Lebensumgebung für Pflanzen: Was jede Gartenpflanze braucht
Alles zur Lebensumgebung von Pflanzen — vom Zellaufbau über Licht, Wärme und Feuchtigkeit bis zu Bodenarten, pH-Wert und Ernährung. Ein praktischer Leitfaden für jeden Gärtner.
Was Pflanzen zum Wachsen brauchen: Licht, Wärme, Wasser und Boden
Erfahren Sie, welche Bedingungen Pflanzen zum Gedeihen benötigen. Licht, Wärme, Feuchtigkeit, Luft und der richtige Boden — ein umfassender Leitfaden zur Lebensumgebung für Pflanzen im Garten.
Warum Pflanzen die Grundlage des Lebens auf der Erde sind

LEBENSUMGEBUNG FÜR PFLANZEN
Pflanzen sind die Ureinwohner unseres Planeten; sie waren die ersten Lebewesen auf der Erde. Erst danach traten die Vertreter des Tierreichs auf. Der Grund: Nur Pflanzen können Nährstoffe in Form von Mineralstoffen aufnehmen und in organische Verbindungen umwandeln, die allen Tieren als Nahrung dienen. Aus dieser Sicht sind auch wir Menschen, die höchste Entwicklungsstufe im Tierreich, im Grunde auf Pflanzen als Quelle jeglicher Nahrung angewiesen.

Aufbau der Pflanzenzelle: vom Chlorophyll bis zu den Chromosomen
DIE ZELLE Die Grundbausteine des Pflanzenkörpers sind Zellen unterschiedlicher Form und Größe. Das Innere der Zelle besteht aus einem lebenden Teil (dem Protoplasma) und nicht lebenden Bestandteilen. Im Protoplasma unterscheidet man vier Komponenten mit verschiedenen Aufgaben: Zellkern, Zellplasma, Plastiden und Mitochondrien. Der Zellkern besteht aus komplexen Eiweißen und steuert die Lebensvorgänge in der Zelle und damit in der ganzen Pflanze. Das Zellplasma (Zytoplasma) ist eine halbflüssige Masse, überwiegend aus Eiweißen. Seine äußerste Schicht ist halbdurchlässig. Im Zytoplasma liegen Kern, Plastiden und Mitochondrien. Junge Zellen sind vollständig mit Zytoplasma ausgefüllt. Wächst die Zelle, entstehen darin Hohlräume — die Vakuolen, gefüllt mit Zellsaft. Für Gärtnerinnen und Gärtner ist gerade die Funktion der Vakuolen interessant, denn der Zellsaft enthält verschiedene Säuren (Apfel-, Wein-, Essigsäure u. a.), Gerbstoffe, Pektine und Mineralsalze. Das Verhältnis dieser Stoffe bestimmt den Geschmack der Früchte. Die rote, violette und blaue Färbung des Safts stammt von den Anthocyanen — etwa in Heidelbeeren, in der Roten Bete oder in blauen Stiefmütterchen.
Plastiden sind winzige lebende Körperchen im Zytoplasma, die sich in Farbe und Funktion unterscheiden. Farblose Plastiden sitzen vor allem in Speicherorganen — Wurzeln, Knollen, Samen. In ihnen wird hauptsächlich Reservestärke eingelagert. Grüne Plastiden (Chloroplasten) enthalten den grünen Farbstoff Chlorophyll, mit dem Pflanzen Sonnenenergie einfangen und für die Assimilation nutzen. Chlorophyll bildet sich nur im Licht. Diese Plastiden enthalten auch orangerote Carotine und gelbe Xanthophylle, die jedoch vom grünen Chlorophyll überdeckt werden. Sie treten erst im Herbst hervor, wenn das Chlorophyll abgebaut wird — deshalb färben sich die Blätter gelb und rot. Farbige Plastiden enthalten das rote Carotin und den gelben bis braunen Xanthophyll-Farbstoff. Sie bewirken die Färbung von Früchten, Blütenblättern und mancher Wurzeln (etwa Hagebutte, Tomate, Paprika, Möhrenwurzel oder gelbe und rote Blüten).
Ein Plastidentyp kann in einen anderen übergehen. So werden grüne Plastiden in der Tomatenfrucht beim Reifen rot; farblose Plastiden in der Kartoffelknolle werden grün, wenn die Knolle dem Licht ausgesetzt wird; und grüne Plastiden in oberirdischen Teilen (Sprosse der Zichorie, Triebe des Spargels, Blätter des Lauchs) werden unter Lichtabschluss farblos — dieses Prinzip nutzt man beim Bleichen dieser Feingemüse.
Die Zellwand bestimmt Form und Größe der Zelle und trennt sie von der Außenwelt oder von den Nachbarzellen. In den Wänden liegen Kanäle, durch die Lösungen von Zelle zu Zelle wandern. In ältere Zellwände wird Holzstoff eingelagert, sie verholzen (etwa in verholzenden Trieben), oder Korkstoff, sie verkorken. Häufig lagern sich Mineralstoffe ein, die die Wand versteifen (etwa Siliciumdioxid bei Seggen und Schachtelhalmen). Bei den Zellen der Wurzelspitze verschleimt die Zellwand und lässt die Wurzelspitze zwischen harten Bodenkörnern hindurchwachsen.
Zellen vermehren sich durch Teilung, und dadurch wächst die Pflanze. Zu Beginn der Teilung löst sich die Hülle des Zellkerns auf und die Chromatinkörner verbinden sich zu einem langen Faden, der in der nächsten Phase in Chromosomen zerfällt. Die Chromosomenzahl ist für jede Pflanzenart konstant: Die Möhre hat 18, die Erbse 14. Jedes Chromosom spaltet sich dann in zwei Chromosomen gleicher Form, aber halber Dicke. Die gespaltenen Chromosomen wandern zu den beiden Polen der Zelle, lösen sich dort auf und bilden neue Kerne. In der Mitte entsteht eine Trennwand, die die Zelle in zwei Tochterzellen teilt; diese wachsen auf normale Größe heran.
Die Geschlechtszellen in den Staubbeuteln (Pollenkörner) und in den Fruchtknoten (Eizellen) haben den halben Chromosomensatz, denn bei ihrer Bildung wird die Chromosomenzahl halbiert (reduziert). Das nennt man Reduktionsteilung. Eizelle und Pollenkorn haben also den halben, den sogenannten haploiden Satz. Bei der Befruchtung verschmelzen die Kerne beider Geschlechtszellen, sodass die befruchtete Eizelle und die daraus wachsende Pflanze den normalen (diploiden) Satz besitzen. Der Apfelbaum etwa hat 2 × 17 = 34 Chromosomen. Bei Gartenpflanzen trifft man aber auch abweichende Zahlen: Manche Apfelsorten haben 3 × 17 = 51 Chromosomen (triploid). Es gibt auch Pflanzen mit mehrfachem Chromosomensatz (polyploid). Solche Pflanzen unterscheiden sich von normalen in Form, Größe, Blüten- oder Fruchtfarbe, mitunter erreichen sie Riesenwuchs. In der Züchtung wird das gezielt genutzt.
