursachen, im Freiland etwa bei Stachelbeeren und Paprikafrüchten oder unter Glas etwa bei Gurken. Wärme beeinflusst alle Lebensvorgänge der Pflanze. Zu niedrige Temperaturen führen zu Kälteschäden, Anfrieren, unter Umständen zum Erfrieren und Absterben. Späte Frühjahrsfröste verursachen gewöhnlich Kälteschäden, die sich in Vergilben und Wachstumsstillstand zeigen; wärmeliebende Gehölze werfen ihre Früchte ab, Gurken, bei denen es zum sogenannten Kälteschock kommen kann, bleiben eine Zeit lang im Wachstum stehen. Winterfröste richten an Obstgehölzen mitunter ernste Schäden an, die sogenannten Frostrisse. Sie müssen glatt bis ins gesunde Holz ausgeschnitten und mit Baumwachs verstrichen werden, damit durch sie keine Infektion in den Baum gelangt. Unbehandelte Frostrisse und Frostplatten gehen bei Steinobst oft mit Gummifluss einher, bei allen Gehölzen kann eine krebsartige Gewebewucherung entstehen. Die Anfälligkeit für Frostschäden steigt bei Überdüngung mit Stickstoff und wenn die Pflanzen durch Krankheiten, Schädlinge oder Trockenheit geschwächt sind. Hohe Temperaturen führen zu verstärkter Wasserverdunstung; die Pflanzen welken dann (sie verlieren den Turgor, den Zellinnendruck) und können sogar absterben. Wasser ist für das Leben der Pflanzen unentbehrlich, doch sowohl Überschuss als auch Mangel wirken sich sehr ungünstig aus. Bei Wassermangel welken die Pflanzen, bei manchen Kulturen leidet die Qualität, etwa durch Verholzen von Kohlrabi oder Sellerie. Bei jungen, frisch gepflanzten Exemplaren wirkt sich Wassermangel sofort kritisch aus. Hält der Mangel lange an, sterben Gartenpflanzen ab. Bei Wasserüberschuss, vor allem bei plötzlichem (nach heftigen Regengüssen), fallen Früchte ab oder platzen (etwa bei Kirschen und Tomaten), die Bodenoberfläche verschlämmt, der Boden vernässt, das Wachstum kommt zum Stillstand, die Pflanzen vergilben und sterben ab. Ein Wasserüberschuss fördert außerdem die Entwicklung von Krankheiten, besonders von Pilzkrankheiten. Schäden durch Wassermangel begegnen wir mit regelmäßigem Gießen, vor allem bei Kulturen mit hohem Wasserbedarf; bei Überschuss lockern wir umgekehrt rasch die Bodenoberfläche und entwässern dauerhaft vernässte Böden. Luft ist für die Pflanze unentbehrlich, sowohl die atmosphärische als auch die Bodenluft. Luftmangel im Boden hängt meist mit Vernässung zusammen, wenn den Wurzeln der Sauerstoff fehlt. Die Wurzeln werden dann braun und sterben ab, was sich im Absterben der ganzen Pflanze zeigt. Die Luft in der Nähe von Industriebetrieben ist häufig mit einer ganzen Reihe von Schadstoffen belastet, die die Pflanzen entweder direkt schädigen oder sich auf dem Boden ablagern und ihn vergiften. Die einzelnen Pflanzenarten reagieren unterschiedlich empfindlich auf Industrieschadstoffe. Am empfindlichsten sind rote Johannisbeeren und Buschbohnen, die sich deshalb als sogenannte Zeigerpflanzen zur Bestimmung der Luftbelastung eignen. Am gefährlichsten ist Schwefeldioxid, das das Chlorophyll (Blattgrün) abbaut; die Blätter vergilben und fallen schließlich ab. Neben Johannisbeeren sind Apfelbäume empfindlich, weniger schadet es glattblättrigen Obstgehölzen, etwa Birnen und Sauerkirschen. Ein geringer Schwefeldioxidgehalt in der Luft schadet nicht, im Gegenteil bremst er die Entwicklung des Schorfs vor allem an Birnbäumen. Die übrigen Rauchgase schädigen die Vegetation ähnlich wie Schwefeldioxid — die Blätter vergilben und fallen vorzeitig ab. Neben diesen direkten Schäden säuert Schwefeldioxid den Boden an, hemmt die Freisetzung von Phosphor und weiteren Nährstoffen und kann so die Pflanzen erneut schädigen. Die Staubbelastung der Luft ergibt sich vor allem aus dem Flugaschegehalt, daneben aus Stäuben verschiedener Produktionen (Zementwerke) und aus Winderosion. Flugasche und Staub schaden den Pflanzen nicht unmittelbar, bilden bei stärkerem Niederschlag aber einen Belag auf den Blättern, der Fotosynthese (Assimilation) und Transpiration (Verdunstung) einschränkt. Er mindert die Schönheit der Blumen und bei manchen Früchten die Qualität (etwa bei Blumenkohl). Gegen den Einfluss von Industrieschadstoffen lassen sich Pflanzen nicht direkt schützen; indirekt lassen sich Schäden durch die Wahl widerstandsfähiger Arten und Sorten vermeiden. Auch die Bodeneigenschaften wirken sich auf den Gesundheitszustand aus. Leichte, austrocknende Böden bekommen Kernobst, Kohlgemüse sowie Wurzel- und Fruchtgemüse nicht. Schwere, kalte Böden sind für wärmeliebendes Steinobst, für Weinreben und für Zwiebelgewächse ungeeignet — Letzteren bekommen leichtere Böden mit ausreichendem Humusvorrat gut. Auf Grundstücken mit hohem Grundwasserstand gedeihen Obstbäume schlecht, weil der Wasserspiegel nach Regen steigt, den Sauerstoff aus dem Boden verdrängt und die Wurzeln ersticken und absterben. Physiologische Krankheiten treten bei vielen Pflanzen bei ungeeigneter Bodenreaktion auf. So leiden Kernobst und Weinrebe auf Böden mit alkalischer Reaktion unter Chlorose, ebenso wie Gurken, Tomaten und andere. Manchen Zierpflanzen, vor allem Heidepflanzen, schadet ein alkalischer Boden so stark, dass sie sogar absterben können. Physiologische Krankheiten können auch durch Mangel oder Überschuss bestimmter Nährstoffe im Boden entstehen, nicht nur der Hauptnährstoffe Stickstoff, Kalium, Phosphor und Calcium, sondern auch der Spurenelemente. Bei Bormangel zeigt sich etwa an Birnen die sogenannte Steinigkeit, an Äpfeln die Korkigkeit des Fruchtfleischs samt Verformung und Kleinfrüchtigkeit, an Sellerie eine Schwarz- oder Graufärbung des Fleisches, an der Weinrebe ein Vergilben und Aufhellen der Blätter. Bei Molybdänmangel tritt bei Blumenkohl die sogenannte Peitschenblättrigkeit auf (es bildet sich keine Blume). Mit manchen Düngern oder auch mit dem Gießwasser gelangt Chlorid in den Boden; sein Überschuss zeigt sich in der sogenannten Bodenversalzung, die Gartenpflanzen durchweg (außer Weinrebe und Erdbeere) schlecht vertragen. Pflanzen können auch durch Pflanzenschutzmittel selbst geschädigt werden. So vertragen die meisten Apfel- und Birnensorten im belaubten Zustand keine Kupfer- und Schwefelpräparate, die bei ihnen Blattbräune und Berostung der Früchte auslösen können. Auch Pfirsiche und Stachelbeeren sind gegenüber Kupferpräparaten empfindlich, die deshalb während der Vegetationszeit bei ihnen nicht eingesetzt werden sollten. Gurken wiederum reagieren empfindlich auf alle Mittel auf Basis chlorierter Kohlenwasserstoffe (DDT, HCH); nach der Behandlung vergilben ihre Blätter und sterben ab. Zu den physiologischen Krankheiten zählen wir auch verschiedene mechanische Schäden, etwa durch Hagel, Abschürfungen oder Wildverbiss. Offene Wunden sind Eintrittspforten für Infektionen und müssen deshalb unverzüglich versorgt werden. Nadelgehölze werden häufig durch Schnee geschädigt, wenn sie unter der Last von nassem oder gefrorenem Schnee auseinanderbrechen. Auch Raureif kann Gehölze mechanisch schädigen. Eine besondere Gruppe bilden die sogenannten Komplexkrankheiten, die durch das gleichzeitige Wirken mehrerer, vor allem physiologischer Faktoren entstehen. Dazu gehören insbesondere die Apoplexie der Aprikose und die physiologische Chlorose. Die Apoplexie zeigt sich im plötzlichen Welken und Vertrocknen des ganzen Baumes oder eines Teils davon. Ursachen sind niedrige Frühjahrstemperaturen, ein hoher Grundwasserstand, Überdüngung mit Stickstoff und eine ungeeignete Veredlungsart. Die genauen Zusammenhänge sind bis heute nicht geklärt. Die physiologische Chlorose kann durch Wassermangel oder niedrige Frühjahrstemperaturen, angefrorene Wurzeln, Mangel an Stickstoff, Bor und Zink oder einen Kalküberschuss im Boden ausgelöst werden, der die Eisenaufnahme verhindert — die eigentliche Ursache ist dann Eisenmangel. Zusammenfassend lässt sich sagen: Physiologische Krankheiten sind nicht übertragbar, nicht infektiös und meist die Folge einer vernachlässigten Nährstoffversorgung, eines ungeeigneten Standorts oder von Pflegefehlern. Beseitigen lassen sie sich nur, indem man ihre Ursache beseitigt.

