Gemüseanbau im Garten: ein vollständiger Leitfaden
Von der Beetplanung und der Keimprobe über das Vorziehen der Jungpflanzen bis hin zum Gießen und Nachdüngen.
Alles zum Gemüseanbau im Garten an einem Ort — von der Beetplanung und der Auswahl der Gemüsearten über die Aussaat und das Vorziehen der Jungpflanzen im Frühbeet bis hin zum Gießen und Düngen.
Hat Gemüse im Garten seinen Platz? Pro und Contra
GEMÜSE IM GARTEN
ALLGEMEINES ZUM GEMÜSE
Die Meinungen zum Gemüseanbau im Hausgarten gehen weit auseinander. Gemüse selbst anzubauen ist längst keine Notwendigkeit mehr, denn im Handel gibt es Freilandgemüse in Hülle und Fülle — meist früher, als es der Gartenbesitzer selbst ernten kann. Daraus leiten die einen die extreme Ansicht ab, der Garten habe nur der Erholung und der Ästhetik zu dienen und Gemüse gehöre nicht hinein. Das andere Extrem ist der Versuch, im eigenen Garten sämtliches Gemüse anzubauen — sogar solches, das in der jeweiligen Region gar nicht gedeiht.

Der Gemüseanbau ist ein fester Bestandteil des Gärtnerns — Gemüse gehört in den Garten. Bevor wir jedoch entscheiden, welche Arten und in welchem Umfang wir anbauen, müssen wir viele Umstände abwägen. Im modernen Garten bauen wir auch Gemüse intensiv an, also mit dem Ziel, auf möglichst kleiner Fläche möglichst viel zu ernten.
Pro und Contra Gemüse im Garten Entscheidend ist vor allem, ob der Garten am Haus liegt und täglich betreut werden kann oder ob wir nur einmal pro Woche hinkommen. Die meisten Gemüsearten brauchen nämlich täglich und reichlich Wasser, um gut zu wachsen und wohlschmeckend zu sein.
Wichtig ist auch die Größe des Gartens. Ist er groß genug, um einen eigenen Gemüsebereich abzutrennen und ihn vom Zier- und Wohnbereich optisch abzuschirmen, können wir mehr Gemüsearten anbauen und die Menge dem Bedarf der Familie anpassen. Im kleinen Garten schränken wir das Gemüse ein.
Bei der Auswahl der Arten richten wir uns nach dem Klima und beschränken uns auf Arten, die in der Region gut gedeihen. Die klimatischen Bedingungen lassen sich mit einem Gewächshaus, einem Frühbeet oder wenigstens einer Folienhaube deutlich verbessern — damit können im Garten Jungpflanzen vorgezogen werden.
Wichtig sind auch die Bodenverhältnisse. Manche Pflanzen brauchen leichten Boden, andere schwereren, wieder andere vertragen keine Staunässe und keinen hohen Grundwasserstand. Der Boden lässt sich verbessern, sodass wir das Sortiment des angebauten Gemüses erweitern können. In ungeeigneten Böden wächst Gemüse zwar auch, die Ergebnisse sind aber nicht befriedigend.
Gemüse braucht viel Pflege und ist zeit- und arbeitsintensiv. Auch das müssen wir bedenken: Wir sollten unsere zeitlichen Möglichkeiten realistisch einschätzen und lieber weniger Arten anbauen, dafür sorgfältig und mit guten Ergebnissen.
Wie viel Gemüse anbauen? Der Flächenbedarf für die Familie
Haben wir einen 400–500 m² großen Garten in einer Kleingartenanlage oder am Wochenendhaus, den wir nur einmal pro Woche besuchen, beschränken wir uns auf wenige Arten in kleinen Mengen. Unentbehrlich ist Schnittlauch, von dem 2–3 gut entwickelte Horste genügen, dazu einige Reihen krause Petersilie. Für die Kinder säen wir nach und nach Radieschen, Zuckererbsen und Möhren aus, die frisch vom Beet ganz anders schmecken — besonders, wenn die Kinder beim Anbau selbst geholfen haben. In der Urlaubszeit lässt sich aus gekauften Jungpflanzen Kopfsalat ziehen. Ein paar Tomatenstöcke und eventuell einige Einlegegurken sind ebenfalls willkommen, doch der hohe Wasserbedarf will bedacht sein; hilfreich ist eine Folie, mit der wir den Boden zwischen den Pflanzen abdecken, um die Verdunstung zu bremsen. In einem solchen Mini-Gemüsegarten denken wir auch an Dill, Liebstöckel, eine Reihe Zwiebeln aus Steckzwiebeln, die wir samt Lauch verzehren, ein paar Pflanzen Knoblauch, Bohnen und beim Dauergemüse an Rhabarber. Die übrigen Arten — vor allem solche mit langer Kulturdauer und aufwendiger Anzucht — kaufen wir lieber auf dem Markt, denn das Ergebnis stünde in keinem Verhältnis zum Aufwand.
Anders sieht es bei größeren Hausgärten aus, vor allem auf dem Land. Dort ist der Markt mit Gemüse nach wie vor nicht so regelmäßig versorgt, und die Gartenfläche erlaubt es, die benötigte Menge selbst anzubauen und stets frisch zur Verfügung zu haben. Hier gilt es allerdings, zuerst gründlich zu planen und dem Gemüse nur einige Beete zu widmen, diese dafür intensiv zu nutzen.
Die Ernte für die Familie
Für den Jahresbedarf einer Person an Gemüse brauchen wir rund 30 m². In Haushalten, die viel Gemüse essen, rechnet man mit bis zu 50 m² pro Person. Ein Vierpersonenhaushalt benötigt bei intensiver Bewirtschaftung also mindestens 120 m², wobei wir davon ausgehen, dass von manchen Beeten im Jahr zwei bis drei Gemüsearten geerntet werden. Halten wir die Regeln einer richtigen Fruchtfolge und der Artenkombination ein und geben dem Gemüse, was es je nach Art braucht — vor allem an Dünger und Wasser —, können wir mit einem Durchschnittsertrag von 4 kg je 1 m² rechnen. Aus einem Gemüsegarten von 120 m² lassen sich so im Jahr 480 kg Gemüse gewinnen. Das ist bereits eine ordentliche Menge, entspricht aber genau dem, was eine vierköpfige Familie nach ärztlicher Empfehlung im Jahr verzehren sollte. Der durchschnittliche Jahresverbrauch liegt bislang bei etwa 70 kg pro Person — das ist deutlich zu wenig.
Gemüse ist ein außerordentlich wertvoller und wichtiger Bestandteil unserer Ernährung, dessen Wirkung sich im Zusammenspiel auf die Gesundheit auswirkt. Mit Gemüse führen wir dem Körper Vitamine, Mineralstoffe und manche heilsamen Substanzen zu. Gemüse regt den Appetit an, weil es als Beilage Farbe und Duft der Speisen verbessert, und unterstützt eine geregelte Verdauung.