Zellen gleicher Form und Funktion bilden Gewebe: Abschlussgewebe (schützt vor äußeren Einflüssen), Bildungsgewebe (neue Zellen), Speichergewebe (Reservestoffe), Leitgewebe (transportiert Nährlösungen) oder Wundgewebe (schließt Verletzungen). Jedes Gewebe hat seine eigene Aufgabe und Bedeutung.
Organe der Pflanze und ihre Funktionen: Wurzeln, Blätter, Blüten und Früchte
DIE PFLANZENORGANE Gewebe bilden in bestimmten Anordnungen die einzelnen Pflanzenorgane. Die Grundorgane sind vegetativ (Wurzel, Spross, Blatt) und generativ (Blüte, Same, Frucht). Jedes Organ hat eine bestimmte Aufgabe. Im Folgenden kurz einige Funktionen, die aus Gärtnersicht interessant sind.


Der Spross ist der oberirdische Teil der Pflanze, der Blätter und Blüten trägt. Er wächst an der Spitze weiter und leitet Nährstoffe. Sprosse sind krautig oder verholzt. Krautige Sprosse nennt man Stängel, wenn sie Blätter und Blüten tragen (etwa bei der Sonnenblume), Schäfte, wenn sie nur Blüten tragen (etwa bei Tulpe und Hyazinthe), und Halme, wenn sie hohl und von Knoten unterbrochen sind (Gräser). Verholzte Sprosse haben Bäume und Sträucher (Stamm und Äste).
Knospen sind Sprossanlagen und unterscheiden sich nach ihrer künftigen Aufgabe: Holzknospen (Augen) sind schmal und zugespitzt, aus ihnen entstehen neue Zweige; Blattknospen sind stumpfer und treiben Blätter; Blütenknospen sind rundlich und enthalten die Anlagen von Staubblättern, Stempeln und Blütenhülle. Schlafende Augen nennt man Knospen, die unter der Rinde erhalten bleiben. Sie treiben aus, wenn das physiologische Gleichgewicht des Baumes gestört ist — etwa nach dem Bruch stärkerer Äste, nach starkem Verjüngungsschnitt oder nach Frostschäden an der Krone. Die üppigen Triebe aus diesen Augen heißen Wasserschosse.
Das Blatt besteht gewöhnlich aus Spreite, Stiel und Blattscheide. Im Querschnitt der Spreite sind mehrere Gewebeschichten zu erkennen. Die äußerste Schicht ist die Epidermis; auf der Blattunterseite trägt sie feine Öffnungen, die das Entweichen von Wasser durch Verdunstung steuern. Hat die Pflanze zu wenig Wasser, schließen sich die Spaltöffnungen selbsttätig und drosseln die Verdunstung. Bei Wasserüberschuss bleiben sie geöffnet, damit die Pflanze überschüssiges Wasser abgeben kann. Spaltöffnungen gibt es sehr viele — auf 1 mm² Apfelblatt etwa 250. Die Wasserabgabe der Pflanze heißt Transpiration. Blätter und grüne Sprossteile verdunsten ständig Wasser, der größte Teil entweicht jedoch durch die Spaltöffnungen.
Eine sehr wichtige Funktion für das Leben der Pflanze ist die Photosynthese (photosynthetische Assimilation). Sie läuft nur in den grünen Pflanzenteilen ab, denn Chlorophyll ist unverzichtbar für die Bildung organischer Verbindungen; diese entstehen in einer komplexen Reaktionskette aus Kohlendioxid und Wasser unter Mitwirkung von Sonnenenergie. Durch die Spaltöffnungen entweicht so viel Sauerstoff (aus dem Wasser freigesetzt), wie an Kohlendioxid aufgenommen wurde — das Gleichgewicht in der Luft wird wiederhergestellt. Damit verbessert sich auch die Luft für den Menschen. Deshalb sagt man, Bäume seien die Lungen der Stadt: Sie entziehen der Luft Kohlendioxid und reichern sie mit Sauerstoff an.
Die Pflanze verbraucht Sauerstoff aber auch — bei der Atmung (Dissimilation). Der dafür nötige Sauerstoff gelangt durch Spaltöffnungen und Epidermis in die Pflanze. In den oberirdischen Organen ist meist genug davon vorhanden. Mangel leiden vor allem Wurzeln in vernässtem Boden (etwa Topfpflanzenwurzeln, wenn wir ständig zu viel gießen und damit die Luft aus dem Substrat verdrängen; sie können nicht atmen und die Pflanze geht ein).
Die Atmung ist ein Oxidationsvorgang, bei dem komplexe organische Stoffe abgebaut werden und Energie für die Lebensvorgänge frei wird. Die durch Photosynthese gebildeten Assimilate überwiegen jedoch, sodass trotz Atmungsverlusten ein Zuwachs bleibt. Die Pflanze veratmet nur etwa ¹⁄₈ bis ¹⁄₅ der gebildeten Assimilate. Verluste durch Atmung treten auch im Lager auf, wo man die Atmung mit niedrigen Temperaturen bremst.
In die Blätter gelangen aus den Wurzeln auch Mineralstoffe, die dort in organische Verbindungen umgebaut werden. Ein gesunder Blattapparat ist deshalb beim Obstbaum die erste Voraussetzung für eine gute Ernte — und bei Blumen die Bedingung für eine schöne Blüte.
Die Wurzel ist neben dem Blatt das Hauptorgan der Nährstoffaufnahme. Sie verankert die Pflanze im Boden und nimmt Wasser und Nährlösungen auf. Die Wurzel ist dabei nicht nur passiv — in ihr entstehen auch organische Stoffe, etwa Eiweiße.
Für die Ernährung am wichtigsten sind die feinsten, wenige Millimeter langen Würzelchen, die Wurzelhaare. Sie wachsen und erneuern sich sehr schnell, und ihre Fähigkeit, Nährstoffe aufzunehmen, hält meist nur wenige Stunden an. Danach altern sie und dienen nur noch der Wasseraufnahme. Ihre Zahl ist enorm: Ein einjähriger Apfelsämling hat bis zu 17 Millionen Haarwurzeln mit einer Gesamtlänge von fast 3 km. Diese feinsten Würzelchen wachsen selbst bei recht niedrigen Temperaturen (nahe 0 °C) — ausgenommen wärmeliebende Arten wie Pfirsich oder Magnolie. Deshalb empfiehlt es sich, Bäume überwiegend im Herbst zu pflanzen; bis zum Frühjahr bilden sie zahlreiche Würzelchen, die im Frühjahr sofort Nährstoffe und Wasser aufnehmen. Bei Frühjahrspflanzung, zumal verspäteter, zehrt der Baum zunächst nur von den eigenen Reserven. Speicherorgan sind wiederum die Wurzeln, in denen der Baum die während der Vegetationszeit gebildeten Stoffe über den Winter einlagert. Im Frühjahr werden sie frei und strömen in die austreibenden Knospen. Gesunde, funktionsfähige Wurzeln sind also die zweite Voraussetzung für eine gute Ernte.