Viruskrankheiten bei Pflanzen: Übertragung, Symptome und Vorbeugung

VIRUSKRANKHEITEN 

Viruskrankheiten (Virosen) sind Infektionskrankheiten, die ausschließlich über einen Überträger von kranken auf gesunde Pflanzen gelangen. Der häufigste Virusüberträger sind saugende Insekten, etwa Blattläuse. Manchmal ist der Gärtner selbst der Überträger, wenn er beispielsweise das Gurkenmosaikvirus mit Werkzeug oder Händen von Pflanze zu Pflanze trägt. Gefährlich sind bodenbürtige Viren, die von Nematoden übertragen werden (etwa das Tomatenschwarzringflecken-Virus). Bei manchen Kulturen wird die Viruskrankheit über das Saatgut weitergegeben. Die Symptome von Virosen sind sehr vielfältig; im Grunde lassen sie sich in zwei Gruppen einteilen, von denen die erste durch Farbveränderungen und die zweite durch Formveränderungen gekennzeichnet ist. Zu den häufigsten Farbveränderungen gehören die sogenannten Mosaike mit hellgrünen, gelblichen bis weißlichen Flecken auf den Blättern, außerdem die Blütenpanaschierung, etwa bei Tulpen. Durch eine Virusinfektion treten an den Blättern häufig Verformungen auf, etwa Kräuselung, Einrollen oder Fadenblättrigkeit, bei Blumen verformte Blüten und Sterilität. Manchmal kommt es zu vermindertem Wachstum und Verzwergung. Viruskrankheiten schaden direkt durch geringere Erträge und indirekt durch eine schlechtere Erntequalität. Virusinfizierte Pflanzen sind kleiner, gestaucht, setzen weniger Früchte an, und die Früchte sind von minderer Qualität. Das Saatgut virusinfizierter Pflanzen keimt schlecht, die Sämlinge kümmern. Das Mosaikvirus des Tabaks kann die Ernte an Tomaten und Paprika halbieren. Virusinfizierter Knoblauch bringt einen deutlich geringeren Ertrag und lässt sich schlechter lagern. Scharka kann die gesamte Pflaumenernte entwerten. Virusinfizierter Kopfsalat bildet schlecht Köpfe. Chrysanthemen haben durch Virosen entwertete, verformte Blüten und so weiter. 