Wenn wir also selbst genügend Gemüse für den empfohlenen Jahresverbrauch (120 kg pro Person) anbauen wollen, müssen wir diesen Bedarf auch über das ganze Jahr decken: durch den Anbau passender Arten ab dem zeitigen Frühjahr und durch ausreichende, geeignete Lagerräume für den Winter. Einen Teil der Ernte verarbeiten und konservieren wir. Auch das kostet viel Zeit. Deshalb planen wir den Anbau so, dass sich die Ernte nicht auf einmal häuft, und säen gestaffelt aus.

Gemüsebeet anlegen: Standort, Maße und Düngung des Bodens
Gemüsebeete — wo und wie?

Die Fläche für den Gemüseanbau soll sonnig liegen, der Boden gründlich bearbeitet sein, Beete und Wege dazwischen ordentlich abgemessen. Die Beetbreite wählen wir üblicherweise mit 100–120 cm, die Länge ist beliebig. Auf leicht geneigtem Gelände führen wir Beete und Reihen quer zum Hang, damit das Wasser nicht abfließt, sondern zurückgehalten wird. Wege zwischen den Beeten genügen mit 40 cm Breite; für die Schubkarre rechnen wir 60 cm. Den Gemüsebereich schützen wir mit einer geeigneten Kulissenpflanzung gegen austrocknende oder nördliche Winde. Vom Zier- und Wohnbereich trennen wir ihn durch eine mit Kletterpflanzen bewachsene Pergola oder durch ein Drahtgeflecht mit Himbeeren, Johannisbeersträuchern und Ähnlichem.
Damit wir von der Gemüsefläche einen möglichst hohen und hochwertigen Ertrag erhalten, müssen wir mit organischer Düngung rechnen. Mineraldünger wirken nur dann voll, wenn zugleich die passende Menge organischer Dünger — je nach Bedarf der Gemüseart — in einen gesunden, lockeren, humusreichen und ausreichend feuchten Boden gelangt. Gemüse in strukturlosem, humusarmem Boden anzubauen lohnt sich nicht, und noch so hohe Gaben an Mineraldünger können den Gehalt an nährendem Humus nicht ersetzen.
Baut man Gemüse immer auf denselben Beeten an, erschöpft sich der Boden mit der Zeit — er ermüdet. Der Bodenmüdigkeit beugen wir mit einer gezielten Fruchtfolge vor. Bei der Planung achten wir deshalb darauf, dass gleiche oder verwandte Arten nicht aufeinanderfolgen, und berücksichtigen, wie die einzelnen Gemüsearten auf organische Düngung, vor allem auf Stallmist, reagieren. Manche Gemüse gedeihen ausgesprochen gut nur in frisch mit Stallmist gedüngtem Boden — das sind die sogenannten Starkzehrer. Andere Arten brauchen den Boden „in alter Kraft“, also im zweiten Jahr nach der Mistgabe — das sind die Mittelzehrer. Und manche Arten vertragen die Düngung mit Stallmist nicht und kommen erst im dritten Jahr danach an die Reihe — das sind die Schwachzehrer.
Nährstoffbedürftige Gemüse, die wir als Starkzehrer (nach der Stallmistgabe) anbauen, sind: alle Kohlarten, alle Blattgemüse, alle Fruchtgemüse, außerdem Sellerie, Zuckermais und Porree.
Mittelzehrer, die den Boden in alter Kraft brauchen, sind: Wurzelgemüse außer Sellerie und Zwiebelgemüse außer Porree. Recht gut gedeihen auf diesen Beeten auch alle Blattgemüse.
Schwachzehrer holen sich noch die letzten Reste des vor zwei Jahren eingearbeiteten Stallmists aus dem Boden, und manche können mithilfe von Mikroorganismen sogar Stickstoff aus der Luft binden. Das sind vor allem Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Ackerbohnen) und andere anspruchslosere Kulturen, insbesondere Kräutergemüse. Haben wir allerdings genügend organischen Dünger, vor allem guten Kompost, können wir die Schwachzehrer — gerade in kleinen Gärten — auf die Beete der Mittelzehrer setzen und uns damit die Fruchtfolge deutlich vereinfachen.
Die letzte Gruppe bilden die Dauergemüse, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben und eine besondere Düngung brauchen.
Kleine Flächen nutzen: Vor-, Zwischen- und Mischkultur
Kleine Flächen nutzen
Oft bauen wir in einem Jahr auf einem Beet zwei oder mehr Gemüsearten an — dann sprechen wir von Vorkultur, Hauptkultur, Zwischenkultur und Nachkultur. Voraussetzung ist die rechtzeitige Ernte jeder Art.
Die Hauptkultur nimmt den größten Teil der Vegetationszeit auf dem Beet ein. Das sind zum Beispiel Gurken oder Tomaten.
Die Vorkultur ist ein Gemüse mit kurzer Kulturdauer, das wir vor der Hauptkultur anbauen und ernten. Das sind etwa Kopfsalat, früher Kohlrabi oder Radieschen.
Die Zwischenkultur bauen wir gleichzeitig mit der Hauptkultur an, ernten sie aber, bevor sich die Hauptkultur ausbreitet. Als Zwischenkultur eignen sich die genannten Arten mit kurzer Kulturdauer; dabei achten wir darauf, dass ihre Ansprüche an Boden und Wasser mit denen der Hauptkultur übereinstimmen.
Die Nachkultur wird nach der Ernte der Hauptkultur gesät oder gepflanzt und im Frühjahr als Vorkultur geerntet (Porree, Rosenkohl, Feldsalat). Als Nachkultur eignen sich auch alle frühen Gemüse mit kurzer Kulturdauer.
Die Mischkultur, also der Anbau von zwei oder mehr Arten am selben Ort und zur selben Zeit, ist nicht nur zur besseren Flächennutzung sinnvoll. Manche Arten tun einander als Nachbarn ausgesprochen gut. So ergänzen sich zum Beispiel Möhren und Zwiebeln bestens. Blumenkohl, Kohlrabi und Weißkohl gedeihen gut gemeinsam mit Salat. Auch Tomaten und Zwiebelgewächse sind gute Nachbarn für Kohlgewächse. Ebenso wirkt sich die Nähe mancher Kräuter, etwa Minze, günstig auf das Wachstum der Kohlarten aus. Zwischen Sellerie pflanzt man gern Blumenkohl, weil Sellerie die unmittelbare Nachbarschaft anderer Selleriepflanzen nicht verträgt.
Manche Kulturen vertragen sich nicht. Deshalb bauen wir Zwiebeln nicht gemeinsam mit Bohnen an; als Nachbarn für Möhren und Erbsen eignen sie sich dagegen gut. Möhren und Erbsen vertragen sich sehr gut, während Erbsen zwischen Kartoffeln nicht gedeihen, obwohl sie oft zu dieser unerwünschten Gesellschaft gezwungen werden.
