Lebensumgebung für Pflanzen: was jede Gartenpflanze braucht
Erfahren Sie, welche Bedingungen Pflanzen zum Gedeihen benötigen. Licht, Wärme, Feuchtigkeit, Luft und der richtige Boden — ein umfassender Ratgeber zur Lebensumgebung für Pflanzen im Garten.
Warum Pflanzen die Grundlage des Lebens auf der Erde sind
LEBENSUMGEBUNG FÜR PFLANZEN
Pflanzen sind die ursprünglichsten Bewohner unseres Planeten – sie sind die ersten Lebewesen, die auf der Erde erschienen. Erst danach begannen Vertreter des Tierreichs aufzutreten. Dies liegt daran, dass nur Pflanzen in der Lage sind, Nährstoffe in Form von Mineralstoffen aufzunehmen und sie in organische Verbindungen umzuwandeln, die für die Ernährung aller Tiere geeignet sind. Aus dieser Perspektive sind auch wir Menschen, als Vertreter der höchsten Entwicklungsstufe im Tierreich, im Grunde auf Pflanzen als Quelle aller Ernährung angewiesen.
Aufbau der Pflanzenzelle: vom Chlorophyll bis zu den Chromosomen
ZELLE Die grundlegende Baueinheit des pflanzlichen Körpers sind Zellen unterschiedlicher Form und Größe. Das Innere der Zelle besteht aus einem lebenden Teil (Protoplasma) und aus nicht lebenden Teilen. Das Protoplasma gliedert sich in vier Bestandteile mit verschiedenen Funktionen: Zellkern, Zellplasma, Plastiden und Mitochondrien. Der Zellkern besteht aus komplexen Proteinen und steuert die Lebensprozesse in der Zelle und damit auch in der gesamten Pflanze. Das Zellplasma (Zytoplasma) ist eine halbflüssige Masse, die überwiegend aus Proteinen besteht. Die Oberflächenschicht des Zytoplasmas ist halbdurchlässig. Im Zytoplasma sind gemeinsam der Kern, die Plastiden und die Mitochondrien eingelagert. Das Innere junger Zellen ist vollständig mit Zytoplasma ausgefüllt. Wenn die Zelle wächst, entstehen im Zytoplasma Hohlräume, sogenannte Vakuolen, die mit Zellsaft gefüllt sind. Für Hobbygärtner ist gerade die Funktion der Vakuolen interessant, da der Zellsaft verschiedene Säuren (Apfelsäure, Weinsäure, Essigsäure u. a.), Gerbstoffe, Pektine, Mineralsalze u. a. enthält. Das Verhältnis dieser Stoffe bestimmt die Geschmackseigenschaften von Obst. Die rote, violette und blaue Färbung des Saftes wird durch Farbstoffe namens Anthocyane verursacht — z. B. in Heidelbeerfrüchten, in der Wurzel der roten Rübe und in den Blüten blauer Stiefmütterchen.
Plastiden sind kleine lebende Körperchen, die im Zytoplasma gespeichert sind und sich in Farbe und Funktion unterscheiden. Farblose Plastiden befinden sich hauptsächlich in Speicherorganen — Wurzeln, Knollen und Samen. In ihnen wird vor allem Reservestärke gespeichert. Grüne Plastiden (Chloroplasten) enthalten den grünen Farbstoff Chlorophyll, mit dem Pflanzen in der Lage sind, Sonnenenergie zu speichern und bei der Assimilation zu nutzen. Chlorophyll bildet sich nur im Licht. Diese Plastiden enthalten auch rote Farbstoffe — Carotine und gelbe Xanthophylle, die jedoch vom grünen Farbstoff Chlorophyll überdeckt werden. Sie treten erst im Herbst hervor, wenn das Chlorophyll abgebaut wird. Deshalb werden die Blätter im Herbst gelb und rot. Farbige Plastiden enthalten den roten Farbstoff Carotin und den gelb bis braunen Farbstoff Xanthophyll. Diese verursachen die Färbung von Früchten, Kronblättern und einigen Wurzeln (z. B. Hagebutte, Tomate, Paprika, Möhrenwurzel, gelbe und rote Blüten usw.).
Eine Art von Plastiden kann in eine andere Art übergehen. Zum Beispiel wandeln sich grüne Plastiden in der Tomatenfrucht beim Reifen in rote um, farblose Plastiden in der Kartoffelknolle verwandeln sich in grüne, wenn die Knolle oder ein Teil davon dem Licht ausgesetzt wird, und grüne Plastiden in oberirdischen Teilen (Chikorée-Knospen, Spargelsprossen, Porreeblätter) verwandeln sich beim Abdecken vor dem Licht in farblose — dieses Phänomen wird beim Bleichen dieser Delikatessgemüse genutzt.
Die Zellmembran bestimmt Form und Größe der Zelle, trennt sie von der Außenumgebung oder von benachbarten Zellen. In den Membranen befinden sich Kanälchen, durch die Lösungen von Zelle zu Zelle übergehen. In ältere Zellmembranen wird Lignin eingelagert, die Membranen verholzen (z. B. in verholzenden Trieben), oder Korksubstanz wird eingelagert, die Membranen verkorten. Häufig werden Mineralstoffe eingelagert, durch die die Membran verstärkt wird (z. B. Siliziumdioxid bei Seggen und Schachtelhalmen). Bei den Zellen der Wurzelspitze verschleimt die Zellmembran und ermöglicht das Eindringen der Wurzelspitze zwischen harte Bodenpartikel.
Zellen vermehren sich durch Teilung, wodurch die Pflanze wächst. Zu Beginn der Teilung löst sich die Membran auf, die den Zellkern umhüllt, und die Chromatinkörner in ihm vereinigen sich zu einem langen Faden, der in der nächsten Phase der Teilung in Chromosomen zerfällt. Die Anzahl der Chromosomen ist für eine bestimmte Pflanzenart immer gleich, z. B. hat die Möhre 18 und die Erbse 14. Jedes Chromosom spaltet sich dann in zwei Chromosomen gleicher Form, aber halber Dicke. Die gespaltenen Chromosomen verschieben sich zu beiden Polen der Zelle, wo sie sich auflösen und aus ihnen Kernkörperchen entstehen. In der Mitte der Zelle entsteht eine Trennwand, die die Zelle in zwei Tochterzellen teilt, welche auf normale Größe heranwachsen.
Die Geschlechtszellen in den Staubbeuteln (Pollenkörner) und in den Samenanlagen (Eizellen) haben die halbe Anzahl an Chromosomen, da beim Entstehungsprozess die Chromosomenzahl auf die Hälfte reduziert wird. Dies wird als Reduktionsteilung bezeichnet. Die Eizelle und das Pollenkorn haben daher eine halbe, sogenannte haploide, Chromosomenzahl. Bei der Befruchtung verschmelzen die Kerne beider Geschlechtszellen, sodass die befruchtete Eizelle und das daraus gewachsene Individuum die normale (diploide) Chromosomenzahl aufweisen. Z. B. hat der Apfelbaum 2 × 17 = 34 Chromosomen. Bei Gartenpflanzen begegnen wir jedoch abweichenden Zahlen, z. B. haben manche Apfelbaumsorten 3 × 17 = 51 Chromosomen (sogenannte triploide Anzahl). Es können auch Pflanzen mit einer Vielfachzahl an Chromosomen vorkommen (polyploid). Solche Pflanzen unterscheiden sich von normalen in Form, Größe, Farbe der Blüten oder Früchte und erreichen manchmal sogar riesigen Wuchs. Dieses Phänomen wird in der Züchtung genutzt.
Zellen gleicher Form und Funktion bilden Gewebe, z. B. Deckgewebe (schützt vor äußeren Einflüssen), Teilungsgewebe (Bildung neuer Zellen), Speichergewebe (in ihnen werden Reservestoffe gespeichert), Leitgewebe (verteilen Nährstofflösungen), Wundgewebe (schließen Wunden, die durch Verletzungen der Pflanze entstanden sind) u. a. Jedes Gewebe hat seine bestimmte Aufgabe und Bedeutung.