Viruskrankheiten der Pflanzen

Der Schutz vor Viruskrankheiten beruht vor allem darauf, die Überträger — saugende Insekten — zu bekämpfen und im Garten peinlich auf Hygiene und Sauberkeit zu achten. Eine weitere wichtige Maßnahme ist, kranke Pflanzen im Bestand früh zu erkennen und sofort zu entfernen (am besten zu verbrennen). Zur Vorbeugung gehören eine richtige Nährstoffversorgung und Pflege, denn gesunde Pflanzen sind widerstandsfähiger gegen eine Ansteckung. Dazu gehört auch, Unkraut zu beseitigen, denn viele Unkräuter sind Wirte von Viren, die auf Kulturpflanzen übergehen. Bei der Arbeit an Tomaten sollte nicht geraucht werden, weil das Virus vom Tabak auf die Tomaten übergehen könnte. Scheren, Messer und andere Werkzeuge, mit denen virusinfizierte Pflanzen beseitigt wurden, müssen mit einer 2- bis 3-prozentigen Formalinlösung oder mit Feuer desinfiziert werden, damit sie die Infektion nicht auf gesunde Exemplare übertragen. Deshalb ist es auch nicht richtig, wenn Gartenfreunde untereinander Edelreiser tauschen. Der wichtigste Weg, Virosen zu beseitigen oder wenigstens einzudämmen, ist die Züchtung virusresistenter Sorten sowie alle staatlichen Maßnahmen dafür, dass Ausgangsmaterial (Edelreiser, Unterlagen, Saatgut, Jungpflanzen) virusfrei ist.

bakterielle Pflanzenkrankheiten

BAKTERIELLE KRANKHEITEN 

 Bakterielle Krankheiten (Bakteriosen) werden von Bakterien verursacht, den einfachsten einzelligen Organismen, die sich bei geeigneter Temperatur und Feuchtigkeit im Körper der Wirtspflanze rasch vermehren und Krankheitssymptome auslösen. Bei den meisten Bakteriosen zeigen sich als erste Symptome wässrige oder fettig durchscheinende Flecken. 

Bakterielle Krankheiten: Feuerbrand, Weichfäule und vorbeugender Schutz

Bakterien verursachen an Pflanzen verschiedene krankhafte Veränderungen: abnorme Gewebewucherungen — es entstehen Wurzelkröpfe und Krebse an allen Obstarten und auch an Zierpflanzen. Gewebezerfall — befallene Pflanzen und ihre Teile werden weich und faulen (etwa die Weichfäule der Zwiebel oder der Knollen von Gladiolen und weiterer Zwiebelblumen). Verstopfung der Leitbündel, die sich im Welken der Pflanzen zeigt (etwa bei Gurken). Eine Bakteriose ist an der Pflanze nicht sofort zu erkennen. Zeigt sie sich, lässt sich die Pflanze meist nicht mehr behandeln. Der Kampf gegen Bakteriosen beruht deshalb vor allem auf Vorbeugung. Das bedeutet richtige Fruchtfolge, gute Pflege, Saatgutbeizung und Bodendesinfektion sowie das sofortige Entfernen und Vernichten befallener Pflanzenteile oder ganzer Pflanzen. Bakteriosen zeigen sich bei Kern- und Steinobst am häufigsten als Feuerbrand, bei Gemüse als Weichfäule.

Pilzkrankheiten im Garten: Mehltau, Schorf und Grauschimmel

PILZKRANKHEITEN

Pilzkrankheiten (Mykosen) werden durch die Tätigkeit verschiedener Pilzarten verursacht und sind die verbreitetsten Krankheiten an Gartenpflanzen. Pilze sind kleine Organismen ohne Chlorophyll, die nicht assimilieren können und ihre Nahrung deshalb durch den Abbau des Gewebes der Wirtspflanze gewinnen. Ihr Körper besteht aus Fäden, die im Inneren oder auf der Oberfläche des Wirtes wachsen und ein Myzel bilden. Sie vermehren sich durch Sporen, mit denen die Krankheit auch auf weitere Pflanzen übergeht. Zu den Pilzkrankheiten zählen viele gefährliche und im Garten sehr unwillkommene Krankheiten mit ganz unterschiedlichen Symptomen. Manche Pilze reizen das Gewebe des Wirtes zum Wuchern und lösen dadurch Verformungen aus, etwa die Kräuselkrankheit des Pfirsichs, die Narrentaschen der Pflaume oder Hexenbesen an Pflaumenbäumen. Eine sehr gefährliche Krankheit ist der Mehltau, dessen Myzel auf der Oberfläche der Wirtspflanzen wächst und sie mit einem weißlichen Belag überzieht. Häufig tritt er an Rosen, Apfelbäumen, Stachelbeeren, Weinreben, an Kürbisgewächsen und auch an Zierpflanzen auf, etwa an Begonien, Dahlien und Chrysanthemen. Weiter zeigen sich Pilzkrankheiten als Schorf an Apfel- und Birnbäumen oder als Blattfleckenkrankheit an Pflaume und Erdbeere. Dazu gehört auch die Anthraknose, die an Walnuss, Chrysanthemen und Johannisbeere auftritt. Ebenso ist die Monilia-Fruchtfäule an Kern- und Steinobst pilzlichen Ursprungs. Eine gefährliche Pilzkrankheit ist an Erdbeeren der Grauschimmel (Botrytis), den eine verwandte Pilzart verursacht und der auch andere Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenarten befällt, etwa Zwiebeln, Lilien und Tulpen usw. An Obstbäumen treten mitunter Rußtaupilze auf. 

Pilzkrankheiten der Pflanzen

Diese Pilze leben auf den zuckerhaltigen Ausscheidungen saugender Insekten und schaden der Pflanze selbst eigentlich nicht. Sie bilden aber auf der Oberfläche der Pflanzenorgane schwarze, rußartige Beläge und entwerten dadurch die Früchte, von denen sich der schwarze Belag schlecht entfernen lässt und die sich schlechter lagern lassen, oder sie schränken die Assimilation der Blätter ein. Pilze dieser Gruppe treten an Obstgehölzen, an Gemüse (GurkenTomaten, Karotten) und an Blumen (Nelken, Schwertlilien) auf. Pilzkrankheiten gibt es viele, und wir bekämpfen sie vorbeugend durch Beizen von Saatgut und Jungpflanzen sowie durch eine Behandlung mit einem geeigneten Fungizid.

Tierische Pflanzenschädlinge: Wer bedroht Ihren Garten

Pflanzenschädlinge

An Pflanzen schaden zahlreiche Tiere aus den unterschiedlichsten Gruppen des Tierreichs. Wurzeln und Fruchtfleisch fressen verschiedene Käferlarven (Engerlinge, Drahtwürmer) und Schmetterlingsraupen, außerdem Schermäuse und Mäuse. An den Blättern schaden verschiedene saugende Insekten wie Blattläuse, Schildläuse und Spinnmilben sowie eine große Zahl weiterer Schädlinge, vor allem Käfer und Raupen, durch ihren Fraß. 