All diese Umstände müssen wir bedenken, bevor wir entscheiden, wie sich die Gemüsebeete am besten nutzen lassen. Zur leichteren Entscheidung hier einige Beispiele, wie ein Beet durch den Wechsel passender Gemüse in einem Jahr genutzt werden kann: Salat, Gurken — Radieschen, Bohnen, Grünkohl — Radieschen, Sommerblumenkohl, Salat — Wirsing, Chinakohl — Kohlrabi, Eisbergsalat, Rosenkohl — Radieschen, Paprika — Porree, früher Wirsing, Rettich — Kohlrabi, Blumenkohl — Möhren, Wirsing — Salat, Blumenkohl, Porree — Frühkartoffeln, Endivie — früher Blumenkohl, Sellerie — Zwiebeln aus Steckzwiebeln, Chinakohl.

Gemüsearten im Überblick und Beispiele für die Fruchtfolge
Zur besseren Orientierung hier ein Überblick über die Gruppen der einzelnen Gemüsearten:
Kohlgemüse: Kohlrabi, Wirsing, Rosenkohl, Blumenkohl, Weißkohl, Brokkoli, Chinakohl, Grünkohl.
Blattgemüse: Kopfsalat, Pflücksalat, Feldsalat, Spinat, Mangold, Endivie, Wegwarte, Kresse, Neuseeländer Spinat.
Wurzelgemüse: Radieschen, Möhre, Petersilie, Sellerie, Rote Bete, Rettich, Meerrettich, Schwarzwurzel, Pastinake.
Fruchtgemüse: Gurke, Tomate, Gemüsepaprika, Kürbis, Wassermelone, Zuckermelone, Aubergine.
Zwiebelgemüse: Zwiebel, Knoblauch, Porree, Schnittlauch, Schalotte, Rocambole.

Saatgut auswählen und Keimprobe: wovon der Erfolg der Aussaat abhängt
Nur gutes Saatgut
Fast alle Gemüse (außer Meerrettich, Knoblauch, Schalotte und den Dauergemüsen) werden aus Samen gezogen — entweder direkt ins Beet gesät (Direktsaat) oder als Jungpflanze vorgezogen und erst dann ausgepflanzt. Gesundes, hochwertiges und keimfähiges Saatgut ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg beim Gemüseanbau.
Das Saatgut soll sauber, frei von Beimengungen und sortenrein sein. Vor dem Kauf klärt man am besten, welche Sorte einer Gemüseart den eigenen Anbauzielen am besten entspricht, und verlangt beim Kauf genau diese Sorte. Wir fragen also nicht einfach nach Möhrensamen, sondern nach Saatgut der Sorte ‚Nantaise‘ oder ‚Karotina‘. Im Handel gekaufte Samen garantieren die Sortenechtheit, haben eine standardisierte Reinheit (minimaler Anteil an Beimengungen), gute Keimfähigkeit und sind meist bereits gebeizt.
Von Gemüsesamen kaufen wir immer nur so viel, wie wir auch verbrauchen. Zu viel Saatgut verleitet zu dichter Aussaat, und Samen bis ins nächste Jahr aufzuheben lohnt sich meist nicht, denn sie verlieren rasch die Keimfähigkeit und verderben bei ungeeigneter Lagerung.
Haben wir eigenes Saatgut oder wollen wir Restsamen vom Vorjahr verwenden, prüfen wir seine Qualität besser zuerst mit einer Keimprobe.
Die Keimprobe Dem Saatgut entnehmen wir eine kleine Probe (20–50–100 Stück) gut entwickelter, unbeschädigter Samen. Auf einen tiefen Teller geben wir feinen, nassen Sand, streichen die Oberfläche glatt und legen die Samen locker darauf. Feine Samen können wir auf Saugpapier legen, das am nassen Sand haftet. Den Teller decken wir mit einer Glasscheibe ab. Noch einfacher ist die Methode mit Filter- oder Saugpapier: Das Papier falten, leicht anfeuchten und auf die untere Hälfte die Samen legen. Die obere Hälfte darüberklappen, andrücken und bei Bedarf nochmals anfeuchten. Die Samen selbst befeuchten wir nie, nur das Papier. Das Papier mit den Samen legen wir in eine flache Schale.
Das Gefäß mit den Samen stellen wir in beiden Fällen für etwa 14 Tage in einen Raum mit 18–20 °C. Wir halten die Feuchtigkeit konstant. Nach wenigen Tagen beginnen die Samen zu keimen. Die gekeimten Samen zählen wir am sechsten Tag (das ergibt die Keimenergie) und dann am vierzehnten Tag (das ergibt die Keimfähigkeit in Prozent, also das Verhältnis der gekeimten Samen zur Gesamtzahl). Daraus lässt sich der tatsächliche Saatgutbedarf leicht bestimmen: Bei niedrigerer Keimfähigkeit säen wir dichter, die Saatmenge steigt entsprechend. Hat das Saatgut eine geringe Keimfähigkeit, müssen wir mehr Samen aussäen. Besser ist es allerdings, schwach keimendes Saatgut gar nicht zu verwenden.

Gemüse direkt aussäen: Saatmethoden, Keimung und Vereinzeln
Direktsaat
Gemüse ziehen wir entweder aus vorgezogenen Jungpflanzen oder aus der Direktsaat ins Beet. Die Direktsaat verwenden wir bei Gemüsen, die wir in der Regel nicht verpflanzen: Petersilie, Karotten, Möhren, Wegwarte, Chinakohl, Mangold, Radieschen, Rettich, Rote Bete, Erbsen, Bohnen, Zuckermais und Kräutergemüse.

Bei der Direktsaat säen wir das Saatgut auf ein gut vorbereitetes Beet. Das heißt: Im Herbst graben wir das Beet um und lassen es grob umgegraben der Wirkung von Frost und Schnee ausgesetzt. Im Frühjahr, sobald die Bodenoberfläche abgetrocknet ist, zerkleinern wir die verbliebenen Schollen mechanisch (mit der Hacke) und ebnen die Oberfläche mit dem Rechen ein. Die Frühjahrsvorbereitung soll nämlich oberflächlich bleiben, tieferes Lockern wird nicht empfohlen. Beetränder und Wege messen wir neu ab. Die Wege treten wir lediglich fest und vertiefen sie keinesfalls. Ragt der Beetrand nämlich über den Weg hinaus, trocknet er leicht aus. Eine abgesenkte Wegoberfläche empfiehlt sich nur bei sehr nassen Böden. Das Beet entwässert und erwärmt sich dann leichter. Die Beetbreite soll 100–120 cm nicht überschreiten, weil wir sonst vom Weg aus kaum bis in die Beetmitte reichen und jeder Tritt ins Beet die Bodenoberfläche unnötig verdichtet. Die gewählte Breite markieren wir mit einer Kerbe am Stiel der Hacke oder des Rechens — so haben wir das Maß immer zur Hand. Meist verwenden wir zum Abmessen der Beete jedoch eine Schnur oder eine spezielle Latte mit eingezeichneten Abständen.