Organe der Pflanze und ihre Funktionen: Wurzeln, Blätter, Blüten und Früchte
PFLANZENORGANE Gewebe in bestimmten Anordnungen bilden die einzelnen Organe der Pflanzen. Die grundlegenden Organe sind vegetativ (Wurzel, Stängel, Blatt) und generativ (Blüte, Samen, Frucht). Jedes Organ hat eine bestimmte Funktion. Im Folgenden werden kurz einige Funktionen verschiedener Organe aufgeführt, die aus Sicht des Hobbygärtners interessant sind.
Der Stängel ist der oberirdische Teil der Pflanze, der Blätter und Blüten trägt. Er wächst an der Spitze und verteilt Nährstoffe. Stängel sind krautig oder verholzt. Krautige Stängel nennen wir Stiele, wenn sie Blätter und Blüten tragen (z. B. Sonnenblume), Schäfte, wenn sie nur Blüten tragen (z. B. Tulpe, Hyazinthe), und Halme, wenn sie hohl und durch Knoten unterbrochen sind (Gräser). Verholzte Stängel haben Bäume und Sträucher (Stamm und Äste).
Knospen sind Keime von Stängeln, die sich durch ihre künftige Funktion unterscheiden: Holzknospen (Augen) sind schmal, zugespitzt und aus ihnen wachsen neue Triebe; Blattknospen sind stumpfer und aus ihnen wachsen Blätter; Blütenknospen (Blütenknospen) sind rund und enthalten Keime von Staubblättern, Stempeln und Blütenhüllen. Schlafende Knospen nennen wir Augen, die unter der Rinde erhalten geblieben sind. Sie treiben aus, wenn das physiologische Gleichgewicht des Baumes gestört wird – dies geschieht beim Abbrechen stärkerer Äste, bei starkem Verjüngungsschnitt, beim Erfrieren der Krone bei großem Frost usw. Die üppigen Triebe aus diesen Augen werden als „Wasserschösslinge“ bezeichnet.
Das Blatt besteht in der Regel aus der Blattspreite, dem Blattstiel und der Blattscheide. Im Querschnitt der Blattspreite sind mehrere Gewebeschichten erkennbar. Die oberste Schicht des Blattes ist die Epidermis, die auf der Unterseite des Blattes feine Öffnungen hat, die den Wasserverlust der Pflanzen durch Verdunstung regulieren. Wenn die Pflanze Wassermangel hat, schließen sich die Spaltöffnungen automatisch und begrenzen so die Verdunstung. Bei überschüssigem Wasser sind die Spaltöffnungen stets geöffnet, damit die Pflanze überschüssiges Wasser abgeben kann. Spaltöffnungen sind in großer Anzahl vorhanden. Auf 1 mm² eines Apfelblattes befinden sich beispielsweise etwa 250. Die Wasserabgabe durch die Pflanze wird als Transpiration bezeichnet. Blätter und grüne Teile des Stängels verdunsten ständig Wasser in die Umgebung, der größte Teil des Wasserdampfs entweicht jedoch durch die Spaltöffnungen.
Eine sehr bedeutende Funktion für das Leben der Pflanze ist die Fotosynthese (fotosynthetische Assimilation). Die Fotosynthese findet nur in den grünen Teilen der Pflanzen statt, da Chlorophyll für die Bildung organischer Verbindungen unbedingt notwendig ist, die durch eine komplexe Reaktionskette aus Kohlendioxid und Wasser unter Mitwirkung von Sonnenenergie entstehen. Aus den Blättern entweicht durch die Spaltöffnungen die gleiche Menge Sauerstoff (aus dem Wasser freigesetzt) in die Luft, wie Kohlendioxid aus der Luft aufgenommen wurde, wodurch das Gleichgewicht in der Luft wiederhergestellt wird. Dadurch verbessert sich auch die Luft für den Menschen. Deshalb sagen wir, dass Bäume die Lungen der Stadt sind – sie entziehen der Luft Kohlendioxid und reichern sie mit Sauerstoff an.
Die Pflanze verbraucht jedoch auch Sauerstoff – beim Atmen (Dissimilation). Der zum Atmen benötigte Sauerstoff dringt durch Spaltöffnungen und Epidermis in die Pflanze ein. In den oberirdischen Organen ist gewöhnlich ausreichend Sauerstoff vorhanden. Unter Sauerstoffmangel leiden die Wurzeln in durchweichtem Boden (z. B. Wurzeln von Blumen in Blumentöpfen, wenn wir sie ständig übergießen und dadurch die Luft aus dem Boden verdrängen; sie können nicht atmen und die Pflanze stirbt ab).
Das Atmen ist ein Oxidationsprozess, bei dem komplexe organische Stoffe abgebaut werden und Energie freigesetzt wird, die für die Lebensäußerungen der Pflanze benötigt wird. Die durch die Fotosynthese erzeugten Assimilate überwiegen jedoch, sodass sich trotz der Atemverluste bei den Pflanzen ein Zuwachs zeigt. Die Pflanze verbraucht durch das Atmen nur etwa ¹⁄₈ bis ¹⁄₅ der gebildeten Assimilate. Atemverluste treten in der Lagerhaltung auf, wo wir versuchen, das Atmen durch niedrige Temperaturen einzuschränken.
In die Blätter werden auch mineralische Nährstoffe aus den Wurzeln transportiert, die in den Blättern in organische Stoffe umgewandelt werden. Ein ausreichend gesundes Blattwerk ist daher beim Obstbaum die erste Voraussetzung für eine gute Ernte, ebenso wie bei Blumen die Voraussetzung für eine schöne Blüte.
Die Wurzel ist neben dem Blatt das wichtigste Organ für die Nährstoffaufnahme. Die Funktion der Wurzeln besteht darin, die Pflanze im Boden zu verankern, Wasser und Nährlösungen aufzunehmen. Die Wurzel ist nicht nur ein passives Organ, sondern es werden in ihr auch einige organische Stoffe gebildet, z. B. Proteine u. a.
Für die Ernährung der Pflanzen sind die feinsten Würzelchen, einige Millimeter lang, die sogenannten Wurzelhaare, am wichtigsten. Sie wachsen und erneuern sich sehr schnell, und ihre Fähigkeit, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen, dauert gewöhnlich nur wenige Stunden. Dann altern sie und dienen nur noch der Wasseraufnahme. Sie kommen in enormer Anzahl vor. Ein einjähriger Apfelbaumsämling hat beispielsweise bis zu 17 Millionen Wurzelhärchen mit einer Gesamtlänge von fast 3 km. Diese feinsten Würzelchen wachsen auch bei relativ niedrigen Temperaturen (nahe 0 °C) – mit Ausnahme wärmeliebenderer Arten wie z. B. Pfirsich oder Magnolie. Deshalb wird auch empfohlen, Bäumchen meistens im Herbst zu pflanzen; bis zum Frühjahr bilden sich an ihnen viele Würzelchen, die im Frühjahr sofort damit beginnen, Nährstoffe und Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Beim Frühjahrssetzen, besonders wenn es verspätet erfolgt, erschöpft sich das Bäumchen dadurch, dass es zunächst Nährstoffe und Wasser nur aus eigenen Reserven schöpft. Der Vorratsspeicher der Stoffe sind wiederum die Wurzeln, in denen der Baum die während der Vegetationsperiode gebildeten Stoffe für den Winter einlagert. Im Frühjahr werden diese Stoffe freigesetzt und fließen in die austreibenden Knospen. Der gute Zustand und die Funktion der Wurzeln sind daher die zweite Voraussetzung für eine gute Ernte.