Unter den Vögeln schaden Amsel, Sperling und Star. Erhebliche Schäden können Hase und Kaninchen anrichten, besonders im Winter an jungen Bäumen. Der Schutz vor tierischen Schädlingen unterscheidet sich stark danach, um welchen Schädling es geht und an welcher Pflanze er auftritt. Das ist bei jeder beschriebenen Pflanze angegeben.

Unkraut als verborgener Feind: wie Sie es dauerhaft loswerden

Unkraut

Zu den Schädigern der Kulturpflanzen zählen wir zu Recht auch das Unkraut. Es nimmt den Pflanzen Platz, Wasser und Nährstoffe, unterdrückt sie, ist Wirt von Krankheiten und tierischen Schädlingen und mindert dadurch Ertrag und Fruchtqualität; zudem verschlechtert es das Bild der Beete und des ganzen Gartens. Unkräuter sind einjährig oder ausdauernd. Von den einjährigen gibt es viele, sie vermehren sich über Samen und sind nicht schwer loszuwerden. Je jünger wir die Pflänzchen ziehen, desto besser — sie schaden weniger und lassen sich leicht herausziehen. 

Unkraut im Garten

Wir dürfen sie nicht blühen lassen — sie würden sich zu stark vermehren. Blühende Unkräuter geben wir auch nicht auf den Kompost, denn viele Unkrautsamen reifen dort nach, und mit solchem Kompost verunkrautet man später die Beete. Ein heiß laufender Kompost wird mit Unkrautsamen selbst fertig — er braucht dafür über 55 °C, die er erreicht, wenn der Haufen groß genug und feucht ist und ein- bis zweimal umgesetzt wird. Desinfizieren Sie den Kompost nicht chemisch: Die früher dafür empfohlenen Mittel sind verbotene Bodenentseuchungsmittel und würden auch die Regenwürmer und Mikroorganismen töten, wegen derer Sie den Kompost eigentlich anlegen. Ausdauernde Unkräuter wird man schwerer los. Sie vermehren sich meist über unterirdische Teile und wachsen auch nach dem Entfernen des oberirdischen Teils weiter. Beim Jäten muss deshalb die ganze Wurzel oder der Wurzelstock vorsichtig herausgezogen werden. Am besten gelingt das nach Regen, wenn der Boden weich ist. Neben dem mechanischen Entfernen durch Jäten und Hacken lässt sich Unkraut auch mit chemischen Mitteln — Herbiziden — beseitigen. Ihr Einsatz im Hausgarten ist allerdings heikel. Es müssen die genaue Konzentration und eine bestimmte Brühemenge je Flächeneinheit eingehalten werden. Bei jeder Ungenauigkeit können auch Kulturpflanzen geschädigt werden.

Biologischer Pflanzenschutz: Marienkäfer, Schlupfwespen und Nützlinge

Wege des Pflanzenschutzes

ZÜCHTERISCHE UND GÄRTNERISCHE MASSNAHMEN

Züchterische Maßnahmen sind ein indirekter Weg des Schutzes vor Schädlingen und Krankheiten. Züchter arbeiten daran, Sorten zu gewinnen, die gegen Schadfaktoren widerstandsfähig sind. Mit solchen widerstandsfähigen Sorten sinkt die Befallswahrscheinlichkeit und damit die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen. Im Hausgarten sollten wir bei allen Arten widerstandsfähige Sorten verwenden, sofern sie bereits gezüchtet wurden. Gärtnerische Maßnahmen sind alle Eingriffe, mit denen wir die günstigsten Bedingungen für Wachstum und Entwicklung schaffen. Gesunde, kräftige Pflanzen, die von Jugend an in einem geeigneten Umfeld wachsen, sind widerstandsfähiger gegen Schadfaktoren, während schwache, unterversorgte und unter ungünstigen Bedingungen wachsende Pflanzen leicht Infektionen und Schädlingen erliegen.

MECHANISCHER PFLANZENSCHUTZ 

Unter mechanischem Pflanzenschutz verstehen wir alle mechanischen Eingriffe, die vor allem Infektionsquellen und deren Folgen beseitigen. Dazu gehören das Entfernen aller Ernterückstände, befallener Pflanzen und Pflanzenteile, etwa von Fruchtmumien oder Raupennestern, das Entfernen von Unkraut als Träger und Wirt zahlreicher Infektionen und Schädlinge sowie Schutznetze und andere Hilfsmittel, die reifendes Obst und Trauben vor schädlichen Vögeln schützen.