Die Blüte ist ein stark verkürzter Spross, dessen Blätter zu Fortpflanzungsorganen umgebildet sind. Sie besteht gewöhnlich aus den Hauptteilen — Staubblättern und Stempel — sowie den Nebenteilen, der Blütenhülle, die die junge Blüte schützt und Bestäuber anlockt und so der Bestäubung dient.
Die Blütenhülle besteht entweder aus einer einzigen Art von Blättchen — dann spricht man von einem Perigon (etwa bei Tulpe, Lilie, Maiglöckchen oder Schneeglöckchen) — oder aus einem äußeren grünen Kelch und einer inneren Krone aus bunten Kronblättern (etwa Mohn, Kirsche, Tomate, Rose).
Das Staubblatt besteht aus dem Staubfaden und zwei Pollensäcken mit den Pollenkörnern — den männlichen Zellen.
Der Stempel besteht aus dem Fruchtknoten (mit den Eizellen — den weiblichen Zellen), dem Griffel und der Narbe.
Haben Blüten beide Hauptteile, also Staubblätter und Stempel, nennt man sie zwittrig — etwa bei Apfel und Tulpe. Blüten mit nur Staubblättern heißen männlich, Blüten mit nur Stempel weiblich. Bei einhäusigen Pflanzen (etwa Haselnuss, Gurke, Fichte oder Mais) sitzen männliche und weibliche Blüten auf derselben Pflanze. Bei zweihäusigen Pflanzen (Hopfen, Eibe, Weide) trägt eine Pflanze nur männliche, eine andere nur weibliche Blüten.
Bestäubung, Befruchtung und Samenbildung sind ein komplexer Vorgang. Bestäubung heißt, dass Pollen auf die Narbe gelangt. Das dort haftende Pollenkorn wächst durch den Griffel in den Fruchtknoten und verschmilzt mit der Eizelle zu einer Zelle, aus der der Same entsteht. Die Vereinigung des Pollenkerns mit dem Kern der Eizelle heißt Befruchtung. Gute Bestäubungsbedingungen zu schaffen ist damit die dritte Voraussetzung für eine gute Ernte.
Indem die Pflanze Nahrung aus ihrer Umgebung aufnimmt, nimmt ihre Masse zu — sie wächst, und zwar nicht nur insgesamt: Auch ihre einzelnen Organe wachsen und verändern sich zugleich in Form und Chemie, die Pflanze entwickelt sich. Im Lauf ihres Lebens ändert sie ihren Stoffwechsel, entfaltet neue Funktionen, bildet neue Blätter, später Blüten, Früchte, Samen. Aus den Samen keimen neue Pflanzen, die wachsen und sich bis zur eigenen Samenbildung entwickeln. Folge des Stoffwechsels sind also nicht nur Wachstum und Entwicklung des Einzelnen, sondern auch die Anlage neuer Individuen derselben Art — die Vermehrung. So wiederholt sich der Lebenszyklus fortwährend und das Leben der Art besteht über den Tod des Einzelnen hinaus.
Wie Klima, Lage und Höhenlage den Garten beeinflussen
Was eine Pflanze zum Leben braucht
Jede Pflanze braucht für ihre gute Entwicklung eine bestimmte Umgebung. Diese ist im Wesentlichen durch Klima, Höhenlage und Lage bestimmt.
DAS KLIMA Deutschland hat weder ein ausgeprägt maritimes noch ein ausgeprägt kontinentales Klima — es liegt im Übergangsbereich. Es wechseln Jahre mit eher maritimem Charakter, in denen die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf gering bleiben, Winter und Sommer mild sind und mehr Niederschlag fällt, mit Jahren kontinentaleren Charakters, in denen es wenig regnet und die Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer wie auch zwischen Tag und Nacht beträchtlich ausfallen.
Auf das Klima haben wir keinen Einfluss; wir können die Umgebung für die Pflanzen nur durch Bewässerung, Frostschutz, Schattierung, Räuchern und Ähnliches gestalten. Damit lässt sich das Kleinklima in der Obstanlage, im Beet oder im Frühbeet erheblich verbessern.
Für das Gedeihen der Pflanzen sind alle Jahreszeiten gleich wichtig. Im Winter können Schneemengen oder Kahlfröste, Eisregen oder umgekehrt plötzliche Wärme das weitere Leben der Pflanze günstig oder sehr ungünstig beeinflussen. Sehr wichtig ist der Witterungsverlauf im Frühjahr: Ideal ist langsames Abtauen, damit das Schmelzwasser im Boden versickert und bei rascher Schneeschmelze nicht in die Gewässer abfließt. Das Frühjahr soll außerdem mit ergiebigen Niederschlägen den Wasserhaushalt regeln und auch tief wurzelnden Pflanzen eine gute Entwicklung ermöglichen. Erwünscht ist ferner eine allmähliche Erwärmung ohne starke Wechsel zwischen Tag- und Nachttemperatur, damit Bäume und Sträucher nicht vorzeitig austreiben und von neuen Frösten geschädigt werden. Das richtige Verhältnis von Niederschlag und Temperatur bestimmt die Entwicklung im Sommer und die gute Ausreifung der Früchte. Fällt die Temperatur im Herbst plötzlich und früh unter den Gefrierpunkt, reifen die Gehölze im Holz nicht aus und werden anfälliger für Frostschäden und Krankheiten; empfindlichere Gemüse- und Blumenarten erfrieren.
DIE LAGE Die Lage entscheidet fast darüber, wie sich ein Garten nutzen lässt. Die Neigung des Grundstücks (Süd- oder Nordhang) beeinflusst die Wirkung verschiedener Klimafaktoren, etwa Wind, Temperaturwechsel und Sonneneinstrahlung. Südhänge werden am stärksten besonnt, sind warm und trocken, und die Pflanzen beginnen dort im Frühjahr am frühesten zu wachsen. Osthänge sind ebenfalls gut belichtet und meist noch trockener als Südhänge, weil sie von Ostwinden ausgetrocknet werden. Westhänge sind ebenfalls recht warm, aber meist feuchter als Südhänge. Am kältesten sind Nordhänge: Dort taut der Boden am spätesten auf und die Pflanzen entwickeln sich verzögert. Manche Arten gedeihen dort schlecht, weil ihnen die Sonne fehlt.