Die Blüte ist ein sehr verkürzter Stängel, dessen Blätter in Fortpflanzungsorgane umgewandelt sind. Sie besteht gewöhnlich aus den Hauptteilen, d. h. Staubblättern und Stempeln, und aus den Nebenteilen, d. h. den Blütenhüllen, die die junge Blüte schützen und Insekten anlocken und so die Bestäubung unterstützen.
Die Blütenhüllen bestehen entweder aus einer Art Blättchen – dann werden sie Perigon genannt (z. B. bei Tulpe, Lilie, Maiglöckchen, Schneeglöckchen) – oder sie bestehen aus einem äußeren grünen Kelch und einer inneren Krone aus bunt gefärbten Kronblättern (z. B. Mohn, Kirsche, Tomate, Rose).
Das Staubblatt besteht aus dem Staubfaden und zwei Staubbeuteln, die Pollenkörner – männliche Zellen – enthalten.
Der Stempel besteht aus dem Fruchtknoten (der Eizellen – weibliche Zellen – enthält), dem Griffel und der Narbe.
Wenn Blüten beide Hauptteile besitzen, d. h. Staubblätter und Stempel, werden sie als zwittrige Blüten (zweigeschlechtige) bezeichnet – z. B. bei Apfelbaum, Tulpe. Wenn Blüten nur Staubblätter haben, werden sie als Staubblüten (männliche Blüten) bezeichnet; wenn sie nur einen Stempel haben, werden sie als Stempelblüten (weibliche Blüten) bezeichnet. Bei einhäusigen Pflanzen (z. B. Haselnuss, Gurke, Fichte, Mais) befinden sich auf einer Pflanze sowohl Staubblüten als auch Stempelblüten. Bei zweihäusigen Pflanzen (Hopfen, Eibe, Weide) befinden sich auf einer Pflanze nur Staubblüten und auf einer anderen nur Stempelblüten.
Bestäubung und Befruchtung der Blüte sowie die Samenentwicklung sind komplexe Vorgänge. Unter Bestäubung verstehen wir die Übertragung von Pollen auf die Narbe der Blüte. Das auf der Narbe haftende Pollenkorn wächst durch den Griffel in den Fruchtknoten und verbindet sich mit der Eizelle zu einer einzigen Zelle, aus der ein Samen entsteht. Die Vereinigung des Pollenkerns mit dem Kern der Eizelle wird als Befruchtung bezeichnet. Die Sicherstellung günstiger Bedingungen für eine gute Bestäubung ist daher die dritte Voraussetzung für eine gute Ernte.
Dadurch, dass die Pflanze Nahrung aus ihrer Umgebung aufnimmt, nimmt ihre Masse zu – die Pflanze wächst, und zwar nicht nur in den Gesamtabmessungen, sondern auch ihre einzelnen Organe wachsen, die sich gleichzeitig in Form und chemischer Zusammensetzung verändern – die Pflanze entwickelt sich. Die Pflanze verändert im Laufe ihres individuellen Lebens ihren Stoffwechsel (Metabolismus), entwickelt neue Funktionen, bildet neue Blätter, später Blüten, Früchte und Samen. Aus den Samen keimen neue Pflanzen, die wachsen und sich bis zur Samenbildung entwickeln. Die Folge des Stoffwechsels ist daher nicht nur Wachstum und Entwicklung des Individuums, sondern auch die Bildung von Keimen neuer Individuen derselben Art, d. h. die Fortpflanzung. So wiederholt sich der Lebenszyklus ununterbrochen und das Leben der Art dauert auch nach dem Tod des Individuums fort.
Wie Klima, Lage und Meereshöhe den Garten beeinflussen
Was eine Pflanze zum Leben braucht
Jede Pflanze benötigt für ihre erfolgreiche Entwicklung eine bestimmte Umgebung. Diese Umgebung wird im Wesentlichen durch das Klima, die Meereshöhe und die Lage bestimmt.
KLIMA Unsere Republik hat weder ein ausgeprägtes Meeresklima noch ein ausgeprägtes Kontinentalklima. Es wechseln sich Jahre mit Meeresklima ab, bei dem es keine großen Temperaturunterschiede im Laufe des Jahres gibt und Winter wie Sommer mild mit mehr Niederschlag sind, und Jahre mit Kontinentalklima, bei dem es wenig Niederschlag gibt und die Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer sowie zwischen Tag und Nacht erheblich sind.
Auf das Klima haben wir keinen Einfluss, wir können lediglich die Umgebung für die Pflanzen durch Bewässerung, Frostschutz, Beschattung, Einräuchern usw. anpassen, wodurch sich das sogenannte Mikroklima im Obstgarten, im Beet, im Frühbeet usw. in erheblichem Maße verbessern lässt.
Für ein gedeihliches Pflanzenleben sind alle Jahreszeiten gleich bedeutend. Im Winter kann die Schneemenge oder Kahlfrost, Eisregen oder umgekehrt plötzliche Erwärmung einen günstigen oder sehr nachteiligen Einfluss auf das weitere Leben der Pflanze haben. Sehr wichtig ist der Witterungsverlauf im Frühling, wobei ein langsames Schneeschmelzen ideal ist, damit das Schmelzwasser in den Boden einsickert und nicht bei raschem Tauen in die Wasserläufe abfließt. Der Frühling soll durch ergiebige Niederschläge den richtigen Wasserhaushalt herstellen und eine gute Entwicklung auch tiefwurzelnder Pflanzen ermöglichen. Wünschenswert ist auch eine allmähliche Erwärmung ohne ausgeprägte Schwankungen zwischen Tages- und Nachttemperaturen, damit Bäume und Sträucher nicht vorzeitig erwachen und durch neuen Frost beschädigt werden. Das richtige Verhältnis zwischen Niederschlagsmenge und Temperatur bestimmt die gedeihliche Entwicklung der Pflanzen im Sommer und das gute Ausreifen der Früchte. Im Herbst verursacht ein plötzlicher und frühzeitiger Temperaturabfall unter den Gefrierpunkt, dass Gehölze im Holz nicht ausreichend ausreifen und dann anfälliger für Erfrierungen sowie für Krankheitsbefall sind, und empfindlichere Gemüse- oder Blumenarten werden vom Frost geschädigt.
LAGE Die Lage ist nahezu entscheidend für die Art der Gartennutzung. Die Neigung des Grundstücks (Süd- oder Nordhang) beeinflusst die Wirkung verschiedener klimatischer Faktoren, z. B. die Windwirkung, Temperaturschwankungen, Sonneneinstrahlung usw. Südhänge sind am stärksten von der Sonne beschienen, sie sind meist warm und trocken, und die Pflanzen beginnen dort im Frühling am frühesten zu vegetieren. Osthänge sind ebenfalls gut belichtet und meist noch trockener als Südhänge, da sie durch Ostwinde ausgetrocknet werden. Westhänge sind ebenfalls verhältnismäßig warm, aber meist feuchter als Südhänge. Am kältesten sind Nordhänge, wo der Boden am spätesten auftaut und die Pflanzen in der Vegetation zurückbleiben. Einigen Pflanzen geht es an diesen Hängen schlecht, weil sie dort zu wenig Sonnenlicht erhalten.
Viel hängt davon ab, ob sich der Garten in einer geschützten oder ungeschützten Lage befindet. Offene, windige, ungeschützte Lagen sind gewöhnlich trocken, und die Pflanzen werden häufig durch Wind beschädigt. Am geeignetsten sind Lagen, die von Norden oder von der Seite der vorherrschenden Winde durch Wälder oder Gebäude geschützt sind. Eingeschlossene Lagen und Frostmulden sind für den Pflanzenanbau ungünstig, da sich dort Nebel und kalte Luft halten und der Luftstrom schwach ist.