Beim Abmessen der Beete berücksichtigen wir auch die Hauptwindrichtung; bei Westwinden führen wir die Beete zum Beispiel von Norden nach Süden. In sehr windigen Lagen schützen wir die Saaten mit geeigneten Kulissenpflanzen, die als Windschutz dienen. Das können einjährige Pflanzen sein — Sonnenblumen oder Stangenbohnen; dauerhaften Windschutz bilden mehrjährige Bestände, etwa Himbeeren oder andere Sträucher und Bäume. Eine leichte Luftbewegung tut den Pflanzen allerdings gut, denn an völlig windstillen Standorten breiten sich Krankheiten leicht aus. Ein sanfter Luftzug ist erwünscht, damit die Bestände etwas „durchlüftet“ werden.
SAATMETHODEN Auf das vorbereitete Beet säen wir die Samen in Reihen, in Prisen, in Horste oder breitwürfig.
Bei der Reihensaat markieren wir zuerst die Reihen. Ihr Abstand richtet sich nach der Gemüseart. Die Reihen führen wir meist quer über das Beet. Wir markieren sie mit einem geraden Stiel oder besser mit einer Schnur. An den Beeträndern stecken wir Pflöcke im nötigen Abstand ein, legen die Schnur an und ziehen damit die Reihe. Die Samen säen wir von Hand aus, am besten mit einer Tüte mit abgeschnittener Ecke, gegen die wir klopfen; oder wir basteln aus einer runden Dose eine Art Sämaschine. In die Dose bohren wir rundherum Löcher, sodass die Samen in gleichmäßigen Abständen herausfallen. Nach der Aussaat schließen wir die Reihe mit dem umgedrehten Rechen und drücken sie an. So säen wir vor allem Möhren, Petersilie, Erbsen und Ähnliches.
Bei der Prisensaat legen wir 2–3 Samen an eine Stelle. Die Fläche markieren wir längs und quer mit Latte, Stiel oder Schnur und säen in den Schnittpunkt. Diese Methode verwenden wir etwa bei Gurken und Bohnen.
Die Horstsaat ähnelt der Prisensaat, nur legen wir mehr Samen an eine Stelle (6–8). Diese Methode nutzen wir vor allem auf schweren Böden, die zur Verkrustung neigen; mehrere keimende Samen durchbrechen die Kruste leichter.
Bei der Breitsaat streuen wir die Samen von Hand über das ganze Beet und harken sie in den Boden ein. Die Samen liegen dabei unregelmäßig, deshalb nutzen wir diese Methode nur bei Gemüsen mit kurzer Kulturdauer, bei denen es auf die Abstände wenig ankommt, etwa bei Radieschen.
Nach der Aussaat schützen wir die Beete vor Vögeln, die gern die Samen aus dem lockeren Boden picken. Dazu verwenden wir ein altes Netz oder eine ausrangierte Gardine, oder wir spannen weiße Fäden über das Beet. Vogelscheuchen bewähren sich nicht — die Vögel gewöhnen sich rasch daran und setzen sich manchmal schon eine Stunde nach dem mühsamen Aufstellen seelenruhig auf deren Kopf.
HILFE BEIM KEIMEN Die ersten Frühjahrsaussaaten haben meist genügend Bodenfeuchte zur Verfügung und keimen von allein. Spätere Aussaaten oder Aussaaten bei außergewöhnlicher Frühjahrstrockenheit kommen ohne unsere Hilfe jedoch selten aus. Sollen die Samen rasch und gleichmäßig keimen, müssen wir sie wässern. Für die künftige Pflanze gibt es nichts Schlimmeres als Trockenheit zu Beginn der Keimung.
Alle Samen müssen fest in den Boden gedrückt werden, damit sie Feuchtigkeit aufnehmen können. Je später wir säen, desto wichtiger ist gründliches Andrücken. Auf schweren und schlechteren Böden empfiehlt es sich, die Beetoberfläche vor der Aussaat mit einer dünnen Schicht lockerer Komposterde zu bedecken und die Samen darin auszusäen. Die keimenden Pflanzen erstarken darin rasch und dringen dann auch in weniger guten Boden leicht ein.
Als Regel gilt: Der Samen soll mit einer Erdschicht bedeckt sein, die ungefähr seinem Durchmesser entspricht. Bei feinen Samen genügt eine hauchdünne Abdeckung. Große Samen säen wir dagegen doppelt so tief wie ihr Durchmesser. Zu tief gesäte Samen laufen ungleichmäßig auf, und die Pflanzen bleiben schwach, weil sie viel Kraft für den Weg durch die zu dicke Erdschicht verbraucht haben. Am tiefsten säen wir Hülsenfrüchte.
Bei Gurken, Kürbis, Erbsen und Bohnen beschleunigen wir die Keimung, indem wir die Samen vor der Aussaat 12 Stunden in Wasser einweichen (Gurkensamen auch in Milch). Zu lange dürfen wir sie jedoch nicht einweichen, damit sie nicht schon keimen. Die Keimlinge sind sehr zerbrechlich und würden beim Säen leicht abbrechen.
Sehr feine Samen, etwa von Möhren oder Salat, mischen wir vor der Aussaat mit Sand, um nicht zu dicht zu säen. Merken wir uns: Das Wichtigste bei jeder Aussaat ist, nicht zu dicht zu säen. Lieber dünner als dichter. Säen wir zu dicht, müssen wir die Pflanzen gleich nach dem Auflaufen ausdünnen, weil sie sonst in die Höhe schießen und schwach bleiben; bei manchen Kulturen droht bei dichtem Bestand zudem die Ausbreitung von Krankheiten.
VEREINZELN Pflanzen, deren Samen wir direkt in Reihen ins Beet säen, müssen wir nach dem Auflaufen auf den nötigen Abstand vereinzeln. Damit beginnen wir, sobald die Pflanzen die ersten echten Blätter gebildet haben. Vereinzeln wir früher, sind die Pflanzen noch nicht weit genug entwickelt und wir erkennen die kräftigsten — und damit besten — nicht; vereinzeln wir später, sind sie bereits vergeilt und schwach. In regelmäßigen Abständen belassen wir jeweils die kräftigste Pflanze und ziehen die übrigen heraus. Möhren und Petersilie vereinzeln wir in zwei Durchgängen. Beim ersten Mal lassen wir die Pflanzen dichter stehen, erst beim zweiten Mal vereinzeln wir auf den richtigen Abstand (8–10 cm). Die Pflanzen aus dem zweiten Durchgang sind bereits teilweise ausgereift und lassen sich in der Küche verwenden. Bleibt in der Reihe eine Lücke, weil Samen nicht aufgelaufen sind, füllen wir sie mit anderen Gemüsearten aus vorgezogenen Jungpflanzen. Vereinzelte Möhren- und Petersilienpflanzen verpflanzen wir nicht, weil sie schlecht anwachsen.