Viel hängt davon ab, ob der Garten geschützt oder ungeschützt liegt. Offene, windige, ungeschützte Lagen sind meist trocken, und die Pflanzen werden häufig vom Wind geschädigt. Am günstigsten sind Lagen, die nach Norden oder zur Hauptwindrichtung hin durch Wald oder Gebäude geschützt sind. Geschlossene Lagen und Frostmulden sind für den Pflanzenbau ungünstig, weil sich dort Nebel und Kaltluft halten und die Luft kaum in Bewegung ist.
DIE HÖHENLAGE Sie beeinflusst Temperatur, Strahlungsintensität, Luftfeuchte und Niederschlagsmenge. Je höher die Lage, desto ungünstiger sind meist Klima und Boden und desto kürzer die Vegetationszeit. Grob unterscheidet man Flachland, Hügelland und Bergland (Flachland bis etwa 200 m über dem Meer, Hügelland von 200 bis 500 m und Bergland ab 500 m).
Da wir beim Anlegen eines Gartens das Grundstück meist nicht nach Lage und Klima aussuchen können, müssen wir von den Gegebenheiten ausgehen und uns anpassen. Vor allem gilt es, passende Pflanzen zu wählen, denn das Pflanzenreich bietet eine ganze Bandbreite an Ansprüchen — von ausgesprochen feuchtigkeitsliebend bis trockenheitsverträglich, von sonnenhungrig bis schattenverträglich. Auch mit der Sortenwahl lassen sich die Bedingungen nutzen. Gegen die Hauptwindrichtung pflanzen wir Windschutz, sei es als Gehölzkulisse oder als Mauer, die zugleich schmücken oder den Raum gliedern kann. Zu nassen Boden können wir dränieren, in zu trockenen Lagen kräftig gießen. Auf zu sonnigen Hängen schafft die richtige Pflanzung Schatten. Wasserbecken verbessern das Kleinklima. Möglichkeiten, ungünstige Bedingungen zu beeinflussen, gibt es viele. Nutzt man sie, lässt sich auch in schwierigeren Lagen ein Garten anlegen, in dem von Frühling bis Winter etwas blüht und trägt und der eine Fülle an Schönheit und Ertrag bringt.
Licht, Wärme und Feuchtigkeit: Schlüsselbedingungen für das Wachstum
DIE KLIMAFAKTOREN Das Zusammenspiel der Klimafaktoren schafft günstige oder ungünstige Lebensbedingungen für die Pflanze. Es geht im Wesentlichen um Licht (Intensität, Beleuchtungsdauer), Temperatur, Feuchtigkeit (Menge und Verteilung der Niederschläge) und deren Gehalt in der Luft.

Licht Verschiedene Pflanzenarten haben verschiedene Lichtansprüche. Danach unterscheidet man Sonnen-, Halbschatten- und Schattenpflanzen. Sonnenpflanzen brauchen einen Standort in der vollen Sonne, Halbschattenpflanzen einen teilweise beschatteten Platz oder lichten Schatten, Schattenpflanzen bevorzugen einen beschatteten Standort. Verschiedene Arten brauchen außerdem eine unterschiedliche Tageslänge, um Blüten anzusetzen und zu fruchten. Danach unterscheidet man Kurztagpflanzen — etwa Gurken oder Chrysanthemen, die für die Blütenbildung weniger als 12 Stunden Tag brauchen; Mitteltagpflanzen — etwa Rosen, die wenig anspruchsvoll sind und blühen, wenn der Tag etwa 12 Stunden dauert; und Langtagpflanzen — etwa Chabaud- Nelken oder Radieschen, die bei mehr als 12 Stunden Tag blühen.
Licht wirkt stark auf Wachstum, Entwicklung und Ertrag, denn es beeinflusst maßgeblich die Intensität des Stoffwechsels. Ziel der Gärtnerin und des Gärtners sollte sein, den Pflanzen genug Licht zu geben — etwa durch passende Pflanzabstände, damit sie sich nicht gegenseitig beschatten, und durch das Auslichten der Baumkronen, damit Licht hineinfällt und die Früchte schön werden.
Wärme Die meisten bei uns wachsenden Pflanzen beginnen bei 1—5 °C zu wachsen — das ist das Temperaturminimum. Über 40 °C sterben Pflanzen ab, weshalb diese Grenze Temperaturmaximum heißt. Die günstigste Temperatur (das Optimum) liegt für die meisten Pflanzen zwischen 20 und 30 °C. In unseren Breiten sind Schäden durch zu hohe Temperaturen selten. Weit schädlicher wirken Frost und vor allem der Wechsel zwischen hohen und niedrigen Temperaturen.
Für unsere Gärten sind vor allem die ersten Herbstfröste und die späten Frühjahrsfröste gefährlich. Fröste Ende September oder Anfang Oktober vernichten oft empfindlichere Blumen und Gemüse, etwa Tomaten. Späte Frühjahrsfröste schädigen Gemüse- und Blumenpflanzungen und zur Blütezeit auch Obst- und Ziergehölze. Ein regelmäßiges Risiko sind die Eisheiligen Mitte Mai. Erst danach lassen sich wärmeliebende Pflanzen (etwa Tomaten und Paprika) ohne Sorge auspflanzen. Temperaturschwankungen sind besonders im Vorfrühling gefährlich, wenn die Temperatur an sonnigen Tagen über 10 °C steigt und nachts wieder stark fällt. Die Frosthärte der einzelnen Arten entscheidet letztlich darüber, ob sie sich unter den gegebenen Bedingungen kultivieren lassen. Der Erfolg hängt daher vor allem von der Standortwahl ab. Entspricht der Standort den Ansprüchen einer Pflanze nicht, sollte man sie dort entweder nicht kultivieren oder den Standort schützen und verbessern. Geschützt wird mit Schutzwänden oder Abdeckungen aus Folie oder Glas.
Wärme weckt im Frühjahr die Vegetation und beendet sie im Herbst.
Feuchtigkeit Ohne Wasser gibt es kein Leben, auch nicht für Pflanzen. Wasser liefert der Pflanze unmittelbar Sauerstoff und Wasserstoff, es ist außerdem Lösungsmittel für die über die Wurzeln aufgenommenen Nährstoffe und bedingt die Zellspannung, den sogenannten Turgor. Bei Wassermangel sinkt die Zellspannung, das Gewebe erschlafft und die Pflanze welkt.
Jede Pflanze braucht von Beginn ihrer Entwicklung bis zur Fruchtreife ausreichend und gleichmäßig Wasser. Nach dem Wasserbedarf unterscheidet man Wasserpflanzen, feuchtigkeitsliebende Pflanzen, Pflanzen mit mittlerem Bedarf und trockenheitsverträgliche Pflanzen.
Wasserpflanzen wachsen unmittelbar im Wasser und wurzeln im Schlamm am Beckengrund (etwa die Seerose). Feuchtigkeitsliebende Arten brauchen nicht nur viel Bodenwasser, sondern auch feuchte Luft, sodass wir sie bei uns meist nur im Gewächshaus kultivieren können, wo sich das passende Kleinklima einstellen lässt. Die meisten bei uns wachsenden Pflanzen haben einen mittleren Wasserbedarf. An trockenen, sonnigen Standorten wachsen trockenheitsverträgliche Arten mit fleischigen Sprossen oder Blättern, die in Trockenzeiten als Wasserspeicher dienen (Kakteen, Dickblattgewächse wie die Hauswurz ).