MEERESHÖHE Sie beeinflusst die Temperatur, die Intensität der Sonnenstrahlung, die Luftfeuchtigkeit und die Niederschlagsmenge. Je höher die Meereshöhe, desto ungünstiger sind in der Regel die klimatischen und Bodenbedingungen und desto kürzer ist die Vegetationszeit. Im Wesentlichen unterscheiden wir Tief-, Mittel- und Gebirgslagen (Tieflagen bis 250 m Meereshöhe, Mittellagen von 250 bis 450 m und Gebirgslagen von 450 bis 600 m und mehr).
Da wir bei der Anlage eines Gartens in der Regel kein Grundstück auswählen können, das sowohl hinsichtlich Lage als auch Klima ideal wäre, müssen wir von der gegebenen Situation ausgehen und uns ihr anpassen. Vor allem müssen wir geeignete Pflanzen wählen, denn im Pflanzenreich gibt es eine ganze Palette von Pflanzen mit unterschiedlichen Ansprüchen, von ausgesprochen feuchtigkeitsliebenden bis zu trockenheitsliebenden, von lichtliebenden bis zu schattenliebenden. Auch durch die Wahl geeigneter Sorten können wir die gegebenen Bedingungen nutzen. Gegen vorherrschende Winde wählen wir geeignete Windschutzpflanzungen, sei es als Baumkulissen oder verschiedene Mäuerchen, die gleichzeitig eine dekorative Funktion erfüllen oder den Raum optisch gliedern können. Zu feuchten Boden können wir entwässern, an zu trockenen Standorten dagegen reichlich bewässern. An zu sonnigen Hängen gewinnen wir durch geeignete Bepflanzung Schatten. Das Mikroklima verbessern Wasserbecken. Es gibt viele Möglichkeiten, ungünstige gegebene Bedingungen zu beeinflussen. Nutzen wir sie, können wir auch an weniger günstigen Standorten einen Garten haben, in dem vom Frühling bis zum Winter etwas blüht und Früchte trägt und der eine Fülle an Schönheit und Nutzen bringen wird.
Licht, Wärme und Feuchtigkeit: Schlüsselbedingungen für das Pflanzenwachstum
KLIMATISCHE FAKTOREN Die Gesamtheit der klimatischen Faktoren schafft günstige oder ungünstige Lebensbedingungen für die Pflanze. Es handelt sich im Wesentlichen um Licht (Intensität, Belichtungsdauer), Temperatur, Feuchtigkeit (Menge und Verteilung der Niederschläge) sowie deren Gehalt in der Atmosphäre.
Licht Verschiedene Pflanzenarten haben unterschiedliche Anforderungen an die Lichtmenge. Dementsprechend unterscheiden wir lichtliebende, halbschattenliebende und schattenliebende Pflanzen. Lichtliebende Pflanzen benötigen einen sonnigen Standort, halbschattenliebende Pflanzen brauchen einen teilweise beschatteten Standort oder sogenannten wandernden Schatten, schattenliebende Pflanzen bevorzugen einen schattigen Standort. Verschiedene Pflanzenarten benötigen auch eine unterschiedliche Tageslichtlänge, um Blüten ansetzen und Früchte tragen zu können. Dementsprechend unterscheiden wir Kurztagspflanzen — z. B. Gurken, Chrysanthemen, die für die Blütenbildung einen Tag von weniger als 12 Stunden benötigen; Neutraltagspflanzen — z. B. Rosen, die an die Tageslänge keine hohen Ansprüche stellen und zu einer Zeit blühen, wenn die Tageslänge etwa 12 Stunden beträgt; Langtagspflanzen — z. B. Chabaud-Nelken, Radieschen, die bei einer Tageslänge von mehr als 12 Stunden erblühen.
Licht hat einen großen Einfluss auf Wachstum, Entwicklung und Ertragsfähigkeit der Pflanzen, da es in erheblichem Maße die Intensität des Stoffwechsels in den Pflanzen beeinflusst. Der Züchter sollte bestrebt sein, den Pflanzen ausreichend Licht zu bieten, indem er sie beispielsweise in geeigneten Abständen pflanzt, damit sie sich gegenseitig nicht beschatten, und die Baumkronen auslichten, damit Licht eindringen kann und die Früchte schön werden.
Wärme Die meisten Pflanzen, die bei uns wachsen, beginnen bei 1–5 °C zu vegetieren — das ist das Wärmeminimum. Bei Temperaturen über 40 °C sterben Pflanzen ab, weshalb diese Grenze als Wärmemaximum bezeichnet wird. Die günstigste Temperatur (Wärmeoptimum) für die meisten Pflanzen liegt im Bereich von 20 bis 30 °C. In unseren Breiten sind Schäden an Pflanzen durch zu hohe Temperaturen nicht häufig. Weitaus schädlicher ist die Einwirkung von Frost und insbesondere der Wechsel von hohen und niedrigen Temperaturen.
Für unsere Gärten sind vor allem die ersten Herbstfröste und die späten Frühjahrsfröste gefährlich. Fröste, die Ende September oder Anfang Oktober auftreten, vernichten oft empfindlichere Blumen und Gemüse, z. B. Tomaten. Späte Frühjahrsfröste schädigen Gemüse- und Blumenpflanzungen sowie Obst- und Zierpflanzen zur Blütezeit. Eine regelmäßige Gefahr stellen die sogenannten Eisheiligen dar, die Mitte Mai auftreten. Erst danach können wärmeliebende Pflanzen (z. B. Tomaten, Paprika) bedenkenlos gepflanzt werden. Temperaturschwankungen sind besonders gefährlich im Vorfrühling, wenn an sonnigen Tagen die Temperatur über 10 °C steigt und nachts wieder stark abfällt. Die Frostresistenz der einzelnen Pflanzenarten bestimmt eigentlich die Möglichkeit ihres Anbaus unter den gegebenen Bedingungen. Daher wird der Erfolg beim Anbau jeder Gartenpflanze in erster Linie durch die Wahl des Standorts beeinflusst. Entspricht der Standort nicht den Anforderungen der Pflanze, muss man entweder auf den Anbau dort verzichten oder den Standort irgendwie schützen und im Sinne der Pflanzenanforderungen verbessern. Wir schützen Pflanzen durch Schutzwände oder Abdeckungen aus Folie oder Glas.
Wärme weckt im Frühjahr die Vegetation und beendet sie im Herbst.
Feuchtigkeit Ohne Wasser gibt es kein Leben, auch nicht für Pflanzen. Wasser liefert den Pflanzen direkte Nährstoffe in Form von Sauerstoff und Wasserstoff, darüber hinaus ist es ein Lösungsmittel für Nährstoffe, die die Pflanze über die Wurzeln aufnimmt, und bedingt auch die Zellspannung in den Pflanzen, den sogenannten Turgor. Bei Wassermangel sinkt die Zellspannung, das Gewebe wird weich und die Pflanze welkt.
Jede Pflanze benötigt für ihr Leben eine ausreichende und angemessene Wassermenge von Beginn ihrer Entwicklung bis zur Fruchtreife. Je nach Wasseransprüchen unterscheiden wir Wasserpflanzen, feuchtigkeitsliebende Pflanzen, Pflanzen mit mittleren Wasseransprüchen und trockenheitsliebende Pflanzen.
Wasserpflanzen wachsen direkt im Wasser und wurzeln im Schlamm auf dem Grund von Gewässern (z. B. die Seerose). Feuchtigkeitsliebende Pflanzen benötigen nicht nur reichlich Wasser im Boden, sondern auch feuchte Luft, so dass wir sie unter unseren Bedingungen in der Regel nur im Gewächshaus kultivieren können, wo ein geeignetes Mikroklima für sie geschaffen werden kann. Die meisten in unseren Breiten wachsenden Pflanzen gehören zu den Pflanzen mit mittleren Wasseransprüchen. An trockenen und sonnigen Standorten wachsen trockenheitsliebende Pflanzen mit fleischigen Stängeln oder Blättern, die in trockenen Perioden als Wasserspeicher dienen (Kakteen, Sukkulenten — Hauswurz usw.).