Jungpflanzen im Frühbeet vorziehen: Vorbereitung, Aussaat und Pflege
Jungpflanzen selbst ziehen
Sind wir für die Anzucht technisch nicht gut ausgestattet oder fehlt uns die Zeit für die Pflege, kaufen wir die Jungpflanzen besser fertig vorgezogen. Wir kaufen sie in einem Fachbetrieb, der für Sortenreinheit und guten Gesundheitszustand einsteht. Gute Jungpflanzen haben einen geraden, kräftigen, kompakten Wuchs, sind gesund und haben je nach Gemüseart genügend Blätter. Richtige Jungpflanzen dürfen weder überwachsen noch vergeilt sein und müssen ein gutes Wurzelwerk haben. Zu junge Pflanzen wurzeln schlecht, überalterte Pflanzen „verholzen“, entwickeln sich langsam und bringen eine minderwertige Ernte. Bei frühem Kohlrabi etwa schießen die Pflanzen dann stark in Blüte und bilden langgezogene Knollen; Weißkohl und Wirsing aus überwachsenen Jungpflanzen bilden nur kleine Köpfe. Beim Kauf bevorzugen wir Pflanzen im Erdballen oder im Topf, denn nach dem Pflanzen stocken sie praktisch nicht im Wachstum, während Pflanzen mit nackten Wurzeln nach dem Umsetzen eine Zeit lang nicht weiterwachsen — sie „sitzen“.
AUSSAAT FÜR DIE ANZUCHT Manche Gemüsearten brauchen von der Aussaat bis zur Ernte sehr lange. Diese lange Kulturdauer verkürzen wir, indem wir sehr früh im Jahr ins Gewächshaus säen. Das gilt vor allem für Sellerie, die frühesten Blumenkohlsorten, Kohlrabi, Weißkohl und gegebenenfalls Paprika und Tomaten. Kaum ein Hobbygärtner hat jedoch ein Gewächshaus, und die Anzucht guter Jungpflanzen in der Küche oder einem anderen wenig geeigneten Raum gelingt meist nicht. Deshalb kaufen wir die Jungpflanzen dieser Arten und Sorten besser im Gartenbaubetrieb.
Die übrigen frühen Gemüsesorten — alle Kohlarten, Salat, Gurken, aber auch Tomaten und Paprika — ziehen wir im Frühbeet vor. Wer keines hat, kann kleinere Mengen zu Hause in geeigneten Gefäßen vorziehen.
JUNGPFLANZEN IM FRÜHBEET VORZIEHEN Ein Frühbeet lohnt sich für jeden, der Gemüse anbaut. Darin lassen sich Jungpflanzen früher Sorten vorziehen, deren Entwicklung und Wachstum sich ohne diese nützliche Einrichtung erheblich verzögern würden. Außerdem lässt sich das Frühbeet für frühes Gemüse nutzen, etwa Salat, Radieschen, Kohlrabi und später auch Gurken. Und man kann darin Blumenjungpflanzen heranziehen.
Der richtige Umgang mit dem Frühbeet erfordert gärtnerische Erfahrung, die Anfängern meist fehlt. Vor allem muss das Frühbeet gut gebaut und richtig angelegt sein. Die Betreuung verlangt ständige Aufmerksamkeit, denn jede Halbherzigkeit oder Nachlässigkeit zeigt sich sofort an Qualität und Gesundheit der Pflanzen. Das gilt besonders bei der Anzucht. Ab Februar müssen wir uns laufend um das Frühbeet kümmern. Bei Frost decken wir die Fenster mit Matten ab, bei Schneefall räumen wir den Schnee sofort weg, und bei Sonnenschein nehmen wir die Matten ab, denn Sonne und Licht sind in dieser Zeit sehr wichtig. Lüften dürfen wir immer nur auf der windabgewandten Seite. Im Vorfrühling ist das Wetter so wechselhaft, dass wir die Fenster manchmal zehnmal am Tag anheben, mit Lüftungskeilen unterlegen, kurz darauf höher stellen und dann wieder ganz schließen müssen. Pralle Sonne und eisiger Wind wechseln so rasch, dass schon eine halbe Stunde Unachtsamkeit alle Pflanzen im Frühbeet vernichten kann, denn die keimenden Pflänzchen sind zart, zerbrechlich und nicht abgehärtet.
Das Frühbeet für die Aussaat vorbereiten Das Frühbeet müssen wir sorgfältig befüllen. Es genügt keinesfalls, etwas Mist auf den Boden zu werfen, mit Erde abzudecken und zu säen. Am besten eignet sich Pferdemist, weil er die meiste Wärme liefert; auch Rinder- oder Kaninchenmist ist möglich, der mit Laub gemischt wird. Schweinemist eignet sich nicht, weil er „kalt“ ist und das Frühbeet nicht erwärmt. Den Boden des Frühbeets bedecken wir zuerst mit einer Schicht Laub, die als Isolierung dient und Wärmeverluste verhindert. Strohigen, nicht zu nassen Pferdemist lassen wir zunächst zwei bis drei Tage neben dem Frühbeet auf einem Haufen liegen. Dann schichten wir ihn mit der Forke locker aufgeschüttelt in das Frühbeet ein. Ist er zu trocken, feuchten wir ihn etwas an. Die Mistschicht treten wir fest. Besonders sorgfältig treten wir die Ränder fest und füllen bei Bedarf Mist nach, weil dort meist die stärkste Absenkung auftritt. Strohigeren Mist muss man stärker festtreten als Mist mit weniger Stroh. Auf die festgetretene Mistschicht geben wir erneut eine Schicht Laub als Wärmeisolierung. Darauf schichten wir etwa 20 cm feine, gesiebte Humuserde und drücken sie besonders an den Rändern gut an. Geeignet ist guter Kompost aus gut abgelagertem Mist oder wenigstens nahrhafte, leichte Gartenerde, angereichert mit Torf und Mineraldünger. Das Frühbeet füllen wir bis etwa 10 cm unter den Rand. Nach dem Setzen der Schichten soll die Erde etwa 15 cm unter dem niedrigeren (südlichen) Rand stehen. Der häufigste und größte Fehler beim Befüllen ist ein Gefälle der Oberfläche zum Südrand hin; denken wir beim Befüllen deshalb an die Wasserwaage und prüfen wir, ob die Oberfläche kein unerwünschtes Gefälle hat.
Die Aussaat ins Frühbeet Nach dem Befüllen decken wir das Frühbeet mit den Fenstern ab, lassen aber einen kleinen Spalt (Lüftungskeil flach gelegt), damit die Erde an der Oberfläche abtrocknet. Nach zwei bis drei Tagen können wir säen. Die Bodenoberfläche ebnen und glätten wir mit dem umgedrehten Rechen oder einem Brettchen. Am besten säen wir in Reihen mit etwa 6–8 cm Abstand. Die Samen drücken wir mit einem flachen Brettchen an, gießen vorsichtig mit abgestandenem (lauwarmem) Wasser und bedecken sie nach dem Gießen mit einer dünnen Schicht fein gesiebter Erde. Gleich nach der Aussaat beschriften wir die Reihen (am besten mit Steckschildern) mit Art, Sorte und Aussaatdatum. Für eine gestaffelte Ernte säen wir gestaffelt aus. Das Frühbeet decken wir mit Fenstern und Matten ab, denn die meisten Samen keimen besser ohne Licht. Wir gießen und lüften nach Bedarf. Sobald sich die ersten Keimspitzen zeigen, nehmen wir die Matten ab und stellen sie als Windschutz neben das Frühbeet. Schatten dürfen sie darauf natürlich nicht werfen. Dann lüften wir vorsichtig immer stärker, damit die Pflanzen gut erstarken. Werden die Pflanzen in dieser Zeit schwach, erholen sie sich meist bis zur Ernte nicht mehr.