BIOLOGISCHER PFLANZENSCHUTZ — DER WEG MIT ZUKUNFT

Beim biologischen Pflanzenschutz setzt der Mensch gezielt unschädliche lebende Organismen ein, um Schadorganismen zu vernichten oder zu begrenzen. In der Natur gibt es nämlich viele Tiere, die natürliche Gegenspieler von Pflanzenschädlingen sind. Der Gärtner kann das nutzen, indem er die Entwicklung von Nützlingen fördert, sie nicht vernichtet, sondern ihnen im Gegenteil einen natürlichen oder künstlichen Winterunterschlupf bietet oder sie sogar künstlich vermehrt und an gefährdeten Stellen gegen Schädlinge einsetzt. Es ist sehr wichtig, dass Gartenfreunde Nützlinge von Schädlingen unterscheiden können. So findet man im August an Kohlblättern kleine gelbliche Kokons der Schlupfwespe Cotesia glomerata. Gartenfreunde halten sie oft irrtümlich für Eier des Großen Kohlweißlings und vernichten sie — zu ihrem eigenen Nachteil. Die Schlupfwespe gehört nämlich zu den Nützlingen: Ihr Weibchen legt die Eier in die Raupen des Kohlweißlings. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die die Raupe töten, indem sie von ihr leben, sich dann nach außen durchnagen und sich auf den Blättern verpuppen. Aus jedem Kokon schlüpft eine Schlupfwespe, die wiederum hilft, Kohlweißlingsraupen zu dezimieren. Die Schlupfwespe zu schonen ist biologischer Pflanzenschutz gegen den Kohlweißling. Allgemein bekannt ist, dass wir gegen Blattläuse mit den Marienkäfern — dem Siebenpunkt wie dem Zweipunkt — einen hervorragenden Helfer haben. Käfer wie Larven ernähren sich von Blattläusen und können ganze Kolonien in kurzer Zeit dezimieren. Ältere Gartenfreunde sammelten Marienkäfer früher in der Natur und setzten sie auf ihre von Blattläusen befallenen Bäume. Dieser biologische Pflanzenschutz brachte gute Ergebnisse. Marienkäfer helfen auch gegen Schild- und Deckelschildläuse. Die Entwicklung der Blattläuse begrenzen ebenso die Larven verschiedener Arten, etwa von Schwebfliegen und Florfliegen, aber auch von Schlupfwespen. Diesen Nützlingen helfen wir, indem wir ihnen einen Winterunterschlupf bieten und an verschiedenen Stellen des Gartens kleine Haufen aus Laub oder Kartoffelkraut liegen lassen. Die Raupen mancher Schmetterlingsschädlinge, etwa der Weißlinge oder der Erdeulen, unterliegen häufig Epidemien, die durch Virusinfektionen ausgelöst werden. Solcher Beispiele des biologischen Kampfes, der in der Natur abläuft, ließen sich noch viele nennen. Auf den ersten Blick könnte es also scheinen, es sei nicht besonders schwer, die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge auf geeignete Weise zu vermehren und an gefährdeten Stellen einzusetzen. Der praktische Einsatz des biologischen Pflanzenschutzes in Gärten in größerem Maßstab ist allerdings aus mehreren Gründen heikel: Die nötigen Nützlinge, Viren oder Bakterien unter Laborbedingungen zu vermehren oder heranzuziehen ist verhältnismäßig aufwendig. Der überwiegende Teil dieser Gegenspieler ist nicht nur auf eine bestimmte Art ausgerichtet und befällt auch andere, mitunter harmlose Arten. Auch vermehrte Nützlinge verteilen sich nach dem Freilassen in der Natur stark, sodass das praktische Ergebnis klein oder unbedeutend bleibt. Dem gezielten Einsatz des biologischen Kampfes steht außerdem entgegen, dass jede Nützlingsart besondere Ansprüche hat — sowohl an ihr eigenes Leben als auch an die Wirkung gegen den Schädling. In der Praxis lassen sich diese Bedingungen oft nicht schaffen. Die Forschung beschäftigt sich weiter damit, wie sich der biologische Pflanzenschutz in der Praxis besser nutzen lässt. Gartenfreunde können lediglich die genannten Arten fördern und darüber hinaus die nützlichen Vögel, die besonders zur Brutzeit für sich und ihre Jungen große Mengen an Insekten, Raupen und Puppen verbrauchen. Der biologische Weg des Schutzes vor Schädlingen und Krankheiten hat Zukunft; er sollte den Umfang des Einsatzes chemischer Stoffe verringern, von denen einige zu den gefährlichen Giften zählen. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die Menschheit jede Möglichkeit begrüßen würde, Krankheiten und Schädlinge ohne Chemikalien zu bekämpfen. Beim heutigen Stand von Wissenschaft und Technik kommen wir daran jedoch nicht vorbei, und so bleibt der Schwerpunkt des Pflanzenschutzes weiterhin der chemische Pflanzenschutz.

Fungizide und Insektizide: Übersicht der chemischen Pflanzenschutzmittel

CHEMISCHER PFLANZENSCHUTZ — WEITERHIN NÖTIG 

Pflanzenärzte und Tierärzte befassen sich eingehend mit chemischen Pflanzenschutzmitteln, mit ihrer möglichen Schädlichkeit für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie mit der Wirkung der Rückstände, die nach der Behandlung auf oder in den Pflanzen verbleiben können. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sind für jede Chemikalie Grenzwerte festgelegt, die eingehalten werden müssen. Es geht vor allem um die sogenannte Wartezeit, also die Zeitspanne, die zwischen der letzten Anwendung eines chemischen Stoffes und der Ernte der behandelten Pflanze oder Früchte liegen muss. Werden die festgelegten Grundsätze zu Menge, Konzentration und Anwendungszeitpunkt (nach der Gebrauchsanleitung auf der Verpackung) eingehalten, sind die Verbraucher vor möglichen Schäden geschützt. Der Einsatz chemischer Stoffe bringt jedoch nicht nur gesundheitlich-hygienische Fragen mit sich, sondern auch weitere. Das ist vor allem der Einfluss dieser Stoffe auf die Qualität von Gemüse und Obst, der sich etwa im Geschmack der Früchte zeigt. Manchmal fällt er schon beim Rohverzehr auf, manchmal — besonders bei Gemüse — beeinflussen die chemischen Stoffe und ihre Rückstände den Geschmack von Erzeugnissen aus chemisch behandeltem Gemüse. Neben gesundheitlichen Gründen sprechen also auch geschmackliche dafür, chemische Mittel zurückhaltend einzusetzen und die Wartezeiten einzuhalten. 

chemischer Pflanzenschutz

Der chemische Pflanzenschutz teilt sich in vorbeugende Eingriffe, mit denen Pflanzen im Voraus vor einem Befall durch Schädlinge oder Krankheiten geschützt werden, und in behandelnde Eingriffe, mit denen bereits befallene Pflanzen behandelt werden. Zu den vorbeugenden Eingriffen zählen vor allem das Beizen von Saatgut und Jungpflanzen sowie Spritzungen gegen verschiedene Pilzkrankheiten (etwa Falschen Mehltau oder Schorf) und gegen verschiedene tierische Schädlinge (Kirschfruchtfliege, Apfelwickler). Wirksam sind sie nur, wenn wir zum biologisch günstigsten Zeitpunkt eingreifen. Behandelnde Eingriffe setzen wir ein, wenn die Pflanzen bereits von einer Krankheit oder einem Schädling befallen sind. Meist geht es dabei nur darum, die weitere Ausbreitung zu begrenzen. Chemisch behandeln wir auf verschiedene Weise — mit Spritzungen, Stäubemitteln, Aerosolen oder Räuchermitteln. Es gibt kein Universalmittel, das Pflanzen vor allen Krankheiten und Schädlingen schützt. Bestimmte Mittel wirken deshalb nur gegen bestimmte Schadfaktoren.