Die Hauptquelle der Feuchtigkeit sind Niederschläge, die in verschiedenen Formen auf den Boden fallen: Regen, Schnee, Raureif, Tau. Regen ist die wichtigste und ergiebigste Feuchtigkeitsquelle in der Vegetationszeit. Schnee bildet im Winter eine Schneedecke, die die Pflanzen vor Frost schützt, taut im Frühjahr langsam und das Wasser versickert in den Boden, wo es dann als sogenannte Winterfeuchtigkeit dient. Raureif sind kleine Eiskristalle, die sich aus der Luftfeuchtigkeit auf der Bodenoberfläche oder auf Pflanzen bilden, wenn die Temperatur unter 0 °C sinkt. Tagsüber taut er bei Erwärmung und fließt in den Boden. Raureif bildet sich in der Regel morgens an kühlen Herbst- und Vorfrühlingstagen. Tau ist ebenfalls eine bedeutende natürliche Bewässerungsquelle, da er in Trockenperioden die Pflanzen befeuchtet. Er entsteht ähnlich wie Raureif, d. h. durch Kondensation von Wasserdampf aus der Luft in Form kleiner Wassertröpfchen auf der Oberfläche von nachts abgekühlten Pflanzen oder dem Boden.
Die Niederschlagsverteilung ist nicht gleichmäßig — die meisten Niederschläge fallen im Herbst und Frühjahr. Um den Pflanzen also in der erforderlichen Menge und zur erforderlichen Zeit Feuchtigkeit zuzuführen, müssen wir sie bewässern.
Luft Sie ist ein Gemisch aus Gasen (O, N, CO₂ u. a.) und Dämpfen (Wasserdampf). Für Pflanzen ist sie eine Quelle von Sauerstoff und Kohlendioxid, für Organismen, die in der Lage sind, Luftstickstoff zu binden, auch eine Stickstoffquelle. Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst die Transpiration (Wasserverdunstung). Ist die Luft zu trocken, steigt die Verdunstung übermäßig an und die Pflanze leidet unter Wassermangel. Bei übermäßiger Luftfeuchtigkeit können Pflanzen faulen und werden von Pilzkrankheiten befallen. Übermäßige Luftfeuchtigkeit tritt in der Regel nur beim Anbau von Pflanzen unter Glas oder Folie auf. Wir müssen daher an eine ausreichende Belüftung denken.
Verschmutzte Luft ist für alles Lebende schädlich — für Menschen, Tiere und Pflanzen. Industriebetriebe verseuchen oft die gesamte weitere Umgebung mit Ruß, Flugasche, Teerverbindungen, Staub, Rauchgasen usw. Flugasche, Ruß und Staub setzen sich auf Pflanzen ab, hauptsächlich auf den Blättern. Sie verstopfen die Spaltöffnungen, absorbieren die Sonnenstrahlung und behindern wichtige Blattfunktionen. Besonders gefährlich ist Schwefeldioxid, das in Rauchgasen enthalten ist, da es Chlorophyll zersetzt. All dies wirkt sich nachteilig auf das allgemeine Wachstum und die Entwicklung der Pflanzen aus.
Luft strömt ständig, und ihre leichte Bewegung — eine Brise — ist für Pflanzen förderlich. Starke Luftbewegungen — starker Wind, Sturmböen, Orkane — sind für Pflanzen ungünstig; Pflanzen können durch Wind direkt beschädigt, gebrochen oder entwurzelt werden. Darüber hinaus steigt die Wasserverdunstung aus Pflanzen und Boden unverhältnismäßig stark an und die Assimilation wird verringert. Nicht zuletzt hat starker Wind auch Einfluss auf die Bestäubung, da er den Ausflug der Bienen verhindert und das Austrocknen der Narbe verursacht. Gegen starke Winde, die vorwiegend aus einer Richtung wehen, können wir Pflanzen durch eine geeignete Bepflanzung mit Kulissenpflanzen schützen oder empfindlichere Pflanzen im Schutz von Mauern usw. anpflanzen. Obstbäume pflanzen wir so, dass der Wind nicht gegen die Wand drückt, sondern an ihr entlangströmt.
Zusammensetzung und Struktur des Bodens: Was die Fruchtbarkeit des Gartens bestimmt
Boden
Jeder Boden stellt einen lebenden Organismus dar, in dem ein reges Leben verschiedener Bakterien, Schimmelpilze und anderer Mikroorganismen herrscht. Es ist ein bewundernswerter geschlossener Kreislauf des Entstehens und Vergehens, der Bildung und des Abbaus organischer Stoffe; wie jeder lebende Organismus hat auch der Boden ein einziges Ziel: zu leben und Früchte zu tragen.
Mit dem Begriff Boden versteht man in der Bodenkunde die oberste Schicht der festen Erdkruste; es handelt sich um ein natürliches Gebilde, das in seiner natürlichen Umgebung eingebettet ist. Wenn wir einen bestimmten Teil des Bodens entnehmen und aufbereiten, erhalten wir Erde. Als Lehm bezeichnen wir biologisch wenig aktiven Boden. Gärtner arbeiten also ausschließlich mit Boden und Erde, mit Lehm arbeiten Ziegler und Ofensetzer.
Die oberste Bodenschicht wird als Ackerkrume bezeichnet, darunter befindet sich eine dünnere Schicht, die Unterkrume genannt wird. Noch tiefer liegen der Untergrund und das Ausgangsgestein. Unter dem Begriff Bodenprofil verstehen wir Ackerkrume, Unterkrume und Untergrund.
Der Boden besteht aus verschiedenen Bestandteilen — Phasen. Dies sind vor allem Feststoffe, Wasser und Luft.
Die Feststoffe bilden die eigentliche Bodenmasse, die aus einem anorganischen und einem organischen Anteil besteht. Den anorganischen Anteil unterscheiden wir nach der Teilchengröße in Sand, Schluff und Ton. Die feinsten Tonteilchen haben die Fähigkeit, Wasser und darin gelöste Nährstoffe zu speichern und verkleben Bodenteilchen zu größeren Einheiten. Den organischen Anteil des Bodens bilden vor allem Humus und Bodenlebewesen. Humus entsteht im Boden durch den Abbau organischer Substanz. Dieser Abbau wird durch Bodenlebewesen, vor allem Bakterien, verursacht, von denen einige zum Leben Luftsauerstoff benötigen (sog. aerobe Bakterien), andere hingegen keinen Luftsauerstoff benötigen (anaerobe).
Den Abbau organischer Substanz bezeichnen wir zusammenfassend als Humifizierung. Je nach Luftzutritt (hauptsächlich Sauerstoff) unterscheiden wir bei der Humifizierung Verwesung, Fäulnis und Gärung.
Verwesung — ist der Abbau organischer Substanz bei ausreichendem Luftzutritt. Aerobe Bakterien zersetzen die organische Substanz, und die freigesetzten Mineralstoffe dienen den Pflanzen als Nährstoffe. Dies ist ein günstiger Vorgang. Als Fäulnis bezeichnet man den Abbau organischer Substanz unter Luftabschluss. Hier wirken Fäulnisbakterien. Dies ist ein ungünstiger Vorgang. Gärung ist die Umwandlung von Zucker und anderen ähnlichen stickstofffreien Stoffen in Gärungsprodukte und Kohlendioxid. Die Gärung erfolgt durch die Tätigkeit von Hefen bei eingeschränktem Luftzutritt.
Nach dem Humusgehalt unterteilen wir Böden in schwach humos mit weniger als 1 % Humus, mäßig humos mit 1–2 % Humus, mittel humos mit 2–3 % Humus und humos — mehr als 3 % Humus. Der Gartenboden sollte mindestens 3 % Humus aufweisen.