Pikieren Bei der Anzucht im Frühbeet müssen wir besonders darauf achten, die Pflanzen rechtzeitig zu pikieren, sonst werden die Jungpflanzen zu lang und schwach. Je mehr Platz — und damit Licht und Luft — eine junge Pflanze hat, desto kräftiger und gleichmäßiger entwickelt sie sich und desto schneller wächst sie. Wir pikieren mit einem Holzstab, sobald sich die Pflanzen aus der Aussaat gegenseitig behindern, also wenn sie zwei echte Blätter gebildet haben. Die Erde, in die wir pikieren, soll angemessen feucht sein, damit das Loch beim Pikieren nicht wieder zufällt. Die Pflanzen heben wir vorsichtig aus der Erde (am besten mit einer Schaufel an), stechen mit dem Pikierstab ein Loch, setzen die Pflanze bis zu den Keimblättern hinein und drücken die Erde seitlich auf ganzer Länge an die Wurzel. Die Pflanzen gießen wir an, beschriften sie mit Steckschildern und schattieren sie, damit sie gut anwurzeln.
Lüften Für gutes Wachstum und gute Entwicklung ist richtiges Lüften sehr wichtig. Fehlt uns die Erfahrung, verlassen wir uns besser auf ein Thermometer, das zwischen den Pflanzen im Frühbeet steht. Sobald die Temperatur 15 °C übersteigt, müssen wir lüften. Zuerst unterlegen wir das Frühbeetfenster mit dem flach gelegten Lüftungskeil. Steigt die Temperatur und wird die Sonneneinstrahlung stärker, stellen wir das Fenster auf immer höhere Kerben des Lüftungskeils. Bevor wir lüften, prüfen wir die Windrichtung; die Fenster heben wir immer auf der windabgewandten Seite an. Zugluft ist für junge Pflanzen tödlich. Dreht der Wind, müssen wir auch die Lüftungsseite wechseln. Einige Tage vor dem Auspflanzen beginnen wir, die Pflanzen abzuhärten: Wir nehmen die Fenster tagsüber für einige Stunden ab und lassen sie 3–4 Tage vor dem Auspflanzen schließlich auch nachts abgenommen. Abgehärtete Pflanzen erleiden beim Auspflanzen ins Freiland keinen Temperaturschock und wachsen rasch weiter.
Gießen im Frühbeet Wir gießen mit abgestandenem Wasser aus der Kanne mit feiner Brause. Anfangs gießen wir wenig, denn die anfängliche Bodenfeuchte reicht oft bis in den April. Nur an warmen Tagen, wenn die Erde austrocknet, gießen wir etwas, um eine gleichmäßige Feuchte zu halten. Wichtig ist, die Bodenfeuchte im Drittel des Frühbeets an der höheren Nordwand zu beobachten, auf die die Sonne stark trifft, sodass die Erde dort schneller austrocknet. Diesen Teil gießen wir deshalb reichlicher als den Bereich an der niedrigeren Wand. Daraus folgt, dass es bequemer ist, beim Gießen das Fenster auf der höheren Seite anzuheben, wo wir mehr Wasser geben. Nach dem Gießen lassen wir die Fenster geschlossen, weil wir Pflanzen und Boden mit dem Wasser abgekühlt haben. Nach etwa einer halben Stunde stabilisiert sich die Temperatur wieder. Besser als Gießen ist das Vernebeln, das die Luftfeuchte erhöht und bei dem keine Gefahr besteht, die Erde im Frühbeet zu überwässern. Eine Vernebelung einzurichten ist allerdings nicht einfach.

Gemüse vorziehen in Gefäßen: Anzuchtschalen, Multitopfplatten und Töpfe
DIE ANZUCHT IN AUSSAATGEFÄSSEN Für die Anzucht früher Sorten im Gewächshaus oder zu Hause säen wir das Saatgut in Anzuchtschalen oder Anzuchtkästen.

Anzuchtschalen und Anzuchtkästen Auf den Boden der Schale oder des Kastens geben wir grobe Erde oder Sand und darauf eine fein gesiebte Erdmischung (zwei Teile Frühbeeterde, ein Teil Torf, ein Teil Sand, also im Verhältnis 2: 1: 1). Die Erdmischung desinfizieren wir vor der Aussaat. Nach dem Befüllen glätten wir die Oberfläche mit einem Brettchen und drücken die Erde leicht an. Dann säen wir die Samen breitwürfig oder in Reihen, drücken sie an und bedecken sie fein mit gesiebter Erde (die Schichtdicke soll dem Samendurchmesser entsprechen). Anschließend wässern wir fein mit einer kleinen Sprühflasche (wir vernebeln), damit die Erde gleichmäßig feucht ist. Aussaaten beschriften wir immer mit Steckschildern samt Aussaatdatum, Art und Sorte. Für besseres Auflaufen decken wir die Gefäße nach der Aussaat mit einer Glasscheibe ab, die wir mit einem Holzstäbchen unterlegen, damit Luft darunter gelangt. Zunächst stellen wir die Gefäße an einen dunklen Ort oder decken sie mit Papier ab. Sobald sich die ersten Anzeichen der Keimung zeigen, stellen wir sie ins Licht und nehmen die Glasscheibe ab. Die keimenden Aussaaten beobachten und pflegen wir regelmäßig, damit sie weder zu praller Sonne ausgesetzt sind noch austrocknen. Sobald die Pflänzchen zwei echte Blätter haben, pikieren wir sie.
Multitopfplatten Multitopfplatten bestehen aus Kunststoff und setzen sich aus dem Formteil (der Wabe) und einer Unterlage zusammen. Die Wabe legen wir auf die Unterlage und füllen sie mit vorbereiteter Erde. In jede Zelle pikieren wir eine Pflanze. Die Wabe nehmen wir erst kurz vor dem Auspflanzen von der Unterlage, wenn die Pflanzen gut durchwurzelt sind. Multitopfplatten halten 10–15 Jahre, lassen sich gut reinigen und aufbewahren und sind leicht, sodass sich damit gut hantieren lässt.
Jungpflanzen in Töpfen Die Samen säen wir einzeln oder in Prisen direkt in Töpfe oder pikieren kleine Pflanzen hinein. Direkt in Töpfe säen wir meist Gurken, Melonen und Kürbisse. Für die Direktsaat füllen wir die Töpfe etwa zu zwei Dritteln und geben mit dem Wachstum der Pflanze Erde nach. Für die Anzucht eignen sich Tontöpfe oder Torftöpfe am besten, mit denen die Jungpflanzen direkt gepflanzt werden und die sich im Boden zersetzen. Auch Kunststoffbecher sind möglich, brauchen aber ein Loch im Boden. Getopfte Jungpflanzen und Pflanzen aus Multitopfplatten sind vorteilhaft, weil das Wachstum beim Auspflanzen nicht stockt. Bei der Anzucht tritt manchmal die sogenannte Umfallkrankheit der Keimlinge auf, besonders bei Kohlarten, aber auch bei Salat, Gurken und Tomaten.