Chemische Pflanzenschutzmittel

Chemische Stoffe für den Pflanzenschutz (Pestizide) unterteilen wir nach ihrer Wirkung auf den Schadfaktor in folgende Gruppen: Fungizide — pilztötende Stoffe, Insektizide — insektentötende Stoffe, Akarizide — Mittel gegen Spinnentiere, etwa Spinnmilben, Rodentizide — Mittel gegen Nagetiere, Molluskizide — Mittel gegen Schnecken, Nematizide — Mittel gegen Nematoden, Repellents — Stoffe, die Schädlinge fernhalten, Herbizide — unkrautvernichtende Stoffe.

FUNGIZIDE

Fungizide — pilztötende Mittel — sind chemische Stoffe gegen Pilzkrankheiten, die meist vorbeugend vor dem Auftreten der Krankheit eingesetzt werden. In höheren Konzentrationen können sie Pflanzen oder Pflanzenteile schädigen. Manche sind sogar hochgiftig (Quecksilberpräparate). Fungizide unterteilen wir in kupferhaltige, schwefelhaltige, organische und quecksilberhaltige. Kupferfungizide wirken gegen viele parasitische Pilze, ausgenommen die Gruppe der Echten Mehltaupilze. Im Garten werden sie gegen die meisten Krankheiten der Gartenkulturen eingesetzt (Falscher Mehltau der Weinrebe, Kraut- und Braunfäule der Tomate, Sellerieblattfleckenkrankheit und andere). Viele Pflanzen reagieren empfindlich auf Kupferpräparate; an vielen Apfelsorten verursachen sie etwa Blattverbrennungen und Berostung der Früchte. Empfindlich sind ebenso manche Sorten von Birne, Stachelbeere und Pfirsich. Gespritzt werden darf spätestens zwei Wochen vor der Ernte. Ein klassisches und vielfach bis heute verwendetes Kupferpräparat ist die sogenannte Bordeauxbrühe — eine Mischung aus Kupfersulfatlösung und Kalkmilch. Eine wirksame einprozentige Brühe erhält man, indem man 1 kg Kupfersulfat in 50 Litern Wasser löst und in derselben Wassermenge (aber in einem anderen Gefäß) 1 kg Branntkalk (oder 2 kg gelöschten Kalk) löst. Dann gießt man unter ständigem Rühren die Kupfersulfatlösung in die Kalklösung. Die Brühe muss sofort verbraucht werden, sonst verliert sie ihre Wirkung. Von den industriell hergestellten Mitteln sind bei uns Fungizide mit Kupferoxychlorid oder Kupferhydroxid erhältlich. Welche konkreten Mittel für welche Kulturen zugelassen sind, prüfen Sie immer im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL — das Angebot ändert sich jedes Jahr, und ältere Marken aus Ratgebern sind längst nicht mehr erhältlich. Schwefelfungizide enthalten Schwefel als Wirkstoff. Sie wirken gegen alle Pilze aus der Gruppe der Echten Mehltaupilze und gegen manche anderen Pilzkrankheiten, etwa gegen Schorf. Außerdem töten sie Spinnmilben und andere Spinnentiere ab. Die Wirkung von Schwefelpräparaten lässt bei Temperaturen unter 18 °C nach. Bei hohen Temperaturen (über 25 °C) besteht die Gefahr von Blattverbrennungen an den behandelten Pflanzen. Manche Pflanzen vertragen Schwefelpräparate überhaupt nicht, etwa Stachelbeere, manche Apfel- und Birnensorten, Himbeere und Johannisbeere. Schwefelpräparate werden bis heute verkauft — als Spritzmittel mit Netzschwefel, als Stäubeschwefel und als Präparate auf Basis von Kalkschwefelbrühe für die Winterbehandlung. Sie sind auch im ökologischen Anbau zulässig, was ihr großer Vorteil ist. Welche Mittel gerade zugelassen sind und für welche Kulturen, finden Sie im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL. Durch organische Fungizide werden die bisher verwendeten Mittel zunehmend ersetzt. Diese Fungizide verursachen im Unterschied zu Kupfer- und Schwefelpräparaten keine Blattverbrennungen und lassen sich auch bei empfindlicheren Pflanzen einsetzen. Organische Fungizide haben unterschiedliche chemische Zusammensetzungen und bewähren sich in der Praxis sehr gut. Wir spritzen mit ihnen gegen Schorf, gegen Falschen Mehltau der Weinrebe sowie gegen Fäulen an Erdbeere und Salat; als Gießbehandlung werden sie gegen das Umfallen der Keimlinge eingesetzt. Organische Fungizide sind heute am zahlreichsten im Angebot und wechseln laufend, weil die EU die einzelnen Wirkstoffe neu bewertet und manche streicht. Genau deshalb nennen wir hier keine konkreten Marken — die Liste der für Ihre Kultur und Krankheit zugelassenen Mittel finden Sie im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL und prüfen Sie auf der Verpackung, ob Ihre Kultur tatsächlich aufgeführt ist.

🚨 Vorsicht bei älteren Ratgebern und Büchern. In der Gartenliteratur des vorigen Jahrhunderts werden ganz selbstverständlich Wirkstoffe empfohlen, die heute überhaupt nicht mehr angewendet werden dürfen — beispielsweise Mancozeb, Benomyl, Chlorthalonil, Thiophanat-methyl, Dichlofluanid oder Dinocap. Der schwerwiegendste Fall sind quecksilberhaltige Beizmittel: Organische Quecksilberverbindungen gehören zu den giftigsten Pestiziden, die je eingesetzt wurden; in der Bundesrepublik wurden sie bereits 1984 verboten. Falls Sie ein solches Mittel zu Hause finden, verwenden Sie es nicht und geben Sie es als Sondermüll bei der Schadstoffsammlung ab.

INSEKTIZIDE

Insektizide — insektentötende Mittel — sind chemische Stoffe, die schädliche Insekten in verschiedenen Entwicklungsstadien abtöten. Nach der Art, wie sie den Schädling erreichen, unterteilt man Insektizide in Fraßgifte (die Vergiftung erfolgt über den Verdauungstrakt), Kontaktgifte (sie dringen durch die Körperoberfläche ein) und Atemgifte (sie gelangen über die Tracheen in den Körper). Viele insektentötende Mittel wirken kombiniert. Insektizide sind Stoffe zur Bekämpfung schädlicher Insekten. Unter diese Bezeichnung fassen wir in der Praxis aber häufig auch Stoffe gegen andere Gruppen von Schadtieren, etwa Molluskizide, Rodentizide und Akarizide. Das Angebot an Insektiziden für den Hausgarten ist heute deutlich schmaler als früher und ändert sich schnell — ein großer Teil der alten Organophosphate und chlorierten Verbindungen ist verboten. Welche Mittel konkret zugelassen sind, finden Sie deshalb im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL nach Kultur und Schädling.