Den Raum zwischen den einzelnen festen Bodenteilchen füllen Wasser und Luft aus. Im Wasser sind verschiedene gelöste Stoffe enthalten, sodass es sich eigentlich nicht um reines Wasser handelt, sondern um eine Bodenlösung. Mäßig feuchter Boden enthält etwa 5–10 % dieser Bodenlösung. Die Bodenluft hat einen geringeren Sauerstoffgehalt und einen höheren Kohlendioxidgehalt als die Atmosphärenluft. Dies liegt daran, dass Pflanzenwurzeln atmen, einen Teil des Sauerstoffs verbrauchen und Kohlendioxid abgeben.
BODENSTRUKTUR Für Hobbygärtner ist die Bodenstruktur eine wichtige Bodeneigenschaft. Die Bodenstruktur wird vor allem durch die mechanische Zusammensetzung des Bodens, den Humusgehalt des Bodens, das Wurzelsystem der Pflanzen, die Tätigkeit der Bodenlebewesen, die Menge der Niederschläge sowie das Versickern und Aufsteigen von Wasser beeinflusst. Wasser versickert durch Poren in den Boden. Neben den Poren gibt es im Boden feinere Öffnungen, die Kapillaren, durch die Wasser aus den unteren Schichten zur Bodenoberfläche aufsteigt.
Die günstigste Struktur für Pflanzen ist die Krümelstruktur. Bei dieser Struktur sind die einzelnen Bodenteilchen zu Krümeln mit einem Durchmesser von 1–10 mm verklebt. Die Krümel berühren sich an den Kontaktpunkten gegenseitig, sodass ein schwammartiger Bodenaufbau mit großen Luftporen zwischen den Krümeln und kurzen Kapillaren im Inneren der Krümel entsteht. Die miteinander verbundenen Luftporen ermöglichen ein leichtes Versickern von Niederschlagswasser sowie das Eindringen von Pflanzenwurzeln. An den Berührungsflächen der Krümel schließen die Kapillaren aneinander an, sodass Wasser aus den unteren Schichten durch sie aufsteigen und die Pflanzen gut versorgen kann. Zur Bildung einer dauerhaften Krümelstruktur trägt die Versorgung des Bodens mit Humus bei. Die gebildete Krümelstruktur wird durch Beschattung des Bodens durch Pflanzen oder durch Mulchen erhalten.
Die Massivstruktur ist für Pflanzen weniger günstig. Zur Bildung einer Massivstruktur neigen am häufigsten schwerere Böden mit einem hohen Anteil an Tonteilchen. Im Boden liegen die Teilchen dicht beieinander, der Boden ist für Wasser und Wurzeln nahezu undurchdringlich. Eine Massivstruktur tritt am häufigsten nach stärkerem Regen oder nach schlechter Bewässerung mit starkem Wasserstrahl auf, wenn Wassertropfen die Krümelstruktur zerstören und der Boden verschlammt. Nach dem Austrocknen bildet sich eine Bodenkruste, die durch Lockern aufgebrochen werden muss.
Die Staubstruktur ist für Pflanzen noch weniger geeignet, da Pflanzenwurzeln in ihr nicht gut verankert sind. Die einzelnen Bodenteilchen sind nicht zu Krümeln verklebt, der Boden ist locker und weist viele Poren auf. Wasser versickert schnell in die unteren Bodenschichten und spült Nährstoffe in den Untergrund. Pflanzen leiden unter Wasser- und Nährstoffmangel.
Die Bodenstruktur ist keine unveränderliche Eigenschaft und lässt sich beeinflussen. Um die gewünschte Krümelstruktur zu erhalten, müssen wir allen Böden regelmäßig Humus zuführen, insbesondere jedoch zu leichten Sandböden mit Staubstruktur und zu schweren Tonböden mit Massivstruktur. Leichten Böden sollten regelmäßig bindende Substanzen zugesetzt werden, wie Torf, Zuckerfabrikschlamm, Schlamm u. a., schweren Böden hingegen werden auflockernd wirkende Substanzen zugesetzt, insbesondere grober Sand, Asche, aber auch Torf, der ein unschätzbar wertvoller Bodenverbesserer ist. Die Düngung mit organischen Düngemitteln, insbesondere mit Kompost, ist für alle Böden unerlässlich.
Bodensorption und Boden-pH: So passen Sie die Reaktion für verschiedene Pflanzen an
BODENSORPTION Eine weitere wichtige Eigenschaft des Bodens, die wir beeinflussen können, ist die Bodensorption. Es ist die Fähigkeit, Nährstoffe zu speichern, zu binden und auszutauschen, die für Pflanzen wichtig sind. Nährstoffe können physikalisch, chemisch oder biologisch gebunden werden.
Die physikalische Sorption ist ein Vorgang, bei dem sich Moleküle, Atome oder Ionen aus der umgebenden flüssigen oder gasförmigen Umgebung an der Oberflächenschicht fester Bodenpartikel ansammeln; sie wird durch das Vorhandensein von Bodenkolloiden bedingt.
Die chemische Sorption entsteht dadurch, dass die Bodenbestandteile mit den verwendeten Düngemitteln wasserunlösliche Verbindungen bilden, sodass sie nicht durch Wasser ausgewaschen werden können. Der grundlegende Faktor dabei ist der Sorptionskomplex, der sich aus einem aktiven und einem passiven Bestandteil zusammensetzt; passiv sind hier vor allem die Kationen Ca, Mg, K, Na, NH₄, Mn, H usw. Böden, die im Sorptionskomplex eine große Menge an Calcium-, Magnesium- und Kaliumkationen enthalten, werden als sorptiv gesättigte Böden bezeichnet. Überwiegt das Wasserstoffkation, sind sie sorptiv ungesättigt.
Die biologische Sorption ist die Bindung von Pflanzennährstoffen in der organischen Substanz, aus der sie beim Abbau freigesetzt werden.
Die größte Sorption haben gute humusreiche Böden mit krümeliger Struktur, die am besten in der Lage sind, Nährstoffe in einer für Pflanzen aufnehmbaren Form zu speichern. In sandigen Böden ist die Sorption gering, und die Nährstoffe werden häufig in für Pflanzen nicht mehr zugängliche Schichten ausgewaschen. In tonigen Böden ist die Bewegung der Nährstoffe eingeschränkt, und der Bodenzustand ist für die Nährstoffaufnahme durch die Wurzeln nicht günstig.
BODENREAKTION Der Boden (seine chemische Reaktion) kann sauer, neutral oder alkalisch — basisch sein. Die Bodenreaktion bezeichnen wir mit pH; der sauerste Boden liegt bei pH 4 und darunter, neutral bei pH 6,5—7,4 und am alkalischsten bei pH 7,5 und mehr. Auch diese Eigenschaft ist nicht beständig. Die Bodenreaktion können wir vor allem durch Düngung mit organischen und Mineraldüngemitteln beeinflussen; darüber hinaus wirken Niederschläge, Abbauprodukte des organischen Bodenteils usw. auf sie ein. Die Bodenreaktion im Garten bewegt sich von pH 4 bis pH 8. Bei einem pH unter 4 (z. B. in Moorgebieten) enthält der Boden pflanzenschädliche Stoffe, ebenso wie bei einem pH über 8. Verschiedene Pflanzenarten haben unterschiedliche Ansprüche an die Bodenreaktion, und es ist richtig, diese entsprechend anzupassen. (Sauerere Böden eignen sich z. B. für Johannisbeeren, Stachelbeeren und Apfelbäume; alkalischere Reaktionen hingegen benötigen Steinobst — Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Pflaumen). Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass die meisten Gartenpflanzen eine neutrale bis leicht saure Bodenreaktion, d. h. pH 6,4—7,2, bevorzugen.