MUSS MAN PIKIEREN? Nicht pikierte Jungpflanzen sind am wenigsten wertvoll, weil sie vergeilt sind und ein kleines Wurzelwerk haben. Es ist allerdings die einfachste und am wenigsten arbeitsaufwendige Art der Anzucht, die man in der Regel bei späten Gemüsesorten anwendet. Zuerst bereiten wir sorgfältig ein Saatbeet vor, geben also gute Komposterde zu und ebnen die Oberfläche gut ein. Das Beet soll an einem warmen, windgeschützten Platz liegen. Bei ungünstiger Witterung können wir es mit einer tragbaren Folienhaube schützen. Die Samen säen wir in Reihen und bemühen uns um eine gleichmäßige, dünnere Aussaat, damit sich die Pflanzen nach dem Auflaufen nicht zu sehr bedrängen. Wir gießen nach Bedarf. Die herangewachsenen Jungpflanzen entnehmen wir nach und nach je nach Bedarf.
DIE PFLEGE DER JUNGPFLANZEN IM FRÜHBEET Bei der Anzucht ist das Wichtigste, dass die Pflanzen von frühester Jugend an zügig wachsen, ohne störende Einflüsse, die sie im Wachstum bremsen. Deshalb geben wir ihnen möglichst gute Bedingungen und die bestmögliche Pflege: Wir setzen sie in die richtige Erde und achten auf ausreichend Licht, die passende Temperatur und Feuchtigkeit. Deshalb müssen wir Gemüsejungpflanzen schattieren, gießen, lüften und von Unkraut befreien.
Der Lichtbedarf junger Pflanzen ist unterschiedlich. Am wenigsten anspruchsvoll sind Gurken, die dafür viel Wärme brauchen. Sie schattieren wir auch am stärksten. Beim übrigen Gemüse gilt: Jüngere Pflanzen brauchen mehr Schatten als ältere. Je näher die Pflanzen am Fenster stehen, desto sorgfältiger schattieren wir, damit sie keinen Sonnenbrand bekommen. Bei praller Sonne schattieren wir etwa von 10–11 Uhr bis 15–16 Uhr, und zwar mit Schattiermatten aus Schilf oder Stäben. Anstriche auf den Fenstern haben sich zum Schattieren nicht bewährt, weil die Jungpflanzen an trüben Tagen dann unter Lichtmangel leiden.
Gemüsejungpflanzen brauchen zum Wachsen genügend Wasser. Wir gießen je nach Witterung und Bedarf. An sonnigen Tagen gießen wir reichlicher und in den Morgenstunden, bei kühlem, trübem Wetter mittags und weniger. Wir gießen mit vorgewärmtem Wasser, das dieselbe Temperatur wie der Boden haben soll, aber auch 2–3 °C wärmer sein darf. Bei warmem, mildem Regen nehmen wir die Fenster ab — Regenwasser ist die natürlichste und beste Bewässerung. Merken wir uns: Zu viel Nässe fördert die Ausbreitung von Krankheiten, vor allem von Pilzen, Trockenheit bremst das Wachstum. Deshalb müssen wir auch nach Bedarf lüften.
Unkraut zwischen den Pflanzen ziehen wir heraus, weil es den Jungpflanzen Platz, Nährstoffe, Licht und Feuchtigkeit nimmt. Je größer die Jungpflanzen werden, desto häufiger geben wir ihnen frische Luft und härten sie damit ab, damit sie nach dem Auspflanzen ins Beet nicht im Wachstum stocken.
Jungpflanzen richtig ins Gemüsebeet pflanzen
DIE BODENVORBEREITUNG FÜR DAS PFLANZEN Die Fläche für den Frühjahrsanbau graben wir im Herbst gründlich um. Auf die Beete, auf die im Frühjahr Gemüse kommt, das direkte Düngung verträgt, graben wir im Herbst Stallmist ein, auf die übrigen Beete Kompost. Das Umgraben im Frühjahr verbessert Struktur und Wasserhaushalt des Bodens nicht, eher im Gegenteil; wir greifen deshalb nur im Notfall darauf zurück, etwa wenn wir im Herbst nicht zum Umgraben gekommen sind. Im Frühjahr ist es am besten, den Boden nur leicht zu lockern und die Oberfläche abzuharken. Die Beete messen wir ab und bereiten sie vor wie für die Aussaat.
DAS AUSPFLANZEN Beim Pflanzen zeigt sich, wie stark der Humusgehalt des Bodens die Wurzelbildung beeinflusst. Je mehr Humus oder Torf die Erde enthielt, in der die Jungpflanze vorgezogen wurde, desto besser ist das Wurzelwerk entwickelt.
Die feinen Wurzeln dürfen nicht austrocknen, deshalb sollten sie auch nicht kurzzeitig Sonne und Wind ausgesetzt sein. Am besten wachsen Pflanzen an, die gerade erst aus der Erde geholt wurden und nicht welk sind. Wir entnehmen dem Frühbeet oder dem Kasten deshalb immer nur so viele Pflanzen, wie wir zügig auspflanzen können.
Der Jungpflanze kneifen wir die Wurzelspitze ab (Salat ist die Ausnahme — dessen Wurzel kürzen wir nicht), stechen mit dem Pflanzholz ein Loch und setzen die Pflanze vorsichtig so ein, dass die Wurzeln nach unten weisen. Wir setzen sie bis zu den Keimblättern ein, dürfen sie aber nicht zu tief setzen (besonders empfindlich sind Sellerie und Salat, bei denen sonst die unteren Blätter abfallen und die minderwertige Köpfe bilden). Die Erde drücken wir fest an die Wurzeln, sodass sie ganz umhüllt sind. Nach dem Pflanzen gießen wir sofort gründlich an.
Tomaten pflanzen wir am besten schräg mit der Hacke — wir setzen etwa ein Drittel des Stängels ein, der ebenfalls Wurzeln bildet und so die Nährstoffversorgung verbessert. Das Pflanzloch füllen wir nur zur Hälfte, gießen dann an, füllen mit Erde auf und drücken an. Die Erde verhindert die Verdunstung.
Jungpflanzen aus Multitopfplatten oder Töpfen sowie gekaufte Topf- oder Ballenpflanzen setzen wir mit der Pflanzkelle. Die Pflanzlöcher müssen groß genug sein, damit der ganze Ballen hineinpasst; er darf nicht über den Lochrand hinausragen, sonst trocknet er aus.