🚨 Insektizide aus älteren Ratgebern nicht verwenden. Dazu gehören außerordentlich giftige Wirkstoffe wie Parathion-methyl, Mevinphos, Endosulfan oder Lindan — Stoffe, die heute nirgendwo in der EU mehr angewendet werden dürfen. Verboten sind auch Bodenentseuchungsmittel gegen Nematoden auf Basis von 1,3-Dichlorpropen und Methylisothiocyanat. Falls Sie solche Mittel in einem alten Schuppen finden, wenden Sie sie nicht an und geben Sie sie bei der Schadstoffsammlung ab.

Für den Garten sind heute diese Gruppen praktischer und sicherer:

  • Mittel auf Basis von Raps- oder Paraffinöl — für die Winterbehandlung gegen überwinternde Schädlinge und Spinnmilbeneier.
  • Mittel mit Kaliumsalzen von Fettsäuren (Schmierseifenpräparate) gegen Blattläuse und Weiße Fliegen, mit kurzer oder ganz ohne Wartezeit.
  • Biologische MittelBacillus thuringiensis gegen Raupen, dazu Räuber und Parasitoide fürs Gewächshaus (die Raubmilbe Phytoseiulus gegen Spinnmilben, die Schlupfwespe Encarsia gegen Weiße Fliegen).
  • Pheromonfallen bei Apfel- und Pflaumenwickler — sie schützen für sich genommen nicht, sagen Ihnen aber, wann eine Behandlung überhaupt sinnvoll ist.
  • Molluskizide auf Eisen-III-Phosphat-Basis gegen Schnecken; sie sind für Haustiere und Igel sicherer als ältere Metaldehyd-Köder.

Für welches Mittel Sie sich auch entscheiden: Prüfen Sie immer auf der Verpackung, ob es für Ihre Kultur zugelassen ist, und halten Sie die Wartezeit ein.

Herbizide

HERBIZIDE

Herbizide sind chemische Mittel zur Unkrautbekämpfung. Praktisch unterteilt man sie in Total- und Auswahlherbizide (selektive). Totalherbizide vernichten die gesamte Vegetation und werden deshalb gegen Unkraut auf Wegen, Höfen, Sportplätzen und Ähnlichem eingesetzt; heute sind das meist Mittel auf Basis von Pelargonsäure oder Glyphosat. Auswahlherbizide schädigen oder vernichten das Unkraut, schaden Kulturpflanzen aber nicht. 

Herbizide und Hilfsstoffe: Unkraut bekämpfen und Spritzbrühen pflegen

Wichtig ist allerdings, die zugelassene und empfohlene Herbizidmenge je Flächeneinheit in der vorgeschriebenen Konzentration einzuhalten und das Mittel im richtigen Wachstumsstadium sowohl des Unkrauts als auch der Kulturpflanze anzuwenden. Das Sortiment an Herbiziden für den Hausgarten hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von allen Gruppen am stärksten verengt. Zugelassene Mittel prüfen Sie immer im Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL — bei Herbiziden ist das unbedingt nötig, denn ein für eine Kultur zugelassenes Mittel kann eine andere Kultur vernichten.

🚨 Die in älteren Ratgebern genannten Herbizide sind heute ausnahmslos verboten. Der schwerwiegendste Fall ist das Mittel Gramoxone mit dem Wirkstoff Paraquat: Es handelt sich um eines der gefährlichsten Pestizide der Geschichte — schon eine kleine verschluckte Menge führt zu einer irreversiblen Schädigung der Lunge, und ein Gegenmittel gibt es nicht. In der EU ist es seit 2007 verboten. Verboten sind ebenso Atrazin, Trifluralin und Linuron. Falls Sie ein solches Mittel finden, verwenden Sie es auf keinen Fall und geben Sie es als Sondermüll bei der Schadstoffsammlung ab.

Im Garten lohnt es sich beim Unkraut heute am meisten, ganz ohne Herbizid auszukommen: mulchen, den Boden bedecken, Unkraut vor dem Aussamen jäten und ausdauernde Arten wiederholt schwächen. Das ist langsamer, aber dauerhafter — und bei Gemüse und Erdbeeren entfällt damit die Sorge um Wartezeiten.

HILFSSTOFFE 

Hilfsstoffe im Pflanzenschutz sind vor allem Zusätze, die den Spritzbrühen beigegeben werden, um deren Haftung zu verbessern; es handelt sich um Netz- und Haftmittel auf Basis nichtionischer Tenside. Dazu gehören außerdem Leime, mit denen wir manchen Schädlingen den Weg in die Baumkrone versperren, etwa Frostspannern oder den Larven der Pflaumenschildlaus. Dafür dienen Leimringe am Stamm. Baumwachse werden beim Veredeln und zum Verstreichen von Wunden verwendet, damit diese gut verheilen und keine Infektion durch die offene Wunde in die Pflanze gelangt; dafür gibt es Baumwachse und Wundbalsame.

Wie Sie Spritzmittel richtig mischen und was Sie niemals tun sollten

Pflanzenschutzmittel mischen

Mit dem Mischen von Mitteln wollen wir in einem Arbeitsgang eine doppelte Wirkung erzielen, etwa gegen Pilzkrankheiten und Insektenschädlinge zugleich. Nicht alle Mittel eignen sich jedoch zum Mischen — das hängt von ihrer chemischen Zusammensetzung ab. In der Gebrauchsanleitung des Herstellers steht gewöhnlich, ob sich das Mittel mit einem anderen mischen lässt. 