Die Bodenreaktion kann exakt bestimmt werden, wenn Sie eine Bodenprobe zur Analyse einsenden. Sie können sie auch orientierend ermitteln, indem Sie eine trockene Erdscholle mit Essig übergießen (alkalischer Boden schäumt), oder eine Bodenprobe in destilliertem Wasser auslaugen und mit Lackmuspapier die Reaktion bestimmen (bei saurer Reaktion färbt sich das Papier rot, bei basischer blau). In der Natur lässt sich die Bodenreaktion anhand des Vorkommens bestimmter charakteristischer Pflanzen beurteilen. Auf sauren Böden wächst beispielsweise Segge, Preiselbeere, Hundskamille, Wegerich usw., auf neutralen Böden kommt Glatthafer vor; auf alkalische Bodenreaktion weisen Kamille, Weißklee und Senf hin.
Die Bodenazidität wird durch Kalkung reguliert, wobei dem Boden einer der grundlegenden Pflanzennährstoffe — Calcium — zugeführt wird. Die Alkalität wird durch saure Düngemittel — Superphosphat, Sulfate usw. — reguliert. Verschiedene Bodenarten haben ebenfalls unterschiedliche Fähigkeiten, eine gleichbleibende Bodenreaktion aufrechtzuerhalten. Es lässt sich sagen, dass die meisten Böden zur allmählichen Versauerung neigen. Sandige Böden können im Vergleich zu tonigen Böden eine gleichbleibende Reaktion nur schwer aufrechterhalten, weshalb saure Sandböden mit kleineren Mengen und häufiger gekalkt werden müssen, während schwerere Böden höhere Mengen vertragen.
Bodenarten und wie Sie in jedem Garten einen schönen Garten anlegen können
BODENARTEN Die Bodenart ist ein wichtiger Indikator für die Bodenqualität und seine Fruchtbarkeit. Besonders bei der Anlage eines neuen Gartens ist es wichtig zu wissen, um welche Bodenart es sich handelt und ob grundlegende Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.
Sandböden haben einen großen Anteil an Sandpartikeln und einen geringen Humusanteil, der in ihnen schnell abbrennt. In der Praxis werden sie als leichte Böden bezeichnet. Diese Böden sind gut belüftet und wasserdurchlässig. Das ist jedoch keine besonders vorteilhafte Eigenschaft, da häufig bewässert werden muss. Es müssen organische Dünger als Hauptnährstoffquelle eingearbeitet werden, obwohl auch diese sich bald zersetzen und die Nährstoffe in den Untergrund ausgewaschen werden. Neben Kompost fügen wir ihnen reichlich Torf hinzu; von den Mineraldüngern verwenden wir vor allem schnell wirkende (Kalisalpeter) in häufigeren, kleineren Gaben.
Humose Sandböden sind besser. Sie sind gut belüftet, wärmeaufnehmend und leicht zu bearbeiten. Nach dem Regen trocknen sie schnell aus, es bildet sich keine Bodenkruste. Mit Mineraldüngern empfiehlt es sich, häufiger in kleineren Gaben zu düngen. Es hat sich bewährt, Torf und Stallmist hinzuzufügen, auch in Form von Einstreu. Sie gehören zu den besten Böden für den Garten, da sie Wasser speichern und mineralische Nährstoffe gut binden.
Tonböden haben einen großen Anteil an Tonpartikeln. Sie haben eine hohe Kohäsion, sind klebrig und schwer zu bearbeiten. In der Praxis werden sie als schwere Böden bezeichnet. Bei der Bearbeitung bilden sie große Schollen, und die Bodenoberfläche neigt leicht zur Krustenbildung. Bei großer Trockenheit entstehen in ihnen Risse, bei längerem Regen werden sie schlammig. Sie binden Nährstoffe jedoch gut. Sie müssen reichlich mit Stallmist gedüngt werden.
Lehmböden sind ein Übergang zwischen Sand- und Tonböden. Sie enthalten Staubpartikel, ausreichend Humus und Kalk, bilden eine geeignete krümelige Struktur und sind leicht zu bearbeiten. Sie werden als mittlere Böden bezeichnet. Sie sind Böden, die für alle gärtnerischen Zwecke geeignet sind.
Mergelböden zeichnen sich durch einen hohen Kalkgehalt im Boden aus. Sie haben ähnliche Eigenschaften wie Lehmböden und sind in der Regel fruchtbarer.
Neben diesen grundlegenden Bodenarten begegnen wir häufig Übergangsarten, in denen mal die einen, mal die anderen Eigenschaften überwiegen.
Hobbygärtner bearbeiten oft auch solche Böden, die in der üblichen landwirtschaftlichen Praxis für den intensiven Anbau nicht genutzt werden. Das sind häufig steinige Hänge, Schuttplätze, Weiden usw. Auf jedem Boden lässt sich mit mehr oder weniger Aufwand ein schöner Garten anlegen.
Steinige Böden befinden sich in der Regel an Hängen und haben einen geringen Humusanteil, da dieser ausgewaschen wird. Die Anlage eines Gartens auf einem solchen Boden erfordert einen verhältnismäßig großen Aufwand. Zunächst muss das Gelände insgesamt gestaltet, die größten Felsbrocken entfernt und Terrassen angelegt werden. Auf die entstandenen Flächen muss gute Erde aufgebracht werden. Gärten an Hängen sind oft sehr schön, und es lässt sich dort alles Mögliche anbauen, besonders wenn es sich um einen Südhang handelt.
Ehemalige Deponien, Schuttplätze und Trümmergrundstücke lassen sich am besten mit schweren Maschinen herrichten. Die Deponiesschicht abtragen und Muttererde (mindestens eine 10–30 cm starke Schicht) auffahren, die beim Bau von Siedlungen usw. abgeschoben wurde. Diese Methode erfordert jedoch hohe finanzielle Kosten, weshalb die meisten Hobbygärtner versuchen, das Grundstück von Hand zu kultivieren. Das ist mühsam und lässt sich nicht alles in einer Saison bewältigen. Zunächst müssen große Gegenstände ausgelesen und entfernt werden, dann das Grundstück Stück für Stück rigolt (tief umgegraben) und dem Boden durch organische Düngung Humus zugeführt werden – mit Stallmist, Kompost, durch Aussaat von Pflanzen zur Gründüngung, Torf sowie guter Gartenerde.
Manchmal werden Hobbygärtnern vernässte Grundstücke zugeteilt. Diese müssen entwässert werden, entweder mit Drainagerohren, die etwa 80 cm tief eingegraben werden, oder oberflächlich, indem das Wasser in eine Rinne abgeleitet wird, die sich dann ästhetisch ansprechend als Zulauf zu einem kleinen Teich nutzen lässt.
Bodenermüdung, erschöpfter Boden und wie man die Kraft der Beete wiederherstellt
BODENQUALITÄT Bei der Lektüre von Fachliteratur begegnen wir häufig Begriffen wie Bodenermüdung, ausgeruhter oder erschöpfter Boden sowie Boden in alter Kraft.
Bodenermüdung ist ein Phänomen, dem wir häufig in Gärten begegnen, in denen die Fruchtfolge der einzelnen Pflanzenarten nicht eingehalten wird. Sie tritt in der Regel dann auf, wenn auf derselben Stelle, im selben Beet, immer wieder dieselben Kulturen gepflanzt oder gesät werden. Sie wird einerseits dadurch verursacht, dass jede Kultur bestimmte Nährstoffe stärker aus dem Boden entnimmt, sodass es nach mehrjährigem Anbau an derselben Stelle zu einem Mangel dieser Nährstoffe kommt, und andererseits dadurch, dass bestimmte Kulturen von bestimmten Schädlingen befallen werden, die sich bei wiederholtem Anbau gefährlich vermehren (z. B. Drahtwürmer bei Wurzelgemüse). Bei Obstbäumen äußert sich die Bodenermüdung in stetig sinkenden Erträgen. Bodenermüdung wird auch durch andere Einflüsse verursacht, die bisher wissenschaftlich noch nicht genau ermittelt und nachgewiesen wurden. Um im Garten einer Bodenermüdung vorzubeugen, empfiehlt es sich, ihn in einen Bereich für Blumen, einen für Gemüse sowie einen für Beerenobst, Steinobst und Kernobst aufzuteilen. Beerenobst und Gemüse können wir abwechselnd nach entfernten Steinobstbäumen anbauen, d. h., wenn die Bäume bereits absterben, pflanzen wir nicht sofort wieder Steinobst, sondern nutzen diese Fläche einige Jahre für Gemüse oder Beerenobst. Die übrigen Pflanzen, insbesondere Kernobst, düngen wir regelmäßig und achten darauf, ob sie keinen Nährstoffmangel zeigen. Obstbäume düngem wir gelegentlich auch mit Spurenelementen nach, insbesondere mit Bor.