Hauptquelle der Feuchtigkeit sind die Niederschläge, die in verschiedener Form fallen: Regen, Schnee, Raureif, Tau. Regen ist in der Vegetationszeit die wichtigste und ergiebigste Quelle. Schnee bildet im Winter eine Decke, die die Pflanzen vor Frost schützt; im Frühjahr taut sie langsam ab, das Wasser versickert im Boden und ist dort Quelle der sogenannten Winterfeuchte. Raureif sind feine Eiskristalle, die sich aus der Luftfeuchte auf Boden- oder Pflanzenoberflächen bilden, wenn es unter 0 °C abkühlt. Tagsüber taut er nach der Erwärmung und sickert in den Boden. Raureif bildet sich meist morgens an kalten Herbst- und Vorfrühlingstagen. Auch Tau ist eine wichtige natürliche Bewässerung, denn er befeuchtet die Pflanzen in Trockenzeiten. Er entsteht ähnlich wie Raureif, nämlich durch Kondensation von Wasserdampf zu kleinen Tropfen auf nachts abgekühlten Pflanzen oder Böden.
Die Niederschläge sind nicht gleichmäßig verteilt — am meisten fällt im Herbst und im Frühjahr. Damit die Pflanzen die nötige Wassermenge zur richtigen Zeit erhalten, müssen wir bewässern.
Luft Sie ist ein Gemisch aus Gasen (O, N, CO₂ u. a.) und Dämpfen (Wasserdampf). Für Pflanzen ist sie die Quelle von Sauerstoff und Kohlendioxid, für Organismen, die Luftstickstoff binden können, auch die Stickstoffquelle. Die Luftfeuchte beeinflusst die Transpiration (Wasserverdunstung). Ist die Luft zu trocken, steigt die Verdunstung übermäßig und die Pflanze leidet unter Wassermangel. Bei zu hoher Luftfeuchte können Pflanzen verdämmen und werden von Pilzkrankheiten befallen. Zu hohe Luftfeuchte tritt in der Regel nur unter Glas oder Folie auf. Deshalb muss man ans Lüften denken.
Verunreinigte Luft ist schädlich für alles Leben — für Menschen, Tiere und Pflanzen. Industriebetriebe belasten oft die ganze weitere Umgebung mit Ruß, Flugasche, Teerverbindungen, Staub und Rauchgasen. Flugasche, Ruß und Staub setzen sich auf den Pflanzen ab, vor allem auf den Blättern. Sie verstopfen die Spaltöffnungen, schlucken Sonnenlicht und behindern wichtige Blattfunktionen. Besonders gefährlich ist Schwefeldioxid in Rauchgasen, denn es baut Chlorophyll ab. All das beeinträchtigt Wachstum und Entwicklung der Pflanzen.
Luft ist ständig in Bewegung, und ein leichter Luftzug ist für Pflanzen günstig. Starke Luftbewegung — kräftiger Wind, Böen, Sturm — ist dagegen ungünstig: Pflanzen können unmittelbar geschädigt, gebrochen oder entwurzelt werden. Außerdem steigt die Wasserverdunstung aus Pflanzen und Boden übermäßig an und die Assimilation sinkt. Nicht zuletzt wirkt starker Wind auf die Bestäubung, denn er hält die Bienen vom Ausflug ab und lässt die Narben austrocknen. Gegen starke Winde aus einer Hauptrichtung schützen wir die Pflanzen mit einer Gehölzkulisse oder indem wir empfindlichere Arten im Schutz von Mauern pflanzen. Obstbäume setzen wir so, dass der Wind nicht gegen die Wand drückt, sondern an ihr entlangströmt.
Zusammensetzung und Struktur des Bodens: Humus und Bodenfruchtbarkeit
Der Boden
Jeder Boden ist ein lebender Organismus, in dem reges Leben von Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen herrscht. Es ist ein bemerkenswerter geschlossener Kreislauf aus Werden und Vergehen, aus Bildung und Abbau organischer Stoffe; wie jeder lebende Organismus hat auch der Boden nur ein Ziel: leben und hervorbringen.
Als Boden bezeichnet die Bodenkunde die oberste Schicht der festen Erdkruste; er ist ein natürliches Gebilde in natürlicher Umgebung. Entnehmen wir dem Boden einen Teil und bereiten ihn auf, erhalten wir Erde. Als Lehm bezeichnen wir biologisch wenig aktives Material. Gärtnerinnen und Gärtner arbeiten also mit Boden und Erde, mit Lehm arbeiten Ziegler und Ofensetzer.
Die obere Bodenschicht heißt Oberboden (Krume), darunter liegt eine dünnere Schicht, der Unterboden. Noch tiefer folgen Untergrund und Ausgangsgestein. Unter dem Bodenprofil versteht man Oberboden, Unterboden und Untergrund.
Der Boden besteht aus verschiedenen Bestandteilen — den Phasen. Das sind vor allem Feststoffe, Wasser und Luft.
Die Feststoffe bilden die eigentliche Bodenmasse; sie bestehen aus einem anorganischen und einem organischen Anteil. Den anorganischen Anteil unterscheidet man nach der Korngröße in Sand, Schluff und Ton. Die feinsten Tonteilchen können Wasser und darin gelöste Nährstoffe halten und verkitten die Bodenteilchen zu größeren Aggregaten. Den organischen Anteil bilden vor allem Humus und das Bodenleben. Humus entsteht im Boden beim Abbau organischer Substanz. Diesen Abbau leistet das Bodenleben, vor allem Bakterien — manche brauchen dafür Luftsauerstoff (aerobe), andere nicht (anaerobe).
Den Abbau organischer Substanz nennt man zusammenfassend Humifizierung. Je nach Luftzutritt (vor allem Sauerstoff) unterscheidet man dabei Verwesung, Fäulnis und Gärung.
Verwesung ist der Abbau organischer Substanz bei ausreichendem Luftzutritt. Aerobe Bakterien bauen die organische Masse ab, und die frei werdenden Mineralstoffe dienen den Pflanzen als Nährstoffe. Das ist ein günstiger Vorgang. Fäulnis heißt der Abbau organischer Substanz unter Luftabschluss; hier wirken Fäulnisbakterien, und der Vorgang ist ungünstig. Gärung ist die Umwandlung von Zucker und ähnlichen stickstofffreien Stoffen in Gärungsprodukte und Kohlendioxid. Sie geschieht durch Hefen bei begrenztem Luftzutritt.