Mischen von Pflanzenschutzmitteln

Beim Mischen werden die Aufwandmengen keines der beiden Mittel verringert; sie bleiben gleich wie bei getrennter Anwendung. Wir mischen die Mittel nicht auf Vorrat, sondern immer erst unmittelbar vor der Anwendung, und zwar indem wir die Lösungen zusammengeben. Das heißt: Wir mischen die Mittel nicht im konzentrierten Zustand, sondern rühren jedes vorher einzeln in einer kleinen Wassermenge an und gießen sie erst dann zusammen und füllen mit Wasser auf.

Sicherheit beim Umgang mit chemischen Mitteln: Schutz von Gesundheit und Natur

Hygiene- und Sicherheitsvorschriften einhalten

Chemische Mittel setzen wir vorsichtig ein. Bei falscher Anwendung droht die Gefahr, Pflanzen zu schädigen oder zu vernichten und der Gesundheit von Tieren oder Menschen zu schaden. Deshalb dürfen Kinder und nicht unterwiesene Personen nicht mit chemischen Mitteln umgehen. Wer ein chemisches Mittel verwendet, muss sich zuerst mit seinen Eigenschaften vertraut machen. 

Auf jeder Verpackung stehen die wichtigsten Angaben. Wird ein Mittel aus einer größeren Packung abgefüllt, ist derjenige, der abfüllt, verpflichtet, diese Angaben auch auf die kleine Packung zu übertragen. Mittel werden heute mit Piktogrammen und Standardsätzen nach dem europäischen GHS/CLP-System gekennzeichnet — die älteren Gefahrensymbole mit schwarzem Bild auf orangem Grund (T+, T, Xn) werden nicht mehr verwendet, auch wenn Sie sie in älteren Büchern finden. Achten Sie auf der Verpackung auf:

  • Piktogramme — Totenkopf mit gekreuzten Knochen (akute Toxizität), Ausrufezeichen (gesundheitsschädlich oder reizend), Silhouette des Oberkörpers (Langzeitwirkungen, etwa Verdacht auf krebserzeugende Wirkung), toter Fisch und Baum (gewässergefährdend).
  • Signalwort — „Gefahr“ ist die schwerere Kategorie als „Achtung“.
  • H-Sätze (was das Mittel bewirkt) und P-Sätze (wie Sie sich schützen).
  • Den Bienenschutzhinweis und die Wartezeit — bei Kulturen, die geerntet werden, ist das die praktischste Angabe auf dem ganzen Etikett.

Für Hobbygärtner gilt eine praktische Regel: Mittel für den nicht beruflichen Gebrauch tragen die Kennzeichnung „Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich“. Was nur für berufliche Anwender bestimmt ist, kauft man nicht für den Garten, denn dafür ist ein Sachkundenachweis nötig. Mit als giftig gekennzeichneten Mitteln sollten wir besonders vorsichtig arbeiten. Auf der Verpackung steht, ob das Mittel bienengefährlich oder bienenungefährlich ist. Wir verwenden lieber bienenungefährliche Mittel; bienengefährliche setzen wir vorsichtig nur dann ein, wenn keine Bienen fliegen. Bei jedem Mittel ist außerdem die Wartezeit angegeben, während der seine Rückstände in den behandelten Pflanzen verbleiben. Sie legt fest, wie lange vor der Ernte das Mittel zuletzt angewendet werden darf. Würde ein solches Mittel auch eine Kultur treffen, die bald geerntet werden soll (etwa wenn beim Spritzen der Apfelbäume Spritznebel auf ein Erdbeerbeet oder auf Johannisbeersträucher abdriftet), muss die getroffene Kultur sofort ausreichend mit klarem Wasser abgespritzt werden. Besser ist es allerdings, die Unterkultur mit Zeitungspapier oder Folie abzudecken, damit das Mittel gar nicht erst auf sie gelangt. Um Verbrennungen an den behandelten Pflanzen zu vermeiden, spritzen wir an einem bedeckten Tag früh am Morgen oder noch besser gegen Abend, bei Windstille; niemals tagsüber bei praller Sonne. Bei der Winterspritzung verwenden wir gröbere Düsen; mit der Brühe sparen wir nicht, denn die Bäume sollen buchstäblich gewaschen werden. Bei Spritzungen in der Vegetationszeit verwenden wir feine Düsen und achten darauf, dass die Brühe nicht von Blättern oder Früchten heruntertropft. Dabei hilft ein höherer Druck in der Spritze. Mittel dürfen nicht anders angewendet werden, als es in der Gebrauchsanleitung steht. Die angegebenen Konzentrationen sind die geeignetsten und erprobt; ihre Einhaltung sollte eine gute Wirkung sichern. Sowohl eine Erhöhung als auch eine Verringerung der Konzentration ist nutzlos und oft schädlich. Bei der Arbeit mit chemischen Mitteln sind Schutzkleidung, Gummihandschuhe, Gummistiefel, eine Kopfbedeckung und ein Gesichtsschutzschild oder eine Schutzbrille zu tragen. Während der Arbeit darf nicht gegessen, getrunken und geraucht werden. Nach der Arbeit muss man sich mit warmem Wasser und Seife waschen. Mittel werden in Originalverpackungen getrennt von Lebensmitteln gelagert. Unbefugte sollen keinen Zugang zu ihnen haben. Spritzbrühereste niemals in den Kompost gießen, auch nicht in die Kanalisation, in einen Regeneinlauf oder an eine einzige Stelle im Garten. Am besten mischt man nur so viel an, wie man verbraucht; einen etwaigen Rest mit Wasser verdünnen und auf dieselbe Kultur ausbringen, für die das Mittel bestimmt war, unter Einhaltung der insgesamt zugelassenen Aufwandmenge. Gießen Sie niemals etwas in der Nähe von Brunnen, Gewässern und Teichen aus. Leere Verpackungen nicht verbrennen — spülen Sie sie dreimal mit Wasser aus (das Spülwasser geben Sie in die Spritzbrühe) und geben Sie sie in die Wertstoffsammlung; nicht verbrauchte Mittel gehören als Sondermüll zur Schadstoffsammlung. Gelangt ein Mittel ins Auge, muss das Auge mit einem Strahl sauberen Wassers ausgespült und ärztliche Hilfe aufgesucht werden. Bei Verschlucken ist Erbrechen auszulösen und die betroffene Person zum Arzt zu bringen. Vorher darf weder Essen noch Trinken verabreicht werden. Bei Hautkontakt wird die betroffene Stelle mit Wasser und Seife gewaschen und mit einem Wasserstrahl abgespült.