Manchmal ist es sinnvoll, den Boden ausruhen zu lassen. Zum Beispiel säubern wir ein für Erdbeeren vorgesehenes Beet nach einiger Zeit nach der Ernte, besäen es mit einer Gründüngungspflanze, die wir im grünen Zustand untergräben; nach einer gründlichen Herbstdüngung graben wir erneut tief um, und im Frühjahr können wir in den ausgeruhten Boden wieder Erdbeeren pflanzen und auf gute Ergebnisse hoffen.
Erschöpfter Boden ist Boden, der nicht regelmäßig gedüngt wird. Die Nährstoffe wurden teilweise durch die Pflanzen entzogen und teilweise in die tieferen Schichten ausgewaschen. Einen solchen Boden muss man gründlich mit organischen Düngemitteln düngen und je nach Bedarf der angebauten Pflanzen auch mineralische Nährstoffe zuführen.
Unter Boden in alter Kraft verstehen wir Boden, der im vergangenen Jahr gut mit Stallmist gedüngt wurde.
Bodenbearbeitung: Graben, Rigolen, Lockern und Harken
MECHANISCHE MASSNAHMEN ZUR BODENVERBESSERUNG Die Bodenbearbeitung soll den Boden in einem guten Zustand erhalten und diesen Zustand langsam verbessern. Wir möchten den Pflanzen damit die günstigsten Bedingungen für Wachstum und Entwicklung bieten, um qualitativ hochwertige Erzeugnisse zu erzielen. Damit die mechanischen Maßnahmen jedoch das gewünschte Ergebnis bringen, müssen die einzelnen Arbeiten rechtzeitig und mit geeignetem Werkzeug durchgeführt werden. Wir unterscheiden zwischen der Grundbodenbearbeitung (Graben, Rigolen, Tieferlegen) und der Oberflächenbearbeitung (Lockern, Harken).
Beim Umgraben wird der Boden gewendet, teilweise gemischt und zerkleinert. Beim Herbstumgraben lassen wir den Boden über den Winter in groben Furchen liegen. Beim Frühjahrs- und Sommerumgraben zerhacken wir die Schollen, entfernen wurzelunkräuter und bearbeiten die Oberfläche des Grundstücks.
Die Bodenvertiefung wird hauptsächlich auf flachgründigen Böden eingesetzt, wo nur eine dünne Ackerkrumenschicht vorhanden ist. Wir vertiefen den Boden beim Umgraben, indem wir beim Wenden der Scholle stets eine dünne Schicht des Untergrunds aufnehmen und mit der Ackerkrume vermischen.
Das Rigolen ist eine tiefe Bodenlockerung bis zu einer Tiefe von 60—100 cm. Wir rigolen mit Spaten, Spitzhacke und Schaufeln. Beim Rigolen wird toter Boden aus dem Untergrund an die Oberfläche gebracht. Er muss durch Zugabe von Mist oder Kompost mit Humus angereichert und so belebt werden. Dieser Eingriff hat die größte Bedeutung bei der Vorbereitung des Grundstücks für die Bepflanzung mit Weinreben.
Das Lockern ist eine flache Bodenbearbeitung. Wir belüften den Boden, wenden ihn jedoch nicht. Wir brechen die Bodenkruste auf. Dadurch vernichten wir keimende Unkräuter und ziehen Wurzelunkräuter (Quecke) aus dem Boden. Durch häufiges Lockern verhindern wir den Verlust von Bodenfeuchtigkeit durch Verdunstung. In den gelockerten Boden versickert auch Regen- und Gießwasser besser. Zum Lockern verwenden wir verschiedene Bodenlockerer und Häufelhacken.
Durch Rechen ebnen wir die Bodenoberfläche ein und entfernen Wurzelunkräuter mit hölzernen oder eisernen Rechen.
Nährstoffe und Spurenelemente: Was Pflanzen wirklich zum Leben brauchen
Nährstoffe
Eine Pflanze benötigt für ihr normales Wachstum und ihre Entwicklung zehn grundlegende Elemente, die wir als biogen — lebensnotwendig — bezeichnen. Dies sind Sauerstoff (O), Wasserstoff (H), Kohlenstoff (C), Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Kalzium (Ca), Magnesium (Mg), Schwefel (S) und Eisen (Fe). Würde eines dieser Elemente in der Pflanzenernährung fehlen, würde die Pflanze nur so lange leben, wie ihre Reservestoffe ausreichen. Nach deren Erschöpfung würde sie absterben.
Neben diesen Grundelementen kommen in der Pflanze noch andere Elemente vor, jedoch nur in geringen Mengen, in Spuren, weshalb sie auch als Spurenelemente bezeichnet werden. Dazu gehören Bor (B), Natrium (Na), Silizium (Si), Zink (Zn), Kupfer (Cu).
Pflanzen nehmen Nährstoffe entweder aus der Luft auf (Kohlenstoff, Sauerstoff) oder, und das ist der wesentliche Teil, aus dem Boden (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium, Magnesium u. a.). Dabei nehmen Pflanzen die Elemente nicht in reiner Form auf, sondern in verschiedenen chemischen Verbindungen. Beispielsweise nehmen sie Phosphor in Form von Phosphorsäure auf, Stickstoff in Form von Ammoniak oder Salpetersäure usw.
Alle Nährstoffe sollten im Gleichgewicht sein; ihre Nutzung durch die Pflanze richtet sich nach dem Liebig’schen Minimumgesetz, das besagt: „Wenn eines der grundlegenden biogenen Elemente (N, P, K, Ca) im Boden in unzureichender Menge vorhanden ist, kann die Pflanze auch die anderen drei Nährstoffe nur in begrenztem Maße nutzen, selbst wenn diese im Boden in ausreichender Menge vorhanden sind.“ Beispiel: Die Pflanze hat im Boden eine Kaliummenge zur Verfügung, die nur zur Gewinnung von 1 kg Gemüse ausreicht. Selbst wenn der Boden ausreichend mit Stickstoff, Phosphor und Kalzium versorgt ist, wird der Ertrag nicht steigen, bis wir dem Boden mehr Kalium zuführen.
BEDEUTUNG DER EINZELNEN ELEMENTE FÜR PFLANZEN
Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff Dies sind die grundlegenden Bausteine der Pflanze. Sauerstoff und Kohlenstoff beziehen Pflanzen aus der Luft. Der Gärtner kann dies praktisch nicht beeinflussen, allenfalls dadurch, dass er dafür sorgt, dass die Pflanzen nicht verstaubt sind und möglichst in sauberer Luft gedeihen. Wasserstoff gewinnt die Pflanze durch die Spaltung von Wasser bei der Photosynthese.
Stickstoff Er ist eines der wichtigsten Elemente für die Pflanzenernährung. Pflanzen nehmen ihn in Form von Ammoniak oder Salpetersäure auf; lediglich Hülsenfrüchtler sind in der Lage, mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff in reiner Form aus der Luft zu nutzen. Pflanzen