Nach dem Humusgehalt teilt man Böden ein in schwach humos mit weniger als 1 % Humus, mäßig humos mit 1—2 %, mittel humos mit 2—3 % und humos mit mehr als 3 % Humus. Gartenboden sollte mindestens 3 % Humus enthalten.
Den Raum zwischen den festen Bodenteilchen füllen Wasser und Luft. Im Wasser sind verschiedene Stoffe gelöst, es handelt sich also nicht um reines Wasser, sondern um die Bodenlösung. Mäßig feuchter Boden enthält etwa 5—10 % davon. Die Bodenluft hat meist weniger Sauerstoff und mehr Kohlendioxid als die Atmosphäre — die Wurzeln atmen, verbrauchen Sauerstoff und geben Kohlendioxid ab.
DIE BODENSTRUKTUR Für Gärtnerinnen und Gärtner ist die Bodenstruktur eine wichtige Eigenschaft. Sie hängt vor allem von der Körnung, vom Humusgehalt, vom Wurzelwerk der Pflanzen, von der Aktivität des Bodenlebens, von der Niederschlagsmenge sowie vom Versickern und Aufsteigen des Wassers ab. Wasser versickert durch die Poren. Neben den Poren gibt es im Boden feinere Öffnungen, die Kapillaren, durch die Wasser aus tieferen Schichten zur Oberfläche aufsteigt.
Am günstigsten für Pflanzen ist die Krümelstruktur. Dabei sind die Bodenteilchen zu Krümeln von 1—10 mm Durchmesser verkittet. Die Krümel berühren einander an Kontaktpunkten, sodass ein schwammartiger Aufbau entsteht: große Luftporen zwischen den Krümeln und kurze Kapillaren in ihrem Inneren. Die zusammenhängenden Luftporen lassen Niederschlagswasser leicht versickern und Wurzeln vordringen. An den Kontaktflächen setzen sich die Kapillaren fort, sodass Wasser aus tieferen Schichten aufsteigen und die Pflanzen versorgen kann. Eine dauerhafte Krümelstruktur entsteht durch regelmäßige Humuszufuhr. Erhalten bleibt sie durch Beschattung mit Pflanzen oder durch Mulchen.
Die verschlämmte Struktur ist weniger günstig. Am anfälligsten dafür sind schwerere Böden mit hohem Tonanteil. Die Teilchen liegen dicht beieinander, der Boden ist für Wasser und Wurzeln fast undurchlässig. Verschlämmung tritt vor allem nach starken Regenfällen oder nach falschem Gießen mit hartem Strahl auf, wenn die Tropfen die Krümel zerschlagen und der Boden vernässt. Nach dem Abtrocknen bildet sich eine Kruste, die man durch Lockern aufbrechen muss.
Die Einzelkornstruktur ist für Pflanzen noch ungünstiger, weil die Wurzeln darin schlecht verankert sind. Die Bodenteilchen sind nicht zu Krümeln verkittet, der Boden ist locker und porenreich. Wasser versickert rasch in tiefere Schichten und schwemmt Nährstoffe in den Untergrund. Die Pflanzen leiden unter Wasser- und Nährstoffmangel.
Die Bodenstruktur ist keine feste Eigenschaft und lässt sich beeinflussen. Um die erwünschte Krümelstruktur zu bekommen, müssen wir allen Böden regelmäßig Humus zuführen, besonders aber zu leichten Sandböden mit Einzelkornstruktur und schweren Tonböden mit verschlämmter Struktur. In leichte Böden gehören regelmäßig verkittende Stoffe wie Torf, Carbokalk oder Schlick, in schwere Böden dagegen auflockernde Stoffe, vor allem grober Sand und Asche, ebenso Torf, der ein unschätzbarer Bodenverbesserer ist. Die Düngung mit organischen Düngern, vor allem mit Kompost, ist in allen Böden unverzichtbar.
Bodensorption und pH-Wert: den Boden-pH messen und anpassen
DIE BODENSORPTION Eine weitere wichtige und beeinflussbare Bodeneigenschaft ist die Sorption. Damit ist die Fähigkeit gemeint, für Pflanzen wichtige Nährstoffe zu halten, zu binden und auszutauschen. Nährstoffe können physikalisch, chemisch oder biologisch gebunden werden.
Physikalische Sorption ist der Vorgang, bei dem sich an der Oberfläche fester Bodenteilchen Moleküle, Atome oder Ionen aus der umgebenden flüssigen oder gasförmigen Phase anlagern; sie setzt Bodenkolloide voraus.

Chemische Sorption entsteht, wenn Bodenbestandteile mit den eingesetzten Düngern wasserunlösliche Verbindungen bilden, die nicht ausgewaschen werden können. Grundlage ist dabei der Sorptionskomplex aus einem aktiven und einem passiven Anteil; passiv sind hier vor allem die Kationen Ca, Mg, K, Na, NH₄, Mn und H. Böden mit vielen Calcium-, Magnesium- und Kaliumkationen im Sorptionskomplex heißen basengesättigt. Überwiegt das Wasserstoffkation, sind sie ungesättigt.
Biologische Sorption ist die Bindung von Pflanzennährstoffen in organischer Substanz, aus der sie beim Abbau wieder frei werden.
Die größte Sorption haben gute humose Böden mit Krümelstruktur; sie halten Nährstoffe am besten in pflanzenverfügbarer Form. In Sandböden ist die Sorption gering und Nährstoffe werden in Schichten ausgewaschen, die für Pflanzen nicht mehr erreichbar sind. In Tonböden ist die Nährstoffbewegung gehemmt, und der Bodenzustand begünstigt die Aufnahme durch die Wurzeln nicht.
DIE BODENREAKTION Der Boden (seine chemische Reaktion) kann sauer, neutral oder alkalisch — basisch — sein. Die Bodenreaktion bezeichnen wir mit dem pH-Wert; am sauersten ist ein Boden bei pH 4 und darunter, neutral bei pH 6,5—7,4 und am alkalischsten bei pH 7,5 und darüber. Auch diese Eigenschaft ist nicht konstant. Beeinflussen lässt sie sich vor allem durch die Düngung mit organischen und mineralischen Düngern; daneben wirken Niederschläge und die Abbauprodukte der organischen Substanz. Im Garten liegt die Bodenreaktion zwischen pH 4 und pH 8. Unter pH 4 (etwa in Mooren) enthält der Boden pflanzenschädliche Stoffe, ebenso über pH 8. Verschiedene Arten stellen unterschiedliche Ansprüche, und es ist richtig, den Boden entsprechend anzupassen. (Sauren Boden bevorzugen etwa Johannisbeeren, Stachelbeeren und Apfelbäume, eine alkalischere Reaktion verlangen dagegen Steinobstarten — Aprikose, Pfirsich, Kirsche und Zwetschge). Insgesamt lässt sich sagen, dass die meisten Gartenpflanzen eine neutrale bis schwach saure Reaktion brauchen, also pH 6,4—7,2.