Beim Kauf bevorzugen wir immer Ballen- oder Topfpflanzen. Vor allem achten wir darauf, dass die Jungpflanzen nicht welk oder vertrocknet sind. Können wir sie nicht vor Ort kaufen und müssen sie transportieren, packen wir sie in Polyethylenbeutel, die keine Feuchtigkeit durchlassen, sodass die Pflanzen frisch bleiben. Darin aufbewahren dürfen wir sie allerdings nicht lange, damit sie nicht ins Schwitzen geraten.
Am besten pflanzen wir an einem bewölkten Tag, denn dann leiden die Jungpflanzen am wenigsten und wurzeln schnell und gut an. An warmen, sonnigen Tagen pflanzen wir lieber erst am späten Nachmittag. In der nächtlichen und morgendlichen Kühle erholen sich die Pflanzen gut, sodass sie die Wärme des nächsten Tages gut vertragen und nicht welken.
Gemüse pflanzen wir im Quadrat- oder Dreiecksverband. Der Abstand der einzelnen Pflanzen richtet sich nach Art und Sorte. Zuerst markieren wir mit Markierer oder Schnur die Reihen, dann die Abstände darin, und dann pflanzen wir.

Gemüse gießen: wann, wie und wie viel Wasser
Die Pflege des Gemüses im Beet
Beim Gemüseanbau sind regelmäßiges Gießen, das Lockern des Bodens, das Entfernen von Unkraut und das Nachdüngen am wichtigsten, gegebenenfalls auch eine Behandlung gegen Krankheiten und Schädlinge.

GIESSEN Alles Gemüse muss gegossen werden, denn die natürlichen Niederschläge reichen in einem normalen Jahr nicht aus; ohne oder mit nur wenig Wassergaben lassen sich in Jahren mit normalen Niederschlägen Möhren, Petersilie, Knoblauch, Zwiebeln und Rote Bete anbauen, die von allen Gemüsen den geringsten Wasserbedarf haben. Vor allem junges Gemüse braucht durchgehend feuchten Boden bis in 5–15 cm Tiefe. Solange keine hohen Tagestemperaturen herrschen, reicht der Wintervorrat an Bodenfeuchte in Jahren mit normalen Niederschlägen meist bis Mitte Mai. Ist das Frühjahr jedoch trocken, gießen wir frisch gepflanztes oder junges Gemüse aus Aussaaten täglich, später jeden zweiten Tag. Wir müssen bedenken, dass Wasser den Boden abkühlt, deshalb richten wir den Gießzeitpunkt nach Wetter und Jahreszeit. Im zeitigen Frühjahr (bei trockenem Frühling) und im Herbst gießen wir vormittags, damit sich der Boden bis zum Abend wieder erwärmt. Im Sommer, an sonnigen Tagen, gießen wir am späten Nachmittag oder frühen Morgen, damit das Wasser nicht aus dem Boden verdunstet. Wirksam ist eine Wassergabe nach leichtem Regen, weil feuchter Boden Wasser besser aufnimmt und das Regenwasser mit der Gabe zu den Wurzeln gedrückt wird, sodass die Pflanzen es gut nutzen können.
Der wichtigste Grundsatz beim Gießen lautet: gründlich gießen, sodass das Wasser tatsächlich mindestens 15 cm tief eindringt und zu den Wurzeln gelangt. Es bringt kaum etwas, täglich nur die Beetoberfläche anzufeuchten; die Feuchtigkeit erreicht die Wurzeln nicht und die Bodenstruktur wird unnötig zerstört. Sinnvoller ist es, einmal pro Woche zu gießen, dafür 10–20 l Wasser je 1 m² zu geben. Damit wird der Boden etwa 20 cm tief durchfeuchtet, was den meisten Gemüsen unter normalen Bedingungen genügt.
Ist der Boden ausgetrocknet, nimmt er Wasser schlecht auf. Deshalb lockern wir die Bodenoberfläche vor dem Gießen auf, damit das Wasser versickern kann und nicht ungenutzt vom Beet abläuft. Wir geben auch nicht die ganze Wassermenge auf einmal, sondern gießen in kleineren Portionen und warten, bis das Wasser eingesickert ist. Wasser darf nicht auf der Bodenoberfläche stehen bleiben. Nach dem Gießen und dem Abtrocknen lockern wir die Oberfläche erneut auf, um die Verdunstung zu bremsen.
Am meisten Wasser braucht alles frühe Gemüse, danach das Fruchtgemüse. Wir gießen mit Schlauch oder Kanne in sanftem Strahl, um die zarten Pflanzen nicht zu beschädigen. Tomaten gießen wir mit der Kanne direkt an die Wurzel, weil Wasser auf den Blättern Pilzbefall begünstigt.
Boden lockern, anhäufeln und Gemüse nachdüngen
DIE BODENPFLEGE Gemüse wächst nur in sauberem, gepflegtem Boden gut. Unkraut muss laufend beseitigt, die Bodenkruste aufgebrochen und der Boden gelockert werden.
Der Boden soll nach jedem Regen und jeder Wassergabe gelockert und die Bodenkruste aufgebrochen werden; so verhindert man übermäßige Verdunstung. Dazu verwenden wir Hacken oder Bodenlockerer. Mit der Hacke arbeiten wir rund um die Pflanzen flach, damit die Wurzeln nicht beschädigt werden. Die Hacke nutzen wir auch zum Anhäufeln, also zum Anhäufen von Erde an die Pflanze. Durch das Anhäufeln steht die Pflanze fester im Boden, der angehäufelte Teil bildet Wurzeln, und damit verbessert sich auch die Nährstoffversorgung. Anhäufeln empfiehlt sich bei allen Kohlgemüsen außer Kohlrabi, außerdem bei Tomaten, Paprika, Auberginen und Bohnen. Wir häufeln zwei- bis dreimal an und schütten jedes Mal etwa 10 cm auf. Das Anhäufeln nutzen wir auch zum Bleichen von Gemüse, vor allem bei Spargel und Porree. Durch das Anhäufen von Erde verhindern wir nämlich, dass Licht an den Pflanzenteil gelangt, den wir weiß haben möchten. Zum Lockern eignen sich auch verschiedene Bodenlockerer, mit denen man ziehend arbeitet. Zum Entfernen von Unkraut bei gleichzeitigem Lockern dienen Jäterahmen und Jätesterne.
NACHDÜNGEN Bei der Grunddüngung vor der Aussaat oder dem Pflanzen bringen wir in der Regel so viele Nährstoffe in den Boden, dass sie für Wachstum und Entwicklung von Gemüsen mit kurzer Kulturdauer ausreichen. Manchmal jedoch — vor allem bei Gemüsen mit längerer Kulturdauer — müssen wir für ein gutes Wachstum einzelne Nährstoffe ergänzen und die Kultur etwas „antreiben“. Meist ist das Stickstoff, der das Wachstum fördert. Zum Nachdüngen sagt man auch Blattdüngung, auch wenn sich die Nährstoffe natürlich ebenso über den Boden zuführen lassen — je nachdem, ob wir den Dünger über die Blätter sprühen oder ihn rund um die Pflanzen ausbringen und einwässern.