Den pH-Wert können wir genau bestimmen lassen, indem wir eine Bodenprobe ins Labor schicken. Orientierend geht es auch selbst: Übergießt man eine trockene Scholle mit Essig, schäumt alkalischer Boden; oder man laugt eine Bodenprobe mit destilliertem Wasser aus und prüft mit Lackmuspapier (bei saurer Reaktion färbt es sich rot, bei basischer blau). In der Natur lässt sich die Bodenreaktion an Zeigerpflanzen ablesen. Auf sauren Böden wachsen etwa Seggen, Preiselbeere, Hundskamille oder Wegerich ; auf neutralen Böden findet sich der Ackersenf; für eine alkalische Reaktion sprechen Kamille, Weißklee und Senf.
Die Bodensäure gleichen wir durch Kalken aus und führen dem Boden damit zugleich einen der Hauptnährstoffe zu — Calcium. Alkalität regeln wir mit sauer wirkenden Düngern wie Superphosphat oder Sulfaten. Auch die Fähigkeit, die Reaktion stabil zu halten, ist je nach Bodenart verschieden. Grundsätzlich neigen die meisten Böden zur allmählichen Versauerung. Sandböden halten die Reaktion schlechter stabil als Tonböden; deshalb kalkt man saure Sandböden mit kleineren Gaben und häufiger, während schwerere Böden höhere Gaben vertragen.

Bodenarten: aus jedem Grundstück einen schönen Garten machen
DIE BODENARTEN Die Bodenart ist ein wichtiger Hinweis auf Bodenqualität und Fruchtbarkeit. Vor allem beim Anlegen eines neuen Gartens sollte man wissen, um welche Bodenart es sich handelt und ob eine grundlegende Verbesserung nötig ist.
Sandböden haben einen sehr hohen Sandanteil und wenig Humus, der darin rasch abgebaut wird. In der Praxis heißen sie leichte Böden. Sie sind gut durchlüftet und wasserdurchlässig. Das ist allerdings kein reiner Vorteil, denn man muss häufig wässern. Organische Dünger als Hauptnährstoffquelle müssen eingearbeitet werden, auch wenn sie sich schnell zersetzen und die Nährstoffe in den Untergrund ausgewaschen werden. Neben Kompost geben wir reichlich Torf zu; von den mineralischen Düngern verwendet man vor allem schnell wirkende Salpeterdünger in häufigeren kleineren Gaben.
Humose Sandböden sind besser. Sie sind gut durchlüftet, erwärmen sich schnell und lassen sich leicht bearbeiten. Nach Regen trocknen sie rasch ab und verkrusten nicht. Mineralisch düngt man besser häufiger in kleineren Gaben. Bewährt haben sich Torf und Stallmist, auch als Mulch. Sie gehören zu den besten Gartenböden, weil sie Wasser halten und Mineralstoffe gut binden.
Tonböden haben einen sehr hohen Anteil an Tonteilchen. Sie sind stark bindig, klebrig und schwer zu bearbeiten. In der Praxis heißen sie schwere Böden. Bei der Bearbeitung entstehen große Schollen, und die Oberfläche verkrustet leicht. Bei starker Trockenheit reißen sie auf, bei anhaltendem Regen vernässen sie. Nährstoffe halten sie jedoch gut. Sie brauchen kräftige Düngung mit Stallmist.
Lehmböden stehen zwischen Sand- und Tonböden. Sie enthalten Schluffteilchen, genug Humus und Kalk, bilden eine gute Krümelstruktur und lassen sich leicht bearbeiten. Man nennt sie mittlere Böden. Für alle gärtnerischen Zwecke sind sie geeignet.
Mergelböden zeichnen sich durch hohen Kalkgehalt aus. Sie haben ähnliche Eigenschaften wie Lehmböden und sind meist noch fruchtbarer.
Neben diesen Grundarten trifft man häufig auf Übergangsformen, in denen mal die eine, mal die andere Eigenschaft überwiegt.
Gärtnerinnen und Gärtner bearbeiten oft auch Böden, die in der landwirtschaftlichen Praxis nicht intensiv genutzt werden — steinige Hänge, ehemalige Ablagerungsflächen oder Weiden. Auf jedem Boden lässt sich mit mehr oder weniger Mühe ein schöner Garten anlegen.
Steinige Böden liegen meist an Hängen und enthalten kaum Humus, weil er abgeschwemmt wird. Einen Garten darauf anzulegen kostet einige Mühe. Zuerst muss das Gelände hergerichtet, die größten Blöcke entfernt und terrassiert werden. Auf die entstandenen Flächen bringt man guten Boden auf. Hanggärten sind oft sehr schön, und es lässt sich fast alles darauf kultivieren, besonders an einem Südhang.
Ehemalige Deponien, Schuttplätze und Aufschüttungen bearbeitet man am besten mit schwerem Gerät: die Auflage abtragen und Oberboden aufbringen (mindestens eine Schicht von 10—30 cm), etwa aus dem Abtrag von Baustellen. Das ist jedoch teuer, weshalb die meisten Gärtner das Grundstück von Hand herrichten. Das ist mühsam und in einer Saison nicht zu schaffen. Zuerst müssen große Gegenstände heraussortiert werden, dann rigolt man das Grundstück Stück für Stück (tief umgräbt) und führt Humus zu — durch Stallmist, Kompost, Gründüngung, Torf und guten Gartenboden.
Manchmal bekommen Gärtner auch vernässte Grundstücke. Diese müssen dräniert werden, entweder mit Dränrohren in etwa 80 cm Tiefe oder oberflächlich, indem man das Wasser in eine Rinne leitet, die sich später hübsch als Zulauf zu einem kleinen Teich gestalten lässt.
Bodenmüdigkeit, erschöpfter Boden und Gründüngung für neue Kraft
DIE BODENQUALITÄT In der Fachliteratur begegnen uns häufig Begriffe wie Bodenmüdigkeit, ruhender oder erschöpfter Boden und Boden in alter Kraft.

Bodenmüdigkeit tritt häufig in Gärten auf, in denen keine Fruchtfolge eingehalten wird. Sie zeigt sich meist dann, wenn auf derselben Stelle, im selben Beet, immer wieder dieselbe Kultur gepflanzt oder gesät wird. Ursache ist zum einen, dass jede Kultur bestimmte Nährstoffe stärker zehrt, sodass nach einigen Jahren am selben Platz ein Mangel entsteht; zum anderen, dass bestimmte Kulturen von bestimmten Schädlingen befallen werden, die sich bei wiederholtem Anbau gefährlich vermehren (etwa Drahtwürmer im Wurzelgemüse). Bei Obstbäumen zeigt sich Bodenmüdigkeit in stetig sinkenden Erträgen. Auch andere, bislang wissenschaftlich nicht abschließend geklärte Einflüsse spielen eine Rolle. Um Bodenmüdigkeit vorzubeugen, teilt man den Garten am besten in einen Blumen-, einen Gemüse- und einen Obstteil für Beeren-, Stein- und Kernobst. Beerenobst und Gemüse lassen sich nach gerodetem Steinobst anbauen — wenn die Bäume also abgängig sind, pflanzt man nicht sofort wieder Steinobst, sondern nutzt die Fläche einige Jahre für Gemüse oder Beeren. Die übrigen Pflanzen, vor allem Kernobst, düngen wir regelmäßig und achten auf Mangelsymptome. Obstbäume bekommen zudem gelegentlich Spurenelemente, vor allem Bor.
Manchmal ist es gut, den Boden ruhen zu lassen. Ein für Erdbeeren vorgesehenes Beet etwa räumen wir einige Zeit nach der Ernte, säen eine Gründüngung ein und graben sie grün unter; nach gründlicher Herbstdüngung graben wir erneut tief um und können im Frühjahr wieder Erdbeeren in den erholten Boden setzen — mit Aussicht auf gute Ergebnisse.
Erschöpfter Boden ist Boden, der nicht regelmäßig gedüngt wird. Die Nährstoffe wurden teils von den Pflanzen aufgenommen, teils in tiefere Schichten ausgewaschen. Solchen Boden muss man gründlich mit organischen Düngern versorgen und je nach Bedarf der Kulturen auch mineralische Nährstoffe zuführen.
Unter Boden in alter Kraft versteht man Boden, der im Vorjahr gut mit Stallmist gedüngt wurde.
Bodenbearbeitung: Umgraben, Rigolen, Lockern und Harken
MECHANISCHE MASSNAHMEN ZUR BODENVERBESSERUNG Die Bodenbearbeitung soll den Boden in gutem Zustand halten und diesen Zustand allmählich verbessern. Wir wollen den Pflanzen damit die besten Bedingungen für Wachstum und Entwicklung geben, um hochwertige Erzeugnisse zu ernten. Damit mechanische Eingriffe den gewünschten Erfolg bringen, müssen die einzelnen Arbeiten rechtzeitig und mit passendem Gerät erledigt werden. Man unterscheidet die Grundbearbeitung (Umgraben, Rigolen, Vertiefen) und die Oberflächenbearbeitung (Lockern, Harken).
Beim Umgraben wird der Boden gewendet, teilweise gemischt und zerkleinert. Beim Herbstumgraben lassen wir ihn in grober Scholle über den Winter liegen. Beim Umgraben im Frühjahr und Sommer zerschlagen wir die Schollen, lesen Wurzelunkräuter heraus und bereiten die Oberfläche vor.
Das Vertiefen wenden wir vor allem bei flachgründigen Böden an, in denen die Krume nur dünn ist. Beim Umgraben nehmen wir mit der Scholle jeweils eine dünne Schicht des Untergrunds mit und mischen sie unter den Oberboden.
Rigolen ist das tiefe Lockern des Bodens auf 60—100 cm. Rigolt wird mit Spaten, Kreuzhacke und Schaufel. Dabei kommt toter Boden aus dem Untergrund nach oben. Er muss mit Humus aus Mist oder Kompost angereichert und so belebt werden. Am wichtigsten ist dieser Eingriff bei der Vorbereitung einer Fläche für die Weinrebe.
Lockern ist die flache Bodenbearbeitung. Der Boden wird belüftet, aber nicht gewendet. Wir brechen die Kruste auf, vernichten keimende Unkräuter und ziehen Wurzelunkräuter (Quecke) heraus. Durch häufiges Lockern verhindern wir Feuchtigkeitsverluste durch Verdunstung. In gelockerten Boden versickern Regen- und Gießwasser zudem besser. Zum Lockern dienen verschiedene Grubber und Hacken.
Beim Harken ebnen wir die Bodenoberfläche und lesen mit Holz- oder Eisenrechen Wurzelunkräuter heraus.
Nährstoffe und Spurenelemente: was Pflanzen wirklich zum Leben brauchen
Nährstoffe
Für normales Wachstum und normale Entwicklung braucht eine Pflanze zehn Grundelemente, die man biogene — lebensnotwendige — Elemente nennt. Es sind Sauerstoff (O), Wasserstoff (H), Kohlenstoff (C), Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Calcium (Ca), Magnesium (Mg), Schwefel (S) und Eisen (Fe). Fehlte eines davon in der Ernährung, würde die Pflanze nur so lange leben, wie ihre Reservestoffe reichen. Danach ginge sie ein.

Neben diesen Grundelementen finden sich in der Pflanze weitere Elemente, allerdings nur in winzigen Mengen, in Spuren — daher der Name Spurenelemente. Es sind Bor (B), Natrium (Na), Silicium (Si), Zink (Zn) und Kupfer (Cu).
Nährstoffe nehmen Pflanzen entweder aus der Luft auf (Kohlenstoff, Sauerstoff) oder — zum weitaus größten Teil — aus dem Boden (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und weitere). Dabei nehmen sie die Elemente nicht in reiner Form auf, sondern in verschiedenen chemischen Verbindungen. Phosphor etwa als Phosphorsäure, Stickstoff als Ammonium oder Nitrat.
Alle Nährstoffe sollen im Gleichgewicht stehen; ihre Ausnutzung durch die Pflanze folgt dem Liebigschen Minimumgesetz: „Ist eines der biogenen Grundelemente (N, P, K, Ca) im Boden nicht ausreichend vorhanden, kann die Pflanze auch die übrigen drei Nährstoffe nur begrenzt nutzen, selbst wenn davon genug im Boden ist.“ Ein Beispiel: Der Pflanze steht im Boden nur so viel Kalium zur Verfügung, dass es für 1 kg Gemüse reicht. Selbst wenn Stickstoff, Phosphor und Calcium reichlich vorhanden sind, steigt der Ertrag erst, wenn wir mehr Kalium zuführen.
DIE BEDEUTUNG DER EINZELNEN ELEMENTE FÜR PFLANZEN
Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff Sie sind die Grundbausteine der Pflanze. Sauerstoff und Kohlenstoff holen sich die Pflanzen aus der Luft. Der Gärtner kann darauf praktisch keinen Einfluss nehmen, allenfalls indem er darauf achtet, dass die Pflanzen nicht verstauben und möglichst in sauberer Luft stehen. Wasserstoff gewinnt die Pflanze bei der Photosynthese aus der Spaltung von Wasser.
Stickstoff Er ist eines der wichtigsten Elemente für die Pflanzenernährung. Pflanzen nehmen ihn als Ammonium oder Nitrat auf; nur Hülsenfrüchtler können mithilfe von Knöllchenbakterien den Stickstoff der Luft in reiner Form nutzen. Gut mit Stickstoff versorgte Pflanzen bilden üppiges, sattgrünes Laub und wachsen rasch; bei Mangel bleiben sie klein und die Blätter hellen von den ältesten aufwärts auf.